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Rezension: Das Puppenhaus der #Queen- Lucinda Lambton- Gerstenberg

Lucinda Lambton ist Autorin und Fotografin dieses schönen und informativen Buches, das sich mit einer architektonischen Meisterleistung befasst. Es geht dabei um das Puppenhaus der Queen, ein kleines, höchst interessantes Gebäude, das allerdings  nicht zum Spielen gedacht ist.

Über 1500 Künstler, Handwerker und Facharbeiter wirkten an diesem Kleinod für #Queen_Mary, das ihr königliche Zuhause repräsentiert.

Queen Mary war eine obsessive Sammlerin von Kunstgegenständen, speziell von "Winzigkeiten", die eine familiäre Bedeutung hatten. Das Puppenhaus verkörpert britische Exzentrik. Es wurde von namhaften Architekten gestaltet und im Detail mit viel Liebe gefertigt.

Das Buch ist in fünf Kapitel gegliedert:

Architektur und Ornamentik
Personaltrakt
Wohn- und Repräsentationsräume
Familienleben
Bibliothek und Kunstsammlung

Fertiggestellt wurde das Kunstwerk 1924 und seither wurde es nicht mehr von Menschenhand berüht.

1921 wurde dieses Kleinod geplant. Der berühmte Architekt Sir Edwin Lutyens empfand die Planung als ausgeklügelte architektonische Fingerübung, die er im Maßstab 1:12 - 1,52 m hoch, 2,59 m breit und 1,49 m tief erdachte. Um das Bauwerk präsentieren zu können, gestaltete Lutyens die "geniale elektrische Apparatur". Sie ermöglichte, dass die Außenmauern des Puppenhauses abgehoben werden können.

Es ist wahrlich erstaunlich wie detailgetreu das Zuhause von Queen Mary nachgebaut und gestaltet worden ist, bis  hin zu den Deckengemälden.

Im Rahmen der einzelnen Kapitel wird man mit allem vertraut gemacht, selbst dem Küchenutensilien und den Dingen aus der Wäschekammer. Sogar eine Miniatur-"Singer"- Nähmaschine ist zu bewundern und das Inventar des Weinkellers, das präzise aufgelistet wird.

Die Wohn- und Repräsentationsräume in Miniatur sind Glanzstücke aller, die daran gearbeitet haben, wobei mich die Bibliothek besonders fasziniert. Die kleinen Bücher sind nicht größer als eine Briefmarke. Die darin enthaltenen Texte sind teilweise hangeschrieben. Winzig auch sind die Gemäldenachbildungen und die Mini-Partituren, die dokumentieren, wozu Menschen künstlerisch und kunsthandwerklich fähig sind.

Das Buch empfehle ich sehr gerne, denn es gibt viel zu sehen und Spannendes zu lesen und es zeigt, wozu der Mensch fähig ist, wenn er gestaltet und nicht zerstört.

Einfach wunderbar.

Klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Gerstenberg-Verlag und können das Buch bestellen:https://www.gerstenberg-verlag.de/. Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler vor Ort ordern.

Rezension Die Retrospektive- #Hans_Christiansen- Hatje Cantz

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die noch bis zum 1. 2.2015 in Darmstadt auf der Mathildenhöhe gezeigt wird. Herausgeber dieses reich bebilderten Katalogs sind Ralf Beil, Dorothee Bieske, Michael Fuhr und Philipp Gutbrot. 

Für alle, die Hans Christiansen (1866- 1945) noch nicht kennen, ist es empfehlenswert, sich zunächst in der Kurzbiografie auf Seite 209 einen kurzen Überblick über dessen Lebensdaten zu verschaffen.

Der gebürtige Flensburger Hans Christiansen studierte an der Kunstgewerbeschule in München, lebte einige Jahre in Paris und war dort als Maler tätig. 1896 gründete er in München die Zeitschrift "Jugend" und wurde 1899 durch Großherzog Ernst Ludwig von Hessen an die Künstlerkolonie Darmstadt berufen. 

Im Jahre 1900 beteiligte es sich an der Weltausstellung in Paris und ein Jahr später an der ersten Ausstellung der Künstlerkolonie Darmstadt. 1902 trat er aus der Darmstädter Kolonie aus und lebte ab 1911 in Wiesbaden, wo er als Lehrer an der Kunstgewerbeschule tätig war. Da er mit einer Jüdin verheiratet war, wurde er 1933 aus der Reichskunstkammer und der Reichsschrifttumkammer wegen seiner Ehe mit einer jüdischen Frau ausgeschlossen. Ausstellungen und Veröffentlichungen wurden ihm fortan versagt.

Hans Christiansen ist eine der bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten des Jugendstils. Im Rahmen von sechs Essays kann man sich im vorliegenden Buch eine konkrete Vorstellung von ihm und seinem Tun beschaffen. Bei den Essays handelt es sich um: 

"Meine Zeit wird schon noch kommen…" Hans Christiansen und das Problem seiner kunsthistorischen Bewertung –Michael Fuhr 

"„…Einfachheit, Natur, Poesie…" Hans Christiansen. Vom Historismus zum Jugendstil- Dorothee Bieske

"...in`s richtige Fahrwasser gebracht…“ Hans Christiansen in Paris- Claudia Kanowski 

"Die Kunst als “Sonnenschein des Lebens"- Hans Christiansen auf der Mathildenhöhe Darmstadt- Philipp Gutbrod 

"Leben und Wirken in Wiesbaden" "„Dann kam das schreckliche Ende. Die Nazi-Regierung“- Margret Zimmermann-Degen 

Nochmals möchte ich  erwähnen, dass  Christiansen prägend für den Jugendstil war. In Darmstadt entwickelte er sich zum  "Gesamtkunsthandwerker", der erfolgreiche Motive und Bildideen bevorzugt wiederverwendete, so etwa Mohnblumen, Schwäne, Nixen und Seeungeheuer. Sein Meisterstück war eine Variation von Rosenmotiven. Dieses fand sich in der Villa  "In Rosen" auf der Mathildenhöhe fast in allen Zimmern wieder, so etwa in Glasfenstern, in der Wandmalerei, als Vorhang, Tischdecke, Teppich etc. Zwar waren die Farben den jeweiligen Materialien angepasst, aber der Stil war unverwechselbar. 

Typisch für diesen Künstler sind schwungvolle Linien, vegetabile Formen, Bildkompositionen mit einer ornamentalen Rahmung, verbunden mit erzählerischen Inhalten. Zudem gibt es rein ornamentale Entwürfe, beispielsweise für Textilien und Tapeten. Die Plakate und Illustrationen des Künstlers, seine Entwürfe für Kunstverglasungen und Bildteppiche sind in ihrer Vereinfachungen der Form, der rhythmischen Gliederung der Flächen und der Unterordnung einzelner Bildelemente und Lokalfarben unter einem dekorativen Gesamtkontext Musterbeispiele des deutschen Jugendstils, hebt Michael Fuhr hervor. 

Es führt zu weit, auf die einzelnen Essays hier inhaltlich näher einzugehen. Besitzer des Katalogs allerdings sollten die Texte aufmerksam lesen, weil sie zu einem besseren Verständnis der Bilder führen. Wichtig zu wissen ist u.a., dass Christiansen in den Pariser Jahren sich endgültig vom Historismus löste und ein besonderes Geschick mit Farben entwickelte, angeregt durch die Académie Julian.

Im Buch werden eine Reihe wundervoller Postkartenentwürfe gezeigt, die sein Farbgefühl sehr gut verdeutlichen. Auch Entwürfe für Verglasungen wie etwa "Drei junge Frauen in Parklandschaft mit See" faszinieren der schönen Formen und abgestimmten Farben wegen und man ist einfach angetan von der Stimmigkeit und Harmonie des Gesamteindrucks der Werke. 

Besonders neugierig gemacht hat mich der Essay von Philipp Gutbrod, denn hier erfährt man mehr zum Leben des Künstlers auf der Mathildenhöhe. Dort hatte er mit seiner "Villa Rosen" ein Gesamtkunstwerk kreiert und parallel dazu Plakate, Teller, Gläser und Vasen entworfen. Auf alten Fotos aus dem Jahre 1901 kann man die Villa im alten Zustand genau betrachten und sich der Originalität erfreuen. 

Hans Christiansen verstarb 1945 in Wiesbaden noch während der entsetzlichen Nazi-Zeit. Mit seinem Tod erlosch der Schutz seiner jüdischen Gattin Claire. Sie überlebte die Schikanen und Unmenschlichkeit und verließ Deutschland. Claire Christiansen wurde 103 Jahre alt und verstarb 1975. Bis zu ihrem Tode kämpfte sie für die Wiederentdeckung des Werkes ihres Gatten, dessen Grabstätte 1999 als Ehrengrab gewürdigt wurde. 

Sehr empfehlenswert.

Folgen Sie bitte nachstehendem Link, dann können Sie das Buch beim Verlag bestellen.
http://www.hatjecantz.de/suchergebnisse-624-0.html?q=Hans+Christiansen. Sie können es aber auch direkt  bei  Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern. 

Rezension: "Goethe und Rembrandt der Denker"- Frankfurter Goethehaus- Freies Deutsches Hochstift

Dies ist das Begleitheft zur Ausstellung "Goethe und Rembrandt der Denker", die vom 18.12. 2014 bis zum 8. März 2015 im Frankfurter Goethehaus, Freies Deutsches Hochstift gezeigt wird.

Das Begleitheft ist im "Vier-Türme-Verlag" gedruckt und von Nina Sonntag graphisch gestaltet worden. Hier erfährt man gleich zu Beginn, dass Rembrandt Harmensz van Rijn (1606-1669) neben Raffael und Dürer zu den Künstlern zählte, die Goethe als Kunstliebhaber nie aus den Augen verlor.

Rembrandt war bereits zu seinen Lebzeiten berühmt. Deshalb auch versuchten nicht wenige Kunstschaffende, seinen Stil zu kopieren. Dabei übernahmen sie das atmosphärische Helldunkel sowie die pittoresken Motive.

Rembrandteskes Motivgut wurde über Generationen tradiert bis es in populären Genredarstellungen mit stimmungsvollen Lichteffekten aufging. Da die Nachfrage nach seinen Werken immer mehr anstieg, kursierten viele Kopien, falsche Zuschreibungen oder auch Fälschungen. Rembrandts Druckgrafiken waren allerdings ziemlich gesichert durch das Gesamtverzeichnis von Edmé-Francois Gersaint.

In Goethes Elternhaus lassen sich keine Radierungen Rembrandts nachweisen. Der Dichter näherte sich 1771 durch Johann Heinrich Merck an Rembrandt an, denn dieser war ein Rembrandtkenner. Für Goethe wurde das Befassen mit dem niederländischen Maler in jenen Jahren ein Teil seiner Lebenswelt.

Man liest von Goethes Verbindung zu Lavater. Beide vertraten die Meinung, dass Raffael für das idealtypisch Schöne, Gute und Wahre stünde, wohingegen Rembrandt üble Charaktere prägnant darstelle.

Goethe schätzte die Darstellung allgemeinmenschlicher, zeitlos gültiger Aussagen in der bildenden Kunst, insofern mochte er Rembrandts Darstellung der Mutterliebe, in der das Göttliche mit dem Menschlichen zusammenfällt. Goethe zeichnete nach Motiven von Rembrandt und verwendete eine Radierung dieses Künstlers in Rom, um in seiner Zeichenpraxis verschiedene Möglichkeiten der Transformation zu erproben.

Nach seiner Italienreise soll  der Dichter sich intensiv mit Rembrandts künstlerischem Verfahren auseinandergesetzt haben. Dabei befasste er sich nicht nur mit Rembrandts Graphik, sondern auch mit seinen Gemälden, allerdings in Form von Reproduktionsgraphiken. Goethe besaß eigene Rembrandt-Radierungen. Darauf wird man im Begleitheft zur Ausstellung hingewiesen und man kann sich in einer Auflistung gezielt kundig machen.

Die Anziehung die Rembrandt auf Goethe ausübte,  mündete in dem Aufsatz "Rembrandt der Denker". Hier macht Goethe deutlich, dass Rembrandt mittels einer raffinierten Technik beim Betrachter Assoziationen auszulösen vermag. Der Niederländer war demnach ein gedanklicher Maler. 

Immer wieder werden Arbeiten von Rembrandt, die in der Ausstellung zu sehen sind,  im Begleitheft gezeigt, darunter sehr viele Selbstbildnisse, eine Charakterstudie, Genreszenen, die Darstellung der Weihnachtsgeschichte, das Christusbild, "Die drei Kreuze" und auch "Ein Gelehrter in seinem Studierzimmer", sowie Aktdarstellungen von Kunst und Künstlern. Dazu kommen Bilder des Frankfurter Malkreises in Rembrandts Manier und Radierungen von Goethe.

Sehr lehrreich. Empfehlenswert.

Helga König

Bild:
Rembrandt Harmensz. van Rijn (1606–1669) Gelehrter in seinem Studierzimmer ("Faust" / "De practiserende alchimist") Radierung, um 1652 © Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum


Hier können Sie die Publikation bestellen: http://www.goethehaus-frankfurt.de/publikationen

Rezension: #Armin_Mueller_Stahl – #Arbeiten_auf_Papier- Works on Paper- #Hatje_ und_Cantz

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Armin Mueller- Stahl – Menschenbilder und Landschaften Arbeiten auf Papier", die vom 2.Dezember 2014 bis zum 10. Januar 2015 in Überlingen in der Galerie Heike Schumacher gezeigt wird.

Die Lebensdaten des Künstlers, der 1930 in Tilsit, Ostpreußen geboren wurde, kann man den letzten Seiten des Buchs entnehmen. Hier erfährt man, dass Mueller-Stahl 1949 in Berlin sein Musikstudium begann, zwei Jahre später dann Schauspielunterricht nahm und sich der Malerei zuwandte. Nach abgeschlossenem Studium hatte er drei Jahre danach seine erste Spielfilmrolle und erhielt 1963 den Kunstpreis in der DDR, wurde 1974 für den Oscar nominiert und verließ 1979 die DDR, um ein Jahr später seinen ersten Roman zu veröffentlichen und mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet zu werden. 

Zwei Jahre danach folgte der Bundesfilmpreis und in den Jahren darauf eine Vielzahl anderer Ehrungen, die sein gesamtes vielfältiges Können verdeutlichen. Ein Blick auf die Liste der Ausstellungen, die er bei aller Arbeit auch noch realisiert hat, macht unmissverständlich klar, dass es sich bei Armin Mueller-Stahl um einen echten Preußen handelt, der wie kein anderer das preußische Arbeitsethos künstlerisch umsetzt. Dies ist eine Glanzleistung für sich.

Das Vorwort zum Katalog hat Björn Engholm verfasst. Hier äußert er sich zum bildkünstlerischen Schaffen Mueller –Stahls. Viele kennen den Künstler als Schauspieler, dass er aber international als begnadeter Musiker brillierte wird nicht jedem bekannt sein, dass er zudem Bücher verfasst hat, zumeist Erzählungen und zudem auch noch malt, darüber schreibt Engholm, der den Leser wissen lässt, dass sich in freier bildnerischer Arbeit die vielfältigen Talente Mueller-Stahls bündeln. 

Seine Bildschöpfungen sind lt. Engholm das Ergebnis intensiver Reflexion, letztlich Widerspiegelungen des eigenen Lebens. Gleichwohl gingen die Aussagen über das Biographische hinaus. Es stimmt, die spürbare Authentizität, gepaart mit der Chance unmittelbarer Identifikation verringert die Zugangsschwelle zu den Bildern und schenkt ihnen eine hohe Anmutsqualität. 

Engholm verdeutlicht, dass sich durch das ganze Leben des Künstlers eine bestimmte Haltung wie ein roter Faden gezogen hat und zwar,  indem Mueller-Stahl frei im Denken und Tun sei, die Freiheit anderer achte und schütze, Toleranz übe und Vorurteile, Hass und Gewalt verachte. Diese Haltung bestimme auch sein Bildwerk. 

Sowohl Zeichnungen, Malereien und seine grafischen Arbeiten sind konsequent am Realen orientiert und es sind Zeichnungen, die Grundlage aller Arbeiten darstellt. Obschon die Bilder mit dem Realen verbunden sind, bilden sie das Reale nicht naturalistisch ab, sondern befassen sich mit dem Charakteristischen des Bildobjektes und gewähren gleichzeitig Einblicke in die Empfindungen des Bildschöpfers. 

Wer sich auf Armin-Mueller-Stahls bildkünstlerisches Werk einlasse,  erlebe, so Engholm,  was der griechische Lyriker Simonides von Keos und später auch Leonardo da Vinci mit dem Begriff "Malerei als stumme Poesie" beschrieben haben: "Bilderzählungen mit schwer beschreiblicher Sogkraft, Bilder, die im Auge der Betrachtenden magische Momente auslösen, buchstäblich sprechende Bilder: Poesie des Realen"

Der Katalogteil ist in die Rubriken:

Kopfgeburten
La (abstrakte Werke) 
Porträts 
Doppelporträts 
Figuren 
Gruppen 
Fromme Gesänge
Übermalte Fotos

untergliedert. 

Die 273 gezeigten Werke erzählen viel über den Künstler, der ein wahrer Poet ist und als solcher einen bestimmten Zugang zu seinen Bildobjekten erhält, den er in seinen gedanklich-poetischen Bildern dem Betrachter subtil offenbart.

Zu Ende des Buches hat man Gelegenheit einen Essay von Andreas Hallaschka zu lesen, der den Titel "Malen heißt fliegen" trägt. Hier zitiert er Armin-Mueller-Stahl: "Langsam übernimmt die Malerei mein Leben, Sie lässt die Zeit aus meinem Körper verschwinden. Wenn ich morgens in meinem Atelier zu arbeiten beginne und danach zum ersten Mal auf die Uhr schaue, dann ist es manchmal bereits halb zwei. Beim Malen erlebe ich Momente, in denen ich wirklich fliegen kann. Das ist die große Freiheit, die die Malerei dem Künstler bietet."

Ein  Werk, das ich gerne empfehle.

Helga König
PS: Die Texte im Buch sind in deutscher und englischer Sprache abgedruckt.

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Hatje und Cantz Verlag und können das Buch bestellen http://www.hatjecantz.de/armin-mueller-stahl-6277-0.html. Sie können es aber auch direkt beim Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: #Die_Tiere_von_Picasso- #Boris_Friedewald- #Prestel_Verlag

Boris Friedewald hat dieses wundervolle Buch geschrieben, das ich deshalb mit großem Interesse las, weil ich in #Antibes und #St._Paul_de_Vence Originale des Künstlers gesehen habe, deren Bild- bzw. Objektinhalt Tiere darstellen. Darüber mehr zu erfahren, war schon lange  eines meiner Anliegen.

#Picasso liebte das Leben und war ganz offensichtlich extrem tierlieb. Insofern wundert es nicht, dass der Autor in seinen Texten der Affinität Picassos zu Tauben, Katzen, Hunden, Affen, Pferden, Eulen, Ziegen, Fischen und Stieren nachgeht. 

Anhand von Werksabbildungen und Fotos kann man sich dies, was man den Texten entnimmt,  auch visuell vergegenwärtigen. Um sich die Lebensstationen des Künstlers vor der Lektüre der einzelnen Kapitel bewusst zu machen, sollte man die letzten Seiten des Buches zunächst einmal studieren. Dann auch weiß man genau, wer Francois Gilot war. 

Friedemann beginnt mit einem Zitat dieser Malerin seinen ersten Text, der sich mit Picassos Tauben befasst. Gilot schreibt "Pablo liebte es, sich mit Vögeln und anderen Tieren zu umgeben. Im Allgemeinen waren sie vom Misstrauen ausgenommen, mit dem er seine menschlichen Freunde betrachtete." Der Autor erzählt in den einzelnen Kapiteln Anekdotisches aus dem Leben Picassos, das jeweils im Zusammenhang mit den Tieren steht, die die Protagonisten der einzelnen Kapitel sind.

Picasso lebte mit Tieren, auch Tauben konnten sich in seinem Atelier aufhalten. Sie inspirierten ihn augenscheinlich zu kreativem Tun. Dass eine seiner Tauben  zur Friedenstaube des Jahrhunderts wurde, soll nicht unerwähnt bleiben. So machte ein Plakat Picassos ihn zum Botschafter des Friedens, denn seine stilisierte Taube zierte die Plakate vieler Friedenskongresse nach dem 2. Weltkrieg, sei es in Sheffield, Paris, Berlin, Stockholm, Wien, Moskau oder Issy-les Moulinaux im Mai 1962. 

Auch den dann folgenden Kapiteln ist stets ein Zitat vorangestellt und es werden in den Texten stets viele - gewiss nur wenigen bekannten- Informationen zu Picassos Leben und Schaffen mit den jeweiligen Tieren  in kurzweilig zu lesender Form vermittelt.

Über dem Kapitel zu Picassos Ziegen liest man ein Zitat seiner Tochter Paloma "Wir hatten eine Menagerie in unserem Haus. Mein Vater war der hl Franz von Assisi- Tiere konnten seiner Aura nicht widerstehen."

Es ist ein Satz, der vielleicht zunächst ein wenig ironisch klingt, wenn man sich mit dem Leben des Künstlers bereits näher befasst hat, aber Paloma  hat ihn gewiss sehr ernst gemeint. Picasso war ein überaus vitaler, angstfreier Mensch, der seine emotionale Vielfalt lebte. Das Authentische werden die Tiere instinktiv erfasst und deshalb seine Nähe gesucht haben.

Sehr empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Verlag und können das Buch dort bestellen: http://www.randomhouse.de/Buch/Die-Tiere-von-Picasso/Boris-Friedewald/e465345.rhd?mid=4. Sie können es aber auch direkt beim Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: Till #Brönner- Faces of Talent- teNeues

Der Fotograf, der in diesem Prachtband gezeigten Schwarzweiß- Bilder ist der Musiker Till Brönner, der seine frühe Kindheit in Rom verbrachte, wo die ersten Grundsteine für sein ästhetisches und künstlerisches Empfinden gelegt wurden. Seine Schulzeit absolvierte der Künstler in Bad Godesberg. Dort erhielt er seinen ersten Trompetenunterricht und entschied sich im Alter von 14 Jahren Jazzmusiker zu werden.

Im Alter von 16 Jahren wurde er jüngstes Mitglied im frisch gegründeten Bundesjazzorchester unter Peter Herbholzheimer und fünf  Jahre danach- 1992- Solotrompeter des damaligen RIAS Tanzorchesters unter Horst Jankowski. Ab 1999 widmete sich Till Brönner vollständig seiner Solokarriere. Dabei verkauften sich eigene Alben beim renommierten Jazz-Label Verve bis heute über 1 Million Mal.  Sie erbrachten dem Musiker zwei Grammy- Nominierungen und sechs Echos. 

Zum Fotografieren kam Brönner eher durch Zufall. Seit 2009 fotografiert der Leica-Fan selbst. Dabei entstanden innerhalb von 5 Jahren beinahe ausschließlich spontane Momente sehr persönlicher Schwarzweiß-Porträts von Künstlern, Sportlern und Persönlichkeiten, mit denen man sich im vorliegenden Buch näher befassen kann.

Ines Fayed, die Chefredakteurin des Magazins Leica Fotografie hat das Vorwort geschrieben. Sie meint, dass das Besondere an Brönners Fotografien darin zu sehen sei, dass er die porträtierten Gesichter in den Rahmen seines Blicks zwinge. Erstaunlich jedoch sei die Nähe, die jedes Porträt in sich trage und der flüchtige Moment, der erst im Bild  durch die Fotografie sichtbar werde. 

Im Index erfährt man in englischer und deutscher Sprache, wer die einzelnen  Protagonisten sind und wie Till Brönner diese Personen sieht bzw. in welcher Beziehung er zu ihnen steht. 

Ein wunderbares Foto hat er u.a. von Armin-Müller- Stahl realisiert und auch sehr beeindruckt bin ich von dem Porträt Klaus Maria Brandauers. Für die Aufnahme hat der Fotograf nur 18 Sekunden benötigt und doch ist der Schauspieler völlig präsent. 

Eine tolle Aufnahme von Vincent Klink beeindruckt mich ebenso sehr, wie das nachdenkliche Foto von Hannelore Elsner. Unmöglich all die abgelichteten Personen zu benennen, alle Bilder laden zum Verweilen und Studieren ein. 

Zwei Bilder haben mir es besonders angetan. Das eine zeigt Bob Geldof, das andere Sebastian Koch. Beide Männer haben einen faszinierenden Gesichtsausdruck, der viel von ihrer inneren Tiefe freigibt.

Till Brönner lockt mit seiner Kamera die Seele der Menschen hervor, um sie in seinen Bildern visualisieren zu können. Das gelingt ihm mit Bravour.

Alle Fotos habe ich übrigens im Original in Frankfurt/ Main in der Leica-Galerie bewundert und kann auch unter diesem Eindruck bestätigen, dass die Präsentation im Buch ganz hervorragend gelungen ist.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken  Sie  auf den Link, dann gelangen Sie zum teNeues-Verlag und können das Buch bestellen.http://www.teneues.com/shop-de/buecher/novitaeten-herbst-winter-2014/faces-of-talent2.html. Sie können es aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: Reading the Landscape- Olaf Otto Becker- Hatje Cantz

Hatje Cantz hat erneut ein Fotobuch des preisgekrönten Fotografen Olaf Otto Becker auf den Weg gebracht. Zu Beginn der schönen Publikation hat man Gelegenheit, sich in einen einleitenden Essay von William A. Ewing zu vertiefen, den man in englischer und deutscher Sprache präsentiert bekommt. 

Im neuen Bildband von Olaf Otto Becker geht es nicht um Gletscherwelten und die damit verbundene Problematik wie in seinen vorangegangen Werken, sondern um eine Regenwald-Arbeit. Um diese zu verstehen, empfiehlt Ewing, die vorrangegangenen Bücher ebenfalls zu studieren.

Ausgehend davon, dass sich die Ressourcen der Erde immer mehr verknappen, während des Bevölkerungswachstums steigt, entschied sich der Fotograf, nach den subtilsten Anzeichen Ausschau zu halten und die Ergebnisse menschlichen Tuns in einer der entlegensten und unzugänglichsten Regionen der Erde zu erforschen. 

Becker war zwischen 2004 und 2006 in Grönland. Für sein Buch  "Broken Line Greenland“ reiste er 4000 Kilometer mit einem kleinen Schlauchboot durch die eisige Gletscherwelt und stieß überall auf Anzeichen der durch den Menschen verursachten Erderwärmung. Später dann besuchte er auch Wissenschaftler auf dem Inlandeis und wartete mit der Bilderserie "Above Zero" (2007/08) auf. Am Beispiel der Insel Island beantwortet Becker in "Under the Nordic Light" die Frage, wie sich Landschaft im Laufe der Jahre verändert. 

Wo vermag Becker noch unberührte Natur finden? Im ersten Teil von "Reading the Landscape", immerhin.  Hier wird man mit paradiesischen Impressionen konfrontiert aus den Urwäldern Malaysias oder Indonesiens, sieht romantische Flussauen, von Lianen umschlungene Baumstämme, ökologische Nischen für unzählige Le­bewesen – unberührte tropische Regenwälder. Selbst der gemäßigte Regen­wald des Redwood National Parks in Kalifornien wirkt noch gesund, die Mammutbäume konnten aufgrund rigoroser Schutzmaßnahmen überleben.

Im zweiten Teil zeigt er die großflächige Zerstörung und im dritten erhält der Betrachter die Vorstellung des Idyllischen und Unberührten zurück. 

Wie man erfährt, wird das Werk Beckers seitens des Fotografen und Autors Gerry Badger in die Sparte "lyrische" und  "poetische" Dokumentation eingeordnet. So betrachte ich die Werke übrigens auch und bin beim Anblick der Bilder emotional sehr bewegt. 

Auf den letzten Seiten werden die beeindruckenden Fotos näher von Becker erläutert. Seine Bilder sind der Versuch etwas zu erzählen, schreibt er, "was ich selbst erlebt und mit eigenen Augen gesehen habe und was mich deshalb sehr berührt."

Dabei kommt er zu dem Ergebnis: "Vieles deutet inzwischen darauf hin, dass wir durch Opportunismus, hohes Anspruchsdenken, Überbevölkerung und unsere technologischen Möglichkeiten diesen Erdball mit rasanter Geschwindigkeit und unkontrollierbar zum Nachteil jeglichen Lebens auf dieser Erde verändern. Nur eine rasche Gegenbewegung könnte die destruktiven Folgen dieses Tuns noch abwenden. Sollte das jedoch nicht geschehen, werden wir wohl jegliche Chance für zukünftige Generationen verspielen.“ 

Ein berührendes Buch, das bezaubert aber auch zugleich erschreckt. 

Sehr empfehlenswert.

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Rezension Peter J. König:Thomas Hoepker Wanderlust teNeues

Viele Jahrzehnte war Thomas Hoepker unterwegs auf diesem Globus, um seiner Leidenschaft nachzugehen. Er, der Fotojournalist, dem eine einmalige Nachkriegskarriere bestimmt war, hat mit seinen einfühlsamen Bildern und Fotoreportagen Geschichte auf dem Gebiet der Fotographie geschrieben. Deshalb wurde er mit unzähligen Preisen und Auszeichnungen bedacht. Zu Beginn seiner Karriere, als nicht das Fernsehen, sondern noch die Zeitschriften und Magazine die große weite Welt den Menschen ins Haus gebracht hat, war Hoepker für verschiedene deutsche Illustrierte tätig. Später ist er zum Stern gewechselt, erst als Fotojournalist, später als Art-Director. Dann zog es ihn nach New York, wo der 1936 Geborene mittlerweile seit vielen, vielen Jahren lebt, dort für die Fotoagentur Magnum Photos gearbeitet hat und einige Jahre deren Präsident wurde. In seinem langen Leben als Fotokünstler sind Thomas Hoepker viele spektakuläre Aufnahmen gelungen, die von den Medien veröffentlicht wurden und oftmals als besonders preiswürdig einzuschätzen sind.

Jetzt hat der teNeues-Verlag unter dem Titel „Wanderlust“ einen wunderbaren Bildband von Thomas Hoepker aufgelegt, der seine besten Arbeiten von 1954 bis 2013 dokumentiert. Anstatt die einzelnen Kapitel mit Überschriften zu versehen, wurde das Werk in 7 Zeitabschnitte unterteilt, jede einzelne Aufnahme ist dann noch gesondert mit dem Jahresdatum versehen und in welchem Land das Bild aufgenommen wurde. Dies ist auch bei der Unzahl von spektakulären Schnappschüssen notwendig, damit der Betrachter die Orientierung nicht verliert. Wenn dies bei den politischen Großereignissen auch nicht notwendig ist, wie z.B. beim Aufstand in Prag, dem Fall der Mauer in Berlin oder 9/11 in den USA, so sind doch viele Aufnahmen mitten im Leben entstanden, auf den vielen Reisen rund um die Welt.

Hier ist eigentlich das Wunderbare von Hoepkers Arbeit zu sehen. Meistens in Schwarz-Weiß gehalten, zeigen die Fotografien eine kaum beschreibbare künstlerische Einfühlsamkeit für die Menschen, ihr Schicksal und ihre kleinen Freuden, aber auch ihre große Trauer. Deshalb kommt beim Betrachter dann auch immer eine bestimmte Nachdenklichkeit auf, ein wesentlicher Grund, warum man so von den Aufnahmen vereinnahmt wird. Es gibt nicht viele Fotokünstler auf der Welt, die ihr Metier so beherrschen wie Thomas Hoepker. Dabei lässt er immer nur die leisen Töne anklingen, vordergründiges Geschrei ist nicht sein Ding.

Besonders interessant ist dabei, dass man beim Betrachten der Bilder ziemlich unschwer erkennt, welche Gedanken den Fotografen jeweils bewegt haben. Neben der künstlerischen Leistung sind Hoepkers Aufnahmen auch gleichzeitig jeweils ein fotografisches Zeitdokument von bedeutendem Wert, denn sie lassen der Nachwelt einen Blick in die Vergangenheit zu, auch mit der Chance das Zurückliegende vielleicht doch noch besser zu verstehen. Fast 60 Jahre Zeitgeschichte bedeutet eine kaum überschaubare Fülle von Bilddokumenten, dabei ist es Thomas Hoepker mit dem teNeues-Verlag absolut gelungen eine geeignete Balance zu schaffen zwischen weltbewegenden Ereignissen, der Darstellung von bedeutenden Persönlichkeiten der Zeit, aber auch den einfachen Menschen in ihrem jeweiligen Umfeld. 

Oft hat man den Eindruck, dass gerade die Menschen auf der Straße die weitaus größere Persönlichkeit ausstrahlen als die "Gewichtigen". Dies erkannt und umgesetzt zu haben, auch das ist der Verdienst von Thomas Hoepkers grandiosen Fähigkeiten.

Zum Schluss noch eine notwendige Chronistenpflicht, damit der Leser sich darauf einstellen kann, um welches einmalige Bildwerk es sich hierbei handelt. Es sind die Zeitabschnitte, die die Fülle an beeindruckenden Aufnahmen vorgeben: 
1954-63 
1964-73 
1974-83 
1984-93 
1994-03 
2004-13 

Das Vorwort zu diesem Bildband "Wanderlust"von Thomas Hoepker wurde von dem Schriftsteller, Ausstellungsmacher und Publizist Hans-Michael Koetzle aus München verfasst und ist in Englisch, Deutsch und Französisch zu lesen, die Textbeiträge jeweils in englischer Sprache. Dem teNeues-Verlag gebührt der Dank einen solchen wunderbaren Bildband auf den Weg gebracht zu haben und für Thomas Hoepker bleibt nach all diesen Zeilen eine letzte Anerkennung: Er ist ein wahrer Menschenfreund. 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen  Sie zu teNeues und können das Buch bestellen. http://www.teneues.com/shop-de/buecher/neue-produkte/wanderlust.html Sie können es aber  auch beim Ihrem uchhändler um die  Ecke orden.

Rezension: Martin Schoeller- Porträt - teNeues

Martin Schöller wuchs in Frankfurt am Main auf und realisierte nach seinem Abitur beim Berliner Lette-Verein eine Ausbildung als Fotodesigner. Danach war er von 1993 bis 1996 erster Assistent der renommierten US-amerikanischen Fotografin Annie Leibovitz. Seit 1993 lebt und arbeitet der Fotograf in New York. Dort ist er für das Magazin "The New Yorker" als Nachfolger von Richard Avedon tätig. Seine Arbeiten erscheinen zudem in Publikationen wie GQ, Glamour, Entertainment Weekly, Vogue und Harper's Bazaar. Das vorliegende Werk zeigt bislang unveröffentlichte Auftragsarbeiten für The New Yorker, TIME, GQ und andere.

Im Buch entfaltet sich die gesamte Ausdruckspalette des berühmten Fotografen in einer Zusammenstellung redaktioneller Aufnahmen. Ob Porträts von politischen Führern, Hollywoodstars, Unternehmern oder aktuellen Musikgrößen – so teNeues- "seine Aufnahmen sind so mutig wie anspruchsvoll, so spielerisch wie präzise. Unabhängig von Motiv und Kulisse erwachen Schoellers Fotografien scheinbar zum Leben." Das kann ich nach dem Studium der Bilder problemlos bestätigen.

Eine Vielzahl Schwarz-Weiß- und Farbbildern lassen den Betrachter sich immer wieder in einzelne Bilder vertiefen, um die hinter der Bilderwelt stehende Geisteshaltung des Künstlers zu verstehen. Nicht einfach, um nicht zu sagen unmöglich.

Der Bildband zeigt eine Reihe ziemlich skurriler Aufnahmen, die ich nicht zu interpretieren wage. Teilweise geht der Fotograf so nahe an seine Modelle heran, dass – speziell bei älteren Menschen- die Abgründe der Seele sichtbar werden, die mir zuvor nie aufgefallen sind, so etwa bei Jane Fonda.

Jeff Koons mit einem Blütenkranz auf dem Kopf wirkt ein wenig wie eine zum Leben erwachte griechische Statue. Überaus skurril erscheint die Aufnahme, die Elettra Wiedemann im roten Ballkleid mit Tasse auf dem Kopf und einem Hahn in der Hand zeigt. Was will das Bild mir sagen?

Dass Menschen sonderbare Vorlieben haben, habe ich mittlerweile begriffen.  Ich sehe einen Mann mit Lockenwicklern  in der Badewanne, einen anderen mit rot geschminkten Lippen, warum nicht? Irgendwann dann schließlich verweilt mein Blick lange auf einem doppelseitigen Foto. Zwei sehr sympathische Menschen-Pete Seeger und Joan Baez – lachen miteinander. Wie schön. Wenn man offen miteinander lachen kann, stimmt einfach alles. 

Meryl Streep wirkt ungewöhnlich ernst und geradezu abgefahren schräg erscheint Elton John auf den doppelseitigen Foto mit zwei fast entblößten Tänzerinnen, bei denen ich nicht deuten kann, ob es sich um Frauen oder Männer handelt. 

Beeindruckend ist das Foto von Julian Assange, dessen kluge Augen mich immer wieder faszinieren, aber auch das Foto des sympathischen Mark Zuckerberg, gefällt mir sehr gut. Brad Pitt ist immer schön, auch auf der Aufnahme von 2006. Die Frauen in diesem Buch sind es selten, speziell wenn sie etwas älter sind. Das gilt auch für Donatella Versace. Schaue ich auf Hillary Clintons Seitenprofil, so sehe ich unsägliche Traurigkeit.

Es ist nicht der Blick Martin Schoellers auf reife Frauen, der diese so unschön erscheinen lässt, sondern die Tatsache, dass diese Frauen erkennbar nicht in sich ruhen.

Nur Joan Baez  tut es, sie lacht und freut sich. Ihr Gesicht ist entspannt. Erneut wird mir klar, dass sich alles im Gesicht niederschlägt und einzeichnet.

Ein  beeindruckendes Buch, mitunter aber etwas gewöhnungsbedürftig.
ca. 260 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
ca. 150 Farb- und Schwarz-Weiß-Fotografien

Sehr empfehlenswert

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Rezension- #Georg_Baselitz- Damals, Dazwischen und Heute- Haus der Kunst- Prestel-Verlag

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Georg Baselitz- Damals, Dazwischen und Heute"-, die seit dem 19.9.2014 bis zum 1.2. 2015 im Haus der Kunst in München gezeigt wird. Herausgeber des Werks ist Ulrich Wilmes. Nach einem Vorwort von Okwui Enwezor folgt ein ausführliches Gespräch zwischen diesem und Georg Baselitz sowie Beiträge von Ulrich Wilmes, Katy Siegel, Eric Darragon, Michael Semff und Georg Baselitz. Dem Anhang zum Schluss ist die Werkliste und die Biografie zu entnehmen, die seitens des Archivs von Georg Baselitz zusammengestellt worden ist. 

Die Ausstelllung, deren Kurator Dr. Ulrich Wilmes ist, verfolgt thematische Leitlinien, gruppiert um Figuren, Motive und Ikonenfotografien in Baselitz´ Malerei. Geboten wird ein tiefer Einblick in eine fünfzigjährige Schaffenszeit. Dokumentiert wird dabei wie klar und unerschütterlich sich Themen durch das ganze Werk ziehen. Zudem wird die Tradition gegenständlicher Malerei analysiert. Diese nämlich bildet den Kern der Arbeit eines der konsequentesten Künstler unserer Zeit, wie uns Enwezor wissen lässt. 

Eines der nicht unwesentlichen Elemente der Kunst von Georg Baselitz ist die Erneuerung und kritische Reflexion des eigenen Tuns. Das  ausführliche Gespräch zwischen Baselitz und Enwezor hier in Kurzform wiederzugeben wäre vermessen. Es in aller Ausführlichkeit zu lesen, bringt dem Betrachter die Werke von Baselitz intellektuell näher, verdeutlicht die komplexe Geisteshaltung, die hinter den einzelnen Werken steht.

Wie Ulrich Wilmes schreibt, ist eines der bestimmenden Wesensmerkmale der Werksentwicklung von Georg Baselitz seine historische Reflexivität. Diese scheint sich zunehmend von der Bedeutung her auszudehnen. Bei ihm übernimmt das Bild die Führung, während er daran arbeitet. Wie er schreibt, findet im Schaffensprozess zwischen seiner vorgefassten Bildidee und dem Bild, das um sein Eigenleben kämpft ein Auseinandersetzungsprozess statt.

Baselitz arbeitet ausschließlich mit Disharmonien. Er ordnet nach dem Prinzip der Disharmonie, nach dem der Unausgewogenheit, nach dem der Zerstörung. Werke aus unterschiedlichen Zeiten zeigen auf den Kopf gestellte Motive und beispielsweise durch Fingermalerei entstandene grob gehauene Figuren, die er anschließend bemalt hat. Der Adler zählt zu den am häufigsten wiederkehrenden Motiven im Werk dieses Künstlers, wobei mein diesbezügliches Lieblingsbild eine Fingermalerei aus dem Jahre 1972 ist. Es trägt den Titel "Adler". Dieser steht auf dem Kopf und nimmt ihm dadurch all die Eigenschaften, die man normalerweise mit diesem Tier assoziiert. 

Baselitz hat sich während seiner gesamten bisherigen Schaffensperiode dem Gängigen wiedersetzt. Obschon er wie der Katalog zeigt, vielfach seine Methode gewechselt hat, ist sein Ziel jedoch stets gleich geblieben. In seinem Werk ist alles aus der Arbeit des Malens und aus der Reflexion über dieses Tun herausgewachsen, schreibt Michael Sempff. 

Wer in die Werke sinnlich und intellektuell vordringen möchte, ist  -ich sage es nochmals- gut beraten, die Texte ausführlich zu studieren und sie  auf sich wirken zu lassen. Womit Baselitz den Betrachter konfrontiert ist keine leichte Kost, aber es kann zum Augenschmaus werden, wenn man die dahinterstehende Vorstellung begreift. 

Sehr empfehlenswert.

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