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Rezension: Artist of the Year; Victor Man

Mit Victor Man wurde als  fünfter „Künstler des Jahres“ seitens der Deutschen Bank gekürt.

Die Deutsche Bank beobachtet und fördert die sich wandelnde globale Kunstszene und fördert  insbesondere die Künstler, die durch Kreativität und Mut zu Neuem ihr Publikum und damit auch die Deutsche Bank in Ihrem Tun inspirieren.

Wie Stefan Krause, Mitglied des Vorstands und Vorsitzender des Global Art Advisory Council der Deutschen Bank schreibt, ist die Kunstsammlung dort der Gegenwart verpflichtet und  dies gilt auch für die Auszeichnung "Künstler des Jahres"  

Das Werk Victor Mans wird von 21.3. bis zum 22.6. 2014  in Berlin in der Kunsthalle der Deutschen Bank gezeigt. Der Künstler greift Themen und Techniken der Kunstgeschichte auf. Dabei erscheint er zugleich gegenwärtig und visionär.

Friedhelm Hütte (Global Head of Art, Deutsche Bank AG) schreibt eingangs "Zur Ausstellung" Wissenswertes, bevor man sich in die Werke vertiefen kann. So erfährt man, dass Mans OEvre zu dem eigenwilligsten der jüngeren Gegenwartskunst zählt. Hütte beschreibt die Werke als dunkel, kleinformatig und geradezu intim. Das  sehe ich auch so.

Die Ausstellung "Zephir" wird später in weiteren internationalen Institutionen gezeigt. Neben den beeindruckenden Werken finden sich im Katalog einige sehr gute Essays unterschiedlicher Autoren, die das Werk erhellen, die Werksliste, Informationen zu den Autoren und früheren Künstlern des Jahres. Zudem erfährt man, welche Möglichkeiten sich für den Künstler durch die Auszeichnung ergeben.

Die Werke des Rumänen Victor Man beeindrucken sehr. Den Katalog empfehle ich gerne.

 

Rezension: Ich schenk dir die Farben des Windes: Kunst, Gedichte und Geschichten für Kinder und Erwachsene (Gebundene Ausgabe)

"Wenn du mir deine/Zeit enträtselst/ Ich will dafür dir/die Farben/ des Windes geben,/ der unsere Körper vertauscht im Vorübergehen." (Rolf Dieter Brinkmann).

Dieses schöne Buch von Christine Knödler aus dem Prestel-Verlag enthält Kunst, Gedichte und Geschichten für Kinder und Erwachsene.

Ich schätze den Mix aus poetischen und anderen Texten sowie ausgewählten Kunstwerken, mit denen sich junge und ältere Menschen vertraut machen sollten, weil die Beschäftigung mit Farbe, Form und Poesie in uns viel Positives freisetzt und unser Herz öffnet.

Jeder Mensch kann nur dann glücklich werden, wenn er sich diesen Dingen nicht verschließt, erst dann beginnt er zu leuchten und zu strahlen, erst dann spiegelt er Schönheit, reflektiert Poesie.

Sehr viele Werke namhafter Maler sowie Texte und Gedichte, die den alltäglichen Lärm durch feinsinnige Stille ersetzen, lassen eine helle, ja bunte Gedanken- und Bilderwelt entstehen, die so wohltuend ist wie Klänge von Mozart.

Während ich blättere, um zunächst die Bilderwelt in mich aufzunehmen, bleibt mein Blick auf einem gelben Sonnensymbol hängen, das ein Gedicht von Ernst Jandl enthält. Es handelt sich um ein sehr tiefgründiges Gedicht, das ich an dieser Stelle wiedergeben möchte:

die sonne scheint
die sonne scheint unterzugehen
die sonne scheint untergegangen
die sonne scheint aufzugehen
die sonne scheint aufgegangen
die sonne scheint

Es folgen Bilder, in denen die Farbe Gelb dominiert. Jedes Kapitel übrigens hebt eine andere Farbe hervor, macht sie uns in ihrer spezifischen Kraft bewusst.

Natürlich findet sich in diesem Buch auch das Gedicht von Joseph von Eichendorf, das er der blauen Blume gewidmet hat. Ich lese es erneut, dann vertiefe ich mich lange in das Bild "Mondnacht im Teufelsmoor" und beginne mich an einen Menschen zu erinnern, der gerne in solchen Gegenden spazieren geht mit seinem Hund. Er liebt blaue Moor-Blumen, doch ich werde das Gedicht "Die blaue Blume" nicht zitieren, weil mich Reiner Kunzes Text (S.119) spontan weitaus mehr anspricht:

Rudern zwei
ein boot,
der eine
kundig der sterne,
der andere
kundig der stürme,
wird der eine
führn durch die sterne,
wird der andere
führn durch die stürme,
und am ende ganz am ende
wird das meer in der erinnerung
blau sein.

Die Auswahl der Bilder ist ebenso lobenswert wie die der Texte. Man hat immer wieder Lust in Muse-Stunden nach dem Buch zu greifen und sich in die Wort- und Bildpoesie zu vertiefen. Es ist die Magie, der man sich stets aufs Neue für eine kurze Weile überlassen sollte, um verzaubert daraus aufzutauchen, bereit Dinge aus anderem Blickwinkel zu sehen.

"der rest ist der ferne
gesang des meeres"

(Zwei Zeilen aus einem Gedicht Inger Christensen, S. 152).

Sehr empfehlenswert.

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Rezension: Alchemie und Mystik. Das hermetische Museum. (Taschenbuch)

"Die Kraft des Gedankens ist unsichtbar wie der Same, aus dem ein riesiger Baum erwächst; sie ist aber der Ursprung für die sichtbaren Veränderungen im Leben der Menschen." (Leo Tolstoi)

Wie man den Klappentext bereits entnehmen kann, liefert dieses Handbuch einen Überblick über die umfangreiche Tradition der Alchemie, von mittelalterlichen Holzschnitten bis hin zu Illustrationen William Blakes. Gezeigt wird das gesamte Universum von okkultem Wissen, so etwa Hieroglyphen der Kabbalisten, Symbole der Rosenkreuzer aber auch der Freimaurer und erläutert wird wie eng diese mit frühen wissenschaftlichen Medizinillustrationen, mit Chemie, Optik und Farbenlehre verbunden sind.

Nach einen ausführlichen Einleitung wird man mit einer mir bislang unbekannten Bilderwelt vertraut gemacht, die ich durch die Erläuterung höchst spannend zu erforschen finde. So erfährt man Wissenswertes über die Sphärenmusik, die auf den griechischen Philosophen Pythagoras zurückgeht. Dieser war überzeugt, dass die ganze Welt aus Harmonie und Zahl bestünde. Sowohl die mikrokosmische Seele wie auch das makrokosmische Universum seien nach idealen Proportionsverhältnissen zusammengefügt. Dies lasse sich in einer Tonfolge ausdrücken, (vgl.: S.84). Anhand von Graphiken hat man die Chance, mehr über diese Lehre der Welt-Musik zu erfahren.

Interessant auch die Betrachtungen zur Stufenleiter, wobei ich die Jakobsleiter Blakes besonders bemerkenswert finde. Bei ihm ist sie an die Anatomie des Ohres geknüpft, dessen Gehörgänge er "die sich endlos wandelnden spiraligen Aufstiege zu den Himmeln der Himmel nennt." ( S.257).

Beeindruckend sind des Weiteren der philosophische Baum und das philosophische Ei, die göttliche Geometrie, das Rad und schließlich die Signaturen in den Handflächen.

Ein außergewöhnliches Buch. Empfehlenswert. 

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Rezension:Die größten Rätsel der Kunst (Gebundene Ausgabe)

Éléa Baucheron und Diane Routex haben dieses spannend zu lesende Buch auf den Weg gebracht, das sich mit den größten Rätseln der Kunst befasst.

Wie man zu Beginn dieses außergewöhnlichen Buches liest, spricht Kunst Menschen bekanntermaßen auf unterschiedliche Weise an. So vermögen Kunsthistoriker, Kunstfreunde oder auch nur Betrachter ihr Wissen ins Spiel bringen, gleichwohl können sie aber auch ihren eigenen Gefühlen und Eindrücken folgen, wenn sie dem Werk gegenüberstehen. Wie so treffend bemerkt wird, gibt es nicht den einen Weg, um Kunst zu begreifen und zu lieben. Man müsse akzeptieren, dass man den Sinn eines Werkes niemals ganz ergründen könne und lernen, seine rätselhaften Seiten zu schätzen.

Die gezeigten 36 Kunstwerke sind in vier Abschnitte untergliedert und den Begriffen Schicksal, Identität, Erschaffung und Bedeutung zugeordnet. Bevor man zu den einzelnen Werken, die im Buch alle abgelichtet sind, Wissenswertes zu den unter der Oberfläche jeweils verborgenen Mysterien erfährt, liest man stets zuvor etwas zum Oberbegriff und erfährt sogleich zum Oberbegriff Schicksal, dass ein Kunstwerk sein Schicksal nicht in der Hand habe. Es sei Zufällen, der Geschichte und schließlich den Menschen unterworfen, die die Macht haben, es zu erschaffen und zu zerstören. Aber nicht nur den Kunstwerken, sondern auch das Leben verschiedener Künstler und Modelle bleibt rätselhaft, wie die Beispiele zeigen.

Die Identität von Künstlern und Modellen kann ebenfalls problematisch sein und man folgt neugierig den textlichen Ausführungen zum Lächeln der Mona Lisa, deren Lächeln seitens Leonardo da Vinci erfunden wurde. Es symbolisiert das Flüchtige, Vergängliche. Das Rätsel entpuppt sich als persönliche Reflexion.

Bemerkenswert, was man zum Thema Erschaffung im Vorfeld erfährt. Hat der Künstler diese geheimnisvolle Macht tatsächlich? Was alles ist notwendig dazu? Wie schließlich verhält es sich mit der Bedeutung? Es gibt Werke, die für ein spezifisches Publikum bestimmt sind. Hier wird u.a. auf Albrecht Dürers "Melencolia" verwiesen, ein Kupferstich mit einer Fülle von Details, der die Interpretationen nicht einfach macht. Es ist ein Werk eines Intellektuellen für Intellektuelle mit breitgefächertem Detailwissen, das sich auf Aristoteles bezieht und wahrlich zum Nachdenken anregt.

Ein gelungenes Buch, sehr empfehlenswert.

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Rezension:Die Gründung der Albertina. 100 Meisterwerke der Sammlung (Gebundene Ausgabe)

"Was kunstvoll ist, erfordert Fleiß, Mühe und Arbeit, bis es aufgefasst und erlernt ist." Albrecht Dürer (1471 - 1528).   

Dies ist der Katalog der Ausstellung "Die Gründung der Albertina", die derzeit in Wien in der Albertina gezeigt wird.

Herausgeber des Katalogs ist Klaus Albrecht Schröder, der auch das Vorwort verfasst hat. Hier erfährt man gleich eingangs, dass trotz aller Veränderungen und Erweiterungen des Palais der Rang des Hauses den einzigartigen Kunstschätzen, die Herzog Albert im Laufe eines halben Jahrhunderts mit größter Kennerschaft erworben habe, zu verdanken hat. Ziel Schröders ist es, u.a. die Gründungsgeschichte der Albertina durch diese kulturhistorische Ausstellung darzulegen.

Wissen muss man, dass der Gründer Herzog Albert in erster Linie Reichsgeneralfeldmarschall war, der im Ancien Régime geboren und in dem nachrevolutionären, dem von Napoleon geprägten Zeitalter starb. Die Ausstellung transportiert insofern auch die die persönliche Transformation von der Repräsentation eines Fürsten zum bildungsbürgerlichen Habitus des systematischen Sammelns. Wie Schröder weiter mitteilt, wird seitens der Erzherzogin Marie Christine von Österreich der kulturhistorische Teil der Ausstellung gegenüber älteren Biografien völlig neu bewertet. Dabei kreist die Ausstellung kulturhistorisch um das Leben und Werk Herzog Alberts, um seine einzigartige Sammlung an Meisterzeichnungen.

Gezeigt werden im Buch 100 Meisterwerke der Sammlung. Zuvor allerdings kann man sich aufgrund von vier erhellenden Essays ein gutes Bild von dem, was den Besucher erwartet, machen.

Themen der Essays: 
Eva Michel: "Vielleicht die schönste und erlesenste in Europa"
Die Sammlung Herzog Alberts von Sachsen-Teschen
Maren Grönig: Herzog Albert als Sammler und Förderer der Kunst seiner Zeit
Christoph Gnant: "Verpflichte Mich und Meine Nachfolger im Reiche zu dessen genauer Handhabung"
Die Entstehung des Familienfideikommisses "Albertina"
Christof Metzger "Lieben, Lächeln und Sich erinnern": Albrecht Dürers Hase

Im Katalogteil wird man zunächst durch Michael Metzger mit Dürer und seiner Zeit vertraut gemacht, bevor die ersten Meisterwerke visualisiert werden. Seinen Anfang nimmt die Bilderrepräsentation mit Werken von Martin Schongauer, der Mitte des 15. Jahrhunderts in Colmar geboren wurde. Ein Bildausschnitt des berühmten Kupferstichs "Die Große Kreuztragung" wird auf einer Doppelseite gezeigt und macht das Können dieses elsässischen Künstlers deutlich.

Es folgen Werke von Dürer, so dies berühmten Aquarelle "Der Feldhase" und "Flügel einer Blauracke", neben vielen anderen Werken, nicht zuletzt auch seine Pinselzeichnung "Die betenden Hände", zudem wundervolle Arbeiten von Hans Baldung gen. Grien und anderen Zeitgenossen Dürers mehr.

Den Werken der italienischen Renaissance ist eine kurze Erläuterung zu dieser Zeit von Eva Michel vorgeschaltet. Auch hier wieder erstaunen große Namen und fantastische Exponate, natürlich allen voran die grandiosen Werke Michelangelo Buonarrotis und Raffaello Santis.

Weiter geht es mit der niederländischen Kunst des 16. Jahrhunderts, auch jetzt erhält man wie in den dann noch folgenden Rubriken einen textlichen Überblick über die Epoche. Gefreut habe ich mich über die Ablichtung einer Federzeichnung von Hieronymus Bosch, in die man sich Stunden vertiefen kann, um immer wieder Neues zu entdecken. Ähnliches gilt aus für die Federzeichnung Pieter Bruegels d. Ä. "Die großen Fische fressen die kleinen".

In der Rubrik Zeichenkunst des Barock sind u.a. wunderschöne Porträtzeichnungen von Peter Paul Rubens zu sehen, bewundernswert auch die Exponate des holländischen "Goldenen Zeitalters" und des Spätbarock in Italien.

Ein spezielles Faible habe ich allerdings für die französischen Zeichnungen des 18. Jahrhunderts entwickelt, keineswegs nur jenen von Boucher und Fragonard, sondern nicht zuletzt auch für eine zauberhafte Kreidezeichnung von Francois Guérin, die die kunstsinnige Marquise de Pompadour mit ihrer Tochter Alexandrine zeigt.

Zeichnungen aus des Klassizismus und der "Maîtres modernes" runden den Reigen ab, der die Kunstfreunde begeistern wird und vielleicht zum Schluss ein wenig Melancholie hinterlässt beim Anblick der Zeichnung Caspar David Friedrichs, die den Titel "Kap Arkona im Licht des aufgehenden Mondes" trägt.

Sehr empfehlenswert.

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Rezension:Stern Fotografie 73 - Brigitte Lacombe: Cinema (Gebundene Ausgabe)

"Hollywood ist ein Ort, an dem sie dir tausend Dollar für einen Kuß bezahlen und fünfzig Cents für deine Seele." Marilyn Monroe

Dieser Fotoband enthält Werke der namhaften Fotografin Brigitte Lacombe. Jochen Siemens berichtet auf den letzten Seiten über diese Künstlerin, deren Fotos bis heute Filmgeschichte einer anderen Art sind. Ihre Bilder sind lt. Jochen Siemens immer wieder auch Verwandlungen, also Metamorphosen. Diese Fotografin soll die Gabe besitzen, aus Stars Schauspieler zu machen, sie gewissermaßen zurückzuverwandeln in Personen, die das Potential haben Rollen zu spielen. Ihre Bilder sind, wie man liest und sich überzeugen kann, frei von Ausrufezeichen. Man kann sie als Werkstattberichte, gewissermaßen als Bilder ohne Effekte begreifen.

Zur Fotografin wurde Lacombe durch ihren Vater, der sie nach ihrem Schulabschluss in das Fotolabor der Zeitschrift Elle vermittelte. In Paris war es nicht einfach für sie, sich in der Männerwelt durchzusetzen. Ihrer Passion wegen verzichtete sie auf Familie und Kinder. Durch "Elle" begann sie in Cannes Schauspieler zu fotografieren, pflegte Kontakte zu jenen, die sie ablichtete und so sprach sie ihr Können herum. Sie gewann das Vertrauen der "Eitelindustrie", weil Lacombe nicht alles, was sie fotografierte auch vermarktetet hat. Diese Fotografin besticht durch ihre Höflichkeit, die sich in ihren wundervollen Bildern wiederfindet... und doch sind die Fotos authentisch.

Der Fotoband enthält eine Reihe beeindruckender Fotos in Schwarz-Weiß aber auch in Farbe von Filmschauspielern. Da diverse Bilder schon vor Jahrzehnten realisiert worden sind, wird man der Vergänglichkeit allen Seins gewahr.

Die einzelnen Aufnahmen werden näher erläutert. Tolle Bilder von dem jungen Dustin Hoffmann und Meryl Streep im Scheidungsdrama "Kramer gegen Kramer" aus dem Jahre 1979 und andere beeindruckende Fotos, nicht zuletzt von Julia Roberts. Mein Blick, der generell das Schöne sucht, weil ich mich genau daran erfreue, lässt mich am längsten bei den Fotos von Marilyn Monroe verweilen. Sie war überirdisch schön und genau das hat Lacombe vielschichtig visualisiert. Auf einem Bild, sie liegt lesend auf der Couch, nehme ich ihre Lebenslinie wahr. Diese war enorm kurz. Das Schicksal wollte ihre Schönheit nicht welken sehen. Durch ihren frühen Tod schenkte es uns allen das Bild ewiger Schönheit. Vielleicht hat Marilyn sich für diesen Menschheitstraum bewusst geopfert. Menschen mit Poesie sind zu vielem fähig.

Sehr empfehlenswert


 

Rezension: Meisterinnen des Lichts: Große Fotografinnen aus zwei Jahrhunderten (Gebundene Ausgabe) Unscharfe an." (Sybille Bergemann, S.39)

Wenn ich zu einem Thema hundert Bilder mache, von denen das mit der größten Wahrheit unscharf ist, biete ich eben das Unscharfe an." (Sybille Bergemann, S.39)

Boris Friedewald stellt in diesem fantastischen Bildband 55 namhafte Fotografinnen aus zwei Jahrhunderten vor. In seinem Vorwort schreibt der Autor in knappen Worten, worum es den einzelnen Fotografinnen geht und welche Sichtweise die Künstlerinnen im Hinblick auf das Fotografieren selbst umtreibt bzw. umgetrieben hat. Erzählen will das Buch von Vielfalt und Unterschiedlichkeit von Frauen, die fotografiert haben oder fotografieren. Dabei erfährt man viel über die Lebenswege, die Blicke und die Bilder. Bei diesen Frauen handelt es sich um wahre Meisterinnen des Lichts.

Die 55 Namen hier jetzt im Vorfeld aufzulisten kann nicht Aufgabe eines Rezensenten sein und die jeweils eine Seite umfassenden Textporträts auf wenige Sätze zusammen zu kürzen ebenfalls nicht. Nicht alle Fotografinnen sind mir bekannt, doch Eve Arnold ist es beispielsweise. Diesbezüglich habe ich vor einiger Zeit ein Buch rezensiert und bin erstaunt wie exzellent das Porträt dieser Künstlerin gelungen ist, die im Alter von 99 Jahren 2012 verstarb und 750 000 Bilder hinterließ.

Von allen Künstlerinnen, die in diesem Buch vorgestellt werden, lernt man Fotos kennen. Diese werden jeweils kurz aber sehr gut erläutert. Zudem wartet die Autorin mit Sentenzen der Fotografinnen auf, die einen direkten Einblick in das Denken einzelner Damen, was ihr Metier anbelangt, möglich macht.

Höchst unterschiedliche Fotos warten auf den aufmerksamen Betrachter. Mein Blick verweilte beim ersten Bestaunen der Fotos zunächst bei jenen der Fotografin Julia Margaret Cameron, die u.a. die Geistesgrößen ihrer Zeit porträtierte. Drei Porträts von ihr werden vorgestellt, so auch von dem Astronomen John Herschel, den sie fast dramatisch in Szene setzte. Sehr beeindruckend.

Faszinierend auch die Bilder Trude Fleischmanns, die u.a. Albert Einstein und Oskar Kokoschka portätierte. Gezeigt werden aber im Buch andere Aufnahmen, nicht zuletzt ein Foto von einem befreundeten Paar aus Wien, umgeben von "einer Aura tiefer Innerlichkeit und Melancholie". Auch die Bilder von Herlinde Koelbel faszinieren. Der ein oder andere wird ihr Langzeitprojekt "Spuren der Macht kennen",

Dann gibt es da noch die in Teheran geborene Shirana Shahbazi. Ihre Arbeiten sind von ganz hohem künstlerischem Niveau. Beeindruckt hat mich eine Meditation über Licht und Dunkelheit, Schein und Sein, die an ein Stillleben und Memento- mori –Ästhetik anknüpft.

Ein Buch voller faszinierender Bilder, bestens beschrieben, daneben sehr gute Präsentationen der Künstlerinnen warten auf den Leser, dem ich ein Zitat der Fotografin Jessica Backhaus mit auf den Weg geben möchte: "Unsere Erfahrungen, unsere Erziehung und die Menschen in unserem Leben sind die Essenz dessen, was wir werden. Wir entwickeln und verändern uns, wir entfalten uns und hören hoffentlich nie auf, auf jede nur denkbare Weise zu leben und uns weiterzuentwickeln." (S.27).

Sehr empfehlenswert.


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Rezension:Kunst anziehen - Der Akt verpackt (Gebundene Ausgabe)

"Eine Dame trägt keine Kleider. Sie erlaubt den Kleidern, von ihr getragen zu werden." (Yves Saint Laurent).

Dieses kleine Kunstbuch enthält Werke des Cartoonisten Peter Gaymann. Er hat hier Aktbilder bemalt, indem er die Nackten auf den Werken namhafter Künstler unterschiedlicher Jahrhunderte mit moderner Kleidung versieht.

Zunächst habe ich mich natürlich gefragt, ob Kunstliebhaber ein solches Buch wirklich benötigen und wollte es unrezensiert in die Ecke stellen, entschied mich dann aber doch, mich intensiver mit dem Werk zu befassen, dass ja stets das Original und daneben die angepinselten Nackten zeigt und des Weiteren, mittels überaus witzigen Karikaturen plus Zitaten ein wirkliches Lesevergnügen darstellt, das zu Nachdenken anregt.

Gottfried Keller verfasste eine Novelle mir dem Titel "Kleider machen Leute". Schaut man sich das Buch an, möchte man das häufig bezweifeln, mit Ausnahme von Gustave Caillbottes Nackter auf dem Sofa, die in engen Jeans und pinkfarbenem Top einfach besser aussieht

Sieht man sich die angepinselten Figuren an- Gaymann hat sie durchaus geschmackvoll gekleidet-, dann kann man nur Gaughin zustimmen, der einst schrieb "Am schönsten sind die Frauen so, wie Gott sie erschaffen hat- die Schneider können sie nur verderben." (S.10). "Kleider machen Leute"? Spätestens nach den Studien in diesem Buch möchte ich das bezweifeln.

Gefallen hat mir das Zitat Josephine Bakers "Ich war nicht wirklich nackt. Ich hatte nur keine Kleider an". Demnach ist Nacktheit eine Frage des Bewusstseins. Darauf muss man erst mal kommen.Nach der Lektüre spätestens ist dies dem weltoffenen Betrachter aber klar.

Das Buch ist pädagogisch wertvoll, denn es motiviert den Betrachter, sich intensiv mit den Originalen zu befassen. Eine tolle Idee. Ein Buch für Einsteiger. Über den bewusst betrachteten gemalten nackten Körper hin zur abstrakten Kunst. Warum eigentlich nicht?

 Lustig. Empfehlenswert.

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Rezension:Die Tunisreise 1914: Paul Klee, August Macke, Louis Moilliet (Gebundene Ausgabe)

"Kunst ist ein Erinnern an das Uralte, Dunkle, von dem Fragmente noch im Künstler leben." ( Paul Klee)

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Die Tunisreise 1914- Paul Klee, August Macke, Louis Moilliet, die vom 14. März.- 22. Juni 2014 im "Zentrum Paul Klee" in Bern gezeigt wird, weil sich im April dieses Jahres das Ereignis der legendären Tunisreise der drei Künstlerfreunde Paul Klee, August Macke und Louis Moillet zum hundertsten Mal jährt.

Schon lange habe ich mir ein Buch über diese legendäre Tunisreise der Künstler gewünscht. Nun endlich ist der Wunsch Wirklichkeit geworden und meine Freude ist sowohl, was die Bilder als auch die informativen Texte anbelangt, sehr groß.

Während des zweiwöchigen Aufenthaltes in Tunesien schuf Macke 33 Aquarelle und 79 Zeichnungen in drei Skizzenbüchern, Paul Klee 30 Aquarelle und 13 Zeichnungen und Louis Moilliet 3 Aquarelle und 11 Zeichnungen.

Ziel der Ausstellung war es, möglichst viele der auf der ganzen Welt verstreuten Bilder zusammen zu führen, um den bildnerischen "Wettstreit" der Künstler, der diese zu Höchstleistungen motivierte, einem interessierten Publikum zeigen zu können. Zu sehen gibt es nun 75 Werke von Paul Klee, 57 von August Macke und 29 von Moilliet, des Weiteren werden Werke der Künstler gezeigt, die dem Umfeld der Tunisreise zuzuordnen sind.

Anhand einiger sehr informativer Essays gewinnt man Einblicke, so etwa in das Erlebnis Orient, worüber Ernst-Gerhard Güse sehr anschaulich schreibt. Er begreift die Reise der Künstler übrigens als ein Beispiel für die vielfältigen, kulturellen Begegnungen des Okzident mit dem Orient. Es führt zu weit, im Rahmen der Rezension auf Details einzugehen. Nicht unerwähnt jedoch möchte ich lassen, dass es Macke und Klee bei ihrer Reise in erste Linie um eine Auseinandersetzung mit Licht, Farbe und Form ging. Diese wurde vor der Reise durch die Bildwelt Delaunays angeregt.

Man liest bei Ursula Heidereich zur Farbe bei August Macke in den Jahren 1911-1914 und kann sich dann in erste Bilder vertiefen, die vor der Reise so etwa in Bonn, entstanden sind. Mehr zu den Tunis-Aquarellen Mackes erfährt man von Erich Franz. Diese Bilder breiten ihre Motive, Anordnungen und Farben gleichwertig über die gesamte Fläche des Blattes aus.

Für mich ist es eine wahre Freude speziell Mackes Tunis-Aquarelle zu sehen, nachdem diese zuvor sehr gut erläutert worden sind. Ähnlich wird anschließend mit den Tuniszeichnungen von Macke vorgegangen. Michael Baumgartner befasst sich danach mit Paul Klees Reise nach Tunis, bevor man die Reisebilder dieses Malers bewundern kann. Interessant wie verschieden die Betrachtungsweisen visualisiert werden, aufgrund eines erkennbar unterschiedlichen Farb- und Formgefühls. Auch über Moilliet und dessen Tunisreise wird berichtet und auch seine Bilderwelt wird vorgestellt.

Mir geht es bei der Betrachtung nicht um den wertenden Vergleich, sondern darum, die Vielfalt zu bestaunen und diese ist beachtlich.

Über die Kameradschaft der drei Reisenden liest man in der Folge und hier über die Konstellationen und die Rollenverteilung, ja man erhält sogar Einblicke in Klees Tagebuch "Die Reise nach Tunesien", aber auch Postkarten und Briefe bleiben nicht ausgespart. Sogar Fotos von der Reise aus dem Album des im 1. Weltkrieg bereits verstorbenen August Macke kann man sich ansehen und begreift aufgrund all der vortrefflichen Informationen die gezeigten Werke intensiver.

Die Chronologie zum Schluss rundet diesen gelungenen Katalog zur Ausstellung ab.

Empfehlenswert. 

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Rezension:Emil Nolde. Retrospektive (Gebundene Ausgabe)

"Ich möchte so gern, dass meine Bilder mehr sind, keine zufällige schöne Unterhaltung, nein, dass sie heben und bewegen und, dem Beschauer einen Vollklang vom Leben und menschlichen Sein geben." (Emil Nolde)

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Emil Nolde", die noch bis zum 15. Juni 2014 in Städel Museum in Frankfurt gezeigt wird. Wer sich zunächst einen raschen Überblick über das Leben und Wirken des Malers beschaffen möchte, sollte im Anhang die Kurzbiografie über den 1867 im Dorf Nolde bei Tondern geborenen Künstler Hans Emil Hansen lesen, der nach einem ereignisreichen Leben 1956 als Emil Nolde berühmt geworden verstarb, nachdem er vier Jahre zuvor mit dem Orden Pour le Mérite in der Friedensklasse und den Kulturpreis der Stadt Kiel geehrt worden war. Nolde war ein bedeutender Vertreter des Expressionismus. Das soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

Das Vorwort zum Buch hat der Direktor des Städel Museums Max Hollein verfasst, der nicht verschweigt, dass es in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Ausstellungen zu Emil Nolde gegeben hat, allerdings liegt die letzte Retrospektive bereits 25 Jahre zurück. Die derzeitige Ausstellung wurde möglich, weil sie nicht zuletzt durch Leihgaben privater Sammler unterstützt wurde. Max Hollein hebt hervor, dass ohne die zahlreichen Leihgaben der Nolde Stiftung Seebüll die Retrospektive nicht möglich gewesen wäre.

Nach einem Grußwort von Christian Ring, dem Direktor der Nolde Stiftung Seebüll folgt zunächst ein Essay des Herausgebers des Buchs Dr. Felix Krämer, der über den Künstler, seine ersten Erfolge, seine Farborgien, seine religiösen Bilder, aber auch seine Sehnsuchtsbilder Wissenswertes zu berichten hat. So entdeckte beispielsweise Nolde im Sommer 1906 in der Serie der Garten- und Blumenbilder das Potential der Farbe für seine Malerei.

Wie man erfährt war dieser Künstler davon überzeugt, dass er sich als "wahrer" Künstler von seinen Mitmenschen abhob. Das hing mit der Verinnerlichung seiner romantischen Konzeption eines Künstlergenies zusammen. Diesbezüglich ging er davon aus, aufgrund seiner Gaben verdammt zu sein, als "Prophet" oder als "Märtyrer" seinen Weg zu beschreiten (vgl.: S.19).

Im Rahmen dieses und der Folge-Essays erhält man einen guten Überblick über den vorgestellten Künstler und sein Werk. Christian Ring schreibt über das freie Figurenbild bei Nolde. Von ihm auch erfährt man, dass das Fantastische und Groteske den Maler nachhaltig geprägt hat, liest auch von Phantasien und ungemalten Bildern und dem Spätwerk. Wer mehr über Nolde und die nationalsozialistische Diktatur erfahren möchte wird in dem Essay von Aya Soika und Bernhard Fulda Näheres in Erfahrung bringen.

Der dann folgende Tafelteil ist in acht Abschnitte untergliedert. Neben den abgelichteten Werken finden sich hier erläuternde Textbeiträge:
1)Ursprünge 1896- 1906- Katharina Ferus
2)"Jahre der Kämpfe" 1905-1910- Franziska Leuthäußer
3) Seestücke- Felix Krämer
4)Biblische und Legendenbilder- Caroline Dietrich
5)Berlin- Facetten einer Großstadt- Chantal Eschenfelder
6)Das Fremde im Blick- Brigitte Sahler
7)"Magus aus dem Norden" 1912-1932; Felicity Grobien
8) Isgard Gracht; Spätwerk

Die Werke werden alle nach dem Tafelteil in Katalogbereich mittels Kurztexten näher erläutert. Diese Erläuterungen genau zu studieren lohnt sich, weil man die Werke auf diese Weise weitaus intensiver wahrnimmt.

Ein gelungener Kunstband mit einer beachtlichen Bibliografie.

Sehr empfehlenswert.

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