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Rezension: Östlich der Sonne und westlich des Mondes- Märchen aus dem Norden, illustriert von Kay Nielsen- TASCHEN

Dieses Buch aus dem Verlag TASCHEN enthält 16 Märchen, gesammelt von Peter Christen Asbornsen und Jorgen Engebretsen Moe. Zu einer künstlerisch wertvollen Publikation wird das Werk aufgrund seiner Illustrationen des Gestalters, Künstlers und Erneuerers Kay Nielsen.

Noel Daniel schreibt im Vorwort viel Erhellendes über die Ursprünge der berühmten norwegischen Volksmärchen, bevor man in einem Essay von Kendra Daniel über Leben und Werk des Künstlers Kay Nielsen unterrichtet wird. Dieser begnadete Illustrator war in seinem Metier international überaus erfolgreich und fand in Dänemark, England und in USA große Anerkennung als Buchillustrator, Bühnenbildner, Wandmaler und Disney-Zeichner

Im vorliegenden Buch treten seine dänischen Wurzeln zu Tage, wobei er sich jeglicher Sentimentalität enthält. In dem 1914 erschienenen Buch "Östlich der Sonne und westlich des Mondes" findet man zahlreiche Referenzen versammelt, so u.a. die Einfachheit der japanischen Blockdrucks oder aber die opulenten Kostüme und Bühnenbilder, mit denen die Ballets Russe 1909 bei ihrem Paris-Debut überall in der Welt die Fantasien der Menschen beflügelten. Dabei ist die zeichnerische Eleganz des Künstlers stets unverkennbar.

In "Östlich der Sonne und westlich des Mondes" illustriert Kay Nielsen Märchen über Prinzen und Prinzessinnen, die wie der Inbegriff nordischer Kühle und Kargheit erscheinen. Obschon es bei seinen Illustrationen auch hässliche Kobolde und Trolle gibt, liegt sein Schwerpunkt auf langgliedrigen, anmutigen, schönen Edelleuten, die in ihrer Originalität sehr lebendig daherkommen.

Colin White schreibt in dem dann folgenden Essay über die Buchillustration als eigenständige Kunst und verdeutlicht, weshalb die Illustration von Geschenkbüchern beispielsweise dem literarischen Inhalt ebenbürtig wurde.

Der Inhalt der einzelnen Märchen ist jeweils zu Beginn eines jeden Märchens zusammen gefasst. Diese Maßnahme ist sehr lobenswert, denn der Bildbetrachter weiß noch bevor er sich in die fantasievollen Texte vertieft, welchen Inhalt die Illustrationen transportieren sollen.

Dieses Buch lädt zum Träumen ein, sowohl was die Texte als auch was die Bilder anbelangt. Dabei sind die Illustrationen von solch beeindruckender Ästhetik und Poesie, dass sie den Betrachter immer wieder staunen und fast vergessen lassen, dass hier Märchen darauf warten, gelesen oder vorgelesen zu werden.

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

Das Buch ist überall im Fachbuchhandel erhältlich
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Rezension: Havana- Bernhard Hartmann- teNeues

Die Bilder für dieses schöne Buch hat der Fotograf Bernhard Hartmann realisiert. Er wurde in Frankfurt geboren und arbeitete schon in jungen Jahren als Fotograf für eine große deutsche Zeitung. In seinem Jurastudium befasste sich der Autodidakt mit Landschafts- und Architekturfotografie. Seither wurden viele seiner Fotografien mit Preisen ausgezeichnet. 

Dieser Bildband ist der morbiden Hauptstadt Kubas gewidmet. Der Schriftsteller Alejo Carpentier skizzierte diese karibische Metropole einst wie folgt: "Havanna ist die Stadt des Unfertigen, des Mangelhaften, des Verwahrlosten." Dies soll sich seither nicht geändert haben, liest man zu Anfang des Buches und findet dieses Urteil in den Bildern bestätigt. 

Das bauliche Erbe sei hochgradig gefährdet. Allein im Zentrum befänden sich 3500 Häuser in einem ruinösen Zustand und zahlreiche andere seien bereits zerstört, wird man  in die Bilderwelt eingeführt. 

Bernhard Hartmann vermittelt in diesem Fotoband einen facettenreichen Eindruck von dieser morbiden Stadt, der man wünscht, dass sie endlich vollständig restauriert wird. Der Stadthistoriker Eusebio Leal hat dafür gekämpft, dass Gelder aus dem Tourismus in die Restaurierung der Altstadt geflossen sind, um auf diese Weise einigen architektonischen Perlen das Leben zu retten. Ein Tropfen auf den heißen Stein, mehr scheint dies nicht bewirkt zu haben.

In erster Linie, das dokumentieren die vorliegenden Bilder, präsentiert sich in Havanna erschreckender Niedergang, bröckelnder Putz, rissige Wände, ausgetretene Stufen und Wohnen in desolaten Räumen. Die Vergänglichkeit allen Seins übt zwar eine gewisse Faszination  auf den Betrachter aus, doch leben möchte man so nicht. 

Versöhnt ist man, wenn man renovierte Räume in dieser untergehenden Stadt bewundern kann, weil sie Hoffnung schenken und zeigen, was möglich ist. Natürlich fragt man sich, wer in "Casa Lucrecia"oder in "Casa Ronaldo" lebt und wer bestochen werden musste, damit diese Innenräume in neuem Glanz gestaltet werden konnten. 

Wunderschön ist die alte, restaurierte Apotheke, von deren Innenleben man einen sehr guten Eindruck erhält. Faszinierend aber auch sind majestätisch anmutende Treppenaufgänge, die eine vor langer Zeit schon untergegangene Welt erahnen lassen. 

Die Bilder, fotografische Meisterleistungen, regen die Fantasie an. Immer wieder versuchen die Augen das, was sie sehen, zu heilen, weil sie den schaurig schönen Tod alter Bausubstanz  nicht ertragen können. 

Empfehlenswert 

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich
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Rezension: Alegria Do Brasil- Fritz Steisslingers späte Brasilienbilder- belser

Herausgeber dieses Bildbandes ist Stefan Borchardt. Gemeinsam mit Frederica Steisslinger hat er das Vorwort zur vorliegenden Publikation verfasst. Damit man sich einen Eindruck verschaffen kann, wer der Künstler Fritz Steisslinger war, empfehle ist zunächst die Kurzbiografie zu Ende des Buches zu lesen. 

Der 1891 in Göppingen geborene Künstler studierte an der Kunstgewerbeschule in München, später an der Kunstakademie bei den Professoren Uhde und Stuck, anschließend an den Kunstakademien in Rom und Venedig. 1919 heiratete er die Deutsch-Brasilianerin Elisabeth Haasis. Drei Jahre hindurch arbeitete er als freischaffender Maler in Seeburg bei Urach und wurde Mitglied der Stuttgarter Sezession. Von1929-1931 lebt er in Berlin-Charlottenburg und hat Kontakte mit Max Liebermann, Alfred Flechtheim, Alfred Kerr und Julius Meyer-Graefe.1931 kehrt er nach Böblingen zurück und reist von da an immer wieder nach Brasilien. 1957 stirbt der Künstler in Tübingen. 

Die vorliegende Publikation enthält einige  aufschlussreiche Textbeiträge unterschiedlicher Autoren zum Künstler und dessen Werk. Hervorheben möchte ich den Essay "Begegnungen mit dem Unbekannten- Fritz Steisslingers Blick auf das Fremde." Hier liest man, dass der Maler im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen im Fremden- in diesem Fall in Brasilien- einen Sehnsuchts- und Zufluchtsort sah. Die dort gesammelten Eindrücke eröffneten ihm eine geradezu unerschöpfliche Inspirationsquelle. 

Seine zweite Reise im Jahre 1947 führt dazu, dass er bei aller Befreiung des Pinselschwungs eine große Realitätsnähe schafft. Hierdurch transportiert er einen emotionalen Einblick in die brasilianische Lebensart.

Sich mit den Bildtafeln zu befassen, heißt einen Eindruck von der brasilianischen Landschaft, dem satten Grün dort zu gewinnen und die Ruhe zu erfühlen, die von den gemalten Orten ausgeht. 

Die Porträts von Brasilianern dokumentieren den freundlichen Zugangs des Künstlers zu dem Fremden, das sich ohne Scheu ihm öffnet. 

Wer mehr über den Künstler und dessen Werk erfahren möchte, findet in diesem Buch reichlich Gelegenheit dazu. 

Empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: The Floating Piers- Christo an Jeanne- Claude- TASCHEN

Dieses reich bebilderte Buch aus dem Verlag TASCHEN zeigt wie das Projekt "The Floating Piers" entstanden ist und wie es im Ergebnis aussah. Es handelt sich dabei um das Projekt, das es ermöglichte, dass vom 18. Juni bis zum 3. Juli 2016 einhundert Kilometer östlich von Mailand und zweihundert Kilometer westlich von Venedig Tausende von Menschen auf dem Iseosee, vergnügt zu wandeln vermochten. 

Die Künstler Christo und Jeanne –Claude arbeiteten seit 1961 gemeinsam an zahlreichen, spektakulären Kunstprojekte. 2009 verstarb Jeanne Claude.  Christo ist allerdings noch immer aktiv.

Für die beiden Künstler wurden 70 000 Quadratmeter glitzernder gelber Stoff über ein modulares Schwimmdocksystem aus 220 000 hochverdichteten Polyethylenwürfeln gelegt, um auf diese Weise vorübergehend einen drei Kilometer langen Steg über die Oberfläche des Iseosees zu bilden. Dadurch wurde das Festland mit den Inseln Monte Isola und San Paolo verbunden. 

Die Stege waren 16 Meter breit und etwa 40 Zentimeter hoch. Dabei waren sie an den Seiten abgeschrägt. Von den umliegenden Bergen konnte man das Projekt aus der Vogelperspektive betrachten. 

Im Buch werden Christos Skizzen, Modelle, Dokumente und Entwürfe zusammengestellt, damit die vollständige Entstehungsgeschichte dieses vom Wasser getragenen Kunstwerkes dokumentiert werden kann. Indem sämtliche Details- von den Genehmigungsverfahren bis zur Stoffherstellung- einbezogen worden sind, wird nicht nur Christos einzigartige schöpferische Vorstellungskraft dargelegt, sondern auch der enorme technische, bürokratische und logistische Aufwand aufgezeigt, der diese Ideen zum Schwimmen brachte. 

Der Autor und Fotograf Wolfgang Volz arbeitet mit dem Künstlern Christo seit 1971 zusammen und ist der Exklusiv-Fotograf der Werke von Christo und Jeanne –Claude. Jonathan William Henery ist der Sohn von Jeanne-Claudes Schwester Joyce May Henery. Auch er hat ähnlich wie Wolfgang Volz an zahlreichen Publikationen mitgewirkt. Diese beiden Männer haben die vielen wunderbaren Fotos und Kommentare im Werk verfasst.

Es ist spannend, sich in diesem Buch mit dem unglaublichen Projekt zu befassen und zu begreifen, welcher Traum hier Wirklichkeit wurde. Die emotionale Bedeutung der Farbe Orange, die für den Stoff ausgewählt wurde, ist Geselligkeit und Freude. Gemeinsam über den See zu wandeln, kann genau diese Emotionen bewirken. Die symbolische Bedeutung dieser Farbe ist nicht zuletzt Harmonie und Heiterkeit. Auch dieses Empfinden wurde auf dem Kunstevent ausgelöst, wie die Bilder zeigen. 

Es macht Freude, das fröhliche Miteinander zu betrachten, auch wenn man dessen Endlichkeit mitdenkt, da man begreift, dass diese Freude jederzeit an allen Orten dieser Welt wieder gestaltbar ist.  

Alle staunenden  Betrachter des Projektes wissen nun für immer, dass ein gemeinsamer Weg möglich ist. Dies hat ein Künstler uns gezeigt und damit das Göttliche an der Kunst offenbart.

Empfehlenswert. 

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich.

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Rezension: Wie ich mich sehe- Frauen im Selbstporträt- Frances Borzello- Brandstätter

Die promovierte Kunsthistorikerin Frances Borzello bereichert anhand von 200 Künstlerinnen und ihren Werken- vom Mittelalter bis in die Gegenwart, von Handschriftillustrationen über Malerei und Skulptur bis zu Fotografie und feministisch geprägter Performance die Kunstgeschichte um ein neues Kapitel. 

Dabei betont die Autorin eingangs, dass Selbstporträts niemals bloß eine harmlose Wiedergabe des Bildes sind, das eine Person sieht, sobald sie in den Spiegel blickt, sondern vielmehr Teil der Sprache, deren sich die Malerei bedient, um zu kommunizieren: vom simplen "So sehe ich aus" bis hin zum komplizierten "Daran glaube ich". 

Die Beweggründe für Selbstbildnisse sind unterschiedlich und jene zwischen Männern und Frauen unterscheiden sich nochmals voneinander. Einige Unterschiede sind zeitbedingt. So war das 16. Jahrhundert die Blütezeit der Musikerinnen-Bilder und zu Ende des 19. Jahrhunderts gab es vor allem Mütter-Darstellungen. 

Borzello versucht die Bilder zu entschlüsseln, indem sie diese als gemalte Autobiografie betrachtet, sprich als Mittel, mit dem die Künstlerin der Öffentlichkeit etwas erzählen konnte. In der Bildsprache eines Selbstporträts liest man -Pose, Gesten, Gesichtsausdruck und Attribute- und  kann diese mit den Vorstellungen der jeweiligen Zeit vergleichen. 

Die Nachfragen nach Selbstporträts soll sich in der Renaissance entwickelt haben. Nicht selten dienten diese Selbstporträts einem ähnlichen Zweck wie heute die Fotografie, doch sie waren auch für die Werbung gedacht. 

Malerinnen lebten damals einer Art Parallelwelt zur Männerwelt. Darüber erfährt man Näheres und auch, dass jene Frauen mit genügend Energie, Talent und Unterstützung einen Weg in besagter Parallelwelt finden konnten. Dabei war es weitaus komplizierter mit nicht greifbaren Vorurteilen umzugehen, beginnend mit Klischees über Frauenkunst bis hin zu herablassenden Meinungen über die künstlerischen Fähigkeiten von Frauen. 

Die Kunstwelt blieb lange eine männliche Domäne. Erst vor kurzem hat sich dies geändert. Das Leben in der Parallelwelt beeinflusste  allerdings die Selbstporträts der Frauen. Dabei vermochte keine Künstlerin sich es zu leisten, die Regeln zulässiger weiblicher Gestik und Kleidung zu ignorieren. Viele Konventionen mussten die Malerinnen berücksichtigen, um dem Spott zu entgehen.

Im Buch werden im Rahmen von sechs Kapiteln die einzelnen Epochen weiblicher Selbstdarstellung beleuchtet. Beginnend mit den Anfängen im 16. Jahrhundert bis zu dem Tabubrüchen des 20. Jahrhunderts und endend mit einem Blick in die Zukunft. 

Auf die 200 Künstlerinnen und ihre Werke hier näher einzugehen,  führt allerdings zu weit. Borzello fordert auf, Frauen-Selbstbildnisse als eigene Bildgattung zu würdigen und nennt die Gründe hierfür. 

Im Hier und Heute findet durch das "Selfie"  eine Demokratisierung des Selbstporträts statt. Dabei sei es denkbar, dass sich das "Kunst-Selfie" als reizvolles Medium entpuppen könne, das selbstkritisch und auch lustig daherkomme. 

Alles in allem, ein interessantes Buch mit vielen beeindruckenden Bildern von Frauen, die Neugierde erzeugen. So auch das Selbstporträt von  Angelica Kauffmann, 1787, einer  schöne Frau, die Goethe gewiss sehr gefallen hat. 

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension: Vollkommene Räume- Orte der Harmonie und ihre Geschichten- Karen Michels

Autorin dieses wunderbaren Buches ist die Kunsthistorikerin Dr. Karen Michels. Sie erzählt in ihrem Werk die Geschichten von fünfzehn vollkommenen Räumen. Dabei hat sie eine höchst persönliche Auswahl getroffen. Die Fragen, die sie bei der Betrachtung der Räume beschäftigten, sind: "Was macht ihre Wirkung eigentlich aus?" und "Welche Geschichten verbergen sich hinter ihren Mauern?".  

Der Schlüssel zum Verständnis soll die Harmonie sein. Diese hat die Bedeutung von Spannung und dynamischem Gleichgewicht. 

Den fünfzehn die Räume erläuternden Kapitel wurden nicht nur Fotos, sondern auch literarische oder historische Texte beigefügt. Diese sollen den jeweiligen Raum "noch einmal auf eine andere Weise zum Sprechen bringen". 

Man erfährt im Buch Näheres zu nachstehenden Gebäuden: 
Das Pantheon, Rom 
Die Aachener Pfalzkapelle
Die Hagia Sophia 
Die Cappella Palatina, Palermo 
Den Löwenhof der Alhambra, Granada 
Das Collège des Bernadins, Paris 
Die Pazzi-Kapelle, Florenz 
Der Hamam Cemberlitas, Istanbul 
San Carlo Alle Quattro Fontane, Rom 
Der Spiegelsaal der Amalienburg, München 
Place des Vosges, Paris 
Lesesaal der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg, Hamburg 
Der Barcellona-Pavillon 
Der große Konzertsaal der Berliner Philharmonie 
Die Bruder-Klaus-Feldkapelle, Mechernich-Wachendorf 

Unmittelbar nach der Fertigstellung der Aachener Pfalzkapelle wurde Karl der Große in Rom zum Kaiser gekrönt. Der Bau wurde als Achteck gestaltet, das von einem sechszehnseitigen Umgang umgeben ist. Dabei gilt die Acht in vielen Religionen als Zeichen der Vollendung und des Neubeginns in einer anderen Dimension. Die Wände des Oktogons und sein sechszehneckiger Umgang sind prachtvoll mit farbigem Marmor und Stuck verkleidet. Dessen Qualität und Verarbeitung stellt die ästhetische Verbindung zu den berühmten Großbauten byzantinischen Ursprungs dar.

Es ist sehr spannend, mehr über die Architektur dieses und all der anderen Gebäude im Buch in Erfahrung zu bringen und sich jeweils im Anschluss in die literarischen Texte zu vertiefen. 

Sehr gut gefallen hat mir der Text von Otto von Simson "Über das Licht". Dieser Text, der der Präsentation des Colléges des Bernardins in Paris folgt, thematisiert das Licht als Quelle und eigentliches Wesen aller sichtbaren Schönheit. Für die Denker jener Zeit soll Schönheit kein unabhängiger Wert, sondern die Ausstrahlung, der Glanz der Vollkommenheit des Seienden und diejenige Eigenschaft der Dinge gewesen sein, die ihren Ursprung widerspiegelt. Ähnlich wie musikalische Harmonien soll das Licht Einblick in die Vollkommenheit des Kosmos gewähren und etwas von der Macht des Schöpfers erahnen lassen. 

Man sollte in diesem Buch immer wieder lesen, um zu begreifen, wie wahr der nachstehender Satz von Leon Battista Alberti ist: "Die Schönheit ist eine Übereinstimmung und ein Zusammenklang der Teile zu einem Ganzen, das nach einer bestimmten Zahl, einer Beziehung und Anordnung ausgeführt wurde, wie es das Ebenmaß, das heißt das vollkommenste und oberste Naturgesetz erfordert." (S.91)

Sehr empfehlenswert 
Helga König

Das Buch ist überall im Fachhandel erhältlich
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Rezension: #Käthe_Kollwitz –Die Plastik- #Hirmer

Autorin dieses Bildbandes ist Annette Seeler. Die Ausstellungskuratorin lebt in Berlin und befasst sich seit über 25 Jahren mit dem Werk und der Person von Käthe Kollwitz. Diese Beschäftigung führte zu zahlreichen Publikationen und Ausstellungen. 

Über die deutsche Graphikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz (8.7.1867- 22.4.1945) erschien im letzten Jahr, anlässlich ihres 70.Todestages eine Biographie mit dem Titel  "Kollwitz", verfasst von Yuri und Sonja Winterberg, die ich auf "Buch, Kultur und Lifestyle" rezensiert habe.

Am 22. April 1985 wurde in Köln das Käthe Kollwitz-Museum gegründet. Es handelt sich hierbei um die bislang umfangreichste Sammlung ihrer Werke, deren Themenkreis Krieg, Armut und Tod, auch Liebe, Geborgenheit und das Ringen um Frieden zum Ausdruck bringt. 

Anlässlich des 30. Jubiläums des Museums wird dort vom 4.März bis zum 5. Juni 2016 im Rahmen einer Ausstellung das plastische Werk in Gips, Stukko, Bronze und Zink gezeigt. Das Käthe Kollwitz Museum Köln veröffentlicht zum Jubiläum das erste Werkverzeichnis der Plastik dieser Künstlerin.

Begleitend dazu stellt eine groß angelegte Ausstellung aller 15 museal greifbaren Plastiken in unterschiedlichen Güssen das bildhauerische Schaffen der Künstlerin in den Fokus. Die Ausstellung mit insgesamt 140 Exponaten, darunter alleine rund 50 plastische Arbeiten, dokumentiert das zwei- und dreidimensionale Schaffen der Kollwitz im Dialog. 

Die Bildhauerin hat Bildideen aus ihrem graphischen Werk auch plastisch realisiert – und umgekehrt. Ihre bildhauerischen Werke führte die Künstlerin als Ton- und anschließend als Gipsmodell aus. Von verschiedenen Gießereien in Bronze, Zink, Stucco- oder Gips umgesetzt, sind sogar Abformungen im Umlauf, zu deren Existenz folgende Fragen nach sich ziehen: "Echt oder Falsch? Original oder Raubguss?"

Käthe Kollwitz kämpfte vergebens darum, in der NS- Zeit ihr Werk öffentlich zeigen zu dürfen. Das erfährt man bereits in der Einführung. 

Im Buch werden nicht nur die Bildwerke nachgezeichnet, sondern - wie schon erwähnt- auch das Bemühen ihres Sohnes Hans, das dreidimensionale Schaffen seiner Mutter erneut ins Bewusstsein zu heben. Gezeigt wird zudem u.a., wie die technische Produktion von Vervielfältigung in der Gießerei vor sich geht, aber auch, was die Spuren an einer fertigen Bronze offenlegen. 

Man wird im Rahmen sehr guter Textbeiträge mit den Werken vertraut gemacht und lernt so auch die Arbeitsweise der Künstlerin kennen. Ein weiteres Thema sind die Werkstätten von Käthe Kollwitz und der Umfang des plastischen Werkes wie auch ihre ästhetischen Vorstellungen und ihr Standort in der zeitgenössischen Bildhauerei. Über die Rezeption bis zum heutigen Tage wird man aufgeklärt, auch über den bisherigen Forschungsstand und die Quellenlage. 

Ausführlich lernt man im Katalogteil die einzelnen Werke kennen und hier auch deren Entstehungsgeschichte. Grandios und in wenigen Worten nicht beschreibbar, wird man mit Kunstwerken vertraut gemacht, die sehr nachdenklich stimmen und nicht selten Trauer auslösen.

Zum Schluss kann man sich in einer Kurzbiographie einen Überblick über das Leben von Käthe Kollwitz verschaffen und sich in ein umfangreiches Literaturverzeichnis vertiefen. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: #Maniera- #Pontormo, #Bronzino und das #Florenz der #Medici- #Prestel

Das ist der Katalog zur Ausstellung "Maniera- Pontormo, Bronzino und das Florenz der Medici", die vom 25.2. bis zum 5.6. 2016 in Frankfurt im #Städel gezeigt wird. 

Das vorliegende Werk befasst sich mit Florenz als Zentrum des europäischen Manierismus. Der Chronist besagter Epoche, der Kunsthistograf Giorgio Vasari prägte den Begriff "#maniera". Dieser bezeichnete zunächst den persönlichen Stil, die Handschrift, die "Manier" eines Künstlers. "Maniera" kann allerdings ebenso für einen Epochenstil stehen und besonders für denjenigen in Vasaris eigener Zeit. Diesen nennt man heute "Manierismus". 

Unter "maniera" sollte man keinen Einheitsstil begreifen, sondern wohl eher ein vielgestaltiges Prinzip. Max Hollein, der Direktor des Städel Museums definiert sie als eine Kunst, die sich ihres Kunstcharakters und ihrer Artifizialität in besonderem Maße bewusst ist und die dem individuellen Stil einen maßgeblichen Eigenwert zumisst. 

Die Ausstellung im Städel Museum befasst sich mit Florenz als Zentrum des europäischen Manierismus und beleuchtet die Zeit zwischen 1512 und 1568. Dabei ist der Ausgangs- und Mittelpunkt der Bilderschau ein Meisterwerk der Städel-Sammlung, Bronzinos berühmtes "Bildnis einer Dame". Dieses Gemälde gilt neben Botticellis "Simonetta" als das Hauptwerk der Frankfurter Italiener-Sammlung. 

Das Buch ist in acht Kapitel mit zeitlichen und thematischen Schwerpunkten untergliedert und nimmt seinen Anfang mit einem Essay zur Geschichte des kontroversen Begriffs "Manier, Manierismus, maniera". 

Bei den Kapiteln handelt es sich um:

Laboratorium der Maniera- Die jungen Wilden von Florenz

Anti-Klassik und Experiment- Pontormo und Rosso auf neuen Wegen

Ein Seitenblick nach Rom- Kunst unter Clemens VII. vor dem Sacco di Roma

Politischer Aufruhr und künstlerische Blüte- Florentiner Malerei der letzten Republik

Wendejahre- Bronzinos Aufstieg und der erste Herzog von Florenz

Paragone- Im Wettstreit der Gattungen

Image eines Hofes- Bronzino als Maler der Medici

Vasari- Hofkünstler Cosimos I. und Vater der Kunstgeschichte. 

Den  einzelnen Kapitel des Katalogs sind jeweils einleitende Erläuterungen vorangestellt, die erklären, worum es geht. Zudem hat man Gelegenheit, sich in drei Essays zu vertiefen. Das Bild auf dem Cover ist von #Angelo_Bronzino. Es handelt sich dabei um den Heiligen Sebastian. Wie alle anderen Werke wird auch dieses Gemälde sehr gut beschrieben.

Der Katalogteil ist facettenreich und macht viele Stunden des Studiums all der  präsentierten Werke erforderlich. Erst dann wohl  ist die Malerei der "maniera" als eines der faszinierendsten Phänomene der Kunst in Italien zu verstehen. 

Sehr empfehlenswert

Helga König 

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Rezension:Kunst der Vorzeit- Felsenbilder aus der Sammlung Frobenius- Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Aus-stellung "Kunst der Vorzeit- Felsenbilder aus der Sammlung Frobenius", die vom 21.01.2016 bis 16.05.2016 in Berlin im Martin Gropius Bau gezeigt wird. 

Bei den gezeigten Werken handelt es sich um eine Sammlung beeindruckender Felsbilder des deutschen Ethnologen Leo Frobenius, die nun nach 40 Jahren erneut der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden sind. Diese Sammlung gilt weltweit als eine der bedeutsamsten und umfassendsten Felsbildsammlungen, die seitens des ältesten ethnologischen Forschungsinstituts Deutschlands, dem Frobenius- Institut betreut wird. 

5000 gemalte Kopien von Felsenbildern aus Europa, Afrika, Australien und Neuguinea lagern heute in der Kellern des Institutes an der Goethe Universität in Frankfurt am Main. Einige der Originale sind über 20 000 Jahre alt. Als Frobenius einst junge Künstler und Künstlerinnen mit auf die Expeditionen mitnahm, schufen sie gewissermaßen eigenständige Kunstwerke, denn die gemalten Kopien kommen den Originalen nur nahe, sind   aber nicht identisch mit ihnen. 

In Berlin werden erstmals etwa 130 Werke aus der Sammlung im Martin Gropius Bau gezeigt. Dabei möchte die Ausstellung auch einen Beitrag zur Erforschung der Rezeptionsgeschichte leisten. 

Auf einer Doppelseite werden eingangs die Routen der Forschungsreisen (1904- 1939) von Leo Frobenius und seinen Mitarbeitern vorgestellt. Bei der Konzeption der Ausstellung hat man auf die inhaltliche Ausdeutung der einzelnen Felsenbilder verzichtet. 

Ausführlich wird man im Rahmen von Texten unterschiedlicher Autoren mit der Entstehungsgeschichte vertraut gemacht. Dazu hat man Gelegenheit alte Fotos zu bestaunen, die die Künstler bei ihrer Arbeit zeigen, sei es in Algerien, Simbabwe oder anderenorts. Über die Künstler erfährt man auch Wissenswertes. 

So liest man die Lebensgeschichte einer Künstlerin aus Ostpreußen, deren Eltern im 1. Weltkrieg ihren Gutsbesitz verloren hatten. Über Berlin kam sie nach Frankfurt und begleitete schließlich vier Expeditionen des Instituts nach Frankreich, Spanien und Italien. Auf diesen Reisen fertigte sie 150 Felsbildkopien, vier ethnografische Arbeiten und Fotografien an. 

All die Bilder der Künstler zu bestaunen und sich bewusst zu machen wie alt die Originale sind, sich auch zu verdeutlichen, wie sehr der Mensch in allen Zeiten künstlerisch veranlagt war, ist bei dem Studium dieses Werkes unumgänglich und lässt uns demütig innehalten. "Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?"

Man erfährt  nicht zuletzt auch Wissenswertes über die Ausstellungsgeschichte und kann sich in eine Fülle von Bilder vertiefen, die in nachstehende die Rubriken untergliedert sind: 

Südliches Afrika 1928- 1930 
Nordafrika und Sahara 1914, 1926, 1932-1935 
Europa: Spanien und Südafrika 1934, 1936 
Europa: Italien und Skandinavien 1934-1937 
Australien und Westpapua 1937-1939 

Das Buch schenkt Einblicke in die Künstlerseele der Menschheit. Weshalb Felsenbilder gemalt wurden, weiß man bis heute nicht, schreibt Benedikt Burkhard zum Schluss, allerdings gäbe es eine Vielzahl von Gründen, mit denen sich die verschiedene Wissenschaften befassen und so liest man auch von den Theorien, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts vorgetragen werden. 

Über all dies nachzudenken und immer wieder die Werke zu betrachten, bereitet viel Freude und schenkt uns bemerkenswerte Träume aus einer längst vergessenen Anderwelt. 

Sehr empfehlenswert

Helga König

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Rezension: #Miguel_Rothschild- #Hatje_Cantz

Der vorliegende Bildband zeigt Werke des argentinischen Künstlers Miguel Rothschild.

Beatrice von Bismarck schreibt in ihrem Essay "Fallen und gefallen oder zwischen Himmel und Erde" zu Ende des Werks dazu, dass es der Himmel und die Erde sei, die Rothschild mit seinen Arbeiten durchmesse. 

Genau dort siedelt er seine Bildsprache an und zwar zwischen Sakralem und Profanem sowie zwischen Göttlichen und Irdischem. Diese Bildsprache verleiht Sprachbildern eine visuelle Form und ist zudem in der Lage, Bildlichkeit in Wortspiele zu übersetzen. 

Damit dokumentiert dieser Künstler seine Auseinandersetzung mit der Macht der Bilder. Dabei geht es in erster Linie wohl um die Verstrickungen, mit denen uns Bilder gefangen nehmen. Rotschild verbindet die Oberflächen seiner Bildobjekte mit davor und dahinterliegenden Bereichen durch Nägel, Fäden, Haare, Strohhalme etc. 

Seine räumlichen Gebilde sind Metaphern, die Vordergründiges unzertrennlich mit Abgründigem, Hintersinnigen und Entrücktem verkoppeln. Die Bildflächen Rothschilds sind nicht nur von Realem, sondern auch von Sehnsüchten, Utopien, Magie und Glauben durchdrungen und machen so beispielsweise Sakralräume erfahrbar. 

Die dargestellten Figuren und Geschehnisse berichten von göttlichen Berührungen. Die Fenster hingegen, in denen sie erscheinen, sind die Medien, durch welche sich die Berührung ereignen kann.

Rothschilds Werke im Buch werden von aufschlussreichen Texten begleitet, die das, was man bestaunen kann, intellektuell begreifbar macht. Er, der wie man liest, ein wandelnder Widerspruch sei, mache sich ein Spiel daraus, das Paradies zu suchen und Worthülsen aufzuspüren.

Wer an diesem Spiel teilhaben möchte, sollte sich in das Buch vertiefen.

84 Seiten,
101 Abb. 
24,50 x 29,50 cm 

Leinen 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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