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Rezension:Christian Voigt- Photography- teNeues

Dieser Prachtbildband zeigt beeindruckende Fotos des Fotokünstlers Christian Voigt, eines Münchners, der in Hamburg lebt und arbeitet. Seit seiner ersten Ausstellung 2009 fanden Einzelschauen in Basel, Hamburg, New York, Los Angeles, London, Saint-Tropez, Amsterdam und Madrid statt. Für seine großformatigen Arbeiten erzielt er bei einer stetig wachsenden Zahl von Sammlern und Bewunderern mittlerweile Höchstpreise. 

Seine Motive findet er auf Reisen. Er hält die Schönheit im Bild fest, schwärmt ein kalifornischer Sammler. Manfred Zollner schreibt in seinem Vorwort Voigts Motivwelt liefert dem Betrachter ein perfektes Arrangement von Harmonien und gezielt eingesetzten Dissonanzen. 

Seine Fotoschau beginnt mit Aufnahmen, die zwischen 2007- 2015 in Europa entstanden sind. Es handelt sich, wie Manfred Zollner so wunderbar formuliert, um komplexe Symphonien für die Augen. Den Anfang nehmen wundervolle Motive  auf Capri, gefolgt von Fotos, die in Venedig entstanden sind, unter diesen auch das Bild einer Braut, die sich im Spiegel eines längst vergangenen Jahrhunderts anblickt und einen Schleier trägt, der die Braut in die Renaissance- Zeit zurückversetzt. 

Fotos vom Rijksmuseum in Amsterdam werden abgelöst von Aufnahmen der Altstadt St. Tropez, denen Bilder des Prados folgen. Kulturreisende kennen die Orte, nicht aber das, was Christian Voigt daraus gemacht hat. Es sind Träume für die Ewigkeit. 

Fotos aus Asien und Afrika, entstanden zwischen 2010- 2014,  führen in eine Welt wunderschöner Tempelanlagen, so etwa auf Bali, führen in sattes Grün, auch an den Nil und zu den Steinmonumenten in Luxor. Sanddünen in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind die Antwort auf die grüne Vielfalt auf Bali. 

Ein Barbershop im Oman sieht kaum anders aus als ein Friseurgeschäft in Thimphu, Bhutan, doch der Schmuckbasar im Oman ist einzigartig. Man mag seine Augen von all dem, was man dort sieht, nicht abwenden und fragt sich, wie lange man in einem solchen Laden wohl verweilen müsste, um alles bestaunen zu können.  Vermutlich Jahre. Eine Schatztruhe aus Tausendundeiner Nacht.

Die Berge von Nepal in Nebel gehüllt, beeindrucken auf andere Art wie die riesigen Bäume in Cambodia oder ein Früchtemarkt dort. 

Bilder von Jerusalem und hier auch von der Klagemauer führen über zu Meditationsübungen junger buddhistischer Mönche in Myanmar. Immer wieder tauchen Bilder von Friseursalons auf, dann auch ein Reisfeld auf dem geerntet wird und schließlich ein Wasserfall in Laos. 

Doch die Reise geht weiter. America, 2008-2015, hier dann tolle Fotos von der Manhattan Skyline, auch von Las Vegas und anderen Orten, wegen denen man Capri nicht verlassen sollte, denn kaum irgendwo ist es so schön wie dort. 

Die phantastische Bilderwelt Christian Voigts ist voller Poesie, eignet sich zum Bestaunen, auch zum Meditieren und zum Geschichtenerzählen. 

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

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Rezension: Die 80er Figurative Malerei in der BRD- Hatje Cantz

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die vom 22.7- 18.10 2015 im Städel Museum in Frankfurt gezeigt wird. Wie Max Hollein, der Direktor des Museums, die Leser wissen lässt, bewegt sich die Ausstellung bewusst auf dem schmalen Grat zwischen Gegenwart und Kunstgeschichte. 

Fast 100 Werke unterschiedlicher Künstler fokussieren in dieser umfassenden Bilderschau das Aufkommen einer figurativen Malerei, die sich parallel in Hamburg, Berlin und dem Rheinland entwickelte. Merkmale sind eine ungezügelte Wucht, malerischer Intelligenz, besondere Frische in diesem tradierten Medium,  aber auch eine ästhetische wie auch inhaltliche Kompromisslosigkeit. 

Die Ausstellung will einen validen kunsthistorischen Ansatz liefern für ein komplexes ästhetisches Phänomen, das um 1980 den Kunstbetrieb auf den Kopf stellte. Neben den gezeigten Werken enthält der Katalog zudem diverse Essays, knappe Biografien der Autoren und ausführliche Biografien der Künstler. 

Bei den Künstlern handelt es sich um: Berlin: Elvira Bach, Luciano Castelli, Rainer Fetting, G.L. Gabriel, Helmut Middenhof, Christa Näher, Salomé, Bernd Zimmer Hamburg: Ina Barfuss, Werner Büttner, Georg Herold, Martin Kippenberger, Albert Oehlen, Markus Oehlen, Bettina Semmer, Thomas Wachweger Rheinland: Hans Peter Adamski, Peter Angermann, Peter Bömmels, Walter Dahn, Jiri Georg Dokoupil, Gerard Kever, Jan Knap, Milan Kunc, Gerhard Nachberger, Andreas Schulze, Volker Tannert. 

Franziska Leuthäusser erläutert die Technik der einzelnen Künstler und den Unterschied der figurativen Malerei in Berlin, Hamburg und im Rheinland. Wer mehr zur Ethnologie der jungen Wilden erfahren möchte, sollte den Beitrag"Pop-Expressionismus- Zur Ethnologie der Jungen Wilden" lesen, den Walter Grasskamp verfasst hat. 

Originale von Elvira Bach sah ich vor einigen Jahren in einer Galerie in Südfrankreich aber auch in einer Galerie in Offenbach. Ihre Frauenbilder, in knalligen Farben, ihre zeichenhafte von schwarzen Linien umgrenzte Malerei schenken den Bildern, wie Leuthäusser zu Recht anmerkt, zusätzlich die Ästhetik und massentaugliche Pop-Art. 

Die Bilder der Ausstellung "Die 80er- Figurative Malerei in der BRD" präsentierten eine Kombination von ästhetischer Grenzüberschreitung, Nihilismus, Provokation, Humor und Ironie. Überzeugen sich selbst. 

276 Abbildungen

Sehr empfehlenswert. 
Helga König

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Rezension: Albis Sigmar Polke- 1963-2010- Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die vom 14. 3. – 15. Juli 2015 im Museum Ludwig in Köln gezeigt wurde. Es handelte sich dabei um eine Retrospektive mit rund 250 Werken, des 2010 verstorbenen Künstlers, darunter weltberühmte wie die "Freundinnen I" von 1967. 

Nach diversen Vorworten, Danksagungen und Grußworten hat man Gelegenheit einen Essay von Kathrin Rottmann zu lesen, der den Titel "Polke im Kontext- Eine Chronologie" trägt.

Chronologien sind zwischenzeitlich fester Bestandteil von Ausstellungskatalogen, weil sie den Gewinn logischen Sinngehalts versprechen, indem sie kontingente Ereignisse in zeitlicher Reihenfolge auflisten. Rottman verschafft dem Leser einen sehr guten Überblick über Leben und Werk dieses Künstlers, den hier verkürzt wiederzugeben den Rahmen der Rezension sprengen würde. 

Kathy Halbreich hat nach der umfangreichen Chronologie eine Einführung verfasst. Hier erfährt man, dass Albis: Sigmar Polke 1963-2010 die erste Retrospektive ist, welche die Experimente des Künstlers in allen Medien umfasst. Dabei richtet sie den Fokus auf seine Innovationen auf den Gebieten der Malerei, Fotografie, Film, Druckgrafik, Fotokopie, Zeichnung, Collage, Skulptur und Performance, aber auch auf jene Werke, die vollständig ineinander verschmelzen. 

Die Einführung führt facettenreich in das gezeigte Werk ein. Im Rahmen von diversen eloquenten Essays kann man sich noch intensiver in dieses vielschichtige Werk vertiefen. Die Texte sind zu komplex, als dass man sie komprimiert hier wiedergeben könnte. Das gilt auch für den wunderbaren Essay von Mark Godfrey, der den Titel "Von Moderne Kunst bis Entartete Kunst. Polke und Abstraktion" heisst. 

Über Polkes Filme wird man aufgeklärt und auch über seine erste Druckgrafik "Freundinnen I", eine schwarz-weiße Fotolithografie, die in einer Auflage von 150 Exemplaren erschien. 

Man lernt eine Fülle von Werken kennen, auch Sigmar Polkes Fenster im Grossmünster in Zürich. Alles sehr beeindruckend und von einer Vielfalt, die es nicht leicht macht, einen inneren Zusammenhang seines OEVRES zu erkennen.

Das Verzeichnis der ausgestellten Werke rundet den Katalog perfekt ab.

Empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Das legendäre Fotoalbum- Te Neues

Dieser Prachtband mit wundervollen Aufnahmen der Starfotografin Marianne Fürstin zu Sayn –Wittgenstein beginnt mit einer Einleitung, die Dr. Beate Reifenscheid verfasst hat und die in englischer, deutscher, französischer und spanischer Sprache abgedruckt worden ist. Neben dieser Einleitung kann man sich in ebenfalls mehrsprachig abgedruckte Texte von Sir Sean Connery und Gunter Sachs vertiefen. 

Marianne Fürstin Sayn – Wittgenstein, geb. am 9. Dez. 1919,  ist die Ur-Ur-Ur-Ur-Enkelin von Kaiserin Maria Theresia. Seit ihrem 9. Lebensjahr fotografiert die ambitionierte Grand Dame bereits. Ihre Fotografien zeigen mehr als sechzig Jahre Zeitgeschichte. 

Die Fotokünstlerin  besuchte die Blochener Kunstschule in München, heiratete schon früh ihren Mann Udi und lebte dann auf Schloss Sayn bei Bendorf. Erst ab den 1970er Jahren übte die Fürstin das Fotografieren als Beruf aus. Es war ihre Freundin Lili Palmer, die sie einige Jahre nach dem tragischen Unfall ihres Gatten bestärkte,  aus ihrer Leidenschaft einen Beruf zu machen. 

Die etwa 150 000 Fotos der berühmten Fotografin zeigen eine Melange aus offizieller Person, politischer Repräsentanz oder künstlerischer Ikone, so Reifenscheid. Für das Buch wurde eine repräsentative Auswahl aus den Fotos getroffen, die man sich immer und immer wieder anschauen kann und dabei stets Neues entdeckt. 

Frühe Bilder sind in Schwarz –Weiß gehalten. Die ersten stammen aus den späten 1930er Jahren. Kurz darauf erblickt man u.a. Schloss Johannisberg im Jahre 1950. Ludwig Sayn-Wittgenstein spielt Golf. Im Hintergrund sieht man das zerstörte Schloss, das später wieder aufgebaut wurde. 

Bilder vom Nürburgring Anfang der 1950er Jahre verdeutlichen, dass es in jenen Jahren, wo viele noch große Aufbauprobleme hatten, es anderen bereits erstaunlich gut ging. 

Es folgen eine Reihe bemerkenswerter Fotos aus den 1950er Jahren, die auch was die Kleidung anbelangt,  interessante Zeitdokumente sind. Erste Farbbilder entstehen dann in den 1960er Jahren. Jet-Set. Romy Schneiders Charme war weniger unterkühlt als der von Brigit Bardot und überaus sympathisch erscheint Ann Mari Bismarck.... 

Seite für Seite lernt man schöne Frauen und einflussreichen Männer kennen. Rasch wird klar, dass fast alles vom Geld und Einfluss bestimmt wird.  

Haben schöne, junge Frauen einen Preis? Oder sind sie ein Preis?

Tolle Fotos von Curd Jügens, ein umwerfend gut aussehender Mann, 1975 mit Senta Berger in Salzburg als "Jedermann" abgelichtet, lassen mich nach der interessantes Frau im Buch Ausschau halten: es ist eindeutig Lilli Palmer. Sehr schön ist die Porträtaufnahme von ihr aus dem Jahre 1976.

Immer wieder sieht man Rennfahrer und hier auch Jochen Maas, neben ihm der Schauspieler David Niven. Tolle, ausdrucksstarke Fotos. 

Unzählige Bilder von Gunter Sachs und seiner Frau Mirja, einer liebenswerten Person mit offenem Gesicht beeindrucken. Ein Hochzeitsfoto von Johannes und Gloria Thurn und Taxis verdeutlicht den immensen Altersunterschied. Man staunt.

Fotos von Gunter Sachs und Sean Connery zeigen zwei Spaßvögel in witzigen Posen. Unmöglich alle Bilder zu kommentieren. Fast alle Aufnahmen sind sehr aussagekräftig. 

Jasmin Aga Khan war eine sehr schöne Frau und Ira von Fürstenberg ebenfalls, aber sie strahlen anderes aus  als die attraktive, intellektuelle  Lilli Palmer. 

Was macht Persönlichkeit aus? Wie wird sie sichtbar? Schwierig. 

Curd Jürgens hatte sie, auch Lilly Palmer und Gunter Sachs, natürlich Leonard Bernstein, Henry Kissinger, Audrey Hepburn, Peter Ustinov, Maximilian Schell und einige andere. 

Persönlichkeit lässt sich nicht kaufen, sondern nur hart erarbeiten.  

Das ist mein Fazit aus diesem wunderbaren Buch, das eigentlich eine Charakterstudie ist.

Die Kunst in diesen Fotos zeigt sich in der Authentizität. Darin liegt das eigentliche Können von Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein begründet.

Sehr empfehlenswert.

Helga König
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256 Seiten,
Hardcover mit Schutzumschlag
168 Farb- und 76 Duplex-Fotografien
Text in Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch

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Rezension: Arno Rink- Hirmer

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen "Werkschau", die vom 26. Juli bis zum 18. Oktober 2015 in Rostock gezeigt wird. Präsentiert werden in der Einzelausstellung etwa 100 Gemälde und Zeichnungen von Prof. Arno Rink, einem zentralen Vertreter der "Leipziger Schule". 

Die Ausstellung findet anlässlich seines 75. Geburtstages statt. Dr. Jörg-Uwe Neumann, Leiter der Kunsthalle Rostock, hat das Vorwort zum Katalog  verfasst. Er lässt die Leser wissen, dass Arno Rink das Bindeglied zwischen alter und neuer Leipziger Schule ist. 

Rink war derjenige, der durch sein Schaffen und seine Lehre die junge Generation der Leipziger Studenten wie kein anderer beeinflusste. Er fokussierte  durch sein Eingeschlossensein in der DDR Topoi, die einen kritischen, teilweise auch einen subversiv gemeinten gedanklichen Austausch möglich machten. "Ikarus"  eignete sich als solches Thema und die Antike generell mit ihren Interpretationsmöglichkeiten. 

Allerdings geht es Rink vorrangig nicht um Gesellschaftskritik, das wird in seinen späteren Bildern besonders deutlich, sondern um Schönheit und Verführungskunst, auch um Eitelkeit, Gewalt und Schmerz. 

Rinks Zeichnungen sollen die Konstante in seinem Werk sein. Zeichnen, so Dr. Ulrich Ptak, helfe Rink bei der Klärung kompositorischer Fragen. Es trage aber auch Spuren psychologischer Notwendigkeit. Am eindringlichsten sei Rink dort, wo seine handwerkliche Meisterschaft in freie Improvisation übergeht. 

Textbeiträge von Neo Rauch und Michael Triegel machen die gezeigte Bilderwelt begreifbarer. Dabei hat mir die klare, unverkünstelte Sprache des Malers Neo Rauchs gefallen. So schreibt dieser: "Die Malerei als sicheren Zufluchtsort, als wärmende Heimstatt und als letzten unverdorbenen und noch urbar zu machenden Winkel auf Erden zu empfinden, ist wohl nur denen möglich, die sich diesem Medium gänzlich verschrieben haben, und denen gewiss auch von Geburt an nichts anderes vorgezeichnet war. Die also, für die Malerei nicht ein nach Belieben zu aktivierendes Ausdrucksmittel unter vielen ist, sind in ihren frühen Jahren auf Lehrer wie A.R. angewiesen.“ 

Es sind Gemälde wie die "Italienische Begegnung", 1978, die mich in ihrer Ausdruckskraft ansprechen.  Rinks Aktbilder sollte man aufmerksam studieren. Hier beeindruckt mich die "Große Rückenfigur", 2009/10 sehr, allein der wunderbaren Farbgestaltung wegen. Insgesamt sprechen mich die Bilder neueren Datums mehr an als die Bilder aus Zeiten der DDR. 

Seine "Judith",  2011 finde ich einfach wundervoll, ein grandioses Werk, sowohl der  Linienführung als auch der Farben und der Mixtur aus Antike und Moderne wegen. 

Werke wie etwa "Kleine Versuchung VI", 2014, "Unterm Tuch" 1996 und "Jagd" 2012 dokumentieren, dass der Maler, befreit von der Enge vor 1989, heute weitaus mehr sein inneres Selbst in seinen Bildern offenbart, das dem Verführen und der Schönheit huldigen möchte. 

Arno Rink kommuniziert diese Facette des Lebens aufs Vortrefflichste in seinen Werken, die ihrer 
Farb- und Formgestaltung wegen immer wieder neugierig machen.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Licht- Andreas von Maltzan- teNeues

Der Fotograf Andreas von Maltzan hat an der Ludwig-Maximilian- Universität Kommunikationswissenschaften und Betriebswirtschaftslehre studiert. 1994 gründete er gemeinsam mit drei Partnern "Zum goldenen Hirschen", eine der kreativsten Agenturen in Deutschland. Fünf Jahre danach rief er die Online-Gesellschaft CYNOBIA AG  ins Leben und realisierte dort neue Geschäftsmodelle. 

Im Vorwort schreibt er, dass es für ihn kein Leben und keine Liebe ohne Licht gibt. Dies ist eine wichtige Aussage für die Interpretation seiner Bilder.

Der Fotokünstler ist der Ansicht, dass ein gutes Bild nicht erklärt werden müsse, es wirke durch sich selbst. Seine Arbeiten sind Lichtzeichnungen. Er lichtet die Orte,  wie Venedig oder die Malediven. Dabei geht es ihm nicht um die Orte an sich, sondern um die Lichtspuren, die die Orte auf dem Chip hinterlassen, um überbordende Farben und Bewegungen. 

In seinen Aufnahmen, die nicht selten nachts entstanden sind, zerfällt die Welt in Pixel, um auf diese Weise als abstraktes Kunstwerk wiedergeboren werden zu können. 

Auch wenn die Bilder nicht erläutert werden müssen, weil sie durch sich selbst wirken, macht es viel Freude, sich in einzelne Aufnahmen zu vertiefen und sich Texte dazu zu überlegen, weniger bild-erläuternde als kleine Geschichten, die sich zum Zeitpunkt der Entstehung der Fotos dort abgespielt haben könnten.

Keines der Bilder bildet Klischees ab, obschon Orte wie Lissabon, Venedig und Palermo dazu verführen könnten. Selbst der schiefe Turm von Pisa erzählt eine Licht- Geschichte weit entfernt von seinem Klischee. 

Fasziniert bin ich von einer Nachtaufnahme in Syrakus. Sie entstand 2011. Gezeigt wird der Piaza Duomo dort und zwar lichtüberflutet. 2005 erklärte die UNESCO Syrakus gemeinsam mit der Nekropolis von Pantalica zum Weltkulturerbe mit der Begründung: 

"dass die Orte und Bauwerke, die das Ensemble Syrakus/Pantalica bilden, eine einzigartige Ansammlung bemerkenswerter Zeugnisse der Mittelmeerkulturen über die Jahrhunderte an derselben Stelle darstellen. Das Ensemble Syrakus/Pantalica bietet durch seine bemerkenswerte kulturelle Vielfalt ein außergewöhnliches Zeugnis der Entwicklung der Zivilisation über mehr als drei Jahrtausende. Die Gruppe von Bauwerken und archäologischen Stätten, die in Syrakus liegen (von dem Kern auf Ortygia bis zu den Überresten, die über den gesamten Stadtbereich verstreut sind), ist das beste Beispiel einer hervorragenden architektonischen Leistung, die verschiedene kulturelle Aspekte umspannt (griechisch, römisch, Barock). Das antike Syrakus war direkt mit Ereignissen, Ideen und literarischen Werken von hervorragender weltweiter Bedeutung verbunden." (siehe Wikipedia) 

Andreas von Maltzan sagt eingangs, Licht sei die Kraft, die uns täglich bewegt. Syrakus im Licht zu zeigen,  bedeutet auch, an die Kraft der Menschen zu erinnern, die dort Kultur schufen in unterschiedlichen Epochen, die zu visualisieren dann Freude bereitet, wenn man den Geist des Schaffens mit einbindet. Dieser ist eindeutig im Licht als Quelle von Kreativität zu sehen. 

Es ist wahr, wenn Astrid Bscher schreibt, dass die Bilderwelten Andreas von Maltzans lebensbejahend sind, aber sie sind auch geheimnisvoll und regen zum Träumen an. 

Kommentare zu den Bildern von namhaften Persönlichkeiten machen immer wieder auf den Lichtmoment aufmerksam.

Während man das doppelseitige Foto "Casanova´s Way" bewundert, sieht man ihn im Geiste dort entlang gehen. Er hat weitaus weniger an amouröse Abenteuer gedacht, als mancher meint. Letztlich war er ein Intellektueller, dessen Hauptvergnügen geistreiche Konversation war. Man glaubt ihn von daher mit Voltaire plaudernd den Weg entlang schlendern zu sehen, ein wenig erheitert von Champagner, den beide zuvor im Kreise schöner Venezianerin getrunken haben. Für Voltaire waren die Italienerinnen etwas zu laut. Lärm war für ihn das Gegenteil von Erotik. Sein Maßstab- Madame Pompadour- das Ideal einer Epoche- war die Königin der Nacht in Versailles. Eine Stilikone voller Licht. Das verschwieg Voltaire Casanova natürlich. Die Contenance gebot es ihm.

Es sind Kunstwerke, die Andreas von Maltzan schafft und während man auf die lichtdurchflutete Kathedrale von Regensburg blickt und all die lichtdurchfluteten Gebäude in der Folge bewundert, begreift man,  weshalb die Natur allein durch Pflanzen und Blumen bereits ungeheuer lichtdurchflutet wirkt. 

Es sind die Abstraktionen zu Ende des Werkes, die am besten dokumentieren, was Sarah Kronsbein zu dem Werk von Andreas von Maltzan meint: "In seinen Fotografien vereinen sich die Magie außergewöhnlicher Orte und die Energie des besonderen Moments." Genauso ist es. 


Ein wundervoller Bildband 

Sehr empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum teNeues Verlag und können das Buch bestellen: http://www.teneues.com/shop-de/lichtavm.html Sie können das Buch auch direkt bei  Ihrem Buchhändler vor Ort bestellen.

Rezension: Panoptikum - Volker Stelzmann- Prestel

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Panoptikum", die vom 15. Juni bis 30. August 2014 im Osthausmuseum in Hagen präsentiert wird. 

Alle zwei Jahre lobt die Stadt Hagen den Karl-Osthaus-Preis aus. In diesem Jahr hat sich die Jury für den Berliner Maler Volker Stelzmann entschieden, der am 5. November 75 Jahre alt wird. 

Der Künstler ist eine zentrale Figur in der deutschen Malerei der letzten 40 Jahre. Die Ausstellung zeigt 70 seiner Gemälde und 60 seiner Handzeichnungen, die im Katalog für all jene, die die Ausstellung nicht besuchen können oder sich nach einem Ausstellungsbesuch abermals in die Bilderwelt des Preisträgers vertiefen wollen, visualisiert worden sind. 

Die Bilderschau zeigt das aktuelle Schaffen des Künstlers der letzten Jahre mit bestimmten Rückblicken auf die Genese. 

Stelzmann wurde 1940 in Dresden geboren und war nach seinem Studium in den 1960er Jahren Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR, wo man ihm 1978 den Kunstpreis des Landes verlieh. 1982 wurde Stelzmann Professor an der HfGuB in Leipzig und erhielt ein Jahr später in der DDR den Nationalpreis für Kunst und Literatur. 

Im Jahre 1986 kehrte er von einer Ausstellungseröffnung im Westen nicht mehr zurück in die DDR, hatte dann von 1987-88 eine Gastprofessur in Frankfurt an der Städelschule und wurde schließlich  an der Hochschule für Künstler in Berlin zum Professor für Malerei berufen. 2006 endete seine Lehrtätigkeit dort. Seither lebt und arbeitet er in Berlin als freischaffender Künstler. 

Seine Bilder sind geprägt von mannigfaltigen Figurenkompositionen, die aus einem angedeuteten, dunklen Hintergrund hervortreten. Das scheinbar realistische Figurenarsenal entpuppt sich als Konstrukt der Imagination. 

Peter Femert schreibt in seinem Vorwort, dass Volker Stelzmann Voyeur, Skeptiker und Humanist, aber in erster Linie Maler sei. 

Im Rahmen mehrerer Essays unterschiedlicher Autoren lernt man den Künstler und sein Schaffen besser kennen und erfährt hier auch, dass Stelzmann nicht nur Maler sondern auch ein passionierter Kenner der Malerei sei. Er ist offenbar kein politischer Künstler. Sein Interesse gilt der Schauseite, dem Straßenbild der Gesellschaft, nicht den ideologischen und gesellschaftlichen Hintergründen. Ähnlich wie Dix möchte er radikal bezeugen, aber nicht belehren, analysieren und bessern. 

Um mehr über die Bilder zu erfahren, ist es sinnvoll,  das Interview, das Martina Morawitz mit ihm führte, zu lesen. Kai Uwe Schierz befasst sich dann in der Folge mit der christlichen Ikonografie im Werk Stelzmanns, ein komplexes Thema, dass sich an dieser Stelle nicht in zwei Sätze zusammenfassen lässt. 

Die Autoren des Buches werden zum Schluss alle vorgestellt und man kann hier auch Kurzbiografien über sie lesen. Es handelt sich um ein hochkarätiges Team, dem auch, wie schon angedeutet, der Frankfurter Quereinsteiger im Kunsthandel Peter Femert angehört. 

Die Bilder im Buch  zu beschreiben ist eine Herausforderung, die Monate in Anspruch nimmt. Begriffe wie "schön" oder "häßlich" finden in solchen Beschreibungen allerdings keinen Platz. 

Empfehlenswert 

Helga König

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Rezension Peter J. König:Zeiss- Art- Calendar- Vol 1- Wim Wenders, Bryan Adams, Ellen von Unwerth, Michel Comte, Mary McCartney, Douglas Kirkland, teNeues

Der teNeues Verlag hat mit dem Kamera- und Linsen-Hersteller ZEISS einen überaus bemerkenswerten und höchst interessanten Kunstbildband herausgebracht, der die neue Kalenderserie von ZEISS ab 2009 thematisiert. 

Seit 2008 ist Firma ZEISS in der Gestaltung ihrer Kunst-Kalender völlig neue Wege gegangen. Sie haben ihre kalendarischen Jahresarbeiten von prominenten und anerkannten Fotografen durchführen lassen, deren monatliche Aufnahmen nicht nur von einem besonderen künstlerischen Wert geprägt sind, die Paarung der abgelichteten Akteure sind auch allesamt Personen aus der glamourösen Welt des Films, der Mode und der klassischen Musik. 

Dabei inszenieren die Weltstars sich jeden Monat anders, jeweils eine Paarung ist durchgehend auf einem Jahreskalender im Focus eines berühmten Kunst-Fotografen. Wim Wenders, der weltweit bekannte Regisseur aus Deutschland, dessen fotografische Leistungen weit mehr als nur ein Hobby sind, er reüssierte bereits in vielen Ausstellungen, zeigt seine künstlerischen Werke im ZEISS ART CALENDAR 2009 unter dem Motto: "Tomorrow Morning". 

Seine Darsteller im Bild sind die Hollywood-Schauspieler Amber Valetta & Willem Dafoe. Die unterschiedlichen Szenarien, die Wim Wenders gewählt hat, zeigen doch eindeutig, dass seine Heimat der Film ist, entsprechend sind die Aufnahmen großartig komponiert.

Der Sänger und Fotograf Byran Adams hat 2011 den Kalender kreiert. Sein Motto ist: "Size and the City". Mit dem deutschen Super-Modell Tatiana Patitz und dem Hollywood-Mimen Michael J. Fox sind Adams amüsante und ausdrucksstarke Kalenderbilder in New York gelungen, auch durch den körperlichen Größen-Unterschied der beiden Prominenten, sie die große, kühle Blonde und er der etwas klein geratene, witzige Frauenschwarm, der dabei viel Humor ausstrahlt. 

Den ZEISS Art Kalender 2012 verantwortet Ellen von Unwerth fotografisch unter dem Leitmotiv: "Complementing Moments". Die gebürtige Frankfurterin begann einst als Top-Model und wurde dann parallel zu ihrer Karriere eine gefragte Fotografin. Sie inszeniert den Art-Kalender mit dem momentan wohl bekanntesten deutschen Super-Model Toni Garrn und dem amerikanischen Schauspieler Adrien Brody, wobei die Gestaltung sich eher im Stil der "Roaring Twenties" bewegt. 

Der Schweizer Fotograf Michel Comte wiederum hat den ZEISS Art Calender 2013 konzipiert. Seine Darsteller sind der Schauspieler Patrick Dempsey und die japanische Schauspielerin Rinko Kikuchi. Das Bemerkenswerte an diesem Kalender ist die künstlerische Gestaltung der Aufnahmen, die eine starke Tendenz zum Surrealen haben und so eher einem Gemälde ähneln, als der konkreten fotografischen Kunst.

2014 ist es der Fotokünstlerin Mary McCartney gelungen einen vielbeachteten Kalender für ZEISS zu fotografieren. Die Autodidaktin aus dem berühmten McCartney Clan hat mit Alec Baldwin einen der aktuell renommiertesten Schauspieler Hollywoods vor die Linse gebracht, ihm zur Seite steht das ehemalige Bond-Girl Gemma Arterton. 

Zusammen durchstreifen sie die alten Stadtteile von New York, wobei gelegentlich geradezu nostalgische Aufnahmen entstanden sind. Deshalb auch hat Mary McCartney das dazu passende Motto gewählt: "Moments in the City".

"Opera with a Twist" hat der Fotograf Douglas Kirkland für seinen Kalender 2015 als Überschrift genommen. Ganz in diesem Sinne sind es die weltberühmte Opernsängerin Cecilia Bartoli und ihr nicht weniger gefeierte Kollege Rolando Villazon, die gemeinsam den großen Glamour bei diesen wohl gestalteten Aufnahmen verkörpern. Dass sie eine entsprechende Erfahrung von den Opernbühnen mitbringen, wird auf den Bildern besonders deutlich. Die Kunst von Douglas Kirkland, einem Meister seines Faches, ist es allerdings genau den richtigen Moment zu erwischen. Und dies ist ihm vortrefflich gelungen.

Wie bei allen Kunstbildbänden von teNeues hat man auch mit diesem Werk etwas ganz Besonderes in den Händen. Dabei sind die Verbindung der Fotografen, der dargestellten Prominenten und die jeweiligen Inszenierungen durchaus ungewöhnlich. Dies aber ist der Reiz der "ZEISS Art Calender" und dies auch ist der Grund, warum teNeues ein solches meisterlich fotografisches Kunstprojekt aufgelegt hat. 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König .

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Rezension: Der gestohlene Klimt- Wie sich Maria Altmann die Goldene Adele zurückholte- Elisabeth Sandmann

Die Verlegerin Dr. Elisabeth Sandmann befasst sich seit einigen Jahren bereits mit dem Thema "Restitution". 

Der Duden definiert diesen Begriff u.a. wie folgt:

a. (Völkerrecht) Wiedergutmachung oder Schadensersatz für einen Schaden, der einem Staat von einem anderen zugefügt wurde 
b. (im römischen Recht) Aufhebung einer Entscheidung, die eine unbillige Rechtsfolge begründet,
c. (Rechtssprache) Rückgabe oder Entschädigung des (während der Zeit des Nationalsozialismus oder der DDR) eingezogenen Vermögens von Verfolgten. 

In diesem Zusammenhang erschien auch das Buch "Verlorene Bilder- Verlorene Leben- Jüdische Sammler und was aus ihren Kunstwerken wurde", das ich auf "Buch, Kultur und Lifestyle" bereits rezensiert habe. 

Bevor ich "Der gestohlene Klimt" gelesen habe, vertiefte ich mich zunächst in die Bilder, das heißt in die Gemäldeablichtungen von Werken des Malers Gustav Klimt und in die Fotos der Protagonisten dieses spannend zu lesenden Sachbuchs. 

Bei diesem Tun las ich zur Einstimmung auch die Zitate,  die zu Anfang der einzelnen Kapitel stehen. 

Wer nun war die "Goldene Adele", wer Maria Altmann und was verbindet die beiden Damen? 

Adele war die aparte Tante Marias, die wohlhabende Jüdin Adele Bloch –Bauer, eine Freundin und Verehrerin des Malers Gustav Klimt, der von ihr zahlreiche Skizzen und Gemälde anfertigte, nicht zuletzt das berühmte Bildnis der "Goldenen Adele“. 

Die Autorin berichtet zunächst von einzelnen Familienmitgliedern der in Wien ansässigen jüdischen Familie Bloch- Bauer  zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Marias Mutter und deren Schwester Adele waren Kinder eines erfolgreichen Bankiers. Adele heiratete den fast doppelt so alten Ferdinand Bloch, einen reichen Zuckerfabrikanten und Bruder des Ehemanns ihrer Schwester,

Adele ist wissbegierig, Autodidaktin, die sich mit Kunst, Literatur, Politik und Geschichte befasst. Sie soll ein Mensch gewesen sein, der gerne den Dingen auf den Grund ging, gerne Zusammenhänge herstellte und die den Zeitgeist erfassen wollte. Elisabeth Sandmann zeichnet von ihr ein klares Bild und man erahnt sehr schnell, weshalb Gustav Klimt von dieser Frau so angetan war. Sie war etwas ganz Besonderes.

Man erfährt mehr über diese freundschaftliche Verbindung und die Vorgeschichte zur Entstehung des spektakulären Werks, d.h. zu dem Weg, der ihn in die "goldene Phase" eintreten und ein "Feuerwerk an Ornamentik" entzünden ließ, welches seinesgleichen sucht. 

Auf dem Gemälde "Adele Bloch Bauer I", entstanden 1907, stilisiert Klimt Adele als Herrscherin, angelehnt an die byzantinische Kaiserin Theodora, deren Mosaik-Porträt der Wiener Künstler in Ravenna kurz zuvor studiert hatte. Ausgestellt wurde das Gemälde erstmals im gleichen Jahr auf der Internationalen Kunstausstellung in Mannheim. 

Adele und ihr Mann erwarben einige Klimt- Werke, die im Buch gezeigt werden, darunter ein weiteres Gemälde, das Adele Bloch-Bauer zum Gegenstand hat, diesmal nicht in Herrschaftspose, sondern wohl eher naturverbunden. 

Man liest von Klimts und Adeles Tod. Beide sind relativ früh verstorben, lange bevor die braune Pest in Deutschland die Macht übernahm. Man erfährt Wissenswertes zu Adeles Testament, das sie 1923 verfasste und das es möglich machte, dass 75 Jahre später ein transatlantischer Rechtsstreit über die vererbten Bilder ausbrechen konnte. 

Über Maria Altmann- die schöne Nichte-  und ihr schicksalhaftes Leben wird man packend unterrichtet. Es ist die Geschichte einer  tapferen Jüdin, die sich gemeinsam mit ihrem Mann vor dem Tod im Konzentrationslager retten konnte, aber ihr gesamtes Familienvermögen und das ihres Mannes dabei an die Nazis verlor. 

Verhaftung ihre Mannes, Plünderung und Erpressung seitens des Nazi-Packs sind erschütternde Themen des Buches, doch auch wie im letzten Moment die Flucht in die USA gelang. Es führt zu weit im Rahmen der Rezension auf Einzelheiten einzugehen. Wie Elisabeth Sandmann resümierend schreibt, verhielt es sich nach dem Krieg für die emigrierte Familie wie folgt: 

"Im Exil ist man in erster Linie damit beschäftigt, sein Leben zu organisieren und ausrechend Geld für die Familie zu verdienen. Nach dem Krieg steht die Suche nach überlebenden Freunden und Verwandten im Vordergrund- es gibt also zunächst andere Sorgen, als sich um das zu kümmern, was die Nazis geraubt hatten. "

Der Rechtsanwalt Randol Schoenberg reicht im Jahre 2000 im Namen der Erben von Ferdinand und Adele Bloch Bauer- Maria ist  damals die letzte noch lebende Nichte und bereits 84 Jahre alt - am Federal Court in Los Angelos Klage gegen den österreichischen Staat, wo sich die Bilder in dessen Besitz befinden,  ein. Die Klagemöglichkeit wird zugelassen. Schließlich wird das Höchstgericht der Suprem Court nach langem Hin und Her 2006 Recht sprechen und zwar zugunsten Maria Altmanns. 

Fünf Bilder von Gustav Klimt gehen am Maria Altmann. Der österreichische Staat muss die Gemälde im Werte von 300 Millionen Dollar der rechtmäßigen Eigentümerin übereignen. 

2011 stirbt Maria Altmann im Alter von 94 Jahren. Ihr wiederfuhr etwas, was es selten gibt: Ein zumindest materieller Ausgleich für erlebte Demütigung und Leid. 

Die Geschichte wurde mittlerweile  mit dem Titel "Die Frau in Gold" mit Helen Mirren in der Hauptrolle verfilmt. 

Ein Satz Maria Altmanns, der mich besonders freut, weil er bestätigt, dass der Glaube oft Berge versetzen kann ist: 

"Ich habe immer gehofft, dass die Gerechtigkeit ihren Lauf nimmt. Und genau das ist geschehen.“ 

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Elisabeth Sandmann Verlag und können das Buch bestellen.http://www.elisabeth-sandmann.de/1538/momente-des-lebens-der-gestohlene-klimt. Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: Pierre -Joseph Redouté- Auswahl der schönsten Blumen- 1827-1833- TASCHEN

Dieser Prachtband (ein Nachdruck, ursprünglich erschienen zwischen 1827- 1833) aus dem TASCHEN Verlag präsentiert die Auslese der schönsten Blumen des Künstlers Pierre-Joseph Redouté.

Der einleitende Text ist in englischer, deutscher und französischer Sprache abgedruckt. Dabei lautet der Titel "Pierre-Joseph Redouté, der Raffael der Blumen". Hier liest man zunächst historisch Wissenswertes über die Hauptstadt der Botantik, nämlich über Paris. Der Pflanzenillustrator Pierre-Joseph Redouté (1759- 1840) ist über Fachkreise hinaus bis heute noch bekannt. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Redouté hat mit über 2000 gemalten Pflanzendarstellungen von Natur und Präzision ein beachtliches Werk hinterlassen. 

Der Künstler spezialisierte sich auf die Darstellung von lebenden Pflanzen. Diese wurden in Gärten und Baumschulen in und um Paris kultiviert. Deshalb auch strahlen die Aquarelle eine bemerkenswerte Frische aus. Da die Auftraggeber sehr einflussreich waren, nannte man den Künstler auch "Talleyrand der Künste". Redouté malte nicht selten Zierpflanzen, weil diese Bilder sich gut vermarkten ließen. Beliebt war seine weiche Linienführung, sein nicht selten kaum merkbarer ornamentaler Schwung, sein Raffinement, Pflanzen auf einem Blatt anzuordnen. 

Heute erzielen seine Aquarelle und Graphitstiftzeichnungen Höchstpreise.

Der in den Ardennen geborene Künstler ging nach seinen Wanderjahren nach Paris und wurde vom einem hohen Beamten entdeckt, der ihn für die Herstellung naturgetreuer Pflanzenabbildungen einsetzte und in wissenschaftliche Illustrationen einführte. Er reiste nach London, wo er sich mit einem neuen Tiefdruckverfahren vertraut machte: dem Punktstrich, verbunden mit dem Farbdruck von der Platte. Dazu erfährt man dann im Buch Näheres. 

Im Jahre 1985 wurden 486 Blätter des Künstlers für ca. 5,5 Millionen US-Dollar in New York von einem Kunsthändler ersteigert und in alle Winde verstreut. TASCHEN schenkt mit diesem Prachtband den Betrachtern die Chance, eine Vorstellung von der Meisterschaft Redoutés zu erhalten, aber auch von dem Können der von ihm beauftragten Drucker. Auf diese Weise ist zumindest indirekt ein Blick möglich, in die längst untergegangene Pracht der Gewächshäuser und Gärten in und um Paris, derer man sich im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts seitens der Elite Frankreichs erfreute. 

Die einzelnen Blätter werden großformatig gezeigt. In englischer, deutscher und französischer Sprache erfährt man mehr zu dem, was man sieht. Blüten und Früchte in großer Zahl warten auf den Betrachter, von bemerkenswertem Hintergrundwissen begleitet. 

Mitunter ist ein Schmetterling neben einer Blume zu sehen, doch zumeist lenkt nichts von der Schönheit der Blüten oder der Früchte ab. Besonders gut gefällt mir eine breitblätterige Platterbse in einem Magenta-Ton, deren alter Name Bukett-Wicke ist. Auch der gewöhnliche Sumpf-Vergissmeinnicht und die Garten-Stiefmütterchen sind einfach zauberhaft und all die prachtvollen Pfingstrosen, natürlich ganz besonders hervorzuheben die Rosen, aber auch der Ast mit Reineclauden, den französischsten aller Früchte. 

Ein traumhaftes Buch, ein wahrer Juwel, den man sorgfältig bewahren sollte, weil er ein Leben lang Auge und Herz erfreut, auch in Zeiten, in denen man solche Blumen nur beim Gärtner eventuell entdeckt.

Auf ein edles weinrotes, seidenes Lesebändchen wurde nicht verzichtet, um sich  Tag  um Tag den 144  hier gezeigten Werken  neu zu widmen.  Wundervoll. Wie in längst vergessener Zeit...

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum TASCHEN-Verlag und können das Buch bestellen:http://www.taschen.com/pages/de/catalogue/classics/all/00361/facts.redoute_selection_of_the_most_beautiful_flowers.htm. Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern,