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Rezension: #Klimt/#Schiele/#Kokoschka und die #Frauen- #Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die vom 22. 10.2015 bis zum 28. 2. 2016 in Wien im Museum #Belvedere gezeigt wird. 

Ausgehend von den Frauenbildern vergangener Jahrhunderte hat das Belvedere es sich zur Aufgabe gemacht, das Frauenbild der #Wiener_Moderne eingehend zu beleuchten. Vorgestellt werden die Werke dreier Hauptvertreter- ein neuartiger Diskurs zwischen Gustav Klimt, Egon Schiele und Oscar Kokoschka. Dabei befasst sich ein wesentlicher Teil der Ausstellung mit #Porträtkunst. Während es diesbezüglich bei Klimt Auftragsarbeiten waren, weisen Schieles Porträts expressionistische Tendenzen auf, die den Gegenpol zu Kokoschkas abstrakten Ansätzen darstellen. 

Bestimmte Frauenbeziehungen beeinflussten die Kreativität dieser Maler, sei es als Inspirationsquelle oder als Muse oder gar als Objekt obsessiver Besessenheit. Alma Maler galt als Personifikation des klassischen Typus der Muse. Dies wird von Agnes Husslein Arco näher erläutert. 

Das Buch enthält neben der Bilderpräsentation zahlreiche erhellende Essays unterschiedlicher Autoren, so etwa "Zur Frauenfrage in Wien um 1900" oder auch dazu "Wie widerstreitende Einflüsse zur modernen Darstellung der Frau führten." 

Es führt zu weit, auf die Inhalte aller Essays einzugehen. Bemerkenswert ist u.a. der Essay über die feminine Sexualität im Werk von Gustav Klimt und hier die Betrachtungen über die weibliche Selbstbefriedigung in der Kunst, die man in der Folge den dargestellten Werken entnehmen kann. 

Über Porträts erfährt man Wissenswertes und lernt zahlreiche Porträts  auch kennen, so etwa Klimts "Adele Bloch –Bauer", ein Gemälde über das ich mich kürzlich im Rahmen einer anderen Rezension bereits geäußert habe. "Mütter und Kinder" sind ein Thema und in diesem Zusammenhang Gustav Klimts  "Hoffnung 1", aber auch Schieles  "Mutter und Kind" und viele andere Bilder mehr. 

Dann werden Paare thematisiert. Klimt sah in der Liebe einen Teil des Lebenszyklus als verbindendes Element im Kreislauf von Werden, Sein und Hinscheiden. Hier werden Werke wie Egon Schieles "Kniende Mädchen" oder auch sein Bild mit dem Titel "Kardinal und Nonne" gezeigt und beispielsweise Klimts  "Jungfrau", dazu viele Bleistiftzeichnungen, die Akte darstellen und Egon Schieles grandioses Gemälde "Liegende Frau". 

Welche Frauenvorstellungen die drei Malern jeweils bei ihren Bildern beeinflussten,  wird anhand der Texte deutlich. Wer möchte, kann darüber nachdenken, wer von den drei Malern, den Frauen am nächsten stand und ihr Wesens am intensivsten begriffen hat. Dieser Frage bei den Bildbetrachtungen nachzugehen, finde ich sehr spannend.


Ein gelungenes Buch, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann  gelangen Sie  zu Prestel und können das Buch dort bestellen. Sie können es jedoch auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.http://www.randomhouse.de/Buch/Klimt-Schiele-Kokoschka-und-die-Frauen/Agnes-Husslein-Arco/e490708.rhd

Rezension: #Gefährliche_Liebschaften- Die Kunst des französischen #Rokoko- Herausgegeben von #Maraike_Bückling- #Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Gefährliche_Liebschaften - Die Kunst des französischen Rokoko", die vom 4. November 2015 bis zum 28.  März 2016 im Liebieghaus in Frankfurt gezeigt wird.

Das Vorwort zum Buch hat der Direktor des Liebieghauses Max Hollein geschrieben. Er lässt die Leser wissen, dass der inhaltliche Leitfaden der Ausstellung durch die Darstellung und Bedeutung der Liebe, die Entwicklung von neuen, beruhigten Liebeskonzepten und auch  durch die Frage nach den künstlerischen Vorstellungen in Bezug auf Natürlichkeit verkörpert wird.

Im #Rokoko machten sich #Kunsthistoriker, #Schriftsteller und bildenden Künstler über die Bedeutung von Gefühlen und Leidenschaften Gedanken. Die Liebe und die Emotion des Individuums bekam nun mehr Gewicht.

Die Ausstellung zeigt Bildhauerei, Malerei, Grafik und Kunsthandwerk, zeigt also #Skulpturen, #Gemälde, #Biskuitporzellanstatuetten aus den #Porzellanmanufakturen #Vincennes und #Sèvres, #Meißen, #Frankenthal, #Fulda und #Höchst, aber auch Ensembles aus vergoldeter Bronze, #Porzellan und #Porzellanblüten, französische Möbel, Spiegel und Fächer sowie Kupferstiche.

Neben den Bildern der Ausstellungsobjekte, hat man Gelegenheit einige Essays unterschiedlicher Autoren zu lesen, die zum besseren Verständnis der gezeigten Kunst führen. Maraike Bückling hat einen umfangreichen Essay mit dem Titel "Höfisches Arkadien und die Liebe der Empfindsamkeit" verfasst, der von ersten Bildern begleitet wird.

Unmöglich  ist es, auf den Inhalt dieses und der dann folgenden Essays im Rahmen der Rezension näher einzugehen, beispielsweise auf die Idealisierung der Natur in der #Pastorale, sprich dem Schäferstück. Dabei findet die bildnerische Umsetzung immer in der freien Natur statt. Der Künstler zeigt sie nicht als unberührte Natur, sondern als bestelltes Land oder Garten. Mit dem neuen Naturgefühl zu jener Zeit waren neue Liebesmodelle verbunden, über die man seitens der Essayistin aufgeklärt wird. Die Liebe als Sinn des Lebens und intime Wahrheit zwischen zwei Menschen zu betrachten, galt zu Beginn des 18. Jahrhunderts als das allgemeinste aller Gefühle, das von allen Menschen empfunden werden konnte.

Man erfährt mehr über die Kunsttheorie im Rokoko und auch über die Kunst und den Künstler im Allgemeinen. Die idealisierte Einstellung der Natur und dem verklärten Landleben gegenüber, aber auch die Überlegungen, die den Betrachter in den Mittelpunkt schoben, sowie die veränderte Vorstellung über zärtliche Liebe als Sinn des Lebens waren die zentralen Neuerungen, die die Basis für viele Werke aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bildeten.

Der Künstler Francois Boucher ist als die zentrale Gestalt des Rokoko zu sehen, der die neuen Vorstellungen aufgriff und in seinen Werken zum Ausdruck brachte. Man erfährt über ihn und andere Wissenswertes, liest über Höhepunkt und Kritik des Rokoko, um dann im Essay von Frits Scholten mehr über den berühmten Amor von Falconet zu erfahren, den Madame Pompadour in Auftrag gegeben hatte. Die Skulptur wird mehrfach im Katalog gezeigt, doch auch andere Skulpturen des Künstlers so etwa "Die Badende" werden  thematisiert. 

Man erfährt mehr über Madame de Pompadours skulpturale Inszenierung im Vestibül des Château de Bellevue und über die unglasierten Porzellanfiguren der Manufaktur in Vincennes und Sèvres, über deren Geschichte man unterrichtet wird. In diesem Zusammenhang lernt man Figurenschmuck für Tafel und Kabinett kennen, der textlich näher erläutert wird. 

Sèvres- Figuren von Jean –Jacques Bachelier begeistern der idyllischen Darstellungen wegen aber auch Figuren von Johann Joachim Kaendler oder Johann Peter Melchior zeigen die Geisteshaltung des Rokoko, die letztlich auch als Kunst zur Überredung zur Liebe zu werten ist. 

Ein weiteres Thema ist die Sinnlichkeit der Gemälde Jean –Antoine Watteaus und Francois Bouchers. Auch hier werden eine Fülle wunderbarer Werke gezeigt, die näher erläutert werden. Es führt aber zu weit, auf all diese Werke und Themen im Buch an dieser Stelle näher einzugehen. Zu erwähnen ist noch die Raumgestaltung und – ausstattung im Rokoko, über die man ebenfalls informiert wird und sehr kostbare Intarsien-Arbeiten bewundern kann. 

Ein gelungener Katalog, den ich sehr empfehlen kann, weil er die Kunst des französischen Rokoko vielschichtig begreifbar macht. 

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Hirmer-Verlag und können den Katalog dort bestellen. Sie können ihn aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: Der Schatten der #Avantgarde- #Rousseau und die vergessenen Meister- Hatje Cantz

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Der Schatten der Avantgarde", die vom 2. Oktober 2015 bis zum 10. Januar 2016 in Essen im Museum Folkwang gezeigt wird. 

Die Kuratoren dort sind Kasper König und Falk Wolf 

Die Ausstellung "Der Schatten der Avantgarde" wird gemeinsam von der Kulturstiftung des Bundes und der Kulturstiftung der Länder gefördert. Dabei stellt die Kulturstiftung des Bundes erfreulicherweise 400.000 Euro dafür zur Verfügung. 

Vorgestellt werden zentrale Werke von 13 Künstlern und Künstlerinnen, die keine akademische Ausbildung hatten und /oder heute nicht im Kanon des Museumsbetriebs anzutreffen sind, mit Ausnahme von Henri Rousseau. Neben dessen Porträts und Dschungelbilder stellt die Ausstellung die beunruhigenden apokalyptischen Bäume und Blumen von Séraphine Louis, die griechischen Historienbilder von André Bauchant, die Seestücke von Alfred Wallis, die Landschaften mit Akten von Louis Michel Eilshemius und die biblischen Szenen von Adalbert Trillhaase vor, um nur einige der Künstler zu nennen. 

Gezeigt werden Kunstschaffende aus verschiedenen Nationen und unterschiedlichen künstlerischen Medien. Jede Position in diesem Buch ist ein spezieller Textbeitrag gewidmet. 

Den  Werken der 13 Künstler werden einzelne Schüsselwerke der Moderne und Gegenwart gegenübergestellt. Diese stammen zumeist aus der Sammlung des Museums Folkwang. 

Man zog im Laufe des letzten Jahrhunderts scharfe Grenzen zwischen der "offiziellen Kunst", die den Namen "Modernismus" oder "Avantgarde" und der anderen, die man als "Naive" oder "Outsider Art" oder auch als "Art Brut" definierte. 

Die Grenzen, die diese Kunstformen voneinander trennten, werden näher erläutert. 

Im Katalogteil werden dann viele Werke der Künstler präsentiert. Anhand von Textbeiträgen erfährt man dann jeweils Wissenswertes über die einzelnen Künstler und deren Arbeit.

Nicht uninteressant ist beispielsweise  die biblische Bilderwelt Adalbert Trillhaases, über die  man textlich sehr gut aufgeklärt wird,

Empfehlenswert

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum  Hatje Cantz Verlag und können das Buch vestellen, Sie können es aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.http://www.hatjecantz.de/suchergebnisse-624-0.html?q=Der+Schatten+der+Avantgarde

Rezension:#Impressionismus- Eine Welt aus #Farbe und #Licht- #Norbert_Wolf- Prestel

Norbert Wolf möchte mit seinem schönen und dabei sehr informativen Bildband "Impressionismus- Eine Welt aus Farbe und Licht" auf Aspekte eingehen, die diesen Stil auf seine Charakteristika, seine Optionen, seine Chancen, aber auch seine Aporien zu durchleuchten erlauben.

Wolf erwähnt eingangs ein Gemälde von Paul Gauguin.  Er war eine Weile lang Anhänger der impressionistischen Bewegung. Besagtes Werk trägt den Titel "Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?" Diese Fragen sind es, die sich an die wichtigsten Exponenten des Impressionismus richten.

Das reich bebilderte Werk ist in neun Kapitel untergliedert:
Stilfragen
Das Umfeld
Gruppendynamik
Stilkategorien
Das neue Sehen
Themen und Motive
Im Zentrum: die französischen Impressionisten
Die Expansion des Impressionismus
Transformation

Jedes Kapitel ist dann in themenbezogene Abschnitte unterteilt. Auf diese hier im Einzelnen näher einzugehen, würde  allerdings den Rahmen der Rezension sprengen, da den Leser eine Fülle von Fakten erwarten, die man nicht aus dem breiten Kontext herausschneiden kann, ohne den Sinn zu verfälschen.

Bilder namhafter Impressionisten wie Claude Monet, Éduard Manet, Edgar Degas, Gustave Cailebotte, Alfred Sisley, Camille Carot, Auguste Renoir, Camille Pissarro sowie zahlreiche andere kommen zur Sprache und man erfährt auch viel Faktisches über die Maler selbst.

Der Impressionismus ist einst in Frankreich entstanden und trat in Paris an die Öffentlichkeit. Was in der Stadt der Lichter sich im Hinblick auf den Impressionismus ereignete und wie ein Künstlerleben in Paris in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts aussah, erfährt der Leser durch einen eloquenten Text und Bilder. Darüber zu lesen, ist sehr spannend, denn in dieser europäischen Kunststadt machte sich die Kommerzialisierung und Kapitalisierung von Kunst gerade besonders deutlich breit.

Establishment und Skandal sind in den Motiven der Impressionisten auch eingegangen. Rund 100000 Bilder im 19. Jahrhundert bedienten sich in Frankreich dem Geschmack der Salonjury. Dabei posierte Manets "Olympia" als Dirne, die auf einen Kunden wartet und ihre Nacktheit unverhohlen zur Schau stellt.

Interessant auch sind die Studien im Atelier und vor alten Meistern, wie etwa Henri Fantin-Latours "Das Atelier in Batignolles". Gruppenausstellungen werden ebenfalls beleuchtet, weil viele Impressionisten an solchen Ausstellungen teilnahmen.

Wichtig sind die Betrachtungen der Stilrichtungen. Hier lernt man zu begreifen, was man unter "L`impression" zu verstehen hat, liest anschließend von der Flüchtigkeit des Augenblicks, von Wahrnehmungsmomenten, die eine völlig neue Art der Zeitdarstellung voraussetzen und die ein Kennzeichen des Impressionismus sind. Farbe und Licht bleiben nicht ausgespart und werden durch die Erläuterungen begreifbar.

Die Lokalfarben werden im Impressionismus aufgegeben, wo ihnen der spontane Seheindruck widerspricht. So werden Dunkelbraun und Schwarz durch Blautöne ersetzt, so war Manet  überzeugt, dass sich ihm das Licht als homogenes Phänomen zeige und von daher ein einziger Farbton ausreiche, um es in einem Gemälde zu präsentieren.

Der Impressionismus verleiht einem Paradigmenwechsel in der abendländischen Geschichte des Sehens ein künstlerisches Gesicht. Dabei muss man wissen, dass die Geschichte des Sehens von vielen Umschwüngen geprägt ist.

Themen und Motive verweisen u.a. auch auf Claude Monets "Frauen im Garten", ein Werk, dass ich wegen seiner Helligkeit sehr liebe.

Im Rahmen des Kapitels "Stätten des Vergnügens" warten unzählige Bilder Renoirs darauf,  bestaunt zu werden,  unter diesen auch das berühmte Gemälde "Frühstück der Ruderer".

Neben den wichtigsten Malern werden auch die Malerinnen vorgestellt, natürlich auch Berthe Morisot und Mary Cassat, deren femininer Stil mich besonders anspricht, der lichten Farbgebung wegen.

Impressionismus - nicht nur in Frankreich-   wird in diesem grandiosen Prachtband gezeigt und thematisiert, deshalb auch der deutsche Impressionist Max Liebermann und Fritz von Uhde.

Das Werk hat viel zu bieten und ist allen zu empfehlen, die sich einen guten Überblick über die Kunst des Impressionismus verschaffen wollen. Lobenswert sind die gut lesbaren Texte, die den Impressionismus verständlich für jedermann zu übermitteln vermögen.

Empfehlenswert.

Helga König


Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Prestel-Verlag und können das Buch  dort bestellen. Sie können es aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.http://www.randomhouse.de/Buch/Impressionismus-Eine-Welt-aus-Farbe-und-Licht/Norbert-Wolf/e462842.rhd?edi=462842

Rezension: Klee& Kandinsky- Nachbarn Freunde Konkurrenten- Prestel

Vom 21. OKTOBER 2015 - 24. JANUAR 2016 wird IM KUNSTBAU im Lenbachhaus in München die Austellung "Klee& Kandinsky" gezeigt, die man derzeit noch in Bern im Zentrum Paul Klee besuchen kann. 

Die Namen Klee und Kandinsky gelten heute noch als Synonym für die "Klassische Moderne". Seit den 1950er Jahren galten die beiden Maler als die Gründerväter der modernen Kunst. Zwar gibt es im Leben und Werk der beiden Freunde wichtige Parallelen, aber es muss festgehalten werden, dass die beiden sehr verschiedene Charaktere waren. 

Die Ausstellung umfasst den Zeitraum von 1900 bis 1940. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Phasen von Klees und Kandinskys persönlicher Auseinandersetzung in der Zeit des Blauen Reiter und des Bauhauses. Hier speziell in der Dessauer Zeit ab 1926. Gezeigt werden sollen Ähnlichkeiten und die gegenseitige Beeinflussung, aber auch die Abgrenzung und die Verschiedenheit voneinander. Konkurrenten waren die beiden Künstler in ihrem Wettlauf um Ausstellungen und Galerien sowohl in Deutschland als auch in Frankreich. Man kann sich zunächst in die Chronologie der Künstler vertiefen und sich dann mit einzelnen Textbeiträgen unterschiedlicher Autoren befassen, um über all das mehr zu erfahren. 

Christine Hopfengart schreibt über die guten Nachbarn, ihr erstes Kennenlernen und was dann folgte. So liest man, dass Paul Klee seine neuen Kontakte immer auch marktstrategisch vorantrieb. Dabei hat Klee sich kaum über einen Künstler so bewundernd geäußert wie über Kandinsky. Zwischen 1913 und 1914 hat sich die Freundschaft der beiden gefestigt, acht Jahre später begegneten sie  sich in Weimar am Bauhaus. Es waren unterschiedliche Rollen, die sie dort einnahmen, die einem unterschiedlichen Selbstverständnis als Lehrer und Künstler entsprachen. Auch die freien Arbeiten in den frühen 1920er- Jahren waren unterschiedlich. 

Texte und Bilder sind das Zusammenspiel bei der Lektüre dieses Katalogs, der Gegensätze vortrefflich aufzeigt, zunächst bei Bildern um 1900, unter diesen Kandinskys "Reitendes Paar" und Klees "Komiker". 

Kandinsky war mit Franz Marc federführend im Künstlerkollektiv "Der Blaue Reiter". Alle Künstler dort einigte das von Kandinsky eingeforderte Streben "nach dem Geistigen in der Kunst". 

Wunderschöne Farbkompositionen von Kandinsky und Gemälde von Klee beeindrucken den Betrachter in der Folge. Doch man lernt die beiden Protagonisten auch als Maler und Zeichner kennen, liest von Klees Durchbruch zur Farbe und kann sich davon einen visuellen Eindruck verschaffen. Kandinsky aber auch Klee und die Musik sind dann weitere Themen, großartig übrigens hier Paul Klees "Polyphone Strömungen". Bilder aus der Zeit am Weimarer Bauhaus zeigen ebenfalls die Unterschiede, die in begleitenden Texten erläutert werden. In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre waren die Künstler, wie die Bilder zeigen,  sich maltechnisch sehr nah. Es handelt sich hierbei um konstruktiv-figurative Kompositionen, der ein Bauhaus-Dialog am Rande der Natur folgt. Das Verhältnis zwischen Kunst und Natur war ein zentrales Thema der beiden. 

Die Bilderschau mit Erläuterungen zeigt auch Werke der 1930er Jahre. Diese Bilder wirken düster.

Die beiden Maler hatten nach der Machtübernahme Hitlers ihre Anstellung verloren und emigrierten.

Über all das wird man im Buch aufgeklärt und hat Gelegenheit sich immer wieder in eine Bilderwelt vertiefen, die einfach fasziniert. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Prestelverlag und können dort das Buch bestellen. Sie können es aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern. http://www.randomhouse.de/Buch/Klee-Kandinsky-Nachbarn-Freunde-Konkurrenten/Vivian-Endicott-Barnett/e487610.rhd

Rezension:Christian Voigt- Photography- teNeues

Dieser Prachtbildband zeigt beeindruckende Fotos des Fotokünstlers Christian Voigt, eines Münchners, der in Hamburg lebt und arbeitet. Seit seiner ersten Ausstellung 2009 fanden Einzelschauen in Basel, Hamburg, New York, Los Angeles, London, Saint-Tropez, Amsterdam und Madrid statt. Für seine großformatigen Arbeiten erzielt er bei einer stetig wachsenden Zahl von Sammlern und Bewunderern mittlerweile Höchstpreise. 

Seine Motive findet er auf Reisen. Er hält die Schönheit im Bild fest, schwärmt ein kalifornischer Sammler. Manfred Zollner schreibt in seinem Vorwort Voigts Motivwelt liefert dem Betrachter ein perfektes Arrangement von Harmonien und gezielt eingesetzten Dissonanzen. 

Seine Fotoschau beginnt mit Aufnahmen, die zwischen 2007- 2015 in Europa entstanden sind. Es handelt sich, wie Manfred Zollner so wunderbar formuliert, um komplexe Symphonien für die Augen. Den Anfang nehmen wundervolle Motive  auf Capri, gefolgt von Fotos, die in Venedig entstanden sind, unter diesen auch das Bild einer Braut, die sich im Spiegel eines längst vergangenen Jahrhunderts anblickt und einen Schleier trägt, der die Braut in die Renaissance- Zeit zurückversetzt. 

Fotos vom Rijksmuseum in Amsterdam werden abgelöst von Aufnahmen der Altstadt St. Tropez, denen Bilder des Prados folgen. Kulturreisende kennen die Orte, nicht aber das, was Christian Voigt daraus gemacht hat. Es sind Träume für die Ewigkeit. 

Fotos aus Asien und Afrika, entstanden zwischen 2010- 2014,  führen in eine Welt wunderschöner Tempelanlagen, so etwa auf Bali, führen in sattes Grün, auch an den Nil und zu den Steinmonumenten in Luxor. Sanddünen in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind die Antwort auf die grüne Vielfalt auf Bali. 

Ein Barbershop im Oman sieht kaum anders aus als ein Friseurgeschäft in Thimphu, Bhutan, doch der Schmuckbasar im Oman ist einzigartig. Man mag seine Augen von all dem, was man dort sieht, nicht abwenden und fragt sich, wie lange man in einem solchen Laden wohl verweilen müsste, um alles bestaunen zu können.  Vermutlich Jahre. Eine Schatztruhe aus Tausendundeiner Nacht.

Die Berge von Nepal in Nebel gehüllt, beeindrucken auf andere Art wie die riesigen Bäume in Cambodia oder ein Früchtemarkt dort. 

Bilder von Jerusalem und hier auch von der Klagemauer führen über zu Meditationsübungen junger buddhistischer Mönche in Myanmar. Immer wieder tauchen Bilder von Friseursalons auf, dann auch ein Reisfeld auf dem geerntet wird und schließlich ein Wasserfall in Laos. 

Doch die Reise geht weiter. America, 2008-2015, hier dann tolle Fotos von der Manhattan Skyline, auch von Las Vegas und anderen Orten, wegen denen man Capri nicht verlassen sollte, denn kaum irgendwo ist es so schön wie dort. 

Die phantastische Bilderwelt Christian Voigts ist voller Poesie, eignet sich zum Bestaunen, auch zum Meditieren und zum Geschichtenerzählen. 

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension: Die 80er Figurative Malerei in der BRD- Hatje Cantz

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die vom 22.7- 18.10 2015 im Städel Museum in Frankfurt gezeigt wird. Wie Max Hollein, der Direktor des Museums, die Leser wissen lässt, bewegt sich die Ausstellung bewusst auf dem schmalen Grat zwischen Gegenwart und Kunstgeschichte. 

Fast 100 Werke unterschiedlicher Künstler fokussieren in dieser umfassenden Bilderschau das Aufkommen einer figurativen Malerei, die sich parallel in Hamburg, Berlin und dem Rheinland entwickelte. Merkmale sind eine ungezügelte Wucht, malerischer Intelligenz, besondere Frische in diesem tradierten Medium,  aber auch eine ästhetische wie auch inhaltliche Kompromisslosigkeit. 

Die Ausstellung will einen validen kunsthistorischen Ansatz liefern für ein komplexes ästhetisches Phänomen, das um 1980 den Kunstbetrieb auf den Kopf stellte. Neben den gezeigten Werken enthält der Katalog zudem diverse Essays, knappe Biografien der Autoren und ausführliche Biografien der Künstler. 

Bei den Künstlern handelt es sich um: Berlin: Elvira Bach, Luciano Castelli, Rainer Fetting, G.L. Gabriel, Helmut Middenhof, Christa Näher, Salomé, Bernd Zimmer Hamburg: Ina Barfuss, Werner Büttner, Georg Herold, Martin Kippenberger, Albert Oehlen, Markus Oehlen, Bettina Semmer, Thomas Wachweger Rheinland: Hans Peter Adamski, Peter Angermann, Peter Bömmels, Walter Dahn, Jiri Georg Dokoupil, Gerard Kever, Jan Knap, Milan Kunc, Gerhard Nachberger, Andreas Schulze, Volker Tannert. 

Franziska Leuthäusser erläutert die Technik der einzelnen Künstler und den Unterschied der figurativen Malerei in Berlin, Hamburg und im Rheinland. Wer mehr zur Ethnologie der jungen Wilden erfahren möchte, sollte den Beitrag"Pop-Expressionismus- Zur Ethnologie der Jungen Wilden" lesen, den Walter Grasskamp verfasst hat. 

Originale von Elvira Bach sah ich vor einigen Jahren in einer Galerie in Südfrankreich aber auch in einer Galerie in Offenbach. Ihre Frauenbilder, in knalligen Farben, ihre zeichenhafte von schwarzen Linien umgrenzte Malerei schenken den Bildern, wie Leuthäusser zu Recht anmerkt, zusätzlich die Ästhetik und massentaugliche Pop-Art. 

Die Bilder der Ausstellung "Die 80er- Figurative Malerei in der BRD" präsentierten eine Kombination von ästhetischer Grenzüberschreitung, Nihilismus, Provokation, Humor und Ironie. Überzeugen sich selbst. 

276 Abbildungen

Sehr empfehlenswert. 
Helga König

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Rezension: Albis Sigmar Polke- 1963-2010- Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die vom 14. 3. – 15. Juli 2015 im Museum Ludwig in Köln gezeigt wurde. Es handelte sich dabei um eine Retrospektive mit rund 250 Werken, des 2010 verstorbenen Künstlers, darunter weltberühmte wie die "Freundinnen I" von 1967. 

Nach diversen Vorworten, Danksagungen und Grußworten hat man Gelegenheit einen Essay von Kathrin Rottmann zu lesen, der den Titel "Polke im Kontext- Eine Chronologie" trägt.

Chronologien sind zwischenzeitlich fester Bestandteil von Ausstellungskatalogen, weil sie den Gewinn logischen Sinngehalts versprechen, indem sie kontingente Ereignisse in zeitlicher Reihenfolge auflisten. Rottman verschafft dem Leser einen sehr guten Überblick über Leben und Werk dieses Künstlers, den hier verkürzt wiederzugeben den Rahmen der Rezension sprengen würde. 

Kathy Halbreich hat nach der umfangreichen Chronologie eine Einführung verfasst. Hier erfährt man, dass Albis: Sigmar Polke 1963-2010 die erste Retrospektive ist, welche die Experimente des Künstlers in allen Medien umfasst. Dabei richtet sie den Fokus auf seine Innovationen auf den Gebieten der Malerei, Fotografie, Film, Druckgrafik, Fotokopie, Zeichnung, Collage, Skulptur und Performance, aber auch auf jene Werke, die vollständig ineinander verschmelzen. 

Die Einführung führt facettenreich in das gezeigte Werk ein. Im Rahmen von diversen eloquenten Essays kann man sich noch intensiver in dieses vielschichtige Werk vertiefen. Die Texte sind zu komplex, als dass man sie komprimiert hier wiedergeben könnte. Das gilt auch für den wunderbaren Essay von Mark Godfrey, der den Titel "Von Moderne Kunst bis Entartete Kunst. Polke und Abstraktion" heisst. 

Über Polkes Filme wird man aufgeklärt und auch über seine erste Druckgrafik "Freundinnen I", eine schwarz-weiße Fotolithografie, die in einer Auflage von 150 Exemplaren erschien. 

Man lernt eine Fülle von Werken kennen, auch Sigmar Polkes Fenster im Grossmünster in Zürich. Alles sehr beeindruckend und von einer Vielfalt, die es nicht leicht macht, einen inneren Zusammenhang seines OEVRES zu erkennen.

Das Verzeichnis der ausgestellten Werke rundet den Katalog perfekt ab.

Empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Das legendäre Fotoalbum- Te Neues

Dieser Prachtband mit wundervollen Aufnahmen der Starfotografin Marianne Fürstin zu Sayn –Wittgenstein beginnt mit einer Einleitung, die Dr. Beate Reifenscheid verfasst hat und die in englischer, deutscher, französischer und spanischer Sprache abgedruckt worden ist. Neben dieser Einleitung kann man sich in ebenfalls mehrsprachig abgedruckte Texte von Sir Sean Connery und Gunter Sachs vertiefen. 

Marianne Fürstin Sayn – Wittgenstein, geb. am 9. Dez. 1919,  ist die Ur-Ur-Ur-Ur-Enkelin von Kaiserin Maria Theresia. Seit ihrem 9. Lebensjahr fotografiert die ambitionierte Grand Dame bereits. Ihre Fotografien zeigen mehr als sechzig Jahre Zeitgeschichte. 

Die Fotokünstlerin  besuchte die Blochener Kunstschule in München, heiratete schon früh ihren Mann Udi und lebte dann auf Schloss Sayn bei Bendorf. Erst ab den 1970er Jahren übte die Fürstin das Fotografieren als Beruf aus. Es war ihre Freundin Lili Palmer, die sie einige Jahre nach dem tragischen Unfall ihres Gatten bestärkte,  aus ihrer Leidenschaft einen Beruf zu machen. 

Die etwa 150 000 Fotos der berühmten Fotografin zeigen eine Melange aus offizieller Person, politischer Repräsentanz oder künstlerischer Ikone, so Reifenscheid. Für das Buch wurde eine repräsentative Auswahl aus den Fotos getroffen, die man sich immer und immer wieder anschauen kann und dabei stets Neues entdeckt. 

Frühe Bilder sind in Schwarz –Weiß gehalten. Die ersten stammen aus den späten 1930er Jahren. Kurz darauf erblickt man u.a. Schloss Johannisberg im Jahre 1950. Ludwig Sayn-Wittgenstein spielt Golf. Im Hintergrund sieht man das zerstörte Schloss, das später wieder aufgebaut wurde. 

Bilder vom Nürburgring Anfang der 1950er Jahre verdeutlichen, dass es in jenen Jahren, wo viele noch große Aufbauprobleme hatten, es anderen bereits erstaunlich gut ging. 

Es folgen eine Reihe bemerkenswerter Fotos aus den 1950er Jahren, die auch was die Kleidung anbelangt,  interessante Zeitdokumente sind. Erste Farbbilder entstehen dann in den 1960er Jahren. Jet-Set. Romy Schneiders Charme war weniger unterkühlt als der von Brigit Bardot und überaus sympathisch erscheint Ann Mari Bismarck.... 

Seite für Seite lernt man schöne Frauen und einflussreichen Männer kennen. Rasch wird klar, dass fast alles vom Geld und Einfluss bestimmt wird.  

Haben schöne, junge Frauen einen Preis? Oder sind sie ein Preis?

Tolle Fotos von Curd Jügens, ein umwerfend gut aussehender Mann, 1975 mit Senta Berger in Salzburg als "Jedermann" abgelichtet, lassen mich nach der interessantes Frau im Buch Ausschau halten: es ist eindeutig Lilli Palmer. Sehr schön ist die Porträtaufnahme von ihr aus dem Jahre 1976.

Immer wieder sieht man Rennfahrer und hier auch Jochen Maas, neben ihm der Schauspieler David Niven. Tolle, ausdrucksstarke Fotos. 

Unzählige Bilder von Gunter Sachs und seiner Frau Mirja, einer liebenswerten Person mit offenem Gesicht beeindrucken. Ein Hochzeitsfoto von Johannes und Gloria Thurn und Taxis verdeutlicht den immensen Altersunterschied. Man staunt.

Fotos von Gunter Sachs und Sean Connery zeigen zwei Spaßvögel in witzigen Posen. Unmöglich alle Bilder zu kommentieren. Fast alle Aufnahmen sind sehr aussagekräftig. 

Jasmin Aga Khan war eine sehr schöne Frau und Ira von Fürstenberg ebenfalls, aber sie strahlen anderes aus  als die attraktive, intellektuelle  Lilli Palmer. 

Was macht Persönlichkeit aus? Wie wird sie sichtbar? Schwierig. 

Curd Jürgens hatte sie, auch Lilly Palmer und Gunter Sachs, natürlich Leonard Bernstein, Henry Kissinger, Audrey Hepburn, Peter Ustinov, Maximilian Schell und einige andere. 

Persönlichkeit lässt sich nicht kaufen, sondern nur hart erarbeiten.  

Das ist mein Fazit aus diesem wunderbaren Buch, das eigentlich eine Charakterstudie ist.

Die Kunst in diesen Fotos zeigt sich in der Authentizität. Darin liegt das eigentliche Können von Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein begründet.

Sehr empfehlenswert.

Helga König
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256 Seiten,
Hardcover mit Schutzumschlag
168 Farb- und 76 Duplex-Fotografien
Text in Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch

Bitte klicken Sie auf das Foto, dann gelangen Sie zum teNeues- Verlag und können das Buch bestellen. Sie können es aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler im die Ecke ordern. http://www.teneues.com/shop-de/marianne-fuerstin-zu-sayn-wittgenstein.html

Rezension: Arno Rink- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen "Werkschau", die vom 26. Juli bis zum 18. Oktober 2015 in Rostock gezeigt wird. Präsentiert werden in der Einzelausstellung etwa 100 Gemälde und Zeichnungen von Prof. Arno Rink, einem zentralen Vertreter der "Leipziger Schule". 

Die Ausstellung findet anlässlich seines 75. Geburtstages statt. Dr. Jörg-Uwe Neumann, Leiter der Kunsthalle Rostock, hat das Vorwort zum Katalog  verfasst. Er lässt die Leser wissen, dass Arno Rink das Bindeglied zwischen alter und neuer Leipziger Schule ist. 

Rink war derjenige, der durch sein Schaffen und seine Lehre die junge Generation der Leipziger Studenten wie kein anderer beeinflusste. Er fokussierte  durch sein Eingeschlossensein in der DDR Topoi, die einen kritischen, teilweise auch einen subversiv gemeinten gedanklichen Austausch möglich machten. "Ikarus"  eignete sich als solches Thema und die Antike generell mit ihren Interpretationsmöglichkeiten. 

Allerdings geht es Rink vorrangig nicht um Gesellschaftskritik, das wird in seinen späteren Bildern besonders deutlich, sondern um Schönheit und Verführungskunst, auch um Eitelkeit, Gewalt und Schmerz. 

Rinks Zeichnungen sollen die Konstante in seinem Werk sein. Zeichnen, so Dr. Ulrich Ptak, helfe Rink bei der Klärung kompositorischer Fragen. Es trage aber auch Spuren psychologischer Notwendigkeit. Am eindringlichsten sei Rink dort, wo seine handwerkliche Meisterschaft in freie Improvisation übergeht. 

Textbeiträge von Neo Rauch und Michael Triegel machen die gezeigte Bilderwelt begreifbarer. Dabei hat mir die klare, unverkünstelte Sprache des Malers Neo Rauchs gefallen. So schreibt dieser: "Die Malerei als sicheren Zufluchtsort, als wärmende Heimstatt und als letzten unverdorbenen und noch urbar zu machenden Winkel auf Erden zu empfinden, ist wohl nur denen möglich, die sich diesem Medium gänzlich verschrieben haben, und denen gewiss auch von Geburt an nichts anderes vorgezeichnet war. Die also, für die Malerei nicht ein nach Belieben zu aktivierendes Ausdrucksmittel unter vielen ist, sind in ihren frühen Jahren auf Lehrer wie A.R. angewiesen.“ 

Es sind Gemälde wie die "Italienische Begegnung", 1978, die mich in ihrer Ausdruckskraft ansprechen.  Rinks Aktbilder sollte man aufmerksam studieren. Hier beeindruckt mich die "Große Rückenfigur", 2009/10 sehr, allein der wunderbaren Farbgestaltung wegen. Insgesamt sprechen mich die Bilder neueren Datums mehr an als die Bilder aus Zeiten der DDR. 

Seine "Judith",  2011 finde ich einfach wundervoll, ein grandioses Werk, sowohl der  Linienführung als auch der Farben und der Mixtur aus Antike und Moderne wegen. 

Werke wie etwa "Kleine Versuchung VI", 2014, "Unterm Tuch" 1996 und "Jagd" 2012 dokumentieren, dass der Maler, befreit von der Enge vor 1989, heute weitaus mehr sein inneres Selbst in seinen Bildern offenbart, das dem Verführen und der Schönheit huldigen möchte. 

Arno Rink kommuniziert diese Facette des Lebens aufs Vortrefflichste in seinen Werken, die ihrer 
Farb- und Formgestaltung wegen immer wieder neugierig machen.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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