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Rezension: Die Geburt des Kunstmarktes- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Die Geburt des Kunstmarktes- Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters", die vom 23.9. 2017 bis zum 7. Januar 2018 im Bucerius Kunst Forum in Hamburg gezeigt wird. 

Das Grußwort zum Buch hat Manfred Lahnstein, der Vorsitzende des Kuratoriums der ZEIT- Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius verfasst. Wie er schreibt, geht die Ausstellung der Frage nach, in welchem gesellschaftlichen und ökonomischen Umfeld sich die Künstler und ihr Werk bewegen. Um dies herauszufinden, befasst sich die Ausstellung mit der Herausbildung des frühen Kunstmarktes in den Niederlanden. Dabei sollen Ähnlichkeiten zum heutigen Business unverkennbar sein. 

Mitte des 17. Jahrhunderts hatten sich in Amsterdam und in anderen Städten die wesentlichen Elemente des Kunstmarktes herausgebildet. Damals suchten rund 350 Maler ihre Kundschaft. Dabei traten die üblichen Direktbeziehungen zwischen Künstler und Auftraggeber schnell in den Hintergrund. Kirche und Adel spielten kaum noch eine Rolle. Im calvinistischen Amsterdam waren wohlhabende Bürger an ihre Stelle getreten. Erste Ansätze zur Selbstvermarktung über Direktverkäufe, Auktionen und Lotterien sind ebenso bekannt wie kollektive Angebote über Ausstellungen und Malergilden. 

Beleuchtet werden nicht nur die die entscheidende Rolle des professionellen Kunsthandels, sondern auch die Markenbildung sowie die kostenbewusste, fast schon industrielle Produktionsweise. 

Franz Wilhelm Kaiser, der Direktor des Bucerius Kunst Forums fragt rhetorisch nach, ob die Koppelung zwischen Kunst und Geld per se schlecht sei für die Kunst. Anschließend  erfährt man seitens Michael North mehr über den niederländischen Kunstmarkt und seine Ausstrahlung auf Europa. Themen wie etwa die institutionelle und auch die ökonomische Entwicklung des Kunstmarktes, Bilderauktionen, auch die Ausstrahlung des niederländischen Kunstmarktes auf Europa kommen zur Sprache und man liest Wissenswertes über den Kunstmarkt in Antwerpen beispielsweise. 

Dann  werden Genrebilder von Adriaen van Ostade vorgestellt. Es folgen Tronies und Porträts verschiedener Künstler und weitere Reflektionen zur Geburt des Kunstmarktes. Landschaftsmalerei, auch Seestücke und Stillleben etc kann, wer möchte, bestaunen, mit einem Wort Deko-Kunst, so möchte ich sie mal salopp nennen. 

Die Preise für diese Bilder waren teilweise absurd hoch im sogenannten "Goldenen Zeitalter". Der rege Handel bestimmte dabei augenscheinlich die Motive. Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn man die gezeigten Werke genauer ansieht. 

Empfehlenswert. 

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich
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Die Geburt des Kunstmarktes: Rembrandt, Ruisdael, Van Goyen und die Kunst des Goldenen Zeitalters (Bucerius KUNST Forum)

Rezension: „Diese vollkommenen Wunderwerke“ –Rodins Aquarelle- Insel-Bücherei Nr. 1440

Herausgeber dieses bezaubernden kleinen Bändchens, das Texte Rainer Maria Rilkes und Aquarelle des Künstlers Auguste Rodin (1840-1917) enthält, ist Rainer Stamm. Er auch hat das Nachwort verfasst und erläutert dort, dass für das Werk Rainer Maria Rilkes (1875-1926) kein anderer Künstler von ähnlicher Bedeutung war wie Auguste Rodin. Auf ihn war Rilke durch seine Ehefrau Clara Westhoff aufmerksam geworden. Er lernte Rodin schließlich in Paris kennen und arbeitete als sein Privatsekretär, beobachtete das Schaffen des Künstlers, während er selbst zum Dichter von Weltrang heranreifte. 

Weibliche Akt-Aquarelle von Rodin werden im Buch von Rilke-Texten begleitet. Hier kommentiert Rilke, dass für den Schaffenden immer noch Dantes Worte gelte, dass für ihn der Körper die Seele sei und positioniert sich bewundernd zu dem, was er sieht und zu Papier bringt. 

Der Dichter schreibt  hier u.a. an seine Frau einen Brief und denkt  über Rodins Aquarelle nach, auch über die kleinen grazilen Tänzerinnen, die man auf den Folgeseiten bewundern kann. Er  formuliert dazu "Diese Finger, gespreizt, offen, strahlig und zueinander gebogen wie in einer Jerichorose; diese Finger entzückt und glücklich oder bange ganz am Ende der lange Arm aufgezeigt: sie tanzend." Sehr poetisch geht die Bildbeschreibung dann weiter und man weiß, wenn man die Aquarelle im Anschluss sieht, dass Rilke sie seiner Clara mit einfühlsamen Worten exakt nachgezeichnet hat.  Auch sie kann sie nun sehen.

Ich kannte diese Aquarelle bislang nicht und bin von Rodins "Kambodschanischen Tänzerinnen" wirklich sehr angetan. Diese selbstbewussten Frauen wirken in ihrem selbstvergessenen Tanz sehr glücklich. 

Man liest des Weiteren Briefe, die Rilke an Rodin schrieb. Auch sie werden von schönen Aquarellen begleitet. Rilke ist voller Hochachtung Rodin gegenüber, weil dieser in das Geheimnis der Tänze Kambodschas eingedrungen ist. Für ihn gehören die im Buch zu sehenden aquarellierten Zeichnungen zu den tiefsten Offenbarungen. 

Dies ist ein sehr schönes, kleines Büchlein, das ich gerne weiterempfehle, weil hier Kunst auf höchstem Niveau beschrieben und verdeutlicht wird, dass die Dichter und Maler sich ideal ergänzen können aufgrund ihrer Feinnervigkeit. 

Sehr empfehlenswert
Helga König 
Überall im Handel erhältlich Onlinebestellung bitte hier klicken: Insel oder Amazon »Diese vollkommenen Wunderwerke«: Rodins Aquarelle (Insel-Bücherei)

Rezension: Matisse- Bonnard- Es lebe die Malerei- Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Matisse- Bonnard- Es lebe die Malerei", die vom 13.09.2017 – 14.01.2018 im Städel-Museum in Frankfurt gezeigt wird. 

Das Vorwort zum Buch hat Philipp Demandt geschrieben. Er ist der Direktor des Städel Museums.

Wie er festhält, schenkt das Museum mit der Ausstellung "Matisse Bonnard- Es lebe die Malerei" den Besuchern einen Einblick in ein faszinierendes Kapitel der französischen Moderne und eröffnet ein visuelles Wechselspiel zwischen zwei Malern, deren gegenseitiger Einfluss bei vergleichenden Betrachtungen ganz unverkennbar zum Vorschein kommt. Dabei widmet sich die Werkschau (über 100 Bilder) in thematischen Kapiteln der nicht selten verblüffend ähnlichen Umsetzung der zentralen Sujets wie etwa Interieur, Stilleben, Landschaft und Akt. Die beiden Künstler waren Freunde, die in ihrer Themenwahl  gewissermaßen einen fruchtbaren Dialog führten.

Die Essays, die dem Tafelteil vorausgehen, tragen die Titel: 

"Matisse-Bonnard. Es lebe die Malerei" – Felix Krämer 

"Die Pose finden- Die Modelle von Pierre Pierre Bonnard und Henri Matisse"- Dita Amory

"Zwischen Tradition und Erneuerung- Henri Matisse und Pierre Bonnard im Spiegel der 1940er Jahre" Daniel Zamani  

"Mit Bonnard und Matisse an der Côte d´ Azur- Das Sammlerpaar Hahnloser-Bühler und seine Künstlerfreunde"- Margrit Hahnloser- Ingold 

In die Texte sind Fotodokumente eingebunden, die dem Betrachter (m/w) einen bemerkenswerten Eindruck von beiden Künstlern verschaffen. Der Tafelteil ist in nachstehende Rubriken eingeteilt:

Interieur- Beate Söntgen 
Stillleben- Iris Hasler 
Landschaft/Natur- Daniel Zamani 
Frauenbild/Akt- Elena Schroll 
Grafik-Jenny Graser 

Den Bildern geht jeweils ein erläuternder Textbeitrag voraus, in dem die Betrachtungen der beiden Künstler beleuchtet werden, sei es beim Interieur oder in den Thematiken der anderen genannten Rubriken.  

Besonders begeistert bin ich vom grafischen Werk von Matisse. Er hatte eine Vorliebe für das serielle Arbeiten mit dem Stift oder auch der Feder. Werke wie  "Der Albtraum der weißen Elefanten" oder auch "Ikarus" wirken lange nach.

Matisse und Bonnard zogen sich oft nach Südfrankreich zurück, um ungestört arbeiten zu können, wo sie ab 1917 bzw. 1926 ihren Wohnsitz verlegten.

Auf den letzten Seiten kann sich man im Rahmen einer Chronologie einen Überblick über das Tun der beiden in den Zeitläuften erwerben. 

Empfehlenswert 

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich
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Matisse - Bonnard: Es lebe die Malerei!

Rezension: Colorama- Das Buch der Farben- Prestel

Dieses wunderbare Buch ist genau 133 Farbtönen gewidmet. Für jeden Farbton bietet der Prestel -Verlag zwei Seiten in dieser Publikation an. Links sieht man jeweils eine Illustration, die sich mit der fokussierten Farbe befasst. Unter jeder Illustration ist eine kleine Geschichte zu lesen, die auf die vorgestellte Farbe Bezug nimmt und rechts dann kann man die Farbe ganzseitig bewundern. 

Wussten Sie, dass es eine Farbe gibt, die "Friedenstaube" heißt? Es handelt sich um einen Weißton, der zwischen dem Weiß von "Milch"und "Albinosweiß" angesiedelt ist. Doch dem nicht genug, gibt es noch zahlreiche andere Weißtöne, die auseinanderzuhalten keineswegs einfach sind. 

"Baumwollweiß" kannte man schon vor 3000 Jahren, denn Baumwolle wurde bereits damals angebaut. Wie man liest, bilden die Sträucher nach der Blüte kleine Fruchtkapseln, die nach ungefähr acht Wochen aufplatzen, um die Samen der Pflanzen zu verteilen. Es quillt dann ein weißer Bausch aus der Kapsel. Die Fasern werden jetzt geerntet, gekämmt, gezwirnt und zu Stoff verarbeitet. Die Information, dass Baumwolle heute das meist getragene Textil der Welt ist, bleibt auch nicht unerwähnt.

Dann warten eine Vielzahl von Rosé- und Rottönen auf den Betrachter. Den Anfang nimmt ein Puderton. Auf der Illustration ist eine Frau zu sehen, die sich pudert. Man erfährt, dass im 17. und 18. Jahrhundert französische Männer aber auch Frauen sich schminkten und Blässe als sehr vornehm galt. Gepudert wurde mit "Kremser Weiß". Dieser Puder wurde aus Blei hergestellt und war überaus giftig. Nicht weniger gesundheitsfördernd allerdings ist auch "Rosa Zuckerwatte". Dass sie ein Zahnarzt erfunden haben soll, halte ich allerdings für ein böses Gerücht. 

Als schön empfinde ich "Kirschblütenrosa". Dass der japanische Kirschbaum "Sakura" mit flüchtiger Schönheit in Verbindung gebracht wird, ist bedauerlich. Es folgen eine Reihe wundervoller Farbtöne. Dazu gehören die Töne "Garnele", "Flamingo", "Sonnenaufgang", "Granatapfel" und "Kussmund". Zu dem zuletzt genannten Farbton erfährt man, dass seit Jahrtausenden bereits die Frauen damit ihre Lippen färben. Dabei verwendete man in der Antike Algen oder schwarze Johannisbeeren, später Schildläuse, Kalbsmark oder giftiges Zinnober. Heute werden Lippenstifte zumeist aus künstlichen Farbstoffen produziert, manche auch aus Haifischleberöl. 

Die Farbe "Ochsenblutrot" schaut aber dunkler aus  als "Kussmund" und erinnert an den Farbton "Rubinrot". Der Edelstein Rubin verdankt seine Farbe übrigens dem Chromoxid in seinen Kristallen. 

Es folgen irgendwann Orange- dann Beige und Brauntöne. Sehr edel ist der Farbton "Grège". Es handelt sich um die Farbe von Seide im Rohzustand. Das Material verdanken wir den Seidenraupen des Schmetterlings "Bombyx mori".

Eine Reihe schöner Gelbtöne schenkt gute Laune. Dann endlich sehe ich meine derzeitige Lieblingsfarbe Grün und hier u.a. das schöne "Zederngrün". Die Blaue Zeder, die in Nordafrika beheimatet ist, kann bis zu 900 Jahre alt werden und gilt im Libanon als heiliger Baum, der mit Frieden und Ewigkeit assoziiert wird. Schließlich ist da noch das schöne "Meergrün". Es handelt sich um einen gedämpften bläulich-grünen Ton.  Eine äußerst beruhigende und dabei erfrischende Farbe.

Es folgt eine Vielzahl von Blautönen und hier auch der Ton "Bleu Charrette". Für diesen Ton gibt es keine deutsche Entsprechung In Südfrankreich verwendete man einst Färberweid, um das blaue Pigment herzustellen. Man verwendete es zum Färben von Stoffen. Die Farbe soll angeblich insektenabweisend sein. Wie auch immer, sie sieht unglaublich schön aus. 

Schön aber auch sind die Farbtöne "Kornblumen" und "Tuareg". Das gleichnamige nomadische Berbervolk färbte Stoffe mit Blättern des Indigobaumes. Die Farbe färbte sogar ihre Haut, weshalb man sie "das blaue Volk" nannte. 

Nach den Violetttönen  darf man die an  Farben wie "Mauve", "Fuchsia" und "Magenta" erfreuen. "Magenta" ist in Mexiko sehr beliebt. Der Name aber geht auf eine Schlacht in Magenta (Italien) zurück, wo viel Blut floss. 

Der zuletzt gezeigte Farbton im Buch heißt "Mondlicht". Mit ihr schließt sich der Kreis, dem ein Farbpaletten-Überblick und das thematische Register folgen. 

Erstaunlicherweise tragen viele Farbtöne Namen von Tieren, andere von Blumen, Pflanzen und Bäumen. Farben, die nach Edelsteinen benannt sind, kennen viele. Doch solche, die den Namen von Fortbewegungsmitteln tragen vermutlich nur nur wenige. Die edelste kennen gewiss alle: "British Racing Green".

Alles in allem, ist dies ein tolles Buch, das einfach Freude schenkt. Für Menschen, die Malerei zu schätzen wissen, ist das Wissen um Farben natürlich überaus bereichernd. Vermutlich sieht man mehr, wenn man alles sprachlich zu differenzieren weiß. Wer mehr sieht, darf mehr staunen.

Sehr empfehlenswert 

Helga König 

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COLORAMA - Das Buch der Farben

Rezension: Flora- 3000 Jahre Pflanzendarstellung in der Kunst- DVA

Dieser bemerkenswerte Bildband enthält über 300 der schönsten und berühmtesten botanischen Kunstwerke aus aller Welt und der gesamten Kunstgeschichte. Der Präsentation der Werke geht das informative Vorwort voran. Verfasst wurde es von dem Botaniker und Pflanzensammler Dr. James Compton. 

Er schreibt, dass die frühesten bekannten Darstellungen von Pflanzen, die man bestimmen kann, vor etwa 5000 Jahren entstanden sind und zwar in Regionen am östlichen Mittelmeer. Anfänglich galten die Abbildungen rein ästhetischen Zwecken. In der Folge wurde immer mehr Wert auf Einzelheiten bei der Gestaltung gelegt. So konnten Pflanzenillustrationen in der Wissenschaft eine anhaltende Wertschätzung erlangen und dienen heute nach wie vor der Bestimmung und Klassifizierung von Pflanzenproben. Dabei liegt jeder Illustration die Absicht zugrunde, das Aussehen eine Pflanze zu dokumentieren. Ziel ist es, unsterblich zu machen, indem man wesentlich Merkmale wiedergibt. 

"Flora"  spiegelt eine Vielzahl künstlerischer Mittel wider und untersucht die Motivationen, die die botanische Kunst in Laufe der Geschichte beeinflusst haben. Im vorliegenden Werk wird das riesige Spektrum des botanischen Wissens nicht chronologisch und thematisch dargestellt, sondern es werden gegensätzliche oder einander ergänzende Bilder auf diese Weise gegenübergestellt, die keineswegs nur die Einzigartigkeit der individuellen Kunstwerke hervorhebt, sondern darüber hinaus auch manche Gemeinsamkeit betont. 

Man erfährt Wissenswertes über die Ursprünge der botanischen Illustration und deren Bedeutung in den Zeitläuften. Die Bilder im Buch wurden von einem internationalen Expertengremium zusammengestellt. Sie dokumentieren die unterschiedlichsten Hintergründe, weshalb Menschen Pflanzen abbilden. So geht es etwa darum, eine neu entdeckte Art festzuhalten, um sich an der Vielfalt der Formen und Farben zu erfreuen oder deren Heil- und Giftwirkung zu dokumentieren. Eine Vielzahl sehr berühmter Künstler sorgen für Aufsehen, allen voran Pierre-Joseph Redouté, über dessen Werke ich auf "Buch, Kultur und Lifestyle" bereits ausführlich geschrieben habe. 

Begeistert in "Flora" hat mich u.a. ein Aquarell aus dem Jahre 2013 mit dem Titel "Japanischer Pagodenbaum" von Masumi Yamanaka. Diese Künstlerin berührt und "streichelt" einen Baum zunächst und bittet ihn um Erlaubnis, ihn ablichten zu können oder Skizzen von ihm anfertigen zu können. Der Baum dankt es ihr auf seine Weise. Anschließend benötigt sie bis zu drei Monate, bevor ein Bild fertig ist. 

1818 hat Franz Bauer die Paradiesvogelblume als Aquarell zu Papier gebracht. Sie stammt übrigens aus einem kleinen Gebiet im Osten der südafrikanischen Kap-Provinz. Es ist ein sehr schönes Bild, das man gerne länger betrachtet. 

Insgesamt ist dieses Kunstbuch ein Werk, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt, speziell wenn man botanisch interessiert ist und  an der künstlerischen Umsetzung von Flora  Freude hat.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Flora: 3000 Jahre Pflanzendarstellung in der Kunst

Rezension: China und Ägypten- Wiegen der Welt - Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "China und Ägypten- Wiegen der Welt", die vom 06.07.2017 bis 03.12.2017 im Neuen Museum in Berlin gezeigt wird. Mit dieser Ausstellung auf der Museumsinsel Berlin werden erstmals zwei Hochkulturen in einem thematischen Vergleich einander gegenübergestellt. Dabei spiegelt der vorliegende Katalog das Ergebnis einer außergewöhnlichen Zusammenarbeit zwischen dem Shanghai Museum und dem Ägyptischen Museum und Papyrussammlung der Staatlichen Museen zu Berlin wider. 

Im Neuen Museum treffen das Alte Ägypten und Alte China des Zeitraums vom 4. Jahrtausend v. Chr. bis 200 n Chr. aufeinander. Die in diesem Zusammenhang gezeigten Exponate werden innerhalb von fünf Sektionen in einen direkten Dialog zueinander gesetzt. Es handelt sich bei diesen Sektionen um: Lebenswelten, Schrift, Totenkult, Glaubenswelten sowie Herrschaft und Verwaltung.  Insgesamt 250 Exponate werden vorgestellt. Auf diese Weise werden archäologische Zeitzeugen aus China und Ägypten miteinander in Beziehung gesetzt und ermöglichen bislang unbekannte Vergleiche. 

Der Katalog entspricht in seinem Aufbau dem der Ausstellung und nimmt Bezug auch bei der Nummerierung der Objekte auf die Gegebenheiten vor Ort. Die einzelnen Exponate werden sehr gut beschrieben und so lernt man beispielsweise Weinbecher und Alltagskeramik aus China aus besagtem Zeitraum kennen oder Glockenspiele, die im Kult der Zhou eine wichtige Rolle spielten. 

Beeindruckend ist der Schulterkragen der Königin Amanishakheto. Der Kragen wurde im heutigen Sudan gefunden und gehört zu den Kronjuwelen besagter Königin. Antiker Schmuck,  so etwa eine Kette aus rhomben- und tonnenförmigen Perlen oder aus Scheibenperlen  beeindruckt gewiss nicht nur Frauen.

Spannend sind die Textinformationen zur Schrift, denn diese gehören zu den bahnbrechenden Kulturleistungen der Menschheit. Zu den frühesten Schriftkulturen der Welt zählen das Alte China, die Staatstaaten des Vorderen Orients und das Alte Ägypten. Dort entstanden Schriftsysteme völlig unabhängig voneinander. Darüber erfährt man Näheres und auch, dass sich recht früh schon eine flüssige Handschrift entwickelte. Zum Schreiben verwendete man angespitzte Binse. Schreibutensilien lernt man  in der Folge kennen und  auch eine Reihe von Schriftzeichen. 

Seite für Seite gibt es also viel zu bestaunen. Mit einem Satz: Der Katalog ist gelungen und sehr empfehlenswert. 

Helga König

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China und Ägypten: Wiegen der Welt

Rezension: Pieter Bruegel- Das Zeichnen der Welt- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Pieter Bruegel- Das Zeichnen der Welt", die vom 8. September bis zum 3. Dezember 2017 in der Albertina in Wien gezeigt wird. Herausgeberin des vorliegenden Buches ist Eva Michel. Sie hat auch den spannend zu lesenden Beitrag "Er zeichnete sehr sauber und hübsch mit der Feder- Pieter Bruegel als Zeichner" verfasst. Dem erhellenden Text vorangestellt ist das Vorwort von Klaus Albrecht Schröder. 

Wie Schröder betont, sind die Werke dieses Künstlers heute noch relevant, weil sie zum Nachdenken anregen. Das kann ich bestätigen. Der niederländische Künstler entwarf am Vorabend des niederländischen Unabhängigkeitskampfes gegen die spanische Herrschaft, in einer Epoche der politischen und sozialen Umbrüche wie auch der tiefen religiösen Spaltung eine komplexe Bilderwelt. Schröder hält fest, dass der Künstler die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse sehr kritisch reflektiert hat, Fragen nach Gut und Böse stellte, um zugleich aufzuzeigen, dass man mehr Farben als Schwarz und Weiß benötigt, um ein differenziertes Bild zu zeichnen. 

Bruegel wollte die ganze Welt auf Papier darstellen. Dabei wechseln die naturalistische Wiedergabe mit augenscheinlich Erfundenem, peniblen Vorlagezeichnungen mit freien Skizzen. 

Die Albertina präsentiert in der Ausstellung das gesamte Spektrum von Bruegels zeichnerischem und druckgraphischem Schaffen und reflektiert seine künstlerischen Ursprünge anhand der Gegenüberstellung mit hochkarätigen Werken berühmter Vorläufer wie Hieronymus Bosch und Albrecht Dürer. Wie Schröder schreibt, bekunden Bruegels Werke ein großes Interesse an der Lebensrealität seiner Zeitgenossen. Dabei zeigt er anstelle des Individuums bestimmte Typen. Sein Thema ist der stetige Konflikt zwischen Ideal und Realität. 

Mit Schriftstellern wie Rabelais, Cervantes oder Shakespeare, die zur gleichen Zeit lebten, verbinden Bruegel das Thematisieren des Derb-Volkstümlichen sowie die ungeschönte Darstellung gesellschaftlicher Verhältnisse. Bruegels Zeichnungen zählen weltweit zu den größten Schätzen Graphischer Sammlungen. Die Gründe hierfür werden dem Betrachter des Katalogs sehr rasch bewusst. 

Eva Michel lässt die Leser wissen, dass Pieter Bruegels zeichnerisches Werk sich auf die Jahre 1552-1569 erstreckt und es dabei ebenso überschaubar ist wie sein malerisches Werk von etwas mehr als 40 Gemälden. 60 Handzeichnungen gelten als eigene Arbeiten. Im Unterschied zu Bruegels Gemälden mussten seine Zeichnungen und Druckgraphiken nahezu ohne Farbe auskommen und beschränkten sich nur auf kleine Formate. 

Laura Ritter schreibt in ihrem Beitrag über Formen, Funktionen und Wege künstlerischer Aneignung im graphischen Werk Pieter Bruegels und Daniela Hammer- Tugendhat  über innovative künstlerische Verfahren als Mittel der Zeitkritik. 

Im Katalogteil dann wird man zunächst mit Zeichnungen von Dürer, Lucas van Leyden, Cornelis Massys, Sebald Beham und anderen mehr konfrontiert und kann sich dann mit Werken Pieter Bruegels befassen, um sich schließlich mit Tugenddarstellungen Bruegels und anderer Künstler auseinanderzusetzen. Auch die Todsünden werden visualisiert und mit ihnen der Hochmut, der Neid als auch die Habgier. Diese Darstellungen sind überaus facettenreich und subtil beobachtet.

Albrecht Dürers "Die Melancholie" blickt nach wie vor bekümmert, denn sie weiß, der Mensch schafft es offenbar nicht, die Todsünden abzulegen und sich neu und zwar über Tugenden zu definieren.  

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Pieter Bruegel: Das Zeichnen der Welt

Rezension: Afghanistan –Steve Mc Curry- Taschen

Die Bilder für diesen grandiosen Fotoband mit dem Titel "Afghanistan" hat Steve McCurry realisiert. Er gilt als der bildmächtigste Vertreter zeitgenössischer Fotografie.

William Dalrymple war für das Nachwort zuständig. Zu lesen ist es in englischer, deutscher und französischer Sprache.

Hier erfährt man allgemein Wissenswertes zu Afghanistan, wo sich seit alters her alles gegen eine Staatenbildung verschworen hat. Genannt werden als Gründe: die Geographie, die Topographie und die gebirgige Landschaft des Hindukusch. Hinzu kommen die verschiedenen Stämme und die ethnischen und sprachlichen Gräben. Sie spalten die afghanische Gesellschaft. Blutrache unter den Clans und Stämmen scheint an der Tagesordnung zu sein. Das Ergebnis ist, die Fotos zeigen es, niederschmetternd.

Aufgrund der Kälte im Winter erscheinen die Gesichter der Afghanen ausdruckslos. Aufgeschreckt liest man, dass 80% der Bewohner des Landes Analphabeten sind. Das macht die Menschen dort allerdings nicht weniger selbstbewusst, wie die Bilder offenbaren.

Man erfährt im Nachwort u.a. Wissenswertes über die Mentalität der Menschen in diesem uns fremd erscheinenden Land, die ihre Freiheit lieben und zuverlässig zu ihren Freunden, dabei zudem sehr gastfreundlich sein sollen.

Steve Mc Curry reist seit über dreißig Jahren durch Afghanistan und scheute nie vor dem Grauen und der Tragödie der modernen Kriege in der Region zurück. Seine Bilder sind deshalb teilweise schonungslos und schockierend, gleichwohl bezeugen sie seine Liebe zu diesem rauen Land.

Der Fotoband übermittelt nicht zuletzt ein grandioses Panorama des Landes, zeigt bewaffnete Männer, karge Landschaften, liebenswerte Menschen, die mit Wenigem auskommen, befremdlich erscheinende Gebäude und restlos zerstörte Orte, in denen Menschen unter schwierigsten Verhältnissen leben müssen, zeigt weiter Soldaten im Einsatz, schon kleine Kinder mit Waffen, Brutalität und Angst inmitten verwüsteter Orte, Kriegsinvaliden, unglaublich zerstörte Städte, Feuer und Schutt, Blut, doch irgendwann auch lesende Knaben und ein Mädchen, das ein Buch schützend im Arm hält, selten ein Lachen, oft Einäugige, und plötzlich auf einer Doppelseite einen märchenhaften Palast mit unzähligen Friedenstauben davor. Ein Hoffnungsschimmer.

Frauen, die eine Burka tragen, gehören zum Straßenbild und auch Mädchen, die geschickt Bälle jonglieren, nicht zuletzt, weil sie ihr Gesicht noch öffentlich zeigen und ihre Augen noch der raschen Bewegung der Bälle folgen dürfen.

Steve McCurry hat u.a. eine Frau mit einer gelben Burka aufgenommen. Das Gewand ist sehr kostbar - aufwendige Stickereien und komplizierte Falten, die den Umhang fächerartig gestalten - machen neugierig. Wenn man nicht wüsste, dass Frauen in Afghanistan gezwungen werden, eine solches Kleidungsstück zu tragen, könnte man  die Burka als ästhetisch schön bezeichnen. So allerdings spürt man bloße Verärgerung. Einen solchen Spagat will man nicht machen. Es wäre Verrat.

Männer und Frauen leben in diesem Land, die Bilder verdeutlichen es, in unterschiedlichen Gesellschaften. Für Menschen, die eine virile Zeit heraufbeschwören wollen, ist dieses Buch vielleicht eine letzte Mahnung. Tod und Verwüstung, Unterdrückung von Frauen und Kinder, die das Lachen verlernt haben, sind das Ergebnis, wenn man Männer archaisch viril ihre Machtbestrebungen ausleben lässt. Das ist die Botschaft dieses Buches.

Ein beeindruckendes Buch mit grandiosen Aufnahmen. 

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

Das Buch ist überall im Handel erhältlich
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Rezension: Helmut Newton-Taschen

Dieser Prachtband mit Werken des legendären Fotografen Helmut Newton (1920-2004) ist eine neue Ausgabe des berühmten Fotobuchs "SUMO", das ein Jahrzehnt nach seiner Erstveröffentlichung, von June Newton überarbeitet in einem Format herausgegeben wurde, das es nicht zuletzt auch preislich ermöglicht hat, es einem breiteren Publikum zu offerieren. 

"SUMO" gilt mit seinen 34,5 Kilogramm als das größte, gewichtigste und teuerste Buch des 20. Jahrhunderts und erschien in einer limitierten Auflage von 10 000 signierten und nummerierten Exemplaren. Diese waren bald nach der Veröffentlichung ausverkauft und vervielfachten sich im Wert. Das SUMO-Exemplar Nummer eins, handsigniert von über 100 im Buch abgebildeten berühmten Persönlichkeiten wurde bei einer Auktion in Berlin für damals 620 000 DM versteigert. 

Das hier vorliegende Werk ist in einer gut verschließbaren Box enthalten und zwar gemeinsam mit einem Heft, dass das Vorwort der SUMO-Originalausgabe von Helmut Newton aus dem Jahre 1999 enthält, abgedruckt in englischer, deutscher und französischer Sprache und zudem Nachbetrachtungen von June Newton (zehn Jahre danach) wie auch eine Nachbetrachtung von Philippe Garner, ebenfalls dreisprachig abgedruckt. 

Zudem wird in der Box ein eigens für das Buch entworfener Display-Buchständer mitgeliefert. 

Mit großem Vergnügen bin ich in die Bilderwelt Newtons erneut eingetaucht, die ich im Jahre 2000 erstmals bei einem Bekannten in der SUMO-Originalausgabe bewunderte und bin nun wirklich sehr angetan, von der neuen handlicheren Ausgabe. 

Werke von Newton aus unterschiedlichen Jahrzehnten warten auf den Betrachter. Wie Newton in seinem Vorwort schreibt, hatte er schon früh begriffen, dass er im Studio nicht zu seiner besten Form fand, dass seine Fantasie die Realität draußen unter freiem Himmel benötigte. Schon früh war ihm bewusst, dass seine Models einen bestimmten Frauentyp verkörperten. Sein Anliegen war es, verrückte und sexuell aufgeladene Modefotografien zu realisieren. Dabei beschränkte er sich auf zwei Kameras, jede mit drei Objektiven, einen Blitz, den man auf die Kamera stecken konnte und einen Assistenten. 

Seine ersten Aktaufnahmen machte er nicht vor 1980. Modefotos in Schwarz-Weiß oder Farbe aus den 1960er Jahren lassen bereits erkennen, dass er eine  sehr individuelle Sicht auf seine Modelle hatte. Hocherotisch erweist sich jedes Foto als eine Männerfantasie, wie ich amüsiert aber nicht pikiert feststelle. 

Die Kleidung berühmter Modemacher wird zur interessanten Verpackung von Frauen mit ganz großer Ausstrahlung, die wenig selbstbewusste Männer bestimmt äußerst verunsichern. Tollen Fotos aus den 1970er Jahren, die u.a.  Modeaufnahmen für Yves Saint Laurent zeigen und hier bereits mit der Erotik lesbischer Frauen kokettieren, folgen dann erste Aktbilder von Frauen mit noch unrasierten Schamhaaren, die darin erinnern wie sehr sich das Körpergefühl in den letzten Jahrzehnten geändert hat.

Ein schönes Foto von Andy Warhol aus dem Jahre 1974 beeindruckt ebenso wie die folgenden Aktfotos. Irgendwann dann darf man eine sehr interessante Aufnahme von Catherine Deneuve bewundern. Sie war eine besondere Schönheit, ohne Frage. Newton lässt die Betrachter nicht im Ungewissen.

Karl Lagerfeld ist mehrfach zu sehen und man kann Newtons Sichtweise auf Schauspielerinnen wie Romy Schneider, Elisabeth Taylor oder Charlotte Rampling nachvollziehen. Ihm ging es  dabei eindeutig stets um Authentizität.

Dann gibt es da auch noch das Foto von Helmut Berger. Es stammt aus dem Jahre 1984 und wurde in Beverly Hills aufgenommen. Es handelt sich dabei um eine Aktaufnahme vor einem offenen Kamin. Helmut Berger blickt lässig, dabei aber nicht eitel in den Spiegel. Sein Körper, formvollendet, zeigt ihn als den schönsten Mann des vergangenen Jahrhunderts. 

Eine wunderschöne Porträtaufnahme von Marianne Faithfull aus dem Jahre 1999 lässt erkennen, dass Newton in die Seele seiner Modelle blicken konnte. Seine Aktaufnahmen- es sind sehr, sehr viele- zeigen, dass Helmut Newton ein Faible für Frauen hatte, die nicht androgyn, aber gewiss ein wenig dominant waren. 

Ein Foto von Claudia Schiffer mit Zöpfen im Dirndl ist gleich neben einer Aufnahme von Leni Riefenstahl positioniert. Ich erlaube mir beim Anblick der Doppelseite nichts zu denken und bewundere dann weiter die vielen Aktbilder, die nicht nur Ausdruck des Zeitgeistes sind, sondern auch etwas über die Vorlieben von Helmut Newton aussagen. 

Künstlerisch wertvoll ist jedes Bild. Keines der Werke wirkt bildbearbeitet, sondern stattdessen wahnsinnig authentisch. Fantastisch, nach langer Zeit endlich mal wieder attraktive Aktmodelle zu sehen, die nicht schönheitsoperiert sind!

Alle Fotos beinhalten ein Geheimnis, das es zu entschlüsseln gilt. Eine interessante Aufgabe.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

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Rezension: Kandinsky- Prestel

Die Herausgeber dieses vortrefflichen Kunstbandes sind Helmut Friedel und Annegret Hoberg. Neben einer Vielzahl von Werken Wassily Kandinskys erwarten den Leser zunächst eine sehr gut geschriebene Einleitung, insgesamt 7 Essays unterschiedlicher Autoren, die das Werk des Künstlers erhellen, dessen Lebensstationen, das Verzeichnis der abgebildeten Werke, sowie eine ausgewählte Bibliografie und das Register. 

Im Rahmen der "Lebensstationen" werden zahlreiche Fotos aus seinem Leben gezeigt. 

Wassily Kandinsky wurde 1866 in Moskau in eine begüterte Familie hineingeboren. Sein Vater führte ein Teehandelsgeschäft. Seine Mutter stammte aus dem gehobenen Moskauer Bürgertum und seine Großmutter war Baltin. Kandinsky besuchte das humanistische Gymnasium in Odessa und studierte nach dem Abitur Rechtswissenschaften, Nationalökonomie und Statistik  in Moskau und schloss 1893 sein Studium ab, um drei Jahre später in München Malerei zu studieren. Jetzt lebte er mit seiner Frau Anja im Künstlerviertel Schwabing. Zwei Jahre später nahm er erstmals an einer Ausstellung teil und wurde im Jahre 1900 in die Malklasse von Franz v. Stuck aufgenommen. Ein Jahr danach gründete er mit anderen Malern aus der Schwabinger Kunstszene die Ausstellungsvereinigung Phalanx und schon bald berichtete die renommierte Petersburger Zeitschrift über den Künstler. 

1903 dann besuchte Kandinsky die Frühjahrsausstellung der Wiener Secession und unternahm in den Folgejahren viele Reisen mit der Künstlerin Gabrielle Münter durch ganz Europa. Sie gründeten gemeinsam die Neue Künstlervereinigung München, malten und lebten immer wieder in Murnau, wo sie ein Haus kauften. Hier entwickelte er eine neue Malweise. Seine Landschaftsbilder aus jener Zeit werden fauvistisch genannt. Jetzt wurde sein Bildaufbau komplizierter. Die Leuchtkraft der Farben übertönte die Konstruktion der Gegenstände. 

Bereits in seinem Kunststudium hatte Kandinsky den engen Zusammenhang zwischen Musik und Farbe erkannt. Doch es soll an dieser Stelle nicht die gesamte Biografie wiedergegeben werden. Soviel nur: Es ist empfehlenswert die "Lebensspuren" (S. 263- 299) zuerst zu lesen, bevor man sich in die Bilderwelt vertieft. 

Spannend, seinen Weg zur Abstraktion mit zu verfolgen, und seinen Einfluss auf die Entwicklung der Malerei im 20. Jahrhundert kennen zu lernen. Besonders interessant finde ich allerdings seine Beziehung zur zeitgenössischen Musik. Darüber schreibt Annegret Horberg in ihrem Essay "Ich sah alle meine Farben im Geiste". 

Hier liest man dann, dass es Kandinsky bei der Entdeckung der neuartigen Musik von Arnold Schönberg um die Entwicklung von Gesetzmäßigkeiten ging, die sich auf den Bau autonomer Bildgesetze übertragen ließen, um eine mehr oder weniger verbindliche Elementarlehre für die Malerei der Zukunft, die sich von jeder Abbildlichkeit freimache. Kandinsky ging es nicht darum, Musik zu malen oder in Farben auszudrücken, sondern, das sei abermals betont, darum zu zeigen, dass jede Kunst seine Gesetzmäßigkeit habe und dass das strukturelle Prinzip der Musik ein Vorbild der abstrakten Komposition einer Malerei der Zukunft aus selbstständigen Farben und Linien sei. 

Eine sehr schöne, reich bebilderte Monografie, die über alle Schaffensperioden Wassily Kandinskys aufklärt.

Sehr empfehlenswert

 Helga König

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Rezension: CUBA- Elliott Erwitt- teNeues

In diesem grandiosen Bildband, werden Schwarz-Weiß-Aufnahmen gezeigt, die der renommierte Fotograf Elliott Erwitt realisiert hat. Der Fotokünstler wurde am 26.7.1928 in Paris geboren und verbrachte seine Kindheit in Mailand. 1938 ging er mit seiner Familie nach Paris zurück und emigrierte ein Jahr später nach New York.

Bereits als Teenager erwachte sein Interesse für Fotografie. Damals lebte er in Hollywood. 10 Jahre später dann wohnte er erneut in New York und reiste von dort aus nach Frankreich und Italien. Seit 1953 arbeitet er bei Magnum Photos und ist seitdem angesehenes Mitglied der Agentur, in der er mehrmals als ihr Präsident fungierte. Neben seiner Arbeit als Fotograf hat Erwitt auch Filme gedreht und mehrere Bücher veröffentlicht.

Seinen Lebensmittelpunkt hat der Fotograf in New York, allerdings ist er nahezu ununterbrochen auf Reisen. So verbrachte er 1964 eine Woche auf Kuba. Dort war er Gast von Fidel Castro. Im Auftrag von "Newsweek" lichtete er ihn und Che Guevara ab.  So erlebt man eingangs  dann auch den noch jungen Fidel Castro und gewinnt den Eindruck, dass das kubanische Volk ihn tatsächlich geliebt haben musste, wie deren Blicke bekunden. Der Pop-Star von beiden war eindeutig jedoch Che Guevara, ein Mann mit außerordentlichem Charisma.

Man sieht  junge Kubaner aus jener Zeit, die voller Hoffnung sind und anschließend 2015-2016 häufig gealterte Menschen, die zumeist desillusioniert erscheinen und gewinnt den Eindruck, dass es die Leute von damals waren.

Die Tänzer und Fussballspieler, die gezeigt werden, wirken gut gelaunt, aber dennoch irgendwie fahl. Künstler und Kunsthandwerker sind in ihr kreatives Schaffen versunken und scheinen die Morbidität um sie herum, auf diese Weise vergessen zu haben.

Selbst das Strandleben wirkt nicht wirklich heiter und die Häuser sind in einem abgründig desolaten Zustand. 

Die Zeit hat zynisch ihr Werk vollbracht und sich gegen die Revolution entschieden. Kuba schreit nach Farbe, Sanierung und nach Veränderung. Das ist für mich die Botschaft dieses beeindruckenden Buches, das ein Protokoll eines offenbar gescheiterten Versuchs ist.

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension: Egon Schiele- Sämtliche Gemälde- 1909-1918- Taschen

Dieser reich bebilderte Prachtband mit dem Titel "Egon Schiele- Sämtliche Gemälde- 1909-1918" ist seitens des Tobias G. Natter herausgegeben worden. Er war u.a. an der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien als Chefkurator tätig und arbeitete zudem als Gastkurator an der Tate Liverpool, der neuen Galerie New York, der Hamburger Kunsthalle, der Schirn in Frankfurt am Main und am Jüdischen Museum in Wien. Bevor er 2014 das Unternehmen "Natter Fine Arts" gründete, das sich auf die Schätzung von Kunstwerken und die Entwicklung von Ausstellungen spezialisiert hat, war er u.a. Direkter des Wiener Leopoldmuseums. 

Das Buch enthält neben hervorragenden Abbildungen von Werken Egon Schieles sechs Essays unterschiedlicher Autoren, die dem Leser dazu verhelfen, die Werke des Künstlers besser zu verstehen, des Weiteren seinen Lebenslauf und den umfangreichen, sehr gut erläuterten Katalog der Gemälde. 

Der Lebenslauf, den Tobias G. Natter verfasst hat, beginnt mit einem Zitat Egon Schieles, das dieser auf seinem Totenbett am 31.10. 1918 formuliert hat: "Nach meinem Tode, früher oder später, werden mich die Leute gewiss lobpreisen und meine Kunst bewundern." Schiele musste kein Hellseher  sein, um diesen Satz zu formulieren.

Egon Schiele (1890-1918) war ein österreichischer Maler und Zeichner, der ab 1908 die Wiener Akademie der bildenden Künste besuchte, sie jedoch drei Jahre später wieder verließ. Die 28 Lebensjahre Schieles werden chronologisch aufgeschlüsselt und sehr gut beschrieben, so beispielsweise auch das Jahr 1910. Damals nahm die "Marke Schiele" ihren Anfang. Über diese kann man sich anhand der Werke im Buch ausgiebig informieren. Egon Schiele verstarb übrigens an der Spanischen Grippe im Alter von gerade einmal 28 Jahren. 

Man staunt über das umfangreiche Schaffen in seinen knapp bemessenen Lebensdauer. 350 Ölgemälde und 3000 Zeichnungen und Aquarelle hat Egon Schiele der Nachwelt hinterlassen. Unglaublich.

Im vorliegenden Buch werden 221 Gemälde aus dem letzten Lebensjahrzehnt Schieles gezeigt. In dem 612 Seiten umfassenden Werk gibt es allerdings 578 Abbildungen. Neben den bereits erwähnten Essays hat man Gelegenheit Auszüge aus Schriften und Gedichten zu lesen, die im Kontext zum europäischen Expressionismus stehen. 

Es führt zu weit, die einzelnen Essays verkürzt hier wiederzugeben oder gar all die wunderbaren Bilder beschreiben zu wollen. Es sind teilweise großformatige Bilder, die im Katalogteil alle ausführlich und dabei sehr gut beschrieben werden. 

Nachstehende Essays thematisieren einzelne Schaffensperioden: 

Wunderkind und Rebell- Der frühe Schiele- Christian Bauer 

Die Ästhetik der Verwandlung: Schieles Durchbruch 1910 und 1911- Helena Perena 

Egon Schieles Passion: Geistigkeit und Sexualität 1912-1915, Gemma Blackshaw 

Egon Schiele 1914-1918- Die Kriegsjahre, Jill Loyd 

Des Weiteren erfährt man in einem Essay von Diethard Leopold mehr zu dem Thema  "Das Selbst als Programm"  und von Ursula Storch   schließlich  liest man Wissenswertes zu Text und Sprache bei Egon Schiele. 

Diese Fülle an höchst unterschiedlichen Motiven, Farben, Formen ist bewundernswert. Bewundernswert aber auch sind seine Gedichte. 

Das  Werk  "Egon Schiele- Sämtliche Gemälde- 1909-1918" ist nicht nur informativ, sondern sehr edel und hochwertig. Verpackt in einer gut verschließbaren Box, kann man es als Familienschatz aufbewahren und sich immer wieder daran erfreuen.

Absolut empfehlenswert. 

Helga König

Überall im Handel erhältlich

Rezension: Henry Moore- Vision. Creation. Obsession.- Hirmer

Henry Moore (1898-1986) war ein englischer Bildhauer und Zeichner. Im Mittelpunkt des vorliegenden Buches stehen dessen Monumentalskulpturen, die in der Architektur Richard Meiers für das Arp Museum Bahnhof Rolandseck erstmals auch im Innenraum vorgestellt werden. 

Auf drei Ausstellungsetagen und des Weiteren mit drei Monumentalplastiken im Außenraum des Museums wird bis zum 7. Juni 2018 das facettenreiche und weltweit prägende Schaffen des britischen Ausnahmekünstlers vorgestellt. 

Im Wechselspiel mit Gemälden und Skulpturen der Sammlung Rau für UNICEF hat der Betrachter die Möglichkeit Moores Interesse an der Kunst des Mittelalters und der Renaissance wie auch seine Begeisterung für die Malerei des 19. Jahrhunderts kennen zu lernen. 

Über Dr. Dr. Gustav Rau wird man zu Ende des Kunstbandes aufgeklärt, der sich in seinem bewundernswerten Leben für Kinder und für die Kunst engagiert hat. Im Rahmen von fünf Essays kann man sich  alsdann näher mit Henry Moore und dem Künstler Hans Arp befassen. Es werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Künstler beleuchtet, die ihre Werke schon 1936 gemeinsam präsentierten. 

Bei "Lagre Two Forms" handelt es sich um das wohl berühmteste Kunstwerk Henry Moores in Deutschland. Diese Bronzeplastik steht seit 1979 vor dem ehemaligen Bundeskanzleramt in Bonn. Das Werk besteht aus zwei monumentalen Teilen, die im konkav- konvexen Spannungsspiel aufeinander bezogen sind. Über dieses Werk aber auch über das Monumentale generell bei Henry Moore erfährt man Wissenswertes und hat Gelegenheit, sich mit seinen faszinierenden Werken anhand von Bildern ausgiebig zu befassen. 

Für Moore liegt die wirkliche Größe eines großen Künstlers in seiner Menschlichkeit. Zudem gehört für ihn die Beobachtung der Natur zum Leben eines Künstlers, weil diese sein Formwissen erweitere. Moore hat, wie er sagt, bei seinen Studien von Naturgebilden wie Kieselsteinen, Felsen, Knochen und Bäumen die Form- und Rhythmusprinzipien gefunden. 

Die imposanten Werksdarstellungen im Buch machen Lust darauf, die Ausstellung zu besuchen, um die Plastiken im Original zu bestaunen und eventuell auch die Materialien zu berühren. 

Die sinnliche Wahrnehmung von Kunst gehört zum Menschsein dazu, hat uns alle vielleicht zu dem gemacht, was wir sind.. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im Handel erhältlich

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Rezension: Gustav Klimt- Streitfall und Aktualität- Tobias G. Natter (Hg.)- Taschen

Es ist nicht das erste Kunstbuch mit Werken von Gustav Klimt, das ich rezensiere, wohl aber das mit Abstand facettenreichste. Der Prachtband enthält neben dem Katalog der Gemälde und der Biografie des Künstlers insgesamt sechs erhellende Essays unterschiedlicher Autoren. 

Bei diesen Essays handelt es sich um: 

Der Salonmaler: Frühe Werke- frühe Karriere 
(Rainhold Franz/Angelika Pötschner) 

"Heiliger Frühling" und Zeitwende: Die Wiener Secession
 (Christoph Grünenberg) 

Der Stocletfries: Ein künstlicher Garten im Herzen des Hauses 
(Anette Freytag) 

Frauendarstellungen 
(Susanna Partsch)

Die Landschaften: Eine re- konstruierte Natur 
(Evelyn Benesch) 

Klimts zeichnerisches Universum- Grundhaltungen und Seelenstimmungen 
(Marian Bisanz- Prokken) 

Zunächst lernt man den Werdegang des Künstlers kennen, der als junger Mann sehr rasch Karriere macht und als der legitime Nachfolger von Hans Makart gilt. Man erfährt mehr darüber wie der Salonmaler zum Staatskünstler wird und prestigeträchtige Großaufträge, so etwa für Deckengemälde oder Wanddekorationen erhält. Auf dem Höhepunkt seiner ersten Karriere gerät Klimt in den 1890er Jahren in eine künstlerische Krise. Nun erlahmt sein künstlerischer Output, doch jetzt auch erfindet sich Klimt neu. 

Mit der Gründung der Wiener Secession macht er sich 1997 als Bannerträger der Moderne einen Namen. Spannend zu lesen sind die Informationen zu Klimts "Beethovenfries" und zu seinem goldenen "Kuss". Seine Frauenbilder und Landschaftsmalereien sind weitere Merkmale seines immerwährenden Wandels. 

Insgesamt lernt man im Rahmen der Essays mehr über die Denk- und Arbeitsweise des Künstlers kennen. Seine Kunst soll die kunstinteressierte Welt polarisiert und entzweit haben. Er galt als umstrittener Künstlerstar. Dabei erregten seine Werke die Gemüter, weil er für die Moderne stand und zugleich auch die Tradition verkörperte. 

Den einzelnen Essays sind  traumhaft schöne  Werksablichtungen und Fotos beigegeben, die zum fortwährenden Staunen motivieren. Klimts Frauendarstellungen zeigen viel Zeitgeist, speziell in der Mode und beeindrucken ihrer Farben und Formen wegen.  

Zahlreiche Landschaftsmalereien lassen den Blick lange innehalten. Das gilt besonders für Gemälde wie der "Morgen am Teiche" und "Der Sumpf". Bemerkenswert auch sind seine Zeichnungen, die sich mit der körperlichen Liebe von Mann und Frau befassen und seine intimen Konstellationen. Im Katalog der Gemälde werden seine Werke sehr ausführlich erläutert. Hier auch hat man Gelegenheit, sich  gedanklich noch intensiver mit dem "Beethovenfries" zu befassen und kann auch in Erfahrung bringen, was es mit seiner "Judith I.". auf sich hat. 

Wer das Schöne liebt, wird dieses Buch nicht mehr aus der Hand geben, denn es dient diesbezüglich als Quell unendlicher Bereicherung. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König 

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Rezension: documenta 14- Daybook- Athen 8. April- Kassel, 17. September 2017, Prestel

Nachdem ich gestern auf "Buch, Kultur und Lifestyle" den "documenta 14 Reader" rezensiert habe, möchte ich mich heute mit dem Daybook der Dokumenta 14 befassen. Dieses Daybook ist nicht nur ein Ausstellungsführer, indem alle Künstler (m/w) enthalten sind, die zur Teilnahme an der Ausstellung in Kassel und Athen eingeladen wurden, sondern man hat Gelegenheit, eine polyphone Anthologie aus Texten zu lesen, die sich der Künstler widmen. 

Die Autoren (m/w) der Texte stammen wie die Künstler aus aller Welt und sind Dichter (m/w), Kuratoren (m/w), Kritiker (m/w), Historiker (m/w), und Künstlerkollegen (m/w). Jedem Tag der Ausstellung ist ein Künstler zugeordnet. Die Ausstellung dauert genau 163 Tage und entsprechend viele Künstler kann man kennenlernen.

Jeder Künstlereintrag ist zudem mit einem zweiten Datum verbunden, das für jeden einzelnen Künstler von besonderer Bedeutung ist. Aus diesen individuellen Beiträgen ist eine diskontinuierliche, historische, persönliche und spekulative Chronologie entstanden. 

Bilder von Werken der Künstler vermitteln einen Eindruck davon, was man auf der Ausstellung erwarten kann.

Am 17. Juni wird die  Argentinierin Mara Miujin vorgestellt. Ihr persönliches Datum ist der 23.12.1983. Damals sprach sie in Buenos Aires zu ihrem Werk "El Partenon de libros".

Sie sagte: Für mich ist es ein großes Vergnügen und ein Wunder, diesen Parthenon aus verbotenen Büchern zu errichten- hier im Zentrum der Stadt Buenos Aires im Jahr 1983- , da sich das Land verändert hat. Ich hoffe wir finden zurück zum Informellen und zur Freiheit, sodass wir wieder wir selbst sein können ohne Verbote."

Die 12 m hohe Installation aus dem Jahre 1983 aus Metallgerüst, Bücher und Draht ist abgebildet, aber auch die Installation "Carlos Gardell de fuego" aus dem Jahre 1981. Mara Miujin bringt Symbole in die Schieflage und schenkt ihnen dadurch nicht nur eine neue Bedeutung, sondern auch Sinnlichkeit. 

Alle Künstler der Ausstellung wollen Sinn stiften durch ihre Werke. Nachdenken über das, was ist, schafft Kunst aber auch Veränderung, vielleicht durch die eindringlichen Appelle der Künstler. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: documenta 14 READER- Prestel

Derzeit findet in Kassel die documenta 14 statt. Der vorliegende Reader analysiert anhand von Essays, Allegorien, Gedichten, historischen Dokumenten wie auch anderen hybriden literarischen Formen die diskursiven Anliegen der Ausstellung. 

Dabei geht es um Formen der Dekolonialität und Widerstand, Schuld und Geschenk, Entortung und Enteignung, Sprache und Gewalt, aber auch Indigenität und Exil. 

So fragt Quinn Latimer beispielsweise "Welche Farbe hat der Hunger? Welche Farbe hat Papier? Wie stellt man Hungersnöte, Katastrophen, Widerstand, Heimat und Nahrung dar?" Die anschließenden Bilderwelten verdeutlichen es dann unmissverständlich. Man ist tief berührt beim Anblick eines leichenfressenden Hundes während einer Hungersnot in Indien und anderer Realitätsdarstellungen mehr und weiß, dass solche Bilder notwendig sind, um aufzurütteln.

Die Bildstrecken im Buch illustrieren- zeitlich und auch geographisch den umfangreichen Raum, der durch die historischen Positionen der documenta 14 festgelegt wurde. Gezeigt wird u.a. "Die Verschmelzung von Geld und Elend" und  man stößt wenig später auf einen Text von Gustave Flaubert mit dem Titel "Die Versuchung des heiligen Antonius". Dem nicht genug erfährt man alsdann, was es überhaupt heißt zu lesen, selbst in Objekten und erfährt mehr über die neue Kunst des Büchermachens.  Hier liest man, dass ein Buch eine Folge von Räumen sei, aber auch eine Folge bestimmter Momente. 

Der Text von Ulises Carrion ist beeindruckend. Hier einer der klugen Sätze: "ein buch machen bedeutet, seine ideale raum-zeit-folge durch die schaffung einer synchronen zeichenfolge, seien es verbale oder andere Zeichen zu verwirklichen." Und an anderer Stelle weiter: "in der neuen kunst ist es oftmals nicht notwendig, das gesamte Buch zu lesen. das lesen mag in dem moment aufhören, wenn man die gesamte struktur des buches verstanden hat."

... solch ein Satz ist niederschmetternd für Autoren, die sich episch breit in ihren Texten auslassen. Aber er sollte zu denken geben...

Inmitten des Lesens und Staunens dann entdeckt man ein Gedicht von Hiva Panhahi: 

Ein Mensch aus Asche 

Die Träume kommen von fernen Orten 
Der Stein, die Vögel und ich nehmen eine neue Lebensform an 
Die Träume haben ihren eignen Weg 
Und jetzt leben wir ferne Träume. 

Wenn wir diese fernen Träume leben,  ist es selbstverständlich, die Gastfreundschaft zu kultivieren. 

"Das Gesetz der Gastfreundschaft fordert dem Ankömmling bedingungslose Aufnahme zu gewähren."  Eine Botschaft aus Kassel, die eindeutiger nicht sein kann. 

Künstler waren schon immer weltoffener als alle anderen, aber sie sind es auch, die den Zeitgeist bestimmen.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Lucas Cranach der Ältere- Meister Marke Moderne- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Lucas Cranach der Ältere- Meister Marke Moderne", die noch bis zum 30.7.2017 im Museum Kunstpalast in Düsseldorf gezeigt wird. 

Lucas Cranach der Ältere wurde 1472 in Kronach geboren. Als Künstler ist er erstmals in Wien aufgefallen. Hier lebte er seit 1502. Damals war Wien das politische und kulturelle Zentrum des Reichs. Speziell der Impulse Kaiser Maximilian I. für die Wissenschaften und Künste kamen auswärtige Künstler und Intellektuelle in die Stadt. Cranach hatte Kontakt zu den Humanisten der Wiener Universität. Die Einblicke, die er dadurch in das humanistische Denken gewann, haben sich in seinen Werken niedergeschlagen. Seine Kunst wurde sehr bald zu einem maßgeblichen Impulsgeber für die expressive Malerei. Grafik und Skulptur, die die ältere Geschichte mit "Donaustil" umschrieb. 

1504/05 verlässt Cranach Wien und geht nach Wittenberg. Hier wird er Hofmaler Friedrichs III, genannt der Weise. Er zählte damals zu den bedeutendsten Kunstförderern im deutschsprachigen Raum. Jetzt findet Cranach zu einem Malstil, der es ihm ermöglicht, den Ansprüchen des Hofes, aber auch jenen des"freien Marktes" gerecht zu werden. 

Cranach verfolgte einen produktiven Wettstreit mit anderen Künstlern sowohl in der Malerei als auch in der Druckgrafik.  Es waren die Werke von Lucas Cranach, in denen sich erstmals Martin Luthers Position zum Gebrauch der Bilder manifestierte und sich von der vormaligen Aufgabe löste, Gegenstand der Anbetung sein zu müssen. 

Die lutherische Reformation und mit ihr die Werke Cranachs ebneten den Weg für eine Kunst, die um ihrer selbst willen, losgelöst vom kultischen Zweck, zu agieren vermochte. Nicht wenige Künstler haben Lucas Cranach d.Ä.  adaptiert. Sie interpretierten dessen Bildsprache und Motive und gelangten so zu kongenialen Lösungen. Das wird im Buch anhand von vielen Kunstabbildungen sehr gut verdeutlicht.

Der Katalog enthält zehn  umfangreiche Essays unterschiedlicher Autoren, die sich mit Lucas Cranach dem Älteren und seinem Werk befassen. So liest man Wissenswertes über seine Aktmalerei und erfährt, dass Cranach Dürers diesbezügliche Bildfindung studierte, erkannte und schließlich übertraf. 

Luther und Cranach als Vermittler des neuen Glaubens werden von Daniel Görres thematisiert. Hier liest man mehr zum Bildbegriff und Bildgebrauch von Luther und zu einigen Bildthemen der Reformation. Natürlich kommen auch die Farbholzschnitte des Künstlers zur Sprache und sein Können als Zeichner. Nicht zuletzt wird man über die Cranach-Forschung im digitalen Zeitalter unterrichtet. 

Im Katalog der ausgestellten Werke hat man die Chance, sich in die grandiose Bilderwelt zu vertiefen und über jedes Werk sehr gut textlich unterrichtet zu werden. 

Wer die Möglichkeit hat, die Ausstellung zu besuchen, sollte dies tun. Allein, was man in diesem Buch bewundern kann, ist mehr als atemberaubend. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: NUBA & LATUKA , George Rodger, Prestel

Dieser traumhaft schöne Bildband ist eine Publikation zur Feier des 70. Gründungsjubiläums der renommierten Fotoagentur Magnum. George Rodger, Mitbegründer von Magnum Fotos war von 1939- 1945 als Kriegsfotograf für das LIFE Magazin tätig. Nach dem Krieg reiste er nach Afrika und durfte 1949 als erster Ausländer die Nuba besuchen und deren Leben sowie Riten fotografieren.

Der legendäre Fotoband "Le Village de Noubas" wurde 1955 als Reisetagebuch mit Texten und Abbildungen in Schwarz-Weiß veröffentlicht. Im vorliegenden Buch sind die Farbaufnahmen zu dieser Reise erstmals enthalten. Es handelt sich dabei um fotografische Juwelen von mehr als 40 Fotos, realisiert auf legendären Kodachrome-Filmen. 

Neben den Bildern enthält das Buch zwei Essays in englischer Sprache der beiden Fotografen Aaron Schumann und Chris Steele- Perkins. Die Titel der sehr informativen Essays lauten "The Sudan in Coulour" von Chris Steele –Perkins und "The Colour Photographs by George Rodger". 

Im Anschluss an die Bilder wird kurz erläutert, was auf den Fotos zu sehen ist. Gezeigt wird beispielsweise ein Stammesdorf, nackte Krieger mit merkwürdig ausschauenden, federgeschmückten Helmen, auch schöne Frauen, mit nackten Oberkörpern und sehr feinem Halsschmuck. Man lernt die weiblichen Nubas u.a. bei der Feldarbeit kennen. Hier tragen sie Wassergefäße auf dem Kopf, um damit Pflanzen zu bewässern. 

Die Männer des Stammes kämpfen immer wieder miteinander, während die Frauen sich auffallend friedlich verhalten. Verwundert ist man, dass diese Männer ihre Genitalien beim Kampf nicht schützen. Offenbar ist die Größe der Genitalien eine Art Statussymbol, das sie einander zeigen.

Insgesamt wirken die Frauen weitaus weniger archaisch. Ihre Scham ist bedeckt, der Körper edel geschmückt. Ihre Haltung dokumentiert Gelassenheit. 

Hauptsächlich, das soll hier betont werden, erlebt man nackte Männer, die miteinander ringen, umgeben von anderen männlichen Nubas, die diesem archaischen Spektakel zuschauen oder nackte Männer tanzen. Dabei allerdings sind Frauen nicht zu sehen.

Die Bilder sind nicht nur vom dokumentarischen, sondern auch künstlerischen  Aspekt her eine ganz große Besonderheit und in ihrer Tiefe kaum beschreibbar.

Vor allem sind die Aufnahmen überaus faszinierend und lassen erahnen, wie sich  die Menschheit in archaischen Zeiten verhalten hat. Aus heutiger Sicht, war es eindeutig ein Privileg, als Frau geboren zu sein. 

Sehr empfehlenswert.

Helga König 

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Rezension: Die Kunst der Landschaft- Museum Barberini Potsdam- Prestel

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Impressionismus- Die Kunst der Landschaft", die noch bis zum 28. Mai 2017  im Museum Barberini in Potsdam gezeigt wird. 

Im Impressionismus entstanden zum ersten Mal große, durchkomponierte Gemälde unter freiem Himmel. Die Künstler des Impressionismus haben sich allerdings nicht als reine Landschaftsmaler begriffen, denn sie verbanden Freilicht- und Figurenmalerei. Gemeinsam war den Künstlern, die von 1874- 1886 ausstellten, das Bekenntnis zur Modernität. 

Die Ausstellung "Impressionismus. Die Kunst der Landschaft" dokumentiert erstmals, welche Themen der Freilichtmalerei die Impressionisten für sich beanspruchten und in die Moderne fortschrieben. Anhand von sehr eloquenten Essays unterschiedlicher Autoren kann man sich in die Ausstellung gut einarbeiten.  So befasst sich Ortrud Westheider beispielsweise mit der Frage, welche Rolle die Landschaft für das Selbstverständnis der impressionistischen Maler spielte und weshalb die Gattung so spät im 19. Jahrhundert eine derartige revolutionäre Sprengkraft entfalten konnte.

Man wird über ein neues Verständnis von Stimmung  sehr gut informiert, erfährt Wissenswertes im Hinblick auf die Abgrenzung zur europäischen Romantik und zur Freilichtmalerei in Frankreich und liest auch  Aufschlussreiches von der neuen Auseinandersetzung um Linie und Farbe. 

Farbe wurde als Analogie der Natur verstanden und eingesetzt, um ihrer Materialität und Temperatur nachzuspüren. Dabei sollte der Natureindruck nachvollziehbar und überzeugend sein, gleichwohl nicht davon ablenken, dass es sich um Malerei handelt. Auf diese Weise etablierte sich mit der impressionistischen Landschaft eine Naturwiedergabe, die eine Landschaftmalerei, sondern vielmehr eine Kunst der Landschaft war. 

Neben den 7 Essays im Vorfeld warten auf den Leser im daran anschließenden Katalogteil weitere 8 Textbeiträge unterschiedlicher Autoren darauf, dass er  durch sie die Werke der Ausstellung visuell und auch inhaltlich  besser erfasst.

Der Reigen der Bilder beginnt mit Werken von Eugène Boudin und Werken von Claude und Édouard Monet. Es handelt sich dabei um Impressionen von Küstenlandschaften, denen Impressionen von Wald und Lichtung folgen. Maler wie Pierre-August Renoir und Alfred Sisley begeistern hier durch ihre Bilder. Es folgen Reflexionen und Spiegelungen, Eindrücke an und auf Flüssen, dann solche von Pappeln und Feldern und schließlich traumhafte Gartenimpressionen, speziell von Claude Monet, dessen Seerosenbilder beim Betrachten voller Poesie  ganz besonders berühren. Winterlandschaften und der Süden runden den Reigen ab. 

Ein sehr gutes Buch, das ich gerne weiterempfehle.

Helga König 

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Rezension: Die Poesie der venezianischen Malerei- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die vom 24. Februar 2017 bis zum 21. Mai 2017 in der Hamburger Kunsthalle gezeigt wird. Neben dem Katalogteil enthält das Buch eine große Anzahl von Essays unterschiedlicher Autoren, die diese Ausstellung erhellen. 

Poesie, Sinnlichkeit, Farbe, Licht und Innovation charakterisierten die Blütezeit der venezianischen Malerei zwischen 1510 und 1560. Damals zählte neben Tizian dessen Schüler und Rivale Paris Bordone (1500-  1576) zu den führenden Künstlern Venedigs. 

Das vorliegende Buch würdigt speziell Bordones facettenreiches Schaffen im Kontext bedeutender Künstler wie etwa Palma il Veccio, Lorenzo Lotto und Tizian. 

Sandra Pisot beschreibt zunächst in ihrem Essay die Beziehung von Bordone und Tizian, die sich durch Rivalität und Inspiration auszeichnete. Man erhält Einblicke in Tizians Werkstatt. Dort begann Bordone 1514 seine Fertigkeiten in der Malerei zu perfektionieren. Schon nach kurzer Zeit verließ er die Werkstatt im Streit, allerdings blieb das ambivalente Verhältnis der beiden Künstler bestehen. So liest man auch vom Wettstreit um Arbeitgeber und anderem mehr. 

Zur Sprache gebracht werden auch mythologische und allegorische Szenen Bordones im Kontext seiner Zeitgenossen und die idealisierte Weiblichkeit in idealisierter Natur. Bordone legte sein besonderes Augenmerk auf die Gestaltung der Lichtsituation. Die Herausforderung bestand darin, den Akt vom Hintergrund optisch abzugrenzen. Licht und Farbe sind keine einzelnen, technischen Entitäten, sondern sie verschmelzen in der idealisierten Darstellung von Frauenakt und Natur zu einem harmonischen Gesamteindruck. 

Über die gemalten Frauen liest man Wissenswertes, auch im Hinblick auf Wahrheit und Erotik. Das Motiv des Spiegelns ist ein Thema. Der Spiegel erscheint als Bild im Bild und macht das Sehen auf diese Weise bewusst. Auch noch wichtig zu wissen: Das intensive Leuchten der Augen der jungen Frauen in Bordones Malerei,    neben dem inszenierten Betrachten machen deutlich, dass es sich über die weibliche Schönheit hinaus um ein Bild des Sehens von Malerei handelt. Für Bordone entsprach die Sinnlichkeit der jungen Frauen dem Genuss der Malerei. 

Über das Männerporträt zwischen Macht und Eros bleibt man auch nicht unaufgeklärt und kann sich zudem über die Wechselwirkung von süddeutscher und venezianischer Kunst kundig machen. Über die Holzschnitte in der Zeit Tizians  erfährt man  ebenfalls Näheres, um sich dann in den wunderbaren Katalog vertiefen zu können, der dem Leser die  derzeit in Hamburg ausgestellte Bilderwelt Paris Bordones näher bringt. 

Die Werke werden sehr gut erläutert. Man erhält zudem jeweils Eckdaten zu den Bildern. So lernt man u.a. liegende Akte von Bordone kennen, eine Vielzahl von Bildnissen schöner Frauen, unter ihnen die schöne Flora, ein Werk, das man im Louvre im Original besichtigen kann. 

Sehr beeindruckend sind die Bilder, die dem Kapitel "Die Wahrnehmung des Inneren" zugeordnet sind. Es handelt sich um Männerpoträts, die Einblicke in ihren Gemütszustand geben.

Kunsttechnologische und restautorische Einblicke in die Hamburger Werke Bordones finden sich zu Ende des Buches. Dort auch ist eine Zeittafel mit biografischen Daten des Künstlers und die umfangreiche Bibliografie eingebunden.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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