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Rezension: Johann Gottfried Schadow-Berührende Formen--Hirmer



Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung Johann Gottfried Schadow - Berührende Formen, die vom 21.10.2022 bis 19.02.2023 in der Alten Nationalgalerie in Berlin gezeigt wird. 

Nach einem Grußwort von Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung und einem Vorwort plus Dankesworten von Dr. Ralph Gleis, dem Direktor der Alten Nationalgalerie kann man sich in diesem Buch in eine Vielzahl interessanter Essays unterschiedlicher Autoren vertiefen, um mehr über die Exponate der Ausstellung zu erfahren. 

Die Essays sind drei großen Abschnitten untergeordnet und zwar:

Ikone-Die Prinzessinnengruppe, Original, Verbreitung und Wirkung 
Werkstatt-Werkgenese, Werkstattpraxis und Restaurierung 
International- Netzwerk und Rezeption. 

Wer war Johann Gottfried Schadow (1764-1850)? Der Hofbildhauer des damaligen Königs von Preußen. Dieser Künstler entwickelte einen eigenen klassizistischen Stil, dessen Kennzeichen eine entspannte Natürlichkeit war, die er, wie Dr. Gleis anmerkt, seinen geschaffenen Figuren einhauchte.

Dieser Künstler gestaltete die "Quadriga" auf dem Brandenburger Tor und das berühmte "Doppelstandbild der Prinzessinnen Luise und Friederike von Preußen." 

Im ersten Abschnitt erfährt man zunächst Wissenswertes über Schadows Weg zum Hofbildhauer und weiter, dass er mit 24 Jahren zur führenden Kraft des Berliner Bildhauerwesens aufstieg. Seine fluchtartige Abreise im Mai 1785 nach Rom habe es ihm erlaubt, seine Beziehung zu seiner Braut Marianne Devidels zu legalisieren. Die künstlerische Anlaufstelle Schadows in Rom sei das Bildhaueratelier Alexander Trippels gewesen. Das war eine der Privatakademien Roms und kunsttheoretisches Zentrum des deutsch-römischen Kreises. 

1787 kehre Schadow nach Berlin zurück und wurde als Hofbildhauer akkreditiert. In den folgenden Jahren dann habe der Künstler Werke von europäischem Rang geschaffen unter diesen "Das Grabmal des Grafen Alexander von der Mark", die "Quadriga" für das Brandenburger Tor sowie die "Prinzessinnengruppe". 

Yvette Deseyve zieht in ihrem Essay dann eine kunsthistorische Bilanz der Schadow´schen Formauffassung am Beispiel der "Prinzessinnengruppe". Hier liest man auch, dass für diesen Künstler weibliche Büsten, nach seinen Aussagen, "eine der schwersten Aufgaben der Kunst" seien. Das begründet er auch gut nachvollziehbar. Nachzulesen auf Seite 42. 

Man erfährt mehr über fliehende Gewänder und Falten im Winde der Skulptur "Prinzessinnengruppe". Hier werde die Faltengewandung zum Aussageträger. 

Sintje Guercke schreibt Wissenswertes über die Verbreitung von Johann Gottfried Schadows "Prinzessinnengruppe" in Porzellan, Grafik und Gips und den Reproduktionen im späten 19., 20 und 21. Jahrhundert. Dann liest man Näheres über Originalgipse im Essay von Veronica Tocha und schließlich auch Wissenswertes zum schriftlichen Nachlass des Künstlers im Zentral-Archiv der staatlichen Museen zu Berlin. 

Unmöglich an dieser Stelle alle Essays zu streifen. Man fiebert ja bekanntermaßen auf das Ausstellungskapitel zu und dies offenbart sich als Ort der Freude, weil man pausenlos staunen kann.

Die Nationalgalerie verfügt  nicht nur über den weltweit größten musealen Bestand an skulpturalen Werken des Bildhauers, sondern verfügt zudem über beide Originale der "Prinzessinnengruppe", das Originalgipsmodell aus der Werkstatt Schadow sowie den Marmor. 

Wunderschön ist die Büste der Saloniére Henriette Hertz, der ihr gemaltes Portrait von Anton Graff gegenübergestellt ist. Auch die Büste von Prinzessin Friederike von Preußen begeistert. Sie wurde, wie man erfährt in das lebensgroße Gipsmodel eingearbeitet. 

Kurz darauf schließlich  kann man das berühmte Doppelstandbild der Prinzessinnen vorder- und rückseitig bewundern. Wunderschön!

Beneidenswert jene, die dies alles im Original bewundern können! 

Skulpturen anderer Bildhauer, so etwa "Freundschaft und Harmonie" von Johann Heinrich von Dannecker, beeindruckende Zeichnungen und Studien und ein interessanter Beitrag zu der "Prinzessinnengruppe im Spiegel von Freundschaftsporträts" verdeutlichen einen neuen Blickwinkel im Hinblick auf Frauen als Individuen und "zugleich ihrer Zusammengehörigkeit durch Verschränkung der Körper mit ihren zarten und subtilen Arm- und Handhaltungen". 

Was noch? Im Anhang dann findet man eine chronologische Auflistung der Biografie plus Werk, die Auflistung des Katalogs der ausgestellten Werke und Kurzbiografien der Autoren, sowie Erläuterung der Abkürzungen und eine umfangreiche Literaturliste. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Kann ich das auch?- 50 Fragen an die Kunst-Kolja Reichert-Klett-Cotta


Der Autor dieses Buches, Kolja Reichert, erhielt 2012 den Preis für Kunstkritik der deutschen Kunstvereine und der Art Cologne. 2018 verlieh ihm die Berliner Akademie der Künste den Will-Grohmann-Preis. 

In seinem Buch stellt er 50 Fragen an die Kunst, die er alle detailliert beantwortet. Dabei lautet die erste Frage "Warum soll man dieses Buch lesen?"  Seine Antwort macht neugierig. 

Man muss das Werk nicht zwingend chronologisch lesen, sondern kann sich die Fragen herauspicken, die man vorrangig beantwortet wissen möchte. Vielleicht möchte man erst einmal etwas Grundsätzliches erfahren und lässt sich von Reichert deshalb aufklären, worum es in der Kunst geht. Hier erfährt man u.a., dass gelungene Kunstwerke eine Perspektive schaffen, einen Abstand, aus dem heraus man auf die Gegenwart und das eigene Leben blicken kann. Ein nicht uninteressanter Ansatz.

Impulse gibt es zu Hauf. Neugierig macht die Frage, was der Unterschied zwischen einem Kunstwerk und einem Buch darstelle und bemerkenswert sind die Betrachtungen im Hinblick auf Frage "Wie entsteht ein Werk?" Hier auch erfährt man, dass etwas wirklich Neues, Einzigartiges zu machen, unfassbar schwierig sei, sofern es alle bestehenden Maße hinter sich lasse. Da kann man nicht widersprechen. 

Gefallen hat mir auch ein Gedanke, im Rahmen der Antwort "Kann man Kunst lernen?" Da liest man, dass Kunst auf unendlich vielen Disziplinen beruhe, die es sich zu beherrschen lohne. Selbst jedoch sei sie keine Disziplin. Wenn, dann sei sie eine Disziplin, die darin bestehe, jede andere Disziplin hinter sich zu lassen und sich eine eigene Disziplin zu erfinden. 

Geld wird thematisiert, auch Kriminalität und es wird der Frage nachgegangen, wie frei die Kunst eigentlich ist. 

An einer Stelle im Buch, las ich die wunderbaren Sätze "Mit der Kunst fängt die Veränderung an. Was wir wahrnehmen und wie wir es wahrnehmen, das alles sind Echos von Kunst, die Energie der Brennstäbe, die in unseren Museen, Büchern oder Wohnungen glühen, wenn wir uns in sie vertiefen. Gute Werke verlassen einen nicht. Sie werden zu Orientierung, die Menschen am Leben hält, wenn sie durch die schlimmsten Krisen gehen." Ja, stimmt.

Weiter liest man dann "Auf Bildern, Romanen und Musik bauen Politik und Wissenschaft auf. Denn Künste schüren unsere Neugierde und formen die Fragen, die wir an die Welt stellen. Ohne Kunst laufen Politik wie Wissenschaft leer und reproduzieren nur, ohne verstehen zu können, was sie reproduzieren. Nur mit ästhetischer Freiheit kann es wirkliche Freiheit geben, denn nur sie lässt verstehen, wozu man frei sein möchte und wo die Freiheit einzelner in geteilte Freiheit übergeht. Jede Gesellschaft braucht deshalb das Spielbein der Künste." Dem ist nichts hinzuzufügen. 

Befassen wir uns also mit Kunst und den 50 Fragen, die Kolja Reichert diesbezüglich stellt. Vielleicht versucht man die Fragen erst einmal selbst zu beantworten, um zu erkennen, welche Bereicherung die klugen Antworten des Autors sind. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Isolde Maria Joham- Hirmer



Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Isolde Maria Joham", die von 2. April bis 9. Oktober 2022 in der Landesgalerie Niederösterreich, Krems an der Donau gezeigt wird. 40 Jahre nach der ersten Malereiausstellung der Künstlerin im Wiener Palais Liechtenstein wird nun ihr Werk anlässlich ihres 90. Geburtstags in Krems gefeiert. Dabei geben Ausstellung und Katalog Einblick in sieben Jahrzehnte künstlerisches Schaffen.

Nachgezeichnet wird der Wandel von der Glaskunst zur Malerei der vielseitigen Künstlerin. Dabei soll in der Diskontinuität der Reiz der Vielschichtigkeit dieser Künstlerin begriffen werden, die in der Auseinandersetzung mit Pop-Art und Realismen unterschiedlicher Prägung eine eigenständige und darüberhinaus kraftvolle Stimme entwickelt habe, so Gerda Ridler, die künstlerische Direktorin, Landesgalerie Niederösterreich. 

Als Themen der Künstlerin werden genannt: die komplexe Relation von Natur und Technik, die verschwimmenden Grenzen zwischen Mensch und Maschine und das verführerische Potential der Oberfläche sowie der kapitalistischen Warenwelt. 

Gerda Ridler beginnt das vorliegende Werk mit Biographischem zu Isolde Maria Joham und verortet sie zunächst kunsthistorisch. Beschrieben wird ihre Kindheit und Jugend in der Steiermark und auch der Weg zum Studium an der Akademie für angewandte Kunst. Sie soll eine eifrige, sehr gute Studentin gewesen sein, die für ihre Abschlussarbeit den "Alfred-Roller-Preis"  erhielt. 

1954/55 war sie Assistentin bei ihrem ehemaligen Professor Eduard Bäumer und unterstützte ihn bei der Ausgestaltung des Rittersaals auf Burg Gutenfels in Kaub am Rhein. Dort soll sie ihre Mehrfachbegabung bereits dokumentiert haben. Ab 1956 hat sie die Stelle als Assistentin der Meisterklasse für angewandte Malerei und Graphik an der Akademie für angewandte Kunst in Wien inne und nach einem langen Weg vielfältigen Tuns wird sie 1972 zur provisorischen Professorin ernannt. 1993 erfolgt dann die Pensionierung der Professorin, die zuletzt in der Meisterklasse für Gestaltungslehre in der Abteilung für Kunstpädagogik angesiedelt war. 

Ihre Ehe mit dem Bildhauer Gottfried Höllwarth beflügelt sie in ihrem künstlerischen Tun. Obgleich die beiden in unterschiedlichen Genres arbeiten, verband sie eine gemeinsame künstlerische Haltung, so liest man, die einer Naturverbundenheit und einer Nähe zur asiatischen Philosophie entsprang. 

In den beiden Aufsätzen von Dieter Ronte und Alexandra Schantl erfährt man Näheres zur Standortbestimmung in Kulturpolitik und Kunstszene und über das Zukunftsweisende im scheinbar Unzeitgemäßen. 

Man hat bei allen Texten Gelegenheit, sich ausgiebig in die Bilderwelt der Künstlerin zu vertiefen. Schon 1982 thematisiert sie in einem ihrer Werke "Die Frage der Energie". 

Geradezu visionär erweise sich das Schaffen auf ein Thema, das sich seit den 1980er Jahren wie ein roter Faden durch ihr Werk zieht: gemeint "die Ambivalenz des technischen Fortschritts, die in der Utopie von künstlich geschaffenen Menschen zum Ausdruck kommt und sich realiter in Form des Roboters manifestiert."

Vier Aufsätze unterschiedlicher Autoren begleiten die Bilderwelt von Johams Malerei im Buch. Dabei lernt man zunächst ihre Landschaftsbilder, dann auch ihre hyperrealistischen Werke kennen, denen Joham sich in den 80er Jahren völlig zuwendet und die heute ihr Alleinstellungsmerkmal in der österreichischen Malereider Nachkriegskunst ausmachen.

Die leuchtenden Gebilde, die auf der Erde landen, sind eigentlich Erdbewohner, die dem Planeten  einst den Rücken zukehrten, um den Weltraum zu erobern. 

Man lernt auch Werke aus dem ersten Jahrzehnt der 2000er Jahre kennen, die näher erklärt werden und kann sich mit ihrer Malerei im Spannungsfeld von Kulturgeschichte, Popkultur und Traum vom künstlichen Menschen mittels eines Aufsatzes von Günther Oberhollenzer näher beschäftigen. 

Auch das glas-künstlerische Schaffen von Isolde Maria Johan wird textlich ausführlich behandelt und anhand von Fotos visualisiert. Besonders beeindruckt bin ich von ihrem Glasmosaik  "Die Sonne", das zwischen 1970-1972 entstand. Es handelt sich um ein aus acht Teilen bestehendes Mosaik, das von einem Sonnenmotiv mit goldenen Flammen, umgeben von weiteren sonnenartigen Gebilden motiviert wird. Wunderschön! Ein Traum, der in der heutigen Welt nicht mehr stattfinden kann.

Eine chronologische Kurzbiographie und eine Auswahl der Bibliografie plus Filme und Kurzbiographien der Autorinnen und Autoren sowie Übersetzungen der Texte im Buch ins Englische runden das hervorragende Werk, das eine großartige Künstlerin würdigt, ab.

Maximal empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension: Ansehen! Kunst und Design von Frauen-1880-1940- Hirmer



Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung mit dem Titel "Ansehen! Kunst und Design von Frauen 1880-1940", die noch bis zum 4. September 2022 im Bröhan-Museum in Berlin gezeigt wird. 

Nach einem Grußwort von Dr. Tobias Hoffmann, dem Direktor des Bröhan-Museums folgt eine kurze Einführung der Kuratorinnen Anna Großkopf und Julia Meyer-Brehm. Hier erfährt man, dass das Ziel der Ausstellung und des Katalogs darin bestehe, die heute teils noch kaum bekannten Künstlerinnen und Werke zu rekontextualisieren sowie in künstlerische Strömungen und Diskurse ihrer Zeit einzuordnen. Dabei werden die Biografien der Künstlerinnen in den Vordergrund gerückt, konkret die Lebensumstände, individuellen und institutionellen Voraussetzungen, Ausbildungswege, Strategien, Berufsauswahl und-perspektiven. 

Die Ausbildungswege fast aller Damen waren problematisch, da ihnen Kunstakademien und ähnliches lange Zeit verschlossen geblieben sind. Seitens der damaligen Presse wurden die Künstlerinnen abgelehnt. Man sprach despektierlich von "Weiberkunst". 

Vorgestellt werden 34 Künstlerinnen, die nachstehenden Rubriken zugeordnet sind: 

Skandinavische Porzellankünstlerinnen 
Dekorkünstlerinnen in Sèvres 
Künstlerinnen der Berliner Secession 
Möbeldesignerinnen in Dresden 
Frauen der Wiener Moderne 
Keramikerinnen in der Weimarer Republik 
École de Paris 
Mode- und Textildesignerinnen 
Silberschmiedinnen und Metallgestalterinnen
Designerinnen der KPM 
Frauen im Neuen Frankfurt. 

Fotos von den Damen und einzelne Werke begleiten die ausführlichen Texte. Dort findet man beispielsweise in der Rubrik Künstlerinnen der Berliner Secession Julie Wolfthorn, die Anfang des 20. Jahrhunderts zu den bekanntesten Künstlerinnen Deutschlands zählte. Auch Käthe Kollwitz ist in dieser Rubrik vertreten. Sie war die einzige Künstlerin der Berliner Secession, die sich wirklich in der Kunstgeschichte erfolgreich etablieren konnte. 

Beeindruckend ist die Vielfalt des Schaffens der vertretenen Damen, auch im Bereich von Design und wunderschön die Objekte der Designerin Sylvia Stave (1908-1994), die bekannt ist für minimalistisches Design und runde geometrische Formen.

Zu bestaunen gibt es viel in diesem Katalog, auch bei den Mode- und Textildesignerinnen, doch überzeugen Sie sich bitte selbst!

Sehr empfehlenswert! 

Helga König 

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Rezension: Lucas Cranach der Ältere und Hans Kemmer- Meistermaler zwischen Renaissance und Reformation- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Lucas Cranach der Ältere und Hans Kemmer", die seit dem 24.10.2021-6.2.2022 in Lübeck im St. Annen-Museum gezeigt wird. 

Wie der Bundespräsident a. D. Joachim Gauck in seinem Grußwort schreibt, lebten Lucas Cranach und sein Schüler Hans Kemmer in einer besonderen Zeit des Umbruchs. Deshalb bedeute es immer auch, wenn man sich diesen beiden Künstlern nähere, sich mit dem Zeitalter der Renaissance, der Reformation und dem Humanismus auseinanderzusetzen. Genau das geschieht in diesem Werk. 

Nach einigen erhellenden Worten von Prof. Dr. Hans Wißkirchen und einem informativen Vorwort von Dr. Dagmar Täube, der Leiterin des St. Annen-Museums, sie ist zugleich Kuratorin der Ausstellung, wird man mit einer Fülle von Essays unterschiedlicher Autoren beschenkt. Hier hat man dann Gelegenheit zunächst einen sehr guten Essay von Dagmar Täube zu lesen, die sich darin zur Ausstellung äußert. 

Lucas Cranach gelte als einer der bedeutendsten Vertreter der Renaissance in Deutschland. Mit seiner Werkstatt hat er mehrere tausend Werke geschaffen. Er sei Hofmaler des Kurfürsten Friedrich III. dem Weisen gewesen, wo seine Werke auch eine wichtige Wirkung in politischen Fragen gehabt haben sollen. Zudem soll er ein gewiefter Geschäftsmann und neunmal für je zwei Jahre Ratsherr sowie zweimal Bürgermeister gewesen sein. Mit allem, was er besaß- er wird in dem Essay aufgezählt, war er der reichste Bürger Wittenbergs. In Sachsen soll seine Stellung konkurrenzlos gewesen sein. 

Auch über Hans Kemmer (um 1495/1500-1561) liest man biographisch Wissenswertes und über die Cranachwerkstatt, zu der ab 1523 auch eine Druckerei gehörte. Kemmer gilt als ideenreicher Maler der Reformation in Lübeck. Was die beiden Künstler vor allem verbunden haben soll, waren die neuen Themen, die Cranach für die Reformation entwickelt habe. Die Themen der Bilder werden in dem Essay näher beschrieben. Dabei wurde das Wort der Bibel Ausgangspunkt für besagte Themen. 

Es führt zu weit, auf die 14 gehaltvollen Essays inhaltlich hier näher einzugehen und die diese begleitenden Bilder im Einzelnen zu benennen. Hervorheben möchte ich allerdings den Essay von Ruth Slenczka mit dem Titel "Reformation und Bild". Das Zeitalter der Reformation galt als bilderfeindlich. In dem Essay geht es darum zu hinterfragen, welche Rolle das Medium Bild in der Reformation spielte.

Ab Seite 169 folgt dann der Katalogteil, beginnend mit den Protagonisten, allen voran das Bildnis von Martin Luther, gemalt von Lucas Cranach d. Ä. und Werkstatt. Alle präsentierten Gemälde werden von unterschiedlichen Autoren näher beschrieben. 

Es folgen Gemäldeablichtungen von Hans Kemmer und der Cranachwerkstatt und solche, die unter dem Begriff "Jesus-Gottessohn und Mensch" zusammengebracht wurden. Hier findet man auch das beeindruckende Gemälde von Lucas Cranach d. Ä. "Schmerzensmann", das Eigentum der Kirchengemeinde St. Petri in Wörlitz ist. 

Unter dem Katalog-Thema "Vorbildliche Frauen" kann man u.a. die Gemäldeablichtung "Das Urteil des Paris" von Lucas Cranach d. Ä. bewundern. Dabei zeigt die Darstellung einen für die Cranach-Werkstatt typischen Bildaufbau, der im Buch erhellend erläutert wird. 

Dann werden zwei Gemäldeablichtungen mit analogem Motiv gezeigt. Es handelt sich um das Motiv "Judith mit dem Haupt des Holofernes", wobei bei diesen Gemälden nicht geklärt werden konnte, ob sie von Hans Kemmer und Lucas Cranach d. Ä. stammen. 

Unter dem Begriff "Das Wichtigste im Fokus!" folgen verschiedene Gemäldeablichtungen mit dem Titel "Gesetz und Gnade" und ganz zum Schluss Bilder, die im Kontext zu Hans Kemmer stehen, gemalt u.a. von Jakob van Utrecht.

Alles in allem, ein spannend zu lesendes und zu betrachtendes Buch, mittels dem man bemerkenswerte Veränderungen von Bildthemen auf dem Weg vom Mittelalter zur frühen Neuzeit kennenlernt. 

Maximal empfehlenswert. 

Helga König 

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Rezension: Verletzlich-Olga Michi- teNeues


Die vielfach preisgekrönte Fotografin Olga Michi wurde als Tochter russischer Eltern in Havanna /Kuba geboren, studierte Jura und arbeitete im russischen Außenministerium an der Fakultät für internationale Beziehungen. Seither bestimmt die Faszination für Geschichte, Politik und Diplomatie die Richtung ihrer Reisen und ihrer professionellen Fotoausbildung. 

Olga Michi ist heute auf allen Kontinenten als Fotografin tätig und hat problematische Expeditionen nach Mittelamerika, Afrika und Indonesien organisiert, lebte bei indigenen Völkern und tauchte mit Nilkrokodilen weißen Haien und Orcas. 

In "Verletzlich" betone die Fotografin die universalen Verbindungen zwischen modernem Leben und überlieferter Kunst aus vergangenen Zeiten, bis zurück ins Mittelalter, in die Antike und in die Prähistorik, schreibt Artem Loginov, die Kuratorin des Projekts, die an anderer Stelle meint, dass das Ziel von Besagtem  darin bestehe, zu dokumentieren wie die Menschheit auf unterschiedliche Weise auf dem endlosen Weg der Selbsterkenntnis fortschreite und eine zeitgenössische Interpretation von grundlegenden philosophischen Konzepten ermögliche. 

Olga Michi schreibt, dass in diesem Buch authentische Kulturen und Individuen im Wandel mit einem komplexen und dynamischen Verhältnis zur Vergangenheit und Gegenwart gezeigt werden. Die Fotos sollen u.a. daran erinnern, dass die Bedrohung des Einzelnen auch zugleich die Bedrohung aller ist.

Untergliedert sind die Bilder in South - East - North 

Diese Fotos- es sind Porträtaufnahmen- sind in englischer und deutscher Sprache erläutert. 

Was Olga Michi mit South meint, schreibt sie vor der Bilderschau. Gemeint ist das Omo-Tal, das sich mehr als 700 km hinweg, von Südäthiopien bis in die "Region der südlichen Nationen, Nationalitäten und Völker" an der Grenze Kenias zieht, wo der Omo und den Turkansee, den größten permanenten Wüstensee der Welt mündet. 

Anhand der Bilder und begleitenden Texte erfährt man mehr über die Surma- und Ursi-Völker, wo die Menschen viele Narben am Körper tragen, weil sie glauben, so robuster und belastbarer zu erscheinen. Kinder sind bunt angemalt und tragen Früchte oder Blüten auf dem Kopf und die Hörner, die von Mursi-Frauen getragen werden, reflektieren u.a. anderem die Haltung des Stammes zu den Kühen. Seltsamer tellergroßer Lippenschmuck verdeutlicht wie verschieden das Schönheitsempfinden von Menschen auf dieser Welt  ist, aber auch wie wichtig es allerorten zu sein scheint, sich zu schmücken.

Bunte Ketten und Bemalungen des Gesichts und des Körpers mit Ornamenten fallen ins Auge und zeigen, dass Menschen sich stets verschönern und schmücken wollen und dies seit Anbeginn aller Zeiten. 

Mit East ist ein breiter Streifen des Binnenlandes in Südostasien gemeint. Im Fokus stehen u.a. die Padaung-Frauen, die ihren Hals mit Hilfe von Spiralen verlängern. Geschmückt sind auch die Arme und Ohren. Man staunt, Seite für Seite über den kunstvollen Schmuck, aber auch die Bereitschaft dafür Schmerzen zu erleiden. 

Das Volk der Lisu ist sehr farbenfroh gekleidet und die Frauen tragen hübsche Kopfbedeckungen aus bunten Perlen. Doch auch hier  gibt es Veränderungen...

North: dort lebt das Volk der Tschuktschen weit im Osten Russlands. Auch dort schmücken sich Männer wie Frauen. Der Kälte wegen tragen sie Pelze, mit bunten Perlen bestickt, der Schönheit halber.  Hier und an all den anderen Orten ist  die eigene Note bedroht, wird es die Vielfalt nicht mehr lange geben. Alles wird beliebig. Wir hier sind es ja bereits schon seit Langem, auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen.

Ein beeindruckendes Buch. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Nennt mich Rembrandt- Hirmer


Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Nennt mich Rembrandt", die vom 14.5.–6.9.2021 in Ottawa/ Kanada und vom 6.10.2021–30.1.2022 im Städel Museum in Frankfurt am Main gezeigt wird. 

Herausgeber des Werks sind Stephanie S. Dickey, Gastkuratorin der National Gallery of Canada und Jochen Sander, der Stellvertretende Direktor und Sammlungsleiter Deutsche, holländische und flämische Malerei von 1800, Städel Museum. 

Im Rahmen von mehreren sehr lesenswerten Essays unterschiedlicher Autoren erfährt man zunächst Wissenswertes über Rembrandts Durchbruch in Amsterdam, liest hier auch von dessen Schüler Ferdinand Bol, mit dem er vier Jahre zusammenarbeitete. Rembrandt hatte viele Schüler. Einige werden speziell erwähnt. Wie man erfährt, entlehnten auch Künstler, die nicht seine Schüler im strengeren Sinne waren, Motive und Ideen bei ihm. 

Rembrandt Gemälde erzielten schon zu seinen Lebzeiten sehr hohe Preise und bedienten das gehobene Marktsegment. Er habe sich das universelle Ideal zu Eigen gemacht, auf allen Gebieten der Kunst zuhause zu sein. Man erfährt von preisträchtigen Aufträgen aber auch davon, warum er in den 1640 Jahren seine Stellung als herausragender Porträtist der Stadt verlor. Als Grund wird der Generationenwandel genannt. 

Rembrandt Amsterdam, zunächst die Ausweitung der Wirtschaft aber auch die allmähliche Veränderung sind weitere Themen. Der  hochangesehene Maler lebte in den Jahren in Amsterdam, wo die Stadt ihren wirtschaftlichen Zenit erreicht. Man liest von der Explosion der Kreativität in dieser Metropole, die damals zur "Buchhandlung der Welt" wurde. 

Es werden bemerkenswerte Porträts, die Rembrandt gemalt hat, gezeigt und über ihn und den Amsterdamer Kunstmarkt berichtet. Zudem erfährt man Näheres über seine Historienmalerei, seine Landschaftsmalerei, seine Stillleben und seine Genremalerei und kann entsprechende Gemälde bewundern. Auch über seine internationalen Ambitionen wird man informiert und zudem über seine Porträtaufträge außerhalb Amsterdams. 

Weitere Themen sind Zeichnen innerhalb und außerhalb von Rembrandts Atelier und das Geschäft mit der Druckgraphik. So belegen mehrere außergewöhnliche Aspekte des Marktes, dass zeitgenössische Kenner der Druckgrafik eine regelrechte Sammelleidenschaft für Rembrandt entwickelten. Es wurden Höchstpreise gezahlt. 

Der  hochbegabte Künstler selbst soll einer der routiniertesten und kundigsten Grafiksammler seiner Zeit gewesen sein. 

Rembrandt brillierte mit seinem Stil aus Licht und Schatten. Seine Gemälde sind Kunstwerke, die für die Ewigkeit geschaffen sind. Sie stehen über dem Zeitgeist.

Schon jetzt freue ich mich auf die Ausstellung im Städel Museum. 

Den hier vorliegenden Katalog empfehle ich nachdrücklich allen Kunstliebhabern und solchen, die es noch werden wollen. 

Helga König

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Rezension: Joseph Beuys Plakate Posters - Prestel


Anlässlich des 100. Geburtstages des Künstlers Joseph Beuys (12.5.1921-23.1.1986) ist das Verzeichnis der Plakate nun in einer vollständig überarbeiteten Neuauflage erschienen. Hierzu haben die Hamburger Sammler Rene S. Spiegelberger und Claus von der Osten ihre Bestände an Beuys-Plakaten verglichen. Des Weiteren haben sie mittels einer gemeinsamen Recherche und umfangreichen Ankäufen das Verzeichnis um mehr als 80 Katalognummern erweitert. 

Die sehr informative Einführung in das Werk hat Rene S. Spiegelberger verfasst. 

Um sich allerdings einen ersten Überblick über den Künstler Joseph Beuys zu verschaffen, empfehle ich zunächst die zwei Seiten umfassende Kurzbiographie, die in deutscher und englischer Sprache abgedruckt ist- wie alle Texte im Buch übrigens- aufmerksam zu lesen. Hier auch wird wie anderenorts im Buch unterstrichen, dass die herausragende Errungenschaft von Beuys vielschichtigem OEvre in der Synthese von Leben und Werk zu sehen ist. Darin erinnert er  an Goethe und Einstein. 

Beuys war wegweisend für Generationen von Künstlern in Europa und den USA. Er verkörpert bis heute einen Fixpunkt der Gegenwartskunst. Erwähnt wird  u.a. sein Werk  "7000 Eichen", das man als Soziale Plastik zu verstehen hat und das seit 1982 stadtbildprägend auf die documenta-Stadt Kassel wirkt. 

Wie Rene  S. Spiegelberger schreibt, wirkte Beuys in vielerlei Rollen als Zeichner, Bildhauer, auch als Philosoph, Gesellschaftskritiker, Fluxux-Agitator und als Politiker. Ab Ende der 1970er Jahre kandidierte er für die grüne Bewegung bei Europa- und Bundestagswahlkämpfen. Wichtig zu wissen, dass seine fünf documenta-Teilnahmen den Geist dieser Leistungsschau der internationalen Kunst bis heute prägen. 

Für sein Plakatwerk müsse ein besonderer Maßstab gelten. So konstatiert Klaus Staeck, der eine Vielzahl der Poster von Beuys  verlegte, dass alle Blätter auf Beuys Anregung entstanden seien, die geistige Urheberschaft  insofern maßgeblich bei Beuys läge. Dabei verhielt es sich so, dass er für die praktische Umsetzung seiner Ideen Personen aus dem inneren Kreis seiner Anhängerschaft betraute, denn er sah in ihnen kreative Menschen, die die Verpflichtung zur Mitgestaltung hatten. Auf diese Weise bestätige der harmonische Gesamteindruck seines Plakatwerkes den Erfolg der Theorie der Mitgestaltung. 

Beuys hat auch Plakate ohne Bildmotiv auf den Weg gebracht, hier geht es um politische Plakate, zu denen auch Manifestplakate gezählt werden. Man erfährt im Rahmen der Einführung mancherlei Wissenswertes zu einzelnen Werken und kann sich anschließend in ein Gespräch mit Klaus Staeck vertiefen, dessen Zusammenarbeit mit Beuys 1968 begann. 

Es folgen zwei lesenswerte Essays, verfasst von Rene S. Spiegelberger und Siegfried Sander, bevor man sich mit den Plakaten befassen kann. 

Recht bald wird klar, dass Josph Beuys eine Marke war. So auch muss man das Plakat, auf dem er abgelichtet ist, verstehen, auf das er nicht grundlos schrieb "Demokratie ist lustig". Ein hochpolitisches Plakat, eines klugen Intellektuellen, der an dieser Stelle spottet. 

Gefallen haben mir  besonders das Plakat zur Europawahl mit dem Titel "Der Unbesiegbare" und die Plakate mit den beiden Fahrrädern.  Hier zeigt er  sich hellsichtig.

Die Frage, ob Beuys selbstverliebt war, stellt sich mir nicht. Er war Bestandteil seines Gesamtkonzepts von unglaublicher Reflektion, Weitblick, Hellsichtigkeit, modern, offen für alles, kurzum ein Ausnahmemensch.

 Ein wirklich empfehlenswertes Buch. 

Helga König

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Rezension: Giorgio de Chirico- Magische Wirklichkeit- Hirmer


Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Magische Wirklichkeit", die vom 22. Januar bis 25. April 2021 Werke des italienischen Künstlers Giorgio de Chirico (1888-1978) in der Hamburger Kunsthalle präsentiert. Der Maler gilt als Begründer der "Pittura Metafisica" zu einem der wichtigsten Vorläufer des Surrealismus und der Neuen Sachlichkeit.  

Im Zentrum der Ausstellung steht mit der metaphysischen Malerei die bedeutende Werkgruppe, welche Chirico zwischen 1909 und 1919 schuf. Diese Malerei ist angesiedelt zwischen Friedrich Nietzsche und Arthur Rimbaud, zwischen dem griechischen Mythos und der italienischen Stadt. 

Helligkeit, Klarheit und Genauigkeit kennzeichnen Metaphysisches, sprich das, was sich jenseits dessen befindet, was mit menschlichen Sinnen erfahrbar ist. In der "Ruhe und sinnlosen Schönheit der Materie" erscheine die Suche nach Erkenntnis des Übersinnlichen, Wahren, Ewigen, hier stellten sich die letzten großen Fragen des Lebens, so die Ausstellungskuratorin Dr. Annabelle Görgen-Lammers.

Dieser Konzeption und der daraus folgenden wirkungsstarken metaphysischen Malerei Giorgio de Chiricos widmet sich die Hamburger Kunsthalle in ihrer Ausstellung. 

Der Katalog ist untergliedert in drei große Abschnitte: 

Die Anfänge und München 1888-1911 
Paris 1911-1915
Ferrara 1915-1918 

Zahlreiche Ortwechsel bestimmten das Leben und Werk des Künstlers. So schwingen Athen, München, Paris, Turin und Ferrara u.a. in den Kompositionen seiner mit verschiedenen Architekturen und auch Skulpturen bestandenen, sonnigen, nahezu leeren Plätze mit. Diese ikonischen Bilder von Plätzen sind beeindruckend weit, doch zugleich wirken sie durch subtile Abweichungen von der offensichtlichen Perspektivkonstruktion, instabil und versperrt.

Chiricos frühe metaphysische Malerei lässt sich vor dem Hintergrund der Sehnsucht nach einer Identität deuten, die heimatlose Nomaden in Zeiten der Epoche des Nationalismus verspürten. Bilder wie "Die Rückkehr des Dichters“ machen dies deutlich. 

Insgesamt sind über 80 Meisterwerke von de Chirico, Carlo Carrà, Giorgio Morandi, Alberto Magnelli, Alexander Archipenko, Pablo Picasso sowie von Arnold Böcklin und Max Klinger im Buch zu entdecken, die eine Realität jenseits des Scheins sichtbar machen wollten und damit die Grundlagen für eine »andere Moderne« legten. 

Die Werke wirken lange nach in ihrer gedanklichen Tiefe 

Sehr empfehlenswert 

Helga König 

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Rezension: Arnt Der Bilderschneider- Meister der beseelten Skulpturen- Museum Schnütgen- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Arnt-Der Bilderschneider", die vom 25. Juni bis 20 September 2020 im Museum Schnütgen in Köln gezeigt wurde. Präsentiert wurden rund 60 Werke des zwischen circa 1460 und 1491 tätigen Künstlers. 

Ein wesentlicher Bestandteil des Katalogs sind die überwiegend neuen Fotografien der Werke von Meister Arnt. Die Bildpublikationen der Werke in den denkmalpflegerisch von Reinhard Karrenbrock betreuten Kirchen im Bistum Münster, unter ihnen die in Kalkar und Kleve und dort auch im Museum Kurhaus, basieren auf neuen Fotokampagnen des Fotografen Stephan Kube. 

Das Werk enthält zahlreiche, eloquente Textbeiträge unterschiedlicher Autoren. Dabei berichtet Guido de Werd zunächst Wissenswertes über Arnt Beeldesnider, dessen Arbeit vielseitig war. In Holz und Stein hat er gearbeitet, schuf einzelne Heiligenfiguren und Altäre für den Kirchenraum und die Privatandacht. Zudem entwarf und führte er architekturgebundene Großaufträge aus. Arnt leitet eine Werkstatt in Kalkar und eine in Zwolle. 

Heute findet man seine Arbeiten hauptsächlich im ehemaligen Herzogtum Kleve, im geldrischen Oberquartier, speziell in Vinray und Umgebung. Durch den Bildersturm von 1580 ist das Werk in Zwolle und Umland zerstört worden, wobei man wissen muss, dass das Oevre von Arnt Beeldesnider zum Besten gehört, das in den niederländisch-niederrheinischen Gebieten geschaffen worden ist. 

Aus der Werkstatt des Künstlers sind nicht wenige Statuen und Marienfiguren hervorgegangen, die stets aufs Neue im Atelier vorhandene Modelle variieren. Die bedeutendsten Projekte sind drei große Altäre: der Georgsaltar in St. Nicolai, das Dreikönigsrelief in Köln und der Hochaltar in Kalkar. Zudem sind die Arbeiten seiner Werkstatt, ein kleiner Hausalter, heute im Musée de Cluny in Paris hervorzuheben. 

Man erfährt fernerhin von Karen Straub über Arnts Kunst, in Bildern zu erzählen und hier auch über Typen der beseelten Figuren. So werden in den Reliefdarstellungen des Georgsaltars die einzelnen Figuren durch eine variantenreiche, schnitzerisch äußerst feine Ausarbeitung der Gesichtszüge sowie die differenziertere Haltung und Gewandung der Typen charakterisiert. Die Bandbreite, mit der in allen szenischen Reliefs die Figuren durch Kleidung und Gestik differenziert, in ihrer Mimik individualisiert und als verschiedene Charaktere präsentiert werden, soll, so Frau Straub, auf vielen Einzelbeobachtungen beruhen. 

Man wird mit den Materialien und Techniken des Künstlers vertraut gemacht, wird ausgiebig zu dem Relief mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige informiert, liest weiter Wissenswertes zu Arnts Marienbilder und zu den Resten eines verschollenen Altars- die Könige aus einer Wurzel Jesse - aus der ehemaligen Klever Stiftskirche. Dann wird der kleine Hausalter mit den bemalten Flügeln näher beleuchtet, der im Musée de Cluny in Paris steht. 

Auch die Christusbilder Meister Arnts werden thematisiert, nicht zuletzt, weil sie ein besonderer Höhepunkt im Werk des Meisters darstellen. Die gezeigten Werke sind wahrlich beeindruckend auch die Engel als Wappenträger Christi. 

Unmöglich hier alle gezeigten und beschriebenen Werke im Rahmen einer Rezension kurz zu skizzieren. So wurden in der Werkstatt des Arnt Beeldesnider viele Heiligenfiguren geschnitzt, die man auf Fotos im Buch bewundern kann. 

Nicht ausgespart werden zudem die charismatischen Charaktere- männliche Heiligenfiguren aus der Werkstadt des Künstlers, unter diesen eine Büste eines Bischofs, die beinahe portraithaft erscheint.  

Ein wunderbarer Katalog, den man immer wieder gerne zur Hand nimmt, um sich in dieses vielschichtige Werk zu vertiefen. 

 Maximal empfehlenswert Helga König