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Rezension: Inspiration Matisse- Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Inspiration Matisse", die vom 27. September 2019 bis 19. Januar 2020 in der Kunsthalle Mannheim gezeigt wird. 

Die Kuratoren Peter Kropmanns und Ulrike Lorenz haben das Vorwort verfasst, dem eine Vielzahl von Essays unterschiedlicher Autoren folgt, die für die Bilderschau die aufklärende Basis liefern, 
Henri Matisse  mit einer großen Ausstellung zu würdigen. Dabei wird einerseits seine Entwicklung vom Frühwerk bis zur progressiven Position des vierten Rückenakts 1930 vor Augen geführt, zudem wird der historische Kontext verfolgt, indem die Kunst von Matisse in Deutschland prägend wurde.

Die monografisch beginnende und  so auch endende Ausstellung ist ausgezeichnet durch drei konzentrische Erweiterungen. Die erste ist den französischen Künstlerfreunden gewidmet. Sie haben während der Zeit des Fauvismus von Matisse Impulse empfangen, wohl auch an ihn weitergegeben. Die zweite beleuchtet die deutsche Avantgarde der Brücke und der "Neuen Künstlervereinigung" in München. Diese war die Keimzelle des "Blauen Reiters". Der dritte Exkurs präsentiert bedeutende deutsche Künstler, die in den Jahren 1908-1910 als Schülerinnen und Schüler der "Académie Matisse"  in Paris in enger Tuchfühlung zur Theorie und Praxis des Franzosen standen. 

Die Essays beginnen mit einer Betrachtung der frühen Jahre des Künstlers und werden fortgesetzt mit der Erfahrung des Fauvismus und der Erprobung der Mittel. Bilder und auch Skulpturen werden gezeigt, nicht nur von Matisse. Auffallend ist die Farbähnlichkeit bei Matisse und Maurice de Vlaminck auf zwei gezeigten Gemälden mit unterschiedlichen Motiven und diese Farbverwandtschaft setzt sich auf Bildern anderer Maler, so auch bei André Derain fort. Hintergründe dazu kann man in einem Essay nachlesen. 

Holzschnitte werden präsentiert, bevor man in Essays noch mehr über den Künstler und sein Werk in Erfahrung bringen kann, nicht zuletzt über die deutschen Expressionisten und Matisse. 

Unmöglich im Rahmen der Rezension auf die umfangreichen Essays inhaltlich näher einzugehen, lohnenswert sind die Texte allemal. Unglaublich beeindruckend auch sind die Aktaufnahmen, so etwa von August Macke oder George Braque, auch von Max Pechstein und natürlich von  Henri Matisse. 

Die Betrachtung von allem, die Stillleben…. beeindruckend. Doch überwältigend sind die Gemälde von Hans Purrmann, die er im Süden Frankreichs gemalt hat. Diese Farben! Eine Hommage an das Licht dort.  

Das Buch hat viel zu bieten, klärt auch über den Bildhauer Matisse und über anderes mehr auf.

Die Vita des Künstlers ist zum Schluss chronologisch aufgelistet. Hier auch kann man weitere Künstlerviten in Kurzform lesen und zwar von Künstlern, die in der Ausstellung gezeigt werden. Unter diesen Hans Purrmann, der Mitbegründer der Académie Matisse war.

Mit Herausgeber- und Autorenviten endet das wunderbare Werk dann schließlich, das ich sehr gerne weiterempfehle. 

Helga König

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Rezension: Making van Gogh- Herausgeber: Alexander Eiling und Felix Krämer- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung- "Making van Gogh- Geschichte einer deutschen Liebe", die vom 23. Oktober 2019 bis zum 16. Februar 2020 im Städel Museum in Frankfurt /Main gezeigt wird.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Entstehung des "Mythos van Gogh" um 1900 und des Weiteren die Bedeutung seiner Kunst für die Moderne in Deutschland. Dabei ist die Ausstellung mit 50 zentralen Arbeiten van Goghs die umfangreichste Präsentation mit Werken dieses Künstlers in Deutschland seit rund 20 Jahren.

Thematisiert werden die spezielle Rolle, die Galeristen, Museen, Privatsammler und Kunstkritiker in Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts, für die die posthume Rezeption van Goghs als "Vater der Moderne" bedeutsam war.

Etwa 15 Jahre nach seinem Ableben wurde der niederländische Künstler hierzulande als Vorreiter der modernen Malerei  schon wahrgenommen und so wurden denn auch sehr bald  bereits seine Werke gesammelt. Zugleich begannen deutsche Künstler und Künstlerinnen sich intensiv mit seinen Werken zu befassen. Insbesondere wurden van Goghs Malerei zum Vorbild und zur speziellen Inspirationsquelle, ohne die die Entstehung der Moderne in Deutschland undenkbar wäre.

Das Vorwort des Katalogs hat Philipp Demandt verfasst. Er ist Direktor des Städel Museums, der hier bereits auf die erhellenden Essays im Buch hinweist. Diese stammen von Heike Biedermann, Alexander Eiling, Alina Happ, Anna Huber, Joachim Kaak, Stefan Koldehoff, Felix Krämer, Iris Schmeiser, Elena Schroll und Philipp von Wehrden,  sind wirklich sehr lesenswert und unumgänglich zum  tieferen Verständnis  von "Making van Gogh".

Die Ausstellung erzählt in drei großen Kapiteln von der Entstehung und Wirkung des "Mythos van Gogh" in Deutschland. Bei diesen Kapiteln handelt es sich um

 1. Mythos
 2.Wirkung
 3. Malweise

Dazu erfährt man im vorliegenden Werk sehr viel Wissenswertes. Zu sehen und im Katalog abgebildet sind neben 50 beeindruckenden Werken van Goghs 70 Werke deutscher Künstler, die von van Gogh inspiriert wurden. Unter diesen Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Alexej von Jawlensky, Paula Modersohn-Becker, Gabriele Münther, Peter August Böckstiegel, Theo von Brockhusen, Heinrich Nauer und Elsa Tischner von Durandt.

Es führt zu weit, an dieser Stelle auf die Essays näher einzugehen. Erhellend und dabei spannend zu lesen sind sie allemal.

Es ist übrigens eine spezielle Maltechnik, die zu van Goghs Markenzeichen wurde und die den größten Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen in Deutschland hatte. Dabei handelt es sich um einen lebendigen Pinselduktus und einen pastosen Farbauftrag. Kurz gesetzte und unverbundene Pinselstriche überziehen hierbei die Bildfläche. Dadurch wird das Motiv von einem übergeordneten Rhythmus gewissermaßen durchpulst. Hierbei tritt die stoffbeschreibende Funktion der Malerei gegenüber dem Malvorgang in den Hintergrund.

Gemälde dieser Art von van Gogh, aber auch von anderen Malern werden gezeigt, so auch ein sehr beeindruckendes, sonnendurchflutetes Gemälde von Theodor von Brockhusen mit dem Titel "Sommerlandschaft bei Kaiserswaldau". Wie man erfährt, war die Sonne für van Gogh ein lebenspendendes, hoffnungsvolles Symbol, das ihm in schweren Zeiten Zuversicht schenkte. Im Gegensatz zu ihm interpretierten zahlreiche Vertreter des deutschen Expressionismus die Sonne als als apokalyptisches Zeichen einer sich anbahnenden Katastrophe. 

Alles in allem ein gelungener Katalog zu einer Ausstellung, die ich mit großem Interesse besucht und deshalb mit noch größerer Freunde nun den Katalog dazu rezensiert habe. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Rembrandt. Sämtliche Gemälde -Volker Manuth, Marieke de Winkel, Rudie van Leeuwen-TASCHEN

Dieser Prachtband aus dem Hause #TASCHEN mit dem Titel "#Rembrandt" ist ein Werk der Autoren: Dr. Volker Manuth, Dr. Marieke de Winkel und Dr. Rudie van Leuwwen. Er wurde anlässlich des 350. Todestages  des Künstlers auf den Weg gebracht und präsentiert 330 Gemälde Rembrandts.

Dr. Volker Manuth studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Klassische Archäologie in Kiel, Bonn und Berlin und lehrt seit 1995 an verschiedenen Universitäten Kunstgeschichte, derzeit in Nimwegen/Niederlande. 

Dr. Marieke de Winkel studierte Kunstgeschichte und Klassische Archäologie in Amsterdam und Kunstgeschichte in London und Dr. Rudie van Leuwwen studierte Kunstgeschichte in Nimwegen. Gemeinsam mit Volker Manuth war er Initiator und Mitarbeiter des Rembrandt Documents Project.

Wie man eingangs bereits erfährt, besteht Rembrandts umfangreiches Oevre aus Gemälden, Zeichnungen und Radierungen. Im vorliegenden Werk werden  seine Gemälde fokussiert. Dabei macht der Umfang des Buches eine Beschränkung in der Länge der Katalogeinträge erforderlich. Sie liefern nicht selten eine Synthese des Forschungsgegenstandes zu den Gemälden, wobei der Schwerpunkt nicht auf der Zuschreibungsproblematik liegt. Der Leser bekommt aufgrund der Auswahl der relevanten Literatur die Chance, mehr Informationen zu erhalten und weitere Forschungsmeinungen über die Werke zu konsultieren. Auf ausführliche Angaben zur Herkunft der Gemälde ist aus Platzgründen verzichtet worden. 

Untergliedert ist das Werk in die Kapitel:  
Rembrandts Anfänge in Leiden 1606-1631 
Amsterdam 1631-1639 
Illusionismus und Neuorientierung 1640-1651 
Rembrandts Spätwerk 1652-1669 
Katalog der Gemälde 
Anmerkungen, Konkordanz, Literaturverzeichnis, Register

Jedes Kapitel enthält eine Fülle großformatiger Bilder, manchmal aufklappbar, die im Katalog der Gemälde ausführlich beschrieben worden sind. Dazu kommen Texte, die sich sehr detailreich mit seiner Biografie befassen. 

Zunächst wird Rembrandts familiärer Hintergrund beleuchtet. Hier erfährt man, dass er aus einer Familie von wohlhabenden Malzmüllern stammt und das zweitjüngste von zehn Kindern war. Er war der Erste in der Familie, der eine Uni besuchen konnte und wurde im Mai 1620 in Leiden eingeschrieben. Allerdings durchkreuzte er die Pläne seiner Eltern und entschied sich eine Lehre als Maler zu absolvieren. Seine Wahl fiel auf Jacob Isaacsz van Swanenburg. Bei ihm lernte er die material- und maltechnischen Grundbegriffe des Metiers kennen. 

Von größerer Bedeutung für Rembrandts Weiterentwicklung war seine Zeit bei Pieter Lastmann, sein zweiter Lehrmeister, ein Historienmaler. Historische Gemälde, über die man Näheres erfährt, sind die frühesten erhaltenen Werke Rembrandts. 

In Leiden gründete Rembrandt Mitte 1620 eine eigene Werkstatt. Dort unterrichtete er bald auch Schüler. Man liest, dass er in jener Zeit sich auf eine neue Art des Gemäldes spezialisiert hatte: den Charakterkopf. Diese sind selten kleinformatige Bilder und wurden "Tronie" genannt. Auch über seine frühen Selbstporträts wird man unterrichtet und kann entsprechende Bilder bewundern. Eine Reihe von Gemälden aus jener Zeit mit kirchlichen Motiven werden gezeigt. Sehr berührend ist das Gemälde "Der Prophet Jeremia trauert über die Zerstörung von Jerusalem", das großformatig vorgestellt wird. Neugierig machen "Das Gleichnis vom reichen Toren" und seine vielen Selbstporträts. Hier will man mehr wissen und erhält die Chance im Buch, sich  kundig zu machen.

Im zweiten Abschnitt werden die Jahre zwischen 1631- 1639 in Amsterdam fokussiert. Das war Rembrandts fruchtbarste Schaffensperiode. Zu dieser Zeit begann er das Helldunkel in den Dienst sachlicher Gegebenheiten zu stellen und reduziert bestimmte themenverdeutlichende Bildelemente. Seinen künstlerischen Erfolgen entsprach seine glückliche persönliche Situation. 1634 heiratete er die wohlhabende Saskia van Uylenburg. In jener Zeit  hatte der Maler große materielle Einnahmen. Doch es kam wegen seiner Haushaltsführung und finanziellen Fehlgriffen zu einer stetig wachsenden Verschuldung. Als seine Frau 1642 verstarb, gab es eine Zäsur in seiner Biografie. 

Es war nämlich zugleich das Jahr, als seine "Nachtwache" entstand, die einen Stilwandel bedeutete. Es geht um die Verlagerung der äußerlichen Aktivitäten in die innerliche Gespanntheit eines Geschehens oder einer Einzelfigur. Dies ist das dritte Kapitel, mit der Überschrift "Illusionismus und Neuorientierung". Beeindruckende Gemälde, auch Landschaftsbilder gibt es in dieser Periode zu bewundern, auch Bildausschnitte, die die Fähigkeiten dieses Künstler unterstreichen. Sehr schön sind die Selbstporträts und überaus beeindruckend das Gemälde "Lesende alte Frau. Prophetin Hanna".

Man liest über berühmte Vorbilder Rembrandts, genannt werden Albrecht Dürer und Lucas van Leyden und kann sich erneut in Bilderwelten vertiefen, die Seite für Seite staunen machen. Natürlich kommt auch Rembrandts Spätwerk 1652-1669 zur Sprache und in diesem Zusammenhang seine immer herber werdenden finanziellen Schwierigkeiten. Spontan fällt einem dabei Mozart ein.

Bedeutende Aufträge erhielt der Künstler bis zuletzt. So entstand 1653 das Werk "Aristoteles mit der Büste Homers". Rembrandt starb mit 63 Jahren, malte aber bis zu seinem Lebensende, wie unvollendete Werke verdeutlichen. 

Die Erläuterungen zum Katalog der Gemälde in der Folge  ist untergliedert in:

Altes Testament 
Neues Testament 
Religiöse Einzelfiguren 
Mythologie 
Antike Geschichte und Einzelfiguren 
Allegorien 
Ungedeutete Historie 
Tierstücke und Stillleben 
Landschaften 
Selbstporträts 
Männliche Einzelporträts
Weibliche Einzelporträts 
Pendantporträts 
Gruppenporträts 
Männliche Einzelfiguren und Tronies 
Weibliche Einzelfiguren und Tronies

Es lohnt, sich hier immer wieder über einzelne Werke zu informieren. 

Das Literaturverzeichnung zum Schluss verdeutlicht nochmals, welcher Arbeitsaufwand nötig war um das kolossale Werk zu realisieren. Ein Jahrhundertbuch. Großartig. Chapeau! 

Maximal empfehlenswert

Helga König

Maße: 36,2 x 8,8 x 42,4 cm

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Rembrandt. Sämtliche Gemälde


Rezension: TURNER- Das Meer und die Alpen- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "TURNER- Das Meer und die Alpen", die vom 06.07. - 13.10.2019 im Kunstmuseum Luzern gezeigt wird. 

J.M.W. Turner besuchte Luzern zwischen 1802 und 1844 fünf Mal, um die Landschaft dort in einigen seiner berühmtesten Werke festzuhalten. "TURNER- Das Meer und die Alpen", ist die erste Zusammenarbeit zwischen dem Kunstmuseum Luzern und der Tate Britain und als solches das Ergebnis einer mehr als dreijährigen kuratorischen und organisatorischen Kooperation.

Die Ausstellung ist die bedeutendste Präsentation von Turners Werk in der Schweiz seit mehr als einer Generation. Sie richtet ihr Augenmerk nicht nur auf die Werke von den Alpen und deren besonderen Umweltbedingungen, sondern auch auf Bilder von Meereslandschaften, Städten, Wetterlagen des gesamten Kontinents. 

Das Buch enthält die Ablichtungen der Bilder der Ausstellung und begleitende Essays unterschiedlicher Autoren. Dabei geht es unter anderem um die Dynamik des Erhabenen bei Turner oder um den meteorologischen Realismus in Turners Werk. Zudem kann man sich in Anmerkungen zu Turners Modernität vertiefen. 

Nicht unerwähnt möchte ich den sehr lesenswerten Essay von Cees Nooteboom lassen, der sich zu " J.M. W. Turner und die Schweizer Alpen"  hingebungsvoll  und  dabei  sehr fachkundig ausbreitet. 

Eine Karte zu Turners Reisewegen ist in diesem Buch auch eingebunden. Seine Touren wurden teilweise von Gönnern finanziert, erfährt man. Dass das Reisen in jener Zeit beschwerlich war, lässt sich denken und dass die gesundheitliche Verfassung geplante Reisen mitunter auch verhinderte, soll nicht unerwähnt bleiben. 

Beeindruckend sind Turners Aquarelle, die in der Schweiz entstanden sind und hier die Bilder von der Rigi, der Königin der Berge, die Turner in verschiedenen Farben und Lichtstimmungen malte. 

Ein gelungener Katalog. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König 

Onlinebestellung bitte hier klicken: Hirmer oder AmazonTurner - Das Meer und die Alpen

Rezension: Gold- Sebastiao Salgado- TASCHEN

Dieser überaus bemerkenswerte Bildband zeigt Schwarz-Weißaufnahmen des Fotografen #Sebastiao_Salgado, der 1973 seine berufliche Karriere als Fotograf in Paris begann und anschließend für die Fotoagenturen #Sygma, #Gamma und #Magnum_Photos arbeitete. Er ist Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2019.

1994 gründete er mit seiner Frau Lélia Wanick Salgado gemeinsam die Agentur #Amazonas_images, die sein Werk exklusiv vertritt. Sie studierte Architektur und Stadtplanung in Paris und entdeckte 1970 ihr Interesse für Fotografie und konzipiert sowie gestaltet seit den 1980er Jahren die Mehrzahl der Fotobände ihres Mannes. Zudem organisiert sie alle Ausstellungen seines Werkes. 

Das Ehepaar und #Alan_Riding haben gemeinsam den beeindruckenden Bildband realisiert. Alan Riding, der für die Texte im Buch zuständig ist, ist ein in Brasilien geborener Schriftsteller und ehemaliger Auslandskorrespondent der New York Times. Er leitete diverse Auslandsbüros dieser Zeitung, hat zudem als Kunstkorrespondent in Europa gearbeitet und schreibt heute primär für das Theater. 

Worum geht es in diesem Buch? Nach meiner Betrachtung um eine grandiose Visualisierung der #Gier des Menschen, exemplarisch festgehalten durch die Gier nach #Gold. 

#Serra_Pelada war zehn Jahre hindurch die größte Goldmine der Welt und galt als neues El Dorado. Dort arbeiteten circa 50.000 Goldgräber unter entsetzlichen Bedingungen. Wie Salgado schreibt, war er bei seinem ersten Besuch sprachlos, von dem, was er dort wahrnahm. Die verzehrende Leidenschaft, schnell reich zu werden, war die gleiche wie bei den Goldsuchern in früheren Jahren.

Man hatte 1979 in Serra Pelada Gold in einem Fluss entdeckt. Innerhalb weniger Wochen soll der Goldrausch dann begonnen haben. Wie das vonstattenging, wird im Buch sehr gut beschrieben.

Durch das Einschränken der Pressefreiheit durch die brasilianische Militärregierung, erhielt Saldago erst 1986 die Erlaubnis, dort hin zu reisen und konnte ermitteln, dass die Menschen an diesem Ort  die ungleiche brasilianische Sozialstruktur spiegelte. Dabei erledigten die Tagelöhner den härtesten Job. Sie mussten die Erde der zugewiesenen Parzellen abtragen und die 40 Kilo schweren Säcke über steile Abhänge, entlang schmaler Pfade und am Ende der Leitern empor nach oben tragen. Selbst während der Regenzeit war der Hunger nach Gold größer als die Angst das eigene Leben zu verlieren. 

Nicht wenige verloren alles, weil sie glaubten,  noch reicher werden zu können und deshalb ihre Gewinne in weitere Parzellen und neue Mannschaften von Tagelöhnern investierten. 

Heute ist Serra Pelada wieder eine arme Region. Nur ein 200 Meter tiefer See ist geblieben und eine Landschaft voller Narben. 

Die unglaublich beeindruckenden Fotos dokumentieren den ganzen Wahnsinn, zeigen Mühe, Aggression, Erschöpfung, ein Gewimmel von Menschen mit Hacken, Schaufeln und Leitern, eine Hölle, die der menschlichen Gier geschuldet war. 

Ziel des Fotografen war nicht mit den Bildern Schlagzeilen zu machen, sondern sie in ein langfristig angelegtes Fotoprojekt zu integrieren. Die unter dem Titel Workers: An Archeology of The Industrial Age (Arbeiter: Zur Archäologie des Industriezeitalters) publiziert und ausgestellt werden sollte.

In einem Nachtrag erfährt man, weshalb der Fotograf Schwarz-Weißaufnahmen wählte. Hier liest man u.a., dass die erschöpften Gesichter der Minenarbeiter deutlicher visualisiert werden konnten, aber auch die muskulösen Arme und Beine und ihre feuchten, schmutzigen Kleider.  Zudem setzt  in den Panoramabildern der riesigen Mine, so Alan Riding, Schwarz-Weiß Lichtpunkte, die jeden einzelnen Arbeiter erkennen lassen, der mit einem Sack voll Erde die Leiter hochsteigt. 

Dies ist ein grandioser Bildband mit einfühlsamen Texten in englischer, französischer  und deutscher Sprache. 

Maximal empfehlenswert.

Helga König

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Sebastião Salgado. Gold

Rezension: #Joana_Maxima_Vasconcelos- #Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "#Joana_Maximal_Vasconcelos", die noch bis zum zum 4. August 2019 im Max Ernst Museum Brühl gezeigt wird. Es handelt sich dabei um die erste Einzelausstellung in einem deutschen Museum der namhaften portugiesischen Künstlerin Joana Vasconcelos (*1971). 

Ihre Affinität Max Ernst gegenüber begann bereits während der Schulzeit. Was sie schon sehr früh am Surrealismus beeindruckte, war die Ironie und Komik in den Werken, das Überraschende und Unerwartete. In ihren Worten: "Aus Alltagsgegenständen entstehen wundersame und merkwürdige Kreaturen, die Wirklichkeit erfährt eine Wandlung."

Für Joana Vasconcelos ist das Wichtigste und Entscheidende am Surrealismus, das Bestreben, in der Kunst das Unbewusste bewusst zu machen, die in ein und demselben Raum vorfindbaren und erfahrbaren Dimensionen zu erweitern. 

Nach Ansicht der Künstlerin ist dies in unserer digitalen Wirklichkeit von immer stärkerer Bedeutung, nicht zuletzt, weil man dort erkenne, dass wir als Individuen jeder für sich ein kluges geordnetes Ganzes bilden.

Da der Surrealismus die Psychoanalyse als ein Instrument nutzte, um gegen die Zwänge des rationalen Denkens aufzubegehren und neue Sichtweisen zu ermöglichen, wurde den Künstlern und dem Publikum hierdurch der Weg einer Entwicklung zu freieren und bewussteren Menschen gewiesen.

In ihren zumeist monumentalen Arbeiten verwendet Joana Vasconcelos Alltagsgegenstände. Diese verbindet sie zu einer surrealistischen Objektkunst neuer Generation. 

In der Werkschau werden Objekte und Installationen aus den letzten 20 Jahren präsentiert, die einen Einblick in die ungewöhnliche Arbeitsweise  der portugiesischen Künstlerin vermitteln. Zu sehen gibt es beispielsweise eine #Großplastik, genannt "Ostfriesland", eine riesige Teekanne mit schmiedeeisernen Ornamenten, in deren Nähe duftender Jasmin gepflanzt wurde und so für ein sinnliches Erlebnis sorgt. 

Dann gibt es da auch die Installation "#Carmen_Miranda", ein riesiger aus 300 Edelstahl-Töpfen und Deckeln zusammengesetzter Stöckelschuh, der für Aufsehen sorgt oder z. B. Häkelarbeiten, die in meinen Augen die Sinnlosigkeit eines solchen Tuns gelangweilter Frauen mit Schoßhund dokumentieren. 

In den Werken der Künstlerin spielen Textile, Materialien, Garne, Stoffe und Gewebe eine zentrale Rolle. Aus diesen formt sie ihre überdimensionalen Raumgebilde oder verwandelt mit ihrer Hilfe Alltagsgegenstände, Einrichtungsstücke, Geräte, Keramiken und Figuren in kunstvolle unwirkliche Gestalten. 

Indem sie textile Stoffe und damit verbundene Techniken als Ausdrucksmittel wählt, die dem Handwerk oder Kunstgewerbe zugeordnet sind, überführt sie diese in Kunst. Durch die Strategien der Entfremdung und Umfunktionierung rückt sie die Werke in die Nähe von surrealen Künstlern. 

Ein beeindruckender Kunstband, die Werke einer interessanten portugiesischen Künstlerin zeigt. 

Sehr empfehlenswert

Helga König

Im Fachhandel erhältlich

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Joana Vasconcelos: Maximal

Rezension:Warhol on Basquiat. An Iconic Relationship in Andy Warhol's Words and Pictures.-TASCHEN

Der Herausgeber dieses Werkes Michael Dayton Hermann erwarb einen Master of Fine Arts am Hunter College in New York, wo er bei dem Konzeptkünstler Robert Morris Kunsttheorie studierte. Außer seinem Schaffen als multidisziplinärer Künstler ist er seit 2005 auch Lizenzmanager bei der Andy Warhol Foundation, für die er wichtige renommierte Projekte wie die Kollaborationen mit Calvin Klein, Dior, Comme des Garçons, Supreme, Absolut und Perrier entwickelte. Für TASCHEN hat er die Bücher Andy Warhol: Polaroids 1958–1987 und Andy Warhol: Seven Illustrated Books 1952–1959 konzipiert.

Die Sammlung: Seit ihrer Gründung gemäß dem Willen des Künstlers im Jahr 1987 hat sich die Andy Warhol Foundation unter den führenden Förderern zeitgenössischer Kunst in den Vereinigten Staaten etabliert und über 200 Millionen Dollar in Form von Stipendien vergeben, die die Produktion, Präsentation und Dokumentation zeitgenössischer - 1 (Warhol on Basquiat. The Iconic Relationship Told in Andy Warhol’s Words and Pictures) - bildender Kunst unterstützen, besonders solcher Werke, die als experimentell, verkannt oder abseits der Norm gelten. Dies kontinuierliche Bemühen der Stiftung, das kreative Erbe des Gründers zu schützen und zu fördern, stellt sicher, dass der erfinderische und unkonventionelle Geist Warhols auch für die kommenden Generationen einen tief greifenden Einfluss auf die bildende Kunst haben wird.

Zum Buch: 

Die Kunstwelt war von #Andy_Warhols und #Jean_Michel_Basquiats vielschichtiger Beziehung stets fasziniert. 

In Tagen, in denen Warhol schon als der Übervater des #Pop und zudem der Altmeister der New Yorker Kunstszene galt, war Basquiat ein Shootingstar der #Graffiti_Szene von Downtown. Gemeinsam bildeten sie ein elektrifizierendes persönliches und künstlerisches Team.

Der akribische Dokumentar Andy Warhol hat seine Freundschaft mit Basquiat in Fotos ausgiebig festgehalten und über sie geschrieben, jeweils vor der Kulisse der 1980er-Jahre in New York. 

Man wird im vorliegenden Werk nicht nur mit der emotionalen Tiefe der Beziehung der beiden vertraut gemacht, sondern auch mit deren Zweideutigkeit, Vielschichtigkeit und dem Extremen in ihr. 

Dieser in Zusammenarbeit mit der Andy Warhol Foundation und den Nachlassverwaltern von Jean Michel Basquiat entstandene Band spürt der komplexen persönlichen und künstlerischen Beziehung des Duos nach. Das geschieht mittels einer großen Anzahl von bislang unveröffentlichten Fotos, die Basquiat ebenso zeigen wie ein variierendes Set von Persönlichkeiten von #Madonna bis #Grace_Jones und von #Keith_Haring bis #Fela_Kuti. 

Die Fotos werden begleitet von Einträgen aus den legendären #Andy_Warhol_Diaries, ausgewählten Gemeinschaftswerken der beiden Künstler als auch vielfältigen Ephemera. 

Berührend, persönlich und mitunter sarkastisch, bietet Warhol on Basquiat einen voyeuristischen Einblick in das Leben dieser beiden Stars der modernen Kunst.

Sehr empfehlenswert

Helga König

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Warhol on Basquiat. An Iconic Relationship in Andy Warhol's Words and Pictures.

Rezension: J.M.W.Turner- Wolken- Das Skizzenbuch "Skies"

In vergangenen Zeiten waren Skizzenbücher auf Reisen ein unverzichtbares Accessoire der künstlerischen Praxis und stets griffbereit, wenn es darum ging, einen flüchtigen Eindruck festzuhalten. 

Der britische Künstler J.M.W.Turner (1775- 1851)  zeichnete sein ganzes Leben hindurch und malte Himmel, Wolken und Wetter. Seine anhaltende Konzentration auf den Himmel, die in seinem Skizzenbuch zum Ausdruck kommt, spiegelt vermutlich die eigentümlichen Wetterbedingungen der  damaligen Zeit wider. Diese hingen u.a. mit einem Vulkanausbruch im Jahre 1815 im heutigen Indonesien zusammen. Damals wurde eine gewaltige Staub- und Gaswolke in die Atmosphäre geschleudert und verdunkelte nahezu drei Jahre den Himmel, bzw. es entwickelte sich ein bedrohlich wirkender Schein unter dem Licht von Mond und Sonne. In der Folge kam es zu Missernten, Hungersnöten, Cholera und Typhus. Millionen von Menschen starben aufgrund dessen. In zahlreichen Ländern brachen Unruhen und Aufstände aus, die eine apokalyptische Endzeitstimmung erzeugten. 

1816 war das "Jahr ohne Sommer". Überall war das Wetter extrem schlecht. So war Turner gezwungen in England zu bleiben und malte eine Vielzahl von Aquarellen, die den Himmel unterschiedlich wiedergaben. 

Turners Skizzenbuch "Skies" führt den Betrachter in  jene Zeit und lässt den Betrachter erahnen, was die Menschen damals  wirklich umtrieb als er, der hochbegabte Aquarellmaler, mit sensitivem Gespür die Wolkenformationen beeindruckend skizzierte.

Den gezeigten Werken  geht eine  Einführung des Turner-Spezialisten David Blayney  Brown voraus, die für zum Verständnis  des Skizzenbuch überaus zweckdienlich ist.

Sehr empfehlenswert 

 Helga König

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J.M.W. Turner - Wolken: Das Skizzenbuch "Skies"

Rezension: Goethe. Verwandlung der Welt - Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland-Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die vom 17. Mai bis zum 15. September 2019 in der #Bundeskunsthalle in #Bonn gezeigt wird.

Nach einem Vorwort von #Hellmut_Seemann (Klassik Stiftung Weimar und #Rein_Wolfs (Bundeskunsthalle) hat man Gelegenheit seitens #Thorsten_Valk einen sehr eloquenten Essay zur Konzeption der Ausstellung zu lesen. 

Goethe sei während der vergangenen hundert Jahre vielfach aus einem epochengeschichtlichen Kontext herausgelöst und zu einem Vorbild stilisiert worden. Die Ausstellung und damit auch der vorliegende Katalog brechen mit dieser Tradition. Stattdessen erlebt man nun eine Form von Annäherung. Diese bringt den Aktualisierungsanspruch und das historische Bewusstsein in ein ausgewogenes Verhältnis. Das geschieht dadurch, dass drei verschiedene Ebenen der Vermittlung konsequent zusammengeführt worden sind.

Thorsten Valk nennt: 

1. Die Rekonstruktion kulturhistorischer, gesellschaftspolitischer und sozialgeschichtlicher Zusammenhänge im späten 18. wie frühen 19. Jahrhundert 
2. Die Reflektion einer mehr als 200- jährigen #Goethe- Rezeption, in deren wechselvoller Geschichte sich das Bild des Dichters immer wieder verändert hat. 
3. Die ästhetisch-hermeneutische orientierte Auseinandersetzung mit Goethes Werken vor dem Horizont unserer gegenwärtigen Lebensrealität. 

Nach Auffassung des Essayisten ermöglicht allein das Zusammenspiel dieser drei Ebenen, Beziehungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart herzustellen, mithin dialogische Konstellationen zu stiften und sich dem weltverwandelnden Potential der Kunst zu öffnen. 

Den  zahllosen Ausstellungsobjekten, die in den 10 Kapiteln des Buches zu bewundern sind, wurden zehn Essays unterschiedlicher Verfasser beigegeben. So werden bereits im ersten Kapitel Goethes Frankfurter Kindheit und seine frühen Bildungserlebnisse im Elternhaus Am Hirschgraben beleuchtet, zugleich aber auch die Entwicklung des Gebäudes zu einem kulturellen Erinnerungsort als auch dessen Zerstörung am 22. März 1944 sowie die kontroversen Debatten um einen originalgetreuen Wiederaufbau fokussiert. 

Das zweite Kapitel ist dem Briefroman "Die Leiden des jungen Werther" gewidmet. Hier geht es u.a. darum, dass dieses Buch zumeist jugendlichen Lesern und Leserinnen als identifikatorische Lektüre galt. Das Verhältnis der Geschlechter und auch Werthers Freitod kommen zur Sprache. Ein Exkurs ist dem Werther-Porzellan gewidmet, denn die Meißener Porzellan-Manufaktur befasste sich schon sehr früh Goethes Werther. 

Im dritten Kapitel geht es um Goethes anderthalbjährige Italienreise, reflektiert wird aber auch deren Bedeutung für die kollektive #Italiensehnsucht der Deutschen im 19. und 20 Jahrhundert. Darüber hinaus geht es noch um das von Goethe geschaffene Italienbild als Inspirationsquelle für Künstler wie Cy Thombly und Barbara Klemm.

Im vierten Kapitel steht die #Französische_Revolution im Fokus und das unter ihrem Eindruck entwickelte Kunstprogramm des #Weimarer_Klassizismus. Klassizistische Architektur in Zeiten der Revolution kommt ebenso zur Sprache wie das berühmte Weimarer #Rietschel_Denkmal, das Goethe und Schiller als "Klassiker" zeigen. 

Weiter geht es mit #Goethes_Farbenlehre und deren internationale Rezeption. Auch die Farbenlehre am #Bauhaus wird thematisiert und die Lichtkunst der Gegenwart. 

Zu den Texten kann man sich immer wieder in eine  bewundernswerte Fülle von Objekten vertiefen, so auch in einen handschriftlichen Text Goethes, der den Titel trägt "Freunde flieht die dunkle Kammer" und in die berühmte "#Temperamentenrose" von 1799. Einige tolle Farbbetrachtungen des Bauhauskünstler Johannes_Itten, auch ein Blatt aus der "Bildnerischen_Gestaltungslehre" von #Paul _Klee sind dabei. 

Die Kunst der #Romantik, auch die Dialoge mit dem #Orient sind Themen der #Ausstellung. Im achten Kapitel dann werden zahlreiche Plakate zu deutschen und ausländischen #Faust_Inszenierungen im 20. und 21. Jahrhundert gezeigt. Auf diese Weise soll vermittelt werden, dass im Wandel der Zeiten und im Wechsel der Gesellschaftssysteme immer wieder neue Perspektiven auf Goethes Drama entwickelt wurden und man neue Sinnschichten freizulegen beanspruchte. 

Das Haus am #Frauenplan wird im 9. Kapitel dann in Augenschein genommen. Hier erfährt man Wissenswertes zu Goethes Sammlungen und seinem Arbeitszimmer. 

Ziel der für die Ausstellung ist zentrale Begriff der "#Verwandlung" zunächst auf jene unabschließbaren Deutungsmetamorphosen, die Goethes Leben und Werk in ihrer 200 jährigen Rezeptionsgeschichte durchlaufen haben. Der Begriff charakterisiert aber auch jene historische Epoche, vor deren Horizont die Biografie des Weimarer Dichters zu betrachten ist.

Die Ausstellung überdenkt auch die "Verwandlung" der Welt im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert und die große "Verwandlung" der Welt, die Goethe zu seinen Lebzeiten nicht nur kritisch beobachtete, sondern auch reflektierte, korrespondierend mit der "Verwandlung", die Goethe als Schriftsteller vollzog.

Das großartige Werk macht neugierig auf die Ausstellung in Bonn. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König .

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Goethe: Verwandlung der Welt

Rezension: Freydal- Medieval Games- Das Turnierbuch Kaiser Maximilians I.- Stefan Kraus- TASCHEN

Dieser üppig illustrierte Prachtband mit Texten in englischer, deutscher und französischer Sprache ist eine unvergleichlich reiche, bis vor Kurzem allerdings nur begrenzt zugänglicher Bildquelle zu ritterlichen Spielen z. Z. Maximilians I. und erscheint anlässlich seines 500. Todestages erstmals als Nachdruck.

Bei dem sogenannten #Freydal, der zwischen 1512 und 1515 entstand, handelt es sich um das #Turnierbuch des deutschen Kaisers, das heute in Wien verwahrt wird und 255 gold- und silbergehöhte Miniaturen Maximilians bei Ritterspielen zeigt. 

Hier bricht der Kaiser eine Lanze, stößt Gegner vom Pferd, stürzt hin und wieder selbst, tanzt auf Kostümfesten, die nach Kämpfen stattfanden. 

#Freydal ist das größte erhaltene Turnierbuch des späten Mittelalters und Teil des Weltdokumentenerbes der #UNESCO. 

Bislang waren nur wenige der Miniaturen in Farbe verfügbar, doch nun ist diese kostbare Handschrift, die im Original in den Tresorschränken des Kunsthistorischen Museums in Wien liegt, erstmals für die Öffentlichkeit vollständig zugänglich. 

Das Turnier entstand im späten 11. Jahrhundert im Norden Frankreichs. Zunächst war es ein rein militärisches Training für die damals neu etablierte Waffenart der Lanze (bzw. des Reiterspießes). Dabei bestand das Problem beim Kampf mit der Lanze in der Koordination der mit dieser Waffe ausgestatteten Reiter. 

#Turniere waren der ideale Rahmen, um ritterliche Tapferkeit und Geschicklichkeit zur Schau zu stellen. So wurde das Turnier zum Schlüsselmoment des ritterlich- höfischen Lebens. Entstanden ist es mehr oder weniger mit der Ausformung des Rittertums. 

Grundlegend für das ritterliche Selbstverständnis sei ein #Tugendsystem gewesen, liest man in einem Essay, dass dem Bildteil vorangeht. Dieses System war geprägt von #Treue, #Ehre, #Tapferkeit, und der #Minne, dem höfischen Frauendienst. Es war dieser #Wertkodex, der die gesamte Hofgesellschaft, von Fürsten bis zum niederen Adel, von den Damen bis zur Geistlichkeit verband. Dabei war das Turnier die große Bühne des Rittertums. Sie fanden im Hoch- und Spätmittelalter an Reichstagen, Krönungen und Hochzeiten statt. 

Kaiser Maximilian I. (1459- 1519) gilt als einer der bedeutendsten Herrscher der europäischen Geschichte, der von Jugend an Turniere miterlebte. Er gilt als Erneuerer, ja sogar als Erfinder des Turniers in Deutschland und ließ nicht zuletzt in Büchern wie #Freydal (1512-1515) sein eigenes Leben in Form höfischer Heldenromane und Minnereden nacherzählen. Wissen muss man: #Maximilian ist der Held #Freydal und #Freydal ist #Maximilian. 

Freydal ist also eine Heldengeschichte und bildet den ersten Teil eines zweibändigen Buchprojektes, in welchem die Anbahnung der Hochzeit Maximilians I. mit Maria von Burgund nacherzählt wird. Darüber aber auch über den 2. Band mit dem Titel "#Theuerdank" kann man sich textlich im vorliegenden Werk genauer informieren. 

Der #Freydal soll ein anschauliches Beispiel für den Aufwand sein, den der Kaiser mit seinem Gedächtniswerk betrieb. Dabei sind in diesem Werk Realität und Fiktion auf vielschichtige Weise miteinander verbunden. 

In der Darstellung der Ausrüstung und des Ablaufes der Kämpfe sei das Werk aber bis ins kleinste Detail historisch akkurat. Von anderen Turnierbüchern unterscheidet es sich durch die große Anzahl von spektakulären Stürzen.  

Alle gezeigten Bilder werden näher beschrieben und so kann man sich immer mehr in diese Turnierfeste vertiefen und wird mit Begriffen vertraut, die man möglicherweise zuvor noch nie gehört hat. So liest man von einem Fußkampf mit #Glefen. Das sind Stangenwaffen mit der Klinge in Form eines Messers mit konvexer Schneide und kann in einer Miniatur genau sehen, was die beiden Kämpfer damit anstellten. 

Zwischendurch dann werden immer wieder Tanzszenen gezeigt- zur Erholung quasi- dann erlebt man beispielsweise einen Fußkampf mit #Dreschflegel und freut sich, dass die Ritter in Rüstungen stecken und sie vor allem ihre Helme am Kopf schützen. 

Um die Gunst der Damen zu erlangen, werden "#Moriskentänze" getanzt, bei denen seitens der Höflinge komplizierte Sprünge und Körperdrehungen auszuführen waren…Auch eine Form von Gymnastik....:-)) 

Unmöglich all die Kampfgerätschaften aufzuzählen. Männer und ihre Geschichte. Woher kommen sie mental eigentlich? Wohin bewegen sie sich? …

...und dann doch immer wieder #Mummereien, das waren Feste, bei denen die Teilnehmer durch Verkleidungen in bestimmte Rollen schlüpften und tanzten. Wunderschöne Kostüme lassen erahnen wie festlich es dabei zuging. Die meisten gezeigten Mummereien finden in Innenräumen statt, eine allerdings in einem Garten. Hier ziehen die Tänzer an der erhöhten Zuschauertribüne vorbei.

Natürlich lernt man die Gegner #Freydals alle mit Namen kennen. Alles, was damals im Adel Rang und Namen hatte, ist aufgezeichnet und den ein oder anderen darf man, von Maximilian auf den Boden gestreckt, bemitleiden. 

Irgendwann dann gelangt der Leser und Bildbetrachter zu einer #Mummerei, die Höflinge in osmanisch inspirierten Kostümen zeigt. Diese Miniatur gilt als eine der prachtvollsten des Buches. Ist es wohl auch. 

Um sich in die Zeit einzufühlen, ist es empfehlenswert, beim Betrachten der Bilder höfische Musik aus der Zeit zu hören, sich Bild für Bild nicht nur mit den Motiven und den Texten zu befassen, sondern auch mit den Farben. Sie spiegeln das Lebensgefühl bei Hofe damals vielschichtig wider und erinnern indirekt an Maria von Burgund.

Im Glossar zum Schluss kann man sich wesentlicher Begriffe, die im Zusammenhang mit den Turnieren eine Rolle spielen, vergegenwärtigen und weiß dann auch wie der Helmschmuck eines Turnierritters hieß. 

Kurzum : Das Buch ist ein Schatz ganz besonderer Art. 

Maximal empfehlenswert 

Helga König

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Freydal. Medieval Games. The Book of Tournaments of Emperor Maximilian I