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Rezension: HAAR Macht LUST- Kunsthalle München, Hirmer.


Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Haar Macht Lust", die vom 20.3.–4.10.2026 in München gezeigt wird. 

Mit "HAAR – MACHT – LUST" legt die Kunsthalle München eine thematisch gestaltete, kulturübergreifende Ausstellung vor, die die vielfältigen Bedeutungen von Kopf- und Körperhaar in den Blick nimmt, bewirbt die Kunsthalle ihre gelungene Präsentation.

Zu sehen gibt es rund 200 Exponate von der Antike bis zur Gegenwart – darunter Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Videoarbeiten, Schmuckstücke, Möbel, Designobjekte und Couture-Kreationen – aus bedeutenden internationalen Sammlungen wie dem Prado, dem Louvre und dem Rijksmuseum. 

Das Buch beginnt mit einem Vorwort von Roger Diederen, dem Direktor der Kunsthalle München. Für ihn ist das Haar ein zutiefst menschliches Phänomen, gleichsam ein Faden, der sich durch Kulturen, Zeiten und Lebenswelten zieht. Dabei hofft er, dass die Ausstellung dazu beträgt, jenseits der sichtbaren Unterschiede das Gefühl von Verbundenheit und gemeinsamer Menschlichkeit zu stärken.

Das Vorwort von Jutta Götzmann, der leitenden Direktorin der Museen Freiburg, wo die Ausstellung dann ab dem Herbst 2026 gezeigt wird, bekundet dass sie beiden Standorten eine große Resonanz wünscht. Nach der Lektüre des Buches bin ich überzeugt, dass sich ihre Hoffnung erfüllt.

Es folgen nach der Einführung von Juliane Au vier erhellende Essays unterschiedlicher Autoren und sechs sehr gute Texte, die die Thematik des Werks facettenreich durchmessen. 

Der erste der Texte befasst sich mit dem sozialen Status, der in allen Jahrhunderten durch die Haartracht ihren sichtbaren Ausdruck fand. Zahlreiche Abbildungen der Exponate der Ausstellung dokumentieren aufs Nachdrücklichste, was man dem Text entnehmen kann. Zitate unterschiedlicher, namhafter Autoren vervollständigen den Gesamteindruck, den die Macher des Buchs offensichtlich im Auge haben.

Bei allen weitere Texten wird ähnlich verfahren, so dass die im Titel aufgezeigten Eigenschaften und deren Stellenwert in Bezug auf unser Haar im Laufe der Geschichte sehr gut nachvollziehbar sind. 

Sehr spannend finde den Textbeitrag "Ökonomien des Haares". Hier wird verdeutlicht, dass das Haar ein entscheidender Faktor für einen der größten Wirtschaftszweige der Welt ist als auch ein Rohstoff inmitten der Wertstoffketten. 

Die vielen gezeigten Exponate im Werk machen die breitgefächerte Wirkwelt der Haare unmissverständlich klar. 

Kurzum: Ein Buch, das man gelesen und betrachtet haben sollte, wenn man sich zu Haaren äußern möchte. Wissen, worüber man redet, schadet nie!

Helga König

Rezension: Glanzstücke-Staatliche Schlösser und Gärten Hessen, Hirmer


Ich kann mich nur vage an meinen Besuch des Elfenbeinmuseums in Erbach erinnern. Damals war ich 12 Jahre alt. Die "Erbacher Rose" allerdings blieb mir im Gedächtnis, weniger wegen der Form (eine Rose ist eine Rose...!) als des poetischen Namens wegen. Umso neugieriger war ich nun auf das vorliegende Buch, um Näheres über das Museum, dessen Geschichte und die Exponate dort zu erfahren. 

Vorab: Den Grundstein dafür, dass Erbach im Odenwald eng mit der Elfenbeinkunst verbunden ist, hat vor rund 200 Jahren Graf Franz I. zu Erbach-Erbach gelegt. 

Nach einem Vorwort von Kirsten Worms, Direktorin der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen und einem Grußwort von Dr. Peter Traub, Bürgermeister von Erbach kann man sich in einem sehr informativen Essay von Marie Christin Lieberum mit der Wortherkunft und Beschaffung von Elfenbein, dessen Nutzung und Bearbeitung, darüber hinaus über dessen Verwendung und Bedeutung sowie schließlich auch über dessen zwingend notwendigen Artenschutz befassen. 

Schon in der Steinzeit vor etwa 40.000 Jahren wurden aus den Stoßzähnen gejagter Mammuts kleine Skulpturen gefertigt. In der Antike dann sei Elfenbein Ausdruck von Status und Macht gewesen und sei primär in höfischen und religiösen Zusammenhängen zum Einsatz gekommen. Wie Elfenbein dann in den folgenden Epochen verwendet wurde, wird sehr gut vermittelt. Vor allem wird über die Maßnahmen des Artenschutzes ausführlich informiert und hier auch über das Artenschutzabkommen "CITIS", das von 180 Ländern 1989 unterzeichnet wurde. Dieses Abkommen beinhaltet u.a. ein globales Handelsverbot für Elfenbein. Nur Musikinstrumente und Antiquitäten, die vor 1947 entstanden sind, dürfen allerdings weiterhin für die Erweiterung von musealen Sammlungen gehandelt werden. Wir sehen, der Mensch ist gottlob in der Lage, dazuzulernen.

In dem dann folgenden Essay von Edda Behringer-Rosswinkel erfährt man Wissenswertes zur Geschichte des Deutschen Elfenbeinmuseums Schloss Erbach und daran anschließend seitens Marie –Christin Lieberum ebenso Wissenswertes über Graf Franz I. zu Erbach-Erbach, der dilettierender Graf und Begründer des Erbacher Elfenbeinmuseums war. Man lernt Elfenbeinarbeiten des Grafen auf Fotos kennen, so etwa gedrechselte Schnupftabakdosen und erkennt sogleich, dass er sein Hobby sehr ernst nahm. 

Ein guter Beitrag von Edda Behringer-Rosswinkel "Zur Geschichte des Deutschen Elfenbeinmuseums Schloss Erbach", die zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann, ist bebildert und zeigt auch das Gebäude der 1892 gegründeten Großherzoglichen Fachschule für Elenbeinschnitzerei und verwandte Gewerbe zu Erbach und auch die dortige Lehrwerkstatt mit Lehrern und aufmerksamen Schülern. 

Ein Kapitel im Buch befasst sich mit Graf Franz I. zu Erbach. Erbach, dem Begründer des Elfenbeinhandwerks in Erbach und seinen diesbezüglichen Arbeiten. Hier auch liest man, dass das Elfenbeindrechseln einst als "Statusignal" diente und zur Anerkennung im adeligen Umfeld.

Wirtschaftlich brachte das Handwerk auch etwas ein. Dazu mehr von Marie-Christine Lieberum im Essay "Aufschwung des Elfenbeinhandwerks- die Erbacher Rose und andere edle Schmuckstücke". Man liest Näheres zu dem Rosenzüchter Friedrich Hartmann und seiner glücklichen Idee eine Rose in Elfenbein nachzubilden. Das trug zu einer wirtschaftlichen Glanzperiode zwischen 1874-84 bei. Abbildungen dieser Rose lassen erahnen, warum die Damenwelt dieses Schmuckstück hypten. Heute würde man die Rose wohl "Eyechatcher" bezeichnen.  

Weiter erfährt man Interessantes zur Figurenschnitzerei der Jahrhundertwende und hier zu den Elfenbeinwerken von Otto Lenz. Wunderschön sind dessen Jugendstilfiguren wie etwa "Die große Badende" oder "Tanzende Elfen", zu denen man  im Text mehr erfährt. Weiterhin werden ausführlich  die Elfenbeinarbeiten des Art déco von Ferdinand Preiss und Ludwig Walter thematisiert und auch die Auseinandersetzung mit dem Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit im Hinblick auf Elfenbeinarbeiten durch Oswald Ammersbach und Emil Strauch. 

Zur Sprache kommen fernerhin Tierdarstellungen in Elfenbein und neue Wege in der Elfenbeinkunst durch Wilhelm Wegel und Jan Holsschuh im 20. Jahrhundert. Mit all diesen Informationen versorgt, kann man sich schließlich mit den Werken aus Elfenbein von Karl Schmidt-Rottluff befassen. Er zählt zu den wichtigsten Vertretern des Expressionismus und hat mit anderen namhaften Künstlern die Künstlervereinigung "Brücke" in Dresden gegründet. Seine Werke kann man auf Fotos bestaunen. Im Essay von Edda Behringer –Rosswinkel wird man ausgiebig über den Künstler und seine Elfenbeinkunstschaffen in Kenntnis gesetzt. 

Der Katalog endet mit einem mehrseitigen Werksverzeichnis und einer umfangreichen Bibliografie. 

Wer nach all den Informationen es verabsäumt, das Elfenbeinmuseum in Erbach aufzusuchen, ist zu bedauern, denn  das Werk "Glanzstücke" ist eine Einladung erster Güte. 


 Helga König

Rezension: Das Rheinsberger Gartenreich –Sehnsuchtsort in alten und neuen Bildern-Hirmer


Dieser Bildband befasst sich mit dem Gartenreich von Schloss Rheinsberg. Prinz Heinrich von Preußen, der Schöpfer dieses Paradieses, wurde vor 300 Jahren geboren. Grund genug, sich mit seinem Werk zu befassen. 

Der Reiz des Buches bestehe in der Konfrontation des historischen Ortes mit Heute schreibt Dr. Detel Fuchs, Vorsitzender des Kunst und Kulturvereins Rheinsberg e. V. . Das kann ich anhand der Bilder nur bestätigen.

38 Ansichten des späten 18. Jahrhunderts von Schloss Rheinsberg und dem großen umgebenden Park lernt man u.a. kennen, aber auch wunderschöne Fotografien von Leo Seidel und kann sich zunächst in einen Essay von Claudia Sommer vertiefen, der den Titel "Das Gartenreich in Bildern- Rheinsberg und das Morino-Projekt" trägt. Hier erfährt man, wer Johann Morino war und welche Rolle er bei diesem preußischen Projekt spielte. 

Katrin Schröder schreibt in dem dann folgenden Essay "Entdeckung einer Landschaft", Wissenswertes zur Entstehung des "Rheinsberger Gartenreichs", dem dann die "Rheinsberger Ansichtsserie" folgt, ein Mix aus alten und neuen Bildern, die sehr gut textlich erläutert sind. 

Spannend fand ich u.a. die Texte "Ansicht von Rousseaus Monument zu Rheinberg" und "Vue l‘ Eremitage de Rousseau à Rheinsberg". Hier erfährt man, dass Prinz Heinrich sich mit den Werken besagten Philosophen befasst hat. Es wird vermutet, dass der Bruder Friedrichs II. von Preußen die zivilisationskritische, resignative Grundhaltung Rousseaus teilte, der der Gesellschaft eine fortschreitende Naturentfremdung attestierte und im Naturhaften, das Unverbildete Vollkommene zu erkennen meinte. 

Das bildliche Motiv des zunächst provisorischen Grabes Rousseaus mit einer bekrönenden Urne auf der Pappelinsel im Garten von Ermenonville habe sich durch eine vielfach reproduzierte Radierung in ganz Europa verbreitet und zu Nachschöpfungen geführt, so auch wohl in Rheinsberg. 

Die Bilder der Insel Remus, inmitten der großen Rheinsberger Sees machen übrigens sehr neugierig. Auch dazu Wissenswertes zu lesen, bringt den Lesern das Geburtstagskind und seinen Traum im Rousseau`schen Sinne näher. Die Fotos von Leo Seidel tun ihr Übriges dazu.

Nicht zu vergessen, ein Karte vom Anwesen ganz Beginn und ein Foto von Schloss..., alles zusammen verzaubert und führt in eine Welt, in der der Geist Rousseaus noch immer lebt. 

Helga König

Rezension: Mongolei- Eine Reise durch die Zeit-Museum Rietberg -Hirmer


Das ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Mongolei- Eine Reise durch die Zeit", die vom 24.Okt.25 bis 22.Feb.26 im Museum Rietberg in Zürich gezeigt wird. 

Die Grußworte dazu haben Annette Bhagwati, die Direktorin des Museums und Prof. Sampildondov Chuluun, Direktor des Chinggis Khaan National Museums verfasst. 

Wie man hier bereits erfährt, eröffnen die Ausstellung und der Katalog einen vielschichtigen Blick auf eine Welt, die von einem Zusammenspiel nomadischer und städtischer Lebensweisen geprägt sei und bis in die Gegenwart hineinwirke. Speziell die jüngere Generation setze sich mit der Frage der Identität und Zugehörigkeit zwischen Mobilität und Sesshaftigkeit, zwischen überlieferten Traditionen und einem kosmopolitischen Alltag auseinander. Dies werde von den Künstlerinnen und Künstlern dokumentiert. 

In der Einleitung von Johannes Beltz und Alexandra von Przychowski erfährt man, dass der Katalog Antworten auf die widersprüchlichen Klischees über die Mongolei, die näher beschrieben werden, geben möchte. Präsentiert werde die Geschichte großer Steppenimperien. Dabei beginnt das Buch mit den ältesten Städtesiedlungen im Orchon-Tal und findet sein Ende im Jetzt. 

Alexandra von Przychowski nimmt die Leser in einem Textbeitrag mit auf eine Reise durch die Landschaft der Mongolei, die sich durch extreme Bedingungen auszeichnet. Trotz dieser Tatsache sei sie seit mindestens 5000 Jahren besiedelt. Zur Sprache gebracht werden zunächst das erste Steppenreich: Xiongnu und dortige archäologischer Funde, die Reiche des Kök-Türken und der Uiguren, das Grab Sharoon Bumbagar, - hier geht es um die farbenfrohen Tonfiguren (man kann sie auf Fotos bestaunen) und detailreichen Wandmalereien- , dann um die Geschichte von Karabalgasun, der Metropole im Orchon-Tal und die Entdeckung eines Brunnens dort. Faszinierend sind die Bilder des Brunnens, die die Grabungsleitung bei ihrer Arbeit am untersten Teil des Brunnens zeigen. 

Interessant auch sind die eingebundenen Textbeiträge, so etwa über den Fund eines Bügeleisens in Karabalgasum, das darauf hinweist, dass in dieser Stadt Seidenstoffe verarbeitet wurden. Es folgt ein umfangreicher Beitrag über "Dschingis Khan, das mongolische Weltreich und die Nachfolgereiche." Hier geht es um die Zeit zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert. Die Mongolei-Expertin Karenina Kollmar-Paulenz schenkt dem Leser einen sehr guten Überblick über die Geschichte dieses riesigen Reiches, dessen Ausmaß man konkret erfährt. 

Man liest Wissenswertes über diesen Herrscher und wie er bereits in jungen Jahren seine Armee organisierte. Bei seinen Anführern zählte für ihn nur Loyalität und persönliche Leistung. Die Eroberung von Bejing stellte in der Geschichte des Reiches einen Wendepunkt dar. In der Folge war es die prinzipielle Aufgeschlossenheit Fremden und dem Unbekannten gegenüber die den Aufbau des Weltreichs ermöglichte. Sie sei es auch gewesen, die den Grundstein legte für eine frühe Globalisierungsbewegung der Geschichte. Eine interessante Info!

Wie es dann weiterging, entnimmt man dem hochspannenden Beitrag, von dem ich hier nicht zu viel verraten möchte. Vielleicht das noch: In der Kriegsführung gingen die Mongolen grausam vor, um so Angst und Schrecken zu verbreiten und weitere Städte dazu zu bewegen, sich widerstandslos zu ergeben. Auf diese Weise minderte Dschingis Khan seine Verluste. Seine Eroberungspolitik legitimierte er mit der Gunst des Himmels. Das Übliche: die Vorsehung.

Nach seinem Tod setzen seine Söhne die Expansionspolitik fort, doch über all das erfährt man im Buch mehr. Eindrucksvoll auch sind die Bilder, so etwa von mongolischen Kriegern beim Kampf, die sich im Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin befinden. 

Immer wieder erwarten den Leser bemerkenswerte Textportäts von Künstlern aber auch lehrreiche Texte wie etwa zur Vielfalt der Sprachen und Schriften, über die Pferde der Mongolen und deren gefürchtete Krieger. Sie waren, so liest man die ersten, die Schießpulver einsetzten. Erfunden wurde es um 1100 in China. Einen Textbeitrag über starke Frauen von damals und heute gibt es auch. In der heutigen Mongolei sind übrigens über 70% der Hochschulstudierenden weiblich. 

In den dann noch folgenden Beiträgen erfährt man u.a. Wissenswertes über Luxuskeramik in aus China, über das Handwerk in Karakorum, über die Stoffe der Mongolen, über Ulaanbaatar, die heutige Hauptstadt, die einst religiöses Zentrum war, fernerhin  kann  man sich in zahlreiche Künstlerporträts vertiefen und sich in einem sehr guten Text mit zeitgenössischer Kunst in der Mongolei befassen.

Alles in allem ein überaus informativer Katalog mit hervorragenden visuellen Darstellungen.

Maximal empfehlenswert,

Helga König

Überall im Buchhandel erhältlich,

Rezension: Monets Küste- Die Entdeckung von Étretat- Hirmer

Dies ist der gleichnamige Katalog zur Ausstellung "Monets Küste - Die Entdeckung von Étretat" die vom 19.3.2026–5.7.2026 im Staedel Museum in Frankfurt/Main gezeigt wird. 

Um sich einen Überblick über das zu verschaffen, was im vorliegenden Buch gezeigt und sehr gut erklärt wird, ist es sinnvoll, neben dem Vorwort von Sylvie Ramond, der Chefkuratorin, Generaldirektorin der Kunstmuseen MBA/MAC, Direktorin des Musée des Beaux –Arts de Lyon und Philippe Demandt (Direktor, Städel Museum, Frankfurt am Main) und der umfangreichen Einleitung, der Autoren Stéphane Paccoud, Isolde Pludermacher und Alexander Eiling, die 12 Seiten umfassende Chronologie, zu Ende des Werks zu studieren. Hier auch findet man Verweise zu Abbildungen und Werken, die in der Ausstellung und im Katalog zu sehen sind. 

Auf die Ausstellung im Staedel Museum in Frankfurt bin ich jetzt schon neugierig,  nicht zuletzt. weil ich während meiner Studienzeit 2 x in Étretat in der Normandie war und von daher weiß, weshalb Dichter, Schriftsteller und Maler sich in diesen Ort hemmungslos verliebten. Ähnlich wie St. Paul de Vence im Süden Frankreichs, verfügt Étretat über einen ganz besonderen Charme, der für Künstler über die Zeiten hinweg eine sprudelnde Inspirationsquelle gewesen ist. 

Im 1. Teil der Einleitung referiert Stéphane Paccoud über "Die Romantik und die Erfindung Étretats". Hier liest man, dass die erste bekannte Darstellung dieses Fischdorfes aus der Zeit um 1786 stammt. Es handelt sich um ein Aquarell des Malers Alexandre Jean Noel. Man liest weiter von Normandie-Reisenden nach der Französischen Revolution, deren Interesse allerdings mittelalterlichen Kunstwerken gegolten habe. Bislang betrachte man den Künstler Eugène Isabey als Entdecker von Étretat. Man liest übrigens von einer ganzen Reihe von Malern der "Romantischen Schule", die der Faszination besagten Ortes erlegen waren. 

Teil 2, verfasst von Isolde Pludermacher, befasst sich mit dem pittoresken Ort an sich und der Tatsache, dass Künstler dort sogar niederließen. Den Anfang nahm 1849 Le Poittevin, der eine Künstlerkolonie gründete. Die Anziehungskraft des Ortes soll auch Käufer und potentielle Sammler angezogen haben.

Man liest von zahlreichen bekannten Malern und Schriftsteller, auch Musikern wie Jaques Offenbach, der dort eine Villa erbauen ließ, in der sich einer der größten und schönsten Salons des Künstlerortes befunden haben soll. Neben den Steilklippen seien die Künstler selbst immer mehr Wahrzeichen von Étretat geworden. 

Im dritten Teil der Einleitung, sie ist von Alexander Eiling verfasst, wird der Ort von Monet bis Matisse abgehandelt, also Impressionismus und Postimpressionismus. Man erfährt, was Monet motivierte, nach Étretat zu gehen. Der Wunsch nach unberührter Natur nach dem 1870/71er Krieg bei den Käufern scheint ein wichtiger Grund gewesen zu sein. Zwischen 1883 und 1886 hielt Monet sich jedes Jahr in dem Fischerdorf auf und schuf 80 Werke.

Um 1900 kamen weitere Künstler nach Étretat und es ging auch danach so weiter. So hat Henri Matisse 1920 allein 40 Gemälde und zahlreiche Zeichnungen dort geschaffen. 

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts sei die künstlerische Auseinandersetzung mit Étretat abgeebbt. Einer der wenigen zeitgenössischen Künstler sei der Düsseldorfer Fotograf Eger Esser,  der im Jahr 2000 eine 15 teilige Serie großformatiger Landschaftsfotografien schuf.

In der Folge lernt man die Künstler Eugène Isabey und Eugène Delacroix in Texten von Stéphane Paccoud kennen und kann sich in deren Werke vertiefen, die in den "Mythos Étretat" einstimmen und speziell mit "Der Steilküste von Étretat" von Delacroix für Neugierde sorgen, weil man mit einem Geheimnis konfrontiert wird, konkret, dem der Ausstrahlung dieser Küste. Was empfindet man beim Betrachten oder besser Bestaunen?

Dann folgen verschiedene Essays, die dem Leser Étretat immer näher bringen und diverse Kurzporträts der Maler, deren Gemälde man kennenlernt. Wie Étretat im 19. Jahrhundert ins Bild gesetzt wurde, berichtet Pierre Wat. Hier auch liest man, dass Victor Hugo andeutete, dass die Klippe von Étretat ein Monster der Natur sei. Spannend, sich in Hugos Zeichnungen zu vertiefen, die aus seinem Reisetagebuch stammen. 

Werke des deutschen Landschaftsmalers Johann Wilhelm Schirmer lernt man kennen. Die Ausstellung zeigt übrigens rund 170 herausragende Gemälde, Zeichnungen, Fotografien sowie historische Dokumente, unter ihnen 24 Werke von Claude Monet. Sie vereine neben Werken von Eugène Delacroix, Gustave Courbet, Claude Monet und Henri Matisse eine Vielzahl weiterer Positionen der modernen und zeitgenössischen Kunst – von Eugène Le Poittevin über Camille Corot, Gustave Caillebotte und Johann Wilhelm Schirmer bis hin zu Elger Esser. Beeindruckend!

Über das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Welten in Étretat erfährt man Wissenswertes, so auch über die Wäscherinnen am Strand des Ortes. 

Der Künstler Hugue Merle wird textlich sehr gut vorgestellt, auch über die Badegäste, Sommerfrischler und Touristen im 19. Jahrhundert erfährt man Näheres, kann sich an Plakaten erfreuen und Gemälden von Eugene La Poittevin über das Seebad Étretat. Auch alte Fotografien sind ein Thema, auf denen Felsen und Wellen die Protagonisten sind. 

Nach einer sehr guten Präsentation von Gustave Courbet in Étretat und dessen dortigem Schaffen wird man mit Monet und Étretat vertraut gemacht. Alexander Eiling schreibt hier auch über Monets 1868/69 in Étretat entstandenes Gemälde "Das Mittagessen", das im Katalog zu sehen ist und über die entstandenen Werke von 1885/86 und hier speziell die Erkundung wechselnder Lichtstimmungen. Eine Fülle wunderschöner Gemälde der Felsformation- d’Amont, der Porte d’Aval und der Manneporte darf man bestaunen. Unter dem Eindruck der sich stets verändernden Licht- und Wetterverhältnisse begann Monet in Étretat erstmals, Motivreihen zu malen. Diese Arbeitsweise sollte sich später zu seinem Markenzeichen entwickeln.

Was dann noch folgt, ist eine auch textlich gelungene Präsentation der Schweizer Malerin Sophie Schaeppi mit ihren Werken von Étretat, Gemälde von Felix Vallotton werden zudem gezeigt und schließlich wird Wissenswertes zu Henri Matisse im Sommer 1920 in Étretat vermittelt. Auch hier wunderbare Gemälde und schließlich Informationen darüber wie - speziell durch Maupassant und Flaubert - die Steilklippen von Étretat  Einzug in die Literatur gehalten haben. Fotos von Elger Esser runden den Reigen der visuellen Eindrücke ab.

Was bleibt, ist der Wunsch die Ausstellung im kommenden Jahr in Frankfurt zu besuchen und zuvor immer wieder Vorfreude aufgrund der Texte und Bilder des Katalogs zu entwickeln.

Maximal empfehlenswert

Helga König

Onlinebestellung; Hirmer oder überall im Fachhandel erhältlich

Rezension: Künstlerinnen- Von Monjé bis Münter- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, "Künstlerinnen- Von Monjé bis Münter", die vom 25.9.2025 – 1.2.2026 im Kunstpalast Düsseldorf gezeigt wird. 

Das Vorwort hat Felix Krämer, der Generaldirektor des Kunstpalasts, verfasst. Er lässt die LeserInnen wissen, dass allein in Düsseldorf rund 500 Künstlerinnen gefunden wurden, die im 19. und 20. Jahrhundert aktiv waren. Berufliche Anerkennung fanden damals allerdings nur wenige. 

Die Ausstellung habe 5 Jahre Vorlauf gehabt, um genügend Grundlagenforschung betreiben zu können. Die meisten Künstlerinnen seien nur Fachkreisen bekannt und manche habe man völlig vergessen. Viele Werke würden erstmals seit dem 19. Jahrhundert öffentlich gezeigt. 

Kathrin Du Bois schreibt in der Folge Wissenswertes zum Projekt "Künstlerinnen". Diesem erhellenden Text folgen 4 Essays. Es handelt sich um: 

- Kathrin Du Bois: Künstlerin werden- Die Ausbildung der Frauen in Düsseldorf vor der Zulassung zur Kunstakademie

- Nina Köppert; Strukturen der Sichtbarkeit- Ausstellungsbeteiligung von Künstlerinnen im Düsseldorf des 19. Jahrhunderts 

- Kathrin Du Bois und Sine Krogh: Über Grenzen-Elisabeth Jerichau-Baumanns deutsche Ausbildung und transnationale Karriere 

- Anne-Marie Penonnen: Düsseldorf als kreatives Zentrum nordeuropäischer Künstlerinnen. 

Noch bis 1919 vermochten sich Künstlerinnen nur mittels kostspieligen Privatunterrichts künstlerisch weiterbilden. Allerdings gab es zuvor bereits einige erfolgreiche Malerinnen. Eine davon war die Düsseldorferin Catharina Treu. Sie sei sogar die erste Professorin für Malerei im deutschsprachigen Raum gewesen. Wie man erfährt, habe erst 200 Jahre später die Künstlerin Rissa als nächste Frau eine prestigeträchtige Malerei-Professur erhalten. 

Man liest viel Wissenswertes über Privatunterricht, Mal-, Kunstgewerbe- und Frauenkunstschulen und kann sich ein Bild davon machen, wie schwer es Künstlerinnen einst hatten. 

Nina Köppert schreibt über Reproduktionen in Zeitschriften, vor allem aber über Ausstellungsmöglichkeiten in Düsseldorf. Dabei erfährt man, dass Mitte der 1880 Jahre Stillleben die weiterhin beliebten Landschaften als die meistausgestellte Gattung von Künstlerinnen ablösten. 

Man erfährt des Weiteren Wissenswertes über die schöne Malerin Elisabeth-Jerihau Baumann, deren Selbstporträt man im Buch bewundern kann. Ihre Ausbildung, ihr Wunsch, sich mit Männern zu messen, ihr Aufenthalt in Rom, Kopenhagen und London kommen u.a. zur Sprache. In London habe sie sich den Kunsttrend des Orientalismus zu Eigen gemacht und schließlich in Konstantinopel die Oberschicht des Osmanischen Reichs porträtiert, habe Zutritt zum Harem des dortigen Sultans erhalten und in Ägypten sinnliche Töpferwaren-Verkäuferinnen und Bäuerinnen porträtiert. Die Malerin soll häufig allein gereist sein und beim Verkauf ihrer Bilder strategisches Handlungsgeschick bewiesen haben. 

Dass Düsseldorf als kreatives Zentrum nordeuropäischer Künstlerinnen galt, erfährt man von Anne-Maria Penonnen und kann sich alsdann in den Katalog vertiefen. 

Dieser ist in insgesamt 9 Kapitel untergliedert, als da sind: 

- Träume und Möglichkeiten
- Vorbilder und Nachruhm 
- Karrierestrategien
- Weg zur Kunst 
- Gesehen werden 
- Männlich malen?
- Modern trotz Düsseldorf 
- Frei und angewandt 
- Gleichberechtigt? 

Jedes Kapitel beginnt mit einem kurzen einführenden Text, dem eine Fülle von Gemälden unterschiedlicher Malerinnen folgt. Neben Porträts kann man Blumenarabesken und Denksprüche, auch Illustrationen bewundern. Die Gemälde von Elisabeth Jerichau-Baumann, der ein Kapitel gewidmet ist, beeindrucken ganz besonders, sei es ihre Porträts oder auch das viel Lebensfreude ausstrahlende Bild "Italienische Osteria". 

Gemälde von Amalia Lindgren, Sophia Ribbing und der Norwegerin Mathilde Dietrichson zeigen das Können dieser exzellenten Malerinnen. Sehr ausdrucksstark ist die "Studie des Modells Carminello" von Sophia Ribbling und auch das Selbstporträt von Mathilde Dietrichson. 

Paula Monjé hat ihr Gemälde "Deutsches Volksfest" der Berliner Nationalgalerie geschenkt. Damit habe sie selbst für Sichtbarkeit gesorgt. Ab den 1860er Jahren gründeten Frauen eigene Künstler-Vereine und veranstalteten, wie man erfährt, auch eigene Ausstellungen. Der Verein Düsseldorfer Künstlerinnen entstand 1911. Von Beginn an dabei sei Paula Monjé gewesen. Sie war es, die sich aktiv für den Zugang von Frauen zur Kunstakademie einsetzte. 

Traumhaft sind die Stillleben von Emilia Preyer und Magda Kröner, die eine der bekanntesten Düsseldorfer Künstlerinnen ihrer Zeit war. Gemälde der Künstlerin Gabriele Münter lernt man im Kapitel "Modern trotz Düsseldorf" kennen. Darüber hinaus liest man von gestalterischen Aufgaben, die den Frauen Wege in den Kunstbetrieb eröffneten und kann sich diesbezüglich  diverse Exponate anschauen. 

Gemälde von Marta Hegemann aus den 1920er Jahren lassen die Kunstrichtung erkennen, der sie sich verwandt fühlte: dem Dadaismus. Dass die Nazis ein Problem mit ihren wundervollen Werken hatte, wundert mich nicht. 

Zum Schluss des Katalogs werden 31 sehr informative Kurzbiografien von Künstlerinnen vorgestellt, deren Gemälde im Katalog zu bewundern sind. 

 Maximal empfehlenswert

Helga König

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Rezension: LIVING WITH GARDENS-Stephan Maria Lang-Hirmer


Dieses reich bebilderte Werk des Münchener Architekten Stephan Maria Lang, der im Stil der organischen Architektur entwirft und baut, beginnt mit einem Konterfei Langs und einem Vorwort von Björn Vedder. Dieses Vorwort ist übrigens- wie alle Texte des Buches - in deutscher und englischer Sprache zu lesen.

Vedder schreibt, dass für Lang der Garten mindestens genauso wichtig sei wie das Haus. Nicht selten plane dieser zuerst den Garten und setze dann das Haus hinein. Damit befindet er guten Gesellschaft mit den Baumeistern Richard Neutra, Rudolf Schindler und Frank Lloyd Wright, wie man erfährt, für die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Architektur ohne Landschaft, ohne die Einbettung in eine gestaltete Szenerie nicht denkbar gewesen sei. Alle hätten den Lebensraum von Haus und Garten als einheitliches Ganzes betrachtet. Dabei habe ihr Bestreben darin gelegen, die Grenzen von innen nach außen aufzulösen. 

Stephan Maria Lang baue Häuser nicht als Barriere zur Natur, sondern vielmehr als Refugium in der Natur. Im Rahmen von 6 Kapiteln kann man sich anhand von beeindruckenden Fotos und sehr gut erläuternden Texten in die Arbeitswelt von Lang vertiefen. 

Zunächst lernt man im Kapitel "Innenwelt & Außenwelt"  die symbiotische Beziehung von Haus und Garten kennen. Die Fotos verdeutlichen, dass Sichtachsen den Blick nach außen öffnen und die Natur in den geschützten Raum holen. Pläne der einzelnen Objekte, die gezeigt werden, helfen den Betrachtern der Bilder eine genaue Vorstellung von der Dimension der einzelnen Konzeptionen zu erhalten. So ist beim ersten gezeigten Objekt der stete Wechsel von Natur und Gebautem ein wiederkehrendes Thema, wobei die raumhohen Verglasungen mit ihren Spiegeleffekten innen wie außen ein magisches Lichtspiel erschaffen. Jedes Fenster und jede Glastür inszeniert die Natur als Kulisse. 

Das zweite Kapitel mit dem Titel "Linearität und Eigenleben" befasst sich mit dem Zauber der Gegensätze. Die Bauten dieses Architekten verfügen über schwere, natursteinartige Sockelelemente, die wie mit dem Erdreich verwachsen daherkommen. Dies lasse die Gebäudevolumia leicht und schwebend erscheinen. Lang möchte den vielerorts gelebten Gegensatz von gestalteter und gewachsener Natur aufheben, vermutlich um die unerklärbare Magie eines Gartens zu erhalten. 

Sehr gut gefällt mir das filigrane Schauspiel der Gräser im Kontrast zu den gebauten Steinstrukturen.  Lang schreibt "Sollte Architektur ein wohlgeordnetes Leben versinnbildlichen, so steht Garten für eine gewisse Art der Entgrenzung." Was er damit meint, wird anhand der tollen Fotos verständlich. In seinen Gärten dominiert unterschiedliches Grün in tausenderlei Formen und bindet das Grün, die Bäume des Nachbarn, als Leihgaben ein. 

Licht und Schatten, sie werden im 3. Kapitel thematisiert, verleihen den Räumen Tiefe und Charakter. Was es mit dem besonderen Farb- und Lichtspiel auf sich hat, kann man sich wiederum anhand von Fotos vergegenwärtigen.  Alsdann erfährt man in 4. Kapitel "Intuition und Magie" auf welche Weise der Architekt und Landschaftsgärtner seine Entwürfe gestaltet und wie es zu den sehr individuellen Gestaltungsergebnissen kommt. Ein wenig erinnern die Sockel der modernen Häuser an Sockel von mittelalterlichen Burgen umgeben von Grün. Das macht den Anblick geheimnisvoll, fast mystisch. 

Dann wird in Kapitel 5 "Die Kraft der Bäume" zur Sprache gebracht, die für Lang "ein Geschenk für Generationen" sind. Langs Blick auf Bäume sei zweigeteilt. Was damit gemeint ist, kann man dem Buch sehr gut  verständlich entnehmen. Die Bilderwelt dazu, lässt verstehen, welche Wirkkraft Bäume haben. 

Was es mit der "Patina" auf sich hat, ist Thema des Kapitels 6, Untertitel: "Von der Schönheit des Alterns" abzugewinnen und bedarf einer Sichtweise, die schon beinahe philosophisch ist. Mit diesem Blick versteht man vermutlich nicht nur die Tiefe des Satzes "Ein guter Garten bildet verlässlich seine eigenen Gesetze aus", sondern entschlüsselt auch das Geheimnis, weshalb man frisches Grün an einer fast schon morbiden Mauer bewundert und das Werden wie auch die Vergänglichkeit als den letztendlichen Sinn des Lebens begreift.

Wo die einzelnen Projekte Stephan Langs zu finden sind, entnimmt man den letzten Seiten dieses gelungenen Buches eines Architekten, der sich erfreulicherweise zugleich als Landschaftsgärtner begreift und auf diese Weise Gesamtkunstwerke gestaltet, die aus Grau nicht Grün machen, sondern eine gelungene Melange aus beidem gestalten.

Maximal empfehlenswert

Helga König

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Rezension: Poesie des Lichts- Richard Pousette-Dart-Hirmer


Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Poesie des Lichts", die vom 17. Mai – 14. September 2025 im MUSEUM FRIEDER BURDA, Lichtentaler Allee 8b, in 76530  Baden-Baden gezeigt wird. 

Dem Vorwort von Daniel Zamani ist ein Zitat von Richard Pousette-Dart (1916- 1992) aus dem Jahre vorangestellt. Ich gebe es hier wieder, weil es wirklich neugierig macht, sich mit diesem Katalog näher zu befassen: 

"Gemälde sind wie Menschen. Damit sie sich öffnen und offenbaren, muss man sich ihnen annähern, ihre Freundschaft gewinnen, sie kennen und lieben lernen wie einen Menschen. Gemälde haben ein Dasein, sie sind auf eine rätselhafte Weise lebendig und wollen verstanden werden, wir müssen sie auf lebendige Art und Weise anschauen, wir müssen uns ihnen ohne vorgefasste Meinungen, mit einer wahrhaft ehrfürchtigen und staunenden Haltung nähern. Wir müssen versuchen, ihren inneren Sinn zu erfahren, das heimliche Geschenk, das jedes Werk für uns bereithält – wenn wir denn genug Demut und Liebe aufbringen, um dieses Geschenk zu empfangen." 

Wer war Richard-Pousette-Dart? Wie Daniel Zamani den Lesern eingangs mitteilt, einer der großen Pioniere des Abstrakten Expressionismus. Der aus den USA stammende Künstler sei in so unterschiedlichen Medien wie Malerei, Skulptur und Fotografie tätig gewesen und habe einen herausragenden Beitrag beim Heranreifen der New Yorker School geleistet. Grund genug ihm eine Sonderausstellung zu widmen ! 

Man erfährt Wissenswertes über die Vorfahren des Künstlers, die ihn förderten aber auch über Peggy Guggenheim, die später dann eine bedeutende Mäzenin Richard Pousette-Darts wurde, dessen Werke sie 1947 in einer umfangreichen Einzelausstellung gewürdigt habe.

1951 habe der Künstler bei einer Rede für Kunststudenten in Boston die Rolle der künstlerischen Freiheit dargelegt  und habe von der Malerei als einen Bereich gesprochen, der auf das Engste mit der kreativen Erforschung des Unsichtbaren und Verborgenen verbunden sei. 

Pousette-Darts Schaffen sei von Experimentierfreudigkeit geprägt gewesen. Er legte seinen Schwerpunkt nicht auf den Wiedererkennungswert. Eine Konstante allerdings sei seine lebenslange Faszination für die emotionale Wirkung des Lichts gewesen, gewissermaßen Licht als strahlende Kraft, die mit der Freisetzung von grenzenlosen Energien verbunden sei. Diesen  Moment in seiner Kunst zu bewundern, erhellt die eigene Seele. Ich empfehle hier das Werk "Verloren am Anfang der Unendlichkeit" (Kat 41) für Meditationsübungen.

Gezeigt werden im Katalog Gemälde, auch zahlreiche Messingobjekte, denen der ästhetische Reiz glänzender Reflexionen zugrunde liege. Die Ausstellung mit rund 140 Leihgaben aus 17 internationalen Sammlungen-neben Gemälden, Skulpturen, Objekte und Zeichnungen, Notizbücher und Fotografien- schenkt, da muss man Daniel Zamini zustimmen, einen "facettenreichen Überblick über sechs Schaffensjahrzehnte". 

Im Rahmen von sehr guten Essays, einer Chronologie und vier Texten von Richard Pousette-Dart kann man sich einen  sehr guten Eindruck über den  Künstler und sein Werk verschaffen. 

Die ausgestellten Exponate sind in die Rubriken: 
- Gemälde und Skulpturen 
- Brasses (die ausgewählten Messingarbeiten) 
- Fotografien
- Notizbücher
 untergliedert. 

Pousette-Darts Text "Liebe ist die Bezwingerin" hat mir übrigens besonders gut gefallen. Dieser Geisteshaltung schließe ich mich ohne Wenn und Aber an. 

Die im Katalog gezeigten Exponate motivieren dazu, die Ausstellung zu besuchen und sich der Poesie des Lichts konkret zu erfreuen. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Alchimia-Die Revolution des italienischen Designs-Hirmer


Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Alchimia- Die Revolution des italienischen Designs", die vom 17.04.2025–31.08.2025 im Bröhan-Museum, Berlin gezeigt wird. 

"Alchimia" war der Höhepunkt einer fundamentalen Neuinterpretation des Designs. Sie widerspiegele sich in einer neuen Formensprache, einem neuen Selbstverständnis aber auch einer neuen Methodologie, erfährt man. Nur sehr ungenau lasse sie sich mit Postmoderne umschreiben. Es sei Umberto Eco gewesen, der in den 1960er Jahren den Begriff "Arte programmata" für eine neue Kunstrichtung in Italien prägte. Diese arbeitete mit den Prinzipien von Struktur und Raster. Ihr erklärtes Ziel sei die Veränderung der Gesellschaft durch Kunst gewesen. 

Die Phase einer Neuinterpretation des Design begann in Italien mit dem "Radical Design" in den 1960er Jahren. Dabei sei neben Eco für die "Alchimia" auch Gianni Vattimos Theorie des "pensiero debole" (das schwache Denkens) von Bedeutung gewesen."Alchimia" habe alle Einflüsse in sich aufgesogen. Das Ergebnis seien die gesellschaftlichen und designgeschichtlichen Umbrüche seit Beginn der 1960er Jahre gewesen. 

Im Selbstverständnis von "Alchimia"  sei eine Trennung von Kunst und Design nicht vorgesehen gewesen. Fotografie, Film, Happening, Theater, Musik, Malerei, Skulptur, Modedesign und Architektur seien Teil der Inszenierungen von "Alchimia" geworden, waren deren neues Design. Dabei versuchte "Alchimia" von Kollektion zu Kollektion, von Projekt zu Projekt mit einer stets neuen Formensprache neu zu verzaubern. 

Wie der Direktor des Bröhan Museums Dr. Tobias Hoffmann unisono mit dem Presidente ADI Luciano Galimberti formulieren, habe es ohne die "Alchimia"  die Bewegung des neuen deutschen Design nie gegeben.

Das vorliegende Werk wartet mit vielen eloquenten Essays und bildlichen Darstellungen auf, die den LeserInnen die Thematik hervorragend erläuternd und veranschaulicht nahebringen. So erfährt man u.a. breit angelegt, welche Themen der "Alchimia" am Herzen lagen, kann sich in das Alchima-Logi von 1980 und 1985 vertiefen und begreift, was für die "Alchimia" das Postulat "Gestalten für eine stetige Bewegung der Gedanken bedeutet". Beispiele für "Banal Design", eines der Themen von "Alchimia" werden gezeigt. Ich bin besonders beeindruckt von den Arbeiten Alessandro Mendinis, auch was "Redesign" anbelangt. Doch unmöglich, im Rahmen einer Rezension auf all die Betrachtungen im Buch näher einzugehen! 

Sehr gut gefallen mir die gezeigten Objekte der Kollektionen "Bau-Haus 1 (1979)"/ "Bau-Haus 2 1980)", die "Alchimia" internationale Anerkennung verschafften. Hervorheben möchte ich  hier die Stehleuchte von Michele de Lucchi und eine Kommode von Paola Navone, die neugierig auf weitere Schöpfungen dieser beiden Designer machen. 

Das "Vademecum von Alessandro Guerriero" muss man mehrfach lesen, auf sich wirken lassen und erspüren, was es mit einem macht, bevor man die Lesereise in diesem Buch fortsetzt und immer mehr von der kreativen Magie dieser Legende der Designergeschichte begreift. 

Maximal empfehlenswert 
Helga König 

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Rezension: Hello Image – Die Inszenierung der Dinge- MK&G Museum für Kunst& Gewerbe Hamburg- Hirmer



Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Hello Image – Die Inszenierung der Dinge", die vom 4.4.25 bis zum 12.4.26 im Museum für Kunst& Gewerbe in Hamburg gezeigt wird. 

Wie die Direktorin des Museums Tulga Beyerle im Vorwort sagt, zeigt die Ausstellung auf, wie vielfältig und komplex die Verbindungen zwischen Design, Fotografie und Marketing seien und Kooperationen über den Erfolg von Marken entscheiden können. Besagter spannende und nicht häufig geübte Blick auf die Designgeschichte der letzten hundert Jahre in Europa und zu einem Teil auch in den USA verdeutliche, wie stark sich Kreativität und Partnerschaften, gleichgültig ob geplant oder zufällig, auf das Image von Konsumgütern der "westlichen" Welt auswirkten. 

Für die Ausstellungen seien, so  die Kuratorinnen Esther Ruelfs und Viktoria Lea Heinrich besonders fruchtbare Kooperationen ausgewählt worden, die in ihrer Zeit als innovativ hervorgetreten seien. 

In 18 Sets werden Werke von DesignerInnen, denen von GrafikerInnen und FotografInnen gegenübergestellt, die das Erscheinungsbild der Designergegenstände mitgeprägt haben. Dabei nehmen die 1920er Jahre der Anfang. Das war die Zeit, in der Grafik, Fotografie und Design erstmals zusammentrafen und die Fotografie in Zeitschriften und Printmedien die Werbebühne betrat. Das Ende des Reigens sind aktuelle Tendenzen, wo Zeitschriftenwerbung durch Werbung in den sozialen Medien abgelöst worden sind. 

Der vorlegende Katalog und die Ausstellung sind in acht thematische Kapitel gegliedert. Dabei veranschaulichen in "Grafische Gestaltung oder Fotografie" die Werbung der Firmen Kaffee-HAG, Scherk und Pirelli die unterschiedliche Verwendung von Fotografie und Grafik, als auch die noch längere Zeit  parallele Nutzung von grafischen und fotografischen Bildern und den Einsatz des Mediums Fotografie ab Mitte der 1920 Jahre. 

Weitere Themen sind: "Eine neue Form finden", "Ein Marktbild prägen", "Dialoge führen", "DesignerInnen arbeiten künstlerisch", "Provokation als Werbestrategie", "Selbstinszenierung" als auch "Neue Werkzeuge". Die Texte in den einzelnen Kapiteln vermitteln in deutscher als auch in englischer Sprache sehr gut den Inhalt und auf den vielen beigefügten Bildern kann man sich einen sehr guten Eindruck von der Ausstellung verschaffen. 

Überaus interessant finde ich die Bilder zum Thema "Provokation als Werbestrategie" nebst dem Text hierzu. Spannender noch die Infos zu "Die neuen Werkzeuge", die verdeutlichen, wohin die Reise geht.

Zum Schluss hat man Gelegenheit, sich in bemerkenswerte Aufsätze und Essays zu vertiefen, sodass man am Ende die Zusammenarbeit aller Beteiligter in einem Unternehmen besser begreift und fasziniert ist beispielsweise von der Weitsicht eines Issey Miyakes, der im Fotografen Irving Penn einen autonomen Künstler sah, der den Geist der Idee dieses Modeschöpfers mit formte und damit auf Augenhöhe mit ihm tätig war.

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Vision und Werk Max Pechstein- Hirmer


Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Vision und Werk Max Pechstein", die vom 28. März 2025 – 15. Juni 2025 in der Kunsthal Rotterdam, Niederlande gezeigt wird. Das Vorwort und die sich daran anschließenden Essays sind in deutscher und englischer Sprache abgedruckt. Petra Lewey und Maximilian Letze schreiben dort, dass Pechstein von Beginn an Teil einer künstlerischen Bewegung war, die radikal mit der tradierten Formensprache der Malerei und gleichermaßen der grafischen Künste gebrochen habe. Er, ein typischer Vertreter des Expressionismus, gründete 1905 mit Künstlerkollegen in Dresden die "Brücke" und prägte die Kunst des 20. Jahrhunderts maßgeblich mit, erfährt man. Für ihn sei die Hinwendung zur Natur eine der Alternativen gewesen, die lebenslang sein Schaffensmotor bleiben sollte. Der Traum von einem einfachen naturverbundenen Leben habe ihn zu den Fischern an die Ostsee, ans Mittelmeer und an die Südsee geführt. 

Die Ausstellung präsentiere nicht nur die farbintensivsten Gemälde, die ausdrucksstärksten Druckgrafiken und Reisefotografien, sondern beleuchte vor allem seine Persönlichkeit, würdige aber auch sein Erbe als Ikone des Expressionismus. Diesen Eindruck hat man nach der Lektüre des vorliegenden Werkes auch. 

Aye Soika schreibt in ihrem Essay "Max Pechstein, der "Führer" der "Brücke", Anmerkungen zur zeitgenössischen Rezeption", dass Pechstein trotz der "Brücke" seine Unabhängigkeit bewahrt habe. Er wurde Preisträger des Sächsischen Staatspreises im Sommer 1907 und reiste mit dem ihm zuerkannten Reisestipendium nach Italien und Frankreich, zog im Herbst 1908 nach Berlin um und wurde dort zu einem Repräsentanten der "Brücke". Man liest über seinen künstlerischen Durchbruch 1910 aufgrund der Ausstellung der Neuen Session und was alles danach geschah. 

Annika Weise schreibt in dem anschließenden Essay "Max Pechstein- Vision und Werk" auch über diesen Künstler als Fotograf und hier, dass die Kamera Pechstein einen neuen Weg der Rezeption seiner gewählten Alltagswirklichkeit fern der Leinwand und des Papiers  ermöglichte. Dabei ermöglichten gerade  die Fotografien den BetrachterInnen den neuen Weg der Rezeption Pechsteins zu verstehen, indem sie zwischen den Realitäten vermittelten. 

Was noch? Man erfährt auch Wissenswertes über Pechsteins Sehnsuchtsort Südsee und liest, dass die als Retrospektive aufgefasste Ausstellung sich vorrangig den Hauptschaffensparadiesen von Pechstein widmet und Eveline Suter verdeutlicht in ihrem Essay "Zürich ins Paradies", dass für Pechstein fremde Kulturen die ideale Projektionsflächen für das noch Unberührte gewesen seien. 

Die Essays in ihrer Gesamtheit vermitteln mehr als nur einen guten Eindruck von dem Künstler Max Pechstein, sondern auch von  seinen Visionen und seinem Werk. 

Im Ausstellungskatalog kann man sich in die mehr als 100 Werke, darunter Ölgemälde, Aquarelle, Farbholzschnitte und Grafiken vertiefen, auch Fotografien werden gezeigt, die das Leben der Fischer, die Pechstein aufsuchte, dem Betrachter nahebringen. 

Zum Schluss dann erwartet die LeserInnnen eine mehrseitige chronologische Biografie und ein spannendes Interview mit Julia Pechstein, der Enkelin des Künstlers. 

Maximal empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension: True Colors- Farben in der Fotografie von 1849 bis 1955- Hirmer


Die Herausgeberinnen dieses reich bebilderten Werkes, dessen Texte in deutscher und englischer Sprache verfasst wurden, sind Anna Hanreich und Astrid Mahler. Das Vorwort stammt von Ralph Gleis, dem Generaldirektor der Albertina. Er lässt die LeserInnen wissen, dass die frühesten Fotografien nur als Unikate in Farbe existieren und dies auch nur in geringer Stückzahl. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts sei das erste kommerziell erfolgreiche Verfahren breiter genutzt worden und habe die Farbfotografie ein erstes Mal revolutioniert, wobei findige Fotografen sich bereits mit der Kolorierung behalfen, um auf diese Weise die fehlende Farbigkeit auszugleichen. 

In der Folge wird dann die Geschichte der Farbfotografie von ihren Anfängen bis zur Entwicklung der massentauglichen Farbfotografie untersucht. Das vorliegende Werk basiert auf der Sammlung der Albertina. Es beleuchtet die frühen Techniken, die zu den ersten Farbfotos führten und fokussiert den Weg zur Entwicklung von Positiv-Negativ-Verfahren. Sehr gut dargestellt, so dass auch Laien begreifen, worum es hier geht. 

Dem Katalog gehen lesenswerte Essays voraus, mittels denen man sich mit der Thematik "True Colors" vertraut machen kann. Man liest u.a. von Autochromverfahren und deren Erfindern, den Brüdern Auguste und Louis Lumiere. Diese hatten sich als Hersteller fotografischer Negativplatten und mit ihrem 1896 vorgestellten Kinematografen in der fotographischen Welt etabliert und ließen 1903 das Autochrom patentieren. Ein Jahr später wurde es in der Französischen Akademie der Wissenschaften vorgestellt. 1907 dann startete der Verkauf der Platten. 

Im Katalog, der dann folgt, lernt man eine Fülle von alten Fotografien kennen, die die Entwicklung von Farbbildern zeigen. Hier auch wird das sogenannte Autochrom auf der Seite 129 sehr gut erklärt  und anhand alter Bilder visualisiert. Sehr schön ist das Autochrom von Alfred Meyer mit dem Titel "Wiener Quartett" auch Fotos, getitelt "Bilder einer Schiffsreise nach Norwegen", die noch getoppt werden von den geheimnisvollen Aufnahmen "Nebel auf der Rax" und "Fliegenpilze" von Karl Prokop. Fantastisch ist die Sommerimpression durch das Licht auf der Porträtaufnahme von Heinrich Kühn, die Wilhelm Schwind zeigt, visualisiert worden. 

Interessant auch sind die Anmerkungen zu den Wegen zur modernen Farbfotografie. Die Firmen Kodak und Agfa entwickelten in den 1930er Jahren moderne Mehrschichtenfilme mit Farbkupplersubstanzen. Nach dem 2. Weltkrieg erlebte die moderne analoge Farbfotografie einen großen Aufschwung, erfährt man und darf sich einen Eindruck verschaffen, so etwa mittels eines Fotos von Hans Madensky, mit dem Titel "Modisches Porträt- Schülerin aus der Modeschule Wien –Hetzdorf" aus dem Jahre 1952. 

Das Werk wird abgerundet durch einen kurzen gut verständlichen Index der Begriffe und Techniken, die ein zentraler Gegenstand des Buches sind. 

 Maximal empfehlenswert. 

 Helga König

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Rezension: Das Fest der Farben- Farben und ihre Beziehungen-Friederike Wiegand- Verlag Dr. Kovac


Friederike Wiegand stellt in ihrem bemerkenswerten, reich bebilderten Werk einleitend fest, dass eine Farbe stets in Wechselwirkung mit ihren Nachbarfarben stehe und genau deshalb die Untersuchung von Farbbeziehungen besonders wichtig sei. Wie sich die Beziehungen gestalten können, skizziert sie im Vorfeld kurz, um anschließend den Aufbau des Buches zu erläutern. 

Zu Beginn lernt man den "Farbkreis" und die "Farbkugel" näher kennen. Diese dienen dazu, wichtige Begriffe, Ordnungssysteme und Zusammenhänge zwischen den Farben vorzustellen. Dabei habe Johann Wolfgang von Goethe im Jahre 1809 als erster einen wissenschaftlich fundierten Farbkreis entwickelt und zwar auf der Grundlage der Spektralfarben. Man erfährt Wissenswertes über den Farbkreis nach Johann Itten und Roman Liedl wird auch mit der Farbkugel vertraut gemacht, um sich alsdann einen Überblick zu verschaffen, welche Kunstwerke in der Folge ausführlich besprochen werden und um welche Art von Farbbeziehung es jeweils geht. 

Alsdann werden die Farbbeziehungen näher erläutert. Diese sind untergliedert in: 
Einfarbigkeit, Farbverwandschaft, Farbkontraste, Raumwirkung von Farben, Farbschemata 

Beginnend mit der Einfarbigkeit geht die Autorin nach einem gut nachvollziehbaren Schema vor, erklärt, was man unter dem jeweiligen Begriff zu verstehen hat, beschreibt ihn ausführlich, erläutert die Wirkung, die Intension und auch die Verwendung in der Kunst. Sehr spannend ist die dann folgende "Bildbetrachtung: Yves Klein", wo auch erläutert wird, weshalb er monochrom malte und die blaue Farbe völlig gleichmäßig auftrug, zudem, was es mit seinem Blau auf sich hat. Wie seine Kunst beurteilt wird, erfährt man u.a. auch. 

Alsdann geht es weiter mit dem Kapitel "Farbverwandtschaft" Dabei werden die Unterschiede der drei Farbverwandtschaften vorgestellt und zwar nach dem gleichen Prinzip wie bei der Einfarbigkeit. Hier jetzt lernt man bei der "achromatischen Farbverwandtschaft" auch den Begriff "Grisaille" kennen und wo beispielsweise diese Farbverwandtschaft in der Kunst vorkommt, nämlich u.a. auf Picassos Antikriegsbild "Guernica". Dort unterstützen die Grautöne die schreckliche Wirkung des Krieges. 

Bei der dann folgenden "monochromen Farbverwandtschaft" herrscht nur eine Farbe mit schwarz abgedunkelten, weiß aufgehellten und grau getrübten Nuancen vor. Auch hier wieder lernt man an Kunstwerken zu begreifen, um was es geht. 

Weiter geht es dann mit der "analogen Farbverwandtschaft". Hier tritt eine Farbe mit ähnlichen Farben und Abschattierungen nach Schwarz, Frau und Weiß auf und hier wird u. a. an einem Gemälde von Kokoschka deren Wirkung visualisiert und erläutert. 

Es folgt dann das Kapitel "Farbkontraste" mit insgesamt sieben Unterkapiteln, in denen die einzelnen Farbkontraste näher erläutert werden, auch wieder an Beispielen aus der Kunst. Besonders beeindruckt hat mich der "Qualitätskontrast" und hier die "Bildbetrachtung: Lyonel Feininger", dessen Gemälde ich sehr schätze. Überaus lesenswert! 

Es führt zu weit, im Rahmen der Rezension auf die vielen unterschiedlichen Farbkontraste näher einzugehen. Um Gemälde besser zu verstehen, ist der Inhalt dieses Buches äußerst hilfreich, aber nicht nur deshalb. In Farbwelten einzutauchen, sich diese zu Nutze zu machen, darum geht es  ja in so manchen Bereichen des Lebens. Es geht auch darum, die Raumwirkung von Farben zu begreifen. Deshalb wird man des Weiteren  mit der "Farb- und Luftperspektive" vertraut gemacht. 

Nach interessanten Ausführungen über "Farbschemata"  hat man Gelegenheit, sich einen Überblick zu verschaffen, welche Wirkung die einzelnen Farbbeziehungen, die im Buch ausführlich erörtert wurden, sowohl positiv wie negativ haben. Mit all diesen Informationen im Hinterkopf ist es leichter Farbbeziehungen, mit denen man täglich konfrontiert wird, zu entschlüsseln und sie einzuordnen. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Der rote Schirm-Liebe und Heirat bei Carl Spitzweg-Hirmer



Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Der rote Schirm- Liebe und Heirat bei Carl Spitzweg", die vom 17.03. bis zum 16.6.2024 im Museum Georg Schäfer gezeigt wurde. 

Herausgeber des Werkes sind Prof. Dr. Wolf Eiermann für das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt und Dr. Andrea Fromm im Auftrag des Kunsthauses Apolda Avantgarde und des Kreises Weimarer Land. Diese beiden Spitzweg-Kenner haben das Geleitwort und Dank verfasst. 

Hier erfährt man, dass das Museum Schäfer einen bemerkenswerten Bestand an Werken und ein mehrfach um Forschungsansätze bereichertes Kunstarchiv zu Carl Spitzweg sein Eigen nennt und einen Teil des Oevres mit einem neuen Ansatz in der Ausstellung präsentiert hat. Bei dem Ansatz handelt es sich um: "Der rote Schirm. Liebe und Heirat bei Carl Spitzweg." 

Es werden in der Folge zahlreiche figurative Szenen neu interpretiert, für die der Künstler berühmt wurde. Das Motiv des Schirms spiele eine wechselnde Rolle, werde zum einen verknüpft mit der allgemeinen Moral, zum anderen aber mit der Person des Künstlers. 

Man erfährt u.a, dass Spitzweg sich in seiner Jugend sämtlichen Standesunterschieden und Ressentiments verabschiedete und die bereits verehelichten Clara Lechner, die nicht seiner Gesellschaftsschicht angehörte, zu seiner Geliebten machte. Wie man weiter liest, habe sich Spitzweg sein gesamtes Künstlerleben über am Thema Liebe abgearbeitet. Gleichwohl habe man erst nahezu ein Jahrhundert nach seinem Ableben seine vermeintlichen Idyllen erneut als gesellschaftliche Satiren erkannt. 

Spitzweg sei kein Fortschrittsgegner gewesen, der die heile biedermeierliche Welt zu konservieren suchte, sondern vielmehr ein Kritiker des Bürgertums, der dessen Prüderie und Doppelmoral anprangerte. Diese habe der gebildete Provokateur mittels Metaphern und Symbolen im Rahmen seiner vermeintlichen Idyllen sehr anschaulich gezeigt. 

Zwischen 1835 und 1880 setzte Spitzweg sich in mehr als 60 Bildern mit dem Motiv des roten Schirms auseinander. Dieses Objekt sei von der Forschung bislang unbeachtet geblieben und lege ungeahnte, frische Deutungsschichten frei. Natürlich ist es spannend darüber im Buch mehr zu erfahren… 

Dr. Andrea Fromm wartet zunächst in einem mehrseitigen Essay mit Reflektionen über die Liebe bei Carl Spitzweg auf. Man liest zu den Symbolen, den gängigen, aber auch jenen, die man erst auf den zweiten Blick wahrnimmt, wie etwa Brunnen, Brillen und Schirme. Man liest zudem  in einem Essay von Dr. Eiermann Wissenswertes über den roten Schirm des berühmten armen Poeten und hat Gelegenheit sich in viele Bilder Spitzwegs zu vertiefen, darunter auch Bleistiftzeichnungen. 

Unverkennbare Gesellschaftskritik wird gezeigt bei Spitzwegs Gemälden zum Thema Spaziergänge, aber auch bei seinen Reisebildern. 

Sehr amüsant sind übrigens seine Bilder, die Sonderlinge zeigen, so etwa den Schmetterlingsfänger oder den Sonntagsjäger. Hierzu und zu vielem anderen kann man Wissenswertes den beigefügten Texten entnehmen. 

Darüberhinaus hat man Gelegenheit sich in die Gedichte des Malers zu vertiefen, in dessen Kurzbiografie (4 Seiten) einzutauchen und letztendlich zum Ergebnis zu kommen, dass Carl Spitzweg tatsächlich lange missverstanden wurde. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König 

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Rezension: Honoré Daumier- Die Sammlung Hellwig- Hirmer



Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Honoré Daumier- Die Sammlung Hellwig", die von 24.1.2024–12.5.2024 im Städel Museum in Frankfurt gezeigt wird. Das Vorwort zum Katalog hat Philipp Demandt, der Direktor des Städel Museums, verfasst.

Wie er hervorhebt, ist es dem Sammler Hans-Jürgen Hellwig zu verdanken, dass es die exzellente Daumier-Sammlung überhaupt gibt, die derzeit im Städel-Museum gezeigt wird und die als Schenkung an das Museum einen unschätzbaren Zuwachs der Bestände des 19. Jahrhunderts im Städel verkörpern wird. 

Der französische Künstler Honoré Daumier zählt zu den bedeutenden Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts,  schreibt Demandt und hebt hervor, dass der Künstler in erster Line wegen seiner über 4000 Lithographien bekannt wurde, die er für Zeitungen wie "La Caricature" und "Le Charivari" schuf. Seine von Freiheitssinn zeugenden Karikaturen machten ihn zum Gewissen von sozialen und politischen Umbrüchen und von einer von tiefgreifendem Wandel gekennzeichneten Epoche, erfährt man von Demandt. 

Der Sammler Hans-Jürgen Hellwig habe sich von Beginn an mit dem politischen Künstler befasst. Im Laufe von mehr al 60 Jahren habe er über 4.200 Lithografien und Holzstiche, 20 Zeichnungen, 2 Gemälde und 36 Bronzen zusammengetragen. 

Die Ausstellung bildet den Auftakt für das Jubiläumsjahr des Städelschen Museums-Vereins, der am 27. Juni 2024 seinen 125. Geburtstag feiert. 

Der Katalog zur Ausstellung enthält neben einer Fülle von Bildern, bemerkenswerte Essays in deutscher und französischer Sprache, die den Künstler und sein Werk den LeserInnen näher bringen. Hans-Jürgen Hellwig wartet gleich mit zwei lesenswerten Textbeiträgen auf. Dabei handelt es sich um die Essays "Sammler sind glückliche Menschen" und "Kunst Macht Politik- Daumier und die Politik seiner Zeit". Neben diesen erfreulich ins Detail gehenden Essays, schreiben Dorit Schäfer die Texte "Zu Honoré Daumiers Gesellschaftskarikaturen" und Henrik Ziegler "Was darf die Satire?" Alles oder (fast) nichts. Daumier und die deutsche politische Karikatur der 48er-Revolution". Darüber hinaus kann man sich noch mit einem interessanten  Beitrag von Astrid Reuter befassen, der den Titel trägt: "Sehen, studieren, sammeln. Daumier im Blick von Künstlern und Sammlern um 1900."

Die Texte sind allesamt sehr komplex. Sie hier verkürzt wiederzugeben, halte ich für wenig sinnvoll. Hier ist Exzerpieren nicht angesagt.  

Man erfährt u.a. mehr über Daumiers politisch motivierte Kunstfigur des "Ratapoil". Diese sei mit dem Staatsstreich Napoleons des III. und dessen Schlägertruppen entstanden. Daneben rage die Gestalt "Robert Macaires" als ein ebenfalls bedeutendes Geschöpf seines Karikaturenpersonals heraus. Diese Figur würde wie kaum eine andere das rücksichtslose Gewinnstreben der wirtschaftsliberalen Juli-Monarchie mit viel Erfolg verkörpern. 

Vertraut machen kann man sich mit dem "Bild Daumiers zu seiner Zeit", liest Wissenswertes von Astrid Reuter über die Sammler der Werke Daumiers. Hans-Jürgen Hellwig reihe sich mit seinen umfangreichen Daumier-Beständen in eine lange Tradition ein. 

Man erfährt Näheres zu "Lithographien" im Allgemeinen und zu Daumier als lithographischen Zeichner, der im Laufe von 4 Jahrzehnten über 4000 Lithografien anfertigte. Den bereits erwähnten Robert Macaire auf den bissigen Abbildungen (58/59)betrachten, verdeutlicht, wie Daumier tickte Sehr bissig auch die Karikatur "Le Beau Narcisse" Abbildung 66, die die mit Narziss verbundene Vorstellung von jugendlicher Schönheit und idealer Nacktheit unterläuft. 

Man liest Allgemeines zu Zeichnungen und hier auch, dass Daumiers "Zeichnungen auf Papier" nicht vollständig von seinen Lithographien zu trennen seien. Die Gründe hierfür nennt Martin Sonnabend in seinem Essay "Die Zeichnungen". 

Gezeigt werden des Weiteren "Studien, Entwürfe und Variationen". Hier liest man in den Erläuterungen zu "Zwei Anwälte" (80), dass Daumier in zahlreichen Lithografien und Zeichnungen ein Panorama fragwürdiger, mit Rechtsprechung befasster Personen entwarf, die nicht selten gewitzt, hinterhältig und intrigant erschienen. 

Unmöglich auf all die im Buch gezeigten Exponate einzugehen! Alle sind vortrefflich beschrieben und vermitteln ein detailliertes Bild vom Schaffen des Künstlers. 

Auch die Plastiken werden in einem Essay von Alexander Eiling sehr gut thematisiert und es folgen weitere sehr kritische Karikaturen, die den BetrachterInnen und LeserInnen sehr nachdenklich stimmen, auch was den heutigen Zeitgeist ausmacht. 

Ein chronologischer Abriss der Biographie Daumiers und das Verzeichnis der ausgestelltem Werke runden diesen gelungenen Katalog ab.

Maximal empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension: Art Nouveau um 1900- Jugendstil aus Frankreich und Belgien -Hirmer



Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Art Nouveau um 1900- Jugendstil aus Frankreich und Belgien", die bis zum 14. April 2024 im BRÖHAN-MUSEUM LANDESMUSEUM FÜR JUGENDSTIL, ART DECO UND FUNKTIONALISMUS in Berlin gezeigt wird und zwar zum Anlass von dessen 50 jährigem Bestehen. 

Herausgeber des Katalogs, der im Hirmerverlag erschienen ist, sind Tobias Hoffmann und Anna Grosskopf. Dabei hat Tobias Hoffmann, der Direktor des Bröhan-Museums das Vorwort verfasst. Die insgesamt 7 Essays, stammen aus der Feder der Kuratorin Anna Großkopf. 

Worum es geht?: Um "Art Nouveau um 1900- Jugendstil aus Frankreich und Belgien". 

Was ist dies? Laut Verlagsdefinition: "Naturhaft bewegte Linien, raffiniert geschwungene Formen wie auch eine ausschweifende Lust am Dekor." 

Was wird im Buch gezeigt? Selten präsentierte Meisterwerke aus Design und bildender Kunst des besagten Stils, der um 1900 ganz Europa eroberte. 

Themen der Essay sind: 
-Gesamtkunstwerk 
-Plattformen und Netzwerke 
-Natur als Inspiration 
-Politischer Art Nouveau 
-Japonismus 
-Ikonen und Idole
-Frauen im Art im Art Nouveau 

Wie man im Rahmen des Essays "Gesamtkunstwerk" erfährt, habe wohl keiner die Einheit von Architektur und Raumkunst so konsequent umgesetzt wie Hector Guimard, denn von der architektonischen Gesamtanlage und Fassadengestaltung über Möbel, Teppiche, Tapeten und Armaturen seien seine Häuser und Villen stilistisch aus einem Guss. Weltberühmt wurde Guimard allerdings durch die Gestaltung der Pariser Métro-Eingänge mit Gittern und Überdachungen aus Gusseisen. Man lernt eine ganze Reihe von Exponaten kennen, die Guimard geschaffen hat, auch zwei Gitter für die Pariser Metro um 1900. 

Wie man in einem der Folgeessays erfährt, waren das größte und bedeutendste Forum des internationalen Jugendstils die Weltausstellungen, die sich seit 1851 als globale Leistungsschauen der technischen und künstlerischen Entwicklung der teilnehmenden Nationen etablierten. Die Weltausstellung im Jahre 1900 wurde von über 48 Millionen Menschen besucht, wobei der Hauptanziehungspunkt der Pavillon der Galerie "Maison de l‘ Art Nouveau" gewesen sein soll. Dort wurden in Art eines Musterhauses ganze Zimmereinrichtungen führender Nouveau-Gestalter repräsentiert. Im vorliegenden Katalog erhält man davon einen Eindruck durch den gezeigten Salon von Edward Colonna und dem Speisezimmer von Eugène Gaillard. Wunderschön finde ich das stilistisch perfekte Kaffee- und Teeservice (Kat.38), das Maurice Dufrène entworfen hat. Harmonie in ihrer reinsten Form.

Im Essay  "Natur als Inspiration"  erfährt man u.a , dass die lothringische Stadt Nancy als Hochburg des floralen "Art Nouveau" galt und auch weshalb das so war. In diesem Zusammenhang lernt man  nicht zuletzt traumhafte Vasen kennen, die typisch für den floralen Stil dieser Kunst sind. 

Obschon "Art Nouveau" generell als unpolitische Kunstrichtung gilt, erfährt man im Rahmen des Essays mit dem Titel "Politscher Art Nouveau" Ausnahmen kennen, so etwa die "Dreyfus-Lampe" von Gallé und den politischen Hintergrund, der zu dieser Arbeit führte, als auch welche Folgen sie für ihn hatte. 

Was noch? Einen interessanten Essay Über "Japonismus". Ohne diesen gäbe es keine "Art Nouveau", keinen Jugendstil, keine Arts und Crafts und auch keinen Impressionismus. Auch hier wieder  gibt eine Fülle von Exponaten, ähnlich wie nach dem Essay "Ikonen und Idole“, die dies dokumentieren. 

Die "Art Nouveau" kreiste bekanntermaßen um das Ideal der Schönheit. Sarah Bernhardt habe als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit geholten. Deshalb wurde sie in der Malerei und Skulptur nicht selten dargestellt, ähnlich wie Loie Fuller, die man sogar als Tischleuchte bewundern kann und zwar beim Tanz mit schwungvollem Faltenwurf ihres Kleides. Sarah Bernhardt hatte etwas geheimnisvoll Verführerisches. Beeindruckend ist insofern die Statuette "Sarah Bernhardt, um 1900 von Guigues, Kat. 109. 

Auch den "Frauen im Art Nouveau" ist ein Essay gewidmet, denn diese Kunst fiel zeitlich mit dem Beginn der Frauenemanzipation zusammen. Man lernt Exponate kennen, die von Künstlerinnen geschaffen wurden, so etwa Plakate von Eugène Grasset. Beeindruckend schön!

Plakate von Alfons Mucha, die mit schönen Frauen werben, darf man zu Ende des Katalogs bewundern und freut sich, durch die Lektüre einen Eindruck bekommen zu haben wie wohltuend die Beschäftigung mit Schönem auch Floralem doch sein kann, gerade in Zeiten, wo allerorten Zerstörung Programm ist.


 Maximal empfehlenswert 

 Helga König

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Rezension: Ganz große Kunst- Kunth



Der Untertitel dieses bemerkenswerten Bildbandes heißt: "Orte der Kultur - die aufregendsten Theater, Opernhäuser und Kunstmuseen". 

Dieses fantastische Buch ist farblich gegliedert und zwar anhand der äußeren und inneren Gestaltung der fokussierten Gebäude. Die Rubriken beginnen mit Violett und enden mit Rosa. 

Violett steht in Deutschland für das "Städel Museum". Hier erhält man einen Blick auf den Treppenaufgang des Hauptfoyers. Diese Wand ist in der Farbe Dunkelviolett gehalten. Im Text zu der Abbildung erfährt man dann Wissenswertes zur Geschichte des Museums, zur Architektur und zu den gezeigten Exponaten. Violett kommt auch das "Palau de les Arts Reina Sofia" in Valencia/Spanien daher. Es handelt sich hierbei um das höchste Opernhaus der Welt. Mit seinen 14 Stockwerken und 40 000 Quadratmetern überragt es alle anderen Opernhäuser. 

Dann geht es mit der Farbe Blau weiter. Fünf Museen und ein Opernhaus kommen zu Sprache. Dabei ist das "Musei Vatcani". Ein Blick in den 300 Meter langen Loggiengang des Museums zeigt viel Himmelblau und Skulpturen soweit das Auge reicht. 

Die Farbe Türkis fokussiert u.a. "Schloss Belvedere" und das "Burgtheater" in Wien. Über beide Gebäude erfährt man ebenfalls Wissenswertes, zudem auch über den Maler Gustav Klimt, der als zentralere Repräsentant der Wiener Sezession gilt. 

Allmählich wird klar, dass die Farben wie Merkzeichen oder besser noch Eselsbrücken wirken, man mittels ihnen, sich rascher an bestimmte Gebäude erinnert. So fragt man sich vielleicht, welche Gebäude man mit der Farbe Grün assoziiert und antwortet nach der Lektüre des Buches rasch: die "Eremitage" in St. Petersburg und das "Ständetheater in Prag". 

Man kann, weil man zuvor die Abbildungen studiert hat, auch beschreiben, weshalb und kann zudem das Wichtigste zu den Gebäuden berichten, weil man die dazugehörenden Texte gelesen und unter der  beigefügten Farbe abgespeichert hat. 

Nach diesem Prinzip wird im gesamten Buch verfahren. Großes Lob für die Repräsentation des "Musée d`Orsay", einst ein Bahnhof, wurde es seit Beginn der 1980er Jahre in ein Museum umgewandelt. Das Glasdach der ehemaligen Bahnhofshalle wurde seitens der Architektin Gae Aulenti für einen hellen zentralen Saal genutzt und dadurch eine weitgehend natürliche Beleuchtung geschaffen. Was alles dort an Kunst gezeigt wird, bleibt den Lesern des Buches nicht verborgen. Dieses Gebäude ist ebenso der Farben Gold zugeordnet wie beispielsweise die "Semperoper" in Dresden, aber auch die "Carnegie Hall" in New York und die "Arena" in Verona, um nur einige Beispiele zu nennen. 

Unter der Farbe "Rot" entdecke ich u.a. die "Royal Albert Hall" in London . Das 1871 eingeweihte Gebäude ist ein Rundbau, der einem römischen Amphitheater nachgebaut worden ist. Dass dort berühmte Konzerte stattgefunden haben und noch immer stattfinden, dürfte fast jedem bekannt sein. 

Es führt zu weit, alle Farben hier an einem Gebäudebeispiel zu benennen. Erwähnen möchte ich allerdings das "Teatro Amazonas" in Manaus /Brasilien, das der Farbe Rosa zugeordnet ist und schlussendlich das "Musée du Louvre", das 380 000 Gemälde, Skulpturen, Drucke und Zeichnungen sein Eigen nennt. Warum es  der Farbe "Grau" zugeordnet ist, erschließt sich mir nicht wirklich. Auf 60 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche können Kunstinteressierte bewundern, was kreative Menschen zu Wege gebracht haben.

Ach ja, auf Seite 217 darf man Michelangelos "David" bewundern.  Der Text dazu ist aufschlussreich. Man sollte ihn lesen, bei aller  Neugierde, was  nach fotografisch noch folgt...

Das vorliegende Werk, empfehle ich allen, die das Staunen nicht verlernt haben, sich über ästhetisch Gelungenes immer wieder freuen können und sich gerne bewusst machen, dass Kunst auch immer geeigneten Raum verdient.

Maximal empfehlenswert

Helga König

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