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Rezension: Max Ernst. Retrospektive (Gebundene Ausgabe)

"Dort wo der Mensch die Geheimnisse der Natur zu überraschen hofft, findet er nur sein eigenes, vom Spiegel zurückgeworfenes Bild. Bevor er hinabsteigt, weiß der Taucher nie, was er zurückbringt." (Max Ernst, S. 219)

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "MAX ERNST RETROSPEKTIVE", die vom 23. Januar bis 5. Mai 2013 in der ALBERTINA in Wien gezeigt wird.- Nach einem Vorwort des Direktors der Albertina Klaus Albrecht Schröder und des Direktors der Fondation Beyeler Sam Keller wird man im Rahmen von zahlreichen Aufsätzen unterschiedlicher Autoren mit dem Werk des Künstlers vertraut gemacht.

Im Zentrum dieser Aufsätze steht Max Ernst (1891-1976) und der Surrealismus. Wie Brenton betonte, hätte es ohne den frühen Beitrag von Max Ernst keine surrealistische Malerei gegeben. Die Ausstellung ist die erste Max-Ernst-Retrospektive im deutschsprachigen Raum seit 14 Jahren. Sie gibt nicht nur durch die Auswahl und Zusammenstellung der Exponate einen umfassenden Einblick in das OEvre vor dem Hintergrund des Forschungsstandes, sondern formuliert Fragen aus ihrer eigenen Zeit heraus.

Gezeigt werden 190 Werke aus allen Lebensabschnitten, wobei der Schwerpunkt der ausgewählten Exponate auf der Schaffensperiode von DADA Köln, der Zwischenkriegszeit in Paris und den 1940er Jahren im amerikanischen Exil liegt.

Nicht unerwähnt bleibt, dass dieser Künstler auf vielen Terrains agierte, keineswegs "nur" Maler und Bildhauer war, sondern auch Dichter und Theoretiker sowie in surrealistischen und experimentellen Filmen mitwirkte.

 Im vorliegenden Buch führen 12 Kurztexte in die zentralen Themen des künstlerischen und literarischen Schaffens ein. Auf den letzten Seiten dann hat man Gelegenheit, sich im Rahmen einer Kurzbiographie eine Vorstellung vom Leben dieses Künstlers zu verschaffen und erhält aufgrund von zahlreichen Fotos auch einen visuellen Eindruck von Max Ernst.

Natürlich sind die Abbildungen der Kunstwerke für Liebhaber der Werke dieses Künstlers eine wirkliche Freunde, umso mehr, wenn man die Texte gelesen hat und die Bilder dadurch besser zu interpretieren vermag. Auf Facebook habe ich einige, auch hier im Buch enthaltene Bilder vor noch nicht allzu langer Zeit verlinkt. Über die gesamte Bandbreite seines Schaffens allerdings hatte ich bislang noch keinen visuellen Überblick und bedaure, die Ausstellung in Wien nicht besuchen zu können, um die Werke im Original zu sehen.

Zu den Werken, die ich im Original so gerne sehen möchte, zählt die "Windsbraut", die normalerweise in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu bewundern ist, auch "Landschaft mit Getreidekorn". Sie hängt sonst immer in der Kunstsammlung Nord-Rhein-Westfalen, Düsseldorf.

Beeindruckend auch "Der Hausengel" (Der Triumph des Surrealismus), der einer Privatsammlung entstammt und auch "Napoleon in der Wildnis" (ist normalerweise im Museum für moderne Kunst in New York ausgestellt).

Es ist unmöglich all die Kunstwerke hier anzusprechen. Dass Ernst zeitweilig mit Peggy Guggenheim verheiratet war, wusste ich bislang nicht, wohl aber, dass er in Paris im Kolumbarium des Friedhofs Pére Lachaise beigesetzt worden ist.

Ein sehr informativer Katalog, der die Werke des Künstlers begreifbarer macht.

Empfehlenswert.

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Rezension: Hans Holländer, Labyrinthe. Das Werk von Paul Wunderlich (Taschenbuch)

Hans Holländer stellt in diesem reich bebilderten Buch das Werk des 2010 verstorbenen, von mir sehr geschätzten Künstlers Paul Wunderlich vor. Dieser befasste sich in seinen neosurrealistischen Bildern und Skulpturen in erster Linie mit erotischen Themen. Dabei verfügte er über keine Kunsttheorie und besaß auch kein Programm, keine Dogmen, auch keine Letztbegründungen und Weltverbesserungsrezepte durch Kunst oder Antikunst entworfen, (vgl.: S.9).

Regelmäßig stets wiederkehrende Merkmale in Wunderlichs Bildern sind sogenannte Röntgenbildeffekte. Man wird im Buch mit seiner Erfindung der Anatomie vertraut gemacht, liest Wissenswertes über die Geheimnisse des Interieurs bei diesem Künstler und über die Augen-Blicke, die er in seinen Werken festhält. Wissen muss man, dass es neben dem Augenblick der Wahrnehmung und der Erkenntnis, den Blick der Neugier, Einblicke, Ausblicke, Blicke der Erwartung und die "ägyptischen Blicke" gibt. Sie alle bestimmen und stabilisieren die metamorphotische Bildwelt und begleiten die verwegensten Erfindungen bei Wunderlich (vgl.: S.30).

 Der Autor geht auf unzählige Werke detailliert ein. Er schreibt über die schwerelosen Räume, die verlorenen Schatten, auch über die Flügel der Freiheit, über die vielen bizarren Figuren im Werk des Künstlers und über die Dialektik von Eros und Tod, dem dominanten Leitmotiv Wunderlichs in ihrer unterschiedlichen Gewichtigkeit und Erkennbarkeit. Wunderlich hat alles ausprobiert, was ein Künstler des 16. Jahrhunderts gleichfalls beherrscht hat. Deshalb auch gibt es so viele unterschiedliche Objekte von ihm.

In seinem imaginärem Museum finden sich Bilder, die sich an Bildern andere Maler anlehnen und gewissermaßen eine Variation des Themas darstellen, darunter u.a. die Lithographie "Marat", die mir noch immer sehr gut gefällt. Habe sie einige Male in der Galerie Huber in Offenbach bewundert.

Über Wunderlichs Torsi, Masken und Figuren liest man Wissenswertes, nicht aber, dass das Brett seines schönen Schachspiels mit der Zeit ausbleicht. Obschon die Beschreibung der Objekte sehr gut gelungen ist, glaube ich, dass im Falle von seinen Plastiken man diese im Original gesehen und auch berührt haben muss, um eine Vorstellung von der tatsächlichen Ästhetik zu erlangen.

Zur Sprache gebracht werden zu guter Letzt die Themen Orte, Landschaften und Garten in Wunderlichs Werk und man hat zudem Gelegenheit, sich einen Überblick über die Ausstellungskataloge, Werkverzeichnisse und Einzeldarstellungen zu verschaffen.

Ein sehr gutes Buch für alle, die sich näher mit Paul Wunderlich befassen möchten, dessen Arbeiten mich stets aufs Neue begeistern.

 Empfehlenswert. 

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Rezension:Helga Paris. Fotografie (Gebundene Ausgabe) (Inka Schube, S.13)

Dieser Bildband enthält eine Fülle von Schwarzweiß-Fotos der 1938 geborenen Künstlerin Helga Paris. Die Chronistin des langen ostdeutschen Nachkriegs lebt seit 1966 in Berlin-Prenzlauer Berg. Inka Schube schreibt in ihrem Essay "Und alles riecht nach Nachkrieg", der den Bildern vorgeschaltet ist, dass die erste Buchpublikation der Fotografien 1986 veröffentlicht wurde.

Die Bilder der Künstlerin sollen einen psychologischen Mehrwert enthalten, der auf eine besondere Art Identifikation ermöglicht. Dies vermag ich weder zu bejahen, noch zu verneinen. Was ich sehe, ist nicht selten die seelische Befindlichkeit der jeweilig abgelichteten Person.

Das Buch schenkt einen Einblick in die fotografische Produktion der Künstlerin von mehr als dreißig Jahren. Ihr Lebenswerk thematisiert die Geschichte eines Staates in der Mitte Europas und östlich der Frontlinie des Kalten Krieges. Hier berichtet sie von Verlust, Restriktion und Verfall (vgl.: S.10).

Man wird über ihre Kindheit in Kenntnis gesetzt. Die ersten Nachkriegsjahre empfand sie bei allen Verlusten als Zeit der Geborgenheit und Bewegungsfreiheit. Ab 1956 studierte die Künstlerin in Berlin Modegestaltung in Berlin. Hier in der Stadt lernt sie den Maler Ronald Paris kennen, den sie 1961 heiratet. Ab 1962 arbeitet sie als Gebrauchsgrafikerin und ist Dozentin für Kostümkunde. Nun befasst Sie sich in der Folge intensiv mit der Fotografie. Darüber wird man seitens Inka Schube sehr differenziert unterrichtet. Man liest auch von ihren Reisen nach der Grenzöffnung, u.a. nach Rom und nach Polen und erfährt viel Wissenswertes über Ihre Fotokunst, von der man sich dann ausgiebig einen Eindruck verschaffen kann.

Ihre Bilderwelt ist teilweise sehr beklemmend. Es wurde eine trostlose Zeit künstlerisch festgehalten. Man freut sich, wenn die Menschen hin und wieder lachen. Oft geschieht es nicht.

Die Künstlerin hält die Persönlichkeit ihrer Gegenüber in ihren Bildern fest und befasst sich nach der Wende mit ihren frühen Kriegs- und Nachkriegserfahrungen. Diese werden hier im Buch in Werksgruppen vorgestellt. 

Wirklich beeindruckende Bilder.  Ein gelungener Katalog.

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Rezension: Stern Portfolio Nr. 79 Alison Jackson

Die Fotografin Alison Jackson präsentiert hier ziemlich despektierliche Aufnahmen, die sie mit Doppelgängern namhafter Persönlichkeiten realisiert hat. Wie sie schreibt, verführt eine Fotografie einem Foto zu glauben, obschon wir wissen, dass ein Foto keineswegs die gesamte Wahrheit erzählen kann. Sie geht davon aus, dass Menschen lieber mit dem Nicht-Realen umgehen als mit der Wirklichkeit.

Wie man erfährt, ist es offenbar nicht nur für einen Laien schwer, die Fotos der Britin einzuordnen, weil es in keinem der Genres Reportage, Mode oder Porträt ausreichend Gemeinsamkeiten gibt. Jochen Siemens weist darauf hin, dass man die Künstlerin völlig unterbewerten würde, wenn man es dabei beließe, ihr zu unterstellen, ausschließlich Promis zu persiflieren. Ja, sie persifliert, aber nicht um die Promis vorzuführen, sondern um zu verdeutlichen, wie sehr die Fotografie mit ihrem irreführenden Spiel uns täglich mit Fälschungen versorgt.

Jackson studierte Bildhauerei, Performance Art und Kunstfotografie in London am Chelsea College of Art in London. Hier entwickelte sie die Idee ihrer Kunst, die darin besteht, dass abzulichten, was die Menschen in ihrer Fantasie haben. Täuschung wird zur Entlarvung der Gedanken des Betrachters.

Die Motive sind sehr skurril und witzig. All das, was man präsentiert bekommt, ist nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Voyeuristen kommen hier voll auf ihre Kosten und entlarven sich als das, was sie sind. Ein nicht uninteressanter Ansatz. 

 Empfehlenswert. 

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Rezension:Stern Portfolio No. 69 Nadav Kander (Gebundene Ausgabe)

"Schönheit hat unter der Oberfläche immer einen Bruch, eine Schwierigkeit, und das ist wunderbar."

Dieser Bildband enthält Fotokunstwerke des Fotografen Nadav Kander, der zu Beginn die Leser wissen lässt, dass er stets nach Orten sucht, denen etwas Unbehagliches innewohnt. Er sagt: "Ich fotografiere dann intuitiv und versuche zu spüren, was das Unbehagen auslöst."

Von Jochen Siemens erfährt man zu Ende des Buches Wissenswertes über den Künstler, der 1961 in Tel Aviv geboren wurde. In seiner Kindheit lebte er in Johannesburg in Südafrika, wurde während seines Wehrdienstes Militärfotograf. Er arbeitete danach eine Weile lang bei einem Fotografen in Johannesburg, ging in den 1980er Jahren nach London und später auf Reisen nach China sowie in die USA, wo er nach optischen Momenten und Erlebnissen suchte. In China sah er Dinge, die hier bereits der Vergangenheit angehörten. Dort begann er sich für die Verletzbarkeit eines Landes und seiner Menschen zu interessieren.

Siemens lässt den Leser wissen, dass Kanders Bilder aus einer Ansammlung seltsamer Orte und Menschen besteht. Davon kann man sich im Buch dann selbst überzeugen. Auf diese Weise möchte der Fotograf den Betrachter bewegen, genauer hinzuschauen, sich hineinzudenken und dadurch in sich selbst etwas zu bewegen, was mit dem Inhalt der Bilder nicht zwingend etwas zu tun haben muss. Er findet es interessant Menschen in ihrer Flüchtigkeit zu zeigen. Kander fotografiert seine Objekte, wie sie sich mit sich selbst befassen. Wie Siemens nicht grundlos unterstreicht, muss man Nadav Kanders Bilder, sowohl die Porträts, die Landschaften als auch die Akte, sehr oft betrachten, um sie wirklich zu verstehen. Dem möchte ich beipflichten. Sie irritieren, weil man sich teilweise durch sie gespiegelt sieht und zwar speziell in unserer Verletzbarkeit.

Bildbeschreibungen möchte ich nicht vornehmen. Möge jeder selbst überprüfen, wie die Bilder auf ihn wirken. Auf mich wirken die Porträts wie psychologische Studien, die Aktaufnahmen spiegeln tatsächlich Melancholie wider, die wir fast alle in uns tragen und die Landschaftsaufnahmen lösen wirklich ein Unbehagen aus, dessen Ursachen der Betrachter erforschen sollte.

 Empfehlenswert.

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Rezension:Wallraf-Richartz-Jahrbuch. Westdeutsches Jahrbuch für Kunstgeschichte: Wallraf-Richartz-Jahrbuch 2012: Jahrbuch für Kunstgeschichte Band LXXIII: BD LXXIII von Wallraf-Richartz-Museum

"Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen." Johann Wolfgang von Goethe.

Das Wallraf-Richartz –Jahrbuch Band LXXIII nimmt zu Fragen der Kunstgeschichte Stellung und enthält neben Berichten aus westdeutschen Museen Aufsätze von unterschiedlichen Kapazitäten ihres Faches, über die man am Ende des Buches Näheres erfährt.

In den Berichten aus westdeutschen Museen erfährt man u.a. Wissenswertes im Hinblick auf Dauerleihgaben, Erwerbungen, Schenkungen sowie Ausstellungen und zwar im Wallraf-Richartz-Museum und Fondation Corboud in Köln, im Museum Ludwig in Köln, im Kölnischen Stadtmuseum, im Museum für angewandte Kunst in Köln, im Museum Schnütgen in Köln, im Rautenstrauch-Joest-Museum, im Ludwig-Forum in Aachen, im Duermond-Ludwig-Museum/Couven, im Museum in Aachen, in der Kunsthalle in Bielefeld, im Kunstmuseum Bochum, im Kunstmuseum Bonn, im Landesmuseum Bonn, im Hetjens-Museum /Deutsches Keramikmuseum in Düsseldorf, in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, in der Stiftung Museum Kunstpalast in Düsseldorf, im Museum Folkwang in Essen, im Osthaus Museum in Hagen, im Ludwig Museum in Deutschherrenhausen in Koblenz, im Mittelrhein-Museum in Koblenz, im Kunstmuseum in Krefeld, Städtisches Museum Abteiberg in Mönchengladbach, im Von der Heydt-Museum in Wuppertal und in der Von der Heydt- Kunsthalle in Wuppertal-Barmen.

In den dann folgenden, bebilderten und mit einer Fülle von Fußnoten versehenen Aufsätzen werden ausführlich thematisiert:
Kirchenbau als Bedeutungsträger- Ein Deutungsproblem (Günther Binding)
Porträt eines Diplomaten- Jacopo Tintorettos Bildnis des Paolo Tiepolo (Roland Krischel)
Hundert Jahre Pseudo-Hans von Aachen – Zur Kölner Bildnismalerei um 1600 (Thomas Fusenig und Regina Urbanek)
Gerard ter Borchs Demokrit und Heraklit (Hans-Joachim Raupp)
Die Badende im Wallraf-Richartz-Museum in Köln- Ein Diskussionsbeitrag (Eva Hausdorf) 
David, der General, Carteaux und sein König- 
Über Bonaparte am Großen St. Bernhard (Gerit Walczak)
Die Leibl-Korrespondenz des Wallraf I- Briefe von Wilhelm Leibl an Ernst Seeger und an andere Adressaten sowie Briefe an Leibl und an Seeger. 

Es führt zu weit an dieser Stelle auf die Aufsätze oder gar Briefe näher einzugehen. Gesagt werden kann, dass es sich um ein wissenschaftlich fundiertes Buch für Kunstinteressierte handelt, das dazu motiviert, verschiedene dieser Museen aufzusuchen. Aufgezeigt wird, dass Museen leben, nicht nur durch die vielen Neuerwerbungen und Ausstellungen, sondern auch durch die die museumspädagogischen Veranstaltungen 
und anderes mehr. 

Empfehlenswert.

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Rezension:Die Kunstkammer - Die Schätze der Habsburger (Gebundene Ausgabe)

Dieser Bildband ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Die Kunstkammer – Die Schätze der Habsburger", die vom 12.Dezember 2012 bis zum 31.Dezember 2013 im Kunsthistorischen Museum in Wien gezeigt wird. Herausgeber des Buches ist Dr. Sabine Haag und Dr. Franz Kirchweger.

Mit ihren Beständen zählt die Wiener Kunstkammer zu den bedeutendsten Sammlungen ihrer Art. Dabei gehen Reichtum und Vielfalt in erster Linie auf jene Schatz- und Kunstkammern des späten Mittelalters, der Renaissance und des Barock zurück, die von bedeutenden Sammlerpersönlichkeiten des Hauses Habsburg zusammengetragen und weitergeben wurden. In der vorliegenden Publikation hat man Gelegenheiten zahlreiche Groß- und Detailaufnahmen, wie auch Erläuterungen zu rund 150 Meisterwerken der Sammlung kennen zu lernen. Man wird im Rahmen eines ausführlichen Textbeitrages von Dr. Kirchweger mit der Geschichte und den Beständen der Schätze des Hauses Habsburg und der Kunstkammer vertraut gemacht.

Thematisiert wird die Museumssammlung im 19. und 20. Jahrhundert, die habsburgischen Schatzbestände bis 1530, die Wiener Kunstkammer im Zeitalter Ferdinands I. und Maximilians II., die Sammlung Erzherzog Ferdinands II. in Schloss Ambras, die Kunstkammer Kaiser Rudolfs II. in Prag, das Wechselspiel von Natur und Kunst in fürstlichen Kunstkammern des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts und die kaiserlichen Sammlungen vom 17. bis zum 19. Jahrhundert.

Unmöglich auf die Fülle der wundervollen Exponate einzugehen. Besonders beeindruckt hat mich die "Weibliche Büste" von Francesco Laurana, die im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts entstanden ist und von der im Buch vier Abbildungen vorliegen, aber auch Tullio Lombardos Relief "Dichter, seiner Geliebten ein Lied vorsingend", das um 1505/10 entstand und eines der schönsten plastischen Werke der venezianischen Renaissance verkörpert. Wunderschöne Tapisserien warten auf den Betrachter, auch ein Marmorporträt Erzherzog Ferdinands des I., vergoldete Skulpturen, Teller, Schalen, Schüsseln sowie Kannen und ein kostbares Schreibkabinett aus verschiedenen Hölzern, das Mitte des 16. Jahrhundert angefertigt worden ist, Prunkgefäße aus reinem Bleikristall, ein Fächer und ein Kästchen aus Elfenbein, kunstvolle Trinkpokale und viele andere Schätze mehr.

Besonders angetan bin ich von dem mechanischen Globus von Georg Roll aus den späten 16. Jahrhundert und von einem Tischautomaten in Form eines Schiffes von Hans Schlottheim. Dabei handelt es sich um einen Tafelaufsatz, dessen Besatzung zu einer ausgeklügelten Choreographie bewegt. Zeitgleich ertönt im Schiffsrumpf Musik.

Auch wunderschöne Uhren und werden gezeigt und zwei Bilder, die in der so genannten Technik des Commesso di pietre dure (aus harten Steinen zusammengesetzt) entstanden sind. Zu sehen ist die "Ansicht des Hradschin in Prag" und die "Landschaft mit Opferung Isaaks". Dünne geschliffene Schmucksteinplättchen wurden hier fugenlos auf einer Schieferplatte zusammengesetzt, sodass sich aufgrund des Farbenwechsels ein Bildmotiv ergeben hat.

Ich kann die vielen Kostbarkeiten hier leider nicht alle benennen, aber ich kann anmerken, dass der Katalog neugierig auf die Ausstellung macht. Er ist gelungen, deshalb empfehle ich ihn auch gerne weiter.

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Rezension:Der Louvre. Alle Gemälde, m. DVD (Gebundene Ausgabe)

Dieser Prachtband präsentiert alle Gemälde des Louvre in Paris und enthält zudem eine DVD mit den insgesamt rund 3000 Werken. Viele Bilder werden ausführlich besprochen, Eckdaten (Name des Künstlers, Titel des Gemäldes und Entstehungsjahr, Größe, Technik sowie der konkrete Ort, wo es im Louvre hängt) sind bei allen Gemäldeabbildungen beigefügt.

Das Vorwort hat Henri Loyrette, der Präsident und Generaldirektor des Musée du Louvre verfasst. Er begründet, weshalb in diesem Werk Farbreproduktionen der rund 3000 im Louvre ausgestellten Gemälde gemeinsam mit den Kataloginformationen präsentiert und 400 dieser Werke mittels Kommentartexten vorgestellt werden.

Es folgt dann die Einführung von Jean-Marie Roland de la Patière und ein Plan der Gemäldegalerien.

Untergliedert ist die Gemäldeschau in die Rubriken: Italien, Nordeuropa, Frankreich und Spanien. Bevor die Gemälde der einzelnen Kapitel vorgestellt werden, wird im Rahmen von Textbeiträgen allgemein Wissenswertes zunächst über die italienische, dann die nordeuropäische, die französische und schließlich über die spanische Malerei im Louvre mitgeteilt.

Ich selbst war bislang zweimal -jeweils viele Stunden- im Louvre und fand es interessant, welche der Gemälde mir speziell im Gedächtnis hängen geblieben sind.

In der Rubrik der italienischen Malerei ist es "Christus an der Geißelsäule" von Antonello da Messina, ein nicht sehr großes, aber mich sehr beeindruckendes Ölgemälde, das hier im Buch näher beschrieben wird. Dann Sandro Botticellis "Venus und die drei Grazien geben einer jungen Frau Geschenke", diese Freske ist 211 cm hoch und 283 cm breit. Zu besagtem Bild erfährt man auch Näheres, keineswegs nur, dass es zu den schönsten Werken der Florentiner Wandmalerei der Renaissance zählt. Bei meinem letzten Besuch im Louvre war ich so begeistert, dass ich mir einen Kunstdruck davon vor Ort kaufte und ihn mit nachhause schleppte. Seither hängt er (ein bestimmter Ausschnitt der Freske) gerahmt bei mir im Büro.

Von Leonardo da Vinci hängen einige Gemälde im Louvre. Es ist aber nicht seine Mona Lisa, die mich am meisten anspricht, sondern das Frauenporträt, bekannt als "La Belle Ferronnière", das auf Seite 72 näher erläutert wird. Auch an Tizians "Frau mit dem Spiegel" kann ich mich gut erinnern und an Tizians "Porträt von Franz dem I.", das der Maler im Auftrag des italienischen Dichters Pietro Arentino anfertigte, der mit dem französischen König in einer regen Korrespondenz über ästhetische und künstlerische Fragen stand.

Ein großes Vergnügen für mich sind die beiden Gemälde von Giuseppe Arcimboldo und auch Cavaraggios "Die Wahrsagerin", alle sehr gut beschrieben. Ein Gemälde, das ich offenbar nicht bewusst wahrgenommen habe, ist Domenico Fettis "Melancholie". Wie man erfährt, ist es bei Fetti mehr als bei Dürers Stich eine "christliche Melancholie" und eine Meditation über den Tod und die Nichtigkeit des Irdischen, vgl.: S.157).

Sehr beeindruckend auch finde ich auch "Das letzte Abendmahl" von Giovanni Battista Tiepolo und in der Folge diverse Gemälde aus der Rubrik "Die nordeuropäische Malerei im Louvre", zu der man eingangs auch wieder gute textliche Erläuterungen erhält. Gemälde von Memling kann man bewundern und auch "Das Narrenschiff" von Hieronymus Bosch. Er ist übrigens einer meiner Lieblingsmaler, einer der intellektuellsten Maler, die ich kenne.

"Der Turmbau von Babel" von Lucas van Bruch legt den Akzent nicht auf die selbstzerstörerische Moral, sondern rückt mit seiner miniaturhaft-feinmalerischen Manier die Pracht des Turmbaus, sowie die Stadt und die Hafenanlage in den Mittelpunkt, (vgl.: S.253). In die Gemälde von Rembrand und vielen anderen niederländischen Künstlern kann man sich immer wieder vertiefen, wobei ich die Kunstwerke Jan Vermeers besonders schätze und im Louvre speziell seinen "Astronom".

 Ein Gemälde von Joseph Mallord William Turner und zwar die "Flusslandschaft mit fernem Ufer" warten auf den Betrachter, aber auch Albrecht Dürers "Selbstbildnis mit Distel", das während seiner Wanderjahre am Oberrhein entstand. Von Lucas Cranach dem Älteren hängen u.a. "Die drei Grazien" im Louvre und von Hans Holbein dem Jüngeren das "Porträt des Erasmus von Rotterdam", das sehr gut beschrieben wird.

Wie schon erwähnt, wird die französische Malerei im Louvre textlich auf einigen Seiten ebenfalls kurz skizziert. Anschließend folgt eine Fülle wunderschöner Gemälde, darunter auch ein Porträt von Ludwig XIV von Hyacinthe Rigaud und Francois Bouchers "Die Odaliske", ein üppig, sinnlicher Frauenakt und auch das zauberhafte "Porträt der Marquise de Pompadour" von Maurice Quentin de La Tour sowie "Der zerbrochene Krug" von Jean-Baptiste Greuze.

Wirklich schön auch ist Jacques- Louis Davis „Madame Récamier“, über das man auch bestens aufgeklärt wird, doch die vielen Landschaftsbilder ungezählter französischer Maler begeistern mich ebenfalls.

Schlussendlich wird dann die spanische Malerei (hier ist die Auswahl eher klein) gezeigt und erläutert und hier beeindruckt mich vor allem El Grecos "Die Kreuzigung mit zwei Stiftern".

Dieses Buch ist für Kunstinteressierte eine wahre Freude. Ich empfehle es sehr gerne, weil die Gemäldeablichtungen hervorragend und die Texte sehr lehrreich und dabei aber kurzweilig zu lesen sind.

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Rezension:bauhaus design: Die Produkte der neuen Sachlichkeit (Broschiert)

"Ein Ding ist bestimmt durch sein Wesen. Um es so zu gestalten, dass es richtig funktioniert ein Gefäß, ein Stuhl, ein Haus –, muss sein Wesen zuerst erforscht werden; denn es soll seinem Zweck vollendet dienen, das heißt, seine Funktion praktisch erfüllen, haltbar, bíllig und 'schön' sein." (Walter Gropius)

Dieser reich bebilderte Kunstband ist dem Bauhaus-Design gewidmet. In Weimar hatte ich schon mehrfach Gelegenheit im Bauhaus-Museum Produkte der sogenannten neuen Sachlichkeit im Original zu bewundern. Hier im Buch werden nun 150 prominente Objekte des täglichen Gebrauchs vorgestellt und ausführlich seitens der Autoren Bernd Polster, Volker Fischer und Katja Simon erläutert.

Wie Polster bereits im Vorwort unterstreicht, wird die Essenz des Bauhaus-Designs niemals auf einer Liste abzählbarer Regeln zu finden sein. Obschon nicht alle vorgestellten Produkte im Buch während der Bauhausmitgliedschaft ihrer Bewerber entstanden sind, atmen doch alle diese Produkte den Geist und die Entwurfsintension dieser Institution ein.

Aufgeklärt wird man im Hinblick auf Ideen der Bauhausbewegung und liest Wissenswertes zu dem Bauhaus-Gründer Walter Gropius. Die Werkstattbewegung kommt zur Sprache. Man liest zudem von der privaten Kunstschule Johann Ittens in Wien, die für das Bauhaus folgenreich gewesen ist.

In Weimar gründete der belgische Jugendstilkünstler Henry van der Velde eine neue Kunstgewerbeschule, deren Direktor er wurde. Die Eröffnung dieser Kunstschule, des späteren Bauhauses fiel in das Jahr 1907.

Neben den Bauhausideen wird auch das Bauhausdesign thematisiert, hier auf Itten näher eingegangen und erneut auch auf Gropius. Anschließend wird die Geschichte der Bauhausprodukte zur Sprache gebracht. Diese und die Ideen der neuen Sachlichkeit wurden in den 1920er Jahren populär. Ab 1930 dann verödete das kreative Milieu. Es entstanden kaum noch neue Produkte.

Über das einstmals kreative Milieu in den 1920er Jahren wird man gut unterrichtet und wird ausführlich über die Bauhauswerkstätten informiert. Hier kommen zu Sprache: die Möbelwerkstadt, die Weberei, die Töpferei und die Metallwerkstatt, bevor man schließlich auch mit den Folgen des Bauhaus vertraut gemacht wird und dann die 150 Objekte kennen lernt. Diese sind nach ihrer Entstehungszeit geordnet. Man erfährt stets, wer sie gestaltet hat, aus welchem Material sie bestehen und wie groß sie sind. Zudem wird jeder Gegenstand genau beschrieben und natürlich visualisiert.

Die meisten Objekte empfinde ich als zeitlos, so etwa die Vorratsdosen von Theodor Bogler (S.90), die Fruchtschale von Josef Albers (S. 92), die geschmackvollen Tischlampen von Carl Jakob Jucker (S. 94), die Vitrinen von Marcel Breuer(S.95) und vieles andere mehr. Ein Klassiker ist die Tischleuchte von Wilhelm Wagenfeld (S.113), auch Marcel Breuers Stuhl besticht durch Zeitlosigkeit. Die Freischwinger von Mart Stamm aus dem Jahre 1927 waren in den späten 1970ern wieder hochaktuell und sind es immer noch.

Sehr schön gestaltet ist das Service von Hermann Gretsch, das ebenfalls niemals aus der Mode kommen wird. Da ich einer Liebhaberin von geraden Linien und edler Schlichtheit bin, schätze ich viele Objekte des Bauhaus und die Ideen, die der Stilrichtung zugrunde liegen.

Auf den letzten Seiten hat man Gelegenheit Kurzbiografien von vielen Bauhaus-Protagonisten zu studieren, unter ihnen natürlich Walter Gropius, Josef Hartwig, Wassily Kandinsky, Adolf Meyer, Lilly Reich und Gunta Stölzl.

Gefallen hat mir folgender Satz von Walter Gropius, der sich hier über die Motivation der Bauhaus-Künstler äußert: "Junge Menschen kamen aus Deutschland und aus dem Ausland, nicht um korrekte Lampen zu entwerfen, sondern um an einer Gemeinschaft teilzuhaben, die einen neuen Menschen in einer neuen Umwelt erschaffen und die schöpferische Spontanität freisetzen." (Zitat: S. 36).

Empfehlenswert.

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Rezension:Die Nacht im Zwielicht: Kunst von der Romantik bis heute (Gebundene Ausgabe)

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Die Nacht im Zwielicht", die vom 24.10.2012 bis zum 17.2.2013 in der Galerie Belvedere in Wien gezeigt wird. Diese Gemäldeschau vereint unterschiedliche künstlerische Medien wie Gemälde, Grafik, Zeichnung, Fotografie, Skulptur und Film und spiegelt die nächtliche Thematik in ihrer Vielfalt wieder.

Neben den Abbildungen unzähliger Kunstwerke, erwarten den Leser brillante Essays unterschiedlicher Autoren. Hier liest man dann Erhellendes zur zwielichtigen Nacht als Sinnfigur und in diesem Zusammenhang u.a. über die Wiederkehr der Königin der Nacht um 1800. Mit der profanen, ambivalenten Kunstfigur der Oper, der Königin der Nacht, begann die Moderne um 1800 die antike Nyx erneut aufzuwerten. Zeitgleich aber wird die Allegorie in schwarze Fantasiegestalten aufgefächert, beispielsweise von William Blake, E.T.A. Hoffmann und auch von Francisco de Goya.

Man wird des Weiteren vertraut gemacht mit der Nacht im 20. Jahrhundert, liest über den künstlerischen Raum der Nacht, auch über die Nacht als Szenerie. In besagtem Jahrhundert verschwand sie übrigens als Symbolfigur nahezu vollständig. Doch die Nacht als künstlerisches Werkzeug zur Verhandlung gesellschaftspolitischer, selbstreflexiver und analytischer Momente in der zeitgenössischen Kunst kommt stets wieder zum Tragen, (vgl.: S.31).

Wissenswertes erfährt man u.a. zur Physik und zur Technik sowie zur Ästhetik der Nacht und auch über die Beleuchtung der Nacht durch das Sprechen. Hier bleibt der Psychoanalytiker Sigmund Freud nicht ausgespart.

Der Zauber des Lichts ist notwendig mit dem Wechselspiel von Hell und Dunkel verbunden, dabei ist die Nacht und ihre relative Dunkelheit, verglichen mit dem Tag, seit ewigen Zeiten für Menschen mit negativen Assoziationen verbunden. Wir scheinen in der Epoche der Zerstörung der Nacht zu leben, aber es finden überall zaghafte Versuche statt, sie neu zu entdecken, wie man liest.

Im Bildteil findet man immer wieder erläuternde Texte, auf diese alle einzugehen, sprengt allerdings den Rahmen der Rezension.

Die Kunstwerke stammen von unzähligen Künstlern. Es sind zu viele, als dass ich sie auflisten könnte. Zugeordnet sind sie den Themen:
Mythos, Traum und König der Nacht
Innere Nacht, Schlaf und Blindsein
Erhabene Nachtlandschaft
Nächtliche Tätigkeiten
Natürliche und künstliche Unterwelten
Nachtwandlung vom Symbolismus zur Abstraktion
Ende der Nacht: Schwarze Ironie und Lichtsmog

Gemälde hervorzuheben, halte ich nicht für angebracht. Aber ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass mich "Dämmerung" von Carl Moll wohl am meisten anspricht, ein romantisch-poetisches Gemälde, in wunderschönen Farbtönen, das selbst im Dunkel durch die Grüntöne dem Leben huldigt und zum Ausdruck bringt, dass die Nacht alles andere als das Sterben bedeutet.

Empfehlenswert.

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