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Rezension: #Rainer_Maria_Rilke: "Im ersten Augenblick"- Bildbetrachtungen – Insel-Bücherei Nr. 1407

Dieses nicht nur für Rilke-Freunde spannend zu lesende Buch enthält eine Vielzahl bemerkenswerter Bildbetrachtungen des Dichters und es werden auch stets die besprochenen Werke visualisiert. Dabei handelt es sich keineswegs nur um Gemälde, sondern auch um Wandteppiche. 

Wie man dem Nachwort von Rainer Stamm entnehmen kann, hat sich Rainer Maria Rilke (1875-1926) beinahe von Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit an für Kunstwerke interessiert und sich auch dazu artikuliert. Er besuchte  als Student sogar Vorlesungen in Kunstgeschichte, berichtete später in verschiedenen Medien über Ausstellungen und schrieb Kunstkritiken, die ihm als jungen Dichter als Broterwerb dienten. Zudem aber hat er sich in einer Reihe von privaten Aufzeichnungen über Kunst geäußert. 

Die für die vorliegende Publikation ausgewählten Bildbeschreibungen entstanden zwischen 1900 und 1915. Dabei ging es Rilke zu diesem Zeitpunkt um die Hinwendung zum Sehen an sich. Das bewusste Betrachten war für ihn damals die Grundbedingung für eine neu erreichte Präzision seiner Sprache geworden. Bei seinen Bildbeschreibungen will er nicht nur kunsthistorischen Wissens kommunizieren, sondern zudem die Seherlebnisse in das sachliche Sagen von Sprache übersetzen. 

Rilke befasste sich mit den Künstlern der Künstlerkolonie Worpswede als er sich dort im Spätsommer 1909 aufhielt. Hier notierte er "Mir ist, ich lerne jetzt erst Bilder schauen". Mit Hilfe der jungen Malerin Paula Becker und deren Freundin Carla Westhoff, die er kurz darauf heiratete,     traute er sich zunehmend das Gesehene in sachliche Sprache umzusetzen. 

Rilke reiste nach Paris, um seine Schule des Sehens zu optimieren. Mit dieser Reise und dem Auftrag, für die von dem Breslauer Kunsthistoriker Richard Muth herausgegebenen Reihe "Die Kunst" eine Monographie über Rodin zu schreiben, fand Rilke die Chance der Anwendung seiner neu erworbenen Fähigkeit der Anschauung, die mit Rodins handwerklichem Werksbegriff korrespondierte. Paris wurde zu seiner entscheidenden Sehschule. Hier sah er die für ihn wichtigsten Kunstwerke, hier reiften seine Augen, das zu sehen, was er dann in Sprache subtil wiedergab. 

Anstatt kunsthistorisches Wissen zu sammeln, vertiefte sich Rilke in die Anschauung von "Kunst-Dingen". d. h. er sah und staunte. Er wollte Kunst nicht mehr interpretieren und auch kein Sprachkunstwerk der Kunst entgegensetzen, sondern vielmehr wollte er  sie nicht wertend betrachten und sie sich   anschließend beschreibend aneignen.

Die Abbildungen im Buch werden teilweise erstmals seinen Texten  gegenübergestellt und sollen Rilkes Seharbeit nachvollziehbar machen. Dieses Ansinnen ist gelungen. 

An Lou Andreas –Salomé schreibt er, Leonardo da Vincis "Das Abendmahl" betrachtend: "Mailand: das Abendmahl, über alle Maßen herrlich, Malerei, nur antiken Wandbildern nah, allem anderen unvergleichlich; fast vergangen, fast nur erzählt von eines Unsichtbaren tiefbewegter Stimme, und doch unsagbar da, Gegenwart und im Innersten nicht zerstörbar.“ (S.30). 

Nicht alle Bildbeschreibungen fallen so kurz aus, allen gemeinsam ist jedoch die Poesie die Text und Bild jeweils verbindet. Rilkes Art Bilder zu betrachten, überzeugt mich.

Ein schönes Buch, das ich gerne weiterempfehle.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zum  Inselverlag und können das Buch bestellen. http://www.suhrkamp.de/buecher/im_ersten_augenblick_-rainer_maria_rilke_19407.html. Sie können es aber auch direkt beim Buchhändler um die Ecke ordern

Rezension. KünstlerBilder- Inszenierung und Tradition im 19. Jahrhundert - Prestel

Das ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die vom 26.2. 2015 bis zum 8.6. 2015 in der neuen Pinakothek in München gezeigt wird. Es geht dabei um Künstlerbilder aus dem 19. Jahrhundert aus den Beständen der Neuen Pinakothek.

In besagter Zeit wurden die Aufgaben des Künstlers vielgestaltiger und gegensätzlicher. Dabei reichen die verfügbaren Rollenbilder vom Hofkünstler herkömmlicher Prägung über den erfolgreichen Malerfürsten bis zum Außenseiter, der seine Künstlerexistenz als Gegenentwurf zu etablierten bürgerlichen Ordnung begreift.

Die Ausstellung und der Katalog verdeutlichen die Auseinandersetzung mit der Tradition, die Fortführung und Weiterentwicklung von Traditionslinien für das Verständnis und die Wahrnehmung des Künstlers in der Gesellschaft über das 19. Jahrhundert hinweg.

Die Schwerpunkte der Ausstellung sind vier Kapiteln zugeordnet:

Künstlerbilder als Politikum in München 
Traditionsbezug und Zeitgenossenschaft 
Künstlerklischees 
Der Neue Künstler und sein Atelier 

Im 1. Kapitel geht es um die spezielle Situation Münchens mit der prägenden Figur Ludwig I. Hier lernt man Porträts zeitgenössischer Künstler kennen, die Ludwig in Auftrag gab, aber auch solche historischer Künstler, die als Leitbild der ludovizanischen Kunstpolitik öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt wurden. Im 2. Kapitel dann wird Tradition und der Künstler als Zeitgenosse  der bürgerlichen Gesellschaft betrachtet, Künstlerklischees sind beispielsweise die Darstellung von Frühbegabungen im Adel, was die Kunst anbelangt, und schließlich im  vierten Kapitel  dann erlebt man die neuen Bildwelten der antiakademischen Avantgarde der Realisten und Impressionisten. 

Alte und neue Werke werden in Beziehung gesetzt. Werksabbildungen und ausführliche Erläuterungen verdeutlichen die Schönheit der Ausstellung. Gefreut habe ich mich besonders über das Porträt Angelika Kaufmanns und die Erklärungen hierzu. Schön auch sind die Atelierszenen unterschiedlicher Maler auch die Porträts, nicht zuletzt von Franz von Lenbach und das idyllische Motiv "In der Sommerfrische" von Fritz von Ude, 

Inszenierungen und Tradition, ein Ergebnis von Angst? Eine Frage, die mich  beschäftigt, seit ich gestern irgendwo gelesen habe, dass die Angst ursächlich auch  in dieser Hinsicht sei.

Für möglich halte ich das schon. 

Empfehlenswert.


Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Prestelverlag und können das Buch bestellen.http://www.randomhouse.de/Buch/KuenstlerBilder-Inszenierung-und-Tradition-im-19-Jahrhundert/Andreas-Plackinger/e481450.rhd?mid=4. Sie können es jedoch auch direkt beim  Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: #Paul_Gauguin- Fondation Beyeler- Hatje Cantz

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung  "Paul Gauguin", die von 8. Februar bis 28. Juni in der Fondation Beyeler in Basel gezeigt wird. Das vorliegende Buch enthält 160 Abbildungen und dazu Texte von Martin Schwander, Raphael Bouvier, Anna Szech, Alastair Wright, Lukas Gloor sowie Isabelle und Gloria Gromm und beginnt mit dem neugierig machenden Satz im Vorwort: "Paul Gauguin zog aus, um die Kunst von Konventionen zu befreien und durchgreifend zu erneuern."

Der Künstler bezweckte eine von der Zivilisation unverbrauchte, ursprüngliche und authentische Kunst zu schaffen. Dabei ließ er sich von ländlichen und exotischen Landschaften der Bretagne und Polynesiens inspirieren und von Menschen dort, die vom modernen Leben unberührt waren. In seiner Suche nach einem Paradies auf Erden, entdeckte er neue Gebiete in seiner Kunst und übertrug sie in eine innovative Bildsprache. In seinem einzigartigen Bildkosmos hat er zu einer neuen Freiheit der Farbe gefunden und näherte sich in seiner Formensprache und Kompositionsweise bereits der Abstraktion. 

Wie man erfährt, gehörten die visionären Bilder Gauguins alsbald zu den Ikonen der Moderne. Martin Schwander bietet dem Leser mit seinem Essay "Paul Gauguin, der große untröstliche Magier" eine Einführung in die Werke des Künstlers, der mit seinen Südseebildern als Maler einer paradiesischen Welt in die Kunstgeschichte eingegangen ist. Man erfährt von seinen Texten, mittels denen er ein Fundament zum Verständnis seiner Kunst legen wollte und sich zudem einen Anspruch auf intellektuelle und künstlerische Führerschaft in Pariser Avantgardezirkeln zu sichern beabsichtigte. 

In der Kunst dokumentiert Gauguins Selbstverständnis in dem Anspruch, Singuläres in unterschiedlichen Techniken hervorzubringen. Dabei gilt seine gleichzeitige Arbeit als Maler, Keramiker, Reliefschnitzer und Bildhauer als essentiell für die Loslösung von erstarrten Konventionen und für die Grenzüberschreitung im Hinblick auf ein Gesamtkunstwerk. 

Man erfährt Wissenswertes über sein Schaffen in der Bretagne, wo er erstmals ungehindert als "Wilder" und "Primitiver" leben konnte und liest auch von den Leitmotiven seiner Südseebilder, die das kulturelle und religiöse Leben der Maori waren. 

Raphael Bouvier schreibt in dem dann folgenden Essay über Paul Gauguins Vermächtnis in der modernen und zeitgenössischen Kunst und zitiert ihn dazu eingangs "Wichtig ist, was heute geschieht und wer beim Aufbruch der Kunst ins 20. Jahrhundert vorangeht." 

Aufgeklärt wird man über Naturmystik und Primitivismus. Offenbar war es der frühe Kontakt mit Gauguins Kunst, der den Grundstein für den Primitivismus in Picassos Kunst legte. Es führt zu weit, an dieser Stelle auf all das, was man textlich entgegen gebracht bekommt, näher einzugehen, aber es ist spannend, die Entwicklung des Künstlers nachzuvollziehen, über seine Zeit in der Bretagne (1886-1891) zu lesen und sich dann in die Bilderwelt zu vertiefen, der zum Teil Zitate Gauguins beigegeben sind. 

Auch sein Aufenthalt in Tahiti (1891-1893) kommt zur Sprache und man kann sich in die dort entstandenen Werke vertiefen, die das Paradies erahnen lassen, das man im Nirgendwo vermutet, obschon es auf der Leinwand festgehalten ist. 

Mit Paris und Tahiti (1893-1901)  geht es dann weiter. Es werden Gemälde und Skulpturen gezeigt und immer wieder die Exotik der Frauen auf Tahiti, ein Traum, der scheinbar unvergänglich ist. 

Gauguin lebte nicht nur auf Tahiti, sondern später auch auf den Marquesainseln (1901-1903). Die Bilder, die dort entstanden sind, lernt man auch kennen. Es sind melancholische Werke von poetischer Leuchtkraft und sanften Farbtönen. 

Die Essays im Buch beleuchten viele Facetten in Gauguins Schaffen, um diese aber vollkommen einordnen zu können, empfiehlt es ich im Vorfeld, die umfangreiche Chronologie seines Lebens zu studieren, die den Katalog zum Schluss harmonisch abrundend. 

Die abgebildeten Werke sind ein Traum. Sie verzaubern den Betrachter. 

Empfehlenswert.

Helga König
Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu Hatje und Cantz und können das Buch bestellen http://www.hatjecantz.de/paul-gauguin-6400-0.html. Sie können es  aber auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke bestellen.

Rezension: #William_Blake- Die Zeichnungen zu #Dantes Göttlicher Komödie - Taschen

Dieser Prachtband mit 102 Illustrationen zu Dantes epischer Dichtung, beginnt mit einem Aufsatz von Maria Antonietta Terzoli mit dem Titel "Das Jenseits bei Dante zwischen antikem Mythos und christlicher Theologie". Hier erfährt man zunächst Wissenswertes über das Leben des Dichters Dante Alighieri (1265-1321), der zu Beginn des Buches sogleich abgebildet ist.

Im Gegensatz zu anderen berühmten italienischen Dichtern sind von Dante keine Originalhandschriften erhalten. Dadurch gilt die Datierung seines Hauptwerkes "Divina Commedia" als umstritten. Zu dieser "Göttlichen Komödie" habe ich vor einiger Zeit bereits eine Rezension verfasst. Durch Terzoli Hintergründe zu dem beeindruckenden Werk zu erfahren, ist für mich auch deshalb spannend. Dabei sollte man wissen, dass das Adjektiv "göttlich" nicht von Dante, sondern von Boccaccio stammte, der damit das Werk überschwänglich loben wollte.

Dante selbst nannte sein Poem einfach  "Comedia". Terzoli skizziert auf wenigen Seiten den Inhalt des berühmten Werkes und es werden begleitend Bilder gezeigt mit Darstellungen aus der "Göttlichen Komödie", so etwa Fresken in der Sixtinischen Kapelle.

Die "Divina Commedia" soll wie kein anderes Werk prädestiniert gewesen sein, einen visionären Geist wie William Blake tief zu beeindrucken. Als Gründe hierfür werden genannt: ihre politischen und moralischen Ansprüche, die allegorischen und symbolische Dimension und die Anschaulichkeit der Dante`schen Vorstellungswelt.

Sebastian Schütze informiert in seinem darauf folgenden Beitrag über "Zwei Meister des 'visibile parlare'  Dante und Blake".

Diesen Text untergliedert er in fünf Abschnitte:
Dante und die Bilder
Blake als Prophet der Moderne
Die Dante-Zeichnungen
Nähe und Distanz
Refigurationen und Archetypen

Kaum ein neuzeitlicher Text wurde so oft illustriert wie die "Divina Commedia". Es ist die Kraft der sprachlichen Bilder und die konkrete Bezugnahme auf Werke der bildenden Kunst, die Künstler in besonderem Maße herausfordern, die "Divina" in reale Bilder zu übersetzen.

William Blake (1757- 1827) war ein sozialrevolutionärer Utopist, esoterischer Mystiker und visionärer Prophet. Als Dichter und Grafiker zählte er zu den großen Figuren der englischen Kunst um 1800. Blake war von einer Gruppe junger Künstler umgeben, die ihn als Propheten einer neuen Kunst verehrten. Man erfährt wie es dazu kam, dass er sich mit Zeichnungen und Gemälden der "Divina Commedia" so intensiv befasste.

Wie andere Künstler auch, war er speziell von Dantes Inferno und den dort geschilderten Höllenqualen fasziniert. Blake hat Dante sehr bewundert, aber sich von dessen politischen und theologischen Vorstellungen sowie von dessen Antikenverehrung radikal distanziert.

Für den Briten stellte der menschliche Körper den wesentlichen Ausdrucksträger der Kunst dar. Es geht ihm dabei nicht um individuelle Charaktere, sondern um allgemeingültige Typen, um die "ewigen Prinzipien oder Eigenschaften menschlichen Lebens".

Um die Bilder von Blake würdigen zu können, muss man sich bewusst machen, dass die Übersetzung eines dichterischen Textes in Bilder einen komplexen Prozess von Aneignung und Umdeutung voraussetzt und dazu zwingt, über Grenzen und Möglichkeiten der eigenen Kunst zu reflektieren und diese in der kritische Auseinandersetzung mit der anderen Kunst zu erweitern.

Blake hat es mit seiner Doppelbegabung als Dichter und bildender Künstler geschafft, den Deutungs- und Bedeutungshorizont der Divina Commedia neu zu vermessen.

Im Katalog mit den 102 Illustrationen zu Dantes epischer Dichtung, die von Bleistiftskizzen bis hin zu fertigen Aquarellen reichen, erläutert Sebastian Schütze die einzelnen Bilder sehr genau. Zudem sind mit den Bildern korrespondierende Textstellen in lateinischer und deutscher Sprache abgedruckt.

Es macht Freude, sich immer wieder in einen neuen Text und das dazugehörige Werk zu vertiefen und sich bewusst zu machen, wie intensiv Dante und Blake miteinander verschmolzen sind durch diese grandiosen Arbeiten. Dabei visualisieren die 14 Klapptafeln selbst kleinste Details.

Die Begegnung von zwei der größten Künstler aller Zeiten ist wahrlich überwältigend und wird in den universellen Themen Liebe, Schuld, Sühne, Rache und Erlösung tatsächlich  für den Betrachter sichtbar.

Der Inhalt dieses Buches ist Poesie in ihrer reinsten Form. Beeindruckend.

Sehr zu empfehlen.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum TASCHEN-Verlag und können das Buch dort bestellen:http://www.taschen.com/pages/de/catalogue/art/all/01144/facts.william_blake_die_zeichnungen_zu_dantes_goettlicher_komoedie.htm. Sie können es jedoch auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: #Mario_Testino- #IN_YOUR_FACE- Taschen

Dieser Bildband enthält Werke des Fotografen Mario Testino. Es handelt sich um den Katalog zur Ausstellung, die vom 20.1. 2015- 26.7. 2015 seitens der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin in den Ausstellungshallen am Kulturforum gezeigt wird. 

Wie Jennifer Allen in ihrem  Begleittext schreibt,  handelt es sich bei den 122 Fotografien um die Arbeit von beinahe zwei Jahrzehnten. Dabei sind satte Farben ebenso häufig zu sehen wie körniges Schwarz-Weiß, kühle Porträts neben heißer Erotik und Paparazzi-Schnappschüssen. 

Bei allem kreativen Überschwang spielt für diesen Fotografen offenbar Zerstörung eine große Rolle, denn seine Arbeiten entstehen zwischen den Extremen von Schöpfung und Zerstörung- der Überwindung von Perfektion durch Einmaligkeit. 

Es führt zu weit an dieser Stelle die gesamte Philosophie des Fotografen auszubreiten. Diese kann man in deutscher Sprache in einem Begleitheft zum Buch nachlesen. Hier auch erfährt man viel über die Art wie dieser Fotograf arbeitet. 

Was gibt es zu sehen? 

Wunderbare Fotos, so etwa von Stella Tennant, die in einem Rokokokleid für die Vogue fotografiert wurde, begeistern den Betrachter. Eine ähnliche Robe trägt übrigens Madame Pompadour auf einem Gemälde von Boucher. Dieses Foto will nicht zu den anderen passen, speziell sträubt es sich bei den erotischen Aufnahmen, obschon Patrica Schmidt, spärlich bekleidet, mit einem Strohhalm Chanel Nr.5 schlürfend von ihrer Frisur her im Rokokozeitalter gewiss Verehrer gefunden hätte.

Ein zauberhaft romantisches Foto -für die Vogue realisiert- zeigt Natalia Vodianova und Justin Portman. Alles wirkt wie aus einer anderen Zeit, die Kleidung, das Himmelbett, das Geschirr, doch irgendwann nimmt man hellrosa Turnschuhe wahr und begreift: das ist nicht  eine Szene aus dem Gestern, sondern ein romantischer Traum im Jetzt. 

Zeit löst sich auf, wir werden zum Spielball der Mode. 

Es ist unmöglich, auf all die Bilder näher einzugehen. Besonders gut gefällt mir ein doppelseitiges Foto von Mick Jagger& Keith Richards, so fröhlich und innig können nur langjährige gute Freunde miteinander lachen. 

Ein Foto von Brad Pitt macht mir klar, weshalb sein schönes Gesicht letztlich nicht weiblich ausschaut. Es ist seine etwas schmalere und dabei leicht festere Oberlippe, die ihm ein männliches Aussehen verleiht. 

Auch ein nackter Mann aus dem Jahre 1993 ist zu sehen. Es ist Mickey Hardt, der einen schönen Körper hatte, den man sich gerne anschaut, vielleicht weil er keine Spuren der Vergänglichkeit aufweist. Der Mensch liebt das Makellose, weil  es diese  stets nur für Momente gibt, sie also etwas Besonderes ist.

Schön sind die meisten Bilder in diesem Buch. Am meisten überzeugen mich die Bilder von Kate Moss. In ihr spiegelt sich der Zeitgeist am intensivesten, weil die Schöne durch ihren Habitus, das Schöne immerfort in Frage stellt. Das lässt ihr Gesicht zur lebenden Geschichte werden.

Empfehlenswert.

Helga König

Anbei der Link zum TASCHEN-Verlag. Dort können Sie das Buch bestellen.http://www.taschen.com/pages/de/catalogue/home/index.startseite.htm

Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: Spirit of Place- Aurélien Villette - teNeues

Dieser beeindruckende Bildband enthält Werke von Aurélien Villette. Die Bilder des weitgereisten Fotografen spiegeln seinen Blick auf unsere Gesellschaft und die Veränderungen wieder, die durch architektonische Konstrukte entstanden sind. Dabei hinterfragt er den Sinn sowie den historisch-kulturellen Wert von Gebäuden.

Das Vorwort zum Buch hat Harold Hinsinger geschrieben. Es ist in englischer, deutscher und französischer Sprache abgedruckt. Er schreibt und dem stimme ich zu, dass die Aufnahmen von Aurélien Villette wie eine Herausforderung des Kulturerbes sowie dessen Institutionalisierung, zumindest in der jüngsten Geschichte wirken.

Die insgesamt 110 Bilder dieses Buches werden in sechs Serien präsentiert und zwar in:
Dogma
Topophilia
Reminiszenz
Matierismus
Struktur und Strukturlosigkeit

Die "Serie Dogma" zeigt öffentliche und sakrale Bauten in Italien, auf dem Balkan und im ehemaligen Sowjetblock. Die Räume sind ungeheuer morbid und schreien danach restauriert zu werden. Alte Kircheninnenräume, vermutlich irgendwo im Osten,  bezeugen den  Atheismus in den kommunistischen Staaten und den mangelnden Sinn für die christliche Kultur der Vergangenheit.

Eine gotische, völlig zerstörte Kirche ruft ganz laut nach Wiederaufbau, auch die Innenräume eines alten Theaters tun dies. Nicht nachvollziehbar ist für mich, wie man solch prachtvolle, architektonische Gebäude auf diese Weise verkommen lassen kann, offenbar nur aus dummen, eindeutig ideologischen Gründen.

Die Serie "Topophilia" zeigt alte italienische Villen im Zustand von Ruinen als Symbol des Scheiterns von Mensch und Architektur. Diese schönen, aber leider sehr desolaten Wandmalereien zu betrachten ist schmerzhaft, denn all dies hätte es verdient, erhalten zu bleiben. Man sieht noch das Können und die Arbeit, die auf all dies einst verwandt worden ist, was nun zerbröselt. Hier hat die Generationenfolge versagt. Das tut sie stets dann, wenn Egoisten in einer Familie  nicht vernünftig übertragen können.

In der Serie „Reminiszens“ scheinen Menschen  die abgelichteten  Orte soeben erst verlassen zu haben. Natürlich fragt man nach den Gründen. Man sieht unter anderem eine zerstörte Bibliothek. Es wirkt wie nach einem Bombeneinschlag, alles unverständlich und einfach nur furchtbar. 

Sie "Serie Matierismus" steht für die Erhabenheit der Technik, die die Natur zugleich zerstört und rühmt. Hier werden Treppenaufgänge gezeigt. Treppen haben in Häusern oft am längsten Bestand. Jeder weiß dies, der alte Schlossruinen besichtigt hat. Treppen erzählen vom Kommen und Gehen. Sie machen begreifbar, dass alles fließt.

Es folgen dann noch Bilder der "Serie Struktur und Strukturlosigkeit", die alte Festungsanlagen etc zum Thema haben. Wie schön, dass die Natur hier klar zum Ausdruck bringt, dass sie am Ende alles überdauert und alles begrünt. 

Alle Fotos sind beeindruckend aber zugleich auch beklemmend, weil sie die Vergänglichkeit  allen Seins abbilden.  Die Spirit der Orte erzählt von Hochmut und Demut und verdeutlicht, dass Demut der Schlüssel  für  Nachhaltigkeit ist.

Ein beeindruckender Bildband von dem man erhofft, dass er nicht ein Nachher, sondern ein Vorher verkörpert und Menschen sich bemüßigt sehen, all das Desolate zu sanieren und wieder im alten Glanz erleuchten zu lassen.

Empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu te Neues und können das Buch bestellen. http://www.teneues.com/shop-int/spirit-of-place.html. Sie können es jedoch auch direkt bei ihrem Buchhändler vor Ort ordern.

Rezension: Das Meer- Hommage à Jan Hoet- Hatje Cantz

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Das Meer", die vom 23.10.2014 bis zum 19.4. 2015 in Ostende gezeigt wird. Ursprünglicher Kurator war der vor kurzem verstorbene Ausstellungsmacher Jan Hoet (1936- 2014). Er konnte die Ausstellung in Ostende leider nicht mehr vollenden. 

Zahlreiche Künstler haben als Hommage an ihn neue Arbeiten geschaffen oder vorgestellt, andere wiederum haben mit Phillip van der Bosche, dem jetzigen Kurator über die Auswahl eines oder mehrerer Werke nachgedacht. 

Gezeigt werden nun gemeinsam mit der historischen Auswahl von Kunstwerken  Arbeiten von über 125 Künstlern. Dabei findet die Präsentation der Kunst in unterschiedlichen Ausstellungsgebäuden Ostendes statt. 

Die Werke ergießen sich gewissermaßen "wie eine Universität der Wellen und als Hommage an Jan Hoet über Ostende". 

Das Buch enthält neben dem Katalogteil einige bemerkenswerte Essays, die sowohl in Englisch als auch in Deutsch abgedruckt worden . Dabei handelt es sich um:

"Schaum auf Leinwand. Marcel Broodthaers und die Reise übers Meer"- Frank Maes 
"Der Schreckenswelt der Kunst entflohen. Einige Worte über meine Zusammenarbeit mit Panamarenko"-Hans Theys
 "Courbet, Die Welle und der Horizont"- Céline Flècheux 
"Von Ebbe und Flut- Eine Auswahl aus De Zee"- Melanie Deboutte 

Wie Melanie Deboutte schreibt, verbindet das Meer ein uferloses Gewirr von Legenden, Mythen und anderen rätselhaften Geschichten miteinander, die immer wieder neue Verwunderung, aber zeitgleich auch die Angst der Menschen beim Anblick dieser endlosen, gigantischen Wassermassen dokumentieren. Wie die Künstler  das Meer in ihren Werken  wirken lassen,  fasziniert natürlich sehr. 

Außer Bildender Kunst werden in der Ausstellung auch Fotografie, Videokunst und Installationen sowie Computerspiele gezeigt.  Der Katalog vermittelt  sehr gut eine Vorstellung von dem, was es  in Ostende zu sehen gibt.

Es führt zu weit, hier die Werke im Buch zu benennen, die, obschon sie sich alle mit dem gleichen Thema befassen, unterschiedlicher nicht sein können.  Lassen Sie sich überraschen!

Ein gelungene Kunstbuch, das ich gerne weiterempfehle.

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Verlag Hatje und Cantz und können das Buch dort bestellen: http://www.hatjecantz.de/das-meer-6410-0.html. Sie können es aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler vor Ort ordern.


Rezension: Art Arktis- Dietmar Baum& Tini Papamichalis - te Neues

Dieser Prachtband zeigt eine imposante Bilderwelt des Künstlerehepaars Dietmar Baum und Tini Papamichalis, die sie in der Antarktis realisiert haben. 

Mit ART ARKTIS möchten die beiden zum behutsamen Umgang mit der Umwelt ermahnen. Dabei haben sie künstlerische Ausdrucksformen gewählt. Schocktherapie liegt nicht in ihrer Absicht, stattdessen möchten sie mit ihren Werken tiefe Emotionen wecken und die Liebe zur Natur fördern. Wie das Künstlerpaar anmerkt und man sich im Buch auch ausgiebig überzeugen kann, zeigt ART ARKTIS eine Reihe von Fine Art Fotografien, die die Vielfalt und Zerbrechlichkeit dieser faszinierenden unberührten Welt mithilfe der aktuellen Hasselbad-Kameratechnik eingefangen haben. 

Mit bloßem Auge hat man nicht die Chance, all das, was im Buch gezeigt wird,  im ewigen Eis erblicken zu können. Dabei hinterfragen  die Fotografien Wahrnehmungsgewohnheiten, d.h. es ist nicht sofort klar, ob man es mit Fotografie, Malerei oder Computeranimation zu tun hat. 

Die Antarktis offenbart sich als der kälteste, stürmischste, einsamste und trockenste Kontinent der Erde. Das Eis dort ist weit mehr als 200 000 Jahre alt. Aufgebaut hat es sich schichtweise und darunter befindet sich in Ostantarktia eine große Landmasse, wohingegen sich der Felsenuntergrund des westantarktischen Eisschildes bis zu 2500 m unter dem Meeresspiegel zeigt. 

Die Bilderwelt, die sich im Buch offenbart, ist von seltener Schönheit. Blau- und Weißtöne sorgen bereits optisch dafür, die Kälte zu erahnen, der man in dieser Region ausgesetzt ist. Man erfährt seitens Prof. Dr. Korth Näheres zur Geologie der Antarktis, um sich anschließend erneut dieser surrealen Welt, und damit auch dem Wohnort von Pinguinen auszusetzen. Man wird alsdann seitens Benno Lüth über Wale und Delphine aufgeklärt und kann sich wunderschöner Tier-Fotos erfreuen. 

Robben lernt man kennen und erfährt Wissenswertes über Pinguine. Sie haben sich schon vor über 45 Millionen Jahre auf der Südhalbkugel entwickelt. Die Bilder, die diese Lebewesen zeigen, sind einfach wundervoll und beweisen die innige Tierliebe des Künstlerpaars. 

Es führt zu weit,  an dieser Stelle Bildbeschreibungen vorzunehmen, obgleich jedes Bild es verdient hätte, sich inhaltlich damit auseinanderzusetzen. Das gilt auch für die Bilder, die die Umweltverschmutzung  thematisieren und auf ihre Weise wachrütteln. 

Alles in allem ein schönes und dabei informatives Buch mit Bildern, die Sehnsucht wecken, nach einem Ort dessen Ewigkeit leider nicht mehr unfraglich ist.

Empfehlenswert.

Helga König

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Rezension: #Velázquez- Das vollständige Werk- Odile Delenda- #Taschen-Verlag

Dieser Prachtband aus dem Taschen-Verlag ist das aktualisierte Standardwerk, das das gesamte Schaffen  von Diego Rodríguez de Silva y Velàlazquez (1599- 1660) vereint und in diesem Zusammenhang auch Neuaufnahmen von kürzlich erst restaurierten Gemälden zeigt. 

Die Autoren des Buches, das in einem es gut schützenden Karton geliefert wird, sind José López Rey (1905- 1991) und Odile Delenda. López Rey war am renommierten  "Institute of Fine Arts"  in New York Professor und Forscher. Er ist Autor von über 100 wissenschaftlichen Publikationen und zehn Büchern über die spanische Malerei. Durch seine Publikationen zu Velázquez erlangte er weltweit den Ruf als Experte. 

Odile Delenda war bis 2007 als Professorin im Louvre tätig. Sie arbeitet seit 1990 zudem für das Wildenstein Institute in Paris und widmet sich dort den Forschungen zur spanischen Kunst des Goldenen Zeitalters. 

Das vorliegende Buch beginnt mit einem Vorwort von Guy Wildenstein, dessen Institute gemeinsam mit dem Taschen-Verlag für ausgesuchte Detailabbildungen und Neuaufnahmen von jetzt erst restaurierten Gemälden Velázquez  für den  vorliegenden Kunstband sorgte. 

Es folgen daraufhin Einleitungen zu den Ausgaben von 1979, 1981 und 1996 von José López-Rey und Odile Delenda. Hier erfährt man, dass die Autoren mittels der Publikation zwei Ziele umsetzen wollten. Zum einen lag die Absicht darin, eine Interpretation des Künstlers #Velázquez inklusive seiner historischen Persönlichkeit zu liefern, aber auch einen nach den jüngsten Erkenntnissen zusammengestellten Katalog seines Gesamtwerkes vorzulegen. 

#Odile_Delenda hat im März 2014 das Vorwort verfasst, in dem sie sich auch zu Neuzuschreibungen äußert. Zunächst informiert sie über den Werkkatalog von #José_ López_Rey, um dann die neuen Ausgaben von Taschen und dem Wildenstein Institute zu reflektieren. Dabei erschien es den Herausgebern notwendig für die hier vorliegende Ausgabe, die bibliographischen Angaben, abgesehen von erheblichen Ergänzungen, für die Zeit nach 1980, auch um die Angaben zu den Werken zu vervollständigen, die in den Ausstellungen der letzten Jahre gezeigt wurden. 

In Vergleich zu den früheren Ausgaben ist ein formaler Unterschied festzuhalten und zwar in den Illustrationen und der Präsentation der Gemälde nach großen Kapiteln, die den verschiedenen Etappen in der Karriere des Malers in der Zeit von Philipp IV. entsprechen. 

Aufgeklärt wird man über neue wissenschaftliche Beiträge und auch neue Gemälde und Einzelheiten zum Werk, bevor man sich in Abbildungen von Neuzuschreibungen vertiefen kann. Es folgen daran anschießend Textbeiträge und Werksabbildungen, untergliedert in: 
I. Velázquez in Sevilla (1599-1622) 
II. Madrid und der Hof. Die entscheidenden Jahre (1622-1628) 
III. Die Begegnung mit Rubens. Der erste Italienaufenthalt 
IV. Rückkehr nach Madrid und der Salón del Buen Retiro (1631-1635) 
V. Die Torre de la Parada. Zwerge und Narren (1636-1645) 
VI. Porträts. Die Hauptthemen (1638- 1648)
VII. Der zweite Italienaufenthalt (1648-1651) 
VIII. Die letzten Werke. Das Atelier (1651-1660) 

Diesen Kapiteln sind kluge Sentenzen unterschiedlicher Autoren vorangestellt. Im Rahmen der acht Textbeiträge erfährt man alles über das Leben und Schaffen des Künstlers, einem Sonntagskind, das am 6. Juni 1599 das Licht der Welt erblickte und der als einer der wohl bedeutendsten Barockmaler gilt. Er schuf Farb- und Lichterscheinungen, die in seiner Zeit als neu galten und erst später von Impressionisten wie Édouard Manet wieder aufgegriffen wurden. 

Man wird über seine Familie und seinen Namen in Kenntnis gesetzt, liest Wissenswertes zu seiner Erziehung und Ausbildung und hier auch von seinem Lehrer Francisco Pacheco, bei dem er 1617 seine Meisterprüfung ablegte und bis zur Aufnahme in die Malerkorporation blieb. Unterrichtet wird man von seinen ersten Erfolgen und auch darüber, dass er in jungen Jahren seine Werke nur höchst selten datierte und signierte. 

Ab 1620 bildete er in einer eigenen Werkstatt bereits Lehrlinge aus. Es führt zu weit, auf die Bildbeschreibungen im Buch näher einzugehen. Diese aber zu lesen, macht das Können des spanischen Künstlers erst wirklich bewusst und verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass Kunst kommuniziert wird, um auf diese Weise mehr als nur Empfindungen auszulösen. 

Man liest von dem ersten Aufenthalt  des Malers bei Hofe im Jahre 1622. Dort entstand das erste Porträt König Philipps, der ihn in seinen Dienst berief. Ab 1624 ließ sich Velazquez in Madrid nieder. Man erhält aufgrund der Porträtabbildungen aus jener Zeit einen Eindruck von den Fähigkeiten dieses begnadeten Porträtmalers, um sich dann mit seiner ersten Italienreise (1629-1631) zu befassen. Dort wurde er in Rom zum Mitglied der Accademia di S. Luca ernannt. 

Zurückgekehrt nach Madrid nahm er Veränderungen am Bildgegenstand vor. Man liest über einzelne Hofporträts, mythologische Darstellungen, Bilder religiösen Inhalts etc und erfährt Näheres zum großen Saal des Buen Retiro. Für diesen Saal war das Reiterporträt Philipps IV. bestimmt, über das man im Buch umfassend aufgeklärt wird. 

Man liest  des Weiteren über Velázquez als Maler des Sieges, dokumentiert in dem Gemälde "Übergabe von Breda", das ebenfalls für den großen Saal Buen Retiro bestimmt war. Dieses Bild ist großformatig zu betrachten, weil es aufgeklappt werden kann. Auffallend ist die versöhnliche Geste der Protagonisten, die die Klugheit des Malers dokumentiert. 

Eines der Gemäldeabbildungen im Buch, die mich am meisten beeindruckt, ist sein "Christus am Kreuz", das er 1632 schuf, also mitten in der Zeit, als in Europa der Dreißigjährige Krieg wütete. Man wird mit vielen Reiterbildern in der Folge konfrontiert. Hier fasziniert speziell "Isabella von Bourbon zu Pferde" in ihrem schönen Gewand in dezenten Farbtönen auf einem edlen Schimmel. 

Über Zwerge und Hofnarren liest man, weil der Künstler auch diese für die Ewigkeit festhielt. Nicht selten imitierten die Narren berühmte Persönlichkeiten und trugen speziell angefertigte Kostüme. 

Das Hauptthema  von Velázquez aber waren Porträts. Diesbezüglich wird man umfassend informiert und hat die Chance sich in Bilder zu vertiefen, die von seltener Ausdruckskraft sind. Eines der Bilder habe ich in Dresden im Original bereits bewundern dürfen, abgebildet ist der "Ritter von Santiago", dessen Blick tiefes Bewusstsein nicht verbirgt. 

Auch der zweite Italienaufenthalt kommt zur Sprache und die letzten Werke des Künstlers, darunter das letzte Porträt der Königin und Bilder von der königlichen Familie. 

Die Werke, die im Buch zu sehen sind, werden im Anschluss im Katalog präzise erläutert. Hier auch erfährt man stets die Zeit, wann die einzelnen Werke entstanden sind, ebenso wer sie zur Zeit besitzt. Auch Angaben zu Größe und Technik werden bereitgestellt. 

Das Buch ist eine große Kostbarkeit, das in keiner Kunstbuchsammlung fehlen darf. 

Ich empfehle es sehr gerne, denn es ist einfach wundervoll.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum  Verlag und können das Buch bestellen: http://www.taschen.com/pages/de/search/result.1.htm?show_all=catalogue&search_string=%22vel%C3%A1zquez.+complete+works%22. Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler  um die Ecke beziehen.

Rezension: #Hasselblad Masters VOL. 4 Evolve - teNeues

Hasselblad produziert seit mehr als fünf Jahrzehnten hoch-wertige Fototechnologie und finanziert den angesehenen Masters-Wettbewerb der Foto-grafie, mit dem etablierte Spitzen-fotografen und herausragende New-comer gewürdigt werden. 

Die ständig fort-schreitende Mission von Hasselblad besteht darin, die besten Kameras der Welt zu entwickeln. In diesem Sammelband stellen 12Top-Fotografen ihre Bilder zu dem Thema "Evolve" vor. 

Die Preisträger wurden aus fast 4000 Bewerbern ausgewählt und bekamen die Chance, ihre Ideen mit erstklassigem Hasselblad-Equipment umzusetzen. Nicht nur eine 24-köpfige Fachjury konnte über die Gewinner abstimmen, auch die Öffentlichkeit war aufgerufen, online ihre Lieblingsbilder auszuzeichnen. 

Zu den Auswahlkriterien zählen neben erkennbarer Ambition, Ideenreichtum sowie fotografisch-technischen Fähigkeiten auch das Talent, Emotionen abzubilden. Zusätzlich zu den bewährten Kategorien wie Architektur, Fashion und Porträt wurde nun erstmals Unterwasserfotografie in den Wettbewerb einbezogen1) 

Ian Rawcliffe hat das Vorwort verfasst, das in mehrere Sprachen übersetzt worden ist. 

Gezeigt werden Werke von Rafal Maleszyk, Roman Jehanno, Hengki Koentjoro, Dmitry Ageev, Bryn Griffiths, Paul Gisbrecht, Chris Straley, Joreph Goh Meng Huat, Rafael Rojas, über die man auf den letzten Seiten des Buches Näheres erfährt und zwar in englischer Sprache. 

Besonders beeindruckt haben mich die Werke des Portugiesen António Pedrosa. Er fängt die Stille in der Natur eindrucksvoll in seine Bilder ein und hinterlässt mystisch anmutende Impressionen.

Sehr empfehlenswert.

Helga König
1) vgl.: teNeues Website

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum teNeues -Verlag und können das Buch bestellen. http://www.teneues.com/shop-de/buecher/neue-produkte/hasselblad-masters-vol-4.html.
Sie können es aber auch bei ihrem Buchhändler vor Ort ordern.