Dieses Blog durchsuchen

Rezension: Frank Stella- Retrospektive

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Frank Stella- Die Retrospektive seiner Werke 1958-2012", die derzeit im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen ist. Diese Retrospektive wartet mit 62 großformatigen Gemälden, Reliefs, Skulpturen und Modellen aus allen Werkphasen und 30 Skizzen sowie Zeichnungen auf und bietet auf diese Weise einen Überblick über das Gesamtwerk. Des Weiteren wird versucht theoretische Einsichten in die eigentümliche Logik dieser Entwicklung vom Minimalismus zum Maximalismus zu vermitteln, die diesen heute 76 jährigen zu einem der prägendsten Künstler des 20. Jahrhunderts machte. Stella gilt als hochgebildet. Er studierte einst in Princeton neben Kunst auch Kunstgeschichte und dozierte in Harvard.

 Diese Ausstellung soll nicht nur von dem zusammenfassenden Rückblick leben, sondern auch von der zunehmenden Aktualität, die die Arbeiten des Künstlers heute erfahren. Genannt wird seine Beschäftigung mit den Grundfragen der Abstraktion, die Entfaltung der raumbildenden Kraft ungegenständlicher Strukturen, der Ausstieg vom Zweidimensionalen in den Raum und in die Verschränkung von Malerei und Raum, die dabei Grundelemente vorwegnehmen, die für die fraktale und digitale Ästhetik und für die Idee des Virtuellen wichtig ist, (vgl.: S.10).

Neben dem Ausstellungskatalog enthält das Buch u.a. ein Interview, das Claudia Bodin mit dem Künstler geführt hat. Hier fragt Bodin Stella auch, ob dieser glaube, dass Kunst spirituell sei, fragt ihn weiter nach der New Yorker Kunstwelt, von welchen Künstlern er beeinflusst worden sei und vieles andere mehr. Von seinen Arbeiten hält Stella übrigens die Irregular Polygon Paintings am interessantesten, weil es sich um abstrakte Kunst handelt, die mit klarer Geometrie gemacht wurde und dennoch nicht wie normale Geometrie anmutet. Neben dem sehr umfangreichen Interview hat man Gelegenheit sich mit nachstehenden Essays auseinanderzusetzen und auf diese Weise einen guten Überblick über das Werk des Künstlers in seiner ganzen Tiefe zu erhalten.

Gregor Stemmerich – Frank Stella- "what painting wants"
Markus Brüderlein- Frank Stella und das Ornament
Hubertus von Amelunxen- "Ohne Titel"- Frank Stella, an Kleist, in Liebe

Neugierig haben mich die Werke gemacht, in denen sich Frank Stella des Schriftstellers Heinrich von Kleist angenommen hat. Wie von Amexlunxen schreibt, sei das Sujet der Kleist-Serie von Stella dadurch begründet, die Abwesenheit der Liebe zu formulieren und dabei die Form selbst als Liebe zu postulieren, (vgl.: S.132)

Die Werke der Ausstellung sind untergliedert in:
Pre-Black Paintings und Black Painting, 1958-1960
Von der Geburt des Shaped Canvas bis zur Protractor Series, 1960-1971
Der Aufbruch in den Raum, 1971-1979
Die Explosion des Bildes 1983-1997V
Von der Skulptur zur Architektur, 1996-2006
Arabesken im Raum, 2002-2012

Diese imposanten Werke werden von aufschlussreichen Textpassagen begleitet, die die Kunst Stella verständlicher machen. In Zusammenhang mit einem seiner Werke sagt er "ich arbeite mich von den Oberflächen weg, aber ich will doch nicht dreidimensional sein; das bedeutet, völlig buchstäblich,(..) mehr als zwei Dimensionen, aber nicht ganz drei, sodass für mich 2,7 vielleicht ein sehr guter Aufenthaltsort ist." (S.230)

Im Anschluss an den Katalogteil folgen diverse Statements und nicht zuletzt eine mehr als nur beachtliche Auflistung der Ausstellungen dieses Künstlers

 Für Kunstfreunde ein Hochgenuss. Empfehlenswert

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension: Blumenmalerinnen- Porträts besonderer Frauen und ihr Blick auf die Natur von Renate Hücking

"Wir durften in diesem Garten nichts anfassen, doch dadurch bekamen die Pflanzen für uns etwas Geheimnisvolles und Magisches." (Zitat: Fiona Strickland) 

Dr. Renate Hücking ist die Autorin dieses schönen und dabei informativen Bildbandes. Hier porträtiert sie 15 berühmte Malerinnen und gibt Einblicke in deren künstlerisches Schaffen. Die Autorin ist Literaturwissenschaftlerin und eine passionierte Gärtnerin.

Von den insgesamt 15 Blumenmalerinnen, die im Buch zur Sprache gebracht werden, gehören sieben Künstlerinnen bereits der Vergangenheit an. Hinterlassen haben sie Aquarelle, Ölgemälde und Kupferstiche.

Die Pflanzenmalerei soll im 17. Jahrhundert ihre erste Blüte erlebt haben. Seither hat sich der Blick auf die Natur sehr verändert. Heute konzentrieren sich Blumenmalerinnen bewusst auf das Individuelle ihrer Objekte. Weniger wichtig ist das Typische, weil die botanischen Illustratoren von heute keine unbekannten Pflanzen mehr malen.

Das Buch ist in fünf Abschnitte untergliedert. Es handelt sich dabei um folgende: 
Im Blumengarten 
Kunst trifft Wissenschaft 
Für Natur und Umwelt
Schön und nützlich
Exotik und Tropen. 

Thematisiert werden nachstehende Künstlerinnen: Claire Basler, Luzia Simons, Rachel Ruysch, Fiona Strickland, Maria Sibylla Merian, Rachel Pedder-Smith, Regula Dettwiller, Sylvia Peter, Margret Mee, Verena Redmann, Elizabeth Blackwell, Giovanna Garzoni, Beate Sellin, Marianne North und Louise von Panhuys.

 Zu jeder Malerin erfährt man stets, welche Motive sowie welche Technik sie anwendet und erhält einen visuellen Eindruck von der jeweiligen Künstlerin, ihrem Umfeld und ihrem Werk

In dem Atelier der französischen Künstlerin Claire Basler erlebt die Autorin, wie sich üppige Blumenarrangements auf der Leinwand in einen Frühsommergarten verwandeln. Man erfährt vom Werdegang der Malerin und auf welche Weise sie ihre Motive kreiert. Basler lebt in der Auvergne. Die leidenschaftliche Gärtnerin malt hell, luftig und heiter. Ihr Anemonen-Triptychon hat es mir angetan. Es enthält neben den zarten Blumenmotiven, eine Vorstellung von Luft, Wolken und Wind, wie die meisten ihrer hübschen Bilder, die die Sensitivität der Künstlerin vortrefflich spiegeln

Auch über die anderen Malerinnen, deren Umfeld und deren Werke wird man sehr gut aufgeklärt. Angetan bin ich u.a. von der Kunst Fiona Strickland. Sie malt Aquarelle und bevorzugt welkende Blüten als Motiv. Auf ihren Bildern kann man viele winzige Details entdecken. Ihre Farben sind ein Hochgenuss. Glühend mit viel Wärme und Tiefe

Ein Buch über Maria Sibylla Merian habe ich bereits rezensiert. Das Kurzporträt von Renate Hücking ist bestens gelungen. Die Auswahl der Bilder hat mich sehr erfreut. Gut porträtiert. Glückwunsch an die Autorin.

 Beeindruckt haben mich auch die Wiesenblumenbilder von Sylvia Peter. Für diese Malerin ist die Pflanze ein Anlass ein Kunstwerk zu schaffen. Peter mag keine langwierigen Projekte und liebte es eine individuelle Blüte oder ein individuelles Blatt zu malen. Die Ergebnisse beeindrucken.

Ob nun längst verstorbene oder aber noch lebende Blumenmalerinnen, alle haben sie wohl eines gemeinsam: 
eine intensive Liebe zur Natur, der sie auf vielfältige Art in ihren Kunstwerken huldigen.
Empfehlenswert.

Bitte  klicken Sie auf den Button , dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

  

Rezensionen:Kunst und Psyche - Familienbeziehungen

Autor dieses Kunstbuches ist der Psychoanalytiker Tilmann Moser. In dem vorliegenden reich bebilderten Buch "Kunst und Psyche" thematisiert er Familienbeziehungen in der Kunst.

Das Thema Familie begegnet Therapeuten bekanntermaßen oft in ihren Gesprächen, nicht zuletzt, weil die Familie das Leben des Einzelnen erheblich beeinflusst. Aufgrund dieser Gegebenheit haben Bilder mit Familiendarstellung Moser besonders zum Nachdenken und Interpretieren angeregt. Dabei hat er festgestellt, dass Künstler aller Gattungen versucht haben, eigene oder fremde Familien zu ergründen, Deutungen zu geben, sie zu verklären oder im politischen Auftrag zu denunzieren. Familienporträts haben der Selbstdarstellung, der innere Vergewisserung, den gesellschaftlichen Rangkämpfen oder der Stilisierung der Nachwelt gedient. Moser vergisst nicht zu unterstreichen, dass Maler der Moderne alle Facetten der Verstrickungen und Konflikte in Familien zeigen und listet auf: den erdrückenden Vater, desinteressierte Eltern, alleine gelassene Kinder und den inneren Verfall der Großfamilie, (vgl.:S.9

Der Autor versucht anhand der von ihm ausgewählten Familienbilder Einzelaspekte und generelle Themen herauszugreifen, um diese dann exemplarisch zu deuten. Seine Themen sind die Heilige Familie, Paarbeziehungen, Familiendynamik, Eltern und Großeltern und Familien im Elend.

Es führt zu weit auf die einzelnen Themen in der Rezension näher einzugehen, nicht ungesagt aber soll bleiben, dass Maler aller Epochen sich Paardarstellungen gewidmet und sie auf unterschiedlicher Weise interpretiert haben. Nicht wenige Künstler haben die Verliebtheit beleuchtet, Moser erinnert diesbezüglich an Chagall und interpretiert sein Werk vortrefflich.

Mit großem Interesse habe ich auch seine Interpretation von Magrittes "Die Liebenden" gelesen. Auf dem Bild verabsolutiert sich nach seiner Meinung die Blindheit der Verliebten und es gelingt kein Erkennen und Entdecken des anderen mehr. Das Bild "atme" eine Atmosphäre der Vergeblichkeit aus, in der die Suche der Verliebten nach einander zu einer "Komödie der Irrungen" werde. Solche Komödien der Irrungen können zu Hass und Verachtung führen, weil beide in einer "verrückt" machenden Situation stecken. Dies kann sogar den Ausbruch von Psychosen zur Folge haben, den man als verzweifelten Lösungsversuch werten muss, (vgl.: 47)

Sehr lesenswert sind die Mosers Deutungsversuche von Pablo Picassos Gemälde oder auch der "Sonntagsspaziergang" von Otto Dix.

Bildbetrachtungen wie Moser sie anstellt, fügen Kunstbetrachtungen eine Facette hinzu, die uns noch tiefer in die einzelnen Werke eintauchen lassen und uns Erkenntnisse schenken, die über die reinen bildtechnischen hinausragen.

 Empfehlenswert

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.
 

Rezension: Engel: von Dante Gabriel Rossetti bis Paul Klee (Gebundene Ausgabe)

Vor mir liegt ein wunderschönes Kunstbuch, das Ruth Langenberg auf den Weg gebracht hat. Thematisiert werden Engeldarstellungen von Dante Rossetti bis Paul Klee. Den Gemäldeablichtungen sind Engel-Gedichte von Goethe, Heine, Hölderlin, Morgenstern, Rilke, Blake und vielen anderen namhaften Dichtern beigegeben, die die Stimmung, welche von den Bildern ausgeht, subtil unterstreichen.

 Langenberg stellt zunächst Überlegungen zu Engeln in der Kunst und Kultur des 19. Jahrhundert an. Obschon Engel körperlose Wesen sind, hat es Künstler schon immer gereizt, diese zu visualisieren. Erst seit 400 nach Christus wurden sie mit Flügel dargestellt. Zuvor gab man sie als Männer in weißen Gewändern wieder, (vgl.: S.5).

 Im 19. Jahrhundert vermochten Künstler auf eine lange und reiche Tradition bildlicher Engeldarstellungen zurückgreifen allerdings unterschieden sich die geistigen Voraussetzungen für die Darstellungen von jenen der früheren Jahrhunderte maßgeblich. Nun wurden diese Wesen vor dem Hintergrund der Aufklärung in den Bereich des Märchens und der frommen Legenden abgedrängt. Für die bürgerliche Kultur des fokussierten Jahrhunderts sollen die Engel die Sehnsucht nach dem Transzendenten erfüllt haben, ohne dabei an die kirchlichen Dogmen gebunden gewesen zu sein, (vgl.S.6).

Unterrichtet wird man im Vorfeld der Engeldarstellungen über die Engel in der Kunst des Symbolismus und erfährt in diesem Zusammenhang auch Wissenswertes zu den englischen Präraffaeliten, den Vorläufern des Symbolismus. Nicht ausgespart werden die Symbolisten in Frankreich und Belgien und in Europa insgesamt, um schlussendlich parallele Strömungen zum Symbolismus und dessen Wirkungskreis zur Sprache zu bringen.

 Die Engel-Bilder von Runge, C. D. Friedrich, Kaulbach, Manet, Morgan, Stanhope, Stuck, Waterhouse, Ernst, Kandinsky u.a.m. sind ein wirklicher Kunstgenuss. Sie inspirieren die Fantasie, weil sie in Traumwelten entführen. Ich sehe davon ab an dieser Stelle eines der Gedichte wiederzugeben.

Auf Rilkes "Ölbaumgarten" möchte ich hinweisen und auf an Heines "An die Engel". Diese beiden Gedichte finde ich besonders berührend.

 Das Gemälde, das mich im Buch der Farben wegen am meisten fasziniert ist von James Ensor. Es trägt den Titel "Die Zerschmetterung der rebellierenden Engel". Am schönsten finde ich jedoch "Der Morgen der Auferstehung" von Edward Burne-Jones. Die hier gezeigten Engel entsprechen exakt meiner optischen Vorstellung von diesen Wesen.

 Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und 
können das Buch bestellen.

Rezension:Das sieht doch keine Sau...: Große Kunst mit kleinen Fehlern (Gebundene Ausgabe)

"Es irrt der Mensch, solang' er strebt."(Johann Wolfgang von Goethe) 

Thomas R. Hoffmann ist der Autor dieses Buches mit dem etwas eigenwilligen Untertitel, der möglicherweise primär die Leute anspricht, die gerne nach Haaren in der Suppe anderer fahnden und Fehlern ihrer Mitmenschen voller Eifer hinterher hecheln. Ob nicht gerade solche Leute mittels des Buches belehrt werden, ist keineswegs ausgeschlossen. 

 Mit den Fehlern in der Kunst ist das so eine Sache: gerade bei altmeisterlicher Kunst muss man den zeitgeschichtlichen Kontext bedenken. Fast immer malten die Künstler vom Mittelalter bis zum Barock ihre Werke für bestimmte Auftraggeber und insofern wussten sie zumeist, wo ihre Bilder platziert werden sollten. Bei der Gestaltung des Gemäldes konnten sie also den Betrachtungsstandpunkt bewusst mit einbeziehen. Da dies in Museen nicht möglich ist, kommt es zuweilen zur Verzerrung des Dargestellten.

 Neben dieser Erklärung gibt es noch andere, auf die der Autor hinweist, bevor er einige "Kunst-Fehler" anhand von Gemäldeablichtungen gekonnt analysiert und nicht selten klar macht, dass nicht alles so ist, wie es zunächst scheint. 

Zur Sprache gebracht werden Gemälde der Künstler: Lucas Cranach, Paul Cézanne, Peter Paul Rubens, Diego Velázquez, Johann Willhelm Tischbein, Leonardo da Vinci, Joachim Patinir, Bansy, Gentile da Fabriano, Erwin Wurm, Jean-Auguste-Dominique Ingres, Jan Gossaert, Ai Weiei, Parmigianino, Caspar David Friedrich und Joseph Beuys. 

Vor einem der thematisierten Gemälde stand ich schon sehr häufig und zwar immer dann, wenn ich das Städl Museum in Frankfurt besuche. Bei dem Bild handelt es sich um "Goethe in der Campagna" von Johann Wilhelm Tischbein. Mein Blick haftet sich zumeist sofort auf Goethes Gesicht, weil ich immer wieder seine Ausdruck studiere. Noch nie ist es mir in den Sinn gekommen, mein Augenmerk auf seinen Schuh zu lenken oder mir Gedanken über die Mantellänge zu machen. 

Nun, da man mich auf die anatomischen Schwachstellen aufmerksam gemacht hat, will ich nicht hoffen, dass ich beim nächsten Besuch auf Goethes Beine starre und sein schräges Schuhwerk ungehalten beäuge. Wie ich mich kenne, werde ich mich nach einem kurzen neugierigen Check sehr rasch wieder Goethes Gesichtsausdruck zuwenden und mich seiner schönen Hände erfreuen. 

Soll er doch von mir aus zwei linke Schuhe anhaben. Das macht mir Goethe nur noch sympathischer. Den vermeintlich falschen Schuh werde ich letztlich schnell vergessen und die Weite des Gesamtausdrucks genießen. 

 Lernen sollten wir vor allem großzügig zu sein und nicht auf Fehler anderer herumzureiten, sondern nur im Stillen den Betroffenen aufmerksam machen und dabei bedenken, wie viele Fehler wir in unserem täglichen Tun selbst schon begangen haben. Fehler zu machen, ist menschlich, an Fehlern zu scheitern tragisch. Alle die hier vorgestellten Künstler sind nicht gescheitert und dies nenne ich erfreulich. 

 Empfehlenswert

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Birgit Poppe- Frauen und Schokolade- Die wunderbare Welt der weiblichen Genüsse.

Vor mir liegt kein Kochbuch, sondern ein Kunstband, der die Welt weiblicher Genüsse thematisiert. Die Autorin Dr. Birgit Poppe war übrigens  Dozentin für Kunst- und Kulturgeschichte bevor sie als Journalistin zu arbeiten begann. Sie ist also eine Expertin und entsprechend gut sind ihre textlichen Erläuterungen.

Der Titel Frauen und Schokolade besagt nur bedingt etwas über den Inhalt, denn es geht um viele andere Genüsse mehr, die auf  Gemälden und Plakaten  aus  unterschiedlichen Jahrhunderten visualisiert worden sind.

Die Autorin schreibt zunächst über allgemein Wissenswertes im Hinblick auf die weibliche Genussfähigkeit und erwähnt eine Studie aus dem Jahre 2000 des Institutes für Genussforschung, wonach es offensichtlich  geschlechtsspezifische Unterschiede in der Genussfähigkeit gibt. Frauen sollen danach ein stärker und differenzierteres Genussempfinden als Männer haben, (vgl.: S. 8).  Diese Studie zu hinterfragen, ist nicht der Gegenstand dieser Rezension. Thema sind die Bilder und deren Beurteilung. Die Studie zu erwähnen, halte ich allerdings für wichtig.

In der Kunst  wird der weibliche Genuss seit Ende des sechzehnten Jahrhunderts zur Sprache gebracht. Modegetränke wie etwa Kaffee und Tee veränderten den Tagesablauf  der Menschen. Diese neuen Genussgewohnheiten und auch kulinarische Gebräuche, Regeln der Gastfreundschaft, die Etikette und Manieren wurden  aufgegriffen und auf Bildern thematisiert gebracht.

Wie die Autorin hervorhebt, sind die meisten vorgestellten Kunstwerke im Buch Bilder, die Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts gemalt wurden. Als Grund hierfür wird die Tatsache genannt, dass es neben den realistischen Künstlern in erster Linie die Impressionisten waren, die sich mit dem Thema Frauen und deren Genüsse befassten. Neben Gemälden  werden, wie eingangs schon erwähnt, eine Reihe Werbeplakate aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert gezeigt, die dem Betrachter einen Eindruck vom historischen Zeitgeist der Belle Époque vermitteln.

Man lernt  einige Plakate von Alphonse Mucha kennen und zwar im Rahmen von textlichen Betrachtungen über den Kakao.  Ludwig XIV, eindeutig keine Frau, erklärte die Trinkschokolade in Frankreich im 17. Jahrhundert zu seinem Lieblingsgetränk, von da an kam  dieses Genussmittel beim Adel in Mode und wurde im Rokoko auf galanten Bettszenen  ein metaphorisches Accessoire.

Nachdem im ersten Kapitel der weibliche Schokoladengenuss abgehandelt worden ist, lernt man die Frau und ihre Vorliebe für Kaffee in Bild und Text kennen und kann sich zunächst in Renoirs Gemälde „Im Café“ vertiefen.  Über dieses Getränk, das recht bald in ganz Europa als Allheilmittel für Körper und Seele wurde, liest man  Bemerkenswertes, so auch, dass Frauen dem Getränk zunächst skeptisch gegenüberstanden, bevor sie  es beim Kaffeekränzchen goutierten. Nicht unerwähnt bleibt dabei, dass erst seit Ende des 19. Jahrhunderts Frauen öffentliche Cafés besuchen durften.

Als passionierte Kaffeetrinkerinnen entzücken mich natürlich  die diesbezüglich gezeigten Bilder besonders und die dazugehörenden Beschreibungen ebenfalls. Vom Kaffee  geht es dann  zum Tee. Die britische Tee- Kultur hielt der Franzose James Jacques Tissot  in seinem Bild  "Tea Time" fest. Das mich am meisten faszinierende Gemälde, das im Buch teetrinkende Frauen zeigt, stammt von Emile Alfred Dezauny. Es trägt den Titel "Teestunde, um 1900".

Beschwingte, beschwipste und trinkende Frauen  werden im Folgekapitel vorgestellt. Hier gefallen mir die Jugendstil-Plakate Muchas für Moet@ Chandon am besten.  Der Genuss von Frauen nimmt aber beim Champagner und Co. noch kein Ende. Man erfährt  u.a. wie französische Damen beispielsweise das Frühstück einst genossen haben und sieht auf einem Himmelbett, das Frederick Childe Hassam malte, eine solche Frau genussvoll auf das entsprechende Tablett blicken. Des Weiteren werden Damen an einen schön gedeckten Tisch und beim Picknick im Grünen thematisiert. Die hier ausgewählten Bilder treffen meinen Geschmack besonders. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle Lawton S. Parkers "Tee im Grünen" und Igor Larinows "Mittagessen im Sonnenschein".

Der Reigen wird vollendet durch die Damen im Café und in Restaurants und jene beim Nippen und Naschen sowie die Schönen, die am liebsten still genießen.

Die Autorin hat übrigens viele gute Zitate zu dem Thema in das Buch eingebunden, die zum Teil tiefe Wahrheiten beinhalten. Stellvertretend für alle, möchte ich zum Ende der Rezension nachstehende Sentenz zitieren: "Die beste Methode, das Leben angenehm zu verbringen, ist, guten Kaffee zu trinken. Und wenn man Keinen  haben kann, so soll man versuchen, so heiter und gelassen zu sein, als hätte man einen guten Kaffee getrunken."
Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Kenneth Powell: Gewagte Konstruktionen- Die großen Baumeister

Kenneth Powell hat mit „Gewagte Konstruktionen“ ein höchst interessantes Buch vorgelegt, das sich mit den großen Baumeistern aus vielen Jahrhunderten auseinandersetzt. Wie er in der Einleitung sogleich unterstreicht, waren die großen Baumeister der Geschichte Pioniere und Visionäre. Schon in frühen Zeiten der Zivilisation zählte das Bauen zu den elementaren Tätigkeiten der Menschen und so wurden bereits 9000 v.Chr. von unseren Vorfahren die ersten Gebäude errichtet.

Baumeister wie Giotto oder Brunelleschi bezeichneten sich als Künstler, denn das Bauen galt einst als Kunst. Wie sich diese Kunst seit den Zeiten der Pioniere des Bauens bis in unsere Tage entwickelt hat, wird spannend beschrieben. 

Das Buch stellt rund 40 Baumeister und deren Werke vor. Diese sind insgesamt vier Kapiteln zugeordnet. Dabei handelt es sich um nachstehende:

Pioniere des Bauens 
Das Zeitalter des Eisens 
Beton und Stahl 
Neue Visionen 

Über jeden der vorgestellten Baumeister und dessen Schaffen erhält man einen sehr guten Überblick. Anhand von Bildern lernt man deren herausragenden Werke kennen. 

Das Buch muss man übrigens  nicht zwingend chronologisch lesen, sondern kann sich   immer wieder mit einem speziellen Architekten befassen. Dabei sollte man allerdings nicht vergessen, die allgemeinen Erläuterungen, die zu Anfang eines jeden Kapitels positioniert wurden, sich im Vorfeld zu Gemüte zu führen. Nur so begreift man die Zusammenhänge wirklich.

Es führt zu weit im Rahmen der Rezension auf einzelne Künstler näher einzugehen. Wen soll man hier hervorheben?  Filippo Brunelleschi (1377-1446) und dessen Konzept des modularen Bauens? Oder soll es eher der innovative Konstrukteur von Gusseisenbrücken Thomas Telford (1757-1834) sein? Oder, oder oder? Alle großen Baumeister waren Genies. Keiner verdient eine Sonderbehandlung.

Antonio Gaudi (1852-1926), ein Architekturhandwerker mit unverwechselbarer Handschrift, fasziniert mich sehr. Doch darf ich ihn deshalb über alle anderen Künstler stellen? Wohl eher nicht. 

1951 wurde der universelle Konstrukteur Santiago Calatrava geboren. Sich mit ihm zu befassen, ist sich kein Fehler. Anlässlich der Weltausstellung schuf er die Alamillo-Brücke samt Cartuja-Viadukt in Sevilla (1987-1992), die als Ausdruck einer Poesie der Bewegung in Bauwerken betrachtet werden kann. 

Ein Dichter der Architektur. Großartig.

Ein wirklich empfehlenswertes Buch.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension: David Drebin- Beautiful Disasters (Gebundene Ausgabe)

Dieser Fotoband zeigt Werke des Künstlers David Drebin. Wie man einem Textbeitrag im Buch entnehmen kann, vereinen die Arbeiten dieses Fotografen auf besondere Art voyeuristische und psychologische Sichtweisen. Ich stimme dem Kommentator zu, dass die Bilder episch, dramatisch und vor allem cineastisch sind. 

 Es gelingt Drebin aufgrund der freien Kombination unterschiedlicher Themen übrigens viel Spannung und Tiefe zugleich ins Bild zu bringen. Die Lichteffekte auf den Fotos bei Nacht sind sehr stimmungsvoll. Melancholie klingt immer mit.

 Zusammengearbeitet hat der Meisterfotograf mit Megastars aus der Mode, aus dem Sportbereich und der Unterhaltungsbranche und hat in Metropolen wie Paris, New York, Istanbul, Brüssel und anderen Städten seine Werke ausgestellt. 

Der Prachtband beinhaltet traumhafte Panoramabilder von Großstädten und Fotos sehr attraktiver, hocherotischer Frauen. Den Schwerpunkt beim Frauenkörper legt dieser Fotograf nicht auf den Busen, sondern auf die stets sehr langen, schlanken Beine. High Heels scheinen für seine Modelle ein Muss zu sein. Seine Traumfrauen haben erfreulich edle Gesichter und wirken alle ein wenig unnahbar. Es sind Göttinnen, wie man sie im wirklichen Leben nur selten antrifft. Diese Damen kann man nicht kaufen, sondern sich ausschließlich nach ihnen sehnen. Der männliche Betrachter darf also hoffen, dass eine der Damen ihm am Bosporus, in Berlin, Paris, New York oder anderenorts begegnet. Dabei bleibt es dann aber auch:-))

Sehr schöne Fotos, beeindruckend. Bitte klicken Sie auf den Button und können das Buch bestellen.
 

Rezension:Nomad: Two Worlds (Gebundene Ausgabe)

Dieser Prachtbildband von Russell James wartet mit einer Fülle beeindruckender Aufnahmen dieses weltberühmten Fotografen auf. Indigine Künstler aus Australien, Nordamerika und Haiti haben von Hand die Fotos ihre eigenen Interpretationen oder auch "Geschichten" beigegeben. Auf diese Weise ist eine faszinierende Sammlung zeitgenössischer Fotografien mit traditionelleren Gattungen, wie Malerei, Perlenstickerei, Textilkunst und Bildhauerei entstanden.

Das Vorwort hat Hugh Hackmann verfasst. Er und Personen wie Heidi Klum, Sir Richard Brandson, Black Eyed Peas, Adriana Lima, Miranda Kerr u.a. mehr haben sich für das Gemeinschaftsprojekt von Russell James ablichten lassen. Beabsichtigt wird den etablierten Blick auf alte und bedrohte Kulturen infrage zu stellen. Das Projekt möchte aber zudem Dialog- und Bildungsplattform sein.

Als beispielhaftes Geschäftsmodell gepriesen, fördert Nomad Two Worlds wirtschaftliche Entwicklung durch künstlerische Zusammenarbeit, wie im Text zum Ausdruck gebracht wird.

Zunächst sieht man eine schöne Frau, mit blonder langer Mähne unter Wasser, die man mit der schaumgeborenen Aphrodite assoziiert. Dann folgen Fotos, einer Frau, die aufgrund ihres archaisch wilden Aussehens, die Fantasie beflügelt.

Es werden Bilder gezeigt, die an die frühe Menschheitsgeschichte erinnern. Feuer, Wasser, Erde spielen hier eine Rolle. Dann sieht man Momentaufnahmen von Aborigines, hat Gelegenheit Füße dieser Ureinwohner Australiens zu bestaunen, dann in loderndes Feuer zu blicken, um schließlich in den Augen eines alten Aborigine, die Ewigkeit zu erahnen.

 Russel James, der auf einigen Momentaufnahmen zu sehen ist, hat eine beeindruckende Ausstrahlung. Dass Bill Clinton ihn freundschaftlich in den Arm nimmt, kann ich gut nachvollziehen. Dieser Fotograf wirkt wie das leibhaftige Gute. Man fühlt, dass er sein Können aus der Mitte seiner selbst hervorbringt. Deshalb auch sind die Werke so beeindruckend. Seine Kunst kommt spürbar aus seiner Seele.

Besonders faszinierend sind die Fotos mit den subtilen Ornamenten, die mich an urzeitliche Kunst erinnern. Hier finde ich das Bild auf dem Cover sehr inspirierend. Ich assoziiere es mit Lilith, der ungeliebten Frau Adams, der einst Flügel geschenkt wurden, als Adam sich Eva zu wandte. Seither hat die widerspenstige Schöne viel gesehen mit ihren uralten Augen, die mich an jene von betagten Aborigines denken lassen.

 Jedes der Bilder erzählt eine Geschichte. Es sind Geschichten, die sich an unsere Seele richten. Das wird beim Anblick dieser Kunst sofort spürbar. Dieser Bildband korrespondiert  mit dem Grundgedanken von Beethovens 9. Symphonie. Einfach wundervoll.

 Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.
   

Rezension:Malende Dichter: Mit einem Nachwort von John Updike (Gebundene Ausgabe)

Autor dieses bemerkenswerten, reich bebilderten Kunstbuches ist der Amerikaner Donald Friedmann. Das Nachwort hat der amerikanische Schriftsteller John Updike verfasst. 

Vorgestellt werden zweihundertzwanzig Kunstwerke von einhundertdreizehn Künstlern der neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts. Es handelt sich bei diesen Künstlern um Schriftsteller, die zu den Klassikern, Romantikern, Präraphaeliten, Symbolisten, Modernisten, Dadaisten, Surrealisten und zur Beat Generation zählen. Einige dieser Schriftsteller haben festgehalten, dass es zwischen Schreiben und Zeichnen bzw. Malen keinen nennenswerten Unterschied gäbe. 

So meinte Jean Cocteau, dass das Zeichnen nur eine andere Art und Weise sei, die Linien zu tippen. Interessant, dass das griechische Wort "graphos" sowohl etwas Geschriebenes als auch etwas Gezeichnetes oder Gemaltes bedeutet. Fernando del Paso lässt den Leser wissen, dass seine frühesten Zeichnungen entstanden sind als er das Alphabet erlernt hat und dieses niederschrieb. Dabei hat er die Buchstaben als Zeichnungen begriffen. Friedmann weist darauf hin, dass es Künstler gibt, die überall in ihren Bildern und Skulpturen Wortformen verarbeiten. Der Autor hebt hervor, dass sich Zeichnen, Malen und Formen konkret abbilden und Teil der Sinneswahrnehmung ist. Schreiben hingegen stellt einen abstrakten Prozess dar. 

 Man erfährt, weshalb wir in Texten und Gedichten stets nach Bildern suchen und auch wieso die Eigenart des gemalten Bild oft die des in Worten beschriebenen übersteigt. Friedmann meint, dass, sofern man das bewegte Leben der großen Mehrheit der hier anthologisierten Schriftsteller bedenkt, deren kreativer Drang zur bildenden Kunst sich wohl am besten als ein Versuch der Traumbewältigung erklären lässt. Interessant zu wissen, dass es eine Beziehung zwischen emotionalen Wunden und Kreativität gibt und dieser Zusammenhang in den letzten Jahren im Rahmen viele psychologischer Studien untersucht worden ist. 

Offenbar sind Malen und Schreiben Mittel, mit deren Hilfe verletzte Seelen an ihre Schuldgefühle, Wut, Sehnsucht, Verzweiflung und an andere Gefühle herangehen und auch dem Schmerz einen Sinn abringen. Durch die Kunst vermögen Künstler ihren Schmerz einzumauern, damit er nicht weiter wuchert und ihnen die Kraft nimmt. Friedmann nennt Gedichte und Zeichnungen eine Perlmuttschicht, die die eingekapselte Erinnerung überzieht. Die malenden Dichter sind im Buch alphabethisch geordnet. 

In den jeweiligen Texten erfährt man Wissenswertes über die einzelnen Künstler und lernt anhand von teilweise sehr eindrucksvollen Bildern die Werke kennen. Unter den Künstlern befindet sich William Blake, der Dichtung und Malerei zu einer visionären kollektiven Ausdrucksform verband, auch André Breton und so viele andere mehr. Goethe, dessen Leben nach eigenen Worten durch das Bildliche bestimmt war, wurde nicht vergessen. Leider ist es unmöglich auf die Werke all der genannten Künstler hier einzugehen. Der Schriftsteller und Künstler John Updike hat ein sehr gutes Nachwort geschrieben, das man nicht zu lesen verabsäumen sollte. 

 Ein gelungenes Buch, das ich gerne empfehle.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.