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Rezension: Die Kunst der Landschaft- Museum Barberini Potsdam- Prestel

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Impressionismus- Die Kunst der Landschaft", die noch bis zum 28. Mai 2017  im Museum Barberini in Potsdam gezeigt wird. 

Im Impressionismus entstanden zum ersten Mal große, durchkomponierte Gemälde unter freiem Himmel. Die Künstler des Impressionismus haben sich allerdings nicht als reine Landschaftsmaler begriffen, denn sie verbanden Freilicht- und Figurenmalerei. Gemeinsam war den Künstlern, die von 1874- 1886 ausstellten, das Bekenntnis zur Modernität. 

Die Ausstellung "Impressionismus. Die Kunst der Landschaft" dokumentiert erstmals, welche Themen der Freilichtmalerei die Impressionisten für sich beanspruchten und in die Moderne fortschrieben. Anhand von sehr eloquenten Essays unterschiedlicher Autoren kann man sich in die Ausstellung gut einarbeiten.  So befasst sich Ortrud Westheider beispielsweise mit der Frage, welche Rolle die Landschaft für das Selbstverständnis der impressionistischen Maler spielte und weshalb die Gattung so spät im 19. Jahrhundert eine derartige revolutionäre Sprengkraft entfalten konnte.

Man wird über ein neues Verständnis von Stimmung  sehr gut informiert, erfährt Wissenswertes im Hinblick auf die Abgrenzung zur europäischen Romantik und zur Freilichtmalerei in Frankreich und liest auch  Aufschlussreiches von der neuen Auseinandersetzung um Linie und Farbe. 

Farbe wurde als Analogie der Natur verstanden und eingesetzt, um ihrer Materialität und Temperatur nachzuspüren. Dabei sollte der Natureindruck nachvollziehbar und überzeugend sein, gleichwohl nicht davon ablenken, dass es sich um Malerei handelt. Auf diese Weise etablierte sich mit der impressionistischen Landschaft eine Naturwiedergabe, die eine Landschaftmalerei, sondern vielmehr eine Kunst der Landschaft war. 

Neben den 7 Essays im Vorfeld warten auf den Leser im daran anschließenden Katalogteil weitere 8 Textbeiträge unterschiedlicher Autoren darauf, dass er  durch sie die Werke der Ausstellung visuell und auch inhaltlich  besser erfasst.

Der Reigen der Bilder beginnt mit Werken von Eugène Boudin und Werken von Claude und Édouard Monet. Es handelt sich dabei um Impressionen von Küstenlandschaften, denen Impressionen von Wald und Lichtung folgen. Maler wie Pierre-August Renoir und Alfred Sisley begeistern hier durch ihre Bilder. Es folgen Reflexionen und Spiegelungen, Eindrücke an und auf Flüssen, dann solche von Pappeln und Feldern und schließlich traumhafte Gartenimpressionen, speziell von Claude Monet, dessen Seerosenbilder beim Betrachten voller Poesie  ganz besonders berühren. Winterlandschaften und der Süden runden den Reigen ab. 

Ein sehr gutes Buch, das ich gerne weiterempfehle.

Helga König 

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Rezension: Die Poesie der venezianischen Malerei- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die vom 24. Februar 2017 bis zum 21. Mai 2017 in der Hamburger Kunsthalle gezeigt wird. Neben dem Katalogteil enthält das Buch eine große Anzahl von Essays unterschiedlicher Autoren, die diese Ausstellung erhellen. 

Poesie, Sinnlichkeit, Farbe, Licht und Innovation charakterisierten die Blütezeit der venezianischen Malerei zwischen 1510 und 1560. Damals zählte neben Tizian dessen Schüler und Rivale Paris Bordone (1500-  1576) zu den führenden Künstlern Venedigs. 

Das vorliegende Buch würdigt speziell Bordones facettenreiches Schaffen im Kontext bedeutender Künstler wie etwa Palma il Veccio, Lorenzo Lotto und Tizian. 

Sandra Pisot beschreibt zunächst in ihrem Essay die Beziehung von Bordone und Tizian, die sich durch Rivalität und Inspiration auszeichnete. Man erhält Einblicke in Tizians Werkstatt. Dort begann Bordone 1514 seine Fertigkeiten in der Malerei zu perfektionieren. Schon nach kurzer Zeit verließ er die Werkstatt im Streit, allerdings blieb das ambivalente Verhältnis der beiden Künstler bestehen. So liest man auch vom Wettstreit um Arbeitgeber und anderem mehr. 

Zur Sprache gebracht werden auch mythologische und allegorische Szenen Bordones im Kontext seiner Zeitgenossen und die idealisierte Weiblichkeit in idealisierter Natur. Bordone legte sein besonderes Augenmerk auf die Gestaltung der Lichtsituation. Die Herausforderung bestand darin, den Akt vom Hintergrund optisch abzugrenzen. Licht und Farbe sind keine einzelnen, technischen Entitäten, sondern sie verschmelzen in der idealisierten Darstellung von Frauenakt und Natur zu einem harmonischen Gesamteindruck. 

Über die gemalten Frauen liest man Wissenswertes, auch im Hinblick auf Wahrheit und Erotik. Das Motiv des Spiegelns ist ein Thema. Der Spiegel erscheint als Bild im Bild und macht das Sehen auf diese Weise bewusst. Auch noch wichtig zu wissen: Das intensive Leuchten der Augen der jungen Frauen in Bordones Malerei,    neben dem inszenierten Betrachten machen deutlich, dass es sich über die weibliche Schönheit hinaus um ein Bild des Sehens von Malerei handelt. Für Bordone entsprach die Sinnlichkeit der jungen Frauen dem Genuss der Malerei. 

Über das Männerporträt zwischen Macht und Eros bleibt man auch nicht unaufgeklärt und kann sich zudem über die Wechselwirkung von süddeutscher und venezianischer Kunst kundig machen. Über die Holzschnitte in der Zeit Tizians  erfährt man  ebenfalls Näheres, um sich dann in den wunderbaren Katalog vertiefen zu können, der dem Leser die  derzeit in Hamburg ausgestellte Bilderwelt Paris Bordones näher bringt. 

Die Werke werden sehr gut erläutert. Man erhält zudem jeweils Eckdaten zu den Bildern. So lernt man u.a. liegende Akte von Bordone kennen, eine Vielzahl von Bildnissen schöner Frauen, unter ihnen die schöne Flora, ein Werk, das man im Louvre im Original besichtigen kann. 

Sehr beeindruckend sind die Bilder, die dem Kapitel "Die Wahrnehmung des Inneren" zugeordnet sind. Es handelt sich um Männerpoträts, die Einblicke in ihren Gemütszustand geben.

Kunsttechnologische und restautorische Einblicke in die Hamburger Werke Bordones finden sich zu Ende des Buches. Dort auch ist eine Zeittafel mit biografischen Daten des Künstlers und die umfangreiche Bibliografie eingebunden.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Riviera Cocktail- Côte d`Azur Jet Set of the 1950s-Edward Quinn- teNeues

In diesem Werk kann man Schwarzweißaufnahmen des Fotografen Edward Quinn bewundern. Den Fotos ist ein einleitender Text in englischer, deutscher, französischer, italienischer und spanischer Sprache vorangestellt, der sich mit den im Buch enthaltenen Bildern näher befasst. 

Auf den letzten Seiten dann erfährt man im Rahmen von Kurzbiografien etwas über Edward und Gret Quinn sowie über Heinz Bühler. Edward Quinn (1920-1997) hat seit den 1950er Jahren an der Côte d`Azur gelebt und gearbeitet. Damals hat er an der Côte viele Künstler, Stars, Manager und Adelige abgelichtet. Mit Picasso war er seit 1951 bis zum Tode des Malers im Jahre 1973 befreundet. 

Grete Quinn, die Witwe des Fotokünstlers hat gemeinsam mit dem Filmautor Heinz Bütler das vorliegende Werk herausgegeben. Dies ist in Zusammenarbeit mit dem Edward Quinn Archive geschehen. 

In der Einleitung liest man, dass kein Fotograf das gesellschaftliche und kulturelle Leben an der Côte d `Azur der Golden Fifties so umfassend, hellwach und mit feiner Ironie dokumentiert habe wie dieser Fotograf. Davon kann man sich im Buch sehr gut überzeugen. 

Quinn war auf Jagd nach "shots", die die Massenblätter einem Millionenpublikum verkauften. Das Bemerkenswerte an seinen "shots" ist, dass es im gelang, fotografisch produktive Augenblicksbeziehungen festzuhalten, die dem Betrachter den Eindruck vermitteln, hinter der Star- und Hollywoodfassade auch die Privatperson zu ahnen.

Die Beschäftigung mit Quinns Riviera-Chronik regt die Neugierde an, nicht zuletzt weil die Fotos aus den 1950er Jahren ein anderes Schönheitsideal als heute zeigen. Allein damit sich zu befassen, ist natürlich spannend. Dabei verkündet die junge Brigit Bardot einen Zeitgeist, der damals noch in der Ferne lag. 

Ein Meisterfoto von Aristoteles Onassis in Monte Carlo sagt viel über diesen Mann aus, aber auch ein Foto von Alfred Hitchcock ist sehr aussagekräftig und dokumentiert wie unterschiedlich diese beiden Persönlichkeiten waren, zwei Alpha-Männer wie sie verschiedener nicht sein können...

Tolle Aufnahmen von der Promenade in Cannes und Bandol in jenen Jahren werden präsentiert und zahlreiche Fotos von schönen Paaren. Nennen möchte ich Grace Kelly und David Niven, beide sind sehr distanziert und nicht von dieser Welt. Das macht das Geheimnis ihres Fotos aus. Der 1959 nicht mehr ganz junge aber höchst attraktive Cary Grant plaudert mit der bildschönen Kim Novak. Das ist dann Zeitgeist, der auch  nicht unerwähnt bleiben soll.

Beeindruckend  ist die Ausstrahlung von Onassis auch auf einem weiteren Foto, beeindruckend sind zudem die Bilder von der ausdrucksstarken Juliette Greco oder von Ella Fitzgerald. Die Fotos von Sophia Loren zeigen eine kalte Schönheit, deren Sex Appeal sich Frauen eher nicht erschließt. Ganz anders dann sind die Bilder von Audrey Hepburn deren warme Schönheit den Betrachter lange verweilen lässt. Sie aber auch Liz Taylor hatten das, was man als Jahrhundertausstrahlung bezeichnen kann. Schönheit ist eben mehr als Äußerlichkeit.

Sehr angetan ist man von einem Foto, dass 1961 in Cannes entstand,  anlässlich der Präsentation des Films "Good Bye Again". Antony Perkins und Yves Montand sind zu sehen. Doch wo ist Ingrid Bergmann? 

Bilder von Picasso fehlen nicht und fast zum Schluss gibt es dann doch noch eine Aufnahme von der nordischen Schönheit Bergmann. Ein Schnappschuss. Sie ist eindeutig die beeindruckendes Frau in diesem Buch, weil ihre Schönheit eine unendliche Seelentiefe und Reife erkennen lässt, die kaum beschreibbar ist. 

Ein tolles Buch, das den Charme der Côte d Azur einfängt, der alle Zeiten überdauert aber auch Berühmtheiten nicht vergessen lässt. Francoise Sagan hat den Zeitgeist mit bestimmt und gehört zu all jenen, von denen heute nur noch wenige am Leben sind. Legenden. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Sehr empfehlenswert.

Helga König

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Rezension: Otto Dix- The Evil Eye- Der böse Blick-Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Otto Dix- Der böse Blick" , die vom 11.2. bis zum 14.5.2017 in Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20 Grabbeplatz - Grabbeplatz 5 in 40213 Düsseldorf gezeigt wird. 

Die Werke von Otto Dix haben nicht nur in der Kunstgeschichte eine Bedeutung, sondern zudem für unser Verständnis der Sozial- und Zeitgeschichte. Der Maler soll über einen einzigartigen künstlerischen Blick verfügt haben, mit dem er Realismus und Kritik vereinte. Die Ausstellung vermittelt einen tiefen Eindruck in besagte Schaffensweise und legt ein besonderes Augenmerk auf die Düsseldorfer Jahre des Künstlers. 

Das Werk von Otto Dix ist ein Sinnbild für die Weimarer Zeit, denn der Künstler hielt die 1920er Jahre in Gemälden, Aquarellen und Grafiken fest. 

Die Ausstellung "Der böse Blick" beleuchtet die rasante Reifung von Otto Dix während seiner Düsseldorfer Jahre. Die Zeit zwischen 1922 bis 1925 in dieser Stadt war für Dix von großer Produktivität und zudem von einer ganzen Reihe herausragender künstlerischer Phasen geprägt. Von 1922 an besuchte Dix die Düsseldorfer Kunstakademie und arbeitete in einem Meisterschüleratelier der Klasse von Heinrich Nauen. In seinem 50 –teiligen Radierzyklus "Der Krieg" verarbeitete der Künstler seine Erlebnisse des 1. Weltkrieges und rechnete mit der grausamen Kriegmaschinerie gezielt ab. 1913 entstanden zudem zahlreiche Hauptwerke der Farblithografie. Des Weiteren entwickelte sich Otto Dix in Düsseldorf zu dem Porträtisten mit dem gefürchteten "bösen Blick", der das Wesen seiner Modelle unter Negierung jedweder gängigen Normierung schonungslos in Szene setzte.  All dies kann man  sich anhand der Abbildungen  genau ansehen.

Das Buch enthält  u. a. einige aufschlussreiche Essays unterschiedlicher Autoren, die das Leben und Werk des Künstlers #Otto_Dix erhellen. So erfährt man u.a. Wissenswertes über seine Aquarelle und über den Radierzyklus "Der Krieg", der das grafische Hauptwerk Otto Dix` seiner Düsseldorfer Jahre verkörpert. "Der Krieg"  ist als ein Jacques Callots "Les misères de la guerre" (1633) sowie Francisco de Goyas "Los desastres de la Guerra" (um 1810-15) ebenbürtiges Werk in der Kunstgeschichte anerkannt. 

Zu allen Werke der Ausstellung  erhält man Eckdaten und kann sich  zudem in die biographische Daten des Künstlers vertiefen. 

Ein gelungenes Buch zu einer Ausstellung, die man nicht versäumen sollte 

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Rezension: Magritte- Der Verrat der Bilder- Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung  "Magritte-  Der Verrat der Bilder", die vom 10. Februar bis zum 5. Juni 2017 in der Schirn in Frankfurt am Main gezeigt wird.

Das Buch enthält mehr als 100 Abbildungen von Werken dieses belgischen Malers und zahlreiche Essays unterschiedlicher Autoren, die durch ihre Texte Magritte und sein Schaffen dem Leser und Betrachter näher bringen.

Magritte ist eine der Schlüsselfiguren der Malerei des 20. Jahrhunderts. Er begriff sich nicht als Künstler, sondern als denkender Mensch, der seine Gedanken durch die Malerei vermittelt. Auf diese Weise werden seine surrealen Bildkonstruktionen auf eine einzigartige Weise zu einem Instrument der poetischen Erkenntnis.  Wichtige, immer wiederkehrende  Motive sind Feuer, Schatten, Vorhänge, Wörter und der fragmentierte Körper.

Die Ausstellung zielt darauf ab, das Werk des belgischen Surrealisten in seinem Verhältnis zur Philosophie seiner Zeit abzubilden. Magritte wollte stets der Malerei eine den Worten gleichrangige Bedeutung geben. Sein Dialog mit der Philosophie dokumentiert Magrittes ständige Beschäftigung mit Fragen zu Ähnlichkeit und Realismus.

In der Ausstellung werden Magrittes zentrale Bildformeln fokussiert, die sich mit der Mythologie der Erfindung und auch mit der Definition der Malerei befassen.

Didier Ottinger stellt in seinem Essay den Maler als Philosophen vor. Es folgen ein Vortrag von René Magritte aus dem Jahre 1938 und sehr beeindruckende Werksabbildungen, deren intellektueller Inhalt sich nicht problemlos interpretieren lässt.

Man erfährt mehr über das 1929 von Magritte gemalte Werk "Der Verrat der Bilder" und beginnt sich dann im Rahmen der höchst komplexen Essays die Gedankentiefe dieses Malers bewusst zu machen. Die verrätselten Bilder letztlich lassen sich erst durch die Texte wirklich verstehen. Die Texte für die Rezension zusammenzufassen, ist allerdings unmöglich, weil der Inhalt viel zu dicht und breit angelegt ist. 

Wer die Bilder nicht enträtseln möchte,  dem bleibt das Staunen und Bewundern.

Sehr empfehlenswert

Helga König

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Rezension: The Namib Desert- Art. Strukturs. Colors-Jürgen Wettke- teNeues

Dieser beeindruckende Bildband enthält Werke des Fotografen Jürgen Wettke. Für ihn ist der Blickwinkel und die Nutzung des Lichts von größerer Bedeutung als die Technik. Der leidenschaftliche Fotograf legte seinen Fokus in den letzten Jahren vermehrt auf Landschaftsfotografie. Dabei ist es sein Anliegen, beim Betrachter Emotionen zu wecken und auf diese Weise ein intensiveres Bewusstsein für die Fragilität  der Ökosysteme unseres Planeten zu schaffen. 

Die Wüste Namibia, die Bildgegenstand dieses Werkes ist, verändert sich durch die Naturgewalten ständig. Von daher zeichnen sich die gezeigten Bilder nicht nur durch ihre Ästhetik aus, sondern auch dadurch, dass es sich um echte Unikate handelt. 

Wer wissen möchte, welche Motive er im Einzelnen gerade bestaunt, kann sich im Index zu  Ende Werkes kundig machen. Dort nämlich erfährt man zu jedem Bild in englischer und deutscher Sprache Wissenswertes. 

Das Vorwort zum Buch hat der renommierte Naturfotograf Michael Poliza verfasst, dessen Anliegen in seinen Bildbänden und seinen Naturerlebnisreisen darin besteht, seine Erfahrungen und seine Begeisterung für die schönsten Landschaften der Welt mit anderen zu teilen. Er  kann professionell beurteilen, dass Jürgen Wettke behutsam mit feinem Gespür für Formen und Farben "wunderbare Kunst der Natur" präsentiert, die die Wüsten Nambias bieten. Poliza weiß, dass Wettkes Fotografien uns über die Mysterien und schiere Schönheit der Natur staunen lassen und uns vor Augen führen, was an unserem Planeten schützenswert ist. 

Jürgen Wettke erwähnt, dass die Namib die älteste Wüste auf unserer Erde und zugleich die einzige Küstenwüste ist. Sie wurde 2013 als Weltkulturerbe eingestuft. Der Sand dieser Wüste soll 1 Million Jahre alt sein. Dennoch unterliegt die Wüstenlandschaft permanenter Veränderung. 

Jeder Fotograf, der den Fokus auf Strukturen und Farben richtet, wird in dieser Wüste sehr viel entdecken, so etwa ein Farbspektrum von Hellgrau der Granitstrukturen, auch irreal wirkende Rottöne u.a.m., verrät und dokumentiert Wettke eindrucksvoll.

Die Aufnahmen sind in fünf Kapitel untergliedert. Hier wird man mit imposanten Fotos vertraut gemacht, die uns voller Poesie in eine Welt einladen, die uns Zeitlosigkeit spüren lässt. Alles, was wir sehen, lädt zum Staunen ein, veranschaulicht Erhabenheit, Ästhetik aber auch Ewigkeit und lässt uns erahnen, dass wir in dieser Welt von untergeordneter Bedeutung sind. 

An solchen Orten finden Weisheitslehrer den Sinn des Lebens, weil sie hier das Geheimnis allen Seins lüften können, wenn sie das, was ist, lange genug beobachten. 

Atemberaubend schöne, aussagekräftige Bilder verkünden den Wandel als die ewige Wahrheit bis ans Ende aller Tage. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Jürgen Wettke 
Artikelnummer: 76914-deu
ISBN: 978-3-8327-6914-7
Ausführung: 34 x 26 cm
208 Seiten,
140 Farbfotografien
Hardcover
Text: Deutsch und Englisch

Rezension: Geschlechterkampf- Franz von Stuck bis Frida Kahlo- Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Geschlechterkampf- Franz Stuck bis Frida Kahlo", die vom 24.11.2016 - 19.03.2017 im Städel Museum in Frankfurt gezeigt wird. Kurator der Präsentation ist Dr. Felix Krämer. 

Diese Sonderausstellung befasst sich  mit einem zeitlosen Thema: der spannungsgeladenen Beziehung zwischen Mann und Frau und deren Darstellung in der Kunst. "Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo" fokussiert die künstlerische Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und -beziehungen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. 

Anhand von über 140 Werken veranschaulicht die Ausstellung, wie kontrovers Künstlerinnen und Künstler der Moderne auf die Konstruktion von Geschlechtermodellen reagierten und wie sie mit Stereotypen, Idealbilder und Identifikationsfiguren in Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Film umgingen. 

Das Vorwort zum Buch hat der Direktor des Städel Museums Philipp Demandt verfasst. Diesem Vorwort folgt ein Gespräch der Kuratoren Felicity Korn und Felix Krämer mit Rose-Maria Gropp. Der Gesprächsgegenstand ist der "Geschlechterkampf, eine Annäherung". Hier definiert Korn, dass Geschlechterkampf die Begegnung zwischen Geschlechtern bedeute, die oftmals spannungsgeladen seien und zu einem Konflikt führen können. Zugleich verstehen die Kuratoren unter dem Überbegriff das Verhandeln von Rollenbildern, Stereotypen und Idealvorstellungen als auch das Sich-Positionieren zum jeweiligen Gegenüber. 

Anhand von umfangreichen Textbeiträgen unterschiedlicher Autoren und Bildern vieler namhafter Künstler erhält man einen umfassenden Eindruck von der Ausstellung. So liest man in einem Essay von Ute Frevert Wissenswertes zu Männerängsten und Frauenwünschen im Rahmen der Geschlechterkämpfe zwischen 1850- 1950, so auch, dass Frauen wie Gräfin von Reventlow oder auch die promovierte Schriftstellerin Helene Stöcker Außenseiterinnen waren, die von der herrschenden Meinung verfemt und skandalisiert wurden. Gleichwohl haben diese beiden Damen in den Anfängen des letzten Jahrhunderts viel getan, indem sie durch ihre publizistischen Tätigkeiten breite Schichten erreichten. 

Damals löste die Figur der unabhängigen Frau, die ihre sexuelle Freiheit rückhaltlos einklagte, massive Ängste aus. Frauen im Beruf irritierten. Ein Plakat des Schweizer Malers Ferdinand Hodler, das er zu Ende des 19. Jahrhunderts entwarf, zeigte ein vollständig bekleidete Frau mit wallendem roten Haar, die im Bündnis mit der Welt der Technik über dem auf dem Boden liegenden fast nackten Mann triumphiert. Das war die Horrorvorstellung der Männer der damaligen Zeit. 

Unmöglich im Rahmen der Rezension auf all die Essays einzugehen. Wichtig ist es wohl, sich mit dem biblischen Schöpfungsmythos zu befassen, der ungeachtet der wissenschaftlichen Umwälzungen auf künstlerische Inszenierungen bis in 20 Jahrhundert Bezug nahm. Gezeigt werden hier eine Plastik von August Rodin und die Gemälde "Adam und Eva" sowie "Das verlorene Paradies" von Franz von Stuck, auch Werke von Max Klinger und Bilder anderer Künstler, bevor man sich mit "Salome und ihre Schwestern in der Kunst des späten 19. Jahrhunderts " auseinandersetzen kann. Auch hier wieder wird die Bilderpräsentation von einem Essay begleitet. Besonders beeindruckend erscheint das Gemälde "Salome" von Jean Benner aufgrund seiner Entgültigkeit. 

Werke von Franz von Stuck gibt es nicht wenige in der Ausstellung. Sie visualisieren das Thema der Präsentation besonders eindrucksvoll, so etwa die "Verwundeten Amazone".  

Die Idee der "femme fatale" um 19 00 wird beleuchtet. Hier auch ist das Titelbild des Buches zu sehen. Es handelt sich um "Sie" von Gustav Adolf Mossa. 

Man ist während der Lektüre immer wieder erstaunt, wie intensiv man sich mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Auch Gemälde von Max Liebermann werden gezeigt und das Frauenbild in Werken von Edvard Munchs kommt zur Sprache. 

Eine Fülle von  textlichen Betrachtungen lässt den Kunstinteressierten nahezu verwirrt zurück und der ein oder der andere atmet gewiss beruhigt durch, wenn er liest, dass mit der Erforschung des Androgyns, sich der Surrealismus wie keine andere Avantgarde-Bewegung der sozialen und politischen Aufhebung des Geschlechterkampfs gewidmet hat. 

Lange verweilt der Blick auf Frieda Kahlos "Der kleine Hirsch" und es wird klar, was aus dem Platzhirsch geworden ist,  seit seinem Kampf mit der Amazone auf Stucks Bild.

Bleibt noch eine Info des Städel-Museeums anzufügen "Die Ausstellung baut auf dem Sammlungsbestand des Städel Museums auf, der mit Gemälden von Max Liebermann, Edvard Munch und Franz von Stuck, Skulpturen von Auguste Rodin sowie Fotografien von Frank Eugene oder Claude Cahun wichtige Positionen in Bezug auf diese Thematik umfasst. Anhand von bedeuten-den Leihgaben werden bekannten Namen der Kunstgeschichte wie Hannah Höch, Édouard Manet, Gustav Klimt, Otto Dix oder Frida Kahlo gezielt kunsthistorische Entdeckungen zur Seite gestellt, die den Kanon um aussagekräftige Positionen erweitern, darunter Arbeiten von Leonor Fini, John Collier oder Gustav Adolf Mossa. Vor dem Hintergrund der intensiv geführten Diskussionen um die Rollen von Frau und Mann bietet das Ausstellungsprojekt einen differenzierten Einblick in die Komplexität der Problematik und beleuchtet die kunsthistorische Dimension eines bis heute hochrelevanten gesellschaftspolitischen Themas."

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Wege des Pointillismus- Seurat, Signac, Van Gogh- Albertina, Hirmer.

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Wege des Pointillismus- Seurat, Signac, Van Gogh", die vom 16. September 2016 bis zum 8. Januar 2017 in der Albertina in Wien gezeigt wird.

George Seurat (1859- 1891) gilt als der wichtigste Vertreter des Pointillismus. Er war es, der die Kunst revolutionierte, indem er sich von den tradierten Sehgewohnheiten verabschiedet und der Malerei der Moderne den Weg geebnet hatte.

Die Pointillisten- eine Gruppe von Malern, allen voran Camille Pissarro-, schenkten nach dem frühen Tod Seurats Punkt, Licht und Farbe mehr Aufmerksamkeit und bewirkten, dass auf diese Weise der Bildgegenstand immer mehr in den Hintergrund trat. Die Ausstellung und der Katalog zeichnen diesen Umstand anhand der Entwicklung der Malerei von Seurat bis Paul Klee nach. Dabei ging es der ersten Generation der Pointillisten in ihrer Bilderwelt primär darum, abstrakte Begrifflichkeiten zum Ausdruck zu bringen.

Es war Seurats Wegbegleiter Signac, der die Punktechnik erneuerte. Das tat er, indem er das Prinzip der Farbtrennung in den Vordergrund stellte. So befreite er die Maler von der Punktechnik. Matisse und dessen Kreis brachen dann völlig aus dem rigiden System des Pointillismus aus. 10 Jahre nach Seurats Tod waren dessen Bilder Inspirationsquelle für junge Maler, die Malerei zu erneuern. Nun entfernte man sich von den weltfremden Ateliers, um in der Natur zu malen, ohne diese allerdings nachzuahmen. Jetzt sollte der Ausdruck der eigenen Empfindung unmittelbarer wiedergegeben werden.

Die Ausstellung der Albertina ist das Ergebnis einer Kooperation mit dem Kröller-Müller Museum in Otterlo/Niederlande.

Der Katalog enthält neben den Werken, die in der Albertina derzeit gezeigt werden, eloquente Essays unterschiedlicher Autoren, die sich mit einzelnen Künstlern des Pointillismus  und deren Werken breitgefächert befassen, so etwa  mit Georges Seurat, Paul Signac, Henri Matisse, Vincent van Gogh und Paul Klee. Auf die komplexen  Inhalte näher einzugehen, führt im Rahmen der Rezension allerdings zu weit. In ihrer Gesamtheit bieten die Texte- so viel soll gesagt werden-  für den Kunstinteressierten einen tiefen Einblick in den Weg des Pointillismus und machen diesen begreifbar.

Sehr empfehlenswert

Helga König

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Rezensionen: Die Helden- Georg Baselitz Städel Museum- Hirmer

Georg Baselitz ist fraglos einer der bedeutendsten deutschen Künstler der Gegenwart. Wie Max Hollein, der ehemalige Direktor des Städel Museums in seinem Vorwort schreibt, entwickelte der damals 27 jährige Georg Baselitz im Jahre 1965/66 die Werkgruppe der "Helden" und "Neuen Typen" in explosionsartiger Produktivität. 

Der Künstler ließ auf Leinwand und Papier jene dramatischen wie kraftvollen Figurenbilder entstehen, die in merkwürdiger Spannung zwischen Aggression und Verletzlichkeit, zwischen Geste und Beklommenheit schweben. Die "Heldenbilder" von Georg Baselitz zeigten kräftige, gleichwohl versehrte und in ihrer Autorität abhanden gekommene, entblößte, rudimentär uniformierte Gestalten. Es handele sich um robuste, dabei lethargische Männer, melancholische Überlebende in einer zerstörten chaotischen Welt, bilddominant und in einer pathetischen Untersicht mit vielen landschaftlichen Details inszeniert und in einer gezielt unroutinierten, fahrigen Malerei ausformuliert. Dieser Betrachtung von Max Hollein  schließe ich mich gerne an.

Nicht nur von ihren formalen Aspekten sind die Bilder manieristisch, sondern offenbar auch von ihrer Grundaussage. Die Figuren sind laut Bildtitel Helden, Rebellen, Hirten und Aufständische. Es sind Außenseiter, vermeintlich verloren im passiv- aggressiven Zustand. Wohl sind sie melancholisch, aber dennoch befähigt mittels durch Reflektion zu erweckender Willenskraft ausbrechen zu können.

Für Baselitz sollen die "Heldenbilder" nicht nur ein Markstein, sondern ein vehementer Dreh- und Angelpunkt in seinem Werk sein. Anhand von weiteren Essays unterschiedlicher Autoren hat man Gelegenheit, sich mit den Werken intellektuell auseinander zu setzen. 

Im Katalogteil eingebunden sind 15 sehr nachdenklich machende Geschichten von Alexander Kluge zu Bildern von Georg Baselitz aus den Jahren 1965 und 1966. 

Mit der Frage: "Was ist eine Kämpfernatur?" beginnt eine der Geschichten. Eine interessante Frage, die sich gewiss nicht  einfach beantworten lässt

Das Buch ist eine Bereicherung für jede Privat-Bibliothek

Empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Lawence Alma -Tadema- Klassische Verführung- Prestel

Der vorliegende Bildband befasst sich mit dem Leben und Werk des Künstlers Sir Lawrence Alma Tadema (8.1.1836- 28.6.1912). 

Der niederländisch-englische Maler studierte von 1852- 56 an der Antwerpener Akademie, um sich dann unter dem Einfluss der belgischen Historienmalerei auf mittelalterliche und ägyptische Sujets zu konzentrieren. Von 1865 an konzentrierte er sich auf die griechisch-römische Antike. Fünf Jahre später verlegte er seinen Wohnsitz nach England und war in London 31 Jahre lang Mitglied der Akademie.

Aufgrund seiner zum Teil mit archäologisch rekonstruierten und fotografisch präzisen Details ausgestatteten Schilderungen antiken Lebens, speziell von Bädern, Festen und Umzügen wurde er zu einem der am meisten gefeierten viktorianischen Maler. 

Konkret geht es in der vorliegenden Publikation "Klassische Verführung" um die neueste Forschungsergebnisse aus Europa und Amerika über diesen Künstler. Herausgeber des informationsreichen Buchs für das Fries Museum sind Elisabeth Prettejohn & Peter Trippi. Die Einleitung hat E. Prettejohn verfasst. Sie skizziert hier, worum es in groben Zügen in den Texten geht. Im Rahmen von zahlreichen Essays unterschiedlicher Autoren werden dem Leser dann der Künstler und sein Schaffen näher gebracht. Die vielen Abbildungen und auch die  sogenannten Highlights vervollständigen das Bild, das vom Künstler und seinen Werken vermittelt werden soll.

Die Bilder, die auf die römisch-griechische Antike Bezug nehmen, erfreuen das Auge und regen die Fantasie an. Der Maler schöpfte in seinen frühen Bildern beispielsweise aus dem, was er in Pompeji gesehen hatte, den Räumen und Atrien der antiken Stadt. Sein besonderer Ansatz bestand damals darin, dass es ihm gelang, die materielle Kultur in Rom, wie man sie von den Ausgrabungen in und um Pompeji kannte,  mit der niederländischen Bildtradition zu vereinen, die mit Vorliebe in den Innenräumen von Wohnhäusern gezeigt wurde. 

Schön im klassischen Sinne des Wortes  ist das Bild Tademas mit dem Titel "A Reading from Homer", das von seiner Ästhetik her vor allem besticht. Viele  der  gezeigten Werke erzählen Geschichten aus fernen Zeiten, in denen Frauen zart und verträumt waren und offenbar noch an die Poesie im Leben glaubten. 

Spannend zu lesen  ist,  wie Tadema sich einen Namen machte und welchen Einfluss er auf den frühen Klimt hatte. Natürlich hat man die Chance, sein berühmtes Gemälde "The Roses of Heliogabalus" zu bewundern, aber auch das imposante Werk "The Coliseum". 

Tadema soll wie kaum ein anderer seiner Zeitgenossen den Kunstmarkt für sich genutzt haben, der sich weltweit erstreckte. Als er das Ende seines Lebens erreichte, konnte man fast überall auf der Welt grafische und fotografische Reproduktionen seiner Kunstwerke finden. Diese prägten das Bild der Antike bei seinem Publikum und stießen auch bei Filmemachern auf großes Interesse. Auch in den sozialen Netzwerken werden Bilder von ihm immer wieder verlinkt, offenbar weil er die schönen Facetten einer unschönen Zeit dem Betrachter vollendet nahe bringen kann.

Das Buch ist eine Bereicherung für jede Kunstbuchsammlung 

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

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