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Rezensionen: Die Helden- Georg Baselitz Städel Museum- Hirmer

Georg Baselitz ist fraglos einer der bedeutendsten deutschen Künstler der Gegenwart. Wie Max Hollein, der ehemalige Direktor des Städel Museums in seinem Vorwort schreibt, entwickelte der damals 27 jährige Georg Baselitz im Jahre 1965/66 die Werkgruppe der "Helden" und "Neuen Typen" in explosionsartiger Produktivität. 

Der Künstler ließ auf Leinwand und Papier jene dramatischen wie kraftvollen Figurenbilder entstehen, die in merkwürdiger Spannung zwischen Aggression und Verletzlichkeit, zwischen Geste und Beklommenheit schweben. Die "Heldenbilder" von Georg Baselitz zeigten kräftige, gleichwohl versehrte und in ihrer Autorität abhanden gekommene, entblößte, rudimentär uniformierte Gestalten. Es handele sich um robuste, dabei lethargische Männer, melancholische Überlebende in einer zerstörten chaotischen Welt, bilddominant und in einer pathetischen Untersicht mit vielen landschaftlichen Details inszeniert und in einer gezielt unroutinierten, fahrigen Malerei ausformuliert. Dieser Betrachtung von Max Hollein  schließe ich mich gerne an.

Nicht nur von ihren formalen Aspekten sind die Bilder manieristisch, sondern offenbar auch von ihrer Grundaussage. Die Figuren sind laut Bildtitel Helden, Rebellen, Hirten und Aufständische. Es sind Außenseiter, vermeintlich verloren im passiv- aggressiven Zustand. Wohl sind sie melancholisch, aber dennoch befähigt mittels durch Reflektion zu erweckender Willenskraft ausbrechen zu können.

Für Baselitz sollen die "Heldenbilder" nicht nur ein Markstein, sondern ein vehementer Dreh- und Angelpunkt in seinem Werk sein. Anhand von weiteren Essays unterschiedlicher Autoren hat man Gelegenheit, sich mit den Werken intellektuell auseinander zu setzen. 

Im Katalogteil eingebunden sind 15 sehr nachdenklich machende Geschichten von Alexander Kluge zu Bildern von Georg Baselitz aus den Jahren 1965 und 1966. 

Mit der Frage: "Was ist eine Kämpfernatur?" beginnt eine der Geschichten. Eine interessante Frage, die sich gewiss nicht  einfach beantworten lässt

Das Buch ist eine Bereicherung für jede Privat-Bibliothek

Empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Lawence Alma -Tadema- Klassische Verführung- Prestel

Der vorliegende Bildband befasst sich mit dem Leben und Werk des Künstlers Sir Lawrence Alma Tadema (8.1.1836- 28.6.1912). 

Der niederländisch-englische Maler studierte von 1852- 56 an der Antwerpener Akademie, um sich dann unter dem Einfluss der belgischen Historienmalerei auf mittelalterliche und ägyptische Sujets zu konzentrieren. Von 1865 an konzentrierte er sich auf die griechisch-römische Antike. Fünf Jahre später verlegte er seinen Wohnsitz nach England und war in London 31 Jahre lang Mitglied der Akademie.

Aufgrund seiner zum Teil mit archäologisch rekonstruierten und fotografisch präzisen Details ausgestatteten Schilderungen antiken Lebens, speziell von Bädern, Festen und Umzügen wurde er zu einem der am meisten gefeierten viktorianischen Maler. 

Konkret geht es in der vorliegenden Publikation "Klassische Verführung" um die neueste Forschungsergebnisse aus Europa und Amerika über diesen Künstler. Herausgeber des informationsreichen Buchs für das Fries Museum sind Elisabeth Prettejohn & Peter Trippi. Die Einleitung hat E. Prettejohn verfasst. Sie skizziert hier, worum es in groben Zügen in den Texten geht. Im Rahmen von zahlreichen Essays unterschiedlicher Autoren werden dem Leser dann der Künstler und sein Schaffen näher gebracht. Die vielen Abbildungen und auch die  sogenannten Highlights vervollständigen das Bild, das vom Künstler und seinen Werken vermittelt werden soll.

Die Bilder, die auf die römisch-griechische Antike Bezug nehmen, erfreuen das Auge und regen die Fantasie an. Der Maler schöpfte in seinen frühen Bildern beispielsweise aus dem, was er in Pompeji gesehen hatte, den Räumen und Atrien der antiken Stadt. Sein besonderer Ansatz bestand damals darin, dass es ihm gelang, die materielle Kultur in Rom, wie man sie von den Ausgrabungen in und um Pompeji kannte,  mit der niederländischen Bildtradition zu vereinen, die mit Vorliebe in den Innenräumen von Wohnhäusern gezeigt wurde. 

Schön im klassischen Sinne des Wortes  ist das Bild Tademas mit dem Titel "A Reading from Homer", das von seiner Ästhetik her vor allem besticht. Viele  der  gezeigten Werke erzählen Geschichten aus fernen Zeiten, in denen Frauen zart und verträumt waren und offenbar noch an die Poesie im Leben glaubten. 

Spannend zu lesen  ist,  wie Tadema sich einen Namen machte und welchen Einfluss er auf den frühen Klimt hatte. Natürlich hat man die Chance, sein berühmtes Gemälde "The Roses of Heliogabalus" zu bewundern, aber auch das imposante Werk "The Coliseum". 

Tadema soll wie kaum ein anderer seiner Zeitgenossen den Kunstmarkt für sich genutzt haben, der sich weltweit erstreckte. Als er das Ende seines Lebens erreichte, konnte man fast überall auf der Welt grafische und fotografische Reproduktionen seiner Kunstwerke finden. Diese prägten das Bild der Antike bei seinem Publikum und stießen auch bei Filmemachern auf großes Interesse. Auch in den sozialen Netzwerken werden Bilder von ihm immer wieder verlinkt, offenbar weil er die schönen Facetten einer unschönen Zeit dem Betrachter vollendet nahe bringen kann.

Das Buch ist eine Bereicherung für jede Kunstbuchsammlung 

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension: Der Rhein- Eine europäische Flussbiografie-Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Der Rhein- Eine europäische Flussbiografie", die noch bis zum 22.Januar 2017 in der Bundeskunsthalle in Bonn gezeigt wird. 

In diesem reich bebilderten Buch wird gleich zu Beginn ein zwei Seiten umfassendes Gemälde von Moritz von Schwind präsentiert, das aus dem Jahre 1848 stammt und den Titel "Vater Rhein" trägt. Dieses Gemälde wird inhaltlich näher erläutert. Es folgt ein Vorwort von Rein Wolfs. Hier erfährt man, dass die Entdecker des touristischen Rheins die Briten waren. Schon zu Ende des 18. Jahrhunderts begeisterten sie sich für die malerische Landschaft des Mittelrheintales mit seinen Burgen, Ruinen und Wasserfällen. 

Maler wie der Brite William Turner und viele Literaten, unter ihnen Hölderlin, Lord Byron und Goethe, haben das Bild des Rheins und dessen Rezeption maßgeblich geprägt. 

Ein Zitat von Max Ernst und dessen Gemälde "Vater Rhein" aus dem Jahre 1953 sind dem Text  "Der Rhein. Eine europäische Flussbiografie" vorangestellt.   Besagter Beitrag stammt von Marie- Louise von Plessen. Hier liest man u.a., dass dem Rhein noch nie zuvor eine Ausstellung als Biografie gewidmet wurde und zwar mit paläontologischen Exponaten aus rheinischen Kalken des Oligozän bis in die Gegenwart. "Der Rhein. Eine europäische Flussbiografie" ist die vierte Ausstellung im Rahmen der Wasserausstellungen von Marie – Luise von Plessen. 

Neben einer Fülle von Abbildungen von Ausstellungsexponaten warten auf den Leser informative Textbeiträge unterschiedlicher Autoren, so etwa zum Rhein als Geohistorie und zur Navigation und Verbauung. Man erfährt Näheres zu "Europas feinster Kaskade", dem Rheinfall von Schaffhausen. Es handelt sich hierbei um den drittgrößten Wasserfall Europas. Der britische Maler J. M.W. Turner malte ihn voller Begeisterung. 

Man liest von den Römern, der Kirche, den Kaisern, auch den Händlern, für die dieser Strom Bedeutung hatte. Über viele Jahrhunderte beförderte der Rhein als Straße des Weins, der Schriften, der Handelswaren den europaweiten Warenumschlag, aber der Rhein war auch der Strom der Troubadoure und galt zudem als Förderband für den Transfer und Austausch von Bildern und Schriften, von Zimelien und Druckwerken, die neue Ideen für Wissbegierige und Neugierige in Europa vertrieben. 

Festungen und Residenzen sind ein weiteres Thema. Auch hier werden Bilder präsentiert, die einen guten visuellen Eindruck  des dazu gehörenden Textes verschaffen. Das Kriegsgeschehen bleibt ebenfalls nicht ausgespart und man liest vom Nibelungenlied und dem Rheingold, das Hagen von Tronje einst in besagtem Fluss versenkt haben soll. 

Auch "Marianne" und "Germania" kommen zur Sprache und die Freiheitsbäume am Rhein. Des Weiteren geht es um die Nationalisierung des transnationalen Stroms im 19. Jahrhundert, um industrielle Betrachtungen, um Nationaldenkmäler und  anderes, nicht immer Erfreuliches mehr. Mit dem Textbeitrag "Eine Achse der europäischen Idee" von Martin Winter findet dieses Buch einen gelungenen, versöhnlichen Abschluss. 

Sehr empfehlenswert

Helga König

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Rezension: Marc Chagall- Die Glasfenster-belser

Bei diesem reich bebilderten Buch aus dem belser- Verlag handelt es sich um die aktualisierte und erweiterte Ausgabe des 1987 erstmals erschienen Kunstbandes über das Gesamtwerk Chagalls als Glasmaler. 

Der berühmte Künstler Marc Chagall (1887- 1985) wandte sich in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre immer mehr kolossalen, architekturgebundenen Arbeiten zu. So entstanden u.a. Glasfenster weltweit von unendlicher Ausdruckskraft. 

Die Macher des vorliegenden Werkes - unter ihnen Benoît Marq, der Glasmeister und Geschäftführer der Familienwerkstadt Simon-Marq in Reims - dokumentieren mittels großformatiger Gesamt- und Detailansichten und durch die ausführliche Darstellung der modernen handwerklich-technischen Umsetzung von Chagalls Entwürfen das innovative Vorgehen des Künstlers. 

In Textbeiträgen unterschiedlicher Fachautoren lernt man die umfangreichen Facetten der Glasmalerei kennen. Sylvie Forestier, die Kuratorin d Musée National Message Biblique Marc Chagall in Nizza schreibt, dass Chagalls erste Auseinandersetzungen mit der Glasmalerei untrennbar mit der Kathedrale in Chartres und dem französischen Pater Marie-Alain Couturier verbunden sei. 

Präsentiert wird im Buch neben den ausführlichen Textbeiträgen eine Übersicht der Glasmalereien Marc Chagalls. Dabei entspricht die Reihenfolge ihrer Entstehung. Die beigefügten Maße geben zunächst die Höhe, dann die Breite an. 

Zu sehen sind die Glasfenster von Chagall an unterschiedlichen Orten auf dieser Welt, beispielsweise in Jerusalem, in New York, in Chicago, aber auch in Zürich sowie in Mainz und natürlich in Frankreich. 

Man erfährt über die einzelnen Gotteshäusern in Bezug auf das Werk Chagalls stets Wissenswertes, so auch, dass die Glasfenster in Reims eine Fläche von fast 75 Quadratmeter einnehmen. 

Farblich am faszinierendsten sind  Chagalls Blautöne wie man sie aus der Kirche  St. Stephans in Mainz kennt. Sich mit den Motiven zu befassen, bedeutet sich mit Chagalls biblischer Welt auseinanderzusetzen und immer wieder zu staunen, was Fantasie und Können bewirken, wenn ein Künstler aus tiefsten Herzen seine Arbeit und deren Thema liebt. 

Am Ende des Buches darf man im Rahmen einer Chronologie in Bildern Chagall bei der Arbeit zusehen. Dies ist ein besonderes Vergnügen, denn Chagall war ein herzlicher Mensch, dessen Licht hell erstrahlte, wenn er lächelte,

Sehr empfehlenswert

Helga König

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Rezension: Nordische Malerei- Im Licht der Moderne-Prestel

Die Autorinnen dieses wundervollen Kunstbandes Katharina Alsen und Annika Landmann befassen sich im Zuge diese Publikation mit wichtigen Bildthemen wie Landschaften, Porträts, Interieurs, Großstadtmotivik und Abstraktion. Dazu ziehen sie Werke von Künstlern wie Edvard Munch, Vilhelm Hammerschoi, Helene Schjerfbeck, Jóhannes S. Kjarval oder auch Sigrid Hjertén heran. 

Im Rahmen von neun Kapiteln widmen sich die Autorinnen interessanten Fragestellungen, so etwa nach den Wechselwirkungen zwischen nordischen und mitteleuropäischen Künstlern. 

Zunächst aber wird man mit dem kunstgeographischen Norden vertraut gemacht und liest in der Folge von der Idee des Nordens, die in der Forschung von verschiedenen Seiten als kulturgeographisches Konstrukt ausgewiesen worden ist, das sich seit Jahrhunderten im Wandel begreift und in "dynamischer Relation zu anderen kollektiven Identitätsentwürfen wie "Skandinavien", der "Arktis" oder der historischen " Hanse" im Ostseeraum stand oder steht." 

Die wichtigen Faktoren der kulturellen Verbundenheit der nordischen Länder sind die religiöse Homogenität des Protestantismus und die nordische Sprachgemeinschaft. Das soll nicht unerwähnt bleiben.

Man lernt Landschaftsbilder, beispielsweise von Emil Nolde kennen und erfährt Wissenswertes über die Geburt der bildenden Kunst in Island. Dabei ist die topographische Einzigartigkeit dieser Insel im Nordatlantik mit ihren elementaren Naturgewalten ein zentrales Motiv der isländischen Naturpoesie.

Es führt zu weit, auf all die genannten Künstler und Werke im Rahmen der Rezension einzugehen. Von dänischen, auch von finnischen Künstlern liest man,  aber auch von der Bildkunst Grönlands. Die Fülle des dargebotenen Wissens ist  mehr als nur beachtlich und lässt den Leser in eine Welt eintauchen, die immer wieder nicht enden wollendes Staunen zum Ergebnis hat. Das gilt auch für das Kapitel "Freiluftvitalismus und Körperkultur". Schon zu Beginn der Jahrhundertwende hatte sich bei an der Westgrenze der dänischen Insel Seeland eine vitalistisch orientierte Gruppierung mit künstlerischer Agenda zusammengefunden, um unter freiem Himmel nackt körperlich zu ertüchtigen, sonnenzubaden und sich gegenseitig Modell zu stehen. 1903 wurde die Kolonie aufgelöst. Werke von J. A. G. Acke, Edvard Munch, oder J. F. Willumsen erinnern daran.

Über Dandyismus, auch über Sinnlichkeit und Begehren in der nordischen Malerei bleibt man nicht unaufgeklärt und kann sich zudem mit der Morbidität des Körpers auseinandersetzen. 

Sehr schön und wohltuend für die Seele sind die Stimmungslandschaften und die Nationalromantik. Dabei stellt die Beseelung der Natur, die durch das künstlerische Schaffen erfolgen soll,  ein Leitmotiv der nationalromantischen Stimmungsmalerei dar. Traumhaft übrigens ist das Gemälde "Sommerabend am Skagener Südstrand" von P. S. Kroyer, 

Vorgestellt werden  zudem Künstlerkolonien von Skagen bis Önningeby und Wohnideale wie sie der schwedische Maler Carl Larsson geschaffen hat. 

Im Dialog mit der Avantgarde werden Abstraktionen thematisiert und Bilder wie der "Schicksalswürfel" von Finnur Jonsson vorgestellt. Noch eine Vielzahl anderer Aspekte der nordischen Malerei kommen zu Sprache und machen dem Leser deutlich, dass es hier ein weites Feld zu beackern gilt. Einsamkeit bringt kreative Vielfalt hervor.

Ein tolles Werk, das ich sehr gerne weiter empfehle.

Helga König

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Rezension: 100 Jahre 100 Bauwerke- John Hill- Prestel

Autor dieses Buches ist der Architekt John Hill. Er ist Chefredakteur des internationalen Online-Magazins World-Architects.com sowie Gründer und Chefredakteur des Blogs "A Daily Dose of Architecture". Dort veröffentlicht er täglich Artikel zu architektonischen Neuheiten und Buchbesprechungen. John Hill lebt in New York. 

Das vorliegende Buch begreift er als eine Art Experiment. Er stellt 100 Bauwerke der letzten 100 Jahre vor. Konkret handelt es sich stets um ein Gebäude pro Jahr von 1916 bis 2015.  Dieses Buch ist keine Architekturgeschichte der letzten 100 Jahre, wie der Autor betont, sondern eine Art Einführung in 100 Bauwerke, mit dem Ziel, die Leser dazu zu motivieren, diese zu besuchen und sich den Nuancen der einzelnen Projekte, den Details ihrer Gestaltung sowie den einzigartigen Aspekten jedes Entwurfs aufmerksam zu widmen. 

Bei den Betrachtungen geht es dem Autor um die Umstände ihrer Entstehung. Wichtig  zu wissen ist es, wie John Hill den Begriff Architektur definiert. Sie ist für ihn die Schaffung von Räumen für menschliche Betätigungen. 

Man erfährt Wissenswertes zu den Auswahlkriterien der Gebäude für diese Publikation und kann sich dann in die Bauwerke vertiefen. Sie sind natürlich alle abgebildet. Man erfährt stets, wer der Architekt ist und wo  sich das jeweilige Gebäude befindet. 

Fasziniert hat mich Erich Mendelsohns "Einsteinturm" in Potsdam gleich zu Beginn. Er entstand 1921, dient heute als Sonnenobservatorium und Ort für Sonderveranstaltungen im sogenannten "Wissenschaftspark Albert Einstein". Der Architekt versuchte mittels des Gebäudes, die der allgemeinen Relativitätstheorie zugrunde liegende Bewegung und Energie darzustellen. Nachdem der Turm 1921 fertiggestellt worden war, wurden drei Jahre später das Teleskop von Carl Zeiss und weitere Inneneinrichtungen installiert. 

Die im Buch vorgestellten Gebäude sind weltweit lokalisiert. Dabei befindet sich das 1918 fertiggestellte "Goetheanum"  des Anthroposophen Rudolf Steiner in Dornach in der Schweiz. Das architektonische Highlight des Baus ist die Treppenhalle im Westen. Es handelt sich dabei um einen komplexen, lichtdurchfluteten Raum mit großen von Steiner gestalteten Fenstern. Sehr beeindruckend.

Unmöglich ist es, all die Gebäude im Rahmen der Rezension benennen oder gar zu beschreiben. Begeistert bin ich von der "Casa Luis Barragán", gebaut 1948 in Mexiko Stadt durch den gleichnamigen Architekten. Im gesamten Innenraum ist Farbe von entscheidender Bedeutung. Alles ist auf Schönheit angelegt. Die Dachterrasse, die offenbar von Haus und Garten unterhalb abgeschnitten ist,  wird eins mit dem Himmel und auf diese Weise zum Ort der Kontemplation. 

Erwähnen möchte ich das 1998 entstandene "Kulturzentrum Tjiabou in Nouméa, Neukaledonien". Es wurde vom Renzo Piano Building Workshop errichtet. Piano arbeitete dabei mit einem Etnologen zusammen. Die Gebäude wirken wie Skulpturen. Man kann sich daran nicht sattsehen. 

Das Buch ist eine Fundgrube höchst interessanter Gebäude. Über diese mehr zu erfahren, ist spannend und bereitet viel Freude. Die Fotos bereichern all jene, die einen Sinn für Ästhetik haben. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: J `aime tant fort une- Das Stundenbuch des Königs Charles VIII- Ina Nettekoven- Hirmer

Die vorliegende reich bebilderte Studie, denn um eine solche handelt es sich, ist einem königlichen Buch gewidmet. Ina Nettekoven befasste sich 13 Jahre hindurch mit den Forschungen über das Stundenbuch Charles VIII. von Frankreich. 

Nettekoven berichtet zunächst über das Pariser Buchwesen um 1500, weil der vorliegende Band sich mit der Situation in Paris in der Zeit um 1500 befasst, als das dortige Buchgewerbe sich in einer Umbruchsphase befand. Fokussiert werden zwei Handschriften, von denen eine nachweisbar für den französischen König VIII. angefertigt wurde. Es handelt sich bei beiden Werken um Andachtsbücher, die allgemein in Frankreich und Flandern sehr verbreitet waren. 

Das Stundenbuch für den König wird mit dem Pariser Verleger und Buchhändler Anthoine Vérard in Verbindung gebracht. Im Vergleich zu anderen Stundenbüchern besitzt es ein herausragendes Merkmal. Dieses besteht darin, dass es fortlaufende Bildgeschichten um jede Textseite zeigt, die von Erläuterungen in französischer Sprache begleitet werden. 

Man erfährt Näheres über das wenig glückliche Leben Charles VIII, aber auch über seine Affinität zu Büchern. Dabei muss man wissen, dass er als Förderer der Künste und Literatur sehr früh schon und auch unbeirrbar seinen Weg verfolgte. Er besaß eine große Leidenschaft für schöne Bücher, deren Inhalte und deren Herstellung er hegte. 

Auch über den Verleger Anthoine Véraud wird man aufgeklärt, der seinem König das berühmte Stundenbuch schenkte. 

Ausführlich wird man über den Inhalt des Werks unterrichtet und kann sich in das Bildwerk vertiefen. Die Broschürenhistorien- das sind die fortlaufenden Bilderzählungen in den Bildrändern- werden textlich sehr gut begreifbar gemacht. Der Text der Bußpsalmen wird  übrigens beeindruckend von den Weissagungen der Sibyllen flankiert. 

Unmöglich ist es, all die Einzelheiten hier in der Rezension zu benennen, die in dieser Studie zum Stundenbuch zu Sprache kommen. Interessant ist es, soviel kann gesagt werden, die Gemeinsamkeiten der beiden eingangs erwähnten Manuskripte (Handschriften) kennenzulernen und dem wissenschaftlichen Anliegen Nettekovens  nachzuspüren.

Ein wunderbares Buch, das den Leser mit einem ganz berühmten Werk vertraut macht und uns verdeutlicht, wie viel Können und Zeitaufwand eine solche Kostbarkeit bedurfte. 

Empfehlenswert.

Helga König

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Rezension: Lesen –Steve McCurry

Das Vorwort zu dem bemerkenswerten Fotoband hat der amerikanische Reiseschriftsteller Paul Theroux verfasst. Der Fotograf und Fotojournalist Steve McCurry, der die Bilder für das Buch realisierte, wurde vielfach ausgezeichnet und schreibt eingangs, dass seine Fotos lesender Menschen eine persönliche Hommage an den legendären Fotografen André Kertéz seien, dessen Fotografien lesender Menschen zu dessen eindringlichsten Bildern zählten. 

Bevor man das mehrseitige Vorwort von Paul Theroux studieren kann, erhält man einen Einblick in eine berühmte Bibliothek in Rio de Janeiro. Ein junges Mädchen steht auf einer Leiter, die an eine Bücherwand angelehnt ist und liest ein Buch. Lesebegeisterte sind natürlich neugierig, um welches Buch es sich handelt. Wir werden es nicht erfahren. Ein Eindruck bleibt: Lesen ist ein Ausdruck von Neugierde. 

Theroux reflektiert in seinem Vorwort das Lesen, das für ihn eine ernste Angelegenheit ist, eine Zuflucht und Erleuchtung, eine Erfahrung, die zuweilen offen zutage tritt. Er hat sogar den Eindruck, dass vom lesenden Menschen etwas Strahlendes ausgeht. Theroux lässt den Leser nicht im Ungewissen, dass er selbst ein hochgebildeter Leser ist und verrät, dass er als Kind eine Vorliebe für Abenteuerbücher entwickelte. Er erwähnt den Wettstreit "Schulbücher" gegen "alle anderen Bücher", sprich die Pflichtlektüre gegen jene Werke, die Freude schenkten.

Zu Recht weist Theroux darauf hin, dass es sich um einen ein weit verbreiteten Irrtum handele, dass die Erfahrung mit Büchern aus einem Leser einen Schriftsteller mache. Theroux liest nur selten die neuesten oder die angesagtesten Bücher, weil er nicht abgelenkt werden möchte. In seinen Augen sind die Fotografien von Steve McCurry wunderbar. Diesem Urteil schließe ich mich nach dem ausgiebigen Studium des Bildbandes an. 

Die Fotos sind über mehrere Jahrzehnte hinweg in verschiedenen Ländern aufgenommen worden. Es ist wohl wahr, die Bilder dokumentieren die Selbstvergessenheit des Lesers und schenken den Eindruck purer Freude. Jedes Foto erzählt eine Geschichte. Das gilt für die beiden Mönche, die vor dem Tempel von Bakong in Kambodscha in Bücher vertieft sind, ebenso wie für die schöne, junge Frau, die in einer Bar in Kapstadt es vorzieht, einen Roman zu lesen, anstelle sich für ihr Umfeld zu interessieren. Es gilt auch für einen auf dem Boden sitzenden Händler in Kabul, der einer Frau, die eine Burka trägt, etwas vorliest, aus einem Gedichtband wie es scheint. 

Eine betagte Asiatin, liest selbstvergessen in Lourdes in einem Gebetbuch und ebenso selbstvergessen liest ein junger Mann in Chiang Mai in Thailand in einem Buch, von dem man annimmt, dass es voller Poesie ist. Der Gesichtsausdruck des Lesenden lässt diesen Schluss zu. 

Das Foto, das am meisten berührt, zeigt im Vordergrund einen jungen Mann mit Turban, der im Rollstuhl sitzt. Er hat die Beine verloren. Daneben steht ein lachendes Kind auf Krücken, das ebenfalls keine Beine mehr hat. Der junge Mann liest dem Kind etwas aus einem Buch vor, das offenbar witzige Karikaturen enthält und beide gehen gedanklich auf Reisen. Die Lektüre lässt sie den schlimmen Zustand, in dem sie sich befinden, für Momente vergessen. Ein Buch kann Balsam für die Seele sein.

Irgendwo in Äthiopien liest ein Mädchen in ihrem Schulheft. Der Raum, in dem sie sich befindet, ist in einem desolaten Zustand. Dieses Kind wurde von der Welt alleine gelassen. Seine Hoffnung ist die Bildung. 

Alle Fotos zeigen, der Lesende vergisst sich selbst, geht auf Reisen und kommt in der Welt des Geistes an, einer Welt, die Freiheit verspricht, wenn man sich keine Denkbarrieren aufbaut. Ein Lesender ist ein Suchender, der fast immer etwas findet.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Harald Wolff- Malerei und Zeichnung- Ausgewählte Arbeiten 1987-2013

Dieses reich bebilderte Werk enthält unzählige Abbildungen von Gemälden und Zeichnungen des Künstlers Harald Wolff. Der gebürtige Berliner studierte an der Hochschule der Künste Berlin, arbeitete anschließend künstlerisch in Florenz und danach in Haifa. 1978 wurde er Meisterschüler von Martin Engelman, bekam 1991 ein Arbeitsstipendium im Kulturzentrum Salzau und hielt sich im Jahre 2000 in Slowenien auf, um dort künstlerisch tätig zu sein. Von 2003- 2013 setzte er dann sein Schaffen in Cevezza in Italien fort. 

Auf den letzten Seiten des Buches kann man  sich einen Eindruck verschaffen, wo dieser Künstler bereits überall seine Werke ausgestellt hat, sei es im Rahmen von Einzelausstellungen oder Ausstellungsbeteiligungen. Die Liste der Ausstellungsorte beeindruckt.

Vor der Bilderschau hat man die Chance, zwei Essays zu Harald Wolff  zu lesen. Der erste Essay stammt von Wolfgang Zemter und trägt den Titel "Annährung an Bildfindungen". Den zweiten Essay hat Peter H. Schiller verfasst. Sein Titel lautet "Harald Wolff". Die Texte sind in deutscher, englischer und französischer Sprache abgedruckt. Hier erfährt man nicht zuletzt, dass Harald Wolff mittels seiner Bilder Geschichten erzählt und seine Szenen und Figuren Momentaufnahmen sind, die sich in Abläufen von Zeit und Raum bewegen. Im Kosmos dieses Künstlers dominiert die Gegenständlichkeit. Sie ist es, die alle anderen Elemente, derer sich der Künstler bedient, in gewisser Weise beherrscht. 

Farbe dienen Wolff als Emotionsträger. Dabei wird unser gesamter unbewusster Erfahrungsschatz abgerufen und aktiviert. Es sind Farbträume, denen man hier fasziniert gegenübersteht und auf die man sich gerne einlässt. Doch da ist noch weitaus mehr, was den Betrachter in den Bann zieht. 

Zunächst werden ausgewählte Arbeiten aus dem Bereich der Malerei gezeigt. Neben den wunderbar harmonisch anmutenden Farbkompositionen und den zumeist lebensbejahenden Motiven, ist es die Bewegung und Geschwindigkeit, welche den Bildern innewohnt und die so unglaublich begeistert. 

Es macht Freude sich diese Werke immer wieder anzusehen. Viele erscheinen wie intensive Huldigungen an das Kommunikative und die Bewegung. Man denkt spontan an den Götterboten Merkur und hat den Eindruck, dieser habe den Künstler subtil beeinflusst. 

Auch die wunderbaren Zeichnungen in der Folge sind voller rascher Bewegung und lassen den Eindruck entstehen, das alles, was man wahrnimmt, miteinander kommuniziert.  Das verleiht diesen Bildern Aktualität. Sie bilden den kommunikativen Zeitgeist ab. 

Wolff ist äußerst kreativ, erfindet seine Bilderwelten, die  seine reiche Fantasie dokumentieren,  stets aufs Neue und doch mit unverkennbarer Handschrift. Dabei kommt der ein oder andere Bildinhalt äußerst humorig daher. Man ist amüsiert und zugleich neugierig. 

Diese niveauvolle Kunstpräsentation macht niemals melancholisch, sondern stimmt nahezu immer vergnügt, fordert  uns als Betrachter intellektuell und fasziniert durch die Farben. Was kann man von einem Gemälde oder einer Zeichnung mehr erwarten?

Hier malt und zeichnet ein Mensch, der die Leichtigkeit des Seins im Herzen spürt und eindeutig frankophil ist. Seine Werke betrachten zu dürfen, vermittelt das Gefühl in einer Welt angekommen zu sein, wo man gerne verweilt und den Moment genießen möchte. Kraftvolle Farben verkünden intensives Leben und Lebendigkeit.

Ein gelungenes und dabei sehr schönes Buch. Ein Fest für die Augen.

Dieser Künstler lebt erkennbar im Einklang mit seinen Werken. Das fasziniert mich ganz besonders.

Sehr empfehlenswert

Helga König

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John Baldessari- The Städel Paintings- Städel- Hirmer

Dieses bildreiche Werk, dessen Texte in deutscher und englischer Sprache zu lesen sind, befasst sich mit neuen Werken des Künstlers John Baldessari. Er ist einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Konzeptkunst. 

Mittels seiner Werke zeigt das Städel Museum lebende Kunstgeschichte. In den Bildern für die Ausstellung nutzte der Künstler Bilder des Museums und realisierte Bildcollagen, die unterschiedliche Gemälde des Hauses reflektieren. 

Meisterwerke wie das Paradiesgärtlein und solche von Lucas Cranach Agnolo Bronzino, Adam Elsheimer oder Maria Lassnig werden durch John Baldessari als visuelles Material aufgeladen und mit dialogischem Textmaterial in Beziehung gesetzt. So entsteht ein Gegen- und Miteinander, das alte wie neue Kunst gleichermaßen in ihrem kunsthistorischen aber auch institutionellen Kunstsystem befragt. 

Baldessari entwickelte als einer der bedeutendsten Vertreter der Konzept- und Medienkunst einen unverwechselbaren Bildbegriff zwischen Malerei und Fotografie, zwischen Text und Bild. Für seine Arbeiten verwendet Baldessari häufig "Found Footage", so etwa aus den Quellen der Massenmedien und lässt auf diese Weise konträre Motiv-und Inhaltswelten entstehen. 

Wie Max Hollein, der Direktor des Städel Museums festhält, sind die malerischen Bildbearbeitungen Baldessaris eine weitere Ebene des vielschichtigen Werkes. Dabei komponierte dieser Künstler durch sich verschränkende Materialien und Medien Bildräume, die eine neue komplexe Bedeutung kreieren. 

Martin Engler, der Herausgeber des Katalogs wartet mit einem Essay mit dem Titel "Von der Konzeptkunst und Metaphern Malerei nach dem Ende der Malerei" auf, der allein schon deshalb lesenswert ist, um die Werke des Künstlers besser zu verstehen. 

Hier erfährt man auch, dass Baldessaris Bilder dort interessant werden, wo sie den Zwischenraum – die kreative Leerstelle- zwischen Text und Bild, zwischen Malerei und Fotografie, zwischen Lesen und Sehen fokussieren. 

Für den Künstler ergibt sich dort Bedeutung, wo zwei Dinge zusammen kommen. 

Sich mit den Werken des Konzeptkünstlers zu befassen, ist nach meinem Dafürhalten mehr ein intellektuelles als ein ästhetisches Vergnügen, aber lohnenswert allemal. Hier wird Kunst zum kommunikativen Event.

Empfehlenswert 

Helga König

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