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Rezension: Leonardo da Vinci- Die Gemälde- Das komplette Werk - Alessandro Vezzosi- Prestel

Anlässlich des 500. Todestages von Leonardo da Vinci  am 2. Mai 2019 hat der Prestel-Verlag diesen sehr schönen Kunstband mit dem Titel"Leonardo da Vinci - Die Gemälde- Das komplette Werk" von Alessandro Vezzosi verlegt. 

Leonardo da Vinci gilt als revolutionärer Erneuerer der Kunst und als der Künstler, der stets bestrebt war, die Grenzen zu überwinden. Er ist dafür bekannt, dass er mit neuartigen Apparaten und Hilfsmitteln experimentierte, eine Camera obscura, einen Bildprojektor, eine Spiegelkammer mit Rundansicht und anderes mehr entwarf, die nach der Idee einer Art Bild-Maschine die Technik des modernen Films vorwegzunehmen scheinen. 

Seine Maltechnik soll nicht weniger innovativ gewesen sein. Hier befasste er sich mit dem Begriff des unendlichen Raums. Diesen versuchte er mit dem für ihn so charakteristischen Sfumato mit subtilsten Lasurschichten wiederzugeben und dies zum Teil unter Einsatz einer Fingerwischtechnik. Der große Renaissancemaler beschäftigte sich zudem mit der Haltbarkeit seiner Gemälde, studierte  Rezepturen von Farben und machte "unvergängliche Firnessen-Experimente". Die Anzahl eigenhändiger Gemälde ist übrigens erstaunlich gering, allerdings genial.

Das Buch ist in fünf Abschnitte untergliedert: 
Gelebte Malerei
Spurensuche
Leonardo als Theoretiker 
Die Werkzeuge des Malers 
Das Leben der Bilder 

Man erfährt im ersten Abschnitt Wissenswertes über Leonardo da Vincis Herkunft und Anfänge, seine Schulzeit und frühen Lehrjahre, seine Lehrer und Vorbilder, seine Lehrjahre in Florenz, seine Gewandstudien, auch über die Sprache der Hände und die neuen typischen Kompositionsformen des Künstlers wird man aufgeklärt. Man liest über seine Großaufträge in Florenz und Mailand, den Spannungen mit seinen Auftraggebern und kann sich mit dem Lächeln der Mona Lisa (Ausdruck einer heiteren inneren Ruhe und Gelassenheit), der Heiligen Anna und des Heiligen Johannes (diese zeigen auf subtile Weise die Regungen und Geheimnisse des Geistes und des Herzens) befassen. Auch die Einsamkeit des Malers wird thematisiert. 

Im zweiten Abschnitt geht es um Zuschreibungsfragen und im dritten, besonders interessanten Abschnitt um Themen wie Malerei als Philosophie und Wissenschaft oder auch  um das Wesen der Schönheit. Leonardos Schönheitsbegriff war ebenso vielschichtig wie modern. Für ihn war Schönheit universell und vielschichtig zugleich. Das soll in jedem Detail seines Werkes, aber auch schon in seinen Skizzen erkennbar sein. 

Über menschliche Proportion und Physiognomie bei Leonardo da Vinci wird man unterrichtet und man erfährt, welchen Anspruch er an sich und andere Künstler stellte, wenn es um das Studium der Anatomie des Menschen ging. 

Im Abschnitt 4 lernt man die Werkzeuge des Malers kennen und dann schließlich im Kapitel 5 seine Bilder. Diese werden jeweils in der Gesamtheit und in Ausschnitten veranschaulicht und ausführlich beschrieben. Sehr beeindruckend finde ich "Das Bildnis der Ginervra Benci", das nicht immer als Leonardos Werk galt. Die Florentiner Dichterin zieht die Betrachter sofort in ihren Bann. Dass Lorenzo de Medici ihr zwei Sonette gewidmet hat und auch der Humanist Landino ihre Schönheit pries, verwundert nicht, wenn man Leonardos Bild gesehen hat. 

Ich möchte die einzelnen Werke im Buch hier nicht alle aufzählen. "La Belle Ferronnière“ habe ich im Original im Louvre gesehen und nun mit großem Interesse die Infos hier im Buch dazu gelesen. Sehr ausführlich wird "Das Abendmahl" beschrieben. Dazu werden viele Bildausschnitte gezeigt und Wissenswertes zur Restaurierungsgeschichte berichtet. Noch ausführlicher wird das Bildnis der "Mona Lisa" beschrieben und ganz zum Schluss dann mein Lieblingsgemälde von Leonardo da Vinci  "Der Heilige Johannes" thematisiert, der, folgt man dem Renaissancemeister, zu den göttlichen Mysterien und zur Bestimmung des Menschen führt.

Eine umfangreiches Bildregister und ein ebenso umfangreiches Literaturverzeichnis runden das großartige Werk ab. 

Maximal empfehlenswert.
Helga König

 Im Fachhandel erhältlich 

Rezension- #Bauhaus_Dessau Architektur- Hirmer

Dieses Buch ist eine Teamarbeit von Dr. Florian Strob, der seit 2018 als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Bauhaus Dessau tätig ist und dort u.a. die Neubespielung des Bauhausgebäudes und der Meisterhäuser kuratiert  und von dem studierten Fotografen Thomas Meyer, der seit dem Jahre 2000 Mitglied der renommierten Agentur #OSTKREUZ ist. 

Wie Claudia Perren, Direktorin und Vorstand der Stiftung Bauhaus die Leser im Vorwort bereits wissen lässt, nimmt die Stiftung Bauhaus Dessau das Jahr des 100. Gründungsjubiläums des Bauhaus zum Anlass, die größten und wichtigsten Schätze ihrer Sammlung- die Dessauer Bauhausbauten – in dem vorliegenden Werk neu zu präsentieren. 

Bei den Bauten handelt es sich um Zeitzeugen, die nicht nur das historische Bauhaus nahe bringen, sondern auch die Spuren der sich wandelnden Zeiten bis in die Gegenwart tragen. Ab dem Frühjahr 2019 werden die Dessauer Bauhausbauten erstmals mit einem übergreifenden kuratorischen Konzept durch die Stiftung Bauhaus Dessau bespielt. Ziel der Publikation sei es, die "Bauhausbauten Dessau", von denen bereits 1930 der Gründungsdirektor Walter Gropius im Titel seines Buches schrieb, keineswegs als selbstverständlich hinzunehmen, sondern auf produktive Weise eine gewisse Distanz zu ihnen einzunehmen, um sie in ihrer Vielschichtigkeit zu zeigen.

Das Bauhaus (1919-1933) war eine Hochschule, die auf radikale Weise Kunst, Handwerk und Technik neu miteinander verbunden hat. Dabei wurde in Dessau seitens des damals schon weltberühmten Bauhaus von 1925-1932 die Stadt von morgen erprobt. Was das Bauhaus dort baute und lebte, hatte Modellcharakter. Die Protagonisten schufen Prototypen der Moderne und verwirklichten neue Formen des Zusammenlebens. Ziel war es, durch die moderne Gestaltung die Lebensverhältnisse der Menschen zu ändern und zu verbessern. 

Erst nach dem Umzug der Schule nach Dessau 1925 vermochte das Bauhaus seine Ideen einem Realitätstest zu unterziehen. So wurde Dessau zu einer Art Probebühne der neuen Welt. Hier testeten die Bauhäusler Lösungen für verschiedene Bauaufgaben, über die man im Buch Näheres erfährt. 

Das "Neue Bauen" war damals eine Bewegung in Architektur und im Städtebau im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, die sich mit gestalterischer und konstruktiver Ökonomie befasste, um sich so der herrschenden Wohnungsnot anzunehmen. Sehr wichtig waren soziale Aspekte. In den Jahren 1925-1932 verwirklichten die Architekten am Dessauer Bauhaus ihre Entwürfe und schufen ein einzigartiges Ensemble moderner Architektur. 

Diese alten Meisterhäuser lernt man im Buch näher kennen. Dazu kommen neue Meisterhäuser von Bruno Fioretti Marquez 2011-2014 und weitere Gebäude, so von Friedrich Engemann aus den Jahren 1930-1933, die noch heute dem bürgerlichen Wohnen dienen. Der Entwurf der Gaststätte Kornhaus, hier war Carl Flieger 1929/30 der Architekt, wird näher erläutert, auch das von Walter Gropius 1928/29 entworfene Arbeitsamt. Anschließend lernt man noch die Siedlung Dessau –Törtchen von Walter Gropius näher kennen. Hier erfährt man Hintergrundwissen und Aufschlussreiches zu diesen Reihenhäusern und Sonderbauten. 

Durch dieses und anderes mehr kann man sich einen sehr guten Überblick über die Architektur Bauhaus Dessau verschaffen, die in diesem Jahr in aller Munde ist und es durch Bücher, wie  Bauhaus Dessau Architektur- gewiss auch weiterhin sein wird. 

Maximal empfehlenswert.

Helga König

Im Fachhandel erhältlich.

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Bauhaus Dessau: Architektur



Rezension: Welt im Umbruch-Kunst der 20er Jahre- Hirmer

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Welt im Umbruch-Kunst der 20er Jahre", die vom 9. Februar bis 19. Mai 2019 im #Bucerius_Kunst_Forum in Hamburg und ab Mai bis Juli 2020 im #Münchner_Stadtmuseum gezeigt wird. 

In der Ausstellung stehen sich Fotografie und Malerei gegenüber, nicht zuletzt wegen der weltgeschichtlichen Umbrüche und weil sich in Kunst und Fotografie zwischenzeitlich einiges ereignet hatte. So hatte sich die Malerei durch die Abstraktion von ihrer jahrhundertealten Fixierung auf naturalistische Darstellung befreit. Zudem hatte die Technik der Fotografie, die der Malerei ihr Abbildungsmonopol genommen hatte, große Fortschritte gemacht. 

Der Katalog enthält neben den Bildern der Ausstellung diverse Textbeiträge unterschiedlicher Autoren. Den Anfang macht Ulrich Pohlmann mit dem Aufsatz "Glühendes Eis. Malerei und Fotografie der 20er Jahre im künstlerischen Dialog." Pohlmann lässt die Leser wissen, dass diese Ausstellung und der Katalog dem Dialog zwischen Bildkünsten, Malerei, Fotografie und Film am Beispiel der Themen Porträt- mit besonderem Fokus auf Selbstbildnis und Akt-, Großstadtleben, Architektur, Stillleben, Industrie und Technik nachspüren. Dabei präsentiert das Kapitel "Politische Montage" eine Auswahl von Arbeiten, in denen sich gesellschaftliche Entwicklungen in der Weimarer Republik kritisch verdichten und kommentiert werden.

Die Autorinnen und Autoren der Essays befassen sich mit den verschiedenen Wechselbeziehungen der Medien zueinander. In deren Analysen, so Pohlmann werden ikonografische Ähnlichkeiten sichtbar. Die Ausstellung und das Buch beschränken sich auf Künstler, die zwischen 1918 und 1935 in Deutschland gelebt und gewirkt haben. Thematisiert werden von Ulrich Pohlmann in einem weiteren Aufsatz "Die Dinge". Etwa ungefähr ab 1922 huldigten Maler und Fotografen gleichermaßen dem Stillleben und der spezifischen Materialität von Gegenständen. Dabei ging es darum, das Gefäße, Pflanzen oder einfache Gebrauchsobjekte zumeist isoliert vor einem kargen Hintergrund in kühler Sachlichkeit erfasst werden sollten, um auf diese Weise das tiefste Wesen der Dinge zum Sprechen zu bringen. Der Fokus liegt auf dem Wechselspiel von Transparenz und Opazität. Man lernt eine Reihe solcher Stilleben kennen, beispielsweise von Otto Schön, "Atelliersstilleben" oder das "Frühstücksstillleben" von Bernhard Dörries. Beim intensiven Hinsehen beginnen die Dinge tatsächlich ein Eigenleben zu entwickeln und Botschaften zu vermitteln. 

Man erfährt von Simone Förster mehr über die Selbstbildnisse der #Neuen_Sachlichkeit und des Neuen Sehens und kann sich in Gemälde oder Fotos dieser Art vertiefen. Der Akt  auch wird thematisiert. Dabei prägt der Typus der Neuen Frau, mit Bubikopf, Zigarette und selbstbestimmtem Auftreten bis heute das Bild von der Weiblichkeit in den "Goldenen Zwanzigern". Doch es gibt auch anderes, so etwa traumartig anmutende Fotomontagen. Kennen lernt man zudem die Architekturfotografie der Zwischenkriegsjahre, auch die Maschinenkunst sowie den Technikkult und schließlich eine Reihe großartiger Individualporträts und Typenbilder. Hier zeigt sich wie in keinem anderen Genre das wahre Gesicht der 20er Jahre, das Gesicht der intellektuellen Elite, der neuen Frauen und Männer, der Arbeiters und Arbeitslosen, der Dame von Welt und der Straßendirne. Typisch ist das Gemälde "Margot"von Rudolf Schlichter und ein Foto, von Lotte Jakobi realisiert, das Erika und Klaus Mann zeigt. 

Was noch? Politische Montage. Diesbezüglich gibt es auch einen sehr guten Aufsatz und auch entlarvende Bilder.

Alles in allem ist dies ein beeindruckender Katalog, der neugierig auf die Ausstellung macht. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im Handel erhältlich
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Welt im Umbruch: Kunst der 20er Jahre (Bucerius KUNST Forum)

Rezension: bauhaus- 1919-1933- bauhaus-archiv Berlin- Magdalena Droste- taschen

Die Autorin dieses reich bebilderten Prachtbandes ist #Magdalena_Droste. Sie hat Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft in Aachen studiert. Ab 1980 war sie im Bauhaus-Archiv in Berlin und anschließend als Professorin für Kunstgeschichte in Cottbus tätig. Magdalena Droste hat viele Ausstellungen und Publikationen zu allen Themen und Künstlern des Bauhauses verantwortet.

100 Jahre nach Gründung des #Bauhaus sei die Auseinandersetzung mit der Avantgardeschule nach wie vor ungebrochen, sagt #Annemarie_Jaeggi, die Direktorin des Bauhaus-Archivs in Berlin und bekundet weiter, dass noch immer die am Bauhaus entwickelten Ideen und Maximen vielfältigste Impulse liefern würden, beispielsweise für Lehrmethoden, zur zeitgemäßen Gestaltung, zur Architektur, zu Wohnen oder zu Arbeits-, Produktions- und Lebensweisen. 

Das vorliegende Referenzwerk entstand in Zusammenarbeit mit dem Bauhaus-Archiv für Gestaltung in Berlin. Das ist die weltgrößte Sammlung zur Geschichte des Bauhauses. Das Werk wurde vor knapp 30 Jahren erstmals veröffentlicht und liegt nun in einer überarbeiteten und aktualisierten Neuauflage vor. Diese wurde mit 250 neuen Abbildungen bereichert. Auf diese Weise schenkt die Publikation tatsächlich einen sehr guten Einblick in die weltweit größte Sammlung zum Bauhauses und seiner Geschichte. 

Untergliedert ist das Werk in die Abschnitte:
- Zur Vorgeschichte des Bauhaus
-Bauhaus Weimar: Das expressionistische Bauhaus 
-Kunst und Technik- eine neue Einheit 
-Bauhaus Dessau: Hochschule der Gestaltung 
-Hannes Meyer: Volksbedarf statt Luxusbedarf 
-Ludwig Mies van der Rohe: Das Bauhaus wird zur Architektenschule
-Anhang 

Die einzelnen Abschnitte sind ein Fest für die Augen und haben textlich zudem viel Informatives zu bieten. Dieses hier komprimiert wiederzugeben, führt allerdings zu weit, wie ich nach zwei Anläufen feststellen musste.

Neben der Vorstellung von berühmten Persönlichkeiten im Bauhaus Weimar wie #Johannes_Itten und #Walter_Gropius, liest man auch von Konflikten der Protagonisten und den politischen Fronten, in die das Bauhaus geriet. Über Paul Klees Unterricht in Weimar erfährt man Näheres und wie er aus der Formlehre bereits nach wenigen Monaten eine bildnerische Formlehre machte. Auch der Künstler Wassily Kandinsky unterrichtete am Bauhaus.  Deshalb liest man dazu ebenfalls Wissenswertes.

Exponate aus den keramischen Werkstätten werden vorgestellt.  aber auch Arbeiten aus den Textilwerkstätten, so etwa ein wunderschöner Bauhausteppich nach einem Entwurf von #Gertrud_Arndt. 

Typische Lampen und Teekannen aus der Metallwerkstatt und Exponate aus der Möbelwerkstatt etc. etc. inklusiver umfangreicher Texte machen deutlich, dass man sich mit diesem Buch viele Monate befassen kann, ohne sich zu langweilen. 

Über die #Hochschule_für_Gestaltung in #Dessau und die Meisterhäuser wird man unterrichtet, die alles andere wie aus fernen Zeiten anmuten. Das gilt auch für die Möbel und weitere ästhetisch schöne Dinge, die man dort gestaltet hat. 

Weshalb Walter Gropius 1928 als Direktor des Bauhauses zurücktrat, wird auch thematisiert und wie es dann weiterging bis zum politischen Ende in Dessau gleichfalls. 

Auf den letzten Seiten des Werkes findet man eine Fülle von Kurzbiografien der damaligen Protagonisten, die man nicht zu lesen vergessen sollte, denn sie machen die Werke und das Tuns der Künstler begreifbarer. 

Man wird wirklich umfassend informiert. Deshalb: Maximal empfehlenswert 

Helga König

Im Fachhandel erhältlich

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Bauhaus. Aktualisierte Ausgabe

Rezension- Jean-Michel Basquiat -TASCHEN

Der vorliegende, reich bebilderte Prachtband aus dem Hause TASCHEN ist den Werken des US-amerikanischer Graffitikünstlers, Malers und Zeichners Jean-Michel Basquiat  (1960 -1988) gewidmet.

Die Einführung in das Werk hat Werner Holzwarth verfasst. Er stellt seinem Text einen Gedanken des Künstlers  Basquiat voran. Diese besagt: "Ich denke nicht über Kunst nach, wenn ich arbeite. Ich versuche über das Leben nachzudenken."

Genau das auch mag der Grund dafür sein, dass Jean-Michel Basquiats Arbeiten voller Leben sind. Jeder Figur, so Holzwarth, jedem Buchstaben eines Wortes schreibe der Künstler mit der widerspenstigen Linie seiner Ölkreide höchste Expressivität ein. Dabei besitze jeder Pinselstrich eine hohe Konzentration und verfüge über eine enorme Energie.

Basquiat soll rasch und direkt gemalt haben, sich von seinen Quellen habe inspirieren lassen, die er griffbereit um sich gehabt habe. Er selbst sagte, seine Gemälde würden von Königen, Heldentum und der Straße handeln. Unter den Legenden, die er malte, waren namhafte Sportler wie Cassius Clay, Jazz-Musiker wie Miles Davis und Graffitikünstler, die Basquiat persönlich kannte. Es ging ihm darum, Ruhm zu erringen und dennoch der Straße treu zu bleiben.

Man liest von seinem raschen Aufstieg in seinem kurzen Leben. Eine zufällige Begegnung mit Andy Warhol zeigte sich als zukunftsweisende Begegnung. Schon in seiner ersten Gruppenausstellung der Times Square im Jahre 1980 entdeckten die Kritiker sein vielversprechendes Talent. Bei einer weiteren großen Ausstellung ein Jahr danach gewann er bereits das Interesse namhafter Galeristen und kurz darauf war er in Top-Adressen vertreten und erzielte beachtliche Preise.

Ende 1981 produzierte er in einem Kellerstudio eine große Leinwand nach der anderen für eine immer größer werdende Kundschaft. 1984 wurde er von der Galerie Mary Boon vertreten, sie galt damals als Inbegriff des Malereibooms. Er lernte sehr bald  die negativen Seiten des Erfolgs kennen, die näher skizziert werden, malte dann düsterer und starb schließlich  an einer Überdosis Rauschgift.

In zahlreichen Werken hat der Künstler sich mit schwarzen Themen und schwarzer Kultur auseinander gesetzt. Dies führte er auf sein kulturelles Gedächtnis zurück, das er in Afrika lokalisiert sah.

Die Werke des Künstlers haben ihre Frische behalten und versinnbildlichen die Energie der 1980er Ära, sind zum Synonym für das New York jener Zeit geworden.

Basquiat habe, so liest man in erzählerischen Begriffen gedacht, als er den schwarzen Protagonisten in das Zentrum seines Werkes rückt. Seine Storys seien nicht gradlinig aber die Arbeiten seien voller Bezugspunkte, die den Betrachter dazu motivierten, nach Bedeutungskonstellationen zu suchen. Das kann ich bestätigen.

Interessant ist es, sich bei den Bildern in Einzelheiten zu begeben, Dinge zusammenzufügen, Anspielungen und Bezüge zu entschlüsseln. Damit kann man sich viele Monate beschäftigen. Das  Buch von TASCHEN macht dies möglich.

Über die Kunst des Storrytelling bei Basquiat hat man Gelegenheit im Essay Eleanore Nairnes Wissenswertes zu erfahren. Die Arbeiten besäßen ihre eigene Art, in die dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte zurückzugreifen und zugleich im Hier und Heute zu berühren. Auch das ist wahr.

Die Werke im Katalogteil sind nach ihrer Entstehungszeit geordnet. Jedem der Kapitel ist ein Zitat vorangestellt, das dem Betrachter hilft, die Arbeiten besser zu verstehen. Dazu kommen noch diverse eloquente Texte, die die teilweise bunte, teilweise düstere  Bilderwelt komplettieren.

Ein beeindruckendes Kunstbuch mit Werken, die die Fantasie anregen, aber auch die Neugierde.
Maximal empfehlenswert

Helga König

Im Fachhandel erhältlich
Onlinebestellung bitte hier klicken : TASCHEN oder Amazon Jean-Michel Basquiat

Rezension: Fotografen. Michael Pritchard Tony Nourmand

Dieser Bildband von Michael Pritchard und Tony Nourmand präsentiert seltene Aufnahmen der großen Fotografen des 20. Jahrhunderts. Dazu zählen: Antony Armstrong-Jones, Richard Avedon, David Bailey, Cecil Beaton, Margaret Bourke-White, Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, Terence Donovan, Philippe Halsman, Bert Hardy, Annie Leibovitz, Tony Ray-Jones und Weegee. Unter den fotografierten Stars sind: Sean Connery, Sammy Davis Jr., David Hemmings, Audrey Hepburn, Jayne Mansfield, Marilyn Monroe, Peter Sellers, Terence Stamp, James Stewart, Robert Vaughn und John Wayne, ebenso wie die Beatles, Christine Keeler und John F. Kennedy. 

Die Einführung hat Michael Pritchard verfasst. Er lässt den Leser wissen, dass es sich in diesem Buch um die allgemeine Geschichte der Fotografie, die Fotografen, ihre Kameras und ihre berühmten Motive handelt. Dabei konzentriert sich das Werk auf die Zeit zwischen 1910 und den 1960er Jahren, speziell auf die Periode zwischen den 1930er und 1960er Jahren, die in vielerlei Hinsicht als Blütezeit der Presse- und Starfotografen gilt. 

Der Fotograf wird als Einzelperson oder in Gruppen abgelichtet und zwar zu dem Zeitpunkt, wo er sich auf seine Arbeit vorbereitet, bzw. gerade sein Model aufnimmt. Die biografischen Eckdaten der einzelnen gezeigten Fotografen werden genannt. 

Es fällt auf, dass die meisten Fotografen sehr sympathisch sind. Vielleicht ist dies eine Grundvoraussetzung, um schöne Porträts realisieren zu können. Jedes einzelne Foto erzählt eine Geschichte, auch das Foto, das den Fotograf und Designer Antony Amstrong Jones(1930- 2017) zeigt, der für The Sunday Times arbeite und nach der Eheschießung mit der Schwester der  englischen Königin 1961 Earl of Snowdon wurde.  

Ein traumhaft schönes Foto von Marlene Dietrich hat Don English (1901-1964) als Spiegelbild aufgenommen. Dann gibt es ein wirklich hübsches Foto von Marilyn Monroe bei einem Presseempfang im Londoner Savoy Hotel im Jahre 1956. Ein weiteres von Marlene Dietrich macht erkennbar, weshalb sie eine ganz besondere Ausstrahlung hatte. Es war ihre  hohe Intelligenz, die sie von allen anderen Schauspielerinnen unterschied. 

Beeindruckend ist das Foto von Queen Elisabeth, die selbst gerade fotografiert und all den anderen, die ebenfalls beim Ablichten von wem oder was auch immer sind. 

Viele der Bilder sagen eine Menge über die Persönlichkeit der gezeigten Personen aus und jedes Foto hat es verdient, fototechnisch und motivisch näher beschrieben zu werden. Leider ist dies im Rahmen einer zeilenbegrenzten Rezension nicht möglich.

Mit Freunden über die Fotos bei einem Glas Wein zu sprechen, kann zu einem höchst spannenden Abend  beitragen.

Sehr empfehlenswert 

Helga König
Im Fachhandel erhältlich

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FOTOGRAFEN: Legenden und ihre Kameras

Rezension: Kunst kann man nicht kaufen!- Cornelius Rinne- Magenta Verlag

Das vorliegende kunsttheoretische Buch mit dem Titel "Kunst kann man nicht kaufen!" hat der umtriebige Künstler Cornelius Rinne verfasst. Der diplomierte Grafik-Designer war u.a. im Atelier von Joseph Beuys tätig und gründete 1984 sein eigenes Atelier für Design und Illustration in Krefeld. Ab 2005 verlagerte er seine Tätigkeit verstärkt in den Bereich der bildenden Kunst und intensivierte ab 2008 seine Ausstellungstätigkeit- sowohl in Deutschland als auch im europäischen Ausland. Seit 2012 befasst er sich zudem kuratorisch. Dies geschah zunächst für den Pegasus, dem freimaurerischen Verein für Kunst, Kultur und Kommunikation und mittlerweile auch für andere Einrichtungen. Seit 2015 ist er Vorsitzender von Pegasus. 

Das Vorwort zu diesem erfreulich übersichtlich gegliederten Werk hat der freie Autor Jörg Hesse verfasst. Im Prolog dann nähert Cornelius Rinne sich bereits seinem ethischen Anliegen, nämlich zu erläutern, weshalb man Kunst nicht kaufen kann. 

Die einzelnen Kapitel seines höchst eloquenten Buches beginnen jeweils mit einer Sentenz zum Thema Kunst unterschiedlicher namhafter Verfasser. Insgesamt warten 14 Kapitel darauf, gelesen und verstanden zu werden. Der Autor beginnt mit einem historischen Rückblick, berichtet von den sieben praktischen Künsten im Mittelalter, die dem Broterwerb dienten und in diesem Zusammenhang auch von den Bauhütten und den Gepflogenheiten dort. Zudem erwähnt er die ersten bildenden Künstler, die namentlich berühmt wurden. Hier werde speziell bei Leonardo deutlich, dass künstlerische Arbeit nicht primär handwerklich, sondern gedanklich begründet war. 

Weiter macht Cornelius Rinne dann begreifbar, dass die Entwicklung zur freien Kunst dadurch verstärkt wurde, dass sich bildende Künstler immer intensiver weg von der Auftragskunst, "hin zu eigenveranwortlichem Handeln und Denken" entwickelten. Nun musste, so Rinne,  der Künstler die Individualität seiner Person in seine Arbeit widerspiegeln. Dies geschah erstmals im Impressionismus, der der Beginn zur modernen bildenden Kunst war. 

Von da an wurde der Rezipient einem fertigen Bildwerk ausgesetzt und dies sollte in ihm etwas bewegen. Leider wurde und wird das nicht von allen verstanden, denn ansonsten würden Kunstmessen nicht zu Innenausstattungsmessen verkommen.

Der Autor stellt in der Folge viele Fragen, reflektiert vielschichtig die Kunst und lässt die Leser am Reflektionsprozess teilhaben. Dabei fordert er aufklärerisch zum Selbstdenken auf.  Wie er schreibt, geht es ihm hauptsächlich darum, zu vermitteln, dass das, was Künstler herstellen,  nicht Kunst sei, sondern Artefakte bzw. Kunstdokumente seien. 

Man erfährt wie Kunst entsteht und wie sie gemacht wird, liest Wissenswertes über den Rezipienten, der für die Qualität von künstlerischen Prozessen nicht ausschlaggebend sei, dennoch aber mit das Wichtigste im Umgang mit Kunstdokumenten verkörpere. Sobald ein Rezipient versuche, in den Schaffensprozess einzugreifen, entwerte er das entstehende Dokument. Das dies moralisch verwerflich ist, steht außer Frage.

Man liest von den unterschiedlichen Gruppen von Rezipienten im Bereich der bildenden Kunst. Hier nimmt der Autor auch die Besucher von Vernissagen ins Visier, die nicht selten ein Dokument erwerben, um  alleinig ihre Wohnung damit zu schmücken, nicht aber der Bildung ihres Ichs wegen. Damit bleiben die Verkäufe allerdings Eintagsfliegen.

Kunstspekulation ist ein weiteres Thema, die Cornelius Rinne mehr als skeptisch betrachtet und resümiert: "Wenn wir die (bildende) Kunst retten wollen, sollten wir uns massiv gegen "art-brokerage“ und Kunstspekulation wehren.“ 

"Wozu braucht man Kunst?"  ist eine Frage, die der Autor natürlich  intensiv überdenkt. Hier lässt er den Leser schlussendlich wissen, dass Kunst eine Hilfestellung für unsere geistige und emotionale Entwicklung darstelle, sie also benötigt werde, damit wir und die Gesellschaft sich kontinuierlich weiterentwickeln.  Damit  wird deutlich, dass Kunst - entgegen herkömmlicher Meinung - nicht elitär ist.

Dies und anderes mehr ist Grund genug das Buch zu lesen und zum Schluss Cornelius Rinnes "10 Thesen zur Kunst"  näher zu überdenken. Über diese Thesen mit ihm zu sprechen, macht mich schon jetzt neugierig. 

"Kunst kann man nicht kaufen!" ist ein wichtiges Buch. Deshalb empfehle ich allen Kunstinteressierten und jenen, die es noch werden wollen, es ausgiebig zu studieren und mit Freunden darüber zu diskutieren. 

Maximal empfehlenswert .

Helga König 

Im Fachhandel erhältlich 

Rezensionen: Die Kunst zu lesen-Prestel

Das vorliegende Buch über Bücher und Leser stellt eine Auswahl von Kunstwerken vor, deren Abfolge und Anordnung die humanen Gemeinsamkeiten verschiedener Epochen und Kulturen aufgreift und unterstreicht. Obschon einige der Gemälde Hunderte von Jahren alt sind, geben sie Situationen wieder, die uns allen vertraut sind. 

Bücher fungieren auf Kunstwerken, wie man erfährt, oftmals als Symbole, die Geist, Reichtum und Frömmigkeit der Dargestellten oder Stifter ausdrücken. Darüber hinaus sieht der Betrachter Momente der Erhabenheit und der Langeweile, des Vergnügens, der Enttäuschung, des Leichtsinns und der Hingabe. 

Reflektiert werden im Vorfeld der Bilderschau die Themen des Buches: der Heilige und Schreiber, der Literaturunterricht, der Mustergelehrte, der abwesende Leser, Leserinnen, Bauern mit Büchern und Bücherverbrennungen. 

Die gezeigten Bilder werden teilweise näher beschrieben und bei allen erfährt man den Titel, den Künstlername, den Entstehungszeitpunkt, die Technik, die Originalgröße und den Ort, wo es hängt. 

Das erste Werk im Buch ist die "Frau mit Wachstafeln und Griffeln aus Pompeji", ein Fresco auf Gips. Der Künstler ist unbekannt. Über das Objekt erfährt Wissenswertes, auch dass man lange glaubte, die griechische Dichterin Sappho sei auf dem Fresco abgebildet und  dass die Wachstafeln in Wahrheit ein Buch darstellten. Zitate über Bücher lockern die Bilderschau auf, die übrigens nicht chronologisch geordnet ist. 

Besonders gut gefallen hat mir der Satz: "Lesen ist für den Geist, was Bewegung für den Körper ist." (Sir Richard Steele, 1672-1729). 

Die Grabplastik Eleonores von Aquitanien habe ich bereits im Original gesehen. Die Königin der Troubadoure wird dort als lesende Frau dargestellt. Dass sie so gezeigt wird, verweist auf die umfassende Bildung in einer Zeit, in der nur wenige Frauen tatsächlich Bildung besaßen. 

Nicht nur lesende Menschen, sondern auch Bilder von Bücherregalen, so etwa mit Notenbüchern werden gezeigt. Zu sehen auch ist "Der standhafte Philosoph" von Gerrit van Honthorst. Hier weist ein an seinem Schreibtisch arbeitender Gelehrter die Avancen seiner halbnackten Frau zurück. Ob das Motiv eine Verspottung eines Gelehrten verkörpert, der in seinem akademischen Forschungsdrang gefangen ist, bleibt ein ungelöstes Rätsel. 

Irgendwann dann entdeckt man ein aufgeschlagenes Buch, in dem eine Brille gewissermaßen als Lesezeichen fungiert. Im Hintergrund liegen noch einige andere Bücher. Claude (Claudine) Raguet Hirst nennt das Gemälde "Einige interessante Bände". Schade, dass man nicht entziffern kann, welche Bände es sind! Vielleicht Romane aus dem 19. Jahrhundert. Die Art des Brillengestells deutet darauf hin. 

Dann gibt es auch eine ganze Reihe ermüdeter Leser und Leser, die Gesangsbücher studieren, um ein Lied anzustimmen. Eine Mutter, gemalt von Fransz de Grebber, die ihr Kind stillt und während dieses Vorgangs liest, beeindruckt den Betrachter, weil hier 1622 bereits ein Frauenbild gezeichnet wurde, was es eigentlich damals nur selten gab. 

Auch Edward Hoppers "Abteil C. Wagen 293 " ist in der Bilderschau dabei,  ein Gemälde, dass Leseruhe und Bewegung einfängt und so Spannung erzeugt. Dieses Bild ist sogar auf dem Cover zu sehen.

Die großen Romanleserinnen sind eindeutig Frauen und eine nackte Lesende sicherlich nicht die primäre Obsession von Männern, obschon es solcher Bilder auch gibt, so etwa Patricks Caulfields "Weiblicher Akt mit Büchern". "Spitzwegs Bücherwurm" wurde nicht vergessen und auch Albrecht Dürers Kupferstich "Erasmus von Rotterdam" nicht. 

Dieser Philosoph sagte übrigens einst: "Wenn ich ein wenig Geld habe, kaufe ich Bücher. Wenn mir dann noch etwas bleibt, kaufe ich Essen und Kleidung.“  Auch das kann man im Buch nachlesen und erkennt wie sehr narzisstischen Philosophen im Hier und Heute sich von Erasmus unterscheiden. 

Dann gibt es da ein Bild (Foto) von Clegg & Guttmann mit dem Titel "Die jüdische Methaphysik des Todes".  Es zeigt Büchervitiren-Installationen auf dem jüdischen Friedhof in Krems, Österreich. Clegg & Guttmann installierten die Bücherschränke als Mahnmal und zugleich als Bibliothek für die Einwohner der Stadt.

Jorge Luis Borges sagte einst "Ich habe mir das Paradies immer als eine Art Bibliothek vorgestellt." "Die Kunst zu lesen" gehört zu den wundervollen Büchern, die in diesem Paradies Platz finden sollten. 

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

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Die Kunst zu lesen

Rezension- Das vollständige Werk Bruegel-TASCHEN

Peter Bruegel d. Ä. (1526/30-1569) gilt als der bedeutendste Maler Niederlands im 16. Jahrhundert. Bis heute kann sich eine Lebensbeschreibung dieses Künstlers nur auf wenige Urkunden und zeitgenössische Quellen stützen. Während die frühere Forschung den volkstümlichen Charakter seiner Malerei und Grafik hervorhob, stellen aktuelle Untersuchungen den humanistischen Gehalt seines Schaffens in den Vordergrund. 

Der reich bebilderte Prachtband enthält neun spannend zu lesende Kapitel, in denen zur Veranschaulichung immer wieder Bruegels Kunstwerke visualisiert werden. Ziel ist dabei, dem Erzähler Bruegel näher zu kommen und nach einem roten Faden zu suchen, der seine Werke verbindet. 

Zunächst wird das Leben des Künstlers fokussiert. Hier auch erfährt man, dass seine Bilder einen aufklärerischen Impuls haben, weil er nicht nur nach den Möglichkeiten, sondern auch nach den Grenzen der Erkenntnis fragt. 

Recherchiert wird, welche übergeordnete Darstellungsabsicht Bruegel über die reine Aufzählung von Spielen und die Bestimmung des Spiels hinaus er bei seinem Gemälde "Kinderspiele" verfolgte und es wird auch auf sein Werk "Der Kampf um das Fasten" näher eingegangen, das letztlich den Streit der Konfessionen in der damaligen Zeit widerspiegelt. 

Sein Gemälde "Der Turmbau zu Babel" und weitere Bilder mit religiösen Motiven werden ausführlich erörtert. Angesprochen wird, dass es eine Gruppe von Kunstwerken gibt, in denen sich Bruegel in Thema und Gestaltung bewusst auf mittelalterliche Vorbilder bezieht und damit dem Diktat der Vorbildlichkeit italienischer Kunst widerspricht. Dies wird am seinem Stich "Die klugen und die törichten Jungfrauen"gezeigt. 

Töten und Sterben sind das Thema seines Gemäldes "Der Triumph des Todes" hier sind furchterregende Motive ganz ähnlich wie auf dem Gemälde "Der Engelsturz" zu sehen und rütteln auf. 

Im Kapitel VI. geht es ums Feste feiern und in diesem Zusammenhang um Bauerndarstellungen. Landschaften und Jahreszeiten werden vorgestellt und auch Winterbilder. Dabei werden textlich all die gezeigten Bilder, so auch in der Folge aus dem Spätwerk, analytisch ausgelotet. 

Pieter Bruegel Werke zeigen- und das macht ihn zum Aufklärer-, wie Glauben in Terror umschlagen kann.  Dabei geht es ihm in seinen Bibelbildern nicht so sehr um die Vergangenheit, sondern mehr um die Gefahren der eigenen Gegenwart. Die Gegner des Künstlers waren die Amtskirchen. Deshalb auch stellt Bruegel  Sakramente und Riten infrage und warnt vor der Verweltlichung der Religion zu starrer Orthodoxie. 

Bruegels Werke stehen unter dem Gesetz der Verkehrung, d.h., das Bedeutende kommt scheinbar unscheinbar daher. Bei allem existiert in seinen Werken eine silenische Ästhetik, die genauer erläutert wird. 

Im Katalogteil, der den neun Kapiteln folgt, werden alle Werke ausführlich beschrieben, bevor in einem wiederum ausführlichen Text auf Bruegels Zeichnungen eingegangen wird, die man im Anschluss bestaunen kann. Ein Katalog der Kupferstiche rundet dieses großartige Buch ab, das die Kunst eines eigensinnigen, mutigen Mannes vorstellt, der an seiner Sicht der Welt sein Leben lang festhielt.

Maximal empfehlenswert.

 Helga König

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Pieter Bruegel. Das vollständige Werk

Rezension: Meisterinnen des Lichts- Boris Friedewald-Prestel

Man muss die Kamera so einsetzen, als würde man morgen erblinden. Ein visuelles Leben zu führen, ist ein ungeheures Unterfangen, im Grunde unerreichbar. Ich habe eine Ahnung davon erlangt, eine winzige Ahnung." (Dorothea Lange)

Boris Friedewald stellt in diesem fantastischen Bildband 55 namhafte Fotografinnen aus zwei Jahrhunderten vor. In seinem Vorwort schreibt der Autor in knappen Worten, worum es den einzelnen Fotografinnen geht und welche Sichtweise die Künstlerinnen im Hinblick auf das Fotografieren selbst umtreibt bzw. umgetrieben hat. Erzählen will das Buch von Vielfalt und Unterschiedlichkeit von Frauen, die fotografiert haben oder fotografieren. Dabei erfährt man viel über die Lebenswege, die Blicke und die Bilder. Bei diesen Frauen handelt es sich um wahre Meisterinnen des Lichts.

Die 55 Namen hier jetzt im Vorfeld aufzulisten kann nicht Aufgabe eines Rezensenten sein und die jeweils eine Seite umfassenden Textporträts auf wenige Sätze zusammen zu kürzen ebenfalls nicht. Nicht alle Fotografinnen sind mir bekannt, doch Eve Arnold ist es beispielsweise. Diesbezüglich habe ich vor einiger Zeit ein Buch rezensiert und bin erstaunt wie exzellent das Porträt dieser Künstlerin gelungen ist, die im Alter von 99 Jahren 2012 verstarb und 750 000 Bilder hinterließ.

Von allen Künstlerinnen, die in diesem Buch vorgestellt werden, lernt man Fotos kennen. Diese werden jeweils kurz aber sehr gut erläutert. Zudem wartet die Autorin mit Sentenzen der Fotografinnen auf, die einen direkten Einblick in das Denken einzelner Damen, was ihr Metier anbelangt, möglich macht.

Höchst unterschiedliche Fotos warten auf den aufmerksamen Betrachter. Mein Blick verweilte beim ersten Bestaunen der Fotos zunächst bei jenen der Fotografin Julia Margaret Cameron, die u.a. die Geistesgrößen ihrer Zeit porträtierte. Drei Porträts von ihr werden vorgestellt, so auch von dem Astronomen John Herschel, den sie fast dramatisch in Szene setzte. Sehr beeindruckend.

Faszinierend auch die Bilder Trude Fleischmanns, die u.a. Albert Einstein und Oskar Kokoschka portätierte. Gezeigt werden aber im Buch andere Aufnahmen, nicht zuletzt ein Foto von einem befreundeten Paar aus Wien, umgeben von "einer Aura tiefer Innerlichkeit und Melancholie". Auch die Bilder von Herlinde Koelbel faszinieren. Der ein oder andere wird ihr Langzeitprojekt "Spuren der Macht kennen",

Dann gibt es da noch die in Teheran geborene Shirana Shahbazi. Ihre Arbeiten sind von ganz hohem künstlerischem Niveau. Beeindruckt hat mich eine Meditation über Licht und Dunkelheit, Schein und Sein, die an ein Stillleben und Memento- mori –Ästhetik anknüpft.

Ein Buch voller faszinierender Bilder, bestens beschrieben, daneben sehr gute Präsentationen der Künstlerinnen warten auf den Leser, dem ich ein Zitat der Fotografin Jessica Backhaus mit auf den Weg geben möchte: "Unsere Erfahrungen, unsere Erziehung und die Menschen in unserem Leben sind die Essenz dessen, was wir werden. Wir entwickeln und verändern uns, wir entfalten uns und hören hoffentlich nie auf, auf jede nur denkbare Weise zu leben und uns weiterzuentwickeln." (S.27).

Sehr empfehlenswert.

Helga König

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Meisterinnen des Lichts: Große Fotografinnen aus zwei Jahrhunderten