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Rezension: Mongolei- Eine Reise durch die Zeit-Museum Rietberg -Hirmer


Das ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Mongolei- Eine Reise durch die Zeit", die vom 24.Okt.25 bis 22.Feb.26 im Museum Rietberg in Zürich gezeigt wird. 

Die Grußworte dazu haben Annette Bhagwati, die Direktorin des Museums und Prof. Sampildondov Chuluun, Direktor des Chinggis Khaan National Museums verfasst. 

Wie man hier bereits erfährt, eröffnen die Ausstellung und der Katalog einen vielschichtigen Blick auf eine Welt, die von einem Zusammenspiel nomadischer und städtischer Lebensweisen geprägt sei und bis in die Gegenwart hineinwirke. Speziell die jüngere Generation setze sich mit der Frage der Identität und Zugehörigkeit zwischen Mobilität und Sesshaftigkeit, zwischen überlieferten Traditionen und einem kosmopolitischen Alltag auseinander. Dies werde von den Künstlerinnen und Künstlern dokumentiert. 

In der Einleitung von Johannes Beltz und Alexandra von Przychowski erfährt man, dass der Katalog Antworten auf die widersprüchlichen Klischees über die Mongolei, die näher beschrieben werden, geben möchte. Präsentiert werde die Geschichte großer Steppenimperien. Dabei beginnt das Buch mit den ältesten Städtesiedlungen im Orchon-Tal und findet sein Ende im Jetzt. 

Alexandra von Przychowski nimmt die Leser in einem Textbeitrag mit auf eine Reise durch die Landschaft der Mongolei, die sich durch extreme Bedingungen auszeichnet. Trotz dieser Tatsache sei sie seit mindestens 5000 Jahren besiedelt. Zur Sprache gebracht werden zunächst das erste Steppenreich: Xiongnu und dortige archäologischer Funde, die Reiche des Kök-Türken und der Uiguren, das Grab Sharoon Bumbagar, - hier geht es um die farbenfrohen Tonfiguren (man kann sie auf Fotos bestaunen) und detailreichen Wandmalereien- , dann um die Geschichte von Karabalgasun, der Metropole im Orchon-Tal und die Entdeckung eines Brunnens dort. Faszinierend sind die Bilder des Brunnens, die die Grabungsleitung bei ihrer Arbeit am untersten Teil des Brunnens zeigen. 

Interessant auch sind die eingebundenen Textbeiträge, so etwa über den Fund eines Bügeleisens in Karabalgasum, das darauf hinweist, dass in dieser Stadt Seidenstoffe verarbeitet wurden. Es folgt ein umfangreicher Beitrag über "Dschingis Khan, das mongolische Weltreich und die Nachfolgereiche." Hier geht es um die Zeit zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert. Die Mongolei-Expertin Karenina Kollmar-Paulenz schenkt dem Leser einen sehr guten Überblick über die Geschichte dieses riesigen Reiches, dessen Ausmaß man konkret erfährt. 

Man liest Wissenswertes über diesen Herrscher und wie er bereits in jungen Jahren seine Armee organisierte. Bei seinen Anführern zählte für ihn nur Loyalität und persönliche Leistung. Die Eroberung von Bejing stellte in der Geschichte des Reiches einen Wendepunkt dar. In der Folge war es die prinzipielle Aufgeschlossenheit Fremden und dem Unbekannten gegenüber die den Aufbau des Weltreichs ermöglichte. Sie sei es auch gewesen, die den Grundstein legte für eine frühe Globalisierungsbewegung der Geschichte. Eine interessante Info!

Wie es dann weiterging, entnimmt man dem hochspannenden Beitrag, von dem ich hier nicht zu viel verraten möchte. Vielleicht das noch: In der Kriegsführung gingen die Mongolen grausam vor, um so Angst und Schrecken zu verbreiten und weitere Städte dazu zu bewegen, sich widerstandslos zu ergeben. Auf diese Weise minderte Dschingis Khan seine Verluste. Seine Eroberungspolitik legitimierte er mit der Gunst des Himmels. Das Übliche: die Vorsehung.

Nach seinem Tod setzen seine Söhne die Expansionspolitik fort, doch über all das erfährt man im Buch mehr. Eindrucksvoll auch sind die Bilder, so etwa von mongolischen Kriegern beim Kampf, die sich im Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin befinden. 

Immer wieder erwarten den Leser bemerkenswerte Textportäts von Künstlern aber auch lehrreiche Texte wie etwa zur Vielfalt der Sprachen und Schriften, über die Pferde der Mongolen und deren gefürchtete Krieger. Sie waren, so liest man die ersten, die Schießpulver einsetzten. Erfunden wurde es um 1100 in China. Einen Textbeitrag über starke Frauen von damals und heute gibt es auch. In der heutigen Mongolei sind übrigens über 70% der Hochschulstudierenden weiblich. 

In den dann noch folgenden Beiträgen erfährt man u.a. Wissenswertes über Luxuskeramik in aus China, über das Handwerk in Karakorum, über die Stoffe der Mongolen, über Ulaanbaatar, die heutige Hauptstadt, die einst religiöses Zentrum war, fernerhin  kann  man sich in zahlreiche Künstlerporträts vertiefen und sich in einem sehr guten Text mit zeitgenössischer Kunst in der Mongolei befassen.

Alles in allem ein überaus informativer Katalog mit hervorragenden visuellen Darstellungen.

Maximal empfehlenswert,

Helga König

Überall im Buchhandel erhältlich,

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