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Rezension: Verletzlich-Olga Michi- teNeues


Die vielfach preisgekrönte Fotografin Olga Michi wurde als Tochter russischer Eltern in Havanna /Kuba geboren, studierte Jura und arbeitete im russischen Außenministerium an der Fakultät für internationale Beziehungen. Seither bestimmt die Faszination für Geschichte, Politik und Diplomatie die Richtung ihrer Reisen und ihrer professionellen Fotoausbildung. 

Olga Michi ist heute auf allen Kontinenten als Fotografin tätig und hat problematische Expeditionen nach Mittelamerika, Afrika und Indonesien organisiert, lebte bei indigenen Völkern und tauchte mit Nilkrokodilen weißen Haien und Orcas. 

In "Verletzlich" betone die Fotografin die universalen Verbindungen zwischen modernem Leben und überlieferter Kunst aus vergangenen Zeiten, bis zurück ins Mittelalter, in die Antike und in die Prähistorik, schreibt Artem Loginov, die Kuratorin des Projekts, die an anderer Stelle meint, dass das Ziel von Besagtem  darin bestehe, zu dokumentieren wie die Menschheit auf unterschiedliche Weise auf dem endlosen Weg der Selbsterkenntnis fortschreite und eine zeitgenössische Interpretation von grundlegenden philosophischen Konzepten ermögliche. 

Olga Michi schreibt, dass in diesem Buch authentische Kulturen und Individuen im Wandel mit einem komplexen und dynamischen Verhältnis zur Vergangenheit und Gegenwart gezeigt werden. Die Fotos sollen u.a. daran erinnern, dass die Bedrohung des Einzelnen auch zugleich die Bedrohung aller ist.

Untergliedert sind die Bilder in South - East - North 

Diese Fotos- es sind Porträtaufnahmen- sind in englischer und deutscher Sprache erläutert. 

Was Olga Michi mit South meint, schreibt sie vor der Bilderschau. Gemeint ist das Omo-Tal, das sich mehr als 700 km hinweg, von Südäthiopien bis in die "Region der südlichen Nationen, Nationalitäten und Völker" an der Grenze Kenias zieht, wo der Omo und den Turkansee, den größten permanenten Wüstensee der Welt mündet. 

Anhand der Bilder und begleitenden Texte erfährt man mehr über die Surma- und Ursi-Völker, wo die Menschen viele Narben am Körper tragen, weil sie glauben, so robuster und belastbarer zu erscheinen. Kinder sind bunt angemalt und tragen Früchte oder Blüten auf dem Kopf und die Hörner, die von Mursi-Frauen getragen werden, reflektieren u.a. anderem die Haltung des Stammes zu den Kühen. Seltsamer tellergroßer Lippenschmuck verdeutlicht wie verschieden das Schönheitsempfinden von Menschen auf dieser Welt  ist, aber auch wie wichtig es allerorten zu sein scheint, sich zu schmücken.

Bunte Ketten und Bemalungen des Gesichts und des Körpers mit Ornamenten fallen ins Auge und zeigen, dass Menschen sich stets verschönern und schmücken wollen und dies seit Anbeginn aller Zeiten. 

Mit East ist ein breiter Streifen des Binnenlandes in Südostasien gemeint. Im Fokus stehen u.a. die Padaung-Frauen, die ihren Hals mit Hilfe von Spiralen verlängern. Geschmückt sind auch die Arme und Ohren. Man staunt, Seite für Seite über den kunstvollen Schmuck, aber auch die Bereitschaft dafür Schmerzen zu erleiden. 

Das Volk der Lisu ist sehr farbenfroh gekleidet und die Frauen tragen hübsche Kopfbedeckungen aus bunten Perlen. Doch auch hier  gibt es Veränderungen...

North: dort lebt das Volk der Tschuktschen weit im Osten Russlands. Auch dort schmücken sich Männer wie Frauen. Der Kälte wegen tragen sie Pelze, mit bunten Perlen bestickt, der Schönheit halber.  Hier und an all den anderen Orten ist  die eigene Note bedroht, wird es die Vielfalt nicht mehr lange geben. Alles wird beliebig. Wir hier sind es ja bereits schon seit Langem, auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen.

Ein beeindruckendes Buch. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Nennt mich Rembrandt- Hirmer


Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Nennt mich Rembrandt", die vom 14.5.–6.9.2021 in Ottawa/ Kanada und vom 6.10.2021–30.1.2022 im Städel Museum in Frankfurt am Main gezeigt wird. 

Herausgeber des Werks sind Stephanie S. Dickey, Gastkuratorin der National Gallery of Canada und Jochen Sander, der Stellvertretende Direktor und Sammlungsleiter Deutsche, holländische und flämische Malerei von 1800, Städel Museum. 

Im Rahmen von mehreren sehr lesenswerten Essays unterschiedlicher Autoren erfährt man zunächst Wissenswertes über Rembrandts Durchbruch in Amsterdam, liest hier auch von dessen Schüler Ferdinand Bol, mit dem er vier Jahre zusammenarbeitete. Rembrandt hatte viele Schüler. Einige werden speziell erwähnt. Wie man erfährt, entlehnten auch Künstler, die nicht seine Schüler im strengeren Sinne waren, Motive und Ideen bei ihm. 

Rembrandt Gemälde erzielten schon zu seinen Lebzeiten sehr hohe Preise und bedienten das gehobene Marktsegment. Er habe sich das universelle Ideal zu Eigen gemacht, auf allen Gebieten der Kunst zuhause zu sein. Man erfährt von preisträchtigen Aufträgen aber auch davon, warum er in den 1640 Jahren seine Stellung als herausragender Porträtist der Stadt verlor. Als Grund wird der Generationenwandel genannt. 

Rembrandt Amsterdam, zunächst die Ausweitung der Wirtschaft aber auch die allmähliche Veränderung sind weitere Themen. Der  hochangesehene Maler lebte in den Jahren in Amsterdam, wo die Stadt ihren wirtschaftlichen Zenit erreicht. Man liest von der Explosion der Kreativität in dieser Metropole, die damals zur "Buchhandlung der Welt" wurde. 

Es werden bemerkenswerte Porträts, die Rembrandt gemalt hat, gezeigt und über ihn und den Amsterdamer Kunstmarkt berichtet. Zudem erfährt man Näheres über seine Historienmalerei, seine Landschaftsmalerei, seine Stillleben und seine Genremalerei und kann entsprechende Gemälde bewundern. Auch über seine internationalen Ambitionen wird man informiert und zudem über seine Porträtaufträge außerhalb Amsterdams. 

Weitere Themen sind Zeichnen innerhalb und außerhalb von Rembrandts Atelier und das Geschäft mit der Druckgraphik. So belegen mehrere außergewöhnliche Aspekte des Marktes, dass zeitgenössische Kenner der Druckgrafik eine regelrechte Sammelleidenschaft für Rembrandt entwickelten. Es wurden Höchstpreise gezahlt. 

Der  hochbegabte Künstler selbst soll einer der routiniertesten und kundigsten Grafiksammler seiner Zeit gewesen sein. 

Rembrandt brillierte mit seinem Stil aus Licht und Schatten. Seine Gemälde sind Kunstwerke, die für die Ewigkeit geschaffen sind. Sie stehen über dem Zeitgeist.

Schon jetzt freue ich mich auf die Ausstellung im Städel Museum. 

Den hier vorliegenden Katalog empfehle ich nachdrücklich allen Kunstliebhabern und solchen, die es noch werden wollen. 

Helga König

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Rezension: Joseph Beuys Plakate Posters - Prestel


Anlässlich des 100. Geburtstages des Künstlers Joseph Beuys (12.5.1921-23.1.1986) ist das Verzeichnis der Plakate nun in einer vollständig überarbeiteten Neuauflage erschienen. Hierzu haben die Hamburger Sammler Rene S. Spiegelberger und Claus von der Osten ihre Bestände an Beuys-Plakaten verglichen. Des Weiteren haben sie mittels einer gemeinsamen Recherche und umfangreichen Ankäufen das Verzeichnis um mehr als 80 Katalognummern erweitert. 

Die sehr informative Einführung in das Werk hat Rene S. Spiegelberger verfasst. 

Um sich allerdings einen ersten Überblick über den Künstler Joseph Beuys zu verschaffen, empfehle ich zunächst die zwei Seiten umfassende Kurzbiographie, die in deutscher und englischer Sprache abgedruckt ist- wie alle Texte im Buch übrigens- aufmerksam zu lesen. Hier auch wird wie anderenorts im Buch unterstrichen, dass die herausragende Errungenschaft von Beuys vielschichtigem OEvre in der Synthese von Leben und Werk zu sehen ist. Darin erinnert er  an Goethe und Einstein. 

Beuys war wegweisend für Generationen von Künstlern in Europa und den USA. Er verkörpert bis heute einen Fixpunkt der Gegenwartskunst. Erwähnt wird  u.a. sein Werk  "7000 Eichen", das man als Soziale Plastik zu verstehen hat und das seit 1982 stadtbildprägend auf die documenta-Stadt Kassel wirkt. 

Wie Rene  S. Spiegelberger schreibt, wirkte Beuys in vielerlei Rollen als Zeichner, Bildhauer, auch als Philosoph, Gesellschaftskritiker, Fluxux-Agitator und als Politiker. Ab Ende der 1970er Jahre kandidierte er für die grüne Bewegung bei Europa- und Bundestagswahlkämpfen. Wichtig zu wissen, dass seine fünf documenta-Teilnahmen den Geist dieser Leistungsschau der internationalen Kunst bis heute prägen. 

Für sein Plakatwerk müsse ein besonderer Maßstab gelten. So konstatiert Klaus Staeck, der eine Vielzahl der Poster von Beuys  verlegte, dass alle Blätter auf Beuys Anregung entstanden seien, die geistige Urheberschaft  insofern maßgeblich bei Beuys läge. Dabei verhielt es sich so, dass er für die praktische Umsetzung seiner Ideen Personen aus dem inneren Kreis seiner Anhängerschaft betraute, denn er sah in ihnen kreative Menschen, die die Verpflichtung zur Mitgestaltung hatten. Auf diese Weise bestätige der harmonische Gesamteindruck seines Plakatwerkes den Erfolg der Theorie der Mitgestaltung. 

Beuys hat auch Plakate ohne Bildmotiv auf den Weg gebracht, hier geht es um politische Plakate, zu denen auch Manifestplakate gezählt werden. Man erfährt im Rahmen der Einführung mancherlei Wissenswertes zu einzelnen Werken und kann sich anschließend in ein Gespräch mit Klaus Staeck vertiefen, dessen Zusammenarbeit mit Beuys 1968 begann. 

Es folgen zwei lesenswerte Essays, verfasst von Rene S. Spiegelberger und Siegfried Sander, bevor man sich mit den Plakaten befassen kann. 

Recht bald wird klar, dass Josph Beuys eine Marke war. So auch muss man das Plakat, auf dem er abgelichtet ist, verstehen, auf das er nicht grundlos schrieb "Demokratie ist lustig". Ein hochpolitisches Plakat, eines klugen Intellektuellen, der an dieser Stelle spottet. 

Gefallen haben mir  besonders das Plakat zur Europawahl mit dem Titel "Der Unbesiegbare" und die Plakate mit den beiden Fahrrädern.  Hier zeigt er  sich hellsichtig.

Die Frage, ob Beuys selbstverliebt war, stellt sich mir nicht. Er war Bestandteil seines Gesamtkonzepts von unglaublicher Reflektion, Weitblick, Hellsichtigkeit, modern, offen für alles, kurzum ein Ausnahmemensch.

 Ein wirklich empfehlenswertes Buch. 

Helga König

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Rezension: Giorgio de Chirico- Magische Wirklichkeit- Hirmer


Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Magische Wirklichkeit", die vom 22. Januar bis 25. April 2021 Werke des italienischen Künstlers Giorgio de Chirico (1888-1978) in der Hamburger Kunsthalle präsentiert. Der Maler gilt als Begründer der "Pittura Metafisica" zu einem der wichtigsten Vorläufer des Surrealismus und der Neuen Sachlichkeit.  

Im Zentrum der Ausstellung steht mit der metaphysischen Malerei die bedeutende Werkgruppe, welche Chirico zwischen 1909 und 1919 schuf. Diese Malerei ist angesiedelt zwischen Friedrich Nietzsche und Arthur Rimbaud, zwischen dem griechischen Mythos und der italienischen Stadt. 

Helligkeit, Klarheit und Genauigkeit kennzeichnen Metaphysisches, sprich das, was sich jenseits dessen befindet, was mit menschlichen Sinnen erfahrbar ist. In der "Ruhe und sinnlosen Schönheit der Materie" erscheine die Suche nach Erkenntnis des Übersinnlichen, Wahren, Ewigen, hier stellten sich die letzten großen Fragen des Lebens, so die Ausstellungskuratorin Dr. Annabelle Görgen-Lammers.

Dieser Konzeption und der daraus folgenden wirkungsstarken metaphysischen Malerei Giorgio de Chiricos widmet sich die Hamburger Kunsthalle in ihrer Ausstellung. 

Der Katalog ist untergliedert in drei große Abschnitte: 

Die Anfänge und München 1888-1911 
Paris 1911-1915
Ferrara 1915-1918 

Zahlreiche Ortwechsel bestimmten das Leben und Werk des Künstlers. So schwingen Athen, München, Paris, Turin und Ferrara u.a. in den Kompositionen seiner mit verschiedenen Architekturen und auch Skulpturen bestandenen, sonnigen, nahezu leeren Plätze mit. Diese ikonischen Bilder von Plätzen sind beeindruckend weit, doch zugleich wirken sie durch subtile Abweichungen von der offensichtlichen Perspektivkonstruktion, instabil und versperrt.

Chiricos frühe metaphysische Malerei lässt sich vor dem Hintergrund der Sehnsucht nach einer Identität deuten, die heimatlose Nomaden in Zeiten der Epoche des Nationalismus verspürten. Bilder wie "Die Rückkehr des Dichters“ machen dies deutlich. 

Insgesamt sind über 80 Meisterwerke von de Chirico, Carlo Carrà, Giorgio Morandi, Alberto Magnelli, Alexander Archipenko, Pablo Picasso sowie von Arnold Böcklin und Max Klinger im Buch zu entdecken, die eine Realität jenseits des Scheins sichtbar machen wollten und damit die Grundlagen für eine »andere Moderne« legten. 

Die Werke wirken lange nach in ihrer gedanklichen Tiefe 

Sehr empfehlenswert 

Helga König 

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Rezension: Arnt Der Bilderschneider- Meister der beseelten Skulpturen- Museum Schnütgen- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Arnt-Der Bilderschneider", die vom 25. Juni bis 20 September 2020 im Museum Schnütgen in Köln gezeigt wurde. Präsentiert wurden rund 60 Werke des zwischen circa 1460 und 1491 tätigen Künstlers. 

Ein wesentlicher Bestandteil des Katalogs sind die überwiegend neuen Fotografien der Werke von Meister Arnt. Die Bildpublikationen der Werke in den denkmalpflegerisch von Reinhard Karrenbrock betreuten Kirchen im Bistum Münster, unter ihnen die in Kalkar und Kleve und dort auch im Museum Kurhaus, basieren auf neuen Fotokampagnen des Fotografen Stephan Kube. 

Das Werk enthält zahlreiche, eloquente Textbeiträge unterschiedlicher Autoren. Dabei berichtet Guido de Werd zunächst Wissenswertes über Arnt Beeldesnider, dessen Arbeit vielseitig war. In Holz und Stein hat er gearbeitet, schuf einzelne Heiligenfiguren und Altäre für den Kirchenraum und die Privatandacht. Zudem entwarf und führte er architekturgebundene Großaufträge aus. Arnt leitet eine Werkstatt in Kalkar und eine in Zwolle. 

Heute findet man seine Arbeiten hauptsächlich im ehemaligen Herzogtum Kleve, im geldrischen Oberquartier, speziell in Vinray und Umgebung. Durch den Bildersturm von 1580 ist das Werk in Zwolle und Umland zerstört worden, wobei man wissen muss, dass das Oevre von Arnt Beeldesnider zum Besten gehört, das in den niederländisch-niederrheinischen Gebieten geschaffen worden ist. 

Aus der Werkstatt des Künstlers sind nicht wenige Statuen und Marienfiguren hervorgegangen, die stets aufs Neue im Atelier vorhandene Modelle variieren. Die bedeutendsten Projekte sind drei große Altäre: der Georgsaltar in St. Nicolai, das Dreikönigsrelief in Köln und der Hochaltar in Kalkar. Zudem sind die Arbeiten seiner Werkstatt, ein kleiner Hausalter, heute im Musée de Cluny in Paris hervorzuheben. 

Man erfährt fernerhin von Karen Straub über Arnts Kunst, in Bildern zu erzählen und hier auch über Typen der beseelten Figuren. So werden in den Reliefdarstellungen des Georgsaltars die einzelnen Figuren durch eine variantenreiche, schnitzerisch äußerst feine Ausarbeitung der Gesichtszüge sowie die differenziertere Haltung und Gewandung der Typen charakterisiert. Die Bandbreite, mit der in allen szenischen Reliefs die Figuren durch Kleidung und Gestik differenziert, in ihrer Mimik individualisiert und als verschiedene Charaktere präsentiert werden, soll, so Frau Straub, auf vielen Einzelbeobachtungen beruhen. 

Man wird mit den Materialien und Techniken des Künstlers vertraut gemacht, wird ausgiebig zu dem Relief mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige informiert, liest weiter Wissenswertes zu Arnts Marienbilder und zu den Resten eines verschollenen Altars- die Könige aus einer Wurzel Jesse - aus der ehemaligen Klever Stiftskirche. Dann wird der kleine Hausalter mit den bemalten Flügeln näher beleuchtet, der im Musée de Cluny in Paris steht. 

Auch die Christusbilder Meister Arnts werden thematisiert, nicht zuletzt, weil sie ein besonderer Höhepunkt im Werk des Meisters darstellen. Die gezeigten Werke sind wahrlich beeindruckend auch die Engel als Wappenträger Christi. 

Unmöglich hier alle gezeigten und beschriebenen Werke im Rahmen einer Rezension kurz zu skizzieren. So wurden in der Werkstatt des Arnt Beeldesnider viele Heiligenfiguren geschnitzt, die man auf Fotos im Buch bewundern kann. 

Nicht ausgespart werden zudem die charismatischen Charaktere- männliche Heiligenfiguren aus der Werkstadt des Künstlers, unter diesen eine Büste eines Bischofs, die beinahe portraithaft erscheint.  

Ein wunderbarer Katalog, den man immer wieder gerne zur Hand nimmt, um sich in dieses vielschichtige Werk zu vertiefen. 

 Maximal empfehlenswert Helga König 

Rezension: I´ts not about me- Greg Gorman-te Neues

 © It's Not About Me - Greg Gorman: A Retrospective, 
published by teNeues, € 80
, www.teneues.com, Grace Jones, 1991, Los Angeles, 
Photo © Greg Gorman Photography, 2020.
 www.gormanphotography.com
teNeues schreibt: "Greg Gorman hat in seinem über 50 Jahre währenden Schaffen praktisch jeden fotografiert, der in Hollywood Rang und Namen besitzt – oder auf dem Weg dahin war, ein Star zu werden: Leonardo di Caprio oder Johnny Depp lichtete er zu Beginn ihrer Karriere ab. Er schuf ikonische Plakate für Filme wie Scarface oder Tootsie, außerdem Plattencover für David Bowie oder Magazincover für Andy Wahrhol. Aus allen Bildern spricht die tiefe Verbindung, die Gorman zu den Porträtierten aufbaut und fasst zusammen:

• Über 400 Seiten starke Retrospektive des vielfach ausgezeichneten Starfotografen 
• Meisterhafte Porträts vieler Berühmtheiten aus dem Showbusiness 
• Viele bisher unveröffentlichte Aufnahmen 
• Eine Zeitreise durch die Popkultur, mit Focus auf das Hollywood seit den Siebzigern 
• Essays von Matthias Harder, David Fulton und Greg Gorman 
• Gedruckt auf Papier aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern "

Was kann man lernen, nachdem man ausgiebig das fotografische Können Greg Gormans bewundert hat? 

H´m, vor allem viel über die abgelichteten Persönlichkeiten, insbesondere, wer von ihnen authentisch ist und wer fern von sich, die Rolle einer Diva (m/w) spielt. Man kann das bis dahin gelebte Leben der Abgelichteten erkennen, oft unverblümt. Das ist spannend.

 David Bowie, 1987,
Los Angeles Photo
© Greg Gorman Photography, 2020.
 www.gormanphotography.co
Gleich zu Beginn gibt es diverse Bilder von David Bowie, realisiert zwischen 1984-1987. Auffallend sind die ausdrucksstarken, intelligenten Augen dieses Musikers, der sehr präsent auf all seinen Fotos rüberkommt. Er war echt. Sicher  nicht unproblematisch. Das machte ihn interessant.

Auch aus den frühen 1980er Jahren stammt die Portraitaufname des Balletttänzers Mikhail Baryshnikow, ein Mann mit wunderschönen Augen, die die östliche Seele spiegeln. Man will mehr über ihn wissen und liest  vielleicht seine Biographie auf Wikipedia.

Dann gibt es zwei Fotos von Raquel Welch, 1991 und 1989 aufgenommen. Sie hat einen wunderschönen Körper, ohne Frage, aber ihr Gesichtsausdruck wirkt berechnend, die Augen: ohne Wärme. Sie erinnert an Sophia Loren.

Wirklich gelungen ist die Aufnahme von Dustin Hoffman aus dem Jahre 1984, sehr authentisch, ein gutes Gesicht, offen, dabei ein wenig melancholisch vielleicht. 

 Elizabeth Taylor, 1989,
Los Angeles Photo
© Greg Gorman Photography, 2020
. www.gormanphotography.com
Irgendwann folgen eine Vielzahl von Fotos von Elton John, einem sehr herzlichen, freundlichen Menschen, den man sofort sympathisch findet, selbst, wenn man ihn nicht kennt. Bei kaum einem Menschen in diesem Bildband übrigens ist innere Schönheit in den Gesichtszügen so intensiv wahrnehmbar wie bei ihm. 

Dann irgendwann entdeckt man Fotos von Jane Fonda, einer bildschönen, offenen, intelligenten Frau, die man sofort mag und bei der man spontan versteht, weshalb wahre Schönheit vom Herzen kommt.

Ein ausdrucksstarkes Foto von Shirley Mac Laine aus dem Jahre 2005 zeigt sie als eine Frau, die beinahe einen weisen Gesichtsausdruck erkennen lässt. Sie gehört zu den wenigen, die sich einen Hauch von Jugend selbst im hohen Alter bewahren konnte. Das gelingt nur sehr freien, fairen Menschen.

Ein interessantes Foto von Liz Taylor, konkret ein Spiegelbild in drei Perspektiven, dokumentiert, was Helmut Berger in einem Interview sagte,  nämlich,  dass sie die schönste Frau  gewesen sei, die er jemals gesehen habe. Er kannte  ja bekanntermaßen viele.

Dann irgendwann gelangt man zu Julie Christie, die nach meiner Empfindung zu den schönsten und erotischsten Frauen der Filmwelt zählt. Sehr gut fotografiert von Greg Gormanns. 

 Robert Redford, 1986,
Pacific Palisades, CA Photo
 © Greg Gorman Photography, 2020.
 www.gormanphotography.com
Geradezu märchenhaft ist ein Foto von Michael Jackson, den man hier als indischen Prinzen bewundern kann. Ein großes Kind, mit liebevollen Augen...

Unmöglich alle zu benennen, die hier abgelichtet sind.... Das Foto von Robert Redford stammt aus dem Jahre 1986. Er ist in meinen Augen mit Abstand der interessanteste Mann im Buch. Eine coole Aufnahme, die viel über ihn aussagt! Er ist ein Kopfmensch, der sich Problemen stellt. 

Wen noch erwähnen? Natürlich Armin Müller-Stahl, hier aus dem Jahre 1994. Er gehört zu den Persönlichkeiten, an die man sich noch nach Jahrhunderten erinnert. Tolle Ausstrahlung! 

Wer gerne bemerkenswerte Porträts bewundert, etwas über Aufnahmetechniken erfahren  und Gesichter studieren möchte, findet in diesem Buch alles, was er sucht. 

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension:The Beginning-Albertina modern-Hirmer


Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Eröffnungsausstellung "The Beginning. Kunst in Österreich 1945 bis 1980", die vom 27.5.-8.11.2020 in der ALBERTINA MODERN in Wien gezeigt wird. Dabei bietet "Kunst in Österreich 1945 bis 1980" erstmals einen umfassenden Überblick einer der innovativsten Epochen Österreichischer Kunstgeschichte. 

Mit dieser Ausstellung wird die "Albertina Modern" eröffnet, die Wiens neues Museum für moderne zeitgenössische Kunst verkörpert. 

Die wohl stärkste Motivation für die Künstler (m/w) in dieser für die Gegenwart prägende Epoche war die Aufarbeitung des Ständestaates und des Nationalsozialismus wie auch die Schrecken des 2. Weltkrieges. So haben Ernst Fuchs, Arik Brauer und Anton Lehmden in ihren frühen Arbeiten die Wunden des Krieges und der Bombennächste verarbeitet, während bei Rudolf Haußner die Bewältigung des Kriegstraumas und die zutiefst persönlichen Konflikte eingeflossen sind. 

Die Ausstellung erzählt aber nicht nur die Geschichte der mannigfaltigen Auseinandersetzung mit der NS-Zeit, sondern sie widmet sich vorrangig dem Phänomen der tiefgreifenden Innovation und damit bereits der Expansion des Kunstbegriffs, der Überschreitung, formaler, inhaltlicher und medialer Grenzen von Kunstgattungen, Formvorstellungen und Gestaltungsprinzipien. 

Die Aktionistin VALIE EXPORT und die spätere feministische Avantgarde, von Renate Bertlmann und Friederike Pezold bis Birgit Jürgenssen und Karin Mack, sind es nicht nur leid, sich von Männern repräsentieren und darstellen zu lassen, sondern sie positionieren sich zudem radikal gegen die patriarchale Gesellschaft, die immer noch von den Geschlechterrollen, Zwängen und Tabus des "Austro-Faschismus" und "Dritten Reichs" geprägt ist. 

"The Beginning" widmet  zudem den bedeutenden EinzelgängerInnen Friedensreich Hundertwasser, Arnulf Rainer und Maria Lassnig eigene Räume. Was Skulptur und Objektkunst in diesem Zeitraum leisten, veranschaulichen Hauptwerke von Joannis Avramidis und Rudolf Hoflehner über Wander Bertoni und Roland Goeschl bis Curt Stenvert, Bruno Gironcoli und Cornelius Kolig. 

Wenn mit "The Beginning" bislang unterschätzte Künstlerinnen und Künstler neu bewertet werden und die Nachkriegsavantgarden einen neuen Stellenwert erhalten, so ist ein wesentliches Ziel dieser Ausstellung erreicht worden. 

Ausgangspunkt der Schau sind die Sammlungen der ALBERTINA, die jüngst durch die Akquisition der Sammlung Essl eine entscheidende Erweiterung erfahren haben – ein Meilenstein in der Geschichte des Museums. 

Ein Ausstellungsprojekt dieses Anspruchs und Umfangs mit knapp 400 Objekten ist darüber hinaus auf die Unterstützung vieler LeihgeberInnen angewiesen. Rund die Hälfte der ausgestellten Arbeiten stammt aus zahlreichen Privatsammlungen und internationalen Museen. 

Das Konzept dieser Ausstellung und die Auswahl der gezeigten Kunstwerke – Gemälde Skulpturen, Objekte, Zeichnungen, Videos, Fotografien und Installationen – wurden von einem Ausstellungsteam unter der Leitung von ALBERTINA-Generaldirektor Prof. Dr. Klaus Albrecht Schröder gemeinsam erarbeitet. 

Neben diesem KuratorInnenteam, dem Dr. Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Dr. Elisabeth Dutz, Dr. Berthold Ecker, Dr. Antonia Hoerschelmann und Dr. Angela Stief angehören, haben weitere AutorInnen zum umfangreichen Katalog der Ausstellung beigetragen. 

Das Werk beeindruckt durch eine Fülle von Essays und Exponaten  von 100 Künstlern sowie Künstlerinnen als auch durch eine mehrseitige Chronologie zum Schluss des Werks. 

Unmöglich, im Rahmen der Rezension auf die einzelnen Ausstellungsobjekte näher einzugehen, doch überzeugen Sie sich bitte selbst...

Maximal empfehlenswert.

Helga König



Rezension: en passant- Impressionismus in Skulptur- Prestel


Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "en passant - Impressionismus in der Skulptur“, die noch bis 25.10.2020 im Städel-Museum Frankfurt gezeigt wird. 

Die in der Ausstellung exemplarisch präsentierten Künstler Edgar Degas (1834-1917), Auguste Rodin (1840-1917), Medardo Rosso (1858-1928), Paolo Troubetzkoy (1866-1838) und Rembrandt Bugatti (1884- 1916) divergieren in ihren Zielen und Vorgehensweisen teilweise erheblich. 

Während Degas mit seinen primär kleinformatigen Tänzerinnen und Badenden aus der Motivwelt der Oper und Boudoirs geschöpft und sein plastisches Werk, bis auf eine herausragende Ausnahme im Atelier zurückgehalten habe, so Philipp Demandt, der Direktor des Städel Museums, sei Rodin im Bereich des öffentlichen Porträts und Denkmals neue Wege gegangen, mit denen er die Betrachter herausgefordert habe. 

Rosso ziele mit seinen dem anonymen Großstadtleben "en passant“ entnommenen Figuren mehrheitlich auf eine intimere Betrachtung, während Troubetzkoy in seinen opulenten Bildnissen die vermeintliche Schwere der Materie aufzuheben vermocht habe. Dies sei dadurch möglich gewesen, dass er das Lichtspiel zu seinem eigentlichen Thema gemacht habe.  

Abgerundet werde der Kreis durch die eindrücklichen Tierplastiken Bugattis. Er wurde bereits zu Lebzeiten als impressionistischer Bildhauer bezeichnet. 

Trotz unterschiedlicher Mittel und Wege, waren die Künstler bestrebt, mit ihren Arbeiten das Sehen und Erleben der Bildhauerei zu erneuern. Dies geschah parallel zu den Bemühungen der Malerei des Impressionismus. 

In der Einführung von Alexander Eiling und Eva Mongi-Vollmer kann sich der Leser sehr gut dem komplexen Thema annähern, bevor man sich mittels des Textes von Fabienne Ruppen mit dem Terminus der "impressionistischen Skulptur" intensiver auseinandersetzen kann. 

Es folgen Überlegungen zu August-Louis-Marie Ottin und es wird zudem der Frage nachgegangen, ob Paul Gauguins "La Toilette" das erste impressionistische Relief war. In der Folge dann erfährt man mehr zu den eingangs bereits erwähnten Künstlern und ihren Werken, so beispielsweise zu Degas "Kleiner 14-jährigen Tänzerin", die man auf mehreren Bildern bewundern kann. Bewundern kann man auch weitere Skulpturen Degas. Es handelt sich unter anderen um solche, in klassischen Tänzerinnenposen auf der Bühne, auch um solche in unbeobachteten Momenten, jedoch auch um Pferde und Jockeys. 

In meiner Aufzählung zu Anfang nannte ich auch Auguste Rodin. Über ihn und sein bildhauerisches Werk gibt es viel zu lesen. So werden "Die Bürger von Calais" nicht ausgespart, auch seine "Eva" nicht und viele andere Werke, die ich bislang nicht kannte. 

Spannend zu lesen sind einige Essays, nicht zuletzt Nina Schallenbergs "Luft und Licht, Zur Inszenierung impressionistischer Skulpturen" aber auch die geschickt eingebundenen Zitate, die als Wegweiser dienen. 

Stellvertretend für alle möchte ich hier nachstehendes wiedergeben:

"Ein Stück Impressionismus steckt auch in jeder Plastik" (Julius Meier-Graefe, 1915) 

Das Buch macht neugierig auf die Ausstellung, die ich ganz gewiss besuchen werde. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Carl Spitzweg- Kunst Museum Winterthur-Hirmer



Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Carl Spitzweg", die vom 29.2. – 2.8.2020 im Kunst Museum in Winterthur/Schweiz gezeigt wird. Das Vorwort hat der Mitherausgeber des Werks Konrad Bitterli verfasst. Für ihn ist Spitzweg der Meister der Auslassungen. 

Carl Spitzweg widmete sich kleinen, vertrauten Dingen. Dabei vereine, so Bitterli, speziell Spitzwegs Werk "Der Maler im Garten" wesentliche Eigenschaften dessen Schaffens, so etwa seine Vorliebe für idyllische Stimmungen, speziell das Festhalten einer feinen Lichtstimmung, die die Szenerie durchwirke und die üppige Vegetation luftig umspiele. 

Ein weiteres Charakteristikum sei das Moment der unbeobachteten Beobachtung. 

Der Künstler stünde dem Biedermeier entschieden näher als der Romantik, liest man weiter, denn Spitzweg habe keine keine Aufbrüche gewagt, in seinen Gemälden sei die Welt noch in Ordnung gewesen. Bitterli erwähnt in diesem Zusammenhang Spitzwegs französischen Zeitgenossen Honoré Daumier (1808-1879), der sich grundlegend anders der Realität gestellt hat. Obschon Spitzweg in seinen Werken die noch heile Welt zeige, sei er dennoch ein wacher Beobachter des Zeitgeschehens gewesen. Dies dokumentierten Beiträge in der Wochenzeitschrift "Fliegende Blätter", für die er ab den 1840er Jahren Illustrationen schuf. 

Spitzweg war als Apotheker finanziell übrigens unabhängig und entsprach insofern nicht dem Klischee des armen Poeten. Er bereiste halb Europa und lernte die Metropolen verschiedener Länder kennen. Über diese Reisen informiert David Grube in seinem Essay "Sehnsucht und Lust zu reisen. Spitzwegs Reisen durch Europa". Neben diesem aufschlussreichen Essay warten noch drei weitere Essays anderer Autoren auf die interessierten Leser und bringen ihnen den Künstler und seine Werke näher. In der Chronologie zum Schluss dann kann man sich die biografischen Daten des Malers vergegenwärtigen. 

Rund 70 seiner Werke sind im vorliegenden Buch zu bewundern, unter diesen  die allseits  bekannten Bilder "Der Bücherwurm", "Der Kakteenfreund", "Der Naturforscher" und "Der arme Poet". 

Alle Bilder erzählen Geschichten, auch "Das Zölibat" ("Rosendufterinnerung") und "Der Alchemist mit Buch in der linken Hand". Sehr inspirierend und nicht ohne Ironie 

Maximal empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension: Fantastische Frauen - Surreale Welten von Meret Oppenheim bis Frida Kahlo-Hirmer



Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Fantastische Frauen- Surreale Welten von #Merit_Oppenheimer bis #Frida_Kahlo", die bis vom 13. FEBRUAR 2020 – 24. MAI 2020  in der #SCHIRN in Frankfurt gezeigt wird. 

Es handelt sich bei der Präsentation um eine große Themenausstellung, die den weiblichen Beitrag zum #Surrealismus fokussiert. Dabei konzentriert sich "#Fantastische_Frauen" bewusst auf die Künstlerinnen, die noch nicht direkt mit der klassischen surrealistischen Bewegung verbunden sind oder mit der Leitfigur #Breton persönlich bekannt waren und die mit der Gruppe ausstellten. 

Von nahezu allen wird eine repräsentative Auswahl ihrer Arbeiten gezeigt, denn viele der Künstlerinnen sind einem größeren Publikum nicht bekannt. Vieles von dem, was sich bei den männlichen Surrealisten beobachten lässt, trifft auch auf die Werke der Surrealistinnen zu, so etwa #Mythen, #Unbewusstes, #Traum, #Zufall, #Metamorphose, #literarische-Quellen, #Assamblage, #Materialexperimente, #inszenierte_Fotos, auch #medienübergreifende_Fotos. 

Unterschiede sind allerdings bei der Darstellung des eigenen Körpers erkennbar: Ironie und spielerische Umkehr der Perspektive machen die weibliche Interpretation aus. 

Die Ausstellung vereint die bislang getrennt (oder noch überhaupt nicht öffentlich) gezeigten Werke von 36 bekannten aber auch unbekannten internationalen Künstlerinnen mit rund 260 Arbeiten. 

Aufgrund eines Netzwerkes und Freundschaften in Europa, den USA und Mexiko lassen sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede festmachen. Neben vielen eloquenten Essays unterschiedlicher Autoren warten neben dem Bildwerk die Biografien der Künstlerinnen darauf, gelesen zu werden.

Dabei sind neben berühmten Frauen wie #Louise_Bourgeois, #Frida_Kahlo oder  #Meret_Oppenheim zahlreiche unbekannte, aufregende Persönlichkeiten wie #Alice_Rahon oder #Kay_Sage aus mehr als drei Jahrzehnten surrealistischer Kunst zu entdecken. 

Einige der Künstlerinnen, so etwa #Oppenheim, #Carrington und #Tanning haben sich bis ins hohe Alter geweigert als Surrealistinnen klassifiziert zu werden und ihre Werke in Ausstellungen nur mit Frauen zu präsentieren. Ihr Absicht war es, individuell wahrgenommen werden, d.h. unabhängig, ohne solche Begrenzungen. 

Über Meret Oppenheim und die Utopie von #Androgynität schreibt Heike Eipeldauer in ihren Essay mit dem Titel "Große Kunst ist immer männlich-weiblich." So habe Meret Oppenheims freier Geist, ihre gelebte Nonkonformität neben ihrer Rebellion im Hinblick auf geschlechtsspezifisches Rollenverhalten auch ihre Offenheit und Toleranz gegenüber jeglicher sexueller Orientierung beinhaltet. Als direkte Konsequenz ihrer Vorstellung einer Androgynität des Geistes lehnte die Künstlerin die feministische Inanspruchnahme ihres Werkes als "weibliche" Kunst als auch die Beteiligung an ausschließlich Künstlerinnen gewidmeten Ausstellungen und Publikationen ab. Sie wollte nicht gettoisiert werden. Nach Meret Oppenheim spricht aus einem bedeutenden Werk stets der ganze Mensch und dieser ist männlich und weiblich zugleich. Eine Vielzahl toller Werke  dieser Künstlerin kann man im Buch bewundern, um sich anschließend mit im Rahmen eines Essays und anhand von Bildern mit den Fotografinnen im Surrealismus zu befassen, sich anschließend immer weiter in die Bilderwelten zu vertiefen und durch die dann folgenden Essays mehr über die Künstlerinnen und ihr Schaffen zu erfahren. 

Auch über die Bildhauerin #Louise_Bourgeois erfährt man Wissenswertes, die ihre Arbeiten als "emotionale Abstraktion" bezeichnet hat. Dabei begriff sie ihre Skulpturen als Monumente für die verheerende Wirkung der Emotionen, die man durchstehen muss. 

 Ein wunderbares Buch, das ich gerne weiterempfehle. 

 Helga König

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