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Rezension Peter J. König: N E W Y O R K - THOMAS HOEPKER

Der weltberühmte Fotograf Thomas Hoepker hat in einem Bildband, der im teNeues Verlag erschienen ist, die Weltmetropole New York so dargestellt, wie er sie sieht. Da er seit über fünfzig Jahren in dieser faszinierenden Stadt lebt, ist es allzu verständlich, dass seine Aufnahmen so gar nichts mit touristischen „sight-seeing“ Eindrücken zu tun hat, die plakativ vor dem geistigen Auge erscheinen, wenn der Name New York genannt wird. Thomas Hoepkers Blick ist nicht an der glitzernden Fassade dieser Mega-City abgeprallt. Er hat ihn durchdrungen den „schönen Schein“, der oftmals so glamourös daherkommt.

Die Millionen von Menschen, die ihren täglichen Lebenskampf in diesem künstlich geschaffenen Areal von Verfall und Neuaufbau führen, ihre Mühnisse und ihre Tristesse ist das Thema des Fotografen. Nicht der Auftritt der „Upper class“ ist hier ins Licht gerückt worden. Es sind die kleinen Leute in ihrer Vielzahl von Aspekten, von der kleinbürgerlichen Idylle bis hin zu alternativen Lebens- und Liebesformen, denen Thomas Hoeker eine Plattform gegeben hat. Dabei spielen die künstlerischen Ausdrucksweisen eine wesentliche Rolle, deren sich die Menschen bedienen.

Immer wieder ist es einigen Kunstschaffenden von dort gelungen, bis in den Olymp der Kunst vorzudringen. Stellvertretend sei hier nur Andy Warhol genannt, den Hoepker hinter einem grünen Lichtfilter porträtiert hat. Überhaupt ist das große Thema in diesem wunderbaren teNeues Bildband, wie sich die Menschen mit dieser Stadt auseinander setzen. Hoepker gelingt es vortrefflich den Dialog zwischen den Menschen und der sich ständig wandelnden Stadt bildlich aufzuzeigen. Dass dabei auch das Morbide von New York in den Focus rückt, weiß jeder, der diese Metropole einmal bewusst durchstreift hat. Die Menschen haben sich arrangiert.

Sie verstehen es damit umzugehen und jeden Tag eine positive Seite dieser Stadt abzugewinnen. Hoepkers Fotografien zeugen davon. Natürlich werden auch spektakuläre Motive thematisiert, New York ist überreich davon. Das Besondere allerdings sind hier die Stimmungen, in die solche Postkartenidyllen eingebettet wurden. Sie haben diese Aufnahmen zu Kunstwerken werden lassen. Dadurch ist Thomas Hoepker ein ganz Großer, würdig sich dieser Kathedrale der Modernen anzunehmen.

Der Bildband von teNeues erzählt eine ganz besondere Geschichte. Es ist die Auseinandersetzung zwischen dem Mensch und seinem urbanen Umfeld. Doch wehe, wenn es zu brachialen Eingriffen kommt. Wie die Geschundenen dann reagieren, auch das bringt der fotografische Künstler seinen Betrachtern am Beispiel von 9/11 eindrucksvoll nahe. Dieser besondere Bildband des Fotografen Thomas Hoepker ist ein außergewöhnliches Werk, das jeden, der von New York begeistert ist, fasziniert. Es ist dem teNeues Verlag zu verdanken, dass Hoepker seine Bildsprache einem breiten Publikum vermitteln konnte.

Empfehlenswert
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Rezension:Die Gemälde. Frankfurter Goethe-Museum. Bestandskatalog (Gebundene Ausgabe)

Alle haben nicht die Chance das Frankfurter Goethe-Museum, wann immer ihnen der Sinn danach steht, zu besuchen. Nicht zuletzt deshalb gibt es den vor mir liegenden Bestands Katalog. Hier schreibt Anne Bohnenkamp-Renken zum Geleit, dass dieses Museum in seinen Anfängen im 19. Jahrhundert neben Handschriften und Büchern auch Porträts und Ansichten gesammelt hat, denn man wollte den Besuchern die Welt des Dichters anschaulich präsentieren. In den dann folgenden eineinhalb Jahrhunderten kamen nahezu 500 Gemälde hinzu. Wie Bohnenkamp-Renken nicht zu erwähnen vergisst, bietet dieser Katalog der Forschung erstmals eine umfassende Dokumentation dieser traditionsreichen Sammlung und dem Publikum ein vielseitiges Lese- und Bilderbuch zur Malerei der Goethezeit. Das kann ich bestätigen.

Petra Maisak lässt den Leser in ihrem eloquenten Textbeitrag, der dem umfangreichen Katalog vorangestellt ist, wissen, dass es Goethes leidenschaftliche Neigung für bildende Kunst, sein nie erlöschendes Interesse und seine eigenen Zeichen- und Sammeltätigkeiten waren, die zur Grundlage der Kunstsammlung wurden. Zwar besitzt die Sammlung sogenannte Spitzenstücke, gleichwohl bewegt sie sich keineswegs ausschließlich auf dem Höhenweg der Kunst, sondern präsentiert auch Kleinmeister und dilettierende Künstler, durch das tatsächliche Verständnis der Epoche und ihrer ästhetischen Paradigmen erst möglich ist.

 Maisak berichtet von den Wurzeln der Gemäldesammlung und der Entwicklung der Porträtgalerie, aber auch von der Ära des Direktors Ernst Beutler, mit der die eigentliche Blütezeit der Gemäldesammlung begann. Nicht unerwähnt bleibt, dass neben der Porträtgalerie zunehmend die Landschaftsdarstellung zentrale Bedeutung gewann.

 Der Katalog von 2011 erschließt den vollständigen Bestand, der mit Neuzugängen und zuvor nicht erfassten Bildern auf 495 Positionen angewachsen ist. Dokumentiert worden sind auch die Liste der 72 Abgänge und Verluste.

 Die Künstler und Künstlerinnen werden stets mittels einer Biografie vorgestellt, die auch den Konnex mit Goethe bzw. dem Freien Deutschen Hochstift- Frankfurter Goethe –Museum zur Sprache bringt.

Neben der Katalogisierung der einzelnen Gemälde besteht der Zweck des Bandes darin, ein engmaschiges Netz an Querverweisen anzulegen, damit das dichte Beziehungsgeflecht nachvollziehbar wird, das zu Zeiten Goethes das gesamte kulturelle Leben und seine Protagonisten verknüpfte.

Es ist natürlich unmöglich über all die vorgestellten Künstler und Bilder hier Näheres zu berichten. Festhalten möchte ich, dass es lohnt, sich jeweils ausgiebig zu informieren

Neugierig habe ich die Biografie von Julie Gräfin von Egloffstein gelesen. Sie ist die Malerin eines Porträts von Goethe, das ich sehr schätze, welches sie allerdings erst 1844 malte. Dies war mir bislang nicht bekannt. Einige Gemälde von Johann Heinrich Füssli sind gewiss vielen geläufig. Bei allem interessieren mich die Porträts am meisten, weil sie mir viel über die Art von Goethes Netzwerk berichten.

Ein bemerkenswertes Bild, gemalt von Georg Melchior Kraus, zeigt offensichtlich Goethes große Liebe Charlotte von Stein, eine wahrlich schöne Frau, mit sehr intelligenten warmem Augen. Auch andere Goethe-Freundinnen lernt man kennen, doch auch Anton von Marons "Johann Joachim Winckelmann" und so viele andere Gemälde mehr, die neben den Landschaftsbildern, so viel über Goethe und seine Zeit berichten.

In ein Jugendbild Adelbert von Chamissos habe ich mich soeben gerade verliebt. Dass Chamisso Naturforscher war, wusste ich bislang nicht. Ich kannte ihn nur als Dichter.

Im Anhang wird genau erläutert wie man den Katalog benutzen soll. Das werde ich gewiss oft tun, denn meine Neugierde, was Goethe anbelangt ist unerschöpflich und dies schon seit vielen Jahrzehnten. Empfehlenswert. 

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Rezension: DARIO FO- Malerei. Paintings 1945- 2012

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Dario Fo", die vom 6. Juni bis 31. August 2013 in der Galerie "Die Galerie"  in Frankfurt/Main gezeigt wird. 

Gestern hatte ich Gelegenheit über die Vernissage zu berichten, auf welcher der 87 jährige multitalentierte Künstler und Literaturnobelpreisträger Dario Fo zugegen war. Hier der Link zur Eventseite: http://eventshelga-koenig.blogspot.de/2013/06/bericht-und-bilddokumentation-der.html 

Das Vorwort zum Katalog hat Peter Femfert verfasst, der gemeinsam mit seiner Gattin, Dott. Stefania Canali,   "Die Galerie" betreibt und mit ihr und dem Künstler diesen bemerkenswerten Katalog auf den Weg gebracht hat. 

Ich habe nahezu 250 Kunstbände rezensiert, aber selten so viel Freude beim Lesen entwickelt wie bei diesem Katalog, der hochinformativ und dabei sehr kurzweilig verfasst ist. Begleitend zu den rund 60 Werken aus der 60 jährigen Schaffenszeit Fos hat man Gelegenheit,   aufgrund von Texten Dario Fos, Dott. Stefania Canalis und Sarantos Zervoulakos mehr über den italienischen Künstler und dessen Bilder in Erfahrung zu bringen. Die Texte sind nebeneinander in deutscher und englischer Sprache abgedruckt. 

Dario Fo hat gleich zu Beginn ein Vademecum für die Ausstellung in Frankfurt verfasst. Er berichtet dort von seinem Werdegang als Künstler und vergisst nicht zu erwähnen, dass sich unter den Malereien, die derzeit in Frankfurt präsentiert werden,  einige Arbeiten finden, die durch die Zeichnungen der ersten Theaterjahre angeregt wurden und andere, die von Bildern rühren, die er sich angeeignet hatte, während er auf der Akademie war. Er ließ sich damals von bestimmten Malern, deren Bilder in einer der bedeutendsten Pinakotheken der Welt der "Braidense" zu sehen sind, inspirieren und war besonders stark von  Leonardo da Vinci begeistert, dessen Zeichnungen in seinen berühmten Codices,  Dario Fo "mit großer Emotion abzeichnete und neu interpretierte", (vgl. S.15). 

Wie der Künstler weiter erwähnt,  hat er verschiedene Bilder, die in Frankfurt ausgestellt sind, dem griechischen Theater gewidmet, die er teilweise während Ausstellungen in Athen und Korinth gezeichnet hat. Dario Fo scheut sich nicht zu bekennen, Ideen großer Künstler übernommen und mit diesen dann gespielt zu haben, um etwas Neues zu gestalten.

Dott. Stefania Canali schreibt über die Malerei dieses Erzählers und vergisst dabei nicht zu erwähnen, dass im Oktober 1997 Dario Fo der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde, obgleich man den Schriftsteller Jahrzehnte lang angefochten, boykottiert und zensiert hatte. Wie Dott. Canali festhält,  besteht die Größe dieses Künstlers darin, namenlose, unbekannte, vergessene Menschen wieder zum Leben zu erwecken, aber auch Texte der Geschichte und Kunstgeschichte neu zu schreiben und zwar mit einem Wechsel der Perspektive, konkret, von unten anstatt von oben, (vgl.: S. 27/28). 

Interessant ist, dass Dario Fo die Geschichte Italiens "erlebt, beschrieben und bemalt" hat und nicht zuletzt unbequeme Position bezog, (vgl.: S.33). Es führt zu weit,  im Rahmen der Rezension Bilder zu interpretieren, erwähnen möchte ich den Hinweis Dott. Canalis, dass das Bewegende an dieser fabulierenden Malerei drei Leitmotive sind. 

Sie lässt den Leser wissen, dass das erste, offensichtlich der tiefe Respekt für den Menschen, sowie die ethische Spannung sei, die aus jedem Bild herauszuspringen scheint und auf uns stürzt. Der Betrachter werde involviert und sei eingenommen, damit aktiver Teil des Geschehens, er spüre, er selbst sei Kommitent dieser Kunst, die er klarer und besser lesen könne,  als jeden anderen geschrieben Text. Das zweite Leitmotiv sei der Reichtum an Themen und Techniken, zugleich ein beträchtliches Archiv kollektiven, kulturgeschichtlichen Gedächtnisses des Landes und als dritte Prägekraft, nennt Dott. Canali die Aura der Reinheit des Künstlers Dario Fo, die es ihm ermöglicht, spielerisch,  aber gnadenlos einen König auszuziehen und ihn nackt zur Schau zu stellen, (vgl.: S. 36ff).

Dies alles hat man Gelegenheit auf den Bildern zu erforschen, während man in weiteren Texten des Katalogs sich immer intensiver mit Fo befassen, auch in eine mehrseitige Biografie Dario Fos und seiner gerade verstorbenen Frau vertiefen kann und dadurch  einen sehr intensiven Zugang zu den Bildern erhält.

Im Bildregister zum Schluss kommentiert  Dario Fo seine Werke. Diese Texte sollte man nicht vergessen zu lesen, denn sie führen zu einem letzten Verständnis seiner Bilder. 

Ein gelungener Katalog. Empfehlenswert.

Rezension:Der Blaue Reiter im Lenbachhaus München (Gebundene Ausgabe)

"Die Literatur, Musik und Kunst sind die ersten empfindlichsten Gebiete, wo sich die geistige Wendung bemerkbar macht in realer Form. Diese Gebiete spiegeln das düstere Bild der Gegenwart sofort ab, sie erraten das Große, was erst als kleines Pünktchen nur von wenigen bemerkt wird und für die große Menge nicht existiert." (W. Kandinsky)

Das Museum in der historischen Künstlervilla Franz von Lenbach wurde neu gestaltet und zudem erhielt es einen Erweiterungsbau von Foster & Partners. Seit Mai 2013 wird dort die Sammlung des "Blauen Reiters" mit Werken von Paul Klee, Franz Marc, August Macke, Wassiliy Kandinsky und Gabriele Münter neu präsentiert.

Aus diesem Anlass hat der Prestel-Verlag einen wunderbaren Kunstband veröffentlicht, in welchem der Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus zu Beginn seines Vorwortes darauf hinweist, dass der "Blaue Reiter" ein Zusammenwirken verschiedener Künstlerpersönlichkeiten war, die sich der Vielfältigkeit verschrieben hatten. Dabei war das verbindende Moment das Bestreben, in der Kunst neue Formen zu finden. Diese sollten es möglich machen, eine innere Vision unmittelbar und originär zum Ausdruck zu bringen. Nach Vorstellung von Kandinsky und Marc sollte dies unabhängig von jedem traditionellen Formenkanon und auch von einem "äußerlich modernistischen Programm von heute" geschehen.

Wie man erfährt, hat München die Gemälde des "Blauen Reiter" der Stiftung Gabriele Münters zu verdanken. Sie war einst Gründungsmitglied dieser Gruppe und Lebensgefährtin Wassily Kandinskys.

Bevor man die Gelegenheit erhält, über 130 Werke des "Blauen Reiter" kennen zu lernen, hat man die Chance im Rahmen von zwei sehr aufschlussreichen Essays mehr über die Wege des "Blauen Reiter" in das Lenbachhaus und über die Geschichte und Ideen dieses Künstlerkreises in Erfahrung zu bringen. Neben einer Fülle von Fakten werden zahlreiche Fotos präsentiert, die dem Leser und Betrachter die Künstler und ihr vielfältiges Schaffen vor Augen führen. Von den beiden Essays bin ich sehr angetan, denn sie fassen alle Wesentlichkeiten zum Thema "Der blaue Reiter" zusammen, soweit ich das nach der Lektüre von diversen Kunstbänden zu diesem Künstlerkreis in vorangegangener Zeit beurteilen kann.

Die Gemälde sind im Anschluss den einzelnen Künstlern zugeordnet und beginnen jeweils mit einer Kurzbiografie.

Gezeigt werden Werke von: Wassily Kandinsky, Franz Marc, Gabriele Münter, August Macke, Robert Delaunay, Heinrich Campendonk, Alexej Jawlensly, Marianne von Werfekin, Albert Bloch, Wladimir Burljuk, Adriaan Korteweg, Alfred Kubin, Paul Klee.

 Alle Bilder sind sehr gut besprochen. Hingerissen bin ich erneut von den Werken Kandinskys, die ich bereits im Original im Lenbachhaus bewundert habe, aber auch von Franz Marcs Werken, speziell von dem Gemälde "Im Regen" und hier der Farb- und Formgestaltung wegen. Die Anmerkungen zum Werk sind übrigens überaus erhellend.

Münters Gemälde zählen nicht zu meinen Lieblingsbildern, dafür aber jene von August Macke, der leider sehr jung an Jahren im 1. Weltkrieg in der Champagne gefallen ist. Allein um sein Aquarell "St. Germain bei Tunis" im Original zu sehen, lohnt es sich nach München zu reisen.

Lange verweilten meine Blicke auf zwei Bildern von Paul Klee, "Zerstörter Ort" heißt das eine und "Rosengarten" das andere. Wir haben zumindest stets die Wahl zwischen diesen beiden, aber zumeist vielen weiteren Möglichkeiten. Ich wähle das "Botanische Theater" und mit ihm die ganze Vielfalt, die sich im Lenbachhaus ausgebreitet in all den Farben und Formen, die die Kunst des "Blauen Reiter" so einzigartig werden lassen.

 Empfehlenswert.

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Rezension:Mode unter dem Kreuz: Kleiderkommunikation im christklichen Kult (Gebundene Ausgabe)

Silke Geppert ist die Autorin dieses bebilderten Buches, das sich mit Kleiderkommunikation im christlichen Kult befasst. In ihrer Einführung hebt sich gleich eingangs hervor, dass man Mode als Spiegel der Zeit betrachten muss und dass sie etwas mit der Entstehung der Städte zu tun hat. Interessant ist es, auf Heiligendarstellungen des Mittelalters, z. B. des burgundischen Meisters Rogier van der Weyden feststellen zu können, dass spätestens ab dem 15. Jahrhundert das äußere Erscheinungsbild der Heiligen durch hochmodische Auftritte augenfällig wird. In jener Zeit bestand die vollständige Kleidung aus Unter-, Ober- und Überkleid. Genau in dieser Kleidung sind die Heiligen auf den Gemälden zu sehen. Nur Christus wird mit Lendentuch dargestellt.

Die Malerei des 13., 14. und 15. Jahrhunderts kann man als Ausdruck gesellschaftlicher Kommunikation lesen. Dabei kam dem Maler die Aufgabe zu, die heiligen Geschichten zu visualisieren. Das Bildgeschehen sollte den Eindruck erwecken, dass es im Hier und Heute stattfindet. Die Kreuzigungsszene sollte gewissermaßen dorthin transportiert werden. Damit das verdeutlicht werden konnte, bedienten sich die Maler zeitgenössischer Kleidung. Sie waren dem Betrachter vertraut.

In der Vormoderne spielte Kleidung für die Choreografie der Macht und der sozialen Ordnung eine wichtige Rolle. Kleidung war ein komplexes Zeichensystem und damit ein mächtiges gesellschaftliches Kommunikationsmittel. Nicht zuletzt war an Kleidung der soziale Status ablesbar. Wie man erfährt waren die auf Kleiderordnungen erlassenen Gesetze der Kommunen die häufigsten. Dazu kann man im Buch Näheres lesen.

Der Maler Rogier van der Weyden verwendete im Bild die vestimentären Codes der burgundischen Gesellschaft virtuos und vermittelte dem, der sich diesbezüglich auskennt, eine Fülle von Informationen.

Erst in modern strukturierten Gesellschaftsformen, die die Individuation förderten, vermochte sich Kleidervielfalt und Mode zu entwickeln. Geppert definiert Mode übrigens als "das unaufhörliche Bemühen um die Verwirklichung des Zeitstils in der äußeren Erscheinung der Menschen."

Heiligengewand und liturgische Kleidung, aber auch vestimentäre Codes werden ausgiebig zur Sprache gebracht. Dabei geht es um die Malerei und textile Theme ,beispielsweise um die Mantelmetaphorik und hier um den Purpurmantel und die Tunika, die genau beschrieben wird. Unmöglich all das, was im Buch näher ausgeführt wird, an dieser Stelle abzuhandeln. Festgehalten werden kann, dass man Heiligenbilder von der Bildgestaltung völlig anders interpretiert, aufgrund der vestimentären Codes, die man anhand vieler Gemälde, die im Buch gezeigt und erörtert werden, zu verstehen lernt. Unter den beschriebenen Gemälden befinden sich auch Hans Memlings "Kreuzigung" und die "Beweinung" von Petrus Christus.

Man lernt zu erkennen, wodurch Frömmigkeit, Reue und Identifikation, aber auch Verschwendung, Modesünde und Schuldgefühl symbolisiert werden und hat Gelegenheit sich mit der burgundischen und europäischen Mode des 15. Jahrhunderts vertraut zu machen. Hier auch liest man Wissenswertes über die Farbe Schwarz am burgundischen Hof, die erstmals eine Verbindung von Mode und Pathos verkörperte. Über Farben, Märkte und Stoffe und die Kleiderordnung bleibt man nicht unaufgeklärt und erhält zudem einen kurzen Überblick auf das, was folgte.

Alles in allem ein sehr aufschlussreiches Buch, mit einem vortrefflichen Glossar. 

 Empfehlenswert. 

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Rezension: William Turner (DVD)

Diese DVD ist eine Kunst-Dokumentation in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln. Gezeigt und erläutert werden Bilder des englischen Malers Joseph Mallord William Turner. Mein Interesse hat sie geweckt, nachdem ich kürzlich die Ausstellung "Rheinromatik" im Museum Wiesbaden sah und dort einige Originalgemälde von Turner bewundert habe.

 Dieser Maler gehörte zu den bedeutendsten Künstlern der englischen Romantik und nimmt noch heute auf dem Kunstmarkt eine führende Rolle ein. Die astronomischen Preise seiner Gemälde werden in der Dokumentation auch immer wieder genannt.

 Ein wesentlicher Teil der Werke dieses Malers wird seit 1987 in der Clore Gallerey, einem separaten Bau der Tate Britain gezeigt. Diesbezüglich erhält man sehr gute Einblicke und erfährt Wissenswertes seitens zahlreicher Experten und Künstler im Hinblick auf Turner, speziell zur Frage, wieso seine Bilder bis heute noch faszinieren.

 Turner, der Maler des Lichts, galt zu Lebzeiten als exzentrisches Genie. Seine malerischen Experimente haben ihn zum Wegbereiter der Expressionisten werden lassen. Man erfährt von seiner Kindheit in einfachen Verhältnissen, seiner Begabung, die sein Vater vorausschauend gefördert hat. Eine Kunstakademie hat der begabte Sohn nicht besucht, sondern er eignete sich seine Fähigkeiten selbst an. Gleichwohl wurde er als 14 jähriger Stipendiat der Künstlervereinigung Royal Academy. Sie wurde von da an sein zweites Zuhause.

In jungen Jahren malte er überwiegend Aquarelle, doch er fand bald zur Ölmalerei. 1776 stellt er sein erstes Ölgemälde "Fischer auf See" in der Royal Academy aus. Drei Jahre später bereits wurde er außerordentliches Mitglied und als 26 jähriger dann offizielles Mitglied des erlauchten Kreises.

Man erfährt von den vielen Reisen des Malers durch ganz Europa und auch davon, dass er, was damals unüblich war, auch in privaten Räumen Kaufinteressierten seine Werke präsentierte.

Turner, der Sohn eines Babiers, wurde Professor für Perspektive an der Royal Academy und avancierte zu einem der bedeutendsten englischen Landschaftsmaler. Seine Eindrücke vom Licht während seiner Reisen durch den Süden Europas führten dazu, dass er das Licht für seine Malerei zu erforschen begann.


 Da er sehr anerkannt und finanziell unabhängig war, konnte er es sich erlauben, in seiner Kunst über Vorangegangenes hinauszuwachsen. Er zeigt auf seinen Werken einzelne Pinselstriche und mit ihnen sein gesamtes Temperament. Wie in der Dokumentation anhand der Werke erläutert wird, werden beim näheren Hinsehen das Licht, die Architektur und die Menschen zu einer Komposition, die aus der Unschärfe eine einzigartige Stimmung erzeugt.

Turner hat vor seinem Tode 300 Ölbilder und 20 000 Zeichnungen und Aquarelle dem englischen Staat vermacht, mit der Bitte sie in einer eigenen Galerie auszustellen. 1987 wurde sein Wunsch dann endlich erfüllt. Zu diesem Zeitpunkt war er schon 136 Jahre nicht mehr unter den Lebenden.

Es macht Freude Fachleuchte in der Dokumentation von ihren Lieblingsbildern reden zu hören, aber vor allem diese Werke aus unmittelbarer Nähe sehen zu können und auf Einzelheiten aufmerksam gemacht zu werden.

 Empfehlenswert.

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Rezension: Meilensteine - Meilensteine - Wie große Ideen das Design veränderten

Nina Kozel ist die Autorin dieses Buches, das aufzeigt wie große Ideen das Design veränderten. Das englische Wort "Design" gibt es erst seit der Industrialisierung und wurde zum weltweiten Exportschlager. Wie man erfährt, tauchte das Wort 1885 im Oxford Dictionary erstmals auf und wurde definiert als "ein von einem Menschen erdachter Plan oder eine Zeichnung von etwas, das realisiert werden soll." Man verwendet den Begriff sowohl für das Entwerfen als Vorgang als auch das Produkt, das daraus hervorgeht.

Im Rahmen von insgesamt 20 Meilensteinen führt die Autorin in die Entwicklung des modernen Design ein. Vorgestellt werden neu erfundene Materialien aber auch verschiedene Stilrichtungen und kulturelle Einflüsse, die ihre Spuren im Design hinterlassen haben.

Näher beschrieben werden: Pioniere des Design, Bugholz, Bauhaus, Stahlrohr, Design und Marketing, Streamline, Corporate Design, Kragstuhl, Organisches Design, Design für alle, Kunststoff, Pop-Kultur, Postmoderne, Minimalismus, Papier, Hightech-Design, Skandal, Banaldesign und Kunst im Design.

 Das Buch ist übrigens reich bebildert, sodass die Texte anschaulich werden. Sehr spannend liest sich zugleich der erste Meilenstein "Pioniere des Design vom Handwerk zur Industralisierung". Wissen muss man, dass die vorindustrielle Zeit noch keine Designer kannte, weil Gebrauchsgegenstände damals von Hand hergestellt wurden. Den Startschuss zur industriellen Revolution lieferte James Watt mit seiner ersten funktionstüchtigen Dampfmaschine. Man erfährt Näheres über die Londoner Weltausstellung von 1851, die die Errungenschaften des neuen Zeitalters zeigte. Es handelte sich dabei um neue Technik, Maschinen, Materialien und industriell gefertigte Produkte, die in einem eigens dafür errichteten Kristallpalast von Joseph Paxton gezeigt wurden. Dieser Palast ist im Buch u.a. abgebildet. Wahrlich, eine imposante Konstruktion.

 Vorgestellt werden die Tapetenentwürfe von William Morris, die noch heute Abnehmer finden, auch vom Jugendstil, der durch eine reduzierte, stärker geometrisch geprägte Form geprägt war. Es ist natürlich unmöglich hier in der Rezension auf alle Meilenstein im Buch näher einzugehen. Erwähnen möchte ich, dass ich mit großem Interesse von der Entwicklung von Bugholz für die Möbelproduktion gelesen habe. Dies ist das älteste bekannte Verfahren, Holz in eine bestimmt Form zu biegen. Das Verfahren wird im Buch sehr gut erklärt. Es war übrigens ein Schreinermeister aus Boppard am Rhein, der die Technik für den Möbelbau weiterentwickelte.

 Bestens auch wird über das Bauhaus-Design informiert und darauf hingewiesen, dass das wesentliche Vermächtnis des Bauhaus darin besteht, die Entwicklung der Kunst und der Industrie auf dem Weg zu einer zeitgemäßen Lebensweise zu unterstützen. Man erfährt wie Designklassiker entstehen, so etwa Marcel Breuers Clubsessel B3 oder Michael Graves Wasserkessel. Der Kragstuhl, ein Sitzmöbel für eine Person, steht bei mir im Büro, es ist ein Nachbau von Marcel Breuers Freischwinger aus dem Jahre 1928. Man lernt eine ganze Reihe solcher Kragstühle kennen, die noch heute sehr aktuell sind. Ich schätze solche zeitlosen, schönen Gegenstände, wenn sie vom Material her langlebig sind.

 Informiert wird man auch über Kunststoffe, die in den 1950er Jahren Einzug in den Alltag hielten und zwar in Form von Resopaltischen, Melamingeschirr, Tupperware, Telefonen und Radios, (vgl.: S.104). Tupperware ist übrigens mein persönlicher Albtraum, obschon ich den Produkten nicht die Nützlichkeit abspreche.

Die Pop-Kultur und mit ihr die neuen Formen des Wohnens werden vorgestellt, auch die Postmoderne und der von mir hochgeschätzte Minimalismus, der nach dem Wesen der Dinge strebt und dabei versucht, das Interieur auf die Basis von Raum, Licht und Masse zurückzuführen.

Zum Schluss wird der Frage nachgegangen, ob Design Kunst ist und wie die beiden Disziplinen zueinander stehen. Dazu erfahren Sie Wissenswertes ab S. 178. Hier will ich den Betrachtungen Kozels nicht vorweg greifen.

 Empfehlenswert.

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Rezension: Doris Zeidlewitz- "WORLD WIDE WOMEN"

Vor geraumer Zeit war ich auf der Vernissage zur Ausstellung "Word Wide Women" der Künstlerin Doris Zeidlewitz im Airportclub Frankfurt (es handelt sich hierbei um den Businessclub der Deutschen Bank AG und der Lufthansa AG). Diese Ausstellung wird dort noch bis Ende August gezeigt.

Um eine Vorstellung von dem, was Sie auf der Ausstellung zu erwarten haben zu erhalten, empfehle ich den vorliegenden Katalog, den man über die Website von Frau Zeidlewitz (siehe unten) beziehen kann. Die Künstlerin mit Diplomabschluss hat an der Kunstakademie Städel in Frankfurt und an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studiert. Heute arbeitet sie in ihrem Atelier in der Nähe von Darmstadt.

Zum Ende ihres Katalogs zitiert sie Joseph Beuys: "Kunst ist eine große, revolutionäre Kraft, und zwar die einzige." (Joseph Beuys)

Zeidlewitz nimmt das Zitat zum Anlass zu folgender Reflektion: "Um in diese Kraft zu kommen, brauchst Du ein ganzes Leben. In dieser Kraft zu sein, bedeutet Selbstbestimmtheit und Freiheit;- ein großes Privileg des Künstlers. Ich genieße dieses Privileg und versuche, seine Grenzen stetig zu erweitern. Meine Gemälde zeigen wiederholte Versuche, die menschliche Existenz zu erfahren, sie anschaulich zu machen und zu transzendieren, zum Höchsten hin. So hat Kunst immer mit meinem Leben zu tun, ist autobiographisch. Malerei gibt mir die Möglichkeit, mich selbst zu verwirklichen. Wichtig ist mir, was mein Herz denkt, denn ich kann nur zum Ausdruck bringen, was in mir ist. Dabei will ich Unsichtbares in Durchdringung des Sichtbaren zum Vorschein bringen und die Idee der Schönheit durch Kunst erfahren und erfahrbar machen."

Natürlich lassen die Bilder im Katalog nur erahnen wie die Originalwerke im Großformat wirken. Die Traumfrauen aus unterschiedlichen Ländern und Zeiten erzählen Geschichten. Bereits das erste Bild mit dem Titel "Schmücke Deine Braut" Öl auf Leinwand/ Materialcollage 200 cm x 150 cm lässt beim gebildeten Betrachter sofort eine Assoziation entstehen. Man denkt an Scheherazade und meint die Musik von Rimski- Korsakov zu vernehmen. "Schmücke Deine Braut"  ist eine Aufforderung an einen Bräutigam aus der neuen  Generation von Männern, die sich am liebsten nur selbst schmücken. In Zeiten des grenzenlosen Narzissmus hat das Heer der Pfauen nur noch Angst, dass irgendwer ihnen, wenn auch nur für einen Tag die Schau stehlen würde. Scheherazade ist nur noch in unserer Fantasie eine wunderschöne, geschmückte Braut.....

Ein Bild, das den Hinterkopf einer Frau zeigt, trägt den Titel "ABSOLUTELY END OF WAR", Öl auf Leinwand,  140 cm x 140 cm. Die wegfliegenden Flugzeuge alleine sind es nicht, die das Ende des Krieges verkünden. Es ist auch die ruhige Haltung der jungen Frau mit der typischen Frisur aus jenen Jahren, deren Wangen leicht gerötet sind, weil sie endlich durchatmen kann. Endlich Frieden,  hoffentlich unendlich.

Eines meiner Lieblingsbilder heißt "Reve d `espace", Öl auf Leinwand,  200 cm x 160cm. Hier ist der Himmel in ein Blaugrün getaucht, so als spiegele er ein fiktives Meer. Der Blick der jungen Pilotin ist voller Sehnsucht. Ich musste an Elly Beinhorn denken, die 1931 um die Welt flog und später über ihre Flugabenteuer in einem Buch berichtet hat. Sie war übrigens mit Bernd Rosemeyer einem Rennfahrer verheiratet, der 1938 während eines Rennes tödlich verunglückte. In Bezug auf ihre Ehe sagte sie:  "Es ist so leicht sich einem Gefährten anzupassen, oder die sogenannten Opfer zu bringen, wenn der Mann stärker ist als die Frau. Und es ist so schwer und fast unmöglich, sein Leben auf einen Mann einzustellen, wenn man nach kurzer Zeit bemerkt, dass er der Schwächere ist. Aber vielleicht gehört dazu die wahre Seelengröße der Frau. Denn nur ein geringer Teil der selbstständigen Frauen findet einen Lebenspartner, der ebenso stark ist wie sie oder gar stärker."

Ich habe dieses Zitat bewusst gewählt, weil Zeidlewitz die Stärke der Frauen vielschichtig in ihren Werken veranschaulicht. Die "Gaya-Wächterin der Erde", Öl auf Leinwand/ Swarowski-Steine, 200 cm x 200 cm zeigt, dass sie nur  mit ihrem dritten, unsichtbaren Auge die Erde bewacht.  Das ist die Stärke ihrer Spiritualität.

Würde man die Landeszugehörigkeit der Frauen der Serie "WORLD WIDE WOMEN" auch erkennen, wenn die Farben der Nationalflaggen auf den einzelnen Werken nicht zu sehen wären? Ich vermute, ja. Es ist die Art des Blicks, die Art der Körperhaltung, die man als typisch bezeichnen kann.

Worin unterscheidet sich die französische von der italienischen Frau? Ganz eindeutig in der Eleganz. Keine der gemalten Frauen, besitzt die Eleganz der Französin, aber das größte Herz hat die afrikanische Frau. Es zeigt sich in deren unendlich, warmen, liebevoll blickenden Augen.

Gefallen auch hat mir das Werk "Schattenschwestern", Öl auf Leinwand,  200 cm x 200 cm. Hier korrespondiert das Mädchen mit dem Perlenohrring von Vermeer mit einem Modell der Künstlerin, die anstelle einer Perle einen Rubin im Ohr trägt, auch ein Symbol weiblicher Kraft..

Bei all den vielen interessanten Frauenbildern spielen  Männer fast keine Rolle. Der spanische Stier "EL TORRO", ÖL auf Leinwand, 160 cm x 160 cm, möglicherweise ein Stellvertreter des abgewirtschafteten europäischen Mannes auf einem ihrer Gemälde, lässt die Spanierin auf dem Werk nur bekümmert nach innen blicken.

Doch dann plötzlich darf man ein Paar bewundern "FRENCH WOMAN IS KISSING CHINESE", Öl auf Leinwand 160x 120 cm. Ist das eine Botschaft? Ist der Chinese der Alphamann der Zukunft, der Partner der starken Frauen von Doris Zeidlewitz? Fast scheint es so.

Der Katalog enthält zudem noch einige sehr schöne abstrakte Bilder, wirklich gelungene Farbkompositionen. Lange verweilte mein Blick auf dem Gemälde "Kraftblüte", Acryl auf Leinwand, 160cm x 160 cm und mir war  sofort klar, dass aus dieser Kraftblüte all die Frauenbilder geboren worden sind, die die Idee von Schönheit der Künstlerin Doris Zeidlewitz zum Ausdruck bringt.


 Empfehlenswert.

www.zeidlewitz.de

Rezension:Rheinromantik: Kunst und Natur (Gebundene Ausgabe)

Gestern, am 13. April fand in Wiesbaden die kurze Nacht der Galerien und Museen statt. In diesem Zusammenhang besuchte ich im Museum Wiesbaden die Ausstellung "Rheinromantik", die vom 22. März bis 28. Juli dort gezeigt wird. Zu dieser Ausstellung gibt es den hier vorliegenden, sehr informativen Katalog, der den Besuchern der Ausstellung zu Hintergrundwissen verhilft und das Gesehene immer wieder abrufbar macht.

 Die Grußworte haben der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und der Geschäftsführer des Kulturfonds Rhein Main Albrecht Graf von Kalnein verfasst. Das Vorwort schrieb Alexander Klar, der Direktor des Museums Wiesbaden und die Einleitung schließlich stammt aus der Feder des Kurators der Ausstellung, Peter Foster.

Wie Foster hervorhebt, steht im Zentrum der Ausstellung "Rheinromantik- Kunst und Natur" der Wunsch nach Erfahrung und Verklärung von Natur. Dabei ist die Geschichte der Rheinromantik eine der Selbstfindung einer Kulturlandschaft und eine der europäischen Begegnungen. Die Ausstellung greift erstmals die verschiedenen Stränge auf, die wie Alexander Klar den Leser wissen lässt, ab Mitte des 17. Jahrhunderts zu einem kulturhistorischen Phänomen führen sollten, das sich gleichermaßen aus Malerei, Naturkunde und Dichtung speiste. Der Frankfurter Gelehrte und Poet Johann Isaak von Gerning fasste diese drei Elemente in seiner Persönlichkeit zusammen, indem er als Dichter den Rhein besang, als naturforschender Aufklärer an dessen Fauna und Flora interessiert war und als Sammler die Malerfamilie Schütz mit der Anfertigung von Ansichten des Rheins beauftragte.

 Wie man erfährt veröffentlichte Gerning 1820 in London einen illustren Reisebericht, der sehr bald als "das wohl berühmteste Prachtwerk der Rheinromantik" in England bewundert wurde und Auslöser für eine Welle des Rheintourismus war.

 Das Buch enthält eine große Anzahl von sehr eloquenten Beiträgen, die die intellektuelle Basis für gezeigten Exponate bilden. Themen sind u.a. Johann Isaak Gerning und die Landeskunde von Rhein und Main, Rudolph Ackermann und seine verlegerische Zusammenarbeit mit Gerning in England, die Malerfamilie Schütz, Ideallandschaften und Rheingegenden, Malerische Reisen an den Rhein und Peter Becker, der malende Chronist des 19. Jahrhunderts.

Neben den aufschlussreichen Texten hat man Gelegenheit, sich in die Bilderwelten der Ausstellung zu vertiefen. Dies mache ich nach der Besichtigung von Originalen im Museum zu Hause mit Vorliebe und nehme dann oft Details wahr, die ich vor Ort aufgrund der Fülle dessen, was darboten worden ist, oftmals übersehen habe.

 Ich bin vor einigen Jahrzehnten als Studentin in den Sommerferien von Mainz aus mit dem Fahrrad nach Amsterdam gefahren, habe dabei große Strecken am Rhein zurückgelegt und die Gegend auf diese Weise mit den Augen eines Menschen wahrgenommen, der in einer weniger temporeichen Zeit lebte. Ein wenig haben mich die Gemälde, die ich heute im Museum sah und die ich nun im Buch erneut betrachte, an das erinnert, was ich damals während meiner Rheinreise wahrnahm.

Von vielen Gemälden geht eine unendliche Ruhe aus. Dabei haben mich die Gemälde Joseph Mallord William Turners besonders beeindruckt, weil sich sein Interesse für das Alltägliche in seinen Ansichten spiegelt, zugleich aber auch ein Verständnis für die topografischen und architektonischen Besonderheiten der Reiseroute. Sein Gemälde "Der Bischofspalast von Biebrich, 1817" wird gewiss nicht nur Wiesbadener beeindrucken, aber diese wohl besonders. Meine Lieblingsbild von Turner hier im Buch ist "Koblenz und Ehrenbreitstein aus der Ferne", um 1839. Diese Art von Rheinromantik ist weit entfernt von dem Klischee, das leider auch mit dem Begriff verbunden ist.

 Hinweisen möchte ich auch auf den Beitrag "Vom Rhein in Naturhistorischen Sammlungen im Museum Wiesbaden", der die ausgestellten Schmetterlinge, Tiere und Pflanzen fokussiert. Das Museum besitzt eine Sammlung von mehr als 800.00 Tieren, darunter den Loreley-Dickkopffalter, den ich mir heute genauer ansah. Dieser Schmetterling ist nördlich der Alpen ausschließlich in einer eng umgrenzten Region am Mittelrhein am namensgebenden Felsen zu finden.

 Ein gelungener Katalog, den ich noch oft zur Hand nehmen werde.

 Empfehlenswert.

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Rezension: Die Kunst des Wattenmeeres / The Art of the Wadden Sea (Gebundene Ausgabe)


Prof. Dr. Jürgen Wettke, der Fotograf dieses traumhaften Bildbandes wünscht sich, dass sein Buch Emotionen auslöst und Fantasien weckt, da nach seiner Beobachtung die von der Natur geschaffenen Strukturen nicht selten wie Gemälde aus einer surrealen Welt anmuten, jedoch auch in der realen Welt jahrzehntelang verschollene Schiffswracks erneut zum Vorschein kommen lassen.

Wie man der Kurzbiografie zum Ende des Buches entnehmen kann, lehrt der gebürtige Westfale seit 2004 an der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität im Bereich Humanmedizin und Public Health. Neben seinen vielen Aufgaben, er ist u.a. Vorsitzender des Stiftungsrates der Krebsstiftung Nord-Rhein-Westfalen, ist der Mediziner seit seinem 13. Lebensjahr ein leidenschaftlicher Fotograf, der dem Spiel mit dem Licht und den Blickwinkeln mehr Bedeutung schenkt als der Technik.

Seit einigen Jahren konzentriert der Foto-Enthusiast sich besonders auf die Landschaftsfotografie. Weil ihm der Schutz des Wattenmeeres sehr am Herzen liegt, möchte er mittels seiner Aufnahmen die Einzigartigkeit und Mannigfaltigkeit dieses Weltnaturerbes zeigen, indem er deren faszinierende, dem beständigen Wandel unterworfenen Strukturen fotografisch für uns Betrachter festhält.

Wissen muss man, dass ein großer Teil des Wattenmeeres der NATIONALPARK SCHLESWIG HOLSTEINISCHES WATTENMEER ausmacht. Dort sind u.a. Schweinswale, Seehunde, Kegelrobben und 10 Millionen Zugvögel beheimatet. Sie haben diese Region zu ihrem Ruhe- und Brutgebiet gemacht.

Die wunderschönen doppelseitigen Aufnahmen, die aus der Luft realisiert wurden, dokumentieren die Schönheit des nordfriesischen Wattenmeeres. Auf den letzten Seiten werden die Bilder nochmals im kleinen Format gezeigt und hier auch erfährt man, in deutscher und englischer Sprache, wo sie entstanden sind. Amrun und Föhr, Hallig Hooge, Japsand, Norderoogsand, Süderoogsand, Weststrand und Sylt werden u.a. aufgeführt.

Mich begeistert die Weite, die allen Aufnahmen innewohnt und die Ewigkeit, die von den meisten Bildern ausgeht. Bei aller Schönheit vernimmt man allerdings den Appell, achtsam im Hinblick auf die Natur zu sein, damit die Ewigkeit tatsächlich ohne zeitliche Begrenzung ist und  auf diese Weise ein Wort bleibt, dem man seine Berichtigung nicht absprechen muss.

Aufnahmesituation und Fototechnik kann man übrigens dem Klappentext entnehmen.

Empfehlenswert.

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