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Rezension: Collecting Fine Art The Lumas Portfolio Vol. IV -teNeues



#Stefanie_Harig und #Marc_Ullrich sind die Gründer von #LUMAS und die Herausgeber dieses tollen Fotobandes. 

1996 haben die beiden auf einem Antiquitätenmarkt in New York, einen Mann kennengelernt, der mit alten Fotos handelte. Es waren Pressefotos aus den 1920er Jahren. Begeistert haben die Lumasgründer damals fünf Originalabzüge erstanden. Seither beschäftigen sie sich intensiv mit Fotografie. Sie sammeln, besuchen Festivals, internationale Messen und sind auf Blogs und im Internet unterwegs. 

Ihre Welt ist die der Fotokunst: schwarz-Weiß und farbig, analog und digital, lebendig und inspirierend. Vor 15 Jahren haben sie eine Galerie in Berlin-Mitte eröffnet. Mit Editionen von 75 bis 150 handsignierten Originalen sollte sich jeder Kunstliebhaber und junge Sammler künstlerische Fotografie zu akzeptablen Preisen leisten können. 

Zwischenzeitlich besitzen die beiden 29 Editionsgalerien an internationalen Standorten und sind damit eine der bedeutendsten Fotogalerien weltweit. Die Werke von über 250 Künstlerinnen und Künstlern sind in ihrem Portfolio enthalten.

Anlässlich des 15 jährigen Bestehens kann man sich in dem vorliegenden Fotoband einen Eindruck verschaffen, was #LUMAS zu bieten hat. 

Die rund 100 Fotos unterschiedlicher Fotografen, die eindrucksvoll gezeigt werden,  sind zum Ende des Buches jeweils in deutscher, englischer und französischer Sprache sehr gut beschrieben. Es lohnt  zunächst, sich in jedes Bild zu vertiefen und sich seine eigenen Gedanken dazu zu machen. 

Die Motive sind sehr verschieden voneinander. Von daher ist es unmöglich, auf alle im Rahmen der Rezension näher einzugehen.

Besonders angetan bin ich von einem Bild des Fotografen #Ciuco_Gutiérrez. In seinen Bildern konterkarieren üppige, stark farbene Kronleuchter die Weite des Meeres und der Wüstenlandschaften. So auch auf dem gezeigten Foto.Die Widersprüchlichkeit seiner Motive erzeugt eindeutig spielerische Spannung. 

Beeindruckend auch ist das Bild "Lion" von #Tom_Nagy  aus der Serie "Lost Animals". Wilde Tiere- im Falle des vorliegenden Fotos ein Löwe- werden auf hohen Brüstungen, Aussichtsflächen und Gebäudestreben platziert. Die urbane Umgebung scheint den Tieren zu gefallen. So wirkt der Löwe tatsächlich angepasst und geradezu lässig. 

Als drittes Bild möchte ich ein Foto des in Jakarta lebenden indonesischen Fotografen #Tirta_Winata erwähnen. Seine Aufnahmen von entlegenen Naturorten glichen ins Bild gesetzten Meditationen, liest man. Das Schauspiel der Erde werde auf eine höhere Stufe der Sinnlichkeit gehoben. Auf dem Bild verwandelt sich übrigens fließendes Wasser in einen Lichtstrahl. Wunderschön. Sehr meditativ. 

Neben den Bildbeschreibungen hat man Gelegenheit noch zwei Essays zu lesen. Diese stammen von dem freie Schriftsteller, Fotohistoriker und Kurator Hans-Michael Koetzle und von Dr. Lisa Zeitz, der Chefredakteurin von #Weltkunst, die sich in ihrem Text zur Kunst des Sammelns äußert. 

Dies ist ein wirklich beeindruckender Fotoband, den ich gerne weiterempfehle.

Helga König

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Pierre Bonnard- Die Farbe der Erinnerung- Hirmer




Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die noch bis zu zum 12.01.2020 im Kunstforum Wien gezeigt wird. 

Die Ausstellung konzentriert sich auf Pierre Bonnards (1867–1947) reifes Werk, das nach seinem ersten Besuch an der Côte d’Azur 1909 und der tiefgreifenden Erfahrung des Mittelmeerlichts eingesetzt hat. 

Von da an habe sich Palette Bonnards verändert. Jetzt begannen die starken leuchtenden Farben des Südens sein Werk zu bestimmen – und charakterisierten es bis in sein Spätwerk.

Im Zentrum der Ausstellung und des Katalogs stehen dem zu Folge die Farbe als zentrales Ausdrucks- und Gestaltungsmittel des Künstlers. Nicht bloß Stimmungen, vielmehr ganze Kompositionen  habe Bonnard über Farbakkorde und -dissonanzen, über die Gegensätze und das Zusammenspiel warmer und kühler Töne entwickelt, schreibt die Kuratorin Evelyn Benesch und fährt fort, dass das raffinierte Mit- und Gegeneinander der Farbwerte für ihn jedoch nur eines der Mittel gewesen sei, um die Harmonie der Natur in Frage zu stellen. 

Genauso subtil sei er mit räumlichen Verunklärungen oder »Fehlern« in der Personenführung verfahren – und  habe stets auf Neue »eine Überwindung der Natur durch die Kunst«. gesucht. 

Auch wenn Bonnards Farbmalerei in den späten Bildern bis an die Grenzen der Abstraktion gehe, stelle er die Gegenständlichkeit anders als die Avantgarden zu Beginn des Jahrhunderts nie in Frage. Wohl deshalb sei er kurz nach seinem Tod noch als Vertreter einer oberflächlichen Harmonie und »harmloser« Chronist eines großbürgerlichen Alltags klassifiziert worden. 

Tatsächlich läge Bonnards Poesie des Alltäglichen eine subtile Auseinandersetzung mit seiner Umgebung zugrunde. Mit rätselhaften Visualisierungen erinnerter Wahrnehmung lasse Bonnard sich auf Grenzgänge zwischen Fläche und Raum, Farbe und Dinglichkeit ein, die ihn als Kontemplationen einer subtilen Malkultur zu einem unnachahmlichen Ausdruck seiner Individualität führten. 

Bonnards vielfältiges und immer wieder neu zu entdeckendes Werk wird mit zahlreichen Leihgaben aus internationalen Museen aber auch aus renommierten privaten Sammlungen präsentiert.

Nach einem Vorwort der  Direktorinnen, erwarten die Leser  verschiedene, die Ausstellung erhellende Essays, unter diesen  auch  ein ein sehr  guter Essay mit dem Titel "Bonnard im Spiegel"  der eingangs bereits erwähnten Kuratorin  Evelyn Benesch.

Die Bilderwelten im Tafelteil erfreuen alle, die das Mittelmeerlicht zu schätzen wissen und für dessen künstlerische Umsetzung Sinn entwickelt haben.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

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Rezension: Gaudi- Das vollständige Werk- Rainer Zerbst- TASCHEN


Dieser wundervolle Bildband befasst sich mit dem Leben und Werk des spanischen Architekten Antoni Gaudi (1852-1926), der sich als junger Mensch der katalanisch-nationalen Bewegung anschloss und der Kirche gegenüber sehr kritisch war. 

Dr. Rainer Zerbst schreibt in der Einleitung, dass Gaudi als Student neben den theoretischen Studien in Seminaren und am Reißbrett in den Büros von Architekten in Barcelona Wissenswertes erlernte und seinen Professoren aufgrund seiner Eigenwilligkeit auffiel. Insofern wundert es auch nicht, dass er recht bald schon die Pfade der schulmäßigen Architektur verließ. Gaudi hat nichts von Stilreinheit gehalten, liest man, sondern er ließ sich von Bauten vergangener Zeiten inspirieren. 

Nach einem kurzen Intermezzo strenger, gotikähnlicher Bauten entwickelte er ungehemmt seinen persönlichen Stil und entfernte sich immer weiter von jeglicher Imitation. Seine Aufträge erhielt der junge Architekt zumeist durch private Kontakte.

Im vorliegenden Buch lernt man im Rahmen von 16 Kapiteln Arbeiten des Meisters kennen. Diese sind nach ihrem Entstehungsdatum geordnet. Zunächst  kann man sich in die die "Casa Vincens" vertiefen, die sich wie ein  Märchenschloss aus "Tausendundeiner Nacht" vor den Besuchern der "Calle de les Carolines 24" in Barcelona erhebt. Hier vereint Gaudi spanisch bürgerliche und alte jahrhundertelange arabische Tradition und macht etwas Eigenes daraus. Der Reiz der Ornamente an den Außenfassaden setzt sich im Inneren fort und lässt den Betrachter immerfort staunen. 

"El Capricho", erbaut zwischen 1883-1885, ist der Versuch, das Mittelalter, die Blütezeit Kataloniens mit der Anmut orientalischer Residenzen zu verbinden. Das Gebäude kann man in einem kleinen grünen Areal in Comillas bei Santander bewundern. Hier ist die architektonische Struktur noch freier und verspielter. Das Zentrum bildet eine Art Wintergarten, um den sich wie Zusätze weitere Räume gruppieren. 

Es folgen in der Präsentation die "Finca Güll" und der "Palacio Güll". Beide Objekte kann man in Barcelona bestaunen. Dabei erwartet den Besucher des Palastes die größte Überraschung auf dem Dach, wo sich ein farbenfroher Wald aus keramikverkleideten Kaminen, Luftaufsätzen und einem zentralen Turm erhebt. Für Gaudi sei das Dach stets das wichtigste Element gewesen. Hier entfaltete er zumeist die größte Fantasie, wie man sich im  Buch immer wieder überzeugen darf. 

Vorgestellt werden des Weiteren der "Bischofspalast" in Astorga, das "Colegio Teresiano" in Barcelona, die "Casa de Los Botines" in León, die "Bodegas Guell" in Sitges, die er für seinen Mäzen erstellte. Zu bewundern ist außerdem die "Casa Calvet", sie entstand zwischen 1898-1904 in Barcelona. Sie ist eines der konventionellsten Gebäude des Meisters und die einzige Arbeit, die von offizieller Seite Anerkennung fand. Noch zu sehen gibt es im Rahmen dieser großartigen Werkschau, Außen- und Innenansichten der "Krypta Colonia Guell", auch die "Torre Bellesguard" in Barcelona und schließlich auch der "Park Guell" im Nordwesten der Stadt, der eigentlich eine Gartenstadt werden sollte, aber heute ein Erholungszentrum der Bevölkerung Barcelonas ist. 

Dann lernt man durch Bilder und erläuternde Texte die "Casa Batlló"  und "La Pedrera"  in Barcelona kennen und fühlt sich teilweise ein wenig erschlagen von der Fantasiewelt Gaudis, die man nur häppchenweise wirklich genießen kann. 

Die berühmte "Sagrada Familia" in Barcelona mit ihren wunderschönen Kirchenfenstern wird ebenso ausführlich beleuchtet wie die "Schule der Sagrada Familia". Dabei ist die "Sagrada Familia"  das  meist besuchte Bauwerk Spaniens und zählt mit sechs weiteren seiner Bauten zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Im Anhang  dann erhält man einen Überblick über das vollständige Werk Gaudis, dem sich  in eine Kurzbiografie des Künstlers, sowie die Bildnachweise und die Bibliografie anschließen. Ein Lageplan der Gebäude rundet das wunderbare Werk ab, das durch neue Fotos, historische Aufnahmen und durch von Gaudi selbst angefertigte Zeichnungen und Pläne außerordentlich besticht. 

Maximal empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension: Rita de Muynck- Reframing- Klinkhardt&Biermann


Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung #Rita_de_Muynck- #Reframing, die  jetzt im Herbst 2019 im #Kallmann_Museum in Ismaning gezeigt wurde. 

Präsentiert wurden Werke der Künstlerin aus den Jahren 2014-2019. 

Herausgeberin des Katalogs ist Karin Sager, die  neben Rasmus Kleine für die eloquenten Texte im Buch zuständig ist und des Weiteren drei Gespräche mit  der flämischen Malerin Rita de Muynck geführt hat, die man in der Publikation nachlesen kann. 

Die Künstlerin nimmt in dieser Ausstellung die Besucher mit auf eine beeindruckende Reise und zeigt andere Formen des Kunsterlebens auf. Dabei stammt der Begriff "Reframing" für die Ausstellung aus der Psychologie. Er umschreibt die Fähigkeit, gedankliche Bezugssysteme, Rahmen und Kontext einer Situation oder eines Geschehens durch Perspektivwechsel umzudeuten. 

Auf die Kunst übertragen bedeutet dies, unsere Sicht zu erweitern und neue Vorstellungen als auch Deutungsmöglichkeiten zu entwickeln und zuzulassen. Bilder, die uns bewegen, schreibt Rita de Muynck, sind oder waren für uns von besonderer Bedeutung. Das gelte bei der Betrachtung von Kunst sowohl für angenehme wie auch zunächst für beunruhigende oder negative Empfindungen und genau da beginne der Prozess des "Umrahmens", des  "reframings". 

Bei längerer Betrachtung setzt eine tiefere Wahrnehmung des Kunstwerks ein, so aktuelle Ergebnisse der Hirnforschung und dies erlaube neue oder veränderte Zuordnungsmöglichkeiten, auch das Aushalten von Widersprüchen. Das im Reframing gefundene eigene Bild, erschaffe neue Realitäten. 

In der Ausstellung und im Katalog zeigt die Künstlerin Bilder, die unter verschiedenen Bedingungen entstanden sind. Dabei hörten die Besucher der Ausstellung zu den Werken, die bei Musik entstanden sind, die Stücke, die der Bildgestaltung zu Grunde liegen. Auf diese Weise konnten Wahrnehmungen des Werkes angeregt werden, die mit dem Ursprungsbild korrespondieren. Wie man erfährt, haben Teilnehmer solcher Versuche berichtet, dass sie bislang ihnen unbekannte ästhetische Erfahrungen gemacht haben, sie sprachen von intensiven emotionalen Reaktionen und sogar von synästhetischem Erleben.

In der Ausstellung im Kallmann-Museum gehörten Text, Musik und Exponate unmittelbar zusammen. Im Katalog allerdings kann man sich auch unabhängig von all diesem in die präsentierten Werke der flämischen Malerin vertiefen. So etwa in ihr Werk "Baum bei Kochel".

Rita de Muyncks  zentrales Anliegen besteht darin. Erinnerungen freizulegen, denen im Fall des Bildes "Baum bei Kochel" ein reales Erleben vorausgeht.

Es ist empfehlenswert, sich in die mit Karin Sager geführten Gespräche zu vertiefen, um das Anliegen und die Bilderwelt der Künstlerin besser zu verstehen. 

Ihr Bemühen, mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen leichtere Zugänge und Vorgehensweisen im Bereich der Kunstwahrnehmung und Kreativität zu entwickeln, finde ich höchst spannend und empfehle das vorliegende Buch allen, die an einem neuen Kunstverständnis interessiert sind und  sich mit den Werken der Künstlerin auseinandersetzen wollen 

 Helga König

Rezension: Inspiration Matisse- Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Inspiration Matisse", die vom 27. September 2019 bis 19. Januar 2020 in der Kunsthalle Mannheim gezeigt wird. 

Die Kuratoren Peter Kropmanns und Ulrike Lorenz haben das Vorwort verfasst, dem eine Vielzahl von Essays unterschiedlicher Autoren folgt, die für die Bilderschau die aufklärende Basis liefern, 
Henri Matisse  mit einer großen Ausstellung zu würdigen. Dabei wird einerseits seine Entwicklung vom Frühwerk bis zur progressiven Position des vierten Rückenakts 1930 vor Augen geführt, zudem wird der historische Kontext verfolgt, indem die Kunst von Matisse in Deutschland prägend wurde.

Die monografisch beginnende und  so auch endende Ausstellung ist ausgezeichnet durch drei konzentrische Erweiterungen. Die erste ist den französischen Künstlerfreunden gewidmet. Sie haben während der Zeit des Fauvismus von Matisse Impulse empfangen, wohl auch an ihn weitergegeben. Die zweite beleuchtet die deutsche Avantgarde der Brücke und der "Neuen Künstlervereinigung" in München. Diese war die Keimzelle des "Blauen Reiters". Der dritte Exkurs präsentiert bedeutende deutsche Künstler, die in den Jahren 1908-1910 als Schülerinnen und Schüler der "Académie Matisse"  in Paris in enger Tuchfühlung zur Theorie und Praxis des Franzosen standen. 

Die Essays beginnen mit einer Betrachtung der frühen Jahre des Künstlers und werden fortgesetzt mit der Erfahrung des Fauvismus und der Erprobung der Mittel. Bilder und auch Skulpturen werden gezeigt, nicht nur von Matisse. Auffallend ist die Farbähnlichkeit bei Matisse und Maurice de Vlaminck auf zwei gezeigten Gemälden mit unterschiedlichen Motiven und diese Farbverwandtschaft setzt sich auf Bildern anderer Maler, so auch bei André Derain fort. Hintergründe dazu kann man in einem Essay nachlesen. 

Holzschnitte werden präsentiert, bevor man in Essays noch mehr über den Künstler und sein Werk in Erfahrung bringen kann, nicht zuletzt über die deutschen Expressionisten und Matisse. 

Unmöglich im Rahmen der Rezension auf die umfangreichen Essays inhaltlich näher einzugehen, lohnenswert sind die Texte allemal. Unglaublich beeindruckend auch sind die Aktaufnahmen, so etwa von August Macke oder George Braque, auch von Max Pechstein und natürlich von  Henri Matisse. 

Die Betrachtung von allem, die Stillleben…. beeindruckend. Doch überwältigend sind die Gemälde von Hans Purrmann, die er im Süden Frankreichs gemalt hat. Diese Farben! Eine Hommage an das Licht dort.  

Das Buch hat viel zu bieten, klärt auch über den Bildhauer Matisse und über anderes mehr auf.

Die Vita des Künstlers ist zum Schluss chronologisch aufgelistet. Hier auch kann man weitere Künstlerviten in Kurzform lesen und zwar von Künstlern, die in der Ausstellung gezeigt werden. Unter diesen Hans Purrmann, der Mitbegründer der Académie Matisse war.

Mit Herausgeber- und Autorenviten endet das wunderbare Werk dann schließlich, das ich sehr gerne weiterempfehle. 

Helga König

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Rezension: Making van Gogh- Herausgeber: Alexander Eiling und Felix Krämer- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung- "Making van Gogh- Geschichte einer deutschen Liebe", die vom 23. Oktober 2019 bis zum 16. Februar 2020 im Städel Museum in Frankfurt /Main gezeigt wird.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Entstehung des "Mythos van Gogh" um 1900 und des Weiteren die Bedeutung seiner Kunst für die Moderne in Deutschland. Dabei ist die Ausstellung mit 50 zentralen Arbeiten van Goghs die umfangreichste Präsentation mit Werken dieses Künstlers in Deutschland seit rund 20 Jahren.

Thematisiert werden die spezielle Rolle, die Galeristen, Museen, Privatsammler und Kunstkritiker in Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts, für die die posthume Rezeption van Goghs als "Vater der Moderne" bedeutsam war.

Etwa 15 Jahre nach seinem Ableben wurde der niederländische Künstler hierzulande als Vorreiter der modernen Malerei  schon wahrgenommen und so wurden denn auch sehr bald  bereits seine Werke gesammelt. Zugleich begannen deutsche Künstler und Künstlerinnen sich intensiv mit seinen Werken zu befassen. Insbesondere wurden van Goghs Malerei zum Vorbild und zur speziellen Inspirationsquelle, ohne die die Entstehung der Moderne in Deutschland undenkbar wäre.

Das Vorwort des Katalogs hat Philipp Demandt verfasst. Er ist Direktor des Städel Museums, der hier bereits auf die erhellenden Essays im Buch hinweist. Diese stammen von Heike Biedermann, Alexander Eiling, Alina Happ, Anna Huber, Joachim Kaak, Stefan Koldehoff, Felix Krämer, Iris Schmeiser, Elena Schroll und Philipp von Wehrden,  sind wirklich sehr lesenswert und unumgänglich zum  tieferen Verständnis  von "Making van Gogh".

Die Ausstellung erzählt in drei großen Kapiteln von der Entstehung und Wirkung des "Mythos van Gogh" in Deutschland. Bei diesen Kapiteln handelt es sich um

 1. Mythos
 2.Wirkung
 3. Malweise

Dazu erfährt man im vorliegenden Werk sehr viel Wissenswertes. Zu sehen und im Katalog abgebildet sind neben 50 beeindruckenden Werken van Goghs 70 Werke deutscher Künstler, die von van Gogh inspiriert wurden. Unter diesen Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Alexej von Jawlensky, Paula Modersohn-Becker, Gabriele Münther, Peter August Böckstiegel, Theo von Brockhusen, Heinrich Nauer und Elsa Tischner von Durandt.

Es führt zu weit, an dieser Stelle auf die Essays näher einzugehen. Erhellend und dabei spannend zu lesen sind sie allemal.

Es ist übrigens eine spezielle Maltechnik, die zu van Goghs Markenzeichen wurde und die den größten Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen in Deutschland hatte. Dabei handelt es sich um einen lebendigen Pinselduktus und einen pastosen Farbauftrag. Kurz gesetzte und unverbundene Pinselstriche überziehen hierbei die Bildfläche. Dadurch wird das Motiv von einem übergeordneten Rhythmus gewissermaßen durchpulst. Hierbei tritt die stoffbeschreibende Funktion der Malerei gegenüber dem Malvorgang in den Hintergrund.

Gemälde dieser Art von van Gogh, aber auch von anderen Malern werden gezeigt, so auch ein sehr beeindruckendes, sonnendurchflutetes Gemälde von Theodor von Brockhusen mit dem Titel "Sommerlandschaft bei Kaiserswaldau". Wie man erfährt, war die Sonne für van Gogh ein lebenspendendes, hoffnungsvolles Symbol, das ihm in schweren Zeiten Zuversicht schenkte. Im Gegensatz zu ihm interpretierten zahlreiche Vertreter des deutschen Expressionismus die Sonne als als apokalyptisches Zeichen einer sich anbahnenden Katastrophe. 

Alles in allem ein gelungener Katalog zu einer Ausstellung, die ich mit großem Interesse besucht und deshalb mit noch größerer Freunde nun den Katalog dazu rezensiert habe. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Rembrandt. Sämtliche Gemälde -Volker Manuth, Marieke de Winkel, Rudie van Leeuwen-TASCHEN

Dieser Prachtband aus dem Hause #TASCHEN mit dem Titel "#Rembrandt" ist ein Werk der Autoren: Dr. Volker Manuth, Dr. Marieke de Winkel und Dr. Rudie van Leuwwen. Er wurde anlässlich des 350. Todestages  des Künstlers auf den Weg gebracht und präsentiert 330 Gemälde Rembrandts.

Dr. Volker Manuth studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Klassische Archäologie in Kiel, Bonn und Berlin und lehrt seit 1995 an verschiedenen Universitäten Kunstgeschichte, derzeit in Nimwegen/Niederlande. 

Dr. Marieke de Winkel studierte Kunstgeschichte und Klassische Archäologie in Amsterdam und Kunstgeschichte in London und Dr. Rudie van Leuwwen studierte Kunstgeschichte in Nimwegen. Gemeinsam mit Volker Manuth war er Initiator und Mitarbeiter des Rembrandt Documents Project.

Wie man eingangs bereits erfährt, besteht Rembrandts umfangreiches Oevre aus Gemälden, Zeichnungen und Radierungen. Im vorliegenden Werk werden  seine Gemälde fokussiert. Dabei macht der Umfang des Buches eine Beschränkung in der Länge der Katalogeinträge erforderlich. Sie liefern nicht selten eine Synthese des Forschungsgegenstandes zu den Gemälden, wobei der Schwerpunkt nicht auf der Zuschreibungsproblematik liegt. Der Leser bekommt aufgrund der Auswahl der relevanten Literatur die Chance, mehr Informationen zu erhalten und weitere Forschungsmeinungen über die Werke zu konsultieren. Auf ausführliche Angaben zur Herkunft der Gemälde ist aus Platzgründen verzichtet worden. 

Untergliedert ist das Werk in die Kapitel:  
Rembrandts Anfänge in Leiden 1606-1631 
Amsterdam 1631-1639 
Illusionismus und Neuorientierung 1640-1651 
Rembrandts Spätwerk 1652-1669 
Katalog der Gemälde 
Anmerkungen, Konkordanz, Literaturverzeichnis, Register

Jedes Kapitel enthält eine Fülle großformatiger Bilder, manchmal aufklappbar, die im Katalog der Gemälde ausführlich beschrieben worden sind. Dazu kommen Texte, die sich sehr detailreich mit seiner Biografie befassen. 

Zunächst wird Rembrandts familiärer Hintergrund beleuchtet. Hier erfährt man, dass er aus einer Familie von wohlhabenden Malzmüllern stammt und das zweitjüngste von zehn Kindern war. Er war der Erste in der Familie, der eine Uni besuchen konnte und wurde im Mai 1620 in Leiden eingeschrieben. Allerdings durchkreuzte er die Pläne seiner Eltern und entschied sich eine Lehre als Maler zu absolvieren. Seine Wahl fiel auf Jacob Isaacsz van Swanenburg. Bei ihm lernte er die material- und maltechnischen Grundbegriffe des Metiers kennen. 

Von größerer Bedeutung für Rembrandts Weiterentwicklung war seine Zeit bei Pieter Lastmann, sein zweiter Lehrmeister, ein Historienmaler. Historische Gemälde, über die man Näheres erfährt, sind die frühesten erhaltenen Werke Rembrandts. 

In Leiden gründete Rembrandt Mitte 1620 eine eigene Werkstatt. Dort unterrichtete er bald auch Schüler. Man liest, dass er in jener Zeit sich auf eine neue Art des Gemäldes spezialisiert hatte: den Charakterkopf. Diese sind selten kleinformatige Bilder und wurden "Tronie" genannt. Auch über seine frühen Selbstporträts wird man unterrichtet und kann entsprechende Bilder bewundern. Eine Reihe von Gemälden aus jener Zeit mit kirchlichen Motiven werden gezeigt. Sehr berührend ist das Gemälde "Der Prophet Jeremia trauert über die Zerstörung von Jerusalem", das großformatig vorgestellt wird. Neugierig machen "Das Gleichnis vom reichen Toren" und seine vielen Selbstporträts. Hier will man mehr wissen und erhält die Chance im Buch, sich  kundig zu machen.

Im zweiten Abschnitt werden die Jahre zwischen 1631- 1639 in Amsterdam fokussiert. Das war Rembrandts fruchtbarste Schaffensperiode. Zu dieser Zeit begann er das Helldunkel in den Dienst sachlicher Gegebenheiten zu stellen und reduziert bestimmte themenverdeutlichende Bildelemente. Seinen künstlerischen Erfolgen entsprach seine glückliche persönliche Situation. 1634 heiratete er die wohlhabende Saskia van Uylenburg. In jener Zeit  hatte der Maler große materielle Einnahmen. Doch es kam wegen seiner Haushaltsführung und finanziellen Fehlgriffen zu einer stetig wachsenden Verschuldung. Als seine Frau 1642 verstarb, gab es eine Zäsur in seiner Biografie. 

Es war nämlich zugleich das Jahr, als seine "Nachtwache" entstand, die einen Stilwandel bedeutete. Es geht um die Verlagerung der äußerlichen Aktivitäten in die innerliche Gespanntheit eines Geschehens oder einer Einzelfigur. Dies ist das dritte Kapitel, mit der Überschrift "Illusionismus und Neuorientierung". Beeindruckende Gemälde, auch Landschaftsbilder gibt es in dieser Periode zu bewundern, auch Bildausschnitte, die die Fähigkeiten dieses Künstler unterstreichen. Sehr schön sind die Selbstporträts und überaus beeindruckend das Gemälde "Lesende alte Frau. Prophetin Hanna".

Man liest über berühmte Vorbilder Rembrandts, genannt werden Albrecht Dürer und Lucas van Leyden und kann sich erneut in Bilderwelten vertiefen, die Seite für Seite staunen machen. Natürlich kommt auch Rembrandts Spätwerk 1652-1669 zur Sprache und in diesem Zusammenhang seine immer herber werdenden finanziellen Schwierigkeiten. Spontan fällt einem dabei Mozart ein.

Bedeutende Aufträge erhielt der Künstler bis zuletzt. So entstand 1653 das Werk "Aristoteles mit der Büste Homers". Rembrandt starb mit 63 Jahren, malte aber bis zu seinem Lebensende, wie unvollendete Werke verdeutlichen. 

Die Erläuterungen zum Katalog der Gemälde in der Folge  ist untergliedert in:

Altes Testament 
Neues Testament 
Religiöse Einzelfiguren 
Mythologie 
Antike Geschichte und Einzelfiguren 
Allegorien 
Ungedeutete Historie 
Tierstücke und Stillleben 
Landschaften 
Selbstporträts 
Männliche Einzelporträts
Weibliche Einzelporträts 
Pendantporträts 
Gruppenporträts 
Männliche Einzelfiguren und Tronies 
Weibliche Einzelfiguren und Tronies

Es lohnt, sich hier immer wieder über einzelne Werke zu informieren. 

Das Literaturverzeichnung zum Schluss verdeutlicht nochmals, welcher Arbeitsaufwand nötig war um das kolossale Werk zu realisieren. Ein Jahrhundertbuch. Großartig. Chapeau! 

Maximal empfehlenswert

Helga König

Maße: 36,2 x 8,8 x 42,4 cm

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Rembrandt. Sämtliche Gemälde


Rezension: TURNER- Das Meer und die Alpen- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "TURNER- Das Meer und die Alpen", die vom 06.07. - 13.10.2019 im Kunstmuseum Luzern gezeigt wird. 

J.M.W. Turner besuchte Luzern zwischen 1802 und 1844 fünf Mal, um die Landschaft dort in einigen seiner berühmtesten Werke festzuhalten. "TURNER- Das Meer und die Alpen", ist die erste Zusammenarbeit zwischen dem Kunstmuseum Luzern und der Tate Britain und als solches das Ergebnis einer mehr als dreijährigen kuratorischen und organisatorischen Kooperation.

Die Ausstellung ist die bedeutendste Präsentation von Turners Werk in der Schweiz seit mehr als einer Generation. Sie richtet ihr Augenmerk nicht nur auf die Werke von den Alpen und deren besonderen Umweltbedingungen, sondern auch auf Bilder von Meereslandschaften, Städten, Wetterlagen des gesamten Kontinents. 

Das Buch enthält die Ablichtungen der Bilder der Ausstellung und begleitende Essays unterschiedlicher Autoren. Dabei geht es unter anderem um die Dynamik des Erhabenen bei Turner oder um den meteorologischen Realismus in Turners Werk. Zudem kann man sich in Anmerkungen zu Turners Modernität vertiefen. 

Nicht unerwähnt möchte ich den sehr lesenswerten Essay von Cees Nooteboom lassen, der sich zu " J.M. W. Turner und die Schweizer Alpen"  hingebungsvoll  und  dabei  sehr fachkundig ausbreitet. 

Eine Karte zu Turners Reisewegen ist in diesem Buch auch eingebunden. Seine Touren wurden teilweise von Gönnern finanziert, erfährt man. Dass das Reisen in jener Zeit beschwerlich war, lässt sich denken und dass die gesundheitliche Verfassung geplante Reisen mitunter auch verhinderte, soll nicht unerwähnt bleiben. 

Beeindruckend sind Turners Aquarelle, die in der Schweiz entstanden sind und hier die Bilder von der Rigi, der Königin der Berge, die Turner in verschiedenen Farben und Lichtstimmungen malte. 

Ein gelungener Katalog. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König 

Onlinebestellung bitte hier klicken: Hirmer oder AmazonTurner - Das Meer und die Alpen

Rezension: Gold- Sebastiao Salgado- TASCHEN

Dieser überaus bemerkenswerte Bildband zeigt Schwarz-Weißaufnahmen des Fotografen #Sebastiao_Salgado, der 1973 seine berufliche Karriere als Fotograf in Paris begann und anschließend für die Fotoagenturen #Sygma, #Gamma und #Magnum_Photos arbeitete. Er ist Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2019.

1994 gründete er mit seiner Frau Lélia Wanick Salgado gemeinsam die Agentur #Amazonas_images, die sein Werk exklusiv vertritt. Sie studierte Architektur und Stadtplanung in Paris und entdeckte 1970 ihr Interesse für Fotografie und konzipiert sowie gestaltet seit den 1980er Jahren die Mehrzahl der Fotobände ihres Mannes. Zudem organisiert sie alle Ausstellungen seines Werkes. 

Das Ehepaar und #Alan_Riding haben gemeinsam den beeindruckenden Bildband realisiert. Alan Riding, der für die Texte im Buch zuständig ist, ist ein in Brasilien geborener Schriftsteller und ehemaliger Auslandskorrespondent der New York Times. Er leitete diverse Auslandsbüros dieser Zeitung, hat zudem als Kunstkorrespondent in Europa gearbeitet und schreibt heute primär für das Theater. 

Worum geht es in diesem Buch? Nach meiner Betrachtung um eine grandiose Visualisierung der #Gier des Menschen, exemplarisch festgehalten durch die Gier nach #Gold. 

#Serra_Pelada war zehn Jahre hindurch die größte Goldmine der Welt und galt als neues El Dorado. Dort arbeiteten circa 50.000 Goldgräber unter entsetzlichen Bedingungen. Wie Salgado schreibt, war er bei seinem ersten Besuch sprachlos, von dem, was er dort wahrnahm. Die verzehrende Leidenschaft, schnell reich zu werden, war die gleiche wie bei den Goldsuchern in früheren Jahren.

Man hatte 1979 in Serra Pelada Gold in einem Fluss entdeckt. Innerhalb weniger Wochen soll der Goldrausch dann begonnen haben. Wie das vonstattenging, wird im Buch sehr gut beschrieben.

Durch das Einschränken der Pressefreiheit durch die brasilianische Militärregierung, erhielt Saldago erst 1986 die Erlaubnis, dort hin zu reisen und konnte ermitteln, dass die Menschen an diesem Ort  die ungleiche brasilianische Sozialstruktur spiegelte. Dabei erledigten die Tagelöhner den härtesten Job. Sie mussten die Erde der zugewiesenen Parzellen abtragen und die 40 Kilo schweren Säcke über steile Abhänge, entlang schmaler Pfade und am Ende der Leitern empor nach oben tragen. Selbst während der Regenzeit war der Hunger nach Gold größer als die Angst das eigene Leben zu verlieren. 

Nicht wenige verloren alles, weil sie glaubten,  noch reicher werden zu können und deshalb ihre Gewinne in weitere Parzellen und neue Mannschaften von Tagelöhnern investierten. 

Heute ist Serra Pelada wieder eine arme Region. Nur ein 200 Meter tiefer See ist geblieben und eine Landschaft voller Narben. 

Die unglaublich beeindruckenden Fotos dokumentieren den ganzen Wahnsinn, zeigen Mühe, Aggression, Erschöpfung, ein Gewimmel von Menschen mit Hacken, Schaufeln und Leitern, eine Hölle, die der menschlichen Gier geschuldet war. 

Ziel des Fotografen war nicht mit den Bildern Schlagzeilen zu machen, sondern sie in ein langfristig angelegtes Fotoprojekt zu integrieren. Die unter dem Titel Workers: An Archeology of The Industrial Age (Arbeiter: Zur Archäologie des Industriezeitalters) publiziert und ausgestellt werden sollte.

In einem Nachtrag erfährt man, weshalb der Fotograf Schwarz-Weißaufnahmen wählte. Hier liest man u.a., dass die erschöpften Gesichter der Minenarbeiter deutlicher visualisiert werden konnten, aber auch die muskulösen Arme und Beine und ihre feuchten, schmutzigen Kleider.  Zudem setzt  in den Panoramabildern der riesigen Mine, so Alan Riding, Schwarz-Weiß Lichtpunkte, die jeden einzelnen Arbeiter erkennen lassen, der mit einem Sack voll Erde die Leiter hochsteigt. 

Dies ist ein grandioser Bildband mit einfühlsamen Texten in englischer, französischer  und deutscher Sprache. 

Maximal empfehlenswert.

Helga König

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Sebastião Salgado. Gold

Rezension: #Joana_Maxima_Vasconcelos- #Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "#Joana_Maximal_Vasconcelos", die noch bis zum zum 4. August 2019 im Max Ernst Museum Brühl gezeigt wird. Es handelt sich dabei um die erste Einzelausstellung in einem deutschen Museum der namhaften portugiesischen Künstlerin Joana Vasconcelos (*1971). 

Ihre Affinität Max Ernst gegenüber begann bereits während der Schulzeit. Was sie schon sehr früh am Surrealismus beeindruckte, war die Ironie und Komik in den Werken, das Überraschende und Unerwartete. In ihren Worten: "Aus Alltagsgegenständen entstehen wundersame und merkwürdige Kreaturen, die Wirklichkeit erfährt eine Wandlung."

Für Joana Vasconcelos ist das Wichtigste und Entscheidende am Surrealismus, das Bestreben, in der Kunst das Unbewusste bewusst zu machen, die in ein und demselben Raum vorfindbaren und erfahrbaren Dimensionen zu erweitern. 

Nach Ansicht der Künstlerin ist dies in unserer digitalen Wirklichkeit von immer stärkerer Bedeutung, nicht zuletzt, weil man dort erkenne, dass wir als Individuen jeder für sich ein kluges geordnetes Ganzes bilden.

Da der Surrealismus die Psychoanalyse als ein Instrument nutzte, um gegen die Zwänge des rationalen Denkens aufzubegehren und neue Sichtweisen zu ermöglichen, wurde den Künstlern und dem Publikum hierdurch der Weg einer Entwicklung zu freieren und bewussteren Menschen gewiesen.

In ihren zumeist monumentalen Arbeiten verwendet Joana Vasconcelos Alltagsgegenstände. Diese verbindet sie zu einer surrealistischen Objektkunst neuer Generation. 

In der Werkschau werden Objekte und Installationen aus den letzten 20 Jahren präsentiert, die einen Einblick in die ungewöhnliche Arbeitsweise  der portugiesischen Künstlerin vermitteln. Zu sehen gibt es beispielsweise eine #Großplastik, genannt "Ostfriesland", eine riesige Teekanne mit schmiedeeisernen Ornamenten, in deren Nähe duftender Jasmin gepflanzt wurde und so für ein sinnliches Erlebnis sorgt. 

Dann gibt es da auch die Installation "#Carmen_Miranda", ein riesiger aus 300 Edelstahl-Töpfen und Deckeln zusammengesetzter Stöckelschuh, der für Aufsehen sorgt oder z. B. Häkelarbeiten, die in meinen Augen die Sinnlosigkeit eines solchen Tuns gelangweilter Frauen mit Schoßhund dokumentieren. 

In den Werken der Künstlerin spielen Textile, Materialien, Garne, Stoffe und Gewebe eine zentrale Rolle. Aus diesen formt sie ihre überdimensionalen Raumgebilde oder verwandelt mit ihrer Hilfe Alltagsgegenstände, Einrichtungsstücke, Geräte, Keramiken und Figuren in kunstvolle unwirkliche Gestalten. 

Indem sie textile Stoffe und damit verbundene Techniken als Ausdrucksmittel wählt, die dem Handwerk oder Kunstgewerbe zugeordnet sind, überführt sie diese in Kunst. Durch die Strategien der Entfremdung und Umfunktionierung rückt sie die Werke in die Nähe von surrealen Künstlern. 

Ein beeindruckender Kunstband, die Werke einer interessanten portugiesischen Künstlerin zeigt. 

Sehr empfehlenswert

Helga König

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Joana Vasconcelos: Maximal