Dieses Blog durchsuchen

Rezension: Revue - Eugenio Recuenco

Dieser traumhafte Bildband enthält geradezu sagenhafte Fotos des international bekannten Werbe- und Modefotografen Eugenio Recuenco. Es ist wohl wahr, die abgelichteten Motive wirken wie aus einer anderen Welt. Die mittels Handarbeit inszenierten Kulissen und subtilen Verweise auf die Kunst- und Filmgeschichte sind wahrlich beeindruckend. Wie Dr. M. Harder zu Beginn der imposanten Bilderschau bekundet, sind die Werke dieses begnadeten Foto-Künstlers multifunktional. Dies bedeutet, man glaubt mehrere Ansichten gleichzeitig zu haben. Es entsteht das Phänomen, dass wir unseren Augen nicht wirklich zu trauen glauben können und unser Geist nur sehr schwierig die Realitätsschnippsel und illusionistischen Größenverschiebungen sinnvoll zu einem Gesamtbild zusammensetzen kann.

Dieser Künstler inszeniert die Situationen, die Kleidung und die Menschen wie ein Märchen, schreibt Dr. Harder und zwar auf mehreren Ebenen, sowohl räumlich als auch zeitlich. Man begegnet einer Fülle von paradoxen Stimmungsbildern. Offenbar hat der Künstler die Absicht, Parallelwirklichkeiten entstehen zu lassen. Dies auch gelingt ihm immer wieder spielerisch. Die Bilder funktionieren diesseits und jenseits der Mode- und Produktwelt. Dabei bleiben sie voller Anspielungen und Symbolik.

Ich stimme Dr. Harder zu, dass der Künstler Eleganz, Kreativität und Bildwitz vereint, gepaart mit der Fähigkeit, seine Modelle von diesem tagtraumhaften Spiel zu überzeugen und sie schlussendlich perfekt zu inszenieren. Im Buch zusammengefasst sind exzentrische Visionen, die viele Filme im Kopf in Gang setzen.

Die Bilderwelten sind bestimmten Themen zugeordnet. Wunderschön, aber wie schon gesagt andersweltig. Nicht selten wie in einem Traum und von daher kaum schilderbar. Irgendwann erblickt man eine halbnackte Frau, aus deren Körper blühende rote Rosen wachsen. Man kann dies natürlich aus anders interpretieren und sagen, die Schöne sei von Rosen durchbohrt. Einige Seiten danach nimmt man ein sich duellierendes Paar wahr. Es schneit. Die Szene scheint schon Jahrhunderte zurück zu liegen, wie die Kleidung vermuten lässt. Was stelle ich mir vor? Der Mann unterstellt seiner Ehefrau, einen Liebhaber gehabt zu haben. Die beiden streiten und es endet im Duell. Man braucht die Geschichte nicht zu Ende denken, weil immer andere Bilder etwas Neues berichten. Befremdliche Assoziationsketten. Man erinnert sich bei einem der Bilder zugleich an ein Motiv Magritte und von Chagall, lässt stets aufs Neue bizarre Motive auf sich einwirken, erlaubt sich das Gesehene in Geschichten weiterzuspinnen und fragt sich, wieso plötzlich ein Dritter sich im Badezimmer von Marat zu schaffen macht, während Charlotte Corday ihn gerade unbeobachtet erdolchen möchte. Es ist der Geschichtsschreiber, der durch die Jahrhunderte geistert, seit die Menschen des Schreibens mächtig sind. Der Chronist, der meint, die Realität zu sehen, nicht ahnend wie vielschichtig sie tatsächlich ist.

Für diese prachtvolle, bizarre Bilderwelt von Eugenio Recuenco bin ich dankbar. Sie inspiriert meine Fantasie und zwingt mich Geschichten vor und zurückzudenken und im Moment zu verharren. Was hier gezeigt wird, ist Schönheit in ihrer reinsten Form und vielleicht deshalb auch nur als Traum wahrnehmbar. Schönheit braucht diesen Schleier, um sich besonders attraktiv und geheimnisvoll zu präsentieren.

 Überaus empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Kunst & Textil. Stoff als Idee und Material in der Moderne von Klimt bis heute (Gebundene Ausgabe)

"Die Trennung von Kopf und Hand schadet letztlich dem Kopf." (Richard Sennett, 2008)

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Kunst& Textil", die  noch bis zum 2. März 2014 in Bielefeld im Kunstmuseum gezeigt wird. Der Untertitel lautet "Stoff als Material und Idee in der Moderne von Klimt bis heute". Damit wird das breit angelegte Thema etwas eingegrenzt.

Das reich bebilderte Buch enthält eine Fülle von Texten, darunter auch zahlreiche eloquente Essays unterschiedlicher Autoren, die die Ausstellungsgegenstände dem Leser näher bringen.

Rund 170 Exponate von über 80 Künstlern umfasst Ausstellung. Dort sind Werke folgender Künstler zu sehen: Magdalena Abakanowicz • Nevin Aladag • Anni Albers • Ghada Amer • El Anatsui • Burak Arikan • Gertrud Arndt • Joseph Beuys • Pierrette Bloch • Alighiero e Boetti • Pierre Bonnard • Louise Bourgeois • Louis Cane • Philippe de Champaigne • Edgar Degas • Sonia Delaunay-Terk • Birgit Dieker • Frauke Eigen • Noa Eshkol • Friederike Feldmann • Lucio Fontana • Mariano Fortuny • Imi Giese • Domenico Gnoli • Vincent van Gogh • Sonia Gomes • Sebastian Hammwöhner • Mona Hatoum • Olaf Holzapfel • Pieter Hugo • Johannes Itte • Sergej Jensen • Mike Kelley • Bharti Kher • Anselm Kiefer • Kimsooja • Paul Klee • Gustav Klimt • Imi Knoebel • Peter Kogler • Yayoi Kusama • Liz Larner • Max Liebermann • Man Ray • Piero Manzoni • Brice Marden • Agnes Martin • Henri Matisse • Claude Mellan • Mario Merz • Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich • Piet Mondrian • François Morellet • Robert Morris • William Morris • Koloman Moser • Blinky Palermo • Janet Passehl • Michelangelo Pistoletto • Sigmar Polke • Jackson Pollock • Jessica Rankin • Robert Rauschenberg • Gerhard Richter • Jens Risch • Christian Rohlfs • Reiner Ruthenbeck • Robert Ryman • Fred Sandback • Viviane Sassen • Chiharu Shiota • Yinka Shonibare • Katharina Sieverding • Pierre Soulages • Sophie Taeuber-Arp • Dorothea Tanning • Lenore Tawney • Joaquín Torres-García • Rosemarie Trockel • Heinrich Wilhelm Trübner • Félix Vallotton • Henry van de Velde • Édouard Vuillard • Andy Warhol • Pae White • Wol

Nach Vorstellung des Architekten Gottfried Semper sind alle künstlerischen Formen und Symbole zurückzuführen auf die Anfänge textiler Kunst. Das bedeutet, im Dekorieren von Fassaden spiegelt sich beispielsweise das Bekleiden des Körpers wieder. Semper meinte also, dass in der Aneignung textiler Techniken die "Urverwandtschaft der Kunstformen" begründet sei. Mittels dieser habe sich der Mensch vom Urzustand in die Zivilisation erhoben.

Das Besondere an der Ausstellung ist neben der historischen Reichweite vom mittelalterlichen Gobelin bis hin zur Gegenwartskunst ihre Multimedialität, ihre Transkulturalität und ihre Interdisziplinarität. Man begegnet nicht nur Kunstwerken, die aus dem Material "Stoff" gearbeitet sind, sondern gleichwohl Gemälden, die Stoffe abbilden. Auch Videoarbeiten befassen sich mit Stoffen oder zeigen Netze, die sich fortwährend wandeln. Vorgestellt werden Kunstwerke, die aus Wolle und Seide kreiert worden sind, allerdings etwas anderes abbilden, gezeigt wird auch abstrakte Ölmalerei, die in ihrer Oberflächenstruktur auf feine Faltenwürfe Antworten gibt und es wird noch viel mehr präsentiert. Unmöglich dies alles hier zu erwähnen.

Die Ausstellung muss man als komplexes Gespinst mit tausend Fäden begreifen, das nach dem Prinzip des vernetzten Sehens und Denkens funktioniert, (S.45).

Man hat Gelegenheit sich ausgiebig mit der Mythologie und Ästhetik des Textilen zu befassen und liest Wissenswertes zur sozialen und spirituellen Bedeutung von Textilen. Es folgen eine Reihe bemerkenswerter Aufsätze, nicht zuletzt ein erhellender Aufsatz über textile Bildräume in der Antike und Neuzeit, bevor man mit den Exponaten der Ausstellung vertraut gemacht wird.

Das Buch hat mich enorm sensibilisiert im Hinblick auf die künstlerische Bedeutung von Textilien. Interessant übrigens auch das Glossar, in dem alte Textil-Techniken definiert werden. Dadurch begreift man handwerklich besser, was man in der Ausstellung nahe gebracht bekommt.

 Ein gelungener Katalog. Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension: Alfred Seiland. Imperium Romanum Opus Extractum (Gebundene Ausgabe)

Dieser Fotobildband zeigt Werke des Fotografen Alfred Seiland. Er besuchte alle wichtigen antiken Stätten am Mittelmeer, aber auch nördlich der Alpen, um diese kunstvoll abzulichten. Es handelt sich bei diesen Orten um solche, an denen die römische Herrschaft und das Imperium Romanum Geschichte schrieben. Alfred Seiler verdeutlicht in seinen fotografischen Bildnissen, was die Zeit und der moderne Mensch aus der Antike gemacht haben, was er übrig gelassen hat und wie er im Hier und Jetzt damit lebt.

Wie Marcus Trier in seinem Essay "Alfred Seilands Imperium Romanum –Archäologie und Fotografie" so treffend schreibt, spiegeln sich in den Fotografien gelegentlich erheiternde, nicht selten auch nachdenklich, mitunter beklemmende Situationen wider, die von Veränderung, Überprägung und Zerstörung am historischen Erbe Roms zeugen.

Im Vorfeld zu den Abbildungen liest man, dass Seilands OEuvre "Imperium Romanum" in einer langen Tradition steht, deren Beginn weit vor die Erfindung der Fotografie im Jahr 1839 zurückreicht. Im Laufe des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl der Reisenden in die Länder um das Mittelmeer stark an. Es reisten in erster Linie gebildete Individualreisende, unter ihnen viele Archäologen, Altertumskundler, Kunsthistoriker, Schriftsteller und Künstler. In der zweiten Hälfte dann wurde das Reisen kommerzialisiert und institutionalisiert. Schon früh wurde die enge Verbindung zwischen der Fotografie einerseits und der Archäologie und Antike andererseits erkannt.

Über die Entwicklung der Fotografie wird man gut aufgeklärt und hier auch über die fotografischen Technik. Frühen Künstlerfotografen folgten Berufslichtbildner. Im gewissen Sinne erinnern die Bilder Alfred Seilands an frühe Landschaftsfotografien. Seiland führt den Besucher rund ums Mittelmeer und nicht nur dorthin. Dabei erinnert seine Motivsuche mitunter an Ausgrabungen. Es ist wohl wahr, die Beschäftigung mit den Bildern schenkt dem Betrachter ein komplexes weit über den dokumentarischen Wert hinausreichendes OEvre. Dieses basiert auf unterschiedlichen Ebenen, in denen sich Zeit, Wirklichkeit und Schein ergänzen.

Die einzelnen Abbildungen sind alle in deutscher und englischer Sprache näher erläutert und wirken irgendwie surreal, teilweise so als ob man Orte im Traum sieht. Diesen Eindruck hatte ich besonders als ich ein Foto in Augenschein nahm, das den Berg Nemrut in der Türkei zeigt mit all diesen monumentalen Sitzfiguren und den durch ein Erdbeben abgefallenen Köpfen. Vollkommen andersweltig.

Tolle Bilder, auch eines vom Dionysos-Mosaik im Römisch-Germanischen Museum in Köln und ein weiteres von Milet, wo einst der Philosoph Thales zu bemerkenswerten Denkergebnissen kam.

 Sehr empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button  dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Art deco (Gebundene Ausgabe)

Dieser Prachtband mit edlem Silberschnitt von Norbert Wolf befasst sich vielschichtig mit den kunstwissenschaftlichen Bedingungen und den geistesgeschichtlichen und kulturpolitischen Voraussetzungen des Art déco. Das reich bebilderte Werk ist in acht große Abschnitte untergliedert. Um einen ersten Überblick zu bieten, nenne ich diese zunächst in der Folge:

Die geschönte Moderne?
Die 1920er und 1930er Jahre-Politik und Kultur
Art déco- Die Anfänge
Künstlerische Parallelwelten
Art déco Stationen des Erfolgs
Malerei und Skulptur des Art déco
Kategorien des Art déco

Gleich zu Beginn wird ein Plakat gezeigt, das in den 1930er Jahren für Aufsehen sorgte. Es handelt sich hierbei um Adlphe Jean-Marie Mourons (Künstlername Cassandre) "Normandie". Der dargestellte Koloss , der ganze Stolz der französischen Passagierschifffahrt, ist ein Ausdruck des damaligen "French Style" der gehobenen Kreise. Dort feierte das Luxusgewerbe gerade Triumphe.

Man lernt die Ikonen des Art déco kennen und hier auch die mondänen Damen, die in noblen Interieurs "flanierten, dinierten und flirteten". Sie wirkten wie Luxusgeschöpfe aus Hochglanzjournalen, modisch und ästhetisch, aber unantastbar.

Deutlich wird in diesem Werk, dass man der Morphologie des Art déco nur dann gerecht werden kann, wenn die Haltung zum Dekorativen nicht nur auf den Hang zu sekundären Accessoires beschränkt bleibt, sondern als fundamentale Haltung begriffen wird. Nicht unerwähnt bleibt, dass die gesellschaftliche Einbettung des Art déco in hohem Maße diskussionswürdig ist. Die Gründe hierfür werden im Buch gut erörtert.

Sehr spannend zu lesen sind die politischen Hintergründe und es wundert nicht, dass in diesem Zusammenhang auch "Die sieben Todsünden" von Otto Dix gezeigt werden. Dass in Deutschland zu jener Zeit das international renommierte Bauhaus schließen musste und Professoren als auch Studenten emigrierten, zeigt, dass in den banausischen Kunstvorstellungen der Nazís für Ästhetik kein Platz war.

Viel historisches Hintergrundwissen wird geboten, auch zur Tänzerin Anita Berber, die von Otto Dix auf der Leinwand festgehalten wurde. Die Faszination der Technik in jener Zeit ist ein Thema, die sich auch in Bilder niederschlug, so etwa in Carl Grossbergs "Der gelbe Kessel" oder auch in A.M. Cassandres "Pathé" und in Rudolf Dischingers "Grammophon".

Über Lifestyle und die neue Frau in jenen Tagen liest man Wissenswertes und hat Gelegenheit einen Eindruck von deren Outfit zu gewinnen. Greta Garbo, die man auf einem Foto bewundern kann, ist nach meiner Ansicht eine würdige Vertreterin des Art déco. Die Anfänge des Art Deco muss man in Paris suchen. Dort wuchs das Phänomen, das heute Art déco heißt, aus der Anpassung heimischer und auswärtiger Impulse. Man liest von großen Ausstellungen in den 1920er und 1930er Jahren und wird mit einer Fülle von Bildern konfrontiert, auch von Jea Théodore Dupas, die dem Betrachter all das, was man in den Texten liest, visuell nahe bringen.

Jugendstil, wie ich ihn aus Darmstadt kenne, wird gezeigt und thematisiert und zwar als Vorläufer des Art déco und auch ein Werk von George Braque "Violine und Krug", ebenfalls ein Vorläufer des Art déco. Eingebettet in ein Koordinatensystem teils antithetischer, teils affiner Strömungen wird die Frage erörtert inwiefern sich die einzelnen Richtungen der Gegenständlichkeit oder der rigiden Abstraktion verpflichtet fühlen.

Unmöglich auf alle Facetten im Buch einzugehen und sich auf die vielen Bilder zu beziehen, die hier gezeigt werden. Ich staune über die vielen Kunstwerke von Otto Dix, die im Zusammenhang mit künstlerischen Parallelwelten zur Sprache kommen. Dem amerikanische Präzisionismus gibt auch Lyonel Feiniger die Ehre und man lernt den "Style 25" näher kennen, der textlich sehr gut erläutert und durch eine Bilderfülle dargestellt wird. Mode und Schmuck werden nicht vergessen, um dann die Amerikanisierung des Art déco zu beleuchten, auch hier gibt es wieder viele Bilderbeispiele. Gezeigt wird nicht zuletzt die Spitze des Chrysler Buildings in New York. Einen Eindruck auch erhält man von Art déco weltweit. Dazu gehört die Christus Statue in Rio und ein traumhaftes Patio im Hotel "La Mamouia" in Marrakesch.

 Wundervoll sind die Bilder und Skulpturen des Art déco, die zum Schluss gezeigt und auch erörtert werden. Sie sind nach Malern untergliedert. Dazu zählt Tamara de Lempicka und hier ihr Autoportät "Tamara im grünen Bugatti"

Zum Schluss werden die einzelnen Kategorien des Art déco sowie das Nachleben zur Sprache gebracht und man fühlt sich ein wenig berauscht von der Schönheit der Formen. Einfach wundervoll. Ein Highlight in 
diesem Bücherherbst. 

Sehr empfehlenswert

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Collecting Fine Art - The LUMAS Portfolio Vol.III: 3 (Gebundene Ausgabe)

Dieser Bildband von teNeues präsentiert eine kuratierte Auswahl von 70 bemerkenswerten Werken aus dem Portfolio von Lumas, der international führenden Galerie für Editionen. Lumas zeigt übrigens an weltweit 25 Standorten Werke von 160 zeitgenössischen Künstlern und Fotografen.

Der Gedanke, der dem Buch zugrunde liegt und an den vorgestellten Werken deutlich wird, ist der, dass keine Sicht auf unsere Welt der anderen gleicht.

Zu Beginn schreibt Erich Lessing ein kleines Vorwort. Dort vergisst er nicht zu erwähnen, dass die Photographie, wie jede andere darstellende Kunst, auch stets ein Spiegel ihrer Zeit ist. Nicht unerwähnt bleibt auch, dass die digitale Technik ein völlig neues Bewusstsein geschaffen hat. Dabei wurden die alten Koordinaten (Kompositionen, Schärfe, etc.) zur Geschichte erklärt. Wie Lessing schreibt, hat Lumas das gesamte Medium bis heute in sein Programm eingebunden und zeigt "alle Tendenzen der klassischen Photographie, alle Möglichkeiten der modernen digitalen Fotografie, sowie alle technischen Weiterentwicklungen, die dem Fotografen als Ausdrucksmittel zur Verfügung stehen." Lessing resümiert, dass das Gebot der Dokumentation im vorliegenden Werk erfüllt sei. Ich schließe mich seiner Meinung ohne Wenn und Aber an.

Die 70 Werke unterschiedlicher Künstler werden auf den letzten Seite alle nochmals im kleinen Format gezeigt und man erfährt jeweils in deutscher, englischer und französischer Sprache kurz etwas zum Künstler und seinem Werk.

Sehr beeindruckt hat mich das Bild von Miki Takahashi mit dem Titel "Warm Rain". Hier gibt der zarte Umriss ihres Profils im milchigen Schimmer eines Fensters Stadtlandschaften und Straßenszenen Tokios frei.-

Mal wieder entdecke ich meine Affinität zu japanischen Künstlern, denn noch ein weiteres Bild eines Japaners hat es mir besonders angetan. Es trägt den Titel "Stairway". Hiroshi Sato beabsichtigt mit seinen symbolhaften Gemälden die unterschiedlichen Ebenen unseres Bewusstseins offenzulegen. Das gelingt auch in diesem Fall.

Noch ein Werk eines Japaners fand ich spontan beeindruckend. Mika Ninagawa zeigt Goldfische. Sie gelten in Japan als Glückssymbol.

Dann gibt es ein Foto von Jock Sturges, das ich erwähnen möchte. Die Arbeiten dieses Künstlers hängen u.a. im Metropolitan Museum und im Museum of Modern Art in New York. Vorgestellt wird im Buch weibliche Schönheiten (Badenixen) an der Atlantikküste. Sehr schön. In einem kleinen Interview, das Tim Morehead mit ihm realisiert hat, erläutert er, wieso er Fotos macht und welche Absichten er damit verfolgt. Zudem beschreibt er seine Arbeitsmethoden u.a. mehr.

 Im Textbeitrag mit dem Titel "Braucht es die Kunst überhaupt?" las ich eine sehr gute Beschreibung für das, was Fotografie idealtypisch sein soll "Unverhoffte Gegenwart, ertappte Zeit, magischer Ort". Solche Fotos zu sammeln oder an die Wand zu hängen macht viel Freude. Auszuloten, ob es sich um Kunst handelt, ist mitunter ein weites Feld. Im Falle der gezeigten Exponate im Buch ist dies allerdings keine Frage.

Ein tolles Buch für Kunstliebhaber, die sich gerne in eine vielschichtige Bilderwelt vertiefen.

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

 

Rezension:Sie. Selbst. Nackt. Paula Modersohn-Becker und andere Künstlerinnen im Selbstakt (Gebundene Ausgabe)

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Sie. Selbst. Nackt.", die vom 20. Oktober 2013 bis zum 2. Februar 2014 in Bremen im Paula Modersohn-Becker-Museum gezeigt wird.

Das Paula Modersohn-Becker-Museum besitzt mit "Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag" eine Ikone der Kunstgeschichte. Dabei handelt es sich um den ersten Selbstakt einer Frau. Dieses Gemälde steht im Mittelpunkt dieser Sonderausstellung. Aufgrund zahlreicher Leihgaben war es überhaupt möglich, ausgewählte Werke um dieses revolutionäre Selbstbildnis zu gruppieren. So erst konnte gezeigt werden, wie Künstlerinnen in der Nachfolge mit ihrem nackten Körper in der Kunst umgegangen sind und auch welche Beweggründe sie hatten, sich nackt darzustellen. Geklärt wird in welchen Kontexten dies geschah. Dabei liegt der Blick der Künstlerin stets auf sich selbst, ihrem Körper und ihrem Verhältnis zur Umwelt.

Paula Modersohn stellte 1906 ihren nackten Körper mehrfach in Zeichnungen und Gemälden dar. Damit schrieb sie ein neues Kapitel in der Kunstgeschichte. Dieser Künstlerin gelang es, mit ihrer mutigen Selbstdarstellung, dem weiblichen Akt eine neue Dimension zu schenken, so jedenfalls Verena Borgmann und den Grundstein für die Aktmalerei des 20. Jahrhunderts zu legen. Unter männlichen Künstlern war ein Selbstakt damals noch unüblich.

Erste Beispiele für Selbstakte allerdings lieferte Albrecht Dürer. Zumeist ging es bei diesem Genre primär um Alter, Tod und Krankheit. Frauen mussten zunächst Mut zeigen sich selbst nackt darzustellen und im nächsten Schritt auch den alternden weiblichen Körper salonfähig zu machen. Nun wurde der eigene Körper Teil der künstlerischen Selbstbefragung und in kritischen Bezug zu den gesellschaftlich geprägten Schönheitsidealen gesetzt. Grundsätzlich kann das Interesse an der eigenen Körperlichkeit als wesentlicher Anstoß für die Darstellung der eigenen Nacktheit gelten. Stets geht es um den inneren Blick auf das eigene Ich.

Wie man erfährt, ist allen Künstlerinnen, die das Sujet des Selbstaktes für ihre Arbeiten gewählt haben, das Infragestellen und die Befreiung von kunsthistorischen Traditionen und gesellschaftlich auferlegten Zwängen, Rollenbildern und Weiblichkeitsstereotypen gemein.

Renate Berger schreibt nach der Einführung in ihrem Essay "Im Modus der Enthüllung" mehr zu den Künstlerinnen, Modellen und Akten und erinnert hier auch daran, dass Künstlerinnen in Europa und den USA um 1900, wenn sie sich entkleidet porträtieren wollten, ihre Scham und Schuld und ihre christlichen Tabus verlieren mussten, um eine professionelle Haltung zu entwickeln.

 Im Katalogteil werden Nacktbilder von Marina Abramovic (RS/ US), Anne Brigman (US), Elvira Bach (DE), Louise Bourgeois (FR / US), Gisela Breitling (DE), Marianne Breslauer (DE), Claude Cahun (FR), Judy Chicago (US), Renée Cox (US), Imogen Cunningham (US), Mary Beth Edelson (US), Xenia Hausner (AT), Chengyao He (CN), Gussy Hippold-Ahnert (DE), Gwen John (GB), Maria Lassnig (AT), Rachel Lewis (GB), Mara Mattuschka (AT), Clare Menck (ZA), Ana Mendieta (US), Lee Miller (US/GB), Paula Modersohn-Becker (DE), Yoko Ono (JP/ US), Catherine Opie (US), Christine Prinz (DE), Anita Rée (DE), Jenny Saville (GB), Joan Semmel (US), Amrita Sher-Gil (IN), Renée Sintenis (DE), Annegret Soltau (DE), Jo Spence (GB), Stefanie Trojan (DE), Cecile Walton (GB), Hannah Wilke (US), Suzanne Valadon (FR), Francesca Woodman (US) gezeigt.

Die einzelnen Künstlerinnen und deren Werk werden stets sehr gut textlich porträtiert und man erhält anhand der gezeigten Werken einen guten Eindruck von den Bildern der Ausstellung.

Viele sehr mutige Werke sind dabei, uneitel und in ihrer Natürlichkeit   beeindruckt.

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu  Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension Peter J. König: Before they pass away Jimmy Nelson teNeues

Der Fotograf Jimmy Nelson hat nach einem aufreibenden Leben als Bildreporter, als er den Kriegswirren, Gangs, Gewalt und Leid auf der Spur war, sich Stammeskulturen gewidmet, die weltweit verstreut, das Ursprüngliche des menschlichen Daseins verkörpern.

Er hat dazu 31 Volksstämme aufgesucht, die in den entlegensten Winkeln auf unserem Planeten beheimatet sind, die noch wie ihre Urväter ihre Rituale, Sitten und Gebräuche pflegen und dabei bisher kaum von der Zivilisation korrumpiert worden sind. Noch heute vertreten sie die Werte, die so wichtig für ihr Jahrtausende altes Überleben notwendig waren, nämlich Hoffnung, Zuversicht, Tapferkeit, Solidarität und Freundschaft. Im Zuge der Globalisierung drohen nicht nur diese Werte verloren zu gehen, wenn diese Menschen "zivilisiert" werden, sondern die kulturellen Besonderheiten dieser Stämme sind dann ein für alle Mal endgültig verloren. Mit diesem außergewöhnlichen Bildband von Jimmy Nelson und dem teNeues Verlag soll dokumentiert werden, welcher kulturelle Verlust der Menschheit droht, wenn diesen Völkern ihre Identität genommen wird und wir ihnen ihre Lebensräume nehmen.

Viel mehr wie in unserer heutigen vermeintlich zivilisierten Welt ist bei diesen unseren Mitmenschen klar zu erkennen, welche so wichtigen Eigenschaften des menschlichen Miteinanders von grundlegender Bedeutung sind. Darüber erzählt der Bildband ausführlich. Die Bildsprache, der sich der Fotograf bedient ist besonders eindrucksvoll, vermitteln doch die großflächigen Bilder bis ins kleinste Detail Auskünfte über die porträtierten Menschen, immer vor eindrucksvoller Kulisse. So wird dem Betrachter nicht nur ein ethnisches Bild auf ästhetische Weise dieser Männer, Frauen und Kinder der jeweiligen Stämme vermittelt, mit Hilfe ihrer Bemalungen, ihrer Waffen und ihrer weiblichen Schönheitssymbole stellen sie auch ihre eigene kulturelle Entwicklung da.

Dieses alles ist mehr als eindrucksvoll, zumal es sich um so unterschiedliche Ethnien, in so unterschiedlichen Regionen dieser Welt handelt. Alle 31, hier abgebildeten Stämme vorzustellen, würde den Rahmen dieser Rezension sprengen, doch wie unterschiedlich die einzelnen Lebensräume und damit auch der kulturelle Werdegang jeweils ist, lässt sich an einigen Beispielen demonstrieren. Von den Gauchos in Südamerika, über Himba, Maasai, Samburu und Mursi in Afrika, über Nenets und Chukchi in arktischen Regionen Asiens, Ladakhi und Tibetans im Himalaya-Gebiet zu den Rabari auf dem indischen Subkontinent, bis zu Dani,Yali & Korowai, Huli, Asaro & Kalam in der ostasiatischen Inselwelt bis hin zu den Vanuatu und Maori in der Südsee. Jeder Stamm hat seine eigene Kultur geprägt, und die Bilder zeigen welche globale Vielfalt vorhanden ist.

Damit der interessierte Betrachter auch umfangreich über das phantastisch Dargestellte informiert wird, beginnt das Buch mit einem beeindruckenden Vorwort von Mark Blaisse, das da lautet: Bemalte Seelen. Um der Internationalität genügend Raum zu geben, werden alle Texte sowohl in Englisch als auch in Deutsch und Französisch angeboten. Dann folgt eine Weltkarte auf der anschaulich die jeweiligen Siedlungsgebiete der 31 Stämme eingezeichnet sind. Bevor die eindrucksvollen Bilder ihre visuelle Wirkung verbreiten, werden zunächst die Kriterien erklärt, die jeweils jeden Stamm näher erläutern. Dazu gehören: Ursprünge, Brauchtum, Glaube, Lebensweise und Ernährung. Erst jetzt, nachdem man einen gewissen Eindruck hat, zeigen die Aufnahmen mit der Großbildkamera welches kulturelle Erbe der Fotograf Jimmy Nelson dokumentiert hat. Das ist große Kunst.

Nachdem alle 31 Volksstämme vorgestellt worden sind, schließt sich noch ein letztes Kapitel an, das Jimmy Nelson meine Geschichte nennt. Darin erzählt er, wie er überhaupt auf die Idee gekommen ist, ein solches Mammutprojekt anzufassen. Ergänzend dazu berichtet er über seine Begleiter und über seine vielfältigen Erlebnisse, die nicht immer ungefährlich abgelaufen sind. Das Buch schließt ab mit einem Index, der jede Fotografie mit der jeweiligen Seitenzahl, dem Stamm, dem Ort der Aufnahme und dem jeweiligen Datum ausweist. Danach folgt noch die Danksagung an die vielen Helfer, die Jimmy Nelson unterstützt haben, dieses Projekt zu realisieren.

Abschließend ist zu notieren, dass dieser Bildband ein einmaliges Werk von beeindruckender Schönheit, Ästhetik und fotografischer Kunst ist, zudem aber auch einen hohen Informationswert besitzt. Dank Jimmy Nelson und dem teNeues Verlag wird auf illustre Weise gezeigt, wie notwendig es ist, die vielfältigen Wurzeln unseres menschlichen Daseins zu schützen, damit nicht in Vergessenheit gerät, was es eigentlich heißt, ein kulturelles Erbe zu besitzen.

Sehr empfehlenswert

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Frauen und ihre Kinder (Gebundene Ausgabe)

"Woher stamme ich? Ich stamme aus meiner Kindheit. Ich stamme aus meiner Kindheit wie aus einem Land.", (Zitat: Antoine de Saint-Exupery).

Das Vorwort zu diesem reich bebilderten Buch hat Petra Gerster geschrieben. Gezeigt werden zahlreiche Gemäldeabbildungen, die Frauen im Umgang mit ihren Kindern zum Thema haben. Katrin Traoré, die Autorin Bildbandes führt mittels einer aufschlussreichen Einleitung in das Werk ein.

In vergangenen Zeiten wurden ältere Kinder wie kleine Erwachsene dargestellt. Kindheit im heutigen Sinne hat es viele Jahrhunderte nicht gegeben. Es war Jean-Jacques Rousseau, der die Kindheit entdeckte und durch dessen Schrift "Èmile" sie gefördert wurde. Kinder wurden von da an nicht mehr steif gemalt, sondern eher ihrem Alter gemäß verspielt und lebhaft.

Wie die Autorin anmerkt, handelt es sich nicht um ein kunsthistorisches Buch, obwohl es die Kunstgeschichte immer wieder streift. Die präsentierten Gemälde stammen primär aus den Jahren von 1870 bis 1924. Zahlreiche Maler zählen zu den französischen und amerikanischen Impressionisten. Eine Ausnahme bilden die Marienbilder. Hier stammt das älteste Gemälde von Andrea Mategna aus dem Jahre 1465.

Das Werk ist in acht Kapitel eingeteilt, denen jeweils Zitate vorangestellt worden sind und auch allgemeine Betrachtungen zu den einzelnen Themen, die in den Kapiteln durch die Bilder und Bildbeschreibungen zur Sprache kommen.

Das Erste Kapitel heißt "Vom Zauber des Anfangs". Hier auch findet sich Berthe Morisots "Die Wiege", ein Gemälde das ich im Original bereits im Zuge einer Ausstellung in Frankfurt im Städel Museum sah und das sehr gut beschrieben ist. Stillende Mütter werden im zweiten Kapitel gezeigt, auch das schöne Gemälde von Auguste Renoir "Aline Renoir ihren Sohn stillend". Da ich mich bislang wenig mit Mutter und Kind- Motiven in der Malerei befasst habe, war ich erstaunt über die Innigkeit, die hier auf so vielen Bildern zu sehen ist.

Besonders berührt haben mich die Bilder, die Mütter zeigen, die ihre Kinder zärtlich behüten und diese in Sicherheit und Geborgenheit aufwachsen lassen. Wundervoll ist das dahingehende Gemälde von Pablo Picasso "Mutter und Kind am Boden kauernd" und die vortreffliche Bildbeschreibung dazu. Es stimmt, dieses Kind mit all seinen Fragen Ängsten und Zweifeln ist geschützt und geborgen. So soll es sein.

Ich weiß sehr wohl, dass es Mütter gibt, die dem hier gezeigten Ideal nicht entsprechen. Doch mein Wunsch ist es, dass alle Kinder Mütter haben, die so liebevoll sind, wie auf diesem oder Mary Cassats Gemälde "Gute-Nacht-Umarmung" dargestellt.

Ein schönes Buch, das ich gerne zur Hand nehme, um mich immer wieder in ein Bild zu vertiefen und zu überlegen, ob ich bei der Betrachtung zu einem anderen Ergebnis gelange als in der Bildbeschreibung dargelegt und ich stelle stets gerne fest, dass die Beschreibungen sich mit meinen Betrachtungen decken. Dies entspricht meinem Harmoniebedürfnis, das mich keineswegs blind macht.... Insbesondere stimme ich zwei Zitaten zu, die ich im Buch gelesen habe. Die eine Sentenz können Sie der Kopfzeile entnehmen, mit der anderen schließe ich die Rezension ab:.

"Mit einer Kindheit voll Liebe kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt haushalten." (Jean Paul).

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Nanna- Anselm Feuerbachs Elixier einer Leidenschaft

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Nanna- Anselm Feuerbachs Elixier einer Leidenschaft", die im Museum Wiesbaden noch bis zum 26. Januar 2014 gezeigt wird. Herausgeber des Katalogs Peter Forster.

Neben einer großen Anzahl von Gemäldeabbildungen hat man Gelegenheit umfangreiche Texte, Skizzen, Skulpturen, handschriftliche Aufzeichnungen und anderes mehr zu studieren, um sich auf diese Weise eine Vorstellung über den Künstler und sein Werk zu machen. Nach einem Vorwort der Direktoren Alexander Klar (Museum Wiesbaden) und Hubertus Gassner (Hamburger Kunsthalle) kann man sich in den Aufsatz "Einleitende Gedanken zu Anselm Feuerbach und Anna Risi, seinem Elixier einer Leidenschaft"  vertiefen und sich im Anschluss daran, erste Bilder ansehen. Bevor ich dies allerdings tat, habe ich die Chronologie der Ereignisse zum Ende des Buches gelesen, um mir einen ersten Überblick zu verschaffen. Dann erst habe ich mir die Bilder angesehen und dabei festgestellt, dass im Buch weit mehr gezeigt wird, als in der Ausstellung, so u.a. auch Bildausschnitte, die den Betrachter auf Einzelheiten eines Gemäldes aufmerksam machen. 

Im Mittelpunkt der Ausstellung "Nanna-Anselm Feuerbachs Elixier einer Leidenschaft" stehen die Bildnisse von Anselm Feuerbachs (1829-1880) berühmtesten Modells Anna Risi (1839-1900). Feuerbachs Anna Risi Darstellungen gehen über das bloße Abbilden der äußeren Züge hinaus, (vgl. S. 39). Wie man erfährt, geht sein Blick hinter die reine Schönheit und eröffnet neue Ebenen in der Erfassung des Menschenbildes. Losgelöst vom Porträt vermögen die Bilder eine eigene Bildwirkung zu entfalten. 

Es führt zu weit,  auf die vielen Aufsätze im Buch unterschiedlicher Autoren hier einzugehen. Nicht uninteressant zu lesen ist übrigens "Anna 'Nanna' Risi Mythos versus Quellenlage. Was geben die römischen Archive über sie preis?"  Anna Risi stammte aus einfachen Verhältnissen. Nachdem Anselm Feuerbach sie etwa 1860 kennen gelernt hat, dominiert sie seine Bilder mit ihrem Wesen, ihrer Persönlichkeit und ihrer beeindruckenden Erscheinung.

Feuerbach entwickelt mittels ihrer Person ein Frauenbild, das weit über die bislang übliche künstlerische Wechselwirkung zwischen Maler und Modell hinausgeht. Dieser Künstler malte, was er fühlt, nicht was er sah. Sein Realismus basiert auf dem Blick hinter die Oberfläche des Sichtbaren. Weil sich dieser Anspruch nicht in einem Bild verwirklichen lässt, hat er eine ganze Reihe von Bildern gebraucht, um das Ziel über viele Bilder hinweg zu erreichen. Erst im Zusammenspiel der zahlreichen Bilder von Nanna offenbart sich ihre Beziehung untereinander. 

Nanna war 21 Jahre alt als Feuerbach sie in Rom kennen lernte. Über die Bildnisse dieser Frau, die eine klassische Schönheit war, wird man umfassend aufgeklärt, auch über das berühmte Iphigenienbildnis, von hoheitsvoller Attitüde, mit geradezu statisch wirkendem Kopf liest man viel Wissenswertes in dem Beitrag von Stephanie Bickel mit dem Titel  "Zum Motiv der Iphigenie in Anselm Feuerbachs Werk". Thematisiert werden des Weiteren Feuerbachs Zeichnungen, sein "Gastmahl des Plato", in denen sich die androgynen Gesichtszüge der Anna Risi wiederfinden. Auch über das Nachfolgemodell Nannas - Lucia Brunacci - erfährt man Aufschlussreiches. Sie stand  ihm, nachdem Anna ihn wegen eines vermutlich reichen Engländers verlassen hatte, oftmals Modell. Anna wurde übrigens später noch von einigen anderen Malern in Bildnissen festgehalten,  doch malte sie  keiner so wie Feuerbach. 

Ich selbst mag übrigens "Poesie", zweite Fassung, 1863 am liebsten. Hier hat sie eine ganz besondere Ausstrahlung. Umschreiben würde ich den Blick mit nachdenklicher Entschlossenheit.

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Architecture Now! 09 (Gebundene Ausgabe)

«Ich glaube daran, dass sich in der Architektur etwas ausdrücken lässt, von dem wir noch nicht ahnen,, 3. November 2013 dass es möglich ist – eine neue Ordnung der Dinge, ein anderer Blick auf die Welt.» (Zaha Hadid)

Philip Jodidio ist der Autor dieses schönen Bildbandes mit dem Titel "Architectur Now!" Jodido studierte übrigens Kunstgeschichte und Wirtschaftswissenschaften in Harvard. Zu seinen Veröffentlichungen zählt seine Reihe "Architecture Now!"

Diese Reihe versteht sich als unverzichtbares Referenzwerk für den Zeitgeist und das Design des 21. Jahrhunderts, wobei der 9. Band Entwürfe aus aller Welt veranschaulicht und die Stars der Branche, doch auch weniger bekannte Architekten und Architektinnen präsentiert. Die Beiträge sind alphabetisch geordnet und die Texte werden in deutscher, französischer und englischer Sprache dargeboten.

Offenbar werden derzeit China und andere fernöstliche Länder, aber auch Brasilien zunehmend zum Motor zeitgenössischer Architektur. Grund hierfür ist eine höhere Dichte an modernen Bauwerken bei uns in Europa und in den USA und insofern ein geringerer Bedarf an neuen Bauerschließungen. Renommierbauwerke werden heute eher in Ländern errichtet, in denen Zugzwang herrscht.

Man lernt eine Vielzahl interessanter architektonischer Objekte mittels sehr guter Fotos von den Objekten kennen. Über die Architekten erfährt man jeweils dreisprachig im Rahmen von Kurzbiografien Wissenswertes. Auch Grundrisse werden teilweise gezeigt, sodass man erahnen kann, welches Können die Architekten haben müssen, um solche Projekte überhaupt erfolgreich abschließen zu vermögen.

Besonders interessant finde ich das "Department of Islamic Art" im Louvre Museum in Paris, das auf dem bislang ungenutzten Cour Visconti des Louvre realisiert wurde, unweit der Seine. Dort sind neue Ausstellungsräume für eine umfangreiche Sammlung islamischer Kunst entstanden. Man hat Gelegenheit den raffiniert konstruierten Neubau zu sehen und erhält dazu auch aufschlussreiche Erläuterungen.

Mich faszinieren schöne Hochhäuser, wie etwa den London Bridge Tower, den Renzo Piano geschaffen hat. Am meisten fasziniert mich das Können, das ein solches Projekt möglich macht, so etwa auch das von Serge Salat beschriebene hochkomplexe, architektonische, unendliche 4 D-Labyrinth. Dessen Raumerlebnis der Architekt als dramatisch und dessen Komposition er als kinematografisch beschreibt.

Ein gelungenes Buch, das sich vor dem Können exzellenter Architekten und Architektinnen verneigt.

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.