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Rezension: Gunter Sachs Kamerakunst- Fotografie, Film und Sammlung- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Gunter Sachs Kamerakunst- Fotografie, Film und Sammlung", die vom 15.3.-16.06 2019 in der Kunsthalle Schweinfurt gezeigt wird. 

Das Vorwort zum Buch hat Rolf Sachs, Sohn von Gunter Sachs geschrieben. Er lässt die Leser wissen, dass sein Vater vor allem ein sensibler Ästhet und dem Weiblichen sehr nahe war. Getrieben und berührt von der visuellen Schönheit und dem inneren Wesen einer Frau, habe er sich künstlerisch mit der weiblichen Ästhetik auseinandergesetzt und auf diese Weise einen auserlesenen Tiefgang in seinen Fotoarbeiten erreicht. 

Bereits in jungen Jahren habe er ein großes Interesse an zeitgenössischer Kunst, Gestaltung, Fotografie und Design besessen und schon in den 1950er Jahren Kunstwerke zu sammeln begonnen. Ende der 1950er Jahre- in Paris lebend - begann er "Les Nouveaux Realistes" zu sammeln und war mit Künstlern und Kunstkritikern dort befreundet. 

Bald erfasste ihn aber auch das Interesse an anderen Bewegungen, wie etwa der #Surrealismus und die in den USA aufkommende #Pop_Art. 

Nachdem er begonnen hatte selbst zu fotografieren, habe er Interesse an anderen Fotokünstlern entwickelt. Daraus sei dann eine eigenständige Fotosammlung entstanden. 

Zunächst Filmemacher, schärfte er Mitte der 1970er Jahre sein fotografisches Auge und veröffentlichte damals sein erstes Fotobuch "Mädchen in meinen Augen". Es folgten weitere Bildbände. Später befasste Gunter Sachs sich dann mit den neuen technischen Möglichkeiten, die die digitale Fotografie mit sich brachte, so etwa das Bildbearbeitungsprogramm. 

Das Gesamtwerk sei vielseitig resümiert Rolf Sachs und man verspüre stets die Neugierde seines Vaters nach Neuem, noch nie Dagewesenem. 

Nach einem Beitrag von Sebastian Remele, dem Oberbürgermeister der Stadt Schweinfurt informiert die Herausgeber dieses Werkes Dr. Otto Letze und Anne Breucha über die #Kamerakunst von Gunter Sachs. Im Rahmen eines biographischen Abrisses erfährt man mehr über den Kunstenthusiasten und seine Sammlung, liest von seinen Erfolgen im filmischen Bereich, seinen Auftragsarbeiten für die Modebranche, seinen freien künstlerischen Fotografien und auch, dass Abgründiges oder gar Hässliches keinen Platz in seinem Werk hatte. Er habe Schönheit gesucht und sich mit ihr umgeben. Dabei sei sein bevorzugtes Motiv der weibliche Akt gewesen, den er in spektakulären Bildern als Leichtigkeit, Bewegung und tänzerische Pose zu inszenieren wusste. 

Man liest von seiner Muse #Claudia_Schiffer und seiner Serie "Hommage á Warhol",  auch  über seine surrealen Fotografien und kann sich mit Anmerkungen von Eva Karcher befassen, zur ästhetischen Handschrift des Künstlers und Kosmopoliten Gunter Sachs, der in seinem Herzen ein Romantiker gewesen sei. 

Im  Zusammenhang zahlreicher Fotos aus dem Leben von des sensiblen Fotografen gewinnt man einen Eindruck von diesem Mann, der seinen Freunden gegenüber sehr großzügig  gewesen seit, sich alles zu Herzen genommen habe und wie sein Sohn anmerkt, stets gerecht und gradlinig war. 

Über Gunter Sachs, den Filmemacher, liest man Wissenswertes, wie auch über den Fotografen. Interviews mit seinen Söhnen, einem Patenkind und anderen  bringen den Lesern und Bildbetrachtern den Künstler und Mann von Welt immer näher. Ein toller, sympathischer Mensch. Kein Wunder, dass er so beliebt war.

Im Katalog lernt man zunächst den Filmemacher visuell kennen und anschließend ihn als Fotomotiv. Hier beeindruckt eine Aufnahme von Andy Warhol aus dem Jahre 1972 besonders. Dann werden Aufnahmen des Fotografen Gunter Sachs gezeigt, viele Aktaufnahmen, auch Landschaftsimpressionen, Porträts, so etwa von Claudia Schiffer, die ich in der Darstellung der vier Jahreszeiten wunderschön finde. Toll auch das berühmte doppelseitige Foto "Ascot" und seine künstlerischen Fotografien, wie etwa Heldenepos aus dem Jahre 1996, in das eine Wunderlich-Figur von ihm eingebunden wurde.  Gunter Sachs war ein begnadeter Fotograf. Ohne Wenn und Aber. 

Des Weiteren lernt man  Exponate seiner Foto-Sammlung kennen. Fantastische Aufnahmen von Andreas Feiniger und von Eberhard Grames, die mich  vielleicht am meisten faszinieren, obschon die Werke von Will Mc Bridge ebenfalls wundervoll sind. 

Einfach großartig. 

Zum Schluss dann erhält man noch Daten zur künstlerischen Biografie des vielseitig begabten Glückskindes, auf dessen Leben aber auch Schatten lagen, die keineswegs unerwähnt bleiben in diesem wirklich gelungenen,  reich bebilderten Buch.

Maximal empfehlenswert 

Helga König


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Gunter Sachs – Kamerakunst: Fotografie, Film und Sammlung


Rezension: Kosmos #Kubismus-Von #Picasso bis #Léger- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Kosmos Kubismus Von  Picasso  bis Léger-", die 30. März 2019 - 04. August 2019 im Kunstmuseum Basel gezeigt wird. 

Für das Kunstmuseum Basel ist diese Ausstellung von zentraler Bedeutung, denn der Kubismus ist neben den herausragenden Holbein- und Böcklin-Beständen eine tragende Säule in der Sammlung dieses Hauses. Dabei bietet die in Kooperation mit dem Centre Pompidou vorbereitete Ausstellung eine einmalige Gelegenheit, den Kubismus in Basel so umfassend wie noch nie zu zeigen. Ziel ist es, den Blick auf den Kubismus zu öffnen. 

Im Rahmen von sieben Essays unterschiedlicher Autoren erhält man ein beachtliches Sachwissen zum Kubismus. Nicht wenige Künstler, die sich ihm zugewandt hatten, gehörten zuvor dem Kreis der Fauvisten um Matisse an oder bewegten sich durch eine Phase neoimpressionistischer Malerei und waren mit der Farbe zumindest in Theorie und Praxis vertraut. Aus dem Kubismus heraus erhielt das Farbverständnis neue, andere Impulse. Dabei ist das Verhältnis von Farbe und Kubismus möglicherweise ähnlich komplex wie das von Kubismus und Abstraktion. 

Nach einer Phase der Farbabstinenz kam es 1912 zum Aufbruch mit neuer Experimentierfreude und theoretischem Interesse in Hinsicht auf die Möglichkeit mit Farbe zu arbeiten. Die Farbe wurde befreit und zum Ding an sich. 

Mit dem kubistischen Bildraum aus geometrischen Formen mit zahlreichen ineinander verschachtelten Facetten, die der Bildfläche das Aussehen eines "außerordentlich kunstvollen feingearbeiteten Flachreliefs" verliehen, so erfährt man von Olivier Berggrün,  machten Picasso und Braque die Illusion der traditionellen Perspektive zu nichte. Die Gegenstände auf den kubistischen Bildern der beiden Maler haben tatsächlich etwas Körperhaftes an sich. Das Objekt erfahre durch eine Vielzahl von Ebenen eine für die taktile Wahrnehmung sehr anregende Metamorphose. So entstünde der Gesamteindruck eines prekären Gleichgewichts, in dem die dritte Dimension auf die ebene Fläche zurückgeführt werde. Vertieft man sich in die präsentierten Werke, wird rasch klar, was gemeint ist.

George Braque und Pablo Picasso betrieben zwischen 1907- 1914 eine tiefgreifende konzeptionelle Verwandlung von Malerei und Skulptur. Man verneinte die alte optische Wahrnehmung. Anstelle der traditionellen illusionistischen Reproduktion trat eine neue visuelle, taktile Sprache, die von einer noch nicht dagewesenen Semantik weitergeführt wurde. So wurde das Motiv zu einer unabhängigen, autonomen Struktur. 

Im Katalogteil, der den Essays in diesem Buch vorangeht, werden Werke aus unterschiedlichen Phasen des Kubismus gezeigt und näher erläutert. Über Cezanne und den Kubismus liest man Wissenswertes. Gemeinsam mit dem Primitivismus hat die berühmte Lehre der Cézanneschen Geometrie (die Natur mittels Kugel, Zylinder und Kegel zu behandeln) die gesamte kubistische Malerei geprägt.  Tolle Gemälde von George Braque und Pablo Picasso beeindrucken hier, bevor die Durchbrechung der geschlossenen Form zur Sprache gebracht wird. 

Auch hier wieder lernt man viele Werke der beiden Künstler kennen. Dabei gilt Picassos #Aficionado als Höhepunkt der mit Braque durchgeführten Bildexperimente im Sommer 1912 und markiert die Erfindung einer radikal reduzierten Bildsprache, welche das Genre des Portraits neu definierte. 

Über kubistische Salons wird man auch informiert und kann Albert Gleizens "Die Badenden" bewundern,  aber auch Ferdinand Légers "Die Frau in Blau". Collagen, Papiers collés, Assamblagen und Konstruktioen werden fokussiert, natürlich auch Braques "Gitarre und Programm" und Henri Laurens "Clown". 

Was noch? Tolle Atelieraufnahmen, sehr schöne Farbbilder und beeindruckende Skulpturen aus unterschiedlichen Materialien, dann noch Gemälde von Dichtern und Kritikern sorgen für Aha-Erlebnisse, auch über das Nachleben des Kubismus wird informiert. Nach den Essays dann kommt der Anhang, bestehend aus einer Chronologie, der Liste der historischen Ausstellungen, einer Auswahlbibliographie und dem Verzeichnis der ausgestellten Werke.

Viel Wissen zu einen fairen Preis. Das erfreut den Kunstbuchliebhaber.

Maximal empfehlenswert 

Helga König

Im Fachhandel erhältlich

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Kosmos Kubismus: Von Picasso bis Léger


Rezension: White Wedding- Die Elfenbein Sammlung- Reiner Winkler- Jetzt im Liebieghaus- Für Immer-Hirmer

Zu Anfang der 1960er Jahre hat der Wiesbadener Unternehmer Reiner Winkler angefangen, eine Kunstsammlung aufzubauen. Dabei bemerkte er, dass Elfenbeinwerke des 17. und 18. Jahrhunderts immer noch angeboten wurden. Dieser Werkstoff begeisterte ihn und ließ rasch ein konzentriertes Interesse daran entstehen. Im Sommer 2018 dann  konnte ein Vertrag über eine gemischte Schenkung der Sammlung zwischen ihm und der Administration des Städel Museums in Frankfurt/Main  unterzeichnet werden. 

Für das Liebieghaus in Frankfurt ist die Überlassung der Sammlung eine große Bereicherung, nicht zuletzt weil die Abteilungen Barock und Rokoko eine neue, breite Grundlage erhalten. Reiner Winkler hat die weltweit größte Privatsammlung von Elfenbeinarbeiten speziell aus dem 17. und 18. Jahrhundert zusammengetragen. Hierbei handelt es sich um Statuetten, Reliefs und Gefäße aus ganz Europa und aus Übersee. 

Eine beachtliche Anzahl großer Bildhauernamen, auch Werke ohne Meisternamen zählen zu den wertvollsten Objekten. 

Wissen sollte man, dass bereits seit mehr als 25 000 Jahren Knochen und Zähne unterschiedlicher Tiere als Werkstoff für Statuen, Amulette oder Behältnisse verwendet werden. Schon im Altertum florierte der Handel mit Elfenbein für Kunstwerke. 

Elfenbein ist der Zahn eines ausgewachsenen Elefanten. Dessen Spitze war für Kunstwerke sehr begehrt. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts lebten in Afrika noch mehrerer Millionen dieser Tiere, doch heute sind es nur noch 415 000. Wie man erfährt haben zwischenzeitlich 183 Länder das Washingtoner Artenschutzübereinkommen #CITIES unterzeichnet. Dieses trat 1975 in Kraft und spricht sich für ein globales Handelsverbot u.a. für Elfenbein aus. 

Als Grund, weshalb man in Kunstinstitutionen noch immer Objekte aus Elfenbein ausstellt, wird genannt, dass man den Bildungsauftrag verantwortungsvoll wahrnehmen und anhand von Sammlungsobjekten die komplexe, historische Entwicklung von Menschheits- und Kulturgeschichte für das heutige Publikum erlebbar machen möchte, um auf diese Weise eine Basis für aktuelle Debatten zu schaffen. Ausführlich wird man deshalb mittels eines spannend zu lesenden Textes von Maraike Bückling zur Sammlung Reiner Winkler im Liebieghaus unterrichtet und kann sich alsdann in Meisterwerke vertiefen, die zum Anfassen nah visualisiert worden sind und mittels ausführlicher Texte begleitet werden. So lernt man u.a. zwei Relieftafeln mit Darstellungen der acht Haupttugenden kennen, die zu diesen Meisterwerken der Sammlung gehören und den Blick lange fesseln, weil auf so viele Details zu achten ist.  

Neben den Meisterwerken lernt man noch Themen (christliche, weltliche und antike), Künstler und Künstlerfamilien sowie Kunstlandschaften kennen. 

Über all die gezeigten Objekte hier zu schreiben, führt zu weit. Gesagt werden kann, dass diese sehr gut erläutert werden und man deshalb einen lobenswerten Gesamtüberblick im Hinsicht auf die Werke, die Künstler und Themen erhält. 

Ein sehr empfehlenswertes Buch, wenn auch das Material aus dem die gezeigten Kunstwerke hergestellt worden sind, mir aus heutiger Sicht Bauchschmerzen bereiten. 

Helga König

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Rezension: Theodor de Bry- Amerika- Sämtliche Tafeln 1590-1602 -TASCHEN

Michiel van Groesen, der Herausgeber dieses Prachtbandes nennt die De Brys America-Serie- Ein Meisterwerk der Reiseliteratur. Diese Sammlung besteht aus 25 Bänden im Folioformat und wurde zwischen 1590 und 1634 von Theodor de Bry und seinen beiden Söhnen auf den Weg gebracht. 

Die Kombination von Reiseberichten und hochwertigen Kupferstichen machten die Serienedition schon rasch zum geschätzten Sammlerobjekt. Vollständige De-Bry-Sammlungen sind mittlerweile fast ausschließlich in wissenschaftlichen Buchhandlungen zu finden. Bei Versteigerungen erzielt ein gut erhaltener Satz der America-Serie einen Preis von bis zu 500.000 US-Dollar. 

Die vorliegende TASCHEN-Edition der De Bry-Reiseberichtsammlung umfasst die ersten neun Bände der America-Serie. Diese gelten als die besten der Serien und sind als Einheit zu begreifen und auch zu lesen. Sämtliche Aspekte der Sammlung sind in der harmonische Abfolge der ersten neun Bände ersichtlich.

Des Weiteren wird der Hintergrund der Familie de Bry, die einzelnen Entstehungsabschnitte der Buchserie, die von den Brys allmählich entwickelte verlegerische Strategie und der Mitarbeiterstab fokussiert, ohne den eine solche Buchserie nicht hätte produziert werden können. Daran schließen sich die Betrachtungen der Textinhalte an, auch die Veränderungen, die an einige Illustrationen vorgenommen wurden- und die Arbeitsschritte wie das Binden und Kolorieren, die erforderlich waren, um die Texte und Bilder in ansprechende Bücher zu verwandeln. 

Bei allem geht jedem der neun Bände eine kurze Zusammenfassung voraus. Diese gibt Aufschluss über die jeweiligen im Band enthaltenen Reiseberichte. 

Die einzelnen Bilder und Texte zu studieren, ist spannend und macht viel Freude. So erfährt man beispielsweise mehr von der Ankunft der Engländer in Virginia, liest über die Menschen dort, so etwa wie Frauen damals ihre Kinder trugen, wie sie gekleidet waren, was sie speisten, wie sie ihre Boote bauten und fischten und viele Gepflogenheiten mehr. 

Im Band II dann kann man Bilder bestaunen, die Florida zeigen. Man liest wie die Eingeborenen wenig wertschätzend mit Hermaphroditen umgingen, wie Kranke behandelt wurden, wie man Vorräte einbrachte, auf die Jagd ging und sogar Alligatoren tötete und anders mehr. 

Im Band III geht es dann um Brasilien. Auch hier wieder kann man sich in beeindruckende Bilderwelten vertiefen, erlebt wie Wilde miteinander kämpfen und es wird in mehreren Texten erläutert und auf Bildern gezeigt, wie die Eingeborenen in Brasilien im Rahmen von Zeremonien ihre Feinde verspeisten. 

Band IV befasst sich mit der Karibik und Zentralamerika. Kolumbus ist hier ein Thema, auch die Entdeckung der Magellanstraße. Dann liest man plötzlich als Kommentierung eines gezeigten Kupferstiches Folgendes: "Von der Tyrannei, der Grausamkeit und der Gier der Spanier beleidigt, fingen die Indianer so viele, als sie ihrer habhaft werden konnten. Namentlich Offiziere, banden ihnen Hände und Füße, legten sie auf den Boden und gossen ihnen flüssiges Gold in den Mund, um ihre Gier endlich zu stillen. Dabei riefen sie aus: " Iss Gold, iss Gold, du Christ!" Zur Folter schnitten sie den Spaniern hier einen Arm, dort eine Schulter und dem nächsten ein Bein ab, legten sie auf Kohle, brieten sie und aßen sie auf. (Tafel 12, 219) Wer sich mit der Gier der Konquistadoren näher befasst hat, kann  die Indianer durchaus verstehen, wenn auch aus heutiger Sicht das beschriebene Verhalten nicht zu billigen ist. 

Im Band V wird Mittelamerika thematisiert. Man erlebt hier neben kriegerischen Bildern auch friedliche, etwa wie die Indianer Handel treiben und verhandeln und im Band VI dann geht es um Peru. Auch hier erwarten den Leser wieder beeindruckende Bilder. Der Eroberer Pizarro kommt hier zu Sprache und man erlebt, wie die reichste Stadt in Peru- Cusco- von den Spaniern besetzt wird. 

Man liest wie die Spanier die Indianer misshandeln, die unter der Last der Arbeit zusammenbrechen und erfährt so vieles andere mehr, um im Kapitel VII  sich dann  ganz knapp über Rio de la Plata zu informieren und in Kapitel VIII über die Karibik.  Auch  Francis Drake kommt zur Sprache, der die Stadt Cartagena einnimmt und Walter Raleigh, der Freundschaft mit dem König von Arromaia schloss. Im Band IX  liest man etwas über Mexiko und Magellanstraße und hier beispielsweise von den Menschenopfern der Mexikaner. 

Gier, Grausamkeit und Verdrängung ist ein Teil der Menschheitsgeschichte. Der Inhalt des Buches ist ein gutes Beispiel hierfür. Ob sich der Mensch jemals ändern wird? Vielleicht nach unzähligen Inkarnationen, ansonsten wohl eher nicht.

Ein tolles Werk, das ich gerne weiterempfehle. 

Helga König

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Theodor de Bry. America

Rezension: Leonardo da Vinci- Die Gemälde- Das komplette Werk - Alessandro Vezzosi- Prestel

Anlässlich des 500. Todestages von Leonardo da Vinci  am 2. Mai 2019 hat der Prestel-Verlag diesen sehr schönen Kunstband mit dem Titel"Leonardo da Vinci - Die Gemälde- Das komplette Werk" von Alessandro Vezzosi verlegt. 

Leonardo da Vinci gilt als revolutionärer Erneuerer der Kunst und als der Künstler, der stets bestrebt war, die Grenzen zu überwinden. Er ist dafür bekannt, dass er mit neuartigen Apparaten und Hilfsmitteln experimentierte, eine Camera obscura, einen Bildprojektor, eine Spiegelkammer mit Rundansicht und anderes mehr entwarf, die nach der Idee einer Art Bild-Maschine die Technik des modernen Films vorwegzunehmen scheinen. 

Seine Maltechnik soll nicht weniger innovativ gewesen sein. Hier befasste er sich mit dem Begriff des unendlichen Raums. Diesen versuchte er mit dem für ihn so charakteristischen Sfumato mit subtilsten Lasurschichten wiederzugeben und dies zum Teil unter Einsatz einer Fingerwischtechnik. Der große Renaissancemaler beschäftigte sich zudem mit der Haltbarkeit seiner Gemälde, studierte  Rezepturen von Farben und machte "unvergängliche Firnessen-Experimente". Die Anzahl eigenhändiger Gemälde ist übrigens erstaunlich gering, allerdings genial.

Das Buch ist in fünf Abschnitte untergliedert: 
Gelebte Malerei
Spurensuche
Leonardo als Theoretiker 
Die Werkzeuge des Malers 
Das Leben der Bilder 

Man erfährt im ersten Abschnitt Wissenswertes über Leonardo da Vincis Herkunft und Anfänge, seine Schulzeit und frühen Lehrjahre, seine Lehrer und Vorbilder, seine Lehrjahre in Florenz, seine Gewandstudien, auch über die Sprache der Hände und die neuen typischen Kompositionsformen des Künstlers wird man aufgeklärt. Man liest über seine Großaufträge in Florenz und Mailand, den Spannungen mit seinen Auftraggebern und kann sich mit dem Lächeln der Mona Lisa (Ausdruck einer heiteren inneren Ruhe und Gelassenheit), der Heiligen Anna und des Heiligen Johannes (diese zeigen auf subtile Weise die Regungen und Geheimnisse des Geistes und des Herzens) befassen. Auch die Einsamkeit des Malers wird thematisiert. 

Im zweiten Abschnitt geht es um Zuschreibungsfragen und im dritten, besonders interessanten Abschnitt um Themen wie Malerei als Philosophie und Wissenschaft oder auch  um das Wesen der Schönheit. Leonardos Schönheitsbegriff war ebenso vielschichtig wie modern. Für ihn war Schönheit universell und vielschichtig zugleich. Das soll in jedem Detail seines Werkes, aber auch schon in seinen Skizzen erkennbar sein. 

Über menschliche Proportion und Physiognomie bei Leonardo da Vinci wird man unterrichtet und man erfährt, welchen Anspruch er an sich und andere Künstler stellte, wenn es um das Studium der Anatomie des Menschen ging. 

Im Abschnitt 4 lernt man die Werkzeuge des Malers kennen und dann schließlich im Kapitel 5 seine Bilder. Diese werden jeweils in der Gesamtheit und in Ausschnitten veranschaulicht und ausführlich beschrieben. Sehr beeindruckend finde ich "Das Bildnis der Ginervra Benci", das nicht immer als Leonardos Werk galt. Die Florentiner Dichterin zieht die Betrachter sofort in ihren Bann. Dass Lorenzo de Medici ihr zwei Sonette gewidmet hat und auch der Humanist Landino ihre Schönheit pries, verwundert nicht, wenn man Leonardos Bild gesehen hat. 

Ich möchte die einzelnen Werke im Buch hier nicht alle aufzählen. "La Belle Ferronnière“ habe ich im Original im Louvre gesehen und nun mit großem Interesse die Infos hier im Buch dazu gelesen. Sehr ausführlich wird "Das Abendmahl" beschrieben. Dazu werden viele Bildausschnitte gezeigt und Wissenswertes zur Restaurierungsgeschichte berichtet. Noch ausführlicher wird das Bildnis der "Mona Lisa" beschrieben und ganz zum Schluss dann mein Lieblingsgemälde von Leonardo da Vinci  "Der Heilige Johannes" thematisiert, der, folgt man dem Renaissancemeister, zu den göttlichen Mysterien und zur Bestimmung des Menschen führt.

Eine umfangreiches Bildregister und ein ebenso umfangreiches Literaturverzeichnis runden das großartige Werk ab. 

Maximal empfehlenswert.
Helga König

 Im Fachhandel erhältlich 

Rezension- #Bauhaus_Dessau Architektur- Hirmer

Dieses Buch ist eine Teamarbeit von Dr. Florian Strob, der seit 2018 als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Bauhaus Dessau tätig ist und dort u.a. die Neubespielung des Bauhausgebäudes und der Meisterhäuser kuratiert  und von dem studierten Fotografen Thomas Meyer, der seit dem Jahre 2000 Mitglied der renommierten Agentur #OSTKREUZ ist. 

Wie Claudia Perren, Direktorin und Vorstand der Stiftung Bauhaus die Leser im Vorwort bereits wissen lässt, nimmt die Stiftung Bauhaus Dessau das Jahr des 100. Gründungsjubiläums des Bauhaus zum Anlass, die größten und wichtigsten Schätze ihrer Sammlung- die Dessauer Bauhausbauten – in dem vorliegenden Werk neu zu präsentieren. 

Bei den Bauten handelt es sich um Zeitzeugen, die nicht nur das historische Bauhaus nahe bringen, sondern auch die Spuren der sich wandelnden Zeiten bis in die Gegenwart tragen. Ab dem Frühjahr 2019 werden die Dessauer Bauhausbauten erstmals mit einem übergreifenden kuratorischen Konzept durch die Stiftung Bauhaus Dessau bespielt. Ziel der Publikation sei es, die "Bauhausbauten Dessau", von denen bereits 1930 der Gründungsdirektor Walter Gropius im Titel seines Buches schrieb, keineswegs als selbstverständlich hinzunehmen, sondern auf produktive Weise eine gewisse Distanz zu ihnen einzunehmen, um sie in ihrer Vielschichtigkeit zu zeigen.

Das Bauhaus (1919-1933) war eine Hochschule, die auf radikale Weise Kunst, Handwerk und Technik neu miteinander verbunden hat. Dabei wurde in Dessau seitens des damals schon weltberühmten Bauhaus von 1925-1932 die Stadt von morgen erprobt. Was das Bauhaus dort baute und lebte, hatte Modellcharakter. Die Protagonisten schufen Prototypen der Moderne und verwirklichten neue Formen des Zusammenlebens. Ziel war es, durch die moderne Gestaltung die Lebensverhältnisse der Menschen zu ändern und zu verbessern. 

Erst nach dem Umzug der Schule nach Dessau 1925 vermochte das Bauhaus seine Ideen einem Realitätstest zu unterziehen. So wurde Dessau zu einer Art Probebühne der neuen Welt. Hier testeten die Bauhäusler Lösungen für verschiedene Bauaufgaben, über die man im Buch Näheres erfährt. 

Das "Neue Bauen" war damals eine Bewegung in Architektur und im Städtebau im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, die sich mit gestalterischer und konstruktiver Ökonomie befasste, um sich so der herrschenden Wohnungsnot anzunehmen. Sehr wichtig waren soziale Aspekte. In den Jahren 1925-1932 verwirklichten die Architekten am Dessauer Bauhaus ihre Entwürfe und schufen ein einzigartiges Ensemble moderner Architektur. 

Diese alten Meisterhäuser lernt man im Buch näher kennen. Dazu kommen neue Meisterhäuser von Bruno Fioretti Marquez 2011-2014 und weitere Gebäude, so von Friedrich Engemann aus den Jahren 1930-1933, die noch heute dem bürgerlichen Wohnen dienen. Der Entwurf der Gaststätte Kornhaus, hier war Carl Flieger 1929/30 der Architekt, wird näher erläutert, auch das von Walter Gropius 1928/29 entworfene Arbeitsamt. Anschließend lernt man noch die Siedlung Dessau –Törtchen von Walter Gropius näher kennen. Hier erfährt man Hintergrundwissen und Aufschlussreiches zu diesen Reihenhäusern und Sonderbauten. 

Durch dieses und anderes mehr kann man sich einen sehr guten Überblick über die Architektur Bauhaus Dessau verschaffen, die in diesem Jahr in aller Munde ist und es durch Bücher, wie  Bauhaus Dessau Architektur- gewiss auch weiterhin sein wird. 

Maximal empfehlenswert.

Helga König

Im Fachhandel erhältlich.

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Bauhaus Dessau: Architektur



Rezension: Welt im Umbruch-Kunst der 20er Jahre- Hirmer

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Welt im Umbruch-Kunst der 20er Jahre", die vom 9. Februar bis 19. Mai 2019 im #Bucerius_Kunst_Forum in Hamburg und ab Mai bis Juli 2020 im #Münchner_Stadtmuseum gezeigt wird. 

In der Ausstellung stehen sich Fotografie und Malerei gegenüber, nicht zuletzt wegen der weltgeschichtlichen Umbrüche und weil sich in Kunst und Fotografie zwischenzeitlich einiges ereignet hatte. So hatte sich die Malerei durch die Abstraktion von ihrer jahrhundertealten Fixierung auf naturalistische Darstellung befreit. Zudem hatte die Technik der Fotografie, die der Malerei ihr Abbildungsmonopol genommen hatte, große Fortschritte gemacht. 

Der Katalog enthält neben den Bildern der Ausstellung diverse Textbeiträge unterschiedlicher Autoren. Den Anfang macht Ulrich Pohlmann mit dem Aufsatz "Glühendes Eis. Malerei und Fotografie der 20er Jahre im künstlerischen Dialog." Pohlmann lässt die Leser wissen, dass diese Ausstellung und der Katalog dem Dialog zwischen Bildkünsten, Malerei, Fotografie und Film am Beispiel der Themen Porträt- mit besonderem Fokus auf Selbstbildnis und Akt-, Großstadtleben, Architektur, Stillleben, Industrie und Technik nachspüren. Dabei präsentiert das Kapitel "Politische Montage" eine Auswahl von Arbeiten, in denen sich gesellschaftliche Entwicklungen in der Weimarer Republik kritisch verdichten und kommentiert werden.

Die Autorinnen und Autoren der Essays befassen sich mit den verschiedenen Wechselbeziehungen der Medien zueinander. In deren Analysen, so Pohlmann werden ikonografische Ähnlichkeiten sichtbar. Die Ausstellung und das Buch beschränken sich auf Künstler, die zwischen 1918 und 1935 in Deutschland gelebt und gewirkt haben. Thematisiert werden von Ulrich Pohlmann in einem weiteren Aufsatz "Die Dinge". Etwa ungefähr ab 1922 huldigten Maler und Fotografen gleichermaßen dem Stillleben und der spezifischen Materialität von Gegenständen. Dabei ging es darum, das Gefäße, Pflanzen oder einfache Gebrauchsobjekte zumeist isoliert vor einem kargen Hintergrund in kühler Sachlichkeit erfasst werden sollten, um auf diese Weise das tiefste Wesen der Dinge zum Sprechen zu bringen. Der Fokus liegt auf dem Wechselspiel von Transparenz und Opazität. Man lernt eine Reihe solcher Stilleben kennen, beispielsweise von Otto Schön, "Atelliersstilleben" oder das "Frühstücksstillleben" von Bernhard Dörries. Beim intensiven Hinsehen beginnen die Dinge tatsächlich ein Eigenleben zu entwickeln und Botschaften zu vermitteln. 

Man erfährt von Simone Förster mehr über die Selbstbildnisse der #Neuen_Sachlichkeit und des Neuen Sehens und kann sich in Gemälde oder Fotos dieser Art vertiefen. Der Akt  auch wird thematisiert. Dabei prägt der Typus der Neuen Frau, mit Bubikopf, Zigarette und selbstbestimmtem Auftreten bis heute das Bild von der Weiblichkeit in den "Goldenen Zwanzigern". Doch es gibt auch anderes, so etwa traumartig anmutende Fotomontagen. Kennen lernt man zudem die Architekturfotografie der Zwischenkriegsjahre, auch die Maschinenkunst sowie den Technikkult und schließlich eine Reihe großartiger Individualporträts und Typenbilder. Hier zeigt sich wie in keinem anderen Genre das wahre Gesicht der 20er Jahre, das Gesicht der intellektuellen Elite, der neuen Frauen und Männer, der Arbeiters und Arbeitslosen, der Dame von Welt und der Straßendirne. Typisch ist das Gemälde "Margot"von Rudolf Schlichter und ein Foto, von Lotte Jakobi realisiert, das Erika und Klaus Mann zeigt. 

Was noch? Politische Montage. Diesbezüglich gibt es auch einen sehr guten Aufsatz und auch entlarvende Bilder.

Alles in allem ist dies ein beeindruckender Katalog, der neugierig auf die Ausstellung macht. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im Handel erhältlich
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Welt im Umbruch: Kunst der 20er Jahre (Bucerius KUNST Forum)

Rezension: bauhaus- 1919-1933- bauhaus-archiv Berlin- Magdalena Droste- taschen

Die Autorin dieses reich bebilderten Prachtbandes ist #Magdalena_Droste. Sie hat Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft in Aachen studiert. Ab 1980 war sie im Bauhaus-Archiv in Berlin und anschließend als Professorin für Kunstgeschichte in Cottbus tätig. Magdalena Droste hat viele Ausstellungen und Publikationen zu allen Themen und Künstlern des Bauhauses verantwortet.

100 Jahre nach Gründung des #Bauhaus sei die Auseinandersetzung mit der Avantgardeschule nach wie vor ungebrochen, sagt #Annemarie_Jaeggi, die Direktorin des Bauhaus-Archivs in Berlin und bekundet weiter, dass noch immer die am Bauhaus entwickelten Ideen und Maximen vielfältigste Impulse liefern würden, beispielsweise für Lehrmethoden, zur zeitgemäßen Gestaltung, zur Architektur, zu Wohnen oder zu Arbeits-, Produktions- und Lebensweisen. 

Das vorliegende Referenzwerk entstand in Zusammenarbeit mit dem Bauhaus-Archiv für Gestaltung in Berlin. Das ist die weltgrößte Sammlung zur Geschichte des Bauhauses. Das Werk wurde vor knapp 30 Jahren erstmals veröffentlicht und liegt nun in einer überarbeiteten und aktualisierten Neuauflage vor. Diese wurde mit 250 neuen Abbildungen bereichert. Auf diese Weise schenkt die Publikation tatsächlich einen sehr guten Einblick in die weltweit größte Sammlung zum Bauhauses und seiner Geschichte. 

Untergliedert ist das Werk in die Abschnitte:
- Zur Vorgeschichte des Bauhaus
-Bauhaus Weimar: Das expressionistische Bauhaus 
-Kunst und Technik- eine neue Einheit 
-Bauhaus Dessau: Hochschule der Gestaltung 
-Hannes Meyer: Volksbedarf statt Luxusbedarf 
-Ludwig Mies van der Rohe: Das Bauhaus wird zur Architektenschule
-Anhang 

Die einzelnen Abschnitte sind ein Fest für die Augen und haben textlich zudem viel Informatives zu bieten. Dieses hier komprimiert wiederzugeben, führt allerdings zu weit, wie ich nach zwei Anläufen feststellen musste.

Neben der Vorstellung von berühmten Persönlichkeiten im Bauhaus Weimar wie #Johannes_Itten und #Walter_Gropius, liest man auch von Konflikten der Protagonisten und den politischen Fronten, in die das Bauhaus geriet. Über Paul Klees Unterricht in Weimar erfährt man Näheres und wie er aus der Formlehre bereits nach wenigen Monaten eine bildnerische Formlehre machte. Auch der Künstler Wassily Kandinsky unterrichtete am Bauhaus.  Deshalb liest man dazu ebenfalls Wissenswertes.

Exponate aus den keramischen Werkstätten werden vorgestellt.  aber auch Arbeiten aus den Textilwerkstätten, so etwa ein wunderschöner Bauhausteppich nach einem Entwurf von #Gertrud_Arndt. 

Typische Lampen und Teekannen aus der Metallwerkstatt und Exponate aus der Möbelwerkstatt etc. etc. inklusiver umfangreicher Texte machen deutlich, dass man sich mit diesem Buch viele Monate befassen kann, ohne sich zu langweilen. 

Über die #Hochschule_für_Gestaltung in #Dessau und die Meisterhäuser wird man unterrichtet, die alles andere wie aus fernen Zeiten anmuten. Das gilt auch für die Möbel und weitere ästhetisch schöne Dinge, die man dort gestaltet hat. 

Weshalb Walter Gropius 1928 als Direktor des Bauhauses zurücktrat, wird auch thematisiert und wie es dann weiterging bis zum politischen Ende in Dessau gleichfalls. 

Auf den letzten Seiten des Werkes findet man eine Fülle von Kurzbiografien der damaligen Protagonisten, die man nicht zu lesen vergessen sollte, denn sie machen die Werke und das Tuns der Künstler begreifbarer. 

Man wird wirklich umfassend informiert. Deshalb: Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Bauhaus. Aktualisierte Ausgabe

Rezension- Jean-Michel Basquiat -TASCHEN

Der vorliegende, reich bebilderte Prachtband aus dem Hause TASCHEN ist den Werken des US-amerikanischer Graffitikünstlers, Malers und Zeichners Jean-Michel Basquiat  (1960 -1988) gewidmet.

Die Einführung in das Werk hat Werner Holzwarth verfasst. Er stellt seinem Text einen Gedanken des Künstlers  Basquiat voran. Diese besagt: "Ich denke nicht über Kunst nach, wenn ich arbeite. Ich versuche über das Leben nachzudenken."

Genau das auch mag der Grund dafür sein, dass Jean-Michel Basquiats Arbeiten voller Leben sind. Jeder Figur, so Holzwarth, jedem Buchstaben eines Wortes schreibe der Künstler mit der widerspenstigen Linie seiner Ölkreide höchste Expressivität ein. Dabei besitze jeder Pinselstrich eine hohe Konzentration und verfüge über eine enorme Energie.

Basquiat soll rasch und direkt gemalt haben, sich von seinen Quellen habe inspirieren lassen, die er griffbereit um sich gehabt habe. Er selbst sagte, seine Gemälde würden von Königen, Heldentum und der Straße handeln. Unter den Legenden, die er malte, waren namhafte Sportler wie Cassius Clay, Jazz-Musiker wie Miles Davis und Graffitikünstler, die Basquiat persönlich kannte. Es ging ihm darum, Ruhm zu erringen und dennoch der Straße treu zu bleiben.

Man liest von seinem raschen Aufstieg in seinem kurzen Leben. Eine zufällige Begegnung mit Andy Warhol zeigte sich als zukunftsweisende Begegnung. Schon in seiner ersten Gruppenausstellung der Times Square im Jahre 1980 entdeckten die Kritiker sein vielversprechendes Talent. Bei einer weiteren großen Ausstellung ein Jahr danach gewann er bereits das Interesse namhafter Galeristen und kurz darauf war er in Top-Adressen vertreten und erzielte beachtliche Preise.

Ende 1981 produzierte er in einem Kellerstudio eine große Leinwand nach der anderen für eine immer größer werdende Kundschaft. 1984 wurde er von der Galerie Mary Boon vertreten, sie galt damals als Inbegriff des Malereibooms. Er lernte sehr bald  die negativen Seiten des Erfolgs kennen, die näher skizziert werden, malte dann düsterer und starb schließlich  an einer Überdosis Rauschgift.

In zahlreichen Werken hat der Künstler sich mit schwarzen Themen und schwarzer Kultur auseinander gesetzt. Dies führte er auf sein kulturelles Gedächtnis zurück, das er in Afrika lokalisiert sah.

Die Werke des Künstlers haben ihre Frische behalten und versinnbildlichen die Energie der 1980er Ära, sind zum Synonym für das New York jener Zeit geworden.

Basquiat habe, so liest man in erzählerischen Begriffen gedacht, als er den schwarzen Protagonisten in das Zentrum seines Werkes rückt. Seine Storys seien nicht gradlinig aber die Arbeiten seien voller Bezugspunkte, die den Betrachter dazu motivierten, nach Bedeutungskonstellationen zu suchen. Das kann ich bestätigen.

Interessant ist es, sich bei den Bildern in Einzelheiten zu begeben, Dinge zusammenzufügen, Anspielungen und Bezüge zu entschlüsseln. Damit kann man sich viele Monate beschäftigen. Das  Buch von TASCHEN macht dies möglich.

Über die Kunst des Storrytelling bei Basquiat hat man Gelegenheit im Essay Eleanore Nairnes Wissenswertes zu erfahren. Die Arbeiten besäßen ihre eigene Art, in die dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte zurückzugreifen und zugleich im Hier und Heute zu berühren. Auch das ist wahr.

Die Werke im Katalogteil sind nach ihrer Entstehungszeit geordnet. Jedem der Kapitel ist ein Zitat vorangestellt, das dem Betrachter hilft, die Arbeiten besser zu verstehen. Dazu kommen noch diverse eloquente Texte, die die teilweise bunte, teilweise düstere  Bilderwelt komplettieren.

Ein beeindruckendes Kunstbuch mit Werken, die die Fantasie anregen, aber auch die Neugierde.
Maximal empfehlenswert

Helga König

Im Fachhandel erhältlich
Onlinebestellung bitte hier klicken : TASCHEN oder Amazon Jean-Michel Basquiat

Rezension: Fotografen. Michael Pritchard Tony Nourmand

Dieser Bildband von Michael Pritchard und Tony Nourmand präsentiert seltene Aufnahmen der großen Fotografen des 20. Jahrhunderts. Dazu zählen: Antony Armstrong-Jones, Richard Avedon, David Bailey, Cecil Beaton, Margaret Bourke-White, Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, Terence Donovan, Philippe Halsman, Bert Hardy, Annie Leibovitz, Tony Ray-Jones und Weegee. Unter den fotografierten Stars sind: Sean Connery, Sammy Davis Jr., David Hemmings, Audrey Hepburn, Jayne Mansfield, Marilyn Monroe, Peter Sellers, Terence Stamp, James Stewart, Robert Vaughn und John Wayne, ebenso wie die Beatles, Christine Keeler und John F. Kennedy. 

Die Einführung hat Michael Pritchard verfasst. Er lässt den Leser wissen, dass es sich in diesem Buch um die allgemeine Geschichte der Fotografie, die Fotografen, ihre Kameras und ihre berühmten Motive handelt. Dabei konzentriert sich das Werk auf die Zeit zwischen 1910 und den 1960er Jahren, speziell auf die Periode zwischen den 1930er und 1960er Jahren, die in vielerlei Hinsicht als Blütezeit der Presse- und Starfotografen gilt. 

Der Fotograf wird als Einzelperson oder in Gruppen abgelichtet und zwar zu dem Zeitpunkt, wo er sich auf seine Arbeit vorbereitet, bzw. gerade sein Model aufnimmt. Die biografischen Eckdaten der einzelnen gezeigten Fotografen werden genannt. 

Es fällt auf, dass die meisten Fotografen sehr sympathisch sind. Vielleicht ist dies eine Grundvoraussetzung, um schöne Porträts realisieren zu können. Jedes einzelne Foto erzählt eine Geschichte, auch das Foto, das den Fotograf und Designer Antony Amstrong Jones(1930- 2017) zeigt, der für The Sunday Times arbeite und nach der Eheschießung mit der Schwester der  englischen Königin 1961 Earl of Snowdon wurde.  

Ein traumhaft schönes Foto von Marlene Dietrich hat Don English (1901-1964) als Spiegelbild aufgenommen. Dann gibt es ein wirklich hübsches Foto von Marilyn Monroe bei einem Presseempfang im Londoner Savoy Hotel im Jahre 1956. Ein weiteres von Marlene Dietrich macht erkennbar, weshalb sie eine ganz besondere Ausstrahlung hatte. Es war ihre  hohe Intelligenz, die sie von allen anderen Schauspielerinnen unterschied. 

Beeindruckend ist das Foto von Queen Elisabeth, die selbst gerade fotografiert und all den anderen, die ebenfalls beim Ablichten von wem oder was auch immer sind. 

Viele der Bilder sagen eine Menge über die Persönlichkeit der gezeigten Personen aus und jedes Foto hat es verdient, fototechnisch und motivisch näher beschrieben zu werden. Leider ist dies im Rahmen einer zeilenbegrenzten Rezension nicht möglich.

Mit Freunden über die Fotos bei einem Glas Wein zu sprechen, kann zu einem höchst spannenden Abend  beitragen.

Sehr empfehlenswert 

Helga König
Im Fachhandel erhältlich

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FOTOGRAFEN: Legenden und ihre Kameras