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Rezension: Riviera Cocktail- Côte d`Azur Jet Set of the 1950s-Edward Quinn- teNeues

In diesem Werk kann man Schwarzweißaufnahmen des Fotografen Edward Quinn bewundern. Den Fotos ist ein einleitender Text in englischer, deutscher, französischer, italienischer und spanischer Sprache vorangestellt, der sich mit den im Buch enthaltenen Bildern näher befasst. 

Auf den letzten Seiten dann erfährt man im Rahmen von Kurzbiografien etwas über Edward und Gret Quinn sowie über Heinz Bühler. Edward Quinn (1920-1997) hat seit den 1950er Jahren an der Côte d`Azur gelebt und gearbeitet. Damals hat er an der Côte viele Künstler, Stars, Manager und Adelige abgelichtet. Mit Picasso war er seit 1951 bis zum Tode des Malers im Jahre 1973 befreundet. 

Grete Quinn, die Witwe des Fotokünstlers hat gemeinsam mit dem Filmautor Heinz Bütler das vorliegende Werk herausgegeben. Dies ist in Zusammenarbeit mit dem Edward Quinn Archive geschehen. 

In der Einleitung liest man, dass kein Fotograf das gesellschaftliche und kulturelle Leben an der Côte d `Azur der Golden Fifties so umfassend, hellwach und mit feiner Ironie dokumentiert habe wie dieser Fotograf. Davon kann man sich im Buch sehr gut überzeugen. 

Quinn war auf Jagd nach "shots", die die Massenblätter einem Millionenpublikum verkauften. Das Bemerkenswerte an seinen "shots" ist, dass es im gelang, fotografisch produktive Augenblicksbeziehungen festzuhalten, die dem Betrachter den Eindruck vermitteln, hinter der Star- und Hollywoodfassade auch die Privatperson zu ahnen.

Die Beschäftigung mit Quinns Riviera-Chronik regt die Neugierde an, nicht zuletzt weil die Fotos aus den 1950er Jahren ein anderes Schönheitsideal als heute zeigen. Allein damit sich zu befassen, ist natürlich spannend. Dabei verkündet die junge Brigit Bardot einen Zeitgeist, der damals noch in der Ferne lag. 

Ein Meisterfoto von Aristoteles Onassis in Monte Carlo sagt viel über diesen Mann aus, aber auch ein Foto von Alfred Hitchcock ist sehr aussagekräftig und dokumentiert wie unterschiedlich diese beiden Persönlichkeiten waren, zwei Alpha-Männer wie sie verschiedener nicht sein können...

Tolle Aufnahmen von der Promenade in Cannes und Bandol in jenen Jahren werden präsentiert und zahlreiche Fotos von schönen Paaren. Nennen möchte ich Grace Kelly und David Niven, beide sind sehr distanziert und nicht von dieser Welt. Das macht das Geheimnis ihres Fotos aus. Der 1959 nicht mehr ganz junge aber höchst attraktive Cary Grant plaudert mit der bildschönen Kim Novak. Das ist dann Zeitgeist, der auch  nicht unerwähnt bleiben soll.

Beeindruckend  ist die Ausstrahlung von Onassis auch auf einem weiteren Foto, beeindruckend sind zudem die Bilder von der ausdrucksstarken Juliette Greco oder von Ella Fitzgerald. Die Fotos von Sophia Loren zeigen eine kalte Schönheit, deren Sex Appeal sich Frauen eher nicht erschließt. Ganz anders dann sind die Bilder von Audrey Hepburn deren warme Schönheit den Betrachter lange verweilen lässt. Sie aber auch Liz Taylor hatten das, was man als Jahrhundertausstrahlung bezeichnen kann. Schönheit ist eben mehr als Äußerlichkeit.

Sehr angetan ist man von einem Foto, dass 1961 in Cannes entstand,  anlässlich der Präsentation des Films "Good Bye Again". Antony Perkins und Yves Montand sind zu sehen. Doch wo ist Ingrid Bergmann? 

Bilder von Picasso fehlen nicht und fast zum Schluss gibt es dann doch noch eine Aufnahme von der nordischen Schönheit Bergmann. Ein Schnappschuss. Sie ist eindeutig die beeindruckendes Frau in diesem Buch, weil ihre Schönheit eine unendliche Seelentiefe und Reife erkennen lässt, die kaum beschreibbar ist. 

Ein tolles Buch, das den Charme der Côte d Azur einfängt, der alle Zeiten überdauert aber auch Berühmtheiten nicht vergessen lässt. Francoise Sagan hat den Zeitgeist mit bestimmt und gehört zu all jenen, von denen heute nur noch wenige am Leben sind. Legenden. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Sehr empfehlenswert.

Helga König

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Rezension: Otto Dix- The Evil Eye- Der böse Blick-Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Otto Dix- Der böse Blick" , die vom 11.2. bis zum 14.5.2017 in Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20 Grabbeplatz - Grabbeplatz 5 in 40213 Düsseldorf gezeigt wird. 

Die Werke von Otto Dix haben nicht nur in der Kunstgeschichte eine Bedeutung, sondern zudem für unser Verständnis der Sozial- und Zeitgeschichte. Der Maler soll über einen einzigartigen künstlerischen Blick verfügt haben, mit dem er Realismus und Kritik vereinte. Die Ausstellung vermittelt einen tiefen Eindruck in besagte Schaffensweise und legt ein besonderes Augenmerk auf die Düsseldorfer Jahre des Künstlers. 

Das Werk von Otto Dix ist ein Sinnbild für die Weimarer Zeit, denn der Künstler hielt die 1920er Jahre in Gemälden, Aquarellen und Grafiken fest. 

Die Ausstellung "Der böse Blick" beleuchtet die rasante Reifung von Otto Dix während seiner Düsseldorfer Jahre. Die Zeit zwischen 1922 bis 1925 in dieser Stadt war für Dix von großer Produktivität und zudem von einer ganzen Reihe herausragender künstlerischer Phasen geprägt. Von 1922 an besuchte Dix die Düsseldorfer Kunstakademie und arbeitete in einem Meisterschüleratelier der Klasse von Heinrich Nauen. In seinem 50 –teiligen Radierzyklus "Der Krieg" verarbeitete der Künstler seine Erlebnisse des 1. Weltkrieges und rechnete mit der grausamen Kriegmaschinerie gezielt ab. 1913 entstanden zudem zahlreiche Hauptwerke der Farblithografie. Des Weiteren entwickelte sich Otto Dix in Düsseldorf zu dem Porträtisten mit dem gefürchteten "bösen Blick", der das Wesen seiner Modelle unter Negierung jedweder gängigen Normierung schonungslos in Szene setzte.  All dies kann man  sich anhand der Abbildungen  genau ansehen.

Das Buch enthält  u. a. einige aufschlussreiche Essays unterschiedlicher Autoren, die das Leben und Werk des Künstlers #Otto_Dix erhellen. So erfährt man u.a. Wissenswertes über seine Aquarelle und über den Radierzyklus "Der Krieg", der das grafische Hauptwerk Otto Dix` seiner Düsseldorfer Jahre verkörpert. "Der Krieg"  ist als ein Jacques Callots "Les misères de la guerre" (1633) sowie Francisco de Goyas "Los desastres de la Guerra" (um 1810-15) ebenbürtiges Werk in der Kunstgeschichte anerkannt. 

Zu allen Werke der Ausstellung  erhält man Eckdaten und kann sich  zudem in die biographische Daten des Künstlers vertiefen. 

Ein gelungenes Buch zu einer Ausstellung, die man nicht versäumen sollte 

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Rezension: Magritte- Der Verrat der Bilder- Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung  "Magritte-  Der Verrat der Bilder", die vom 10. Februar bis zum 5. Juni 2017 in der Schirn in Frankfurt am Main gezeigt wird.

Das Buch enthält mehr als 100 Abbildungen von Werken dieses belgischen Malers und zahlreiche Essays unterschiedlicher Autoren, die durch ihre Texte Magritte und sein Schaffen dem Leser und Betrachter näher bringen.

Magritte ist eine der Schlüsselfiguren der Malerei des 20. Jahrhunderts. Er begriff sich nicht als Künstler, sondern als denkender Mensch, der seine Gedanken durch die Malerei vermittelt. Auf diese Weise werden seine surrealen Bildkonstruktionen auf eine einzigartige Weise zu einem Instrument der poetischen Erkenntnis.  Wichtige, immer wiederkehrende  Motive sind Feuer, Schatten, Vorhänge, Wörter und der fragmentierte Körper.

Die Ausstellung zielt darauf ab, das Werk des belgischen Surrealisten in seinem Verhältnis zur Philosophie seiner Zeit abzubilden. Magritte wollte stets der Malerei eine den Worten gleichrangige Bedeutung geben. Sein Dialog mit der Philosophie dokumentiert Magrittes ständige Beschäftigung mit Fragen zu Ähnlichkeit und Realismus.

In der Ausstellung werden Magrittes zentrale Bildformeln fokussiert, die sich mit der Mythologie der Erfindung und auch mit der Definition der Malerei befassen.

Didier Ottinger stellt in seinem Essay den Maler als Philosophen vor. Es folgen ein Vortrag von René Magritte aus dem Jahre 1938 und sehr beeindruckende Werksabbildungen, deren intellektueller Inhalt sich nicht problemlos interpretieren lässt.

Man erfährt mehr über das 1929 von Magritte gemalte Werk "Der Verrat der Bilder" und beginnt sich dann im Rahmen der höchst komplexen Essays die Gedankentiefe dieses Malers bewusst zu machen. Die verrätselten Bilder letztlich lassen sich erst durch die Texte wirklich verstehen. Die Texte für die Rezension zusammenzufassen, ist allerdings unmöglich, weil der Inhalt viel zu dicht und breit angelegt ist. 

Wer die Bilder nicht enträtseln möchte,  dem bleibt das Staunen und Bewundern.

Sehr empfehlenswert

Helga König

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Rezension: The Namib Desert- Art. Strukturs. Colors-Jürgen Wettke- teNeues

Dieser beeindruckende Bildband enthält Werke des Fotografen Jürgen Wettke. Für ihn ist der Blickwinkel und die Nutzung des Lichts von größerer Bedeutung als die Technik. Der leidenschaftliche Fotograf legte seinen Fokus in den letzten Jahren vermehrt auf Landschaftsfotografie. Dabei ist es sein Anliegen, beim Betrachter Emotionen zu wecken und auf diese Weise ein intensiveres Bewusstsein für die Fragilität  der Ökosysteme unseres Planeten zu schaffen. 

Die Wüste Namibia, die Bildgegenstand dieses Werkes ist, verändert sich durch die Naturgewalten ständig. Von daher zeichnen sich die gezeigten Bilder nicht nur durch ihre Ästhetik aus, sondern auch dadurch, dass es sich um echte Unikate handelt. 

Wer wissen möchte, welche Motive er im Einzelnen gerade bestaunt, kann sich im Index zu  Ende Werkes kundig machen. Dort nämlich erfährt man zu jedem Bild in englischer und deutscher Sprache Wissenswertes. 

Das Vorwort zum Buch hat der renommierte Naturfotograf Michael Poliza verfasst, dessen Anliegen in seinen Bildbänden und seinen Naturerlebnisreisen darin besteht, seine Erfahrungen und seine Begeisterung für die schönsten Landschaften der Welt mit anderen zu teilen. Er  kann professionell beurteilen, dass Jürgen Wettke behutsam mit feinem Gespür für Formen und Farben "wunderbare Kunst der Natur" präsentiert, die die Wüsten Nambias bieten. Poliza weiß, dass Wettkes Fotografien uns über die Mysterien und schiere Schönheit der Natur staunen lassen und uns vor Augen führen, was an unserem Planeten schützenswert ist. 

Jürgen Wettke erwähnt, dass die Namib die älteste Wüste auf unserer Erde und zugleich die einzige Küstenwüste ist. Sie wurde 2013 als Weltkulturerbe eingestuft. Der Sand dieser Wüste soll 1 Million Jahre alt sein. Dennoch unterliegt die Wüstenlandschaft permanenter Veränderung. 

Jeder Fotograf, der den Fokus auf Strukturen und Farben richtet, wird in dieser Wüste sehr viel entdecken, so etwa ein Farbspektrum von Hellgrau der Granitstrukturen, auch irreal wirkende Rottöne u.a.m., verrät und dokumentiert Wettke eindrucksvoll.

Die Aufnahmen sind in fünf Kapitel untergliedert. Hier wird man mit imposanten Fotos vertraut gemacht, die uns voller Poesie in eine Welt einladen, die uns Zeitlosigkeit spüren lässt. Alles, was wir sehen, lädt zum Staunen ein, veranschaulicht Erhabenheit, Ästhetik aber auch Ewigkeit und lässt uns erahnen, dass wir in dieser Welt von untergeordneter Bedeutung sind. 

An solchen Orten finden Weisheitslehrer den Sinn des Lebens, weil sie hier das Geheimnis allen Seins lüften können, wenn sie das, was ist, lange genug beobachten. 

Atemberaubend schöne, aussagekräftige Bilder verkünden den Wandel als die ewige Wahrheit bis ans Ende aller Tage. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Jürgen Wettke 
Artikelnummer: 76914-deu
ISBN: 978-3-8327-6914-7
Ausführung: 34 x 26 cm
208 Seiten,
140 Farbfotografien
Hardcover
Text: Deutsch und Englisch

Rezension: Geschlechterkampf- Franz von Stuck bis Frida Kahlo- Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Geschlechterkampf- Franz Stuck bis Frida Kahlo", die vom 24.11.2016 - 19.03.2017 im Städel Museum in Frankfurt gezeigt wird. Kurator der Präsentation ist Dr. Felix Krämer. 

Diese Sonderausstellung befasst sich  mit einem zeitlosen Thema: der spannungsgeladenen Beziehung zwischen Mann und Frau und deren Darstellung in der Kunst. "Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo" fokussiert die künstlerische Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und -beziehungen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. 

Anhand von über 140 Werken veranschaulicht die Ausstellung, wie kontrovers Künstlerinnen und Künstler der Moderne auf die Konstruktion von Geschlechtermodellen reagierten und wie sie mit Stereotypen, Idealbilder und Identifikationsfiguren in Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Film umgingen. 

Das Vorwort zum Buch hat der Direktor des Städel Museums Philipp Demandt verfasst. Diesem Vorwort folgt ein Gespräch der Kuratoren Felicity Korn und Felix Krämer mit Rose-Maria Gropp. Der Gesprächsgegenstand ist der "Geschlechterkampf, eine Annäherung". Hier definiert Korn, dass Geschlechterkampf die Begegnung zwischen Geschlechtern bedeute, die oftmals spannungsgeladen seien und zu einem Konflikt führen können. Zugleich verstehen die Kuratoren unter dem Überbegriff das Verhandeln von Rollenbildern, Stereotypen und Idealvorstellungen als auch das Sich-Positionieren zum jeweiligen Gegenüber. 

Anhand von umfangreichen Textbeiträgen unterschiedlicher Autoren und Bildern vieler namhafter Künstler erhält man einen umfassenden Eindruck von der Ausstellung. So liest man in einem Essay von Ute Frevert Wissenswertes zu Männerängsten und Frauenwünschen im Rahmen der Geschlechterkämpfe zwischen 1850- 1950, so auch, dass Frauen wie Gräfin von Reventlow oder auch die promovierte Schriftstellerin Helene Stöcker Außenseiterinnen waren, die von der herrschenden Meinung verfemt und skandalisiert wurden. Gleichwohl haben diese beiden Damen in den Anfängen des letzten Jahrhunderts viel getan, indem sie durch ihre publizistischen Tätigkeiten breite Schichten erreichten. 

Damals löste die Figur der unabhängigen Frau, die ihre sexuelle Freiheit rückhaltlos einklagte, massive Ängste aus. Frauen im Beruf irritierten. Ein Plakat des Schweizer Malers Ferdinand Hodler, das er zu Ende des 19. Jahrhunderts entwarf, zeigte ein vollständig bekleidete Frau mit wallendem roten Haar, die im Bündnis mit der Welt der Technik über dem auf dem Boden liegenden fast nackten Mann triumphiert. Das war die Horrorvorstellung der Männer der damaligen Zeit. 

Unmöglich im Rahmen der Rezension auf all die Essays einzugehen. Wichtig ist es wohl, sich mit dem biblischen Schöpfungsmythos zu befassen, der ungeachtet der wissenschaftlichen Umwälzungen auf künstlerische Inszenierungen bis in 20 Jahrhundert Bezug nahm. Gezeigt werden hier eine Plastik von August Rodin und die Gemälde "Adam und Eva" sowie "Das verlorene Paradies" von Franz von Stuck, auch Werke von Max Klinger und Bilder anderer Künstler, bevor man sich mit "Salome und ihre Schwestern in der Kunst des späten 19. Jahrhunderts " auseinandersetzen kann. Auch hier wieder wird die Bilderpräsentation von einem Essay begleitet. Besonders beeindruckend erscheint das Gemälde "Salome" von Jean Benner aufgrund seiner Entgültigkeit. 

Werke von Franz von Stuck gibt es nicht wenige in der Ausstellung. Sie visualisieren das Thema der Präsentation besonders eindrucksvoll, so etwa die "Verwundeten Amazone".  

Die Idee der "femme fatale" um 19 00 wird beleuchtet. Hier auch ist das Titelbild des Buches zu sehen. Es handelt sich um "Sie" von Gustav Adolf Mossa. 

Man ist während der Lektüre immer wieder erstaunt, wie intensiv man sich mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Auch Gemälde von Max Liebermann werden gezeigt und das Frauenbild in Werken von Edvard Munchs kommt zur Sprache. 

Eine Fülle von  textlichen Betrachtungen lässt den Kunstinteressierten nahezu verwirrt zurück und der ein oder der andere atmet gewiss beruhigt durch, wenn er liest, dass mit der Erforschung des Androgyns, sich der Surrealismus wie keine andere Avantgarde-Bewegung der sozialen und politischen Aufhebung des Geschlechterkampfs gewidmet hat. 

Lange verweilt der Blick auf Frieda Kahlos "Der kleine Hirsch" und es wird klar, was aus dem Platzhirsch geworden ist,  seit seinem Kampf mit der Amazone auf Stucks Bild.

Bleibt noch eine Info des Städel-Museeums anzufügen "Die Ausstellung baut auf dem Sammlungsbestand des Städel Museums auf, der mit Gemälden von Max Liebermann, Edvard Munch und Franz von Stuck, Skulpturen von Auguste Rodin sowie Fotografien von Frank Eugene oder Claude Cahun wichtige Positionen in Bezug auf diese Thematik umfasst. Anhand von bedeuten-den Leihgaben werden bekannten Namen der Kunstgeschichte wie Hannah Höch, Édouard Manet, Gustav Klimt, Otto Dix oder Frida Kahlo gezielt kunsthistorische Entdeckungen zur Seite gestellt, die den Kanon um aussagekräftige Positionen erweitern, darunter Arbeiten von Leonor Fini, John Collier oder Gustav Adolf Mossa. Vor dem Hintergrund der intensiv geführten Diskussionen um die Rollen von Frau und Mann bietet das Ausstellungsprojekt einen differenzierten Einblick in die Komplexität der Problematik und beleuchtet die kunsthistorische Dimension eines bis heute hochrelevanten gesellschaftspolitischen Themas."

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Wege des Pointillismus- Seurat, Signac, Van Gogh- Albertina, Hirmer.

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Wege des Pointillismus- Seurat, Signac, Van Gogh", die vom 16. September 2016 bis zum 8. Januar 2017 in der Albertina in Wien gezeigt wird.

George Seurat (1859- 1891) gilt als der wichtigste Vertreter des Pointillismus. Er war es, der die Kunst revolutionierte, indem er sich von den tradierten Sehgewohnheiten verabschiedet und der Malerei der Moderne den Weg geebnet hatte.

Die Pointillisten- eine Gruppe von Malern, allen voran Camille Pissarro-, schenkten nach dem frühen Tod Seurats Punkt, Licht und Farbe mehr Aufmerksamkeit und bewirkten, dass auf diese Weise der Bildgegenstand immer mehr in den Hintergrund trat. Die Ausstellung und der Katalog zeichnen diesen Umstand anhand der Entwicklung der Malerei von Seurat bis Paul Klee nach. Dabei ging es der ersten Generation der Pointillisten in ihrer Bilderwelt primär darum, abstrakte Begrifflichkeiten zum Ausdruck zu bringen.

Es war Seurats Wegbegleiter Signac, der die Punktechnik erneuerte. Das tat er, indem er das Prinzip der Farbtrennung in den Vordergrund stellte. So befreite er die Maler von der Punktechnik. Matisse und dessen Kreis brachen dann völlig aus dem rigiden System des Pointillismus aus. 10 Jahre nach Seurats Tod waren dessen Bilder Inspirationsquelle für junge Maler, die Malerei zu erneuern. Nun entfernte man sich von den weltfremden Ateliers, um in der Natur zu malen, ohne diese allerdings nachzuahmen. Jetzt sollte der Ausdruck der eigenen Empfindung unmittelbarer wiedergegeben werden.

Die Ausstellung der Albertina ist das Ergebnis einer Kooperation mit dem Kröller-Müller Museum in Otterlo/Niederlande.

Der Katalog enthält neben den Werken, die in der Albertina derzeit gezeigt werden, eloquente Essays unterschiedlicher Autoren, die sich mit einzelnen Künstlern des Pointillismus  und deren Werken breitgefächert befassen, so etwa  mit Georges Seurat, Paul Signac, Henri Matisse, Vincent van Gogh und Paul Klee. Auf die komplexen  Inhalte näher einzugehen, führt im Rahmen der Rezension allerdings zu weit. In ihrer Gesamtheit bieten die Texte- so viel soll gesagt werden-  für den Kunstinteressierten einen tiefen Einblick in den Weg des Pointillismus und machen diesen begreifbar.

Sehr empfehlenswert

Helga König

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Rezensionen: Die Helden- Georg Baselitz Städel Museum- Hirmer

Georg Baselitz ist fraglos einer der bedeutendsten deutschen Künstler der Gegenwart. Wie Max Hollein, der ehemalige Direktor des Städel Museums in seinem Vorwort schreibt, entwickelte der damals 27 jährige Georg Baselitz im Jahre 1965/66 die Werkgruppe der "Helden" und "Neuen Typen" in explosionsartiger Produktivität. 

Der Künstler ließ auf Leinwand und Papier jene dramatischen wie kraftvollen Figurenbilder entstehen, die in merkwürdiger Spannung zwischen Aggression und Verletzlichkeit, zwischen Geste und Beklommenheit schweben. Die "Heldenbilder" von Georg Baselitz zeigten kräftige, gleichwohl versehrte und in ihrer Autorität abhanden gekommene, entblößte, rudimentär uniformierte Gestalten. Es handele sich um robuste, dabei lethargische Männer, melancholische Überlebende in einer zerstörten chaotischen Welt, bilddominant und in einer pathetischen Untersicht mit vielen landschaftlichen Details inszeniert und in einer gezielt unroutinierten, fahrigen Malerei ausformuliert. Dieser Betrachtung von Max Hollein  schließe ich mich gerne an.

Nicht nur von ihren formalen Aspekten sind die Bilder manieristisch, sondern offenbar auch von ihrer Grundaussage. Die Figuren sind laut Bildtitel Helden, Rebellen, Hirten und Aufständische. Es sind Außenseiter, vermeintlich verloren im passiv- aggressiven Zustand. Wohl sind sie melancholisch, aber dennoch befähigt mittels durch Reflektion zu erweckender Willenskraft ausbrechen zu können.

Für Baselitz sollen die "Heldenbilder" nicht nur ein Markstein, sondern ein vehementer Dreh- und Angelpunkt in seinem Werk sein. Anhand von weiteren Essays unterschiedlicher Autoren hat man Gelegenheit, sich mit den Werken intellektuell auseinander zu setzen. 

Im Katalogteil eingebunden sind 15 sehr nachdenklich machende Geschichten von Alexander Kluge zu Bildern von Georg Baselitz aus den Jahren 1965 und 1966. 

Mit der Frage: "Was ist eine Kämpfernatur?" beginnt eine der Geschichten. Eine interessante Frage, die sich gewiss nicht  einfach beantworten lässt

Das Buch ist eine Bereicherung für jede Privat-Bibliothek

Empfehlenswert 

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Rezension: Lawence Alma -Tadema- Klassische Verführung- Prestel

Der vorliegende Bildband befasst sich mit dem Leben und Werk des Künstlers Sir Lawrence Alma Tadema (8.1.1836- 28.6.1912). 

Der niederländisch-englische Maler studierte von 1852- 56 an der Antwerpener Akademie, um sich dann unter dem Einfluss der belgischen Historienmalerei auf mittelalterliche und ägyptische Sujets zu konzentrieren. Von 1865 an konzentrierte er sich auf die griechisch-römische Antike. Fünf Jahre später verlegte er seinen Wohnsitz nach England und war in London 31 Jahre lang Mitglied der Akademie.

Aufgrund seiner zum Teil mit archäologisch rekonstruierten und fotografisch präzisen Details ausgestatteten Schilderungen antiken Lebens, speziell von Bädern, Festen und Umzügen wurde er zu einem der am meisten gefeierten viktorianischen Maler. 

Konkret geht es in der vorliegenden Publikation "Klassische Verführung" um die neueste Forschungsergebnisse aus Europa und Amerika über diesen Künstler. Herausgeber des informationsreichen Buchs für das Fries Museum sind Elisabeth Prettejohn & Peter Trippi. Die Einleitung hat E. Prettejohn verfasst. Sie skizziert hier, worum es in groben Zügen in den Texten geht. Im Rahmen von zahlreichen Essays unterschiedlicher Autoren werden dem Leser dann der Künstler und sein Schaffen näher gebracht. Die vielen Abbildungen und auch die  sogenannten Highlights vervollständigen das Bild, das vom Künstler und seinen Werken vermittelt werden soll.

Die Bilder, die auf die römisch-griechische Antike Bezug nehmen, erfreuen das Auge und regen die Fantasie an. Der Maler schöpfte in seinen frühen Bildern beispielsweise aus dem, was er in Pompeji gesehen hatte, den Räumen und Atrien der antiken Stadt. Sein besonderer Ansatz bestand damals darin, dass es ihm gelang, die materielle Kultur in Rom, wie man sie von den Ausgrabungen in und um Pompeji kannte,  mit der niederländischen Bildtradition zu vereinen, die mit Vorliebe in den Innenräumen von Wohnhäusern gezeigt wurde. 

Schön im klassischen Sinne des Wortes  ist das Bild Tademas mit dem Titel "A Reading from Homer", das von seiner Ästhetik her vor allem besticht. Viele  der  gezeigten Werke erzählen Geschichten aus fernen Zeiten, in denen Frauen zart und verträumt waren und offenbar noch an die Poesie im Leben glaubten. 

Spannend zu lesen  ist,  wie Tadema sich einen Namen machte und welchen Einfluss er auf den frühen Klimt hatte. Natürlich hat man die Chance, sein berühmtes Gemälde "The Roses of Heliogabalus" zu bewundern, aber auch das imposante Werk "The Coliseum". 

Tadema soll wie kaum ein anderer seiner Zeitgenossen den Kunstmarkt für sich genutzt haben, der sich weltweit erstreckte. Als er das Ende seines Lebens erreichte, konnte man fast überall auf der Welt grafische und fotografische Reproduktionen seiner Kunstwerke finden. Diese prägten das Bild der Antike bei seinem Publikum und stießen auch bei Filmemachern auf großes Interesse. Auch in den sozialen Netzwerken werden Bilder von ihm immer wieder verlinkt, offenbar weil er die schönen Facetten einer unschönen Zeit dem Betrachter vollendet nahe bringen kann.

Das Buch ist eine Bereicherung für jede Kunstbuchsammlung 

Sehr empfehlenswert. 

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Rezension: Der Rhein- Eine europäische Flussbiografie-Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Der Rhein- Eine europäische Flussbiografie", die noch bis zum 22.Januar 2017 in der Bundeskunsthalle in Bonn gezeigt wird. 

In diesem reich bebilderten Buch wird gleich zu Beginn ein zwei Seiten umfassendes Gemälde von Moritz von Schwind präsentiert, das aus dem Jahre 1848 stammt und den Titel "Vater Rhein" trägt. Dieses Gemälde wird inhaltlich näher erläutert. Es folgt ein Vorwort von Rein Wolfs. Hier erfährt man, dass die Entdecker des touristischen Rheins die Briten waren. Schon zu Ende des 18. Jahrhunderts begeisterten sie sich für die malerische Landschaft des Mittelrheintales mit seinen Burgen, Ruinen und Wasserfällen. 

Maler wie der Brite William Turner und viele Literaten, unter ihnen Hölderlin, Lord Byron und Goethe, haben das Bild des Rheins und dessen Rezeption maßgeblich geprägt. 

Ein Zitat von Max Ernst und dessen Gemälde "Vater Rhein" aus dem Jahre 1953 sind dem Text  "Der Rhein. Eine europäische Flussbiografie" vorangestellt.   Besagter Beitrag stammt von Marie- Louise von Plessen. Hier liest man u.a., dass dem Rhein noch nie zuvor eine Ausstellung als Biografie gewidmet wurde und zwar mit paläontologischen Exponaten aus rheinischen Kalken des Oligozän bis in die Gegenwart. "Der Rhein. Eine europäische Flussbiografie" ist die vierte Ausstellung im Rahmen der Wasserausstellungen von Marie – Luise von Plessen. 

Neben einer Fülle von Abbildungen von Ausstellungsexponaten warten auf den Leser informative Textbeiträge unterschiedlicher Autoren, so etwa zum Rhein als Geohistorie und zur Navigation und Verbauung. Man erfährt Näheres zu "Europas feinster Kaskade", dem Rheinfall von Schaffhausen. Es handelt sich hierbei um den drittgrößten Wasserfall Europas. Der britische Maler J. M.W. Turner malte ihn voller Begeisterung. 

Man liest von den Römern, der Kirche, den Kaisern, auch den Händlern, für die dieser Strom Bedeutung hatte. Über viele Jahrhunderte beförderte der Rhein als Straße des Weins, der Schriften, der Handelswaren den europaweiten Warenumschlag, aber der Rhein war auch der Strom der Troubadoure und galt zudem als Förderband für den Transfer und Austausch von Bildern und Schriften, von Zimelien und Druckwerken, die neue Ideen für Wissbegierige und Neugierige in Europa vertrieben. 

Festungen und Residenzen sind ein weiteres Thema. Auch hier werden Bilder präsentiert, die einen guten visuellen Eindruck  des dazu gehörenden Textes verschaffen. Das Kriegsgeschehen bleibt ebenfalls nicht ausgespart und man liest vom Nibelungenlied und dem Rheingold, das Hagen von Tronje einst in besagtem Fluss versenkt haben soll. 

Auch "Marianne" und "Germania" kommen zur Sprache und die Freiheitsbäume am Rhein. Des Weiteren geht es um die Nationalisierung des transnationalen Stroms im 19. Jahrhundert, um industrielle Betrachtungen, um Nationaldenkmäler und  anderes, nicht immer Erfreuliches mehr. Mit dem Textbeitrag "Eine Achse der europäischen Idee" von Martin Winter findet dieses Buch einen gelungenen, versöhnlichen Abschluss. 

Sehr empfehlenswert

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Rezension: Marc Chagall- Die Glasfenster-belser

Bei diesem reich bebilderten Buch aus dem belser- Verlag handelt es sich um die aktualisierte und erweiterte Ausgabe des 1987 erstmals erschienen Kunstbandes über das Gesamtwerk Chagalls als Glasmaler. 

Der berühmte Künstler Marc Chagall (1887- 1985) wandte sich in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre immer mehr kolossalen, architekturgebundenen Arbeiten zu. So entstanden u.a. Glasfenster weltweit von unendlicher Ausdruckskraft. 

Die Macher des vorliegenden Werkes - unter ihnen Benoît Marq, der Glasmeister und Geschäftführer der Familienwerkstadt Simon-Marq in Reims - dokumentieren mittels großformatiger Gesamt- und Detailansichten und durch die ausführliche Darstellung der modernen handwerklich-technischen Umsetzung von Chagalls Entwürfen das innovative Vorgehen des Künstlers. 

In Textbeiträgen unterschiedlicher Fachautoren lernt man die umfangreichen Facetten der Glasmalerei kennen. Sylvie Forestier, die Kuratorin d Musée National Message Biblique Marc Chagall in Nizza schreibt, dass Chagalls erste Auseinandersetzungen mit der Glasmalerei untrennbar mit der Kathedrale in Chartres und dem französischen Pater Marie-Alain Couturier verbunden sei. 

Präsentiert wird im Buch neben den ausführlichen Textbeiträgen eine Übersicht der Glasmalereien Marc Chagalls. Dabei entspricht die Reihenfolge ihrer Entstehung. Die beigefügten Maße geben zunächst die Höhe, dann die Breite an. 

Zu sehen sind die Glasfenster von Chagall an unterschiedlichen Orten auf dieser Welt, beispielsweise in Jerusalem, in New York, in Chicago, aber auch in Zürich sowie in Mainz und natürlich in Frankreich. 

Man erfährt über die einzelnen Gotteshäusern in Bezug auf das Werk Chagalls stets Wissenswertes, so auch, dass die Glasfenster in Reims eine Fläche von fast 75 Quadratmeter einnehmen. 

Farblich am faszinierendsten sind  Chagalls Blautöne wie man sie aus der Kirche  St. Stephans in Mainz kennt. Sich mit den Motiven zu befassen, bedeutet sich mit Chagalls biblischer Welt auseinanderzusetzen und immer wieder zu staunen, was Fantasie und Können bewirken, wenn ein Künstler aus tiefsten Herzen seine Arbeit und deren Thema liebt. 

Am Ende des Buches darf man im Rahmen einer Chronologie in Bildern Chagall bei der Arbeit zusehen. Dies ist ein besonderes Vergnügen, denn Chagall war ein herzlicher Mensch, dessen Licht hell erstrahlte, wenn er lächelte,

Sehr empfehlenswert

Helga König

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