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Rezension: Glanzstücke-Staatliche Schlösser und Gärten Hessen, Hirmer


Ich kann mich nur vage an meinen Besuch des Elfenbeinmuseums in Erbach erinnern. Damals war ich 12 Jahre alt. Die "Erbacher Rose" allerdings blieb mir im Gedächtnis, weniger wegen der Form (eine Rose ist eine Rose...!) als des poetischen Namens wegen. Umso neugieriger war ich nun auf das vorliegende Buch, um Näheres über das Museum, dessen Geschichte und die Exponate dort zu erfahren. 

Vorab: Den Grundstein dafür, dass Erbach im Odenwald eng mit der Elfenbeinkunst verbunden ist, hat vor rund 200 Jahren Graf Franz I. zu Erbach-Erbach gelegt. 

Nach einem Vorwort von Kirsten Worms, Direktorin der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen und einem Grußwort von Dr. Peter Traub, Bürgermeister von Erbach kann man sich in einem sehr informativen Essay von Marie Christin Lieberum mit der Wortherkunft und Beschaffung von Elfenbein, dessen Nutzung und Bearbeitung, darüber hinaus über dessen Verwendung und Bedeutung sowie schließlich auch über dessen zwingend notwendigen Artenschutz befassen. 

Schon in der Steinzeit vor etwa 40.000 Jahren wurden aus den Stoßzähnen gejagter Mammuts kleine Skulpturen gefertigt. In der Antike dann sei Elfenbein Ausdruck von Status und Macht gewesen und sei primär in höfischen und religiösen Zusammenhängen zum Einsatz gekommen. Wie Elfenbein dann in den folgenden Epochen verwendet wurde, wird sehr gut vermittelt. Vor allem wird über die Maßnahmen des Artenschutzes ausführlich informiert und hier auch über das Artenschutzabkommen "CITIS", das von 180 Ländern 1989 unterzeichnet wurde. Dieses Abkommen beinhaltet u.a. ein globales Handelsverbot für Elfenbein. Nur Musikinstrumente und Antiquitäten, die vor 1947 entstanden sind, dürfen allerdings weiterhin für die Erweiterung von musealen Sammlungen gehandelt werden. Wir sehen, der Mensch ist gottlob in der Lage, dazuzulernen.

In dem dann folgenden Essay von Edda Behringer-Rosswinkel erfährt man Wissenswertes zur Geschichte des Deutschen Elfenbeinmuseums Schloss Erbach und daran anschließend seitens Marie –Christin Lieberum ebenso Wissenswertes über Graf Franz I. zu Erbach-Erbach, der dilettierender Graf und Begründer des Erbacher Elfenbeinmuseums war. Man lernt Elfenbeinarbeiten des Grafen auf Fotos kennen, so etwa gedrechselte Schnupftabakdosen und erkennt sogleich, dass er sein Hobby sehr ernst nahm. 

Ein guter Beitrag von Edda Behringer-Rosswinkel "Zur Geschichte des Deutschen Elfenbeinmuseums Schloss Erbach", die zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann, ist bebildert und zeigt auch das Gebäude der 1892 gegründeten Großherzoglichen Fachschule für Elenbeinschnitzerei und verwandte Gewerbe zu Erbach und auch die dortige Lehrwerkstatt mit Lehrern und aufmerksamen Schülern. 

Ein Kapitel im Buch befasst sich mit Graf Franz I. zu Erbach. Erbach, dem Begründer des Elfenbeinhandwerks in Erbach und seinen diesbezüglichen Arbeiten. Hier auch liest man, dass das Elfenbeindrechseln einst als "Statusignal" diente und zur Anerkennung im adeligen Umfeld.

Wirtschaftlich brachte das Handwerk auch etwas ein. Dazu mehr von Marie-Christine Lieberum im Essay "Aufschwung des Elfenbeinhandwerks- die Erbacher Rose und andere edle Schmuckstücke". Man liest Näheres zu dem Rosenzüchter Friedrich Hartmann und seiner glücklichen Idee eine Rose in Elfenbein nachzubilden. Das trug zu einer wirtschaftlichen Glanzperiode zwischen 1874-84 bei. Abbildungen dieser Rose lassen erahnen, warum die Damenwelt dieses Schmuckstück hypten. Heute würde man die Rose wohl "Eyechatcher" bezeichnen.  

Weiter erfährt man Interessantes zur Figurenschnitzerei der Jahrhundertwende und hier zu den Elfenbeinwerken von Otto Lenz. Wunderschön sind dessen Jugendstilfiguren wie etwa "Die große Badende" oder "Tanzende Elfen", zu denen man  im Text mehr erfährt. Weiterhin werden ausführlich  die Elfenbeinarbeiten des Art déco von Ferdinand Preiss und Ludwig Walter thematisiert und auch die Auseinandersetzung mit dem Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit im Hinblick auf Elfenbeinarbeiten durch Oswald Ammersbach und Emil Strauch. 

Zur Sprache kommen fernerhin Tierdarstellungen in Elfenbein und neue Wege in der Elfenbeinkunst durch Wilhelm Wegel und Jan Holsschuh im 20. Jahrhundert. Mit all diesen Informationen versorgt, kann man sich schließlich mit den Werken aus Elfenbein von Karl Schmidt-Rottluff befassen. Er zählt zu den wichtigsten Vertretern des Expressionismus und hat mit anderen namhaften Künstlern die Künstlervereinigung "Brücke" in Dresden gegründet. Seine Werke kann man auf Fotos bestaunen. Im Essay von Edda Behringer –Rosswinkel wird man ausgiebig über den Künstler und seine Elfenbeinkunstschaffen in Kenntnis gesetzt. 

Der Katalog endet mit einem mehrseitigen Werksverzeichnis und einer umfangreichen Bibliografie. 

Wer nach all den Informationen es verabsäumt, das Elfenbeinmuseum in Erbach aufzusuchen, ist zu bedauern, denn  das Werk "Glanzstücke" ist eine Einladung erster Güte. 


 Helga König

Rezension: Das Rheinsberger Gartenreich –Sehnsuchtsort in alten und neuen Bildern-Hirmer


Dieser Bildband befasst sich mit dem Gartenreich von Schloss Rheinsberg. Prinz Heinrich von Preußen, der Schöpfer dieses Paradieses, wurde vor 300 Jahren geboren. Grund genug, sich mit seinem Werk zu befassen. 

Der Reiz des Buches bestehe in der Konfrontation des historischen Ortes mit Heute schreibt Dr. Detel Fuchs, Vorsitzender des Kunst und Kulturvereins Rheinsberg e. V. . Das kann ich anhand der Bilder nur bestätigen.

38 Ansichten des späten 18. Jahrhunderts von Schloss Rheinsberg und dem großen umgebenden Park lernt man u.a. kennen, aber auch wunderschöne Fotografien von Leo Seidel und kann sich zunächst in einen Essay von Claudia Sommer vertiefen, der den Titel "Das Gartenreich in Bildern- Rheinsberg und das Morino-Projekt" trägt. Hier erfährt man, wer Johann Morino war und welche Rolle er bei diesem preußischen Projekt spielte. 

Katrin Schröder schreibt in dem dann folgenden Essay "Entdeckung einer Landschaft", Wissenswertes zur Entstehung des "Rheinsberger Gartenreichs", dem dann die "Rheinsberger Ansichtsserie" folgt, ein Mix aus alten und neuen Bildern, die sehr gut textlich erläutert sind. 

Spannend fand ich u.a. die Texte "Ansicht von Rousseaus Monument zu Rheinberg" und "Vue l‘ Eremitage de Rousseau à Rheinsberg". Hier erfährt man, dass Prinz Heinrich sich mit den Werken besagten Philosophen befasst hat. Es wird vermutet, dass der Bruder Friedrichs II. von Preußen die zivilisationskritische, resignative Grundhaltung Rousseaus teilte, der der Gesellschaft eine fortschreitende Naturentfremdung attestierte und im Naturhaften, das Unverbildete Vollkommene zu erkennen meinte. 

Das bildliche Motiv des zunächst provisorischen Grabes Rousseaus mit einer bekrönenden Urne auf der Pappelinsel im Garten von Ermenonville habe sich durch eine vielfach reproduzierte Radierung in ganz Europa verbreitet und zu Nachschöpfungen geführt, so auch wohl in Rheinsberg. 

Die Bilder der Insel Remus, inmitten der großen Rheinsberger Sees machen übrigens sehr neugierig. Auch dazu Wissenswertes zu lesen, bringt den Lesern das Geburtstagskind und seinen Traum im Rousseau`schen Sinne näher. Die Fotos von Leo Seidel tun ihr Übriges dazu.

Nicht zu vergessen, ein Karte vom Anwesen ganz Beginn und ein Foto von Schloss..., alles zusammen verzaubert und führt in eine Welt, in der der Geist Rousseaus noch immer lebt. 

Helga König

Rezension: Mongolei- Eine Reise durch die Zeit-Museum Rietberg -Hirmer


Das ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Mongolei- Eine Reise durch die Zeit", die vom 24.Okt.25 bis 22.Feb.26 im Museum Rietberg in Zürich gezeigt wird. 

Die Grußworte dazu haben Annette Bhagwati, die Direktorin des Museums und Prof. Sampildondov Chuluun, Direktor des Chinggis Khaan National Museums verfasst. 

Wie man hier bereits erfährt, eröffnen die Ausstellung und der Katalog einen vielschichtigen Blick auf eine Welt, die von einem Zusammenspiel nomadischer und städtischer Lebensweisen geprägt sei und bis in die Gegenwart hineinwirke. Speziell die jüngere Generation setze sich mit der Frage der Identität und Zugehörigkeit zwischen Mobilität und Sesshaftigkeit, zwischen überlieferten Traditionen und einem kosmopolitischen Alltag auseinander. Dies werde von den Künstlerinnen und Künstlern dokumentiert. 

In der Einleitung von Johannes Beltz und Alexandra von Przychowski erfährt man, dass der Katalog Antworten auf die widersprüchlichen Klischees über die Mongolei, die näher beschrieben werden, geben möchte. Präsentiert werde die Geschichte großer Steppenimperien. Dabei beginnt das Buch mit den ältesten Städtesiedlungen im Orchon-Tal und findet sein Ende im Jetzt. 

Alexandra von Przychowski nimmt die Leser in einem Textbeitrag mit auf eine Reise durch die Landschaft der Mongolei, die sich durch extreme Bedingungen auszeichnet. Trotz dieser Tatsache sei sie seit mindestens 5000 Jahren besiedelt. Zur Sprache gebracht werden zunächst das erste Steppenreich: Xiongnu und dortige archäologischer Funde, die Reiche des Kök-Türken und der Uiguren, das Grab Sharoon Bumbagar, - hier geht es um die farbenfrohen Tonfiguren (man kann sie auf Fotos bestaunen) und detailreichen Wandmalereien- , dann um die Geschichte von Karabalgasun, der Metropole im Orchon-Tal und die Entdeckung eines Brunnens dort. Faszinierend sind die Bilder des Brunnens, die die Grabungsleitung bei ihrer Arbeit am untersten Teil des Brunnens zeigen. 

Interessant auch sind die eingebundenen Textbeiträge, so etwa über den Fund eines Bügeleisens in Karabalgasum, das darauf hinweist, dass in dieser Stadt Seidenstoffe verarbeitet wurden. Es folgt ein umfangreicher Beitrag über "Dschingis Khan, das mongolische Weltreich und die Nachfolgereiche." Hier geht es um die Zeit zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert. Die Mongolei-Expertin Karenina Kollmar-Paulenz schenkt dem Leser einen sehr guten Überblick über die Geschichte dieses riesigen Reiches, dessen Ausmaß man konkret erfährt. 

Man liest Wissenswertes über diesen Herrscher und wie er bereits in jungen Jahren seine Armee organisierte. Bei seinen Anführern zählte für ihn nur Loyalität und persönliche Leistung. Die Eroberung von Bejing stellte in der Geschichte des Reiches einen Wendepunkt dar. In der Folge war es die prinzipielle Aufgeschlossenheit Fremden und dem Unbekannten gegenüber die den Aufbau des Weltreichs ermöglichte. Sie sei es auch gewesen, die den Grundstein legte für eine frühe Globalisierungsbewegung der Geschichte. Eine interessante Info!

Wie es dann weiterging, entnimmt man dem hochspannenden Beitrag, von dem ich hier nicht zu viel verraten möchte. Vielleicht das noch: In der Kriegsführung gingen die Mongolen grausam vor, um so Angst und Schrecken zu verbreiten und weitere Städte dazu zu bewegen, sich widerstandslos zu ergeben. Auf diese Weise minderte Dschingis Khan seine Verluste. Seine Eroberungspolitik legitimierte er mit der Gunst des Himmels. Das Übliche: die Vorsehung.

Nach seinem Tod setzen seine Söhne die Expansionspolitik fort, doch über all das erfährt man im Buch mehr. Eindrucksvoll auch sind die Bilder, so etwa von mongolischen Kriegern beim Kampf, die sich im Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin befinden. 

Immer wieder erwarten den Leser bemerkenswerte Textportäts von Künstlern aber auch lehrreiche Texte wie etwa zur Vielfalt der Sprachen und Schriften, über die Pferde der Mongolen und deren gefürchtete Krieger. Sie waren, so liest man die ersten, die Schießpulver einsetzten. Erfunden wurde es um 1100 in China. Einen Textbeitrag über starke Frauen von damals und heute gibt es auch. In der heutigen Mongolei sind übrigens über 70% der Hochschulstudierenden weiblich. 

In den dann noch folgenden Beiträgen erfährt man u.a. Wissenswertes über Luxuskeramik in aus China, über das Handwerk in Karakorum, über die Stoffe der Mongolen, über Ulaanbaatar, die heutige Hauptstadt, die einst religiöses Zentrum war, fernerhin  kann  man sich in zahlreiche Künstlerporträts vertiefen und sich in einem sehr guten Text mit zeitgenössischer Kunst in der Mongolei befassen.

Alles in allem ein überaus informativer Katalog mit hervorragenden visuellen Darstellungen.

Maximal empfehlenswert,

Helga König

Überall im Buchhandel erhältlich,