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Rezension: #William_Blake- Die Zeichnungen zu #Dantes Göttlicher Komödie - Taschen

Dieser Prachtband mit 102 Illustrationen zu Dantes epischer Dichtung, beginnt mit einem Aufsatz von Maria Antonietta Terzoli mit dem Titel "Das Jenseits bei Dante zwischen antikem Mythos und christlicher Theologie". Hier erfährt man zunächst Wissenswertes über das Leben des Dichters Dante Alighieri (1265-1321), der zu Beginn des Buches sogleich abgebildet ist.

Im Gegensatz zu anderen berühmten italienischen Dichtern sind von Dante keine Originalhandschriften erhalten. Dadurch gilt die Datierung seines Hauptwerkes "Divina Commedia" als umstritten. Zu dieser "Göttlichen Komödie" habe ich vor einiger Zeit bereits eine Rezension verfasst. Durch Terzoli Hintergründe zu dem beeindruckenden Werk zu erfahren, ist für mich auch deshalb spannend. Dabei sollte man wissen, dass das Adjektiv "göttlich" nicht von Dante, sondern von Boccaccio stammte, der damit das Werk überschwänglich loben wollte.

Dante selbst nannte sein Poem einfach  "Comedia". Terzoli skizziert auf wenigen Seiten den Inhalt des berühmten Werkes und es werden begleitend Bilder gezeigt mit Darstellungen aus der "Göttlichen Komödie", so etwa Fresken in der Sixtinischen Kapelle.

Die "Divina Commedia" soll wie kein anderes Werk prädestiniert gewesen sein, einen visionären Geist wie William Blake tief zu beeindrucken. Als Gründe hierfür werden genannt: ihre politischen und moralischen Ansprüche, die allegorischen und symbolische Dimension und die Anschaulichkeit der Dante`schen Vorstellungswelt.

Sebastian Schütze informiert in seinem darauf folgenden Beitrag über "Zwei Meister des 'visibile parlare'  Dante und Blake".

Diesen Text untergliedert er in fünf Abschnitte:
Dante und die Bilder
Blake als Prophet der Moderne
Die Dante-Zeichnungen
Nähe und Distanz
Refigurationen und Archetypen

Kaum ein neuzeitlicher Text wurde so oft illustriert wie die "Divina Commedia". Es ist die Kraft der sprachlichen Bilder und die konkrete Bezugnahme auf Werke der bildenden Kunst, die Künstler in besonderem Maße herausfordern, die "Divina" in reale Bilder zu übersetzen.

William Blake (1757- 1827) war ein sozialrevolutionärer Utopist, esoterischer Mystiker und visionärer Prophet. Als Dichter und Grafiker zählte er zu den großen Figuren der englischen Kunst um 1800. Blake war von einer Gruppe junger Künstler umgeben, die ihn als Propheten einer neuen Kunst verehrten. Man erfährt wie es dazu kam, dass er sich mit Zeichnungen und Gemälden der "Divina Commedia" so intensiv befasste.

Wie andere Künstler auch, war er speziell von Dantes Inferno und den dort geschilderten Höllenqualen fasziniert. Blake hat Dante sehr bewundert, aber sich von dessen politischen und theologischen Vorstellungen sowie von dessen Antikenverehrung radikal distanziert.

Für den Briten stellte der menschliche Körper den wesentlichen Ausdrucksträger der Kunst dar. Es geht ihm dabei nicht um individuelle Charaktere, sondern um allgemeingültige Typen, um die "ewigen Prinzipien oder Eigenschaften menschlichen Lebens".

Um die Bilder von Blake würdigen zu können, muss man sich bewusst machen, dass die Übersetzung eines dichterischen Textes in Bilder einen komplexen Prozess von Aneignung und Umdeutung voraussetzt und dazu zwingt, über Grenzen und Möglichkeiten der eigenen Kunst zu reflektieren und diese in der kritische Auseinandersetzung mit der anderen Kunst zu erweitern.

Blake hat es mit seiner Doppelbegabung als Dichter und bildender Künstler geschafft, den Deutungs- und Bedeutungshorizont der Divina Commedia neu zu vermessen.

Im Katalog mit den 102 Illustrationen zu Dantes epischer Dichtung, die von Bleistiftskizzen bis hin zu fertigen Aquarellen reichen, erläutert Sebastian Schütze die einzelnen Bilder sehr genau. Zudem sind mit den Bildern korrespondierende Textstellen in lateinischer und deutscher Sprache abgedruckt.

Es macht Freude, sich immer wieder in einen neuen Text und das dazugehörige Werk zu vertiefen und sich bewusst zu machen, wie intensiv Dante und Blake miteinander verschmolzen sind durch diese grandiosen Arbeiten. Dabei visualisieren die 14 Klapptafeln selbst kleinste Details.

Die Begegnung von zwei der größten Künstler aller Zeiten ist wahrlich überwältigend und wird in den universellen Themen Liebe, Schuld, Sühne, Rache und Erlösung tatsächlich  für den Betrachter sichtbar.

Der Inhalt dieses Buches ist Poesie in ihrer reinsten Form. Beeindruckend.

Sehr zu empfehlen.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum TASCHEN-Verlag und können das Buch dort bestellen:http://www.taschen.com/pages/de/catalogue/art/all/01144/facts.william_blake_die_zeichnungen_zu_dantes_goettlicher_komoedie.htm. Sie können es jedoch auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: #Mario_Testino- #IN_YOUR_FACE- Taschen

Dieser Bildband enthält Werke des Fotografen Mario Testino. Es handelt sich um den Katalog zur Ausstellung, die vom 20.1. 2015- 26.7. 2015 seitens der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin in den Ausstellungshallen am Kulturforum gezeigt wird. 

Wie Jennifer Allen in ihrem  Begleittext schreibt,  handelt es sich bei den 122 Fotografien um die Arbeit von beinahe zwei Jahrzehnten. Dabei sind satte Farben ebenso häufig zu sehen wie körniges Schwarz-Weiß, kühle Porträts neben heißer Erotik und Paparazzi-Schnappschüssen. 

Bei allem kreativen Überschwang spielt für diesen Fotografen offenbar Zerstörung eine große Rolle, denn seine Arbeiten entstehen zwischen den Extremen von Schöpfung und Zerstörung- der Überwindung von Perfektion durch Einmaligkeit. 

Es führt zu weit an dieser Stelle die gesamte Philosophie des Fotografen auszubreiten. Diese kann man in deutscher Sprache in einem Begleitheft zum Buch nachlesen. Hier auch erfährt man viel über die Art wie dieser Fotograf arbeitet. 

Was gibt es zu sehen? 

Wunderbare Fotos, so etwa von Stella Tennant, die in einem Rokokokleid für die Vogue fotografiert wurde, begeistern den Betrachter. Eine ähnliche Robe trägt übrigens Madame Pompadour auf einem Gemälde von Boucher. Dieses Foto will nicht zu den anderen passen, speziell sträubt es sich bei den erotischen Aufnahmen, obschon Patrica Schmidt, spärlich bekleidet, mit einem Strohhalm Chanel Nr.5 schlürfend von ihrer Frisur her im Rokokozeitalter gewiss Verehrer gefunden hätte.

Ein zauberhaft romantisches Foto -für die Vogue realisiert- zeigt Natalia Vodianova und Justin Portman. Alles wirkt wie aus einer anderen Zeit, die Kleidung, das Himmelbett, das Geschirr, doch irgendwann nimmt man hellrosa Turnschuhe wahr und begreift: das ist nicht  eine Szene aus dem Gestern, sondern ein romantischer Traum im Jetzt. 

Zeit löst sich auf, wir werden zum Spielball der Mode. 

Es ist unmöglich, auf all die Bilder näher einzugehen. Besonders gut gefällt mir ein doppelseitiges Foto von Mick Jagger& Keith Richards, so fröhlich und innig können nur langjährige gute Freunde miteinander lachen. 

Ein Foto von Brad Pitt macht mir klar, weshalb sein schönes Gesicht letztlich nicht weiblich ausschaut. Es ist seine etwas schmalere und dabei leicht festere Oberlippe, die ihm ein männliches Aussehen verleiht. 

Auch ein nackter Mann aus dem Jahre 1993 ist zu sehen. Es ist Mickey Hardt, der einen schönen Körper hatte, den man sich gerne anschaut, vielleicht weil er keine Spuren der Vergänglichkeit aufweist. Der Mensch liebt das Makellose, weil  es diese  stets nur für Momente gibt, sie also etwas Besonderes ist.

Schön sind die meisten Bilder in diesem Buch. Am meisten überzeugen mich die Bilder von Kate Moss. In ihr spiegelt sich der Zeitgeist am intensivesten, weil die Schöne durch ihren Habitus, das Schöne immerfort in Frage stellt. Das lässt ihr Gesicht zur lebenden Geschichte werden.

Empfehlenswert.

Helga König

Anbei der Link zum TASCHEN-Verlag. Dort können Sie das Buch bestellen.http://www.taschen.com/pages/de/catalogue/home/index.startseite.htm

Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: Spirit of Place- Aurélien Villette - teNeues

Dieser beeindruckende Bildband enthält Werke von Aurélien Villette. Die Bilder des weitgereisten Fotografen spiegeln seinen Blick auf unsere Gesellschaft und die Veränderungen wieder, die durch architektonische Konstrukte entstanden sind. Dabei hinterfragt er den Sinn sowie den historisch-kulturellen Wert von Gebäuden.

Das Vorwort zum Buch hat Harold Hinsinger geschrieben. Es ist in englischer, deutscher und französischer Sprache abgedruckt. Er schreibt und dem stimme ich zu, dass die Aufnahmen von Aurélien Villette wie eine Herausforderung des Kulturerbes sowie dessen Institutionalisierung, zumindest in der jüngsten Geschichte wirken.

Die insgesamt 110 Bilder dieses Buches werden in sechs Serien präsentiert und zwar in:
Dogma
Topophilia
Reminiszenz
Matierismus
Struktur und Strukturlosigkeit

Die "Serie Dogma" zeigt öffentliche und sakrale Bauten in Italien, auf dem Balkan und im ehemaligen Sowjetblock. Die Räume sind ungeheuer morbid und schreien danach restauriert zu werden. Alte Kircheninnenräume, vermutlich irgendwo im Osten,  bezeugen den  Atheismus in den kommunistischen Staaten und den mangelnden Sinn für die christliche Kultur der Vergangenheit.

Eine gotische, völlig zerstörte Kirche ruft ganz laut nach Wiederaufbau, auch die Innenräume eines alten Theaters tun dies. Nicht nachvollziehbar ist für mich, wie man solch prachtvolle, architektonische Gebäude auf diese Weise verkommen lassen kann, offenbar nur aus dummen, eindeutig ideologischen Gründen.

Die Serie "Topophilia" zeigt alte italienische Villen im Zustand von Ruinen als Symbol des Scheiterns von Mensch und Architektur. Diese schönen, aber leider sehr desolaten Wandmalereien zu betrachten ist schmerzhaft, denn all dies hätte es verdient, erhalten zu bleiben. Man sieht noch das Können und die Arbeit, die auf all dies einst verwandt worden ist, was nun zerbröselt. Hier hat die Generationenfolge versagt. Das tut sie stets dann, wenn Egoisten in einer Familie  nicht vernünftig übertragen können.

In der Serie „Reminiszens“ scheinen Menschen  die abgelichteten  Orte soeben erst verlassen zu haben. Natürlich fragt man nach den Gründen. Man sieht unter anderem eine zerstörte Bibliothek. Es wirkt wie nach einem Bombeneinschlag, alles unverständlich und einfach nur furchtbar. 

Sie "Serie Matierismus" steht für die Erhabenheit der Technik, die die Natur zugleich zerstört und rühmt. Hier werden Treppenaufgänge gezeigt. Treppen haben in Häusern oft am längsten Bestand. Jeder weiß dies, der alte Schlossruinen besichtigt hat. Treppen erzählen vom Kommen und Gehen. Sie machen begreifbar, dass alles fließt.

Es folgen dann noch Bilder der "Serie Struktur und Strukturlosigkeit", die alte Festungsanlagen etc zum Thema haben. Wie schön, dass die Natur hier klar zum Ausdruck bringt, dass sie am Ende alles überdauert und alles begrünt. 

Alle Fotos sind beeindruckend aber zugleich auch beklemmend, weil sie die Vergänglichkeit  allen Seins abbilden.  Die Spirit der Orte erzählt von Hochmut und Demut und verdeutlicht, dass Demut der Schlüssel  für  Nachhaltigkeit ist.

Ein beeindruckender Bildband von dem man erhofft, dass er nicht ein Nachher, sondern ein Vorher verkörpert und Menschen sich bemüßigt sehen, all das Desolate zu sanieren und wieder im alten Glanz erleuchten zu lassen.

Empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu te Neues und können das Buch bestellen. http://www.teneues.com/shop-int/spirit-of-place.html. Sie können es jedoch auch direkt bei ihrem Buchhändler vor Ort ordern.

Rezension: Das Meer- Hommage à Jan Hoet- Hatje Cantz

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Das Meer", die vom 23.10.2014 bis zum 19.4. 2015 in Ostende gezeigt wird. Ursprünglicher Kurator war der vor kurzem verstorbene Ausstellungsmacher Jan Hoet (1936- 2014). Er konnte die Ausstellung in Ostende leider nicht mehr vollenden. 

Zahlreiche Künstler haben als Hommage an ihn neue Arbeiten geschaffen oder vorgestellt, andere wiederum haben mit Phillip van der Bosche, dem jetzigen Kurator über die Auswahl eines oder mehrerer Werke nachgedacht. 

Gezeigt werden nun gemeinsam mit der historischen Auswahl von Kunstwerken  Arbeiten von über 125 Künstlern. Dabei findet die Präsentation der Kunst in unterschiedlichen Ausstellungsgebäuden Ostendes statt. 

Die Werke ergießen sich gewissermaßen "wie eine Universität der Wellen und als Hommage an Jan Hoet über Ostende". 

Das Buch enthält neben dem Katalogteil einige bemerkenswerte Essays, die sowohl in Englisch als auch in Deutsch abgedruckt worden . Dabei handelt es sich um:

"Schaum auf Leinwand. Marcel Broodthaers und die Reise übers Meer"- Frank Maes 
"Der Schreckenswelt der Kunst entflohen. Einige Worte über meine Zusammenarbeit mit Panamarenko"-Hans Theys
 "Courbet, Die Welle und der Horizont"- Céline Flècheux 
"Von Ebbe und Flut- Eine Auswahl aus De Zee"- Melanie Deboutte 

Wie Melanie Deboutte schreibt, verbindet das Meer ein uferloses Gewirr von Legenden, Mythen und anderen rätselhaften Geschichten miteinander, die immer wieder neue Verwunderung, aber zeitgleich auch die Angst der Menschen beim Anblick dieser endlosen, gigantischen Wassermassen dokumentieren. Wie die Künstler  das Meer in ihren Werken  wirken lassen,  fasziniert natürlich sehr. 

Außer Bildender Kunst werden in der Ausstellung auch Fotografie, Videokunst und Installationen sowie Computerspiele gezeigt.  Der Katalog vermittelt  sehr gut eine Vorstellung von dem, was es  in Ostende zu sehen gibt.

Es führt zu weit, hier die Werke im Buch zu benennen, die, obschon sie sich alle mit dem gleichen Thema befassen, unterschiedlicher nicht sein können.  Lassen Sie sich überraschen!

Ein gelungene Kunstbuch, das ich gerne weiterempfehle.

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Verlag Hatje und Cantz und können das Buch dort bestellen: http://www.hatjecantz.de/das-meer-6410-0.html. Sie können es aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler vor Ort ordern.


Rezension: Art Arktis- Dietmar Baum& Tini Papamichalis - te Neues

Dieser Prachtband zeigt eine imposante Bilderwelt des Künstlerehepaars Dietmar Baum und Tini Papamichalis, die sie in der Antarktis realisiert haben. 

Mit ART ARKTIS möchten die beiden zum behutsamen Umgang mit der Umwelt ermahnen. Dabei haben sie künstlerische Ausdrucksformen gewählt. Schocktherapie liegt nicht in ihrer Absicht, stattdessen möchten sie mit ihren Werken tiefe Emotionen wecken und die Liebe zur Natur fördern. Wie das Künstlerpaar anmerkt und man sich im Buch auch ausgiebig überzeugen kann, zeigt ART ARKTIS eine Reihe von Fine Art Fotografien, die die Vielfalt und Zerbrechlichkeit dieser faszinierenden unberührten Welt mithilfe der aktuellen Hasselbad-Kameratechnik eingefangen haben. 

Mit bloßem Auge hat man nicht die Chance, all das, was im Buch gezeigt wird,  im ewigen Eis erblicken zu können. Dabei hinterfragen  die Fotografien Wahrnehmungsgewohnheiten, d.h. es ist nicht sofort klar, ob man es mit Fotografie, Malerei oder Computeranimation zu tun hat. 

Die Antarktis offenbart sich als der kälteste, stürmischste, einsamste und trockenste Kontinent der Erde. Das Eis dort ist weit mehr als 200 000 Jahre alt. Aufgebaut hat es sich schichtweise und darunter befindet sich in Ostantarktia eine große Landmasse, wohingegen sich der Felsenuntergrund des westantarktischen Eisschildes bis zu 2500 m unter dem Meeresspiegel zeigt. 

Die Bilderwelt, die sich im Buch offenbart, ist von seltener Schönheit. Blau- und Weißtöne sorgen bereits optisch dafür, die Kälte zu erahnen, der man in dieser Region ausgesetzt ist. Man erfährt seitens Prof. Dr. Korth Näheres zur Geologie der Antarktis, um sich anschließend erneut dieser surrealen Welt, und damit auch dem Wohnort von Pinguinen auszusetzen. Man wird alsdann seitens Benno Lüth über Wale und Delphine aufgeklärt und kann sich wunderschöner Tier-Fotos erfreuen. 

Robben lernt man kennen und erfährt Wissenswertes über Pinguine. Sie haben sich schon vor über 45 Millionen Jahre auf der Südhalbkugel entwickelt. Die Bilder, die diese Lebewesen zeigen, sind einfach wundervoll und beweisen die innige Tierliebe des Künstlerpaars. 

Es führt zu weit,  an dieser Stelle Bildbeschreibungen vorzunehmen, obgleich jedes Bild es verdient hätte, sich inhaltlich damit auseinanderzusetzen. Das gilt auch für die Bilder, die die Umweltverschmutzung  thematisieren und auf ihre Weise wachrütteln. 

Alles in allem ein schönes und dabei informatives Buch mit Bildern, die Sehnsucht wecken, nach einem Ort dessen Ewigkeit leider nicht mehr unfraglich ist.

Empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu te Neues und können das Buch dort bestellen: http://www.teneues.com/shop-de/art-arktis.html. Sie können es aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler vor Ort ordern.

Rezension: #Velázquez- Das vollständige Werk- Odile Delenda- #Taschen-Verlag

Dieser Prachtband aus dem Taschen-Verlag ist das aktualisierte Standardwerk, das das gesamte Schaffen  von Diego Rodríguez de Silva y Velàlazquez (1599- 1660) vereint und in diesem Zusammenhang auch Neuaufnahmen von kürzlich erst restaurierten Gemälden zeigt. 

Die Autoren des Buches, das in einem es gut schützenden Karton geliefert wird, sind José López Rey (1905- 1991) und Odile Delenda. López Rey war am renommierten  "Institute of Fine Arts"  in New York Professor und Forscher. Er ist Autor von über 100 wissenschaftlichen Publikationen und zehn Büchern über die spanische Malerei. Durch seine Publikationen zu Velázquez erlangte er weltweit den Ruf als Experte. 

Odile Delenda war bis 2007 als Professorin im Louvre tätig. Sie arbeitet seit 1990 zudem für das Wildenstein Institute in Paris und widmet sich dort den Forschungen zur spanischen Kunst des Goldenen Zeitalters. 

Das vorliegende Buch beginnt mit einem Vorwort von Guy Wildenstein, dessen Institute gemeinsam mit dem Taschen-Verlag für ausgesuchte Detailabbildungen und Neuaufnahmen von jetzt erst restaurierten Gemälden Velázquez  für den  vorliegenden Kunstband sorgte. 

Es folgen daraufhin Einleitungen zu den Ausgaben von 1979, 1981 und 1996 von José López-Rey und Odile Delenda. Hier erfährt man, dass die Autoren mittels der Publikation zwei Ziele umsetzen wollten. Zum einen lag die Absicht darin, eine Interpretation des Künstlers #Velázquez inklusive seiner historischen Persönlichkeit zu liefern, aber auch einen nach den jüngsten Erkenntnissen zusammengestellten Katalog seines Gesamtwerkes vorzulegen. 

#Odile_Delenda hat im März 2014 das Vorwort verfasst, in dem sie sich auch zu Neuzuschreibungen äußert. Zunächst informiert sie über den Werkkatalog von #José_ López_Rey, um dann die neuen Ausgaben von Taschen und dem Wildenstein Institute zu reflektieren. Dabei erschien es den Herausgebern notwendig für die hier vorliegende Ausgabe, die bibliographischen Angaben, abgesehen von erheblichen Ergänzungen, für die Zeit nach 1980, auch um die Angaben zu den Werken zu vervollständigen, die in den Ausstellungen der letzten Jahre gezeigt wurden. 

In Vergleich zu den früheren Ausgaben ist ein formaler Unterschied festzuhalten und zwar in den Illustrationen und der Präsentation der Gemälde nach großen Kapiteln, die den verschiedenen Etappen in der Karriere des Malers in der Zeit von Philipp IV. entsprechen. 

Aufgeklärt wird man über neue wissenschaftliche Beiträge und auch neue Gemälde und Einzelheiten zum Werk, bevor man sich in Abbildungen von Neuzuschreibungen vertiefen kann. Es folgen daran anschießend Textbeiträge und Werksabbildungen, untergliedert in: 
I. Velázquez in Sevilla (1599-1622) 
II. Madrid und der Hof. Die entscheidenden Jahre (1622-1628) 
III. Die Begegnung mit Rubens. Der erste Italienaufenthalt 
IV. Rückkehr nach Madrid und der Salón del Buen Retiro (1631-1635) 
V. Die Torre de la Parada. Zwerge und Narren (1636-1645) 
VI. Porträts. Die Hauptthemen (1638- 1648)
VII. Der zweite Italienaufenthalt (1648-1651) 
VIII. Die letzten Werke. Das Atelier (1651-1660) 

Diesen Kapiteln sind kluge Sentenzen unterschiedlicher Autoren vorangestellt. Im Rahmen der acht Textbeiträge erfährt man alles über das Leben und Schaffen des Künstlers, einem Sonntagskind, das am 6. Juni 1599 das Licht der Welt erblickte und der als einer der wohl bedeutendsten Barockmaler gilt. Er schuf Farb- und Lichterscheinungen, die in seiner Zeit als neu galten und erst später von Impressionisten wie Édouard Manet wieder aufgegriffen wurden. 

Man wird über seine Familie und seinen Namen in Kenntnis gesetzt, liest Wissenswertes zu seiner Erziehung und Ausbildung und hier auch von seinem Lehrer Francisco Pacheco, bei dem er 1617 seine Meisterprüfung ablegte und bis zur Aufnahme in die Malerkorporation blieb. Unterrichtet wird man von seinen ersten Erfolgen und auch darüber, dass er in jungen Jahren seine Werke nur höchst selten datierte und signierte. 

Ab 1620 bildete er in einer eigenen Werkstatt bereits Lehrlinge aus. Es führt zu weit, auf die Bildbeschreibungen im Buch näher einzugehen. Diese aber zu lesen, macht das Können des spanischen Künstlers erst wirklich bewusst und verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass Kunst kommuniziert wird, um auf diese Weise mehr als nur Empfindungen auszulösen. 

Man liest von dem ersten Aufenthalt  des Malers bei Hofe im Jahre 1622. Dort entstand das erste Porträt König Philipps, der ihn in seinen Dienst berief. Ab 1624 ließ sich Velazquez in Madrid nieder. Man erhält aufgrund der Porträtabbildungen aus jener Zeit einen Eindruck von den Fähigkeiten dieses begnadeten Porträtmalers, um sich dann mit seiner ersten Italienreise (1629-1631) zu befassen. Dort wurde er in Rom zum Mitglied der Accademia di S. Luca ernannt. 

Zurückgekehrt nach Madrid nahm er Veränderungen am Bildgegenstand vor. Man liest über einzelne Hofporträts, mythologische Darstellungen, Bilder religiösen Inhalts etc und erfährt Näheres zum großen Saal des Buen Retiro. Für diesen Saal war das Reiterporträt Philipps IV. bestimmt, über das man im Buch umfassend aufgeklärt wird. 

Man liest  des Weiteren über Velázquez als Maler des Sieges, dokumentiert in dem Gemälde "Übergabe von Breda", das ebenfalls für den großen Saal Buen Retiro bestimmt war. Dieses Bild ist großformatig zu betrachten, weil es aufgeklappt werden kann. Auffallend ist die versöhnliche Geste der Protagonisten, die die Klugheit des Malers dokumentiert. 

Eines der Gemäldeabbildungen im Buch, die mich am meisten beeindruckt, ist sein "Christus am Kreuz", das er 1632 schuf, also mitten in der Zeit, als in Europa der Dreißigjährige Krieg wütete. Man wird mit vielen Reiterbildern in der Folge konfrontiert. Hier fasziniert speziell "Isabella von Bourbon zu Pferde" in ihrem schönen Gewand in dezenten Farbtönen auf einem edlen Schimmel. 

Über Zwerge und Hofnarren liest man, weil der Künstler auch diese für die Ewigkeit festhielt. Nicht selten imitierten die Narren berühmte Persönlichkeiten und trugen speziell angefertigte Kostüme. 

Das Hauptthema  von Velázquez aber waren Porträts. Diesbezüglich wird man umfassend informiert und hat die Chance sich in Bilder zu vertiefen, die von seltener Ausdruckskraft sind. Eines der Bilder habe ich in Dresden im Original bereits bewundern dürfen, abgebildet ist der "Ritter von Santiago", dessen Blick tiefes Bewusstsein nicht verbirgt. 

Auch der zweite Italienaufenthalt kommt zur Sprache und die letzten Werke des Künstlers, darunter das letzte Porträt der Königin und Bilder von der königlichen Familie. 

Die Werke, die im Buch zu sehen sind, werden im Anschluss im Katalog präzise erläutert. Hier auch erfährt man stets die Zeit, wann die einzelnen Werke entstanden sind, ebenso wer sie zur Zeit besitzt. Auch Angaben zu Größe und Technik werden bereitgestellt. 

Das Buch ist eine große Kostbarkeit, das in keiner Kunstbuchsammlung fehlen darf. 

Ich empfehle es sehr gerne, denn es ist einfach wundervoll.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum  Verlag und können das Buch bestellen: http://www.taschen.com/pages/de/search/result.1.htm?show_all=catalogue&search_string=%22vel%C3%A1zquez.+complete+works%22. Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler  um die Ecke beziehen.

Rezension: #Hasselblad Masters VOL. 4 Evolve - teNeues

Hasselblad produziert seit mehr als fünf Jahrzehnten hoch-wertige Fototechnologie und finanziert den angesehenen Masters-Wettbewerb der Foto-grafie, mit dem etablierte Spitzen-fotografen und herausragende New-comer gewürdigt werden. 

Die ständig fort-schreitende Mission von Hasselblad besteht darin, die besten Kameras der Welt zu entwickeln. In diesem Sammelband stellen 12Top-Fotografen ihre Bilder zu dem Thema "Evolve" vor. 

Die Preisträger wurden aus fast 4000 Bewerbern ausgewählt und bekamen die Chance, ihre Ideen mit erstklassigem Hasselblad-Equipment umzusetzen. Nicht nur eine 24-köpfige Fachjury konnte über die Gewinner abstimmen, auch die Öffentlichkeit war aufgerufen, online ihre Lieblingsbilder auszuzeichnen. 

Zu den Auswahlkriterien zählen neben erkennbarer Ambition, Ideenreichtum sowie fotografisch-technischen Fähigkeiten auch das Talent, Emotionen abzubilden. Zusätzlich zu den bewährten Kategorien wie Architektur, Fashion und Porträt wurde nun erstmals Unterwasserfotografie in den Wettbewerb einbezogen1) 

Ian Rawcliffe hat das Vorwort verfasst, das in mehrere Sprachen übersetzt worden ist. 

Gezeigt werden Werke von Rafal Maleszyk, Roman Jehanno, Hengki Koentjoro, Dmitry Ageev, Bryn Griffiths, Paul Gisbrecht, Chris Straley, Joreph Goh Meng Huat, Rafael Rojas, über die man auf den letzten Seiten des Buches Näheres erfährt und zwar in englischer Sprache. 

Besonders beeindruckt haben mich die Werke des Portugiesen António Pedrosa. Er fängt die Stille in der Natur eindrucksvoll in seine Bilder ein und hinterlässt mystisch anmutende Impressionen.

Sehr empfehlenswert.

Helga König
1) vgl.: teNeues Website

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum teNeues -Verlag und können das Buch bestellen. http://www.teneues.com/shop-de/buecher/neue-produkte/hasselblad-masters-vol-4.html.
Sie können es aber auch bei ihrem Buchhändler vor Ort ordern.

Rezension: Das Puppenhaus der #Queen- Lucinda Lambton- Gerstenberg

Lucinda Lambton ist Autorin und Fotografin dieses schönen und informativen Buches, das sich mit einer architektonischen Meisterleistung befasst. Es geht dabei um das Puppenhaus der Queen, ein kleines, höchst interessantes Gebäude, das allerdings  nicht zum Spielen gedacht ist.

Über 1500 Künstler, Handwerker und Facharbeiter wirkten an diesem Kleinod für #Queen_Mary, das ihr königliche Zuhause repräsentiert.

Queen Mary war eine obsessive Sammlerin von Kunstgegenständen, speziell von "Winzigkeiten", die eine familiäre Bedeutung hatten. Das Puppenhaus verkörpert britische Exzentrik. Es wurde von namhaften Architekten gestaltet und im Detail mit viel Liebe gefertigt.

Das Buch ist in fünf Kapitel gegliedert:

Architektur und Ornamentik
Personaltrakt
Wohn- und Repräsentationsräume
Familienleben
Bibliothek und Kunstsammlung

Fertiggestellt wurde das Kunstwerk 1924 und seither wurde es nicht mehr von Menschenhand berüht.

1921 wurde dieses Kleinod geplant. Der berühmte Architekt Sir Edwin Lutyens empfand die Planung als ausgeklügelte architektonische Fingerübung, die er im Maßstab 1:12 - 1,52 m hoch, 2,59 m breit und 1,49 m tief erdachte. Um das Bauwerk präsentieren zu können, gestaltete Lutyens die "geniale elektrische Apparatur". Sie ermöglichte, dass die Außenmauern des Puppenhauses abgehoben werden können.

Es ist wahrlich erstaunlich wie detailgetreu das Zuhause von Queen Mary nachgebaut und gestaltet worden ist, bis  hin zu den Deckengemälden.

Im Rahmen der einzelnen Kapitel wird man mit allem vertraut gemacht, selbst dem Küchenutensilien und den Dingen aus der Wäschekammer. Sogar eine Miniatur-"Singer"- Nähmaschine ist zu bewundern und das Inventar des Weinkellers, das präzise aufgelistet wird.

Die Wohn- und Repräsentationsräume in Miniatur sind Glanzstücke aller, die daran gearbeitet haben, wobei mich die Bibliothek besonders fasziniert. Die kleinen Bücher sind nicht größer als eine Briefmarke. Die darin enthaltenen Texte sind teilweise hangeschrieben. Winzig auch sind die Gemäldenachbildungen und die Mini-Partituren, die dokumentieren, wozu Menschen künstlerisch und kunsthandwerklich fähig sind.

Das Buch empfehle ich sehr gerne, denn es gibt viel zu sehen und Spannendes zu lesen und es zeigt, wozu der Mensch fähig ist, wenn er gestaltet und nicht zerstört.

Einfach wunderbar.

Klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Gerstenberg-Verlag und können das Buch bestellen:https://www.gerstenberg-verlag.de/. Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler vor Ort ordern.

Rezension Die Retrospektive- #Hans_Christiansen- Hatje Cantz

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die noch bis zum 1. 2.2015 in Darmstadt auf der Mathildenhöhe gezeigt wird. Herausgeber dieses reich bebilderten Katalogs sind Ralf Beil, Dorothee Bieske, Michael Fuhr und Philipp Gutbrot. 

Für alle, die Hans Christiansen (1866- 1945) noch nicht kennen, ist es empfehlenswert, sich zunächst in der Kurzbiografie auf Seite 209 einen kurzen Überblick über dessen Lebensdaten zu verschaffen.

Der gebürtige Flensburger Hans Christiansen studierte an der Kunstgewerbeschule in München, lebte einige Jahre in Paris und war dort als Maler tätig. 1896 gründete er in München die Zeitschrift "Jugend" und wurde 1899 durch Großherzog Ernst Ludwig von Hessen an die Künstlerkolonie Darmstadt berufen. 

Im Jahre 1900 beteiligte es sich an der Weltausstellung in Paris und ein Jahr später an der ersten Ausstellung der Künstlerkolonie Darmstadt. 1902 trat er aus der Darmstädter Kolonie aus und lebte ab 1911 in Wiesbaden, wo er als Lehrer an der Kunstgewerbeschule tätig war. Da er mit einer Jüdin verheiratet war, wurde er 1933 aus der Reichskunstkammer und der Reichsschrifttumkammer wegen seiner Ehe mit einer jüdischen Frau ausgeschlossen. Ausstellungen und Veröffentlichungen wurden ihm fortan versagt.

Hans Christiansen ist eine der bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten des Jugendstils. Im Rahmen von sechs Essays kann man sich im vorliegenden Buch eine konkrete Vorstellung von ihm und seinem Tun beschaffen. Bei den Essays handelt es sich um: 

"Meine Zeit wird schon noch kommen…" Hans Christiansen und das Problem seiner kunsthistorischen Bewertung –Michael Fuhr 

"„…Einfachheit, Natur, Poesie…" Hans Christiansen. Vom Historismus zum Jugendstil- Dorothee Bieske

"...in`s richtige Fahrwasser gebracht…“ Hans Christiansen in Paris- Claudia Kanowski 

"Die Kunst als “Sonnenschein des Lebens"- Hans Christiansen auf der Mathildenhöhe Darmstadt- Philipp Gutbrod 

"Leben und Wirken in Wiesbaden" "„Dann kam das schreckliche Ende. Die Nazi-Regierung“- Margret Zimmermann-Degen 

Nochmals möchte ich  erwähnen, dass  Christiansen prägend für den Jugendstil war. In Darmstadt entwickelte er sich zum  "Gesamtkunsthandwerker", der erfolgreiche Motive und Bildideen bevorzugt wiederverwendete, so etwa Mohnblumen, Schwäne, Nixen und Seeungeheuer. Sein Meisterstück war eine Variation von Rosenmotiven. Dieses fand sich in der Villa  "In Rosen" auf der Mathildenhöhe fast in allen Zimmern wieder, so etwa in Glasfenstern, in der Wandmalerei, als Vorhang, Tischdecke, Teppich etc. Zwar waren die Farben den jeweiligen Materialien angepasst, aber der Stil war unverwechselbar. 

Typisch für diesen Künstler sind schwungvolle Linien, vegetabile Formen, Bildkompositionen mit einer ornamentalen Rahmung, verbunden mit erzählerischen Inhalten. Zudem gibt es rein ornamentale Entwürfe, beispielsweise für Textilien und Tapeten. Die Plakate und Illustrationen des Künstlers, seine Entwürfe für Kunstverglasungen und Bildteppiche sind in ihrer Vereinfachungen der Form, der rhythmischen Gliederung der Flächen und der Unterordnung einzelner Bildelemente und Lokalfarben unter einem dekorativen Gesamtkontext Musterbeispiele des deutschen Jugendstils, hebt Michael Fuhr hervor. 

Es führt zu weit, auf die einzelnen Essays hier inhaltlich näher einzugehen. Besitzer des Katalogs allerdings sollten die Texte aufmerksam lesen, weil sie zu einem besseren Verständnis der Bilder führen. Wichtig zu wissen ist u.a., dass Christiansen in den Pariser Jahren sich endgültig vom Historismus löste und ein besonderes Geschick mit Farben entwickelte, angeregt durch die Académie Julian.

Im Buch werden eine Reihe wundervoller Postkartenentwürfe gezeigt, die sein Farbgefühl sehr gut verdeutlichen. Auch Entwürfe für Verglasungen wie etwa "Drei junge Frauen in Parklandschaft mit See" faszinieren der schönen Formen und abgestimmten Farben wegen und man ist einfach angetan von der Stimmigkeit und Harmonie des Gesamteindrucks der Werke. 

Besonders neugierig gemacht hat mich der Essay von Philipp Gutbrod, denn hier erfährt man mehr zum Leben des Künstlers auf der Mathildenhöhe. Dort hatte er mit seiner "Villa Rosen" ein Gesamtkunstwerk kreiert und parallel dazu Plakate, Teller, Gläser und Vasen entworfen. Auf alten Fotos aus dem Jahre 1901 kann man die Villa im alten Zustand genau betrachten und sich der Originalität erfreuen. 

Hans Christiansen verstarb 1945 in Wiesbaden noch während der entsetzlichen Nazi-Zeit. Mit seinem Tod erlosch der Schutz seiner jüdischen Gattin Claire. Sie überlebte die Schikanen und Unmenschlichkeit und verließ Deutschland. Claire Christiansen wurde 103 Jahre alt und verstarb 1975. Bis zu ihrem Tode kämpfte sie für die Wiederentdeckung des Werkes ihres Gatten, dessen Grabstätte 1999 als Ehrengrab gewürdigt wurde. 

Sehr empfehlenswert.

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Rezension: "Goethe und Rembrandt der Denker"- Frankfurter Goethehaus- Freies Deutsches Hochstift

Dies ist das Begleitheft zur Ausstellung "Goethe und Rembrandt der Denker", die vom 18.12. 2014 bis zum 8. März 2015 im Frankfurter Goethehaus, Freies Deutsches Hochstift gezeigt wird.

Das Begleitheft ist im "Vier-Türme-Verlag" gedruckt und von Nina Sonntag graphisch gestaltet worden. Hier erfährt man gleich zu Beginn, dass Rembrandt Harmensz van Rijn (1606-1669) neben Raffael und Dürer zu den Künstlern zählte, die Goethe als Kunstliebhaber nie aus den Augen verlor.

Rembrandt war bereits zu seinen Lebzeiten berühmt. Deshalb auch versuchten nicht wenige Kunstschaffende, seinen Stil zu kopieren. Dabei übernahmen sie das atmosphärische Helldunkel sowie die pittoresken Motive.

Rembrandteskes Motivgut wurde über Generationen tradiert bis es in populären Genredarstellungen mit stimmungsvollen Lichteffekten aufging. Da die Nachfrage nach seinen Werken immer mehr anstieg, kursierten viele Kopien, falsche Zuschreibungen oder auch Fälschungen. Rembrandts Druckgrafiken waren allerdings ziemlich gesichert durch das Gesamtverzeichnis von Edmé-Francois Gersaint.

In Goethes Elternhaus lassen sich keine Radierungen Rembrandts nachweisen. Der Dichter näherte sich 1771 durch Johann Heinrich Merck an Rembrandt an, denn dieser war ein Rembrandtkenner. Für Goethe wurde das Befassen mit dem niederländischen Maler in jenen Jahren ein Teil seiner Lebenswelt.

Man liest von Goethes Verbindung zu Lavater. Beide vertraten die Meinung, dass Raffael für das idealtypisch Schöne, Gute und Wahre stünde, wohingegen Rembrandt üble Charaktere prägnant darstelle.

Goethe schätzte die Darstellung allgemeinmenschlicher, zeitlos gültiger Aussagen in der bildenden Kunst, insofern mochte er Rembrandts Darstellung der Mutterliebe, in der das Göttliche mit dem Menschlichen zusammenfällt. Goethe zeichnete nach Motiven von Rembrandt und verwendete eine Radierung dieses Künstlers in Rom, um in seiner Zeichenpraxis verschiedene Möglichkeiten der Transformation zu erproben.

Nach seiner Italienreise soll  der Dichter sich intensiv mit Rembrandts künstlerischem Verfahren auseinandergesetzt haben. Dabei befasste er sich nicht nur mit Rembrandts Graphik, sondern auch mit seinen Gemälden, allerdings in Form von Reproduktionsgraphiken. Goethe besaß eigene Rembrandt-Radierungen. Darauf wird man im Begleitheft zur Ausstellung hingewiesen und man kann sich in einer Auflistung gezielt kundig machen.

Die Anziehung die Rembrandt auf Goethe ausübte,  mündete in dem Aufsatz "Rembrandt der Denker". Hier macht Goethe deutlich, dass Rembrandt mittels einer raffinierten Technik beim Betrachter Assoziationen auszulösen vermag. Der Niederländer war demnach ein gedanklicher Maler. 

Immer wieder werden Arbeiten von Rembrandt, die in der Ausstellung zu sehen sind,  im Begleitheft gezeigt, darunter sehr viele Selbstbildnisse, eine Charakterstudie, Genreszenen, die Darstellung der Weihnachtsgeschichte, das Christusbild, "Die drei Kreuze" und auch "Ein Gelehrter in seinem Studierzimmer", sowie Aktdarstellungen von Kunst und Künstlern. Dazu kommen Bilder des Frankfurter Malkreises in Rembrandts Manier und Radierungen von Goethe.

Sehr lehrreich. Empfehlenswert.

Helga König

Bild:
Rembrandt Harmensz. van Rijn (1606–1669) Gelehrter in seinem Studierzimmer ("Faust" / "De practiserende alchimist") Radierung, um 1652 © Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum


Hier können Sie die Publikation bestellen: http://www.goethehaus-frankfurt.de/publikationen