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Rezension: Giorgio de Chirico- Magische Wirklichkeit- Hirmer


Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Magische Wirklichkeit", die vom 22. Januar bis 25. April 2021 Werke des italienischen Künstlers Giorgio de Chirico (1888-1978) in der Hamburger Kunsthalle präsentiert. Der Maler gilt als Begründer der "Pittura Metafisica" zu einem der wichtigsten Vorläufer des Surrealismus und der Neuen Sachlichkeit.  

Im Zentrum der Ausstellung steht mit der metaphysischen Malerei die bedeutende Werkgruppe, welche Chirico zwischen 1909 und 1919 schuf. Diese Malerei ist angesiedelt zwischen Friedrich Nietzsche und Arthur Rimbaud, zwischen dem griechischen Mythos und der italienischen Stadt. 

Helligkeit, Klarheit und Genauigkeit kennzeichnen Metaphysisches, sprich das, was sich jenseits dessen befindet, was mit menschlichen Sinnen erfahrbar ist. In der "Ruhe und sinnlosen Schönheit der Materie" erscheine die Suche nach Erkenntnis des Übersinnlichen, Wahren, Ewigen, hier stellten sich die letzten großen Fragen des Lebens, so die Ausstellungskuratorin Dr. Annabelle Görgen-Lammers.

Dieser Konzeption und der daraus folgenden wirkungsstarken metaphysischen Malerei Giorgio de Chiricos widmet sich die Hamburger Kunsthalle in ihrer Ausstellung. 

Der Katalog ist untergliedert in drei große Abschnitte: 

Die Anfänge und München 1888-1911 
Paris 1911-1915
Ferrara 1915-1918 

Zahlreiche Ortwechsel bestimmten das Leben und Werk des Künstlers. So schwingen Athen, München, Paris, Turin und Ferrara u.a. in den Kompositionen seiner mit verschiedenen Architekturen und auch Skulpturen bestandenen, sonnigen, nahezu leeren Plätze mit. Diese ikonischen Bilder von Plätzen sind beeindruckend weit, doch zugleich wirken sie durch subtile Abweichungen von der offensichtlichen Perspektivkonstruktion, instabil und versperrt.

Chiricos frühe metaphysische Malerei lässt sich vor dem Hintergrund der Sehnsucht nach einer Identität deuten, die heimatlose Nomaden in Zeiten der Epoche des Nationalismus verspürten. Bilder wie "Die Rückkehr des Dichters“ machen dies deutlich. 

Insgesamt sind über 80 Meisterwerke von de Chirico, Carlo Carrà, Giorgio Morandi, Alberto Magnelli, Alexander Archipenko, Pablo Picasso sowie von Arnold Böcklin und Max Klinger im Buch zu entdecken, die eine Realität jenseits des Scheins sichtbar machen wollten und damit die Grundlagen für eine »andere Moderne« legten. 

Die Werke wirken lange nach in ihrer gedanklichen Tiefe 

Sehr empfehlenswert 

Helga König 

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