Dieses Blog durchsuchen

Rezension:Theodor Heuss und die Kunst (Gebundene Ausgabe)

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Theodor Heuss und die Kunst", die vom 21. Juli bis zum 10. November 2013 im Kunstmuseum Hohenkarpfen bei Hausen ob Verena gezeigt wird und vom 15. März bis 29. Juni 2014 in der Kunsthalle Vogelmann/Städtische Museen Heilbronn zu sehen ist.

Bei diesem Buch habe ich meine Lesereise mit dem 2. Textbeitrag begonnen und mich zunächst über die Biografie des Kulturbürgers Theodor Heuss kundig gemacht. Ich wusste zwar, dass er 1949 zum ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt wurde, kannte aber seine Vita bislang kaum. Seine Promotion schrieb er übrigens über den "Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn am Neckar" und studiert hatte er neben Nationalökonomie, Literatur, Geschichte, Philosophie, Kunstgeschichte auch Staatswissenschaften.

 Mir war nicht bekannt, dass Heuss schon 1903 erste monografische Texte über Künstler verfasste und ich kannte auch nicht seinen journalistischen Werdegang. 1953 übrigens gründete er die Deutsche Künstlerhilfe und hat sich in seinem gesamten Leben unglaublich intensiv für die Kunst eingesetzt. Für einen Politiker ist ein solches Handeln aus dem Verständnis, dass man heute über Politikern leider gezwungen wird zu entwickeln, geradezu unglaublich. Heuss hat im Laufe seines Lebens ein weit verzweigtes, intensives Freundschaftsgeflecht gewoben, dem Persönlichkeiten aus allen Bereichen des gebildeten Bürgertums angehörten: Politiker, Literaten, Publizisten und auch Künstler.

Im vorliegenden Buch hat man Gelegenheit, sind aufgrund vieler eloquenter Textbeiträge ein Bild zu machen. Dabei informiert Stefan Borchardt in seinem einleitenden Beitrag ausführlich über Theodor Heuss und die Kunst, schreibt über ihn als Feuilletonist und Funktionär auch über ihn als Kultusminister von Baden Württemberg, aber auch über seine kulturpolitischen Initiativen als Bundespräsident und man erfährt Wissenswertes über ihn als Zeichner. Unterbrochen werden die acht Textbeiträge immer wieder von Bildern der Ausstellung, darunter Werke von Ernst Ludwig Kirchner, Max Liebermann und Oskar Kokoschka, aber auch tolle Zeichnungen von Theodor Heuss.

 Man erfährt ferner Wissenswertes über den Kunstpublizisten, Künstlerfreund und Sammler Theodor Heuss, den Christiane Ketterle einen Augenmenschen nennt. Es führt zu weit, die einzelnen Stationen des Kulturmenschen Heuss hier zu fokussieren. Gesagt werden muss aber, dass es Freude macht, die Bilder der Ausstellung zu bestaunen, so etwa die Gemälde von Hans Purrmann, vor allem das Bild "Villa Romana", aber auch über die vielen Freundschaften dieses kunstsinnigen Politikers zu lesen, der für mich in vieler Hinsicht ein glaubhafter Botschafter des Guten, Wahren und Schönen war.

Empfehlenswert. 

Bitte  klicken Sie auf den Button dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Sebastiao Salgado. Genesis: Trade Edition (Gebundene Ausgabe)

"Nachhaltigkeit ist die große Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Um sie zu erreichen, müssen wir beginnen, die Art und Weise, zu verändern, mit der wir die Welt sehen, mit der wir über sie nachdenken und mit ihr umgehen." (Irena Bokova, Generaldirektorin der UNESCO)

Dieser Prachtband wurde von Lélia Wanick Salgado herausgegeben. Sie konzipiert seit den 1980ern Fotobücher und organisiert Ausstellungen, auch solche mit dem Fotografen Sebastiáo Salgado, der die traumhaften Schwarz-Weiß-Bilder im vorliegenden Werk realisiert hat. Frau Salgado ist seit 1994 Geschäftsführerin von Amazonas images.

Der Fotograf Sebastiáo Salgado begann seine berufliche Karriere 1973 in Paris und hat für namhafte Bildagenturen wie Magnum Photos gearbeitet. Mit seiner Frau Lèlia gründete er gemeinsam Amazonas images. Diese Firma vertritt seine Werke exklusiv.

Dem vorliegenden Fotoband "GENESIS" ist ein Begleitheft beigelegt, in dem man die Fotos, die in dem über 500 Seiten dicken Buch gezeigt werden, ausführlich erklärt bekommt. Zudem kann man sich in einen tabellarischen Lebenslauf des in Brasilien geborenen Künstlers vertiefen, erfährt in welchen Büchern andere seiner Werke veröffentlicht wurden, wo er die Fotos ausgestellt hat und wird auch über seine Filmografie informiert.

Der Fotograf hat im Rahmen seines umfangreichen Oeuvres drei herausragende Langzeitprojekte geschaffen. Das Projekt "Arbeiter" befasst sich mit dem allmählichen Verschwinden traditionell handwerklicher Arbeit, das Projekt "Migranten" mit den massenhaften Wanderbewegungen, deren Ursache Hunger, Naturkatastrophen, Umweltzerstörung und der Druck des demoskopischen Wandels sind. "Genesis" zeigt die letzten Naturräume, die der menschlichen Zivilisation entgangen sind. Um dieses Buchprojekt auf den Weg bringen zu können, unternahm Salgado mehr als 30 Reisen innerhalb von 8 Jahren.

Untergliedert ist "GENESIS" in die Kapitel:Im Süden der Erde, Zufluchtsorte (Die Galapagosinseln; Die Volksstämme von Irian, Yaya, Indonesien; Madagaskar; Die Mentawai, Indonesien), Afrika (Das Volk der San, Die Dinka im Südsudan; die Himba; eine Reise durch das Alte Testament); Nördliche Weiten (Karibus im Artic National Wildlife Refuge; Die Nenzen); Amazonien und Pantanal, (Die Stämme der Zo’é; Die ALTO-XINGU –Indianer; Die Fauna des Pantanal).

Das Geleitwort hat Iren Bokova, die Generaldirektorin der UNESCO verfasst. Salgado arbeitet schon lange mit der UNESCO zusammen. Das Ziel ist ein gemeinsames. Es geht darum, die Menschheit und unsere natürliche Umwelt besser zu verstehen und besagtem Verständnis eine breitere Basis zu verschaffen.

Gezeigt werden auf den künstlerisch wertvollen Fotos Landschaften, wilde Tiere und Menschen, die den Betrachter Demut lehren. Für die Entwicklung und das Überleben heimischer Flora und Fauna bieten abgelegene Inseln die idealen Bedingungen. Dies ist der Grund, weshalb singuläre Tiere und Pflanzenarten nicht selten in eng umgrenzten geografischen Gebieten vorkommen. Sehr bereichernd sind in diesem Zusammenhang die Bilder von den Galapagosinseln, aber auch von Madagaskar. Dort beispielsweise kommen 90% der Tier- und Pflanzenarten nirgendwo sonst auf der Erde vor. Allein 860 Orchideenarten und 170 Palmenarten finden sich dort.

Die Ureinwohner mancher der gezeigten Inseln wirken wie von einer anderen Welt in ihrer Nacktheit und der Art sich zu schmücken. Spätestens nach diesen Bildern wird klar, dass Schmuck und Schminke keineswegs von der Kosmetikindustrie erfunden worden ist.

Leider ist es ganz unmöglich, auf all die beeindruckenden Fotos, die teilweise großformatig aufklappbar sind, im Buch einzugehen. Wundervolle Bilder zeigen afrikanische Himbas, von denen man erfährt, dass ihre Haut einen rötlichen Schimmer hat, aufgrund eines Gemisches aus Butter, Asche und eisenoxidhaltiger Ockerfarbe. Entsetzt haben mich die Lippenteller der Frauen der Mursi und der Surma. Sie sind die letzten Frauen der Welt, die sie tragen. Man vermutet, dass die Männer ihre Frauen einst so verunstaltet haben, um sie vor den Raubzügen der Sklavenhändler zu schützen. Heute tragen nur noch Frauen höherer Gesellschaftsränge diese Teller. Sie scheinen zum Statussymbol geworden zu sein.

Sehr sonderbar mutet auch der Schmuck der Zo`é an. Das ist ein Indianerstamm, der isoliert im nördlichen Amazonien lebt. Dieser Stamm ernährt sich u.a. von Affen. Aus dem Schienbein der Affen werden Werkzeuge hergestellt, mittels denen man die Unterlippe junger Mädchen und Männer perforiert und einen Holzstift durch das Loch treibt. Der Stift wird dann regelmäßig durch einen größeren ersetzt. Alles sehr seltsam, aber nicht merkwürdiger als mitteleuropäisches Piercing.

Es lohnt all die Landschafts- und Tierbilder und die Fotos archaisch anmutender Menschen sehr lange anzuschauen, um zu begreifen, dass wir eine große Verantwortung gegenüber der Vielfalt auf unserer Erde haben. Die Welt ist vielfältig angelegt und das gewiss nicht grundlos. Wir sollten uns also davor hüten, sie vereinheitlichen zu wollen. Das nämlich hat nur verbrannte Erde zur Folge.

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension: Art Now VOL 4

"Das Bild muss sich in den Betrachter hineinfressen als ein die Sinne aufwühlendes oder zumindest berührendes Ereignis. Er muss es mit nach Hause nehmen in seinem Hinterkopf...das ist das Mindeste und das Höchste, was man von einem Bild erwarten darf." (Neo Rauch, S.350)

Das vorliegende reich bebilderte Kompendium zeigt am Beispiel von 100 Künstlern wie sich die Kunst seit 2008 verändert hat und welche bemerkenswerten Werke in dieser Zeit geschaffen worden sind. Dabei sind die Texte in Deutsch, Italienisch und Französisch nachlesbar.

Vorgestellt werden aktuelle Werke direkt aus dem Atelier, aber auch Ausstellungsansichten und Fotos von monumentalen Installationen. Malerei folgt auf Skulptur, Performance auf Videoarbeit.

Rund hundert Künstler aus aller Welt und Werke von ihnen werden vorgestellt. Allein das ist schon überwältigend, weil ein wahrlich breites Spektrum abgedeckt ist. Originale von Baselitz habe ich im Städel Museum in Frankfurt bereits gesehen. Er hat bereits Ende der 1960er Jahre damit angefangen, seine Motive auf den Kopf zu stellen. Auf diese Weise abstrahiert er die Inhaltlichkeit seiner neoexpressiven Bilder. Baselitz hat 2005 seine alten Bildsujekts wieder aufgegriffen und interpretiert sie in seinen Remixen seither neu. So lösen seither eine leichte, schnellhändige Pinselführung und flüssige Farben in leuchtenden, transparenten Tönen die Schwere der pastosen Bilder ab, (vgl. S.60). Von dieser Gegebenheit kann man sich anhand von abgebildeten Kunstwerken überzeugen und sich in der Folge mit vielen anderen tollen Künstlern befassen.

Entschieden habe ich mich hier stellvertretend für alle Baselitz zu nennen und zwinge mich dazu fast keine Ausnahmen zu machen. Einige der Künstler habe ich nun auch auf Facebook entdeckt und werde nun diverse Bilder verlinken. Werke von guten Künstlern zu verlinken ist in meinen Augen eine sinnstiftende Maßnahme, denn Gutes hat es verdient, verbreitet zu werden..

Gefreut habe ich mich, dass (Achtung Ausnahme!) Damien Hirst im Kompendium dabei ist, denn zu einem Buch mit dessen Bildern habe ich bereits eine Rezension verfasst. Ein begnadeter Künstler. Dann ist da noch Neo Rauch, den ich sehr zu schätzen weiß. Mich beeindruckt die Skulptur, die er "Jägerin" genannt hat und die eine Eule wie einen hungrigen Falken auf dem Arm trägt. Das ist wunderbar hintersinnig. Kann ich Gerhard Richter verschweigen? Natürlich nicht. Jetzt aber erwähne ich keinen mehr, denn ich weiß, dass alle genannt werden müssten. Alle. So ausgezeichnet sind ihre Werke.

Nachdem die Künstler sehr dezidiert vorgestellt worden sind, gibt es noch ein "Special Feature Eastern Asia". Hier erfährt man in einem Essay von Karen Smith mehr zu den neuen Spielregeln für die Kunst in China, wo man in der Förderung, Präsentation und Erhaltung zeitgenössischer Kunst weiterhin eigene Wege beschreitet und wo bislang alle Träume in Erfüllung gegangen sein sollen, (vgl.: S. 485). Die Entwicklung der zeitgenössischen Kunst in China soll durch Entwicklungen im Kunstmarkt aber auch durch Auktionen und durch private Sammler geprägt sein.

Über drei unterschiedliche Wege zu Avantgarde, die man in China, Japan und Korea einschlug, schreibt Colin Chinnery noch Wissenswertes und man erfährt schließlich im Rahmen von Interviews mehr zu der derzeitigen Kunst in den genannten Ländern. 

Zum Schluss gibt es einen hilfreichen Künstlerindex mit Kontaktdaten und diverse Art Guides.

Für Kunstinteressierte eine wahre Fundgrube und allemal mehr als ein Nachschlagewerk.

PS: Von jedem Künstler ist übrigens eine Sentenz abgedruckt, die bezeichnend für sein künstlerisches Denken ist. Nicht einfach, eine davon für die Kopfzeile zu wählen. Ich habe mich für die Sentenz von Neo Rauch entschieden, weil ich ganz seiner Meinung bin, in dem was er hier bekundet.

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Grand Tour: Mit Goethe durch das alte Italien (Gebundene Ausgabe)

Dieser Fotoband ist wirklich sehr, sehr schön. Immer und immer wieder schaue ich mir die alten, teilweise zwei Seiten umfassenden Fotos in diesem wunderschönen 49 cm langen und 34 cm breiten Buch an, das mir Gelegenheit gibt, gedanklich in das alte Italien zu reisen, von dem man heute nur noch träumen kann.

Die Fotos sind zwischen 1865 und 1900 von zumeist unbekannten Künstlern realisiert worden und teilweise von Hand koloriert.

Der Essay von Andrea Amerio zu Beginn ist in Englisch und Deutsch abgedruckt. Hier erfährt man u.a., dass die Bildauswahl eine sentimentale und nichtphilologische sei. Auf diese Weise auch sollen die Textpassagen aus Goethes Italienreise gelesen werden, die diese Bilderwelt begleiten.

Italien stellt sich in diesem Fotoband als lose Bildersammlung dar, als Augenblicke, die eine Reise begleiten und die stets auch die Reise "des anderen" ist.

Wieso "des anderen"? Die Texte, die Goethe als 37 Jähriger schrieb, hat er mehrfach überarbeitet. So wird die Reise, eine Reise ins Unmögliche, die ich gedanklich gerne nach vollziehe und dabei durch die Fotos eine bemerkenswerte Unterstützung erhalte.

In der Werkliste am Ende des Bildbandes erfährt man, wo die einzelnen Fotos entstanden sind. Das erste Foto im Buch zeigt das Kaiserbad, Karlsbad, denn dort begann Goethe "Grand Tour", die ihn an viele imposante Orte in Italien führte.

Besonders beeindruckt haben mich ein koloriertes Foto von 1865, das eine Straßenszene von Neapel zeigt und ein weiteres vom Forum Romanum in Rom aus dem Jahre 1880. Wesentlich anders wird es dort 90 Jahre zuvor auch nicht ausgesehen haben. Ich lese die Textstellen und ahne, was Goethe gesehen, gefühlt und gedacht haben mag.

Alles ist so wahnsinnig imposant, nicht restauriert und insofern authentisch. Auf den Straßen sieht man noch Kutschen fast wie zu Goethes Zeiten, die Frauen tragen noch lange Röcke und von allem, was man auf den Fotos sieht, geht Ruhe aus. In solch einer Atmosphäre konnten Dichter noch huldigende Verse verfassen. Nichts lenkte sie ab.

Die Bilder von Capri und Sizilien, auch die vielen anderen Fotos machen mir klar, wie verändert Goethe nach Weimar zurückkehrte. Er war ein neuer Mensch und in allen zukünftigen Texten, wenn auch nicht immer deutlich erkennbar, flossen seine Eindrücke von Italien gedanklich mit ein.

Ein tolles Buch, mit wunderbaren Bildern und wohl ausgesuchten Textstellen aus Goethes "Italienischer Reise".

Sehr, sehr empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

 

Rezension: Zwischen Brücke und Blauem Reiter: Hanna Bekker vom Rath als Wegbereiterin der Moderne (Gebundene Ausgabe)

Gestern, am 21. Juni 2013, war ich in Wiesbaden und habe dort die Ausstellung "Zwischen Brücke uns Blauem Reiter –Hanna Bekker vom Rath als Wegbereiterin der Moderne" besucht, die seit dem 14. Juni und noch bis zum 6. Oktober 2013 im Museum Wiesbaden gezeigt wird.

Die ehemalige Sammlung von Hanna Bekker vom Rath (1893- 1983) wird seitens des Museums Wiesbaden seit 1997 aufbewahrt. Zum 120. Geburtstag der Malerin und Sammlerin hat das Museum diese schöne Ausstellung organisiert, die u.a. Werke von Max Beckmann, Willy Baumeister, Erich Heckel und Wassily Kandinsky zeigt.

Der Katalog dazu beginnt mit einem Vorwort des Direktors des Museums Wiesbaden Alexander Klar, wird mit einer kurzen Autobiografie Hanna Bekkers fortgesetzt, hier schreibt sie, auch von ihrer Freundschaft mit dem Künstler A. v. Jawlensky, den sie 1926 kennen lernte und der sie sehr zu ihrer Arbeit ermutigte.

Es folgen eine Reihe lesenswerter Essays und bemerkenswerter Textbeiträge zu den gezeigten Werken. Roman Zieglgänsberger schreibt dabei über den Charakter der Sammlung und die frühe Prägung der Sammlerin, die als 16 jähriges Mädchen ihren Vater dazu veranlasste, den Torso eines lebensgroßen Jesu am Kreuz zu erwerben. Man liest von ihrem Malunterricht bei der im Hofheim im Taunus ansässigen Künstlerin Ottilie W. Roederstein, ihren Künstlerfreundschaften und wird mit dem Programm des Frankfurter Kunstkabinetts vertraut gemacht.

Aufgeklärt wird man auch über die Beziehung Bekkers zu Karl Schmidt Rottluf. Darüber schreibt Vera Klewitz sehr aufschlussreich.

Eines der Gemälde hat mich gestern besonders beeindruckt. Gemalt hat es Otto Müller. Der Titel lautet "Liebespaar". Dieses Gemälde wird im Katalog genau analysiert und dabei wird sehr gut erläutert, dass der Schein des ersten Eindrucks hier trügt.

Ein wenig mehr erfährt man auch über die Beziehung zu Jawlensky und hat Gelegenheit sich stets aufs Neue in die Bilderwelten zu vertiefen, wird dabei unterbrechend auf weitere Freundschaften der Sammlerin hingewiesen und verweilt möglicherweise bei Gemälden von Ernst Wilhelm Nay oder auch jenen von Max Beckmann etwas länger.

Nach einer kurzen Autobiographie zu Beginn des Katalogs, der alle Werke der Ausstellung sehr gut dem Betrachter nahe bringt, hat man zum Schluss noch die Chance, sich mit einer mehrseitigen Biografie über Hanna Becker vom Rath auseinander zu setzen und fotografische Einblicke in die Kunst im Blauen Haus in Hofheim zu erhalten. Hier beherbergte die Künstlerin immer wieder gastfreundschaftlich ihre alten Künstlerfreunde. Sie blieben übrigens oft Wochen sogar Jahre dort. Das spricht dafür, dass es sich bei Hanna Bekker von Rath um eine ganz besonders lebenswerte Frau gehandelt haben muss. Ihr Kunstverstand wird in der Ausstellung und dem Katalog dazu dokumentiert.

 Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Johann Baptist Reiter (Gebundene Ausgabe)

Diese Monografie ist dem oberösterreichischen Künstler Johann Baptist Reiter gewidmet, der als einer der wichtigsten oberösterreichischen Porträt- und Genremaler des 19. Jahrhunderts gilt. Anlässlich seines 200. Geburtstages veranstalten das NORDICO Stadtmuseum Linz und das Oberösterreichische Landesmuseum gemeinsam die "größte und umfassendste und facettenreichste" Ausstellung, die sich mit diesem Künstler befasst. Diese Ausstellung wird 12. Juni bis zum 3. November 2013 gezeigt. Gerade für Kunstinteressierte, die die Ausstellung nicht besuchen können, bietet die Monografie, die Möglichkeit, sich ein umfassendes Bild zu machen.

Der Künstler wurde erst spät wiederentdeckt. Zum Zeitpunkt seines Ablebens im Jahre 1890 war er nahezu vergessen. Die derzeitige Jubiläumsausstellung versammelt die meisten erreichbaren Werke des Künstlers und bezieht auch vieles ein, was bislang ausgeklammert wurde, so etwa die religiöse Thematik. Das Buch versucht, aufbauend auf die Forschungen von Lothar Schultes und Alice Strobel, ein aktuelles, dem neuen Forschungsstand entsprechendes Bild des Künstlers zu liefern, gleichwohl wird auch den Malern gedacht, die den Weg Reiters begleitet haben.

Unterrichtet wird der Leser über die Jugend und erste Ausbildung, die Akademiezeit und über religiöse Themen Johann Baptist Reiters. Man lernt zudem frühe Bildnisse kennen, auch die Linzer Porträts, um sich dann mit seinem Aufstieg näher befassen  und diesen aufgrund einer Reihe eindrucksvoller Gemälde bewundern zu können. In diesem Zusammenhang finde ich "Die Strickerin" aus der Sammlung Gramiller besonders eindrucksvoll.

Die Jahre seiner Meisterschaft, die Kinderszenen und die Frauenbilder, lassen den Betrachter innehalten, wobei mich das Gemälde "Die slawische Zwiebelhändlerin" am meisten beeindruckt hat. Eine ernsthafte, gradlinige, arbeitsame Frau, deren innere Schönheit nach außen vielfältig sichtbar wird...

Über das Revolutionsjahr 1848 liest man in Bezug auf den Maler Wissenswertes und hat auch Gelegenheit sich in seine erotischen Bilder zu vertiefen, unter diesen "Die Schlummernde", die subtile Erotik in ihrer reinsten Form zum Ausdruck bringt.

Man staunt, was alles dieser Künstler gemalt hat. Sehr gut visualisiert hat er die Eitelkeit, die natürlich in seinen Vorstellungen von Familienglück keinen Platz findet. 

Späte Bildnisse und letzte Werke runden die text- und bildreiche Monographie ab.

Das Buch empfehle ich sehr gerne, nicht zuletzt, weil es viel über eine Zeit berichtet, in der namhafte Persönlichkeiten durch Ihre Kunst und Literatur den Zeitgeist prägten, unter diesen Büchner, Verdi und Wagner, die im gleichen Jahr wie Reiter geboren worden sind.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension: Tom Hunter "THE WAY HOME"

"Die Mißachtung der Menschenwürde ist eine Kriegserklärung an alle Menschen", (Gertrud Höhler). Das empfindet nicht nur Gertrud Höhler so, sondern wohl auch Tom Hunter und schenkt durch sein fotografisches Engagement all den Menschen, die er ablichtet, die Würde, die ihrer Seele wohltut. Der vorliegende Bildband "The Way Home" gibt einen Überblick auf das bisherige Werk des Künstlers Tom Hunter. Hier schreibt er im Vorwort, dass er von Vermeer, aber auch von den Prä-Raffaeliten und einigen anderen historischen Bildern beeinflusst worden ist, aber sein Thema immer Hackney gewesen sei.

Der Fotograf blickt in seinen sorgsam komponierten Tableaus auf den Alltag der Menschen in seiner Umgebung. Dabei taucht er deren Lebenswelt in die Farben und das Licht der Alten Meister.

Seine fotografische Methode führt zu einem doppelten Effekt: Während in die vertrauten Motive einerseits die Gegenwart mit ihrer sozialen Realität einbricht, wird andererseits den gesellschaftlichen Randgruppen zugleich Aura und Würde verliehen, so die einhellige Meinung renommierter Bildinterpreten.

Auf diese Weise entstehen faszinierende und überraschende Momentaufnahmen aus dem heutigen Großbritannien, die im Buch verschiedenen Kapiteln zugeordnet sind.

Wunderschön finde ich die Fotografie "The Way Home", das einem berühmten präraffaeltischen Gemälde, das Ophelia darstellt, nachempfunden ist. Hunters Bilderwelten haben alle etwas Erhabenes. Es ist wohl wahr, er schenkt Menschen und Orten Würde, die andere ihnen ignorant absprechen und damit den Mut zur Veränderung untergraben.

Empfehlenswert.

PS: Die knappen Texte im Buch sind in englischer Sprache abgedruckt.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension Peter J. König: N E W Y O R K - THOMAS HOEPKER

Der weltberühmte Fotograf Thomas Hoepker hat in einem Bildband, der im teNeues Verlag erschienen ist, die Weltmetropole New York so dargestellt, wie er sie sieht. Da er seit über fünfzig Jahren in dieser faszinierenden Stadt lebt, ist es allzu verständlich, dass seine Aufnahmen so gar nichts mit touristischen „sight-seeing“ Eindrücken zu tun hat, die plakativ vor dem geistigen Auge erscheinen, wenn der Name New York genannt wird. Thomas Hoepkers Blick ist nicht an der glitzernden Fassade dieser Mega-City abgeprallt. Er hat ihn durchdrungen den „schönen Schein“, der oftmals so glamourös daherkommt.

Die Millionen von Menschen, die ihren täglichen Lebenskampf in diesem künstlich geschaffenen Areal von Verfall und Neuaufbau führen, ihre Mühnisse und ihre Tristesse ist das Thema des Fotografen. Nicht der Auftritt der „Upper class“ ist hier ins Licht gerückt worden. Es sind die kleinen Leute in ihrer Vielzahl von Aspekten, von der kleinbürgerlichen Idylle bis hin zu alternativen Lebens- und Liebesformen, denen Thomas Hoeker eine Plattform gegeben hat. Dabei spielen die künstlerischen Ausdrucksweisen eine wesentliche Rolle, deren sich die Menschen bedienen.

Immer wieder ist es einigen Kunstschaffenden von dort gelungen, bis in den Olymp der Kunst vorzudringen. Stellvertretend sei hier nur Andy Warhol genannt, den Hoepker hinter einem grünen Lichtfilter porträtiert hat. Überhaupt ist das große Thema in diesem wunderbaren teNeues Bildband, wie sich die Menschen mit dieser Stadt auseinander setzen. Hoepker gelingt es vortrefflich den Dialog zwischen den Menschen und der sich ständig wandelnden Stadt bildlich aufzuzeigen. Dass dabei auch das Morbide von New York in den Focus rückt, weiß jeder, der diese Metropole einmal bewusst durchstreift hat. Die Menschen haben sich arrangiert.

Sie verstehen es damit umzugehen und jeden Tag eine positive Seite dieser Stadt abzugewinnen. Hoepkers Fotografien zeugen davon. Natürlich werden auch spektakuläre Motive thematisiert, New York ist überreich davon. Das Besondere allerdings sind hier die Stimmungen, in die solche Postkartenidyllen eingebettet wurden. Sie haben diese Aufnahmen zu Kunstwerken werden lassen. Dadurch ist Thomas Hoepker ein ganz Großer, würdig sich dieser Kathedrale der Modernen anzunehmen.

Der Bildband von teNeues erzählt eine ganz besondere Geschichte. Es ist die Auseinandersetzung zwischen dem Mensch und seinem urbanen Umfeld. Doch wehe, wenn es zu brachialen Eingriffen kommt. Wie die Geschundenen dann reagieren, auch das bringt der fotografische Künstler seinen Betrachtern am Beispiel von 9/11 eindrucksvoll nahe. Dieser besondere Bildband des Fotografen Thomas Hoepker ist ein außergewöhnliches Werk, das jeden, der von New York begeistert ist, fasziniert. Es ist dem teNeues Verlag zu verdanken, dass Hoepker seine Bildsprache einem breiten Publikum vermitteln konnte.

Empfehlenswert
Bitte klicken  Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Die Gemälde. Frankfurter Goethe-Museum. Bestandskatalog (Gebundene Ausgabe)

Alle haben nicht die Chance das Frankfurter Goethe-Museum, wann immer ihnen der Sinn danach steht, zu besuchen. Nicht zuletzt deshalb gibt es den vor mir liegenden Bestands Katalog. Hier schreibt Anne Bohnenkamp-Renken zum Geleit, dass dieses Museum in seinen Anfängen im 19. Jahrhundert neben Handschriften und Büchern auch Porträts und Ansichten gesammelt hat, denn man wollte den Besuchern die Welt des Dichters anschaulich präsentieren. In den dann folgenden eineinhalb Jahrhunderten kamen nahezu 500 Gemälde hinzu. Wie Bohnenkamp-Renken nicht zu erwähnen vergisst, bietet dieser Katalog der Forschung erstmals eine umfassende Dokumentation dieser traditionsreichen Sammlung und dem Publikum ein vielseitiges Lese- und Bilderbuch zur Malerei der Goethezeit. Das kann ich bestätigen.

Petra Maisak lässt den Leser in ihrem eloquenten Textbeitrag, der dem umfangreichen Katalog vorangestellt ist, wissen, dass es Goethes leidenschaftliche Neigung für bildende Kunst, sein nie erlöschendes Interesse und seine eigenen Zeichen- und Sammeltätigkeiten waren, die zur Grundlage der Kunstsammlung wurden. Zwar besitzt die Sammlung sogenannte Spitzenstücke, gleichwohl bewegt sie sich keineswegs ausschließlich auf dem Höhenweg der Kunst, sondern präsentiert auch Kleinmeister und dilettierende Künstler, durch das tatsächliche Verständnis der Epoche und ihrer ästhetischen Paradigmen erst möglich ist.

 Maisak berichtet von den Wurzeln der Gemäldesammlung und der Entwicklung der Porträtgalerie, aber auch von der Ära des Direktors Ernst Beutler, mit der die eigentliche Blütezeit der Gemäldesammlung begann. Nicht unerwähnt bleibt, dass neben der Porträtgalerie zunehmend die Landschaftsdarstellung zentrale Bedeutung gewann.

 Der Katalog von 2011 erschließt den vollständigen Bestand, der mit Neuzugängen und zuvor nicht erfassten Bildern auf 495 Positionen angewachsen ist. Dokumentiert worden sind auch die Liste der 72 Abgänge und Verluste.

 Die Künstler und Künstlerinnen werden stets mittels einer Biografie vorgestellt, die auch den Konnex mit Goethe bzw. dem Freien Deutschen Hochstift- Frankfurter Goethe –Museum zur Sprache bringt.

Neben der Katalogisierung der einzelnen Gemälde besteht der Zweck des Bandes darin, ein engmaschiges Netz an Querverweisen anzulegen, damit das dichte Beziehungsgeflecht nachvollziehbar wird, das zu Zeiten Goethes das gesamte kulturelle Leben und seine Protagonisten verknüpfte.

Es ist natürlich unmöglich über all die vorgestellten Künstler und Bilder hier Näheres zu berichten. Festhalten möchte ich, dass es lohnt, sich jeweils ausgiebig zu informieren

Neugierig habe ich die Biografie von Julie Gräfin von Egloffstein gelesen. Sie ist die Malerin eines Porträts von Goethe, das ich sehr schätze, welches sie allerdings erst 1844 malte. Dies war mir bislang nicht bekannt. Einige Gemälde von Johann Heinrich Füssli sind gewiss vielen geläufig. Bei allem interessieren mich die Porträts am meisten, weil sie mir viel über die Art von Goethes Netzwerk berichten.

Ein bemerkenswertes Bild, gemalt von Georg Melchior Kraus, zeigt offensichtlich Goethes große Liebe Charlotte von Stein, eine wahrlich schöne Frau, mit sehr intelligenten warmem Augen. Auch andere Goethe-Freundinnen lernt man kennen, doch auch Anton von Marons "Johann Joachim Winckelmann" und so viele andere Gemälde mehr, die neben den Landschaftsbildern, so viel über Goethe und seine Zeit berichten.

In ein Jugendbild Adelbert von Chamissos habe ich mich soeben gerade verliebt. Dass Chamisso Naturforscher war, wusste ich bislang nicht. Ich kannte ihn nur als Dichter.

Im Anhang wird genau erläutert wie man den Katalog benutzen soll. Das werde ich gewiss oft tun, denn meine Neugierde, was Goethe anbelangt ist unerschöpflich und dies schon seit vielen Jahrzehnten. Empfehlenswert. 

 Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension: DARIO FO- Malerei. Paintings 1945- 2012

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Dario Fo", die vom 6. Juni bis 31. August 2013 in der Galerie "Die Galerie"  in Frankfurt/Main gezeigt wird. 

Gestern hatte ich Gelegenheit über die Vernissage zu berichten, auf welcher der 87 jährige multitalentierte Künstler und Literaturnobelpreisträger Dario Fo zugegen war. Hier der Link zur Eventseite: http://eventshelga-koenig.blogspot.de/2013/06/bericht-und-bilddokumentation-der.html 

Das Vorwort zum Katalog hat Peter Femfert verfasst, der gemeinsam mit seiner Gattin, Dott. Stefania Canali,   "Die Galerie" betreibt und mit ihr und dem Künstler diesen bemerkenswerten Katalog auf den Weg gebracht hat. 

Ich habe nahezu 250 Kunstbände rezensiert, aber selten so viel Freude beim Lesen entwickelt wie bei diesem Katalog, der hochinformativ und dabei sehr kurzweilig verfasst ist. Begleitend zu den rund 60 Werken aus der 60 jährigen Schaffenszeit Fos hat man Gelegenheit,   aufgrund von Texten Dario Fos, Dott. Stefania Canalis und Sarantos Zervoulakos mehr über den italienischen Künstler und dessen Bilder in Erfahrung zu bringen. Die Texte sind nebeneinander in deutscher und englischer Sprache abgedruckt. 

Dario Fo hat gleich zu Beginn ein Vademecum für die Ausstellung in Frankfurt verfasst. Er berichtet dort von seinem Werdegang als Künstler und vergisst nicht zu erwähnen, dass sich unter den Malereien, die derzeit in Frankfurt präsentiert werden,  einige Arbeiten finden, die durch die Zeichnungen der ersten Theaterjahre angeregt wurden und andere, die von Bildern rühren, die er sich angeeignet hatte, während er auf der Akademie war. Er ließ sich damals von bestimmten Malern, deren Bilder in einer der bedeutendsten Pinakotheken der Welt der "Braidense" zu sehen sind, inspirieren und war besonders stark von  Leonardo da Vinci begeistert, dessen Zeichnungen in seinen berühmten Codices,  Dario Fo "mit großer Emotion abzeichnete und neu interpretierte", (vgl. S.15). 

Wie der Künstler weiter erwähnt,  hat er verschiedene Bilder, die in Frankfurt ausgestellt sind, dem griechischen Theater gewidmet, die er teilweise während Ausstellungen in Athen und Korinth gezeichnet hat. Dario Fo scheut sich nicht zu bekennen, Ideen großer Künstler übernommen und mit diesen dann gespielt zu haben, um etwas Neues zu gestalten.

Dott. Stefania Canali schreibt über die Malerei dieses Erzählers und vergisst dabei nicht zu erwähnen, dass im Oktober 1997 Dario Fo der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde, obgleich man den Schriftsteller Jahrzehnte lang angefochten, boykottiert und zensiert hatte. Wie Dott. Canali festhält,  besteht die Größe dieses Künstlers darin, namenlose, unbekannte, vergessene Menschen wieder zum Leben zu erwecken, aber auch Texte der Geschichte und Kunstgeschichte neu zu schreiben und zwar mit einem Wechsel der Perspektive, konkret, von unten anstatt von oben, (vgl.: S. 27/28). 

Interessant ist, dass Dario Fo die Geschichte Italiens "erlebt, beschrieben und bemalt" hat und nicht zuletzt unbequeme Position bezog, (vgl.: S.33). Es führt zu weit,  im Rahmen der Rezension Bilder zu interpretieren, erwähnen möchte ich den Hinweis Dott. Canalis, dass das Bewegende an dieser fabulierenden Malerei drei Leitmotive sind. 

Sie lässt den Leser wissen, dass das erste, offensichtlich der tiefe Respekt für den Menschen, sowie die ethische Spannung sei, die aus jedem Bild herauszuspringen scheint und auf uns stürzt. Der Betrachter werde involviert und sei eingenommen, damit aktiver Teil des Geschehens, er spüre, er selbst sei Kommitent dieser Kunst, die er klarer und besser lesen könne,  als jeden anderen geschrieben Text. Das zweite Leitmotiv sei der Reichtum an Themen und Techniken, zugleich ein beträchtliches Archiv kollektiven, kulturgeschichtlichen Gedächtnisses des Landes und als dritte Prägekraft, nennt Dott. Canali die Aura der Reinheit des Künstlers Dario Fo, die es ihm ermöglicht, spielerisch,  aber gnadenlos einen König auszuziehen und ihn nackt zur Schau zu stellen, (vgl.: S. 36ff).

Dies alles hat man Gelegenheit auf den Bildern zu erforschen, während man in weiteren Texten des Katalogs sich immer intensiver mit Fo befassen, auch in eine mehrseitige Biografie Dario Fos und seiner gerade verstorbenen Frau vertiefen kann und dadurch  einen sehr intensiven Zugang zu den Bildern erhält.

Im Bildregister zum Schluss kommentiert  Dario Fo seine Werke. Diese Texte sollte man nicht vergessen zu lesen, denn sie führen zu einem letzten Verständnis seiner Bilder. 

Ein gelungener Katalog. Empfehlenswert.