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Rezension: Goethe. Verwandlung der Welt - Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland-Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die vom 17. Mai bis zum 15. September 2019 in der #Bundeskunsthalle in #Bonn gezeigt wird.

Nach einem Vorwort von #Hellmut_Seemann (Klassik Stiftung Weimar und #Rein_Wolfs (Bundeskunsthalle) hat man Gelegenheit seitens #Thorsten_Valk einen sehr eloquenten Essay zur Konzeption der Ausstellung zu lesen. 

Goethe sei während der vergangenen hundert Jahre vielfach aus einem epochengeschichtlichen Kontext herausgelöst und zu einem Vorbild stilisiert worden. Die Ausstellung und damit auch der vorliegende Katalog brechen mit dieser Tradition. Stattdessen erlebt man nun eine Form von Annäherung. Diese bringt den Aktualisierungsanspruch und das historische Bewusstsein in ein ausgewogenes Verhältnis. Das geschieht dadurch, dass drei verschiedene Ebenen der Vermittlung konsequent zusammengeführt worden sind.

Thorsten Valk nennt: 

1. Die Rekonstruktion kulturhistorischer, gesellschaftspolitischer und sozialgeschichtlicher Zusammenhänge im späten 18. wie frühen 19. Jahrhundert 
2. Die Reflektion einer mehr als 200- jährigen #Goethe- Rezeption, in deren wechselvoller Geschichte sich das Bild des Dichters immer wieder verändert hat. 
3. Die ästhetisch-hermeneutische orientierte Auseinandersetzung mit Goethes Werken vor dem Horizont unserer gegenwärtigen Lebensrealität. 

Nach Auffassung des Essayisten ermöglicht allein das Zusammenspiel dieser drei Ebenen, Beziehungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart herzustellen, mithin dialogische Konstellationen zu stiften und sich dem weltverwandelnden Potential der Kunst zu öffnen. 

Den  zahllosen Ausstellungsobjekten, die in den 10 Kapiteln des Buches zu bewundern sind, wurden zehn Essays unterschiedlicher Verfasser beigegeben. So werden bereits im ersten Kapitel Goethes Frankfurter Kindheit und seine frühen Bildungserlebnisse im Elternhaus Am Hirschgraben beleuchtet, zugleich aber auch die Entwicklung des Gebäudes zu einem kulturellen Erinnerungsort als auch dessen Zerstörung am 22. März 1944 sowie die kontroversen Debatten um einen originalgetreuen Wiederaufbau fokussiert. 

Das zweite Kapitel ist dem Briefroman "Die Leiden des jungen Werther" gewidmet. Hier geht es u.a. darum, dass dieses Buch zumeist jugendlichen Lesern und Leserinnen als identifikatorische Lektüre galt. Das Verhältnis der Geschlechter und auch Werthers Freitod kommen zur Sprache. Ein Exkurs ist dem Werther-Porzellan gewidmet, denn die Meißener Porzellan-Manufaktur befasste sich schon sehr früh Goethes Werther. 

Im dritten Kapitel geht es um Goethes anderthalbjährige Italienreise, reflektiert wird aber auch deren Bedeutung für die kollektive #Italiensehnsucht der Deutschen im 19. und 20 Jahrhundert. Darüber hinaus geht es noch um das von Goethe geschaffene Italienbild als Inspirationsquelle für Künstler wie Cy Thombly und Barbara Klemm.

Im vierten Kapitel steht die #Französische_Revolution im Fokus und das unter ihrem Eindruck entwickelte Kunstprogramm des #Weimarer_Klassizismus. Klassizistische Architektur in Zeiten der Revolution kommt ebenso zur Sprache wie das berühmte Weimarer #Rietschel_Denkmal, das Goethe und Schiller als "Klassiker" zeigen. 

Weiter geht es mit #Goethes_Farbenlehre und deren internationale Rezeption. Auch die Farbenlehre am #Bauhaus wird thematisiert und die Lichtkunst der Gegenwart. 

Zu den Texten kann man sich immer wieder in eine  bewundernswerte Fülle von Objekten vertiefen, so auch in einen handschriftlichen Text Goethes, der den Titel trägt "Freunde flieht die dunkle Kammer" und in die berühmte "#Temperamentenrose" von 1799. Einige tolle Farbbetrachtungen des Bauhauskünstler Johannes_Itten, auch ein Blatt aus der "Bildnerischen_Gestaltungslehre" von #Paul _Klee sind dabei. 

Die Kunst der #Romantik, auch die Dialoge mit dem #Orient sind Themen der #Ausstellung. Im achten Kapitel dann werden zahlreiche Plakate zu deutschen und ausländischen #Faust_Inszenierungen im 20. und 21. Jahrhundert gezeigt. Auf diese Weise soll vermittelt werden, dass im Wandel der Zeiten und im Wechsel der Gesellschaftssysteme immer wieder neue Perspektiven auf Goethes Drama entwickelt wurden und man neue Sinnschichten freizulegen beanspruchte. 

Das Haus am #Frauenplan wird im 9. Kapitel dann in Augenschein genommen. Hier erfährt man Wissenswertes zu Goethes Sammlungen und seinem Arbeitszimmer. 

Ziel der für die Ausstellung ist zentrale Begriff der "#Verwandlung" zunächst auf jene unabschließbaren Deutungsmetamorphosen, die Goethes Leben und Werk in ihrer 200 jährigen Rezeptionsgeschichte durchlaufen haben. Der Begriff charakterisiert aber auch jene historische Epoche, vor deren Horizont die Biografie des Weimarer Dichters zu betrachten ist.

Die Ausstellung überdenkt auch die "Verwandlung" der Welt im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert und die große "Verwandlung" der Welt, die Goethe zu seinen Lebzeiten nicht nur kritisch beobachtete, sondern auch reflektierte, korrespondierend mit der "Verwandlung", die Goethe als Schriftsteller vollzog.

Das großartige Werk macht neugierig auf die Ausstellung in Bonn. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König .

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Goethe: Verwandlung der Welt

Rezension: Freydal- Medieval Games- Das Turnierbuch Kaiser Maximilians I.- Stefan Kraus- TASCHEN

Dieser üppig illustrierte Prachtband mit Texten in englischer, deutscher und französischer Sprache ist eine unvergleichlich reiche, bis vor Kurzem allerdings nur begrenzt zugänglicher Bildquelle zu ritterlichen Spielen z. Z. Maximilians I. und erscheint anlässlich seines 500. Todestages erstmals als Nachdruck.

Bei dem sogenannten #Freydal, der zwischen 1512 und 1515 entstand, handelt es sich um das #Turnierbuch des deutschen Kaisers, das heute in Wien verwahrt wird und 255 gold- und silbergehöhte Miniaturen Maximilians bei Ritterspielen zeigt. 

Hier bricht der Kaiser eine Lanze, stößt Gegner vom Pferd, stürzt hin und wieder selbst, tanzt auf Kostümfesten, die nach Kämpfen stattfanden. 

#Freydal ist das größte erhaltene Turnierbuch des späten Mittelalters und Teil des Weltdokumentenerbes der #UNESCO. 

Bislang waren nur wenige der Miniaturen in Farbe verfügbar, doch nun ist diese kostbare Handschrift, die im Original in den Tresorschränken des Kunsthistorischen Museums in Wien liegt, erstmals für die Öffentlichkeit vollständig zugänglich. 

Das Turnier entstand im späten 11. Jahrhundert im Norden Frankreichs. Zunächst war es ein rein militärisches Training für die damals neu etablierte Waffenart der Lanze (bzw. des Reiterspießes). Dabei bestand das Problem beim Kampf mit der Lanze in der Koordination der mit dieser Waffe ausgestatteten Reiter. 

#Turniere waren der ideale Rahmen, um ritterliche Tapferkeit und Geschicklichkeit zur Schau zu stellen. So wurde das Turnier zum Schlüsselmoment des ritterlich- höfischen Lebens. Entstanden ist es mehr oder weniger mit der Ausformung des Rittertums. 

Grundlegend für das ritterliche Selbstverständnis sei ein #Tugendsystem gewesen, liest man in einem Essay, dass dem Bildteil vorangeht. Dieses System war geprägt von #Treue, #Ehre, #Tapferkeit, und der #Minne, dem höfischen Frauendienst. Es war dieser #Wertkodex, der die gesamte Hofgesellschaft, von Fürsten bis zum niederen Adel, von den Damen bis zur Geistlichkeit verband. Dabei war das Turnier die große Bühne des Rittertums. Sie fanden im Hoch- und Spätmittelalter an Reichstagen, Krönungen und Hochzeiten statt. 

Kaiser Maximilian I. (1459- 1519) gilt als einer der bedeutendsten Herrscher der europäischen Geschichte, der von Jugend an Turniere miterlebte. Er gilt als Erneuerer, ja sogar als Erfinder des Turniers in Deutschland und ließ nicht zuletzt in Büchern wie #Freydal (1512-1515) sein eigenes Leben in Form höfischer Heldenromane und Minnereden nacherzählen. Wissen muss man: #Maximilian ist der Held #Freydal und #Freydal ist #Maximilian. 

Freydal ist also eine Heldengeschichte und bildet den ersten Teil eines zweibändigen Buchprojektes, in welchem die Anbahnung der Hochzeit Maximilians I. mit Maria von Burgund nacherzählt wird. Darüber aber auch über den 2. Band mit dem Titel "#Theuerdank" kann man sich textlich im vorliegenden Werk genauer informieren. 

Der #Freydal soll ein anschauliches Beispiel für den Aufwand sein, den der Kaiser mit seinem Gedächtniswerk betrieb. Dabei sind in diesem Werk Realität und Fiktion auf vielschichtige Weise miteinander verbunden. 

In der Darstellung der Ausrüstung und des Ablaufes der Kämpfe sei das Werk aber bis ins kleinste Detail historisch akkurat. Von anderen Turnierbüchern unterscheidet es sich durch die große Anzahl von spektakulären Stürzen.  

Alle gezeigten Bilder werden näher beschrieben und so kann man sich immer mehr in diese Turnierfeste vertiefen und wird mit Begriffen vertraut, die man möglicherweise zuvor noch nie gehört hat. So liest man von einem Fußkampf mit #Glefen. Das sind Stangenwaffen mit der Klinge in Form eines Messers mit konvexer Schneide und kann in einer Miniatur genau sehen, was die beiden Kämpfer damit anstellten. 

Zwischendurch dann werden immer wieder Tanzszenen gezeigt- zur Erholung quasi- dann erlebt man beispielsweise einen Fußkampf mit #Dreschflegel und freut sich, dass die Ritter in Rüstungen stecken und sie vor allem ihre Helme am Kopf schützen. 

Um die Gunst der Damen zu erlangen, werden "#Moriskentänze" getanzt, bei denen seitens der Höflinge komplizierte Sprünge und Körperdrehungen auszuführen waren…Auch eine Form von Gymnastik....:-)) 

Unmöglich all die Kampfgerätschaften aufzuzählen. Männer und ihre Geschichte. Woher kommen sie mental eigentlich? Wohin bewegen sie sich? …

...und dann doch immer wieder #Mummereien, das waren Feste, bei denen die Teilnehmer durch Verkleidungen in bestimmte Rollen schlüpften und tanzten. Wunderschöne Kostüme lassen erahnen wie festlich es dabei zuging. Die meisten gezeigten Mummereien finden in Innenräumen statt, eine allerdings in einem Garten. Hier ziehen die Tänzer an der erhöhten Zuschauertribüne vorbei.

Natürlich lernt man die Gegner #Freydals alle mit Namen kennen. Alles, was damals im Adel Rang und Namen hatte, ist aufgezeichnet und den ein oder anderen darf man, von Maximilian auf den Boden gestreckt, bemitleiden. 

Irgendwann dann gelangt der Leser und Bildbetrachter zu einer #Mummerei, die Höflinge in osmanisch inspirierten Kostümen zeigt. Diese Miniatur gilt als eine der prachtvollsten des Buches. Ist es wohl auch. 

Um sich in die Zeit einzufühlen, ist es empfehlenswert, beim Betrachten der Bilder höfische Musik aus der Zeit zu hören, sich Bild für Bild nicht nur mit den Motiven und den Texten zu befassen, sondern auch mit den Farben. Sie spiegeln das Lebensgefühl bei Hofe damals vielschichtig wider und erinnern indirekt an Maria von Burgund.

Im Glossar zum Schluss kann man sich wesentlicher Begriffe, die im Zusammenhang mit den Turnieren eine Rolle spielen, vergegenwärtigen und weiß dann auch wie der Helmschmuck eines Turnierritters hieß. 

Kurzum : Das Buch ist ein Schatz ganz besonderer Art. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

Im Fachhandel erhältlich.

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Freydal. Medieval Games. The Book of Tournaments of Emperor Maximilian I

Rezension: #Albert_Oehlen- Hans Werner Holzwarth- TASCHEN

In diesem Prachtband von TASCHEN werden Werke des Malers, Objekt- und Installationskünstlers #Albert_Oehlen präsentiert. Er zählt zu den einflussreichsten Künstlern unserer Zeit.

Um einen Überblick über das Leben und Schaffen dieses Mannes zu erhalten, ist es sinnvoll, zunächst auf den letzten Seiten des Buches die entsprechenden Daten zu studieren. 1954 in Krefeld als Sohn des Grafikers Adolf Oehlen geboren, beginnt er 1978 sein Kunststudium an der Kunstschule für bildende Künste Hamburg bei Sigmar Polke. In der Buchhandlung "Welt" in der Hansestadt produziert er gemeinsam mit Büttner ein Wandbild, das den Einstieg in die Malerei für ihn darstellt.

1981 schließt er sein Studium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg ab und realisiert kurz darauf seine erste Einzelausstellung unter dem Titel "Bevor ihr malt, mach ich das lieber" bei #Max_Hetzler in Stuttgart. Zudem war er in den Folgejahren an zahlreichen Gruppenausstellungen beteiligt. Ab 1982 beginnt er seine Serie der Spiegelbilder. Er setzt sich mit der Perspektive der Malerei dadurch  auseinander, dass er Spiegelstücke in seine Bilder integriert. Zugleich arbeitet er nun mit der für Surrealisten und Kubisten wesentlichen Technik der Collage.

Ich möchte hier die Daten nur verkürzt wiedergeben, so doch erwähnen, dass Oehlen ab 1985 in seinen Gemälden gerne die als "Mondrianfarben" benannten Primärfarben benützt hat. Damals fand in der Galerie Ascan Crone in Hamburg seine Ausstellung "Farbenlehre" statt. Ein Jahr später stellt er in New York bei Ileana Sonnabend aus. 1988 geht Oehlen dann nach Andalusien und  1989 von dort nach Madrid, begibt sich vier Jahre später nach La Palma und malt dort für die nächsten 10 Jahre seine Bilder in einem 3 Meter breiten und 14 Meter langen niedrigen Raum ohne Tageslicht. 

1994 werden in den #Deichtorhallen in Hamburg seine Gemälde gezeigt, seine Computerbilder kann man in Nizza auf einer Ausstellung sehen. Es folgten weitere Ausstellungen. Ich möchte sie an dieser Stelle nicht alle aufzählen,  um nicht mit der Fülle zu überfordern. 

1999 erfolgt die Eheschließung mit der Galeristin Esther Freud. Im Jahre 2000 geht Oehlen in die Schweiz und erhält im gleichen Jahr eine Professur für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. In vielen Städten Europas aber auch in den USA folgen weitere Ausstellungen des arrivierten Künstlers bis er schließlich 2008 nach einer Ausstellung in der #Fondation_Beyeler mit #Fingermalerei beginnt. 2010 werden dann in Hagen solche Arbeiten präsentiert. 

Es folgen weitere Ausstellungen, u.a. 2015 eine große Werkschau in Zürich und 2017 eine Einzelaustellung am Museo Nacional de Bellas Artes in Havanna. 

Vorgestellt werden im vorliegenden Prachtband- nach Entstehungszeit geordnet -  mehr als 400 Werke des Künstlers, beginnend mit einem Frühwerk über das Roberto Ohrt textlich aufklärt. Alle Texte im Buch sind in englischer, deutscher und französischer Sprache nachlesbar. 

Es folgen nach dem Frühwerk Werke von 1982- 1987, teilweise näher erläutert, so etwa die Baumbilder. Auch hat man die Chance ein Interview seitens Alexander Klar mit Albert Oehlen zu lesen. Hier sagt er u.a, dass Gefühl für ihn ein dunkler Bereich sei, zu dem es überhaupt keinen intellektuellen Zugang gäbe, sondern Gefühl sei ja vielleicht manchmal nur eine Vorahnung von Wissen. Seine Bilder beglückten ihn, liest man an anderer Stelle und meistens seien seine Bildkonzepte ein Volltreffer. Er übertreibt nicht.

Beeindruckend auch sind seine Werke, die zwischen 1988-1994 entstanden sind. Zu seiner bionischen Malerei gibt es dann ein Interview, das John Corbett mit ihm führt. Man lernt seine Computerbilder kennen und dann die Werke, die zwischen 1995 bis 1999 entstanden sind. Hier beeindruckt mich das Gemälde "Geist und Zeit" aus dem Jahre 1996 am meisten, weil die Formen und Farben so hoffnungsfroh sind. Wundervoll auch die Gemälde "Poet" und "Spiegelgrade", die Geschichten zu erzählen scheinen.  Die Aussagekraft von Farben  lässt mich immer wieder staunen.

Es folgen seine grauen Gemälde, die auf mich eher depressiv wirken und mich weniger ansprechend als die dann folgenden Werke  aus den Jahre 2000-2003. Fantastische Farben und eine grandiose Formgebung machen Lust, lange bei jedem Motiv zu verweilen. Diese Bilder sind spannend und machen neugierig . "More fire than Ice" Grandios. 

2004-2006 geht es dann mit Ungegenständlichem weiter. Zu empfinden scheint mir hier angebrachter, als interpretieren zu wollen. In der Tiefe der Farben entdeckt man die Wahrheit der Bilder. 

Es folgen dann noch eine Reihe von Computerbildern, die eine Welt zeigen, die wir noch nicht einmal entfernt erahnen. Dann lernt man die Werke von 2007-2011 kennen. Sie bilden eine neue Periode ab. Alles hat sich geändert und ändert sich seit 2012 noch mehr in Zeiten der Transformation. Die Bilder nehmen vorweg, was kommen könnte. Maler sind klug.

Maximal empfehlenswert 

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich

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Albert Oehlen

Rezension: Gunter Sachs Kamerakunst- Fotografie, Film und Sammlung- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Gunter Sachs Kamerakunst- Fotografie, Film und Sammlung", die vom 15.3.-16.06 2019 in der Kunsthalle Schweinfurt gezeigt wird. 

Das Vorwort zum Buch hat Rolf Sachs, Sohn von Gunter Sachs geschrieben. Er lässt die Leser wissen, dass sein Vater vor allem ein sensibler Ästhet und dem Weiblichen sehr nahe war. Getrieben und berührt von der visuellen Schönheit und dem inneren Wesen einer Frau, habe er sich künstlerisch mit der weiblichen Ästhetik auseinandergesetzt und auf diese Weise einen auserlesenen Tiefgang in seinen Fotoarbeiten erreicht. 

Bereits in jungen Jahren habe er ein großes Interesse an zeitgenössischer Kunst, Gestaltung, Fotografie und Design besessen und schon in den 1950er Jahren Kunstwerke zu sammeln begonnen. Ende der 1950er Jahre- in Paris lebend - begann er "Les Nouveaux Realistes" zu sammeln und war mit Künstlern und Kunstkritikern dort befreundet. 

Bald erfasste ihn aber auch das Interesse an anderen Bewegungen, wie etwa der #Surrealismus und die in den USA aufkommende #Pop_Art. 

Nachdem er begonnen hatte selbst zu fotografieren, habe er Interesse an anderen Fotokünstlern entwickelt. Daraus sei dann eine eigenständige Fotosammlung entstanden. 

Zunächst Filmemacher, schärfte er Mitte der 1970er Jahre sein fotografisches Auge und veröffentlichte damals sein erstes Fotobuch "Mädchen in meinen Augen". Es folgten weitere Bildbände. Später befasste Gunter Sachs sich dann mit den neuen technischen Möglichkeiten, die die digitale Fotografie mit sich brachte, so etwa das Bildbearbeitungsprogramm. 

Das Gesamtwerk sei vielseitig resümiert Rolf Sachs und man verspüre stets die Neugierde seines Vaters nach Neuem, noch nie Dagewesenem. 

Nach einem Beitrag von Sebastian Remele, dem Oberbürgermeister der Stadt Schweinfurt informiert die Herausgeber dieses Werkes Dr. Otto Letze und Anne Breucha über die #Kamerakunst von Gunter Sachs. Im Rahmen eines biographischen Abrisses erfährt man mehr über den Kunstenthusiasten und seine Sammlung, liest von seinen Erfolgen im filmischen Bereich, seinen Auftragsarbeiten für die Modebranche, seinen freien künstlerischen Fotografien und auch, dass Abgründiges oder gar Hässliches keinen Platz in seinem Werk hatte. Er habe Schönheit gesucht und sich mit ihr umgeben. Dabei sei sein bevorzugtes Motiv der weibliche Akt gewesen, den er in spektakulären Bildern als Leichtigkeit, Bewegung und tänzerische Pose zu inszenieren wusste. 

Man liest von seiner Muse #Claudia_Schiffer und seiner Serie "Hommage á Warhol",  auch  über seine surrealen Fotografien und kann sich mit Anmerkungen von Eva Karcher befassen, zur ästhetischen Handschrift des Künstlers und Kosmopoliten Gunter Sachs, der in seinem Herzen ein Romantiker gewesen sei. 

Im  Zusammenhang zahlreicher Fotos aus dem Leben von des sensiblen Fotografen gewinnt man einen Eindruck von diesem Mann, der seinen Freunden gegenüber sehr großzügig  gewesen seit, sich alles zu Herzen genommen habe und wie sein Sohn anmerkt, stets gerecht und gradlinig war. 

Über Gunter Sachs, den Filmemacher, liest man Wissenswertes, wie auch über den Fotografen. Interviews mit seinen Söhnen, einem Patenkind und anderen  bringen den Lesern und Bildbetrachtern den Künstler und Mann von Welt immer näher. Ein toller, sympathischer Mensch. Kein Wunder, dass er so beliebt war.

Im Katalog lernt man zunächst den Filmemacher visuell kennen und anschließend ihn als Fotomotiv. Hier beeindruckt eine Aufnahme von Andy Warhol aus dem Jahre 1972 besonders. Dann werden Aufnahmen des Fotografen Gunter Sachs gezeigt, viele Aktaufnahmen, auch Landschaftsimpressionen, Porträts, so etwa von Claudia Schiffer, die ich in der Darstellung der vier Jahreszeiten wunderschön finde. Toll auch das berühmte doppelseitige Foto "Ascot" und seine künstlerischen Fotografien, wie etwa Heldenepos aus dem Jahre 1996, in das eine Wunderlich-Figur von ihm eingebunden wurde.  Gunter Sachs war ein begnadeter Fotograf. Ohne Wenn und Aber. 

Des Weiteren lernt man  Exponate seiner Foto-Sammlung kennen. Fantastische Aufnahmen von Andreas Feiniger und von Eberhard Grames, die mich  vielleicht am meisten faszinieren, obschon die Werke von Will Mc Bridge ebenfalls wundervoll sind. 

Einfach großartig. 

Zum Schluss dann erhält man noch Daten zur künstlerischen Biografie des vielseitig begabten Glückskindes, auf dessen Leben aber auch Schatten lagen, die keineswegs unerwähnt bleiben in diesem wirklich gelungenen,  reich bebilderten Buch.

Maximal empfehlenswert 

Helga König


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Gunter Sachs – Kamerakunst: Fotografie, Film und Sammlung


Rezension: Kosmos #Kubismus-Von #Picasso bis #Léger- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Kosmos Kubismus Von  Picasso  bis Léger-", die 30. März 2019 - 04. August 2019 im Kunstmuseum Basel gezeigt wird. 

Für das Kunstmuseum Basel ist diese Ausstellung von zentraler Bedeutung, denn der Kubismus ist neben den herausragenden Holbein- und Böcklin-Beständen eine tragende Säule in der Sammlung dieses Hauses. Dabei bietet die in Kooperation mit dem Centre Pompidou vorbereitete Ausstellung eine einmalige Gelegenheit, den Kubismus in Basel so umfassend wie noch nie zu zeigen. Ziel ist es, den Blick auf den Kubismus zu öffnen. 

Im Rahmen von sieben Essays unterschiedlicher Autoren erhält man ein beachtliches Sachwissen zum Kubismus. Nicht wenige Künstler, die sich ihm zugewandt hatten, gehörten zuvor dem Kreis der Fauvisten um Matisse an oder bewegten sich durch eine Phase neoimpressionistischer Malerei und waren mit der Farbe zumindest in Theorie und Praxis vertraut. Aus dem Kubismus heraus erhielt das Farbverständnis neue, andere Impulse. Dabei ist das Verhältnis von Farbe und Kubismus möglicherweise ähnlich komplex wie das von Kubismus und Abstraktion. 

Nach einer Phase der Farbabstinenz kam es 1912 zum Aufbruch mit neuer Experimentierfreude und theoretischem Interesse in Hinsicht auf die Möglichkeit mit Farbe zu arbeiten. Die Farbe wurde befreit und zum Ding an sich. 

Mit dem kubistischen Bildraum aus geometrischen Formen mit zahlreichen ineinander verschachtelten Facetten, die der Bildfläche das Aussehen eines "außerordentlich kunstvollen feingearbeiteten Flachreliefs" verliehen, so erfährt man von Olivier Berggrün,  machten Picasso und Braque die Illusion der traditionellen Perspektive zu nichte. Die Gegenstände auf den kubistischen Bildern der beiden Maler haben tatsächlich etwas Körperhaftes an sich. Das Objekt erfahre durch eine Vielzahl von Ebenen eine für die taktile Wahrnehmung sehr anregende Metamorphose. So entstünde der Gesamteindruck eines prekären Gleichgewichts, in dem die dritte Dimension auf die ebene Fläche zurückgeführt werde. Vertieft man sich in die präsentierten Werke, wird rasch klar, was gemeint ist.

George Braque und Pablo Picasso betrieben zwischen 1907- 1914 eine tiefgreifende konzeptionelle Verwandlung von Malerei und Skulptur. Man verneinte die alte optische Wahrnehmung. Anstelle der traditionellen illusionistischen Reproduktion trat eine neue visuelle, taktile Sprache, die von einer noch nicht dagewesenen Semantik weitergeführt wurde. So wurde das Motiv zu einer unabhängigen, autonomen Struktur. 

Im Katalogteil, der den Essays in diesem Buch vorangeht, werden Werke aus unterschiedlichen Phasen des Kubismus gezeigt und näher erläutert. Über Cezanne und den Kubismus liest man Wissenswertes. Gemeinsam mit dem Primitivismus hat die berühmte Lehre der Cézanneschen Geometrie (die Natur mittels Kugel, Zylinder und Kegel zu behandeln) die gesamte kubistische Malerei geprägt.  Tolle Gemälde von George Braque und Pablo Picasso beeindrucken hier, bevor die Durchbrechung der geschlossenen Form zur Sprache gebracht wird. 

Auch hier wieder lernt man viele Werke der beiden Künstler kennen. Dabei gilt Picassos #Aficionado als Höhepunkt der mit Braque durchgeführten Bildexperimente im Sommer 1912 und markiert die Erfindung einer radikal reduzierten Bildsprache, welche das Genre des Portraits neu definierte. 

Über kubistische Salons wird man auch informiert und kann Albert Gleizens "Die Badenden" bewundern,  aber auch Ferdinand Légers "Die Frau in Blau". Collagen, Papiers collés, Assamblagen und Konstruktioen werden fokussiert, natürlich auch Braques "Gitarre und Programm" und Henri Laurens "Clown". 

Was noch? Tolle Atelieraufnahmen, sehr schöne Farbbilder und beeindruckende Skulpturen aus unterschiedlichen Materialien, dann noch Gemälde von Dichtern und Kritikern sorgen für Aha-Erlebnisse, auch über das Nachleben des Kubismus wird informiert. Nach den Essays dann kommt der Anhang, bestehend aus einer Chronologie, der Liste der historischen Ausstellungen, einer Auswahlbibliographie und dem Verzeichnis der ausgestellten Werke.

Viel Wissen zu einen fairen Preis. Das erfreut den Kunstbuchliebhaber.

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Kosmos Kubismus: Von Picasso bis Léger


Rezension: White Wedding- Die Elfenbein Sammlung- Reiner Winkler- Jetzt im Liebieghaus- Für Immer-Hirmer

Zu Anfang der 1960er Jahre hat der Wiesbadener Unternehmer Reiner Winkler angefangen, eine Kunstsammlung aufzubauen. Dabei bemerkte er, dass Elfenbeinwerke des 17. und 18. Jahrhunderts immer noch angeboten wurden. Dieser Werkstoff begeisterte ihn und ließ rasch ein konzentriertes Interesse daran entstehen. Im Sommer 2018 dann  konnte ein Vertrag über eine gemischte Schenkung der Sammlung zwischen ihm und der Administration des Städel Museums in Frankfurt/Main  unterzeichnet werden. 

Für das Liebieghaus in Frankfurt ist die Überlassung der Sammlung eine große Bereicherung, nicht zuletzt weil die Abteilungen Barock und Rokoko eine neue, breite Grundlage erhalten. Reiner Winkler hat die weltweit größte Privatsammlung von Elfenbeinarbeiten speziell aus dem 17. und 18. Jahrhundert zusammengetragen. Hierbei handelt es sich um Statuetten, Reliefs und Gefäße aus ganz Europa und aus Übersee. 

Eine beachtliche Anzahl großer Bildhauernamen, auch Werke ohne Meisternamen zählen zu den wertvollsten Objekten. 

Wissen sollte man, dass bereits seit mehr als 25 000 Jahren Knochen und Zähne unterschiedlicher Tiere als Werkstoff für Statuen, Amulette oder Behältnisse verwendet werden. Schon im Altertum florierte der Handel mit Elfenbein für Kunstwerke. 

Elfenbein ist der Zahn eines ausgewachsenen Elefanten. Dessen Spitze war für Kunstwerke sehr begehrt. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts lebten in Afrika noch mehrerer Millionen dieser Tiere, doch heute sind es nur noch 415 000. Wie man erfährt haben zwischenzeitlich 183 Länder das Washingtoner Artenschutzübereinkommen #CITIES unterzeichnet. Dieses trat 1975 in Kraft und spricht sich für ein globales Handelsverbot u.a. für Elfenbein aus. 

Als Grund, weshalb man in Kunstinstitutionen noch immer Objekte aus Elfenbein ausstellt, wird genannt, dass man den Bildungsauftrag verantwortungsvoll wahrnehmen und anhand von Sammlungsobjekten die komplexe, historische Entwicklung von Menschheits- und Kulturgeschichte für das heutige Publikum erlebbar machen möchte, um auf diese Weise eine Basis für aktuelle Debatten zu schaffen. Ausführlich wird man deshalb mittels eines spannend zu lesenden Textes von Maraike Bückling zur Sammlung Reiner Winkler im Liebieghaus unterrichtet und kann sich alsdann in Meisterwerke vertiefen, die zum Anfassen nah visualisiert worden sind und mittels ausführlicher Texte begleitet werden. So lernt man u.a. zwei Relieftafeln mit Darstellungen der acht Haupttugenden kennen, die zu diesen Meisterwerken der Sammlung gehören und den Blick lange fesseln, weil auf so viele Details zu achten ist.  

Neben den Meisterwerken lernt man noch Themen (christliche, weltliche und antike), Künstler und Künstlerfamilien sowie Kunstlandschaften kennen. 

Über all die gezeigten Objekte hier zu schreiben, führt zu weit. Gesagt werden kann, dass diese sehr gut erläutert werden und man deshalb einen lobenswerten Gesamtüberblick im Hinsicht auf die Werke, die Künstler und Themen erhält. 

Ein sehr empfehlenswertes Buch, wenn auch das Material aus dem die gezeigten Kunstwerke hergestellt worden sind, mir aus heutiger Sicht Bauchschmerzen bereiten. 

Helga König

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Rezension: Theodor de Bry- Amerika- Sämtliche Tafeln 1590-1602 -TASCHEN

Michiel van Groesen, der Herausgeber dieses Prachtbandes nennt die De Brys America-Serie- Ein Meisterwerk der Reiseliteratur. Diese Sammlung besteht aus 25 Bänden im Folioformat und wurde zwischen 1590 und 1634 von Theodor de Bry und seinen beiden Söhnen auf den Weg gebracht. 

Die Kombination von Reiseberichten und hochwertigen Kupferstichen machten die Serienedition schon rasch zum geschätzten Sammlerobjekt. Vollständige De-Bry-Sammlungen sind mittlerweile fast ausschließlich in wissenschaftlichen Buchhandlungen zu finden. Bei Versteigerungen erzielt ein gut erhaltener Satz der America-Serie einen Preis von bis zu 500.000 US-Dollar. 

Die vorliegende TASCHEN-Edition der De Bry-Reiseberichtsammlung umfasst die ersten neun Bände der America-Serie. Diese gelten als die besten der Serien und sind als Einheit zu begreifen und auch zu lesen. Sämtliche Aspekte der Sammlung sind in der harmonische Abfolge der ersten neun Bände ersichtlich.

Des Weiteren wird der Hintergrund der Familie de Bry, die einzelnen Entstehungsabschnitte der Buchserie, die von den Brys allmählich entwickelte verlegerische Strategie und der Mitarbeiterstab fokussiert, ohne den eine solche Buchserie nicht hätte produziert werden können. Daran schließen sich die Betrachtungen der Textinhalte an, auch die Veränderungen, die an einige Illustrationen vorgenommen wurden- und die Arbeitsschritte wie das Binden und Kolorieren, die erforderlich waren, um die Texte und Bilder in ansprechende Bücher zu verwandeln. 

Bei allem geht jedem der neun Bände eine kurze Zusammenfassung voraus. Diese gibt Aufschluss über die jeweiligen im Band enthaltenen Reiseberichte. 

Die einzelnen Bilder und Texte zu studieren, ist spannend und macht viel Freude. So erfährt man beispielsweise mehr von der Ankunft der Engländer in Virginia, liest über die Menschen dort, so etwa wie Frauen damals ihre Kinder trugen, wie sie gekleidet waren, was sie speisten, wie sie ihre Boote bauten und fischten und viele Gepflogenheiten mehr. 

Im Band II dann kann man Bilder bestaunen, die Florida zeigen. Man liest wie die Eingeborenen wenig wertschätzend mit Hermaphroditen umgingen, wie Kranke behandelt wurden, wie man Vorräte einbrachte, auf die Jagd ging und sogar Alligatoren tötete und anders mehr. 

Im Band III geht es dann um Brasilien. Auch hier wieder kann man sich in beeindruckende Bilderwelten vertiefen, erlebt wie Wilde miteinander kämpfen und es wird in mehreren Texten erläutert und auf Bildern gezeigt, wie die Eingeborenen in Brasilien im Rahmen von Zeremonien ihre Feinde verspeisten. 

Band IV befasst sich mit der Karibik und Zentralamerika. Kolumbus ist hier ein Thema, auch die Entdeckung der Magellanstraße. Dann liest man plötzlich als Kommentierung eines gezeigten Kupferstiches Folgendes: "Von der Tyrannei, der Grausamkeit und der Gier der Spanier beleidigt, fingen die Indianer so viele, als sie ihrer habhaft werden konnten. Namentlich Offiziere, banden ihnen Hände und Füße, legten sie auf den Boden und gossen ihnen flüssiges Gold in den Mund, um ihre Gier endlich zu stillen. Dabei riefen sie aus: " Iss Gold, iss Gold, du Christ!" Zur Folter schnitten sie den Spaniern hier einen Arm, dort eine Schulter und dem nächsten ein Bein ab, legten sie auf Kohle, brieten sie und aßen sie auf. (Tafel 12, 219) Wer sich mit der Gier der Konquistadoren näher befasst hat, kann  die Indianer durchaus verstehen, wenn auch aus heutiger Sicht das beschriebene Verhalten nicht zu billigen ist. 

Im Band V wird Mittelamerika thematisiert. Man erlebt hier neben kriegerischen Bildern auch friedliche, etwa wie die Indianer Handel treiben und verhandeln und im Band VI dann geht es um Peru. Auch hier erwarten den Leser wieder beeindruckende Bilder. Der Eroberer Pizarro kommt hier zu Sprache und man erlebt, wie die reichste Stadt in Peru- Cusco- von den Spaniern besetzt wird. 

Man liest wie die Spanier die Indianer misshandeln, die unter der Last der Arbeit zusammenbrechen und erfährt so vieles andere mehr, um im Kapitel VII  sich dann  ganz knapp über Rio de la Plata zu informieren und in Kapitel VIII über die Karibik.  Auch  Francis Drake kommt zur Sprache, der die Stadt Cartagena einnimmt und Walter Raleigh, der Freundschaft mit dem König von Arromaia schloss. Im Band IX  liest man etwas über Mexiko und Magellanstraße und hier beispielsweise von den Menschenopfern der Mexikaner. 

Gier, Grausamkeit und Verdrängung ist ein Teil der Menschheitsgeschichte. Der Inhalt des Buches ist ein gutes Beispiel hierfür. Ob sich der Mensch jemals ändern wird? Vielleicht nach unzähligen Inkarnationen, ansonsten wohl eher nicht.

Ein tolles Werk, das ich gerne weiterempfehle. 

Helga König

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Theodor de Bry. America

Rezension: Leonardo da Vinci- Die Gemälde- Das komplette Werk - Alessandro Vezzosi- Prestel

Anlässlich des 500. Todestages von Leonardo da Vinci  am 2. Mai 2019 hat der Prestel-Verlag diesen sehr schönen Kunstband mit dem Titel"Leonardo da Vinci - Die Gemälde- Das komplette Werk" von Alessandro Vezzosi verlegt. 

Leonardo da Vinci gilt als revolutionärer Erneuerer der Kunst und als der Künstler, der stets bestrebt war, die Grenzen zu überwinden. Er ist dafür bekannt, dass er mit neuartigen Apparaten und Hilfsmitteln experimentierte, eine Camera obscura, einen Bildprojektor, eine Spiegelkammer mit Rundansicht und anderes mehr entwarf, die nach der Idee einer Art Bild-Maschine die Technik des modernen Films vorwegzunehmen scheinen. 

Seine Maltechnik soll nicht weniger innovativ gewesen sein. Hier befasste er sich mit dem Begriff des unendlichen Raums. Diesen versuchte er mit dem für ihn so charakteristischen Sfumato mit subtilsten Lasurschichten wiederzugeben und dies zum Teil unter Einsatz einer Fingerwischtechnik. Der große Renaissancemaler beschäftigte sich zudem mit der Haltbarkeit seiner Gemälde, studierte  Rezepturen von Farben und machte "unvergängliche Firnessen-Experimente". Die Anzahl eigenhändiger Gemälde ist übrigens erstaunlich gering, allerdings genial.

Das Buch ist in fünf Abschnitte untergliedert: 
Gelebte Malerei
Spurensuche
Leonardo als Theoretiker 
Die Werkzeuge des Malers 
Das Leben der Bilder 

Man erfährt im ersten Abschnitt Wissenswertes über Leonardo da Vincis Herkunft und Anfänge, seine Schulzeit und frühen Lehrjahre, seine Lehrer und Vorbilder, seine Lehrjahre in Florenz, seine Gewandstudien, auch über die Sprache der Hände und die neuen typischen Kompositionsformen des Künstlers wird man aufgeklärt. Man liest über seine Großaufträge in Florenz und Mailand, den Spannungen mit seinen Auftraggebern und kann sich mit dem Lächeln der Mona Lisa (Ausdruck einer heiteren inneren Ruhe und Gelassenheit), der Heiligen Anna und des Heiligen Johannes (diese zeigen auf subtile Weise die Regungen und Geheimnisse des Geistes und des Herzens) befassen. Auch die Einsamkeit des Malers wird thematisiert. 

Im zweiten Abschnitt geht es um Zuschreibungsfragen und im dritten, besonders interessanten Abschnitt um Themen wie Malerei als Philosophie und Wissenschaft oder auch  um das Wesen der Schönheit. Leonardos Schönheitsbegriff war ebenso vielschichtig wie modern. Für ihn war Schönheit universell und vielschichtig zugleich. Das soll in jedem Detail seines Werkes, aber auch schon in seinen Skizzen erkennbar sein. 

Über menschliche Proportion und Physiognomie bei Leonardo da Vinci wird man unterrichtet und man erfährt, welchen Anspruch er an sich und andere Künstler stellte, wenn es um das Studium der Anatomie des Menschen ging. 

Im Abschnitt 4 lernt man die Werkzeuge des Malers kennen und dann schließlich im Kapitel 5 seine Bilder. Diese werden jeweils in der Gesamtheit und in Ausschnitten veranschaulicht und ausführlich beschrieben. Sehr beeindruckend finde ich "Das Bildnis der Ginervra Benci", das nicht immer als Leonardos Werk galt. Die Florentiner Dichterin zieht die Betrachter sofort in ihren Bann. Dass Lorenzo de Medici ihr zwei Sonette gewidmet hat und auch der Humanist Landino ihre Schönheit pries, verwundert nicht, wenn man Leonardos Bild gesehen hat. 

Ich möchte die einzelnen Werke im Buch hier nicht alle aufzählen. "La Belle Ferronnière“ habe ich im Original im Louvre gesehen und nun mit großem Interesse die Infos hier im Buch dazu gelesen. Sehr ausführlich wird "Das Abendmahl" beschrieben. Dazu werden viele Bildausschnitte gezeigt und Wissenswertes zur Restaurierungsgeschichte berichtet. Noch ausführlicher wird das Bildnis der "Mona Lisa" beschrieben und ganz zum Schluss dann mein Lieblingsgemälde von Leonardo da Vinci  "Der Heilige Johannes" thematisiert, der, folgt man dem Renaissancemeister, zu den göttlichen Mysterien und zur Bestimmung des Menschen führt.

Eine umfangreiches Bildregister und ein ebenso umfangreiches Literaturverzeichnis runden das großartige Werk ab. 

Maximal empfehlenswert.
Helga König

 Im Fachhandel erhältlich 

Rezension- #Bauhaus_Dessau Architektur- Hirmer

Dieses Buch ist eine Teamarbeit von Dr. Florian Strob, der seit 2018 als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Bauhaus Dessau tätig ist und dort u.a. die Neubespielung des Bauhausgebäudes und der Meisterhäuser kuratiert  und von dem studierten Fotografen Thomas Meyer, der seit dem Jahre 2000 Mitglied der renommierten Agentur #OSTKREUZ ist. 

Wie Claudia Perren, Direktorin und Vorstand der Stiftung Bauhaus die Leser im Vorwort bereits wissen lässt, nimmt die Stiftung Bauhaus Dessau das Jahr des 100. Gründungsjubiläums des Bauhaus zum Anlass, die größten und wichtigsten Schätze ihrer Sammlung- die Dessauer Bauhausbauten – in dem vorliegenden Werk neu zu präsentieren. 

Bei den Bauten handelt es sich um Zeitzeugen, die nicht nur das historische Bauhaus nahe bringen, sondern auch die Spuren der sich wandelnden Zeiten bis in die Gegenwart tragen. Ab dem Frühjahr 2019 werden die Dessauer Bauhausbauten erstmals mit einem übergreifenden kuratorischen Konzept durch die Stiftung Bauhaus Dessau bespielt. Ziel der Publikation sei es, die "Bauhausbauten Dessau", von denen bereits 1930 der Gründungsdirektor Walter Gropius im Titel seines Buches schrieb, keineswegs als selbstverständlich hinzunehmen, sondern auf produktive Weise eine gewisse Distanz zu ihnen einzunehmen, um sie in ihrer Vielschichtigkeit zu zeigen.

Das Bauhaus (1919-1933) war eine Hochschule, die auf radikale Weise Kunst, Handwerk und Technik neu miteinander verbunden hat. Dabei wurde in Dessau seitens des damals schon weltberühmten Bauhaus von 1925-1932 die Stadt von morgen erprobt. Was das Bauhaus dort baute und lebte, hatte Modellcharakter. Die Protagonisten schufen Prototypen der Moderne und verwirklichten neue Formen des Zusammenlebens. Ziel war es, durch die moderne Gestaltung die Lebensverhältnisse der Menschen zu ändern und zu verbessern. 

Erst nach dem Umzug der Schule nach Dessau 1925 vermochte das Bauhaus seine Ideen einem Realitätstest zu unterziehen. So wurde Dessau zu einer Art Probebühne der neuen Welt. Hier testeten die Bauhäusler Lösungen für verschiedene Bauaufgaben, über die man im Buch Näheres erfährt. 

Das "Neue Bauen" war damals eine Bewegung in Architektur und im Städtebau im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, die sich mit gestalterischer und konstruktiver Ökonomie befasste, um sich so der herrschenden Wohnungsnot anzunehmen. Sehr wichtig waren soziale Aspekte. In den Jahren 1925-1932 verwirklichten die Architekten am Dessauer Bauhaus ihre Entwürfe und schufen ein einzigartiges Ensemble moderner Architektur. 

Diese alten Meisterhäuser lernt man im Buch näher kennen. Dazu kommen neue Meisterhäuser von Bruno Fioretti Marquez 2011-2014 und weitere Gebäude, so von Friedrich Engemann aus den Jahren 1930-1933, die noch heute dem bürgerlichen Wohnen dienen. Der Entwurf der Gaststätte Kornhaus, hier war Carl Flieger 1929/30 der Architekt, wird näher erläutert, auch das von Walter Gropius 1928/29 entworfene Arbeitsamt. Anschließend lernt man noch die Siedlung Dessau –Törtchen von Walter Gropius näher kennen. Hier erfährt man Hintergrundwissen und Aufschlussreiches zu diesen Reihenhäusern und Sonderbauten. 

Durch dieses und anderes mehr kann man sich einen sehr guten Überblick über die Architektur Bauhaus Dessau verschaffen, die in diesem Jahr in aller Munde ist und es durch Bücher, wie  Bauhaus Dessau Architektur- gewiss auch weiterhin sein wird. 

Maximal empfehlenswert.

Helga König

Im Fachhandel erhältlich.

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Bauhaus Dessau: Architektur



Rezension: Welt im Umbruch-Kunst der 20er Jahre- Hirmer

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Welt im Umbruch-Kunst der 20er Jahre", die vom 9. Februar bis 19. Mai 2019 im #Bucerius_Kunst_Forum in Hamburg und ab Mai bis Juli 2020 im #Münchner_Stadtmuseum gezeigt wird. 

In der Ausstellung stehen sich Fotografie und Malerei gegenüber, nicht zuletzt wegen der weltgeschichtlichen Umbrüche und weil sich in Kunst und Fotografie zwischenzeitlich einiges ereignet hatte. So hatte sich die Malerei durch die Abstraktion von ihrer jahrhundertealten Fixierung auf naturalistische Darstellung befreit. Zudem hatte die Technik der Fotografie, die der Malerei ihr Abbildungsmonopol genommen hatte, große Fortschritte gemacht. 

Der Katalog enthält neben den Bildern der Ausstellung diverse Textbeiträge unterschiedlicher Autoren. Den Anfang macht Ulrich Pohlmann mit dem Aufsatz "Glühendes Eis. Malerei und Fotografie der 20er Jahre im künstlerischen Dialog." Pohlmann lässt die Leser wissen, dass diese Ausstellung und der Katalog dem Dialog zwischen Bildkünsten, Malerei, Fotografie und Film am Beispiel der Themen Porträt- mit besonderem Fokus auf Selbstbildnis und Akt-, Großstadtleben, Architektur, Stillleben, Industrie und Technik nachspüren. Dabei präsentiert das Kapitel "Politische Montage" eine Auswahl von Arbeiten, in denen sich gesellschaftliche Entwicklungen in der Weimarer Republik kritisch verdichten und kommentiert werden.

Die Autorinnen und Autoren der Essays befassen sich mit den verschiedenen Wechselbeziehungen der Medien zueinander. In deren Analysen, so Pohlmann werden ikonografische Ähnlichkeiten sichtbar. Die Ausstellung und das Buch beschränken sich auf Künstler, die zwischen 1918 und 1935 in Deutschland gelebt und gewirkt haben. Thematisiert werden von Ulrich Pohlmann in einem weiteren Aufsatz "Die Dinge". Etwa ungefähr ab 1922 huldigten Maler und Fotografen gleichermaßen dem Stillleben und der spezifischen Materialität von Gegenständen. Dabei ging es darum, das Gefäße, Pflanzen oder einfache Gebrauchsobjekte zumeist isoliert vor einem kargen Hintergrund in kühler Sachlichkeit erfasst werden sollten, um auf diese Weise das tiefste Wesen der Dinge zum Sprechen zu bringen. Der Fokus liegt auf dem Wechselspiel von Transparenz und Opazität. Man lernt eine Reihe solcher Stilleben kennen, beispielsweise von Otto Schön, "Atelliersstilleben" oder das "Frühstücksstillleben" von Bernhard Dörries. Beim intensiven Hinsehen beginnen die Dinge tatsächlich ein Eigenleben zu entwickeln und Botschaften zu vermitteln. 

Man erfährt von Simone Förster mehr über die Selbstbildnisse der #Neuen_Sachlichkeit und des Neuen Sehens und kann sich in Gemälde oder Fotos dieser Art vertiefen. Der Akt  auch wird thematisiert. Dabei prägt der Typus der Neuen Frau, mit Bubikopf, Zigarette und selbstbestimmtem Auftreten bis heute das Bild von der Weiblichkeit in den "Goldenen Zwanzigern". Doch es gibt auch anderes, so etwa traumartig anmutende Fotomontagen. Kennen lernt man zudem die Architekturfotografie der Zwischenkriegsjahre, auch die Maschinenkunst sowie den Technikkult und schließlich eine Reihe großartiger Individualporträts und Typenbilder. Hier zeigt sich wie in keinem anderen Genre das wahre Gesicht der 20er Jahre, das Gesicht der intellektuellen Elite, der neuen Frauen und Männer, der Arbeiters und Arbeitslosen, der Dame von Welt und der Straßendirne. Typisch ist das Gemälde "Margot"von Rudolf Schlichter und ein Foto, von Lotte Jakobi realisiert, das Erika und Klaus Mann zeigt. 

Was noch? Politische Montage. Diesbezüglich gibt es auch einen sehr guten Aufsatz und auch entlarvende Bilder.

Alles in allem ist dies ein beeindruckender Katalog, der neugierig auf die Ausstellung macht. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im Handel erhältlich
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Welt im Umbruch: Kunst der 20er Jahre (Bucerius KUNST Forum)