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Rezension: L`Art Nouveau

Die Herausgeber des reich bebilderten Kunstbuches Gabriel P. Weisberg, Edwin Becker und Èvelyne Possémé versuchen im Rahmen zahlreicher Essays unterschiedlicher Autoren der Geschichte der "Art Nouveau" nachzuspüren. Den Namen erhielt diese Kunstbewegung aufgrund der Pariser Galerie "L´Art Nouveau" des Kunsthändlers Siegfried Bing (1838-1905). Dieser Mann ist für die Forschung deshalb interessant, weil er neben seiner Tätigkeit als Händler von zunächst japanischer Kunst und in der Folge von Kunstgewerbeobjekten auch als Förderer der Künste und als kreativer Unternehmer auftrat. Wie man erfährt, beauftragte er nicht nur Künstler mit der Herstellung von Objekten, die er in seiner Galerie zum Kauf anbot, sondern rief auch Werkstätten ins Leben, in denen Künstler und Kunsthandwerker Objekte entwarfen und produzierten. Dabei hoffte er, dass diese Kunstschaffenden seine Vision von der neuen Kunst im Dienst der modernen Wohnkultur umsetzen, (vgl. S. 6).

Im Rahmen der umfangreichen Essays wird man über Beginn und Ende des Geschäftes "L`Art Nouveau" unterrichtet, erlebt den Werdegang der Familie Bing, liest von Siegfried Bings Reisen nach Japan, dem steigenden Interesse für französische Waren in Japan, der Beteiligung Siegfried Bings an Ausstellungen japanischer Kunst, seinem ungeheuren Engagement als Kunsthändler, aus dem letztendlich ein neuer Kunststil, der den Namen seines Geschäftes tragen sollte, erwuchs.

Das Buch befasst sich u.a. mit der Rolle Bings bei der Verbreitung japanischer Keramik. Dabei lernt man eine Reihe von Objekten des japanischen Kunsthandwerks visuell kennen, erfährt auch, dass noch heute einige der großen Sammlungen japanischer Kunst der Kunstwissenschaft zur Verfügung stehen, weil diese einst von dem Britischen Museum in London, dem "Museum of Fine Arts" in Boston bzw. den "Staatlichen Museen Berlin" erworben wurden, (vgl.: S.: 45).

Ausführlich wird man über die Entstehung des "Japonismus" unterrichtet und kann sich in diesem Zusammenhang auch über den Japonismus des Fin de Siècle kundig machen. Man erfährt von Ausstellungen und dem Verkauf asiatischer Kunst in Amerika, den Gemeinschaftsprojekten französischer Künstler und amerikanischer Kunsthandwerker. Hier liest man beispielsweise von der Zusammenarbeit Bings mit dem amerikanischen Kunsthandwerker und Formgestalter Louis Comfort Tiffany. Seine Manufaktur für Glasmalerei war übrigens im Corona-Viertel in Brooklyn, New York City lokalisiert. Im Buch lernt man diverse Tiffany-Exponate kennen. Bing organisierte im Sommer 1897 eine Ausstellung mit Werken von Tiffany, bei der der Künstler zugegen war. Diese Ausstellung soll gut besucht gewesen sein. Bing veräußerte eine Vielzahl der Exponate an Sammler und Museen und förderte so den Namen Tiffany, (vgl.: S. 90).

Man liest von Bings Aktivitäten in Belgien. 1895 trafen sich Bing und van der Velde. Dieser galt als lebendiges Symbol des vielseitigen Künstlers, der von einer tiefen Leidenschaft zu seinem Schaffen erfüllt war. Philippe Thiébaut vermutet, dass Bing als er van der Velde um die Entwürfe für das Dekor von "L`Art Nouveau" bat, bereits ahnte, dass dieser Künstler sich mit Leib und Seele der Aufgabe verschreiben würde, um als Apostel einer neuen Ästhetik Theorien in die Tat umzusetzen, die die Welt verändern sollten, (vgl.: S. 107).

Die Fotos von "Les Salons de L`Art Nouveau" zeigen zauberhafte Ausstellungsräume. Im Rahmen eines Essays wird man genau unterrichtet, wie es dort in Paris ausgesehen hat. Wie man liest, gehörte eine bedeutende Zahl von Gemälden in Bings erstem "Salon LŽArt Nouveau" zu der Strömung des Symbolismus. Man lernt einige dieser Bilder kennen, darunter auf Fernand Khnopffs "Unter Tannen", (S.133). Bei diesem Bild handelt es ich um eine melancholische Selbstbetrachtung, in der sich herbstlich gelichtete Naturformen die seelische Verfassung widerspiegeln, (vgl.: S. 132). Man wird von vielen weiteren Kunstwerken des ersten Salons in Kenntnis gesetzt, darunter zahlreiche neoimpressionistische Werke unterschiedlicher Künstler und Werke von Glaskünstlern wie René Lalique und Plastiken von Camille Claudel.

Bings Aktivitäten in England bleiben nicht ausgespart und in diesem Zusammenhang die kunstgewerblichen Werkstätten Morris, Liberty und Henry, die in England Bings wichtigste Lieferanten waren. Auch werden die englischen Künstler Heaton und Brangwyn vorgestellt, bevor man sich mit Bings Art-Nouveau-Werkstätten näher befassen kann und Näheres zu seinem "Pavillon de L`art Nouveau" auf der Weltausstellung 1900 erfährt. Man lernt zahlreiche Möbelstücke des besagten Stils kennen, auch viele Vasen, Tafelgeschirr und anderes mehr und hat Gelegenheit sich schließlich über Bings Wirkung und Stellung in seiner Zeit kundig zu machen. Bing beabsichtigte mehr als nur Produkte aus einer breiten Palette zeitgenössischer Fertigung vorzustellen. Er beabsichtigte auch deren Eigenart mitzubestimmen und Künstler zu animieren, aktiv zu werden. Er wollte diese Produkte letztlich auch in interessierte Kreise aktiv hinein tragen, um auf diese Weise dem neuen Stil zum erfolgreichen Durchbruch zu verhelfen, (vgl.: S.253). Ein sehr tatkräftiger und engagierter Mann, der meinen ganzen Respekt hat und über den es lohnt, sich näher zu informieren.

Empfehlenswert.




Rezension: Hokusai- Mathhi Forrer

Dieser Prachtband ist dem Leben und Werk des japanischen Künstlers des Farbholzschnittes Katsushika Hokusai (1760-1849) gewidmet. Die großformatigen Abbildungen seiner Werke führen in eine Welt, die man als Mitteleuropäer wie ein Traumwelt wahrnimmt.

Nach einem Vorwort, das die Frage "Warum noch eine Hokusai-Monographie?" zufriedenstellend beantwortet, erfährt man, dass im Buch die Leistungen des Künstlers stets vor dem allgemeinen Hintergrund der japanischen Welt des Farbholzschnittes betrachtet und in den Kontext der kulturellen Entwicklung seiner Heimat gestellt werden. Weiter wird man in Kenntnis gesetzt, dass Hokusai ein Künstler war, der sich immer wieder neu erfand, also demnach besonders kreativ war.

Untergliedert ist das bild- und textreiche Buch in die Oberbegriffe:

-Jugend und Shunro-Periode
-Hokusai Sori Privatdrucke
-Gakyonjin und Katasushika Hokusai
-Das Vermächtnis des Hokusai Raito
-IItsu: Hokusai wird "Wieder ein Jahr alt"
-Die Manji-Periode Hokusais letzte Jahre


Hokusai trat als 18 jähriger in das Atelier von Katsukawa Shunsho ein. Dort arbeitete er 15 Jahre als Maler und Holzschnittkünstler unter dem Namen Shonro. Im ersten Kapitel wird Hokusais Jugend und die Shunro-Periode näher beleuchtet. Zur Sprache kommen u.a. die Welt des Farbholzschnitts, Hokusais Frühwerk unter dem Zeichen Shunros, die Holzschnitte der Konkubinenschauspielerinnen, seine Illustrationen für Populärromane, die erste Anerkennung aufgrund der Perspektivbilder für Nishimuraya Yohachi und seine Anerkennung im Rahmen des Genres der Schauspielbilder.

Hokusai verfügte über poetisches, erzählerisches, und humoristisches Talent. Wie man erfährt, schrieb er jahrelang volkstümliche Romane, die in einem charakteristischen gelben Einband "Die kleinen gelben Bücher" erschienen, (vgl. S. 22 ff). Diese Bücher zeigen bereits seinen Hang zum Sarkasmus und seine gute Beobachtungsgabe. Hokusai verließ 1792 nach dem Tod deines Meisters und einem Streit mit einem Mitschüler das Atelier Shunshos. Er wurde dann unter dem Namen Hokusai Sori zum Favoriten namhafter Laiendichter und entwarf in jener Zeit zwischen 1776-1805 eine große Anzahl kostbarer Glückwunsch- und Einladungskarten, bei denen er mit Goldstaub und Silber arbeitete. Diese Karten werden "Surimonos" genannt. Im Rahmen des Kapitels "Hokusai Sori Privatdrucke" wird die Welt der Privatdrucke in der damaligen Zeit näher erörtert und man erfährt u.a. mehr zur Poetik zu den berühmten Orten Edos.

Die Bilderwelt hier im Einzelnen zu erörtern, ist unmöglich bei dieser Fülle an Bildern, die das Buch enthält. Damit Sie Vorstellung davon erhalten, habe ich hier einige Bilder in die Rezension eingebunden.

Hokusai nannte sich u.a. Gakyojin und Katsushika Hokusai. Unter seinen vielen Arbeiten waren auch Gedichtsillustrationen und Illustrationen für Populärromane, z.B. für Abenteuerromane. Seine Personen sind mit einer in Japan bis dahin nicht gekannten Realitätsdichte dargestellt, die der Intensität entsprang, mit der er menschliche Haltungen in ebensolcher Art und Weise wie Naturerscheinungen studierte. Ab 1814 wurden sein Werk "Manga" Enzyklopädie in Bildern veröffentlicht. Diese bestand aus 15 Bänden. Im Rahmen des Kapitels "Das Vermächtnis des Hokusai Taito" erfährt man Näheres zu seinen Zeichenbüchern, den Bilderalben und den erotischen Bildern. Seine Zeichnungen besitzen so viel Schärfe, dass sie geradezu karikaturistische Züge annimmt.

Hokusai wählte zumeist extreme und ungewöhnliche Haltungen und zum Kulminationspunkt potenzierte Bewegungen, gleichwohl waren es Alltagsszenen, die er schilderte. Diese allerdings waren von der konventionellen Kunst nie zuvor so unverfälscht dargestellt worden. In seinen "Mangaarbeiten" handhabte er als Zeichner meisterhaft die abkürzende Technik des Punkt-Strich-Systems,(siehe Seite 130ff).

Im Kapitel "IItsu: "Hokusai wird "Wieder ein Jahr alt" Zeit für Neuanfang" wird von seinem kreativen Schub im hohen Alter berichtet, in der er große Landschaftsfolgen anfertigte, die heute weltberühmt sind. Es entstanden insgesamt 137 Drucke über einen Zeitraum von 5 Jahren. Diese zeigen den Fuji, Wasserfälle, Brücken, Blumen und Geister. Seine "36 Ansichten des Berges Fuji" sind wohl in der westlichen Welt mit am berühmtesten. In seinem malerischen und zeichnerischen Schaffen war sein didaktisches Werk zweitrangig, obschon es mehrere bemerkenswerte Zeichenbücher beinhaltete.


Hokusais letzten Jahre werden die Manja-Periode genannt. In diesen Jahre widmete er sich vor allem der Malerei, weil er nicht nur als Holzschnittzeichner, sondern auch als echter Maler in die Geschichte eingehen wollte.

Dieses Buch ist eine wirklich Kostbarkeit.

Empfehlenswert.



Bilder: Mit freundlicher Genehmigung ©Prestel- Verlag
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Rezension: Picasso- Die erste Museumsausstellung 1932

Im Kunsthaus Zürich findet noch bis zum 30. Januar 2011 die Ausstellung "Picasso- Die erste Museumsausstellung 1932" statt. Der vorliegende Bildband ist der Katalog zu dieser Ausstellung.

Der spanische Maler, Grafiker, Bildhauer, Keramiker und Objektkünstler Pablo Picasso (1881-1973) ist der Wegbereiter und zeitgleich hervorragendste Repräsentant der Malerei des 20. Jahrhunderts. Die erste Museumsrespektive des Künstlers fand im Jahre 1932 in Zürich statt. Das Buch berichtet von der Entstehungsgeschichte der Ausstellung und verdeutlicht ihren Einfluss auf die Geschichte des Künstlers, sowie ihre exemplarische Bedeutung hinsichtlich der Beziehung zwischen Künstler, Kunsthändlern sowie Museen und anderen ähnlichen Institutionen im 20. Jahrhundert. Zudem enthält es die vollständige Rekonstruktion der epochalen Ausstellung. Dies wird dem Leser bereits im Klappentext vermittelt.

Nach einem Grußwort des Sponsors, es handelt sich dabei um die Credit Suisse und einem erhellenden Vorwort von Christoph Becker folgen Essays von:

Tobia Bezzola: "Retrospektive Retrospektiv- Zur Ausstellung."
Dieses Essay korrespondiert mit den Ansichten der Picassoausstellung im Kunsthaus Zürich 1932, die im Anschluss daran folgen. Es handelt sich bei den Ansichten um Fotos der Installationsansichten der damaligen Ausstellung.

Christian Geelhaar: Picasso. "Die erste Züricher Ausstellung".

Pablo Picasso
Der gelbe Gürtel: Marie-Thérèse, 1932
Courtesy Nahmad Collection
© 2010 ProLitteris, Zürich
In diesem Essay erfährt man u.a., dass einzelne Gemälde, wie etwa "Das Menschenpaar" aus der Sammlung Bernhard Mayer, Zürich und vier Skulpturen erst zehn Tage nach der Eröffnung in die vom Tessiner Maler Sigismund Righini (1870-1937)eingerichtete und gestaltete Ausstellung eingegliedert wurden. Auch die vier Säle im Erdgeschoss, in denen rund 100 Zeichnungen und ebenso viele Radierungen und Lithografien ausgestellt waren, wurden dem Publikum erst viel später zugänglich gemacht, (vgl.: S.36).

Sehr interessant finde ich die Schilderungen Geelhaars im Hinblick auf eine spezielle Kontroverse, die durch die Ausstellung aufgrund eines Aufsatzes des Psychologen und Psychotherapeuten Carl Gustav Jung (1875-1961), der am Schlusstag der Austellung in der Neuen Züricher Zeitung erschien, entstand. Jung ordnet Picasso der Gruppe der Schizophrenen zu, "die Bilder produziert, welche sofort ihre Gefühlsfremdheit offenbaren. Sie vermitteln auf alle Fälle kein einheitliches, harmonisches Gefühl, sondern Gefühlswidersprüche oder gar völlige Gefühllosigkeit. Rein formal herrscht der Charakter der Zerissenheit vor, der sich in den so genannten Bruchlinien ausdrückt, d.h. eine Art psychischer Verwerfungsspalten, die sich durch das Bild ziehen." (Zitat Jung.: S.38). Man erfährt in der Folge wie einzelne Persönlichkeiten in jenen Tagen auf die Ausführungen Jungs reagiert haben. Dies zu lesen, ist überaus spannend.

Im Anschluss werden Werke von 1899-1912 vorgestellt. Zu den ausgestellten und im Buch abgedruckten Werken von 1899-1912 zählt u.a. das in Blautönen gehaltene Ölbild "Melancholie". Bei diesem und allen weiteren dargestellten Gemälden erfährt man jeweils, wann sie entstanden sind, welche Größe sie im Original haben und wo sie normalerweise hängen. Aus seiner "Blauen Periode" lernt man das Gemälde "Frau im Hemd" aus dem Jahre 1905 kennen, auch kubistische Gemälde, wie etwa "Der Dichter" von 1912.

Simonetta Fraquelli: "Picasso Retrospektive in den Galeries George Petit, Paris 1932. Eine Antwort auf Matisse."

Die Austellung wird sehr gut interpretiert. Das Interpretationsergebnis entnimmt man der Kopfzeile des Essays. Im Übrigen hat Picasso von Dezember 1931 bis April 1932 30 neue Gemälde geschaffen, 22 davon eigens für die Austellung, (vgl.S.82). Die Ausstellung soll einen großen Eindruck hinterlassen haben. Picassos primäres Ziel war es, seine neueren Werke als eine Fortsetzung seiner künstlerischen Errungenschaften der Vergangenheit zu präsentieren. Dies ist ihm gelungen, wie Fraquelli hervorhebt.

Es folgen fotografische Ansichten der Picasso-Ausstellung in den "Galeries Georges Petit", 1932 und Werke aus den Jahren 1912-1926, darunter das wundervolle Bild "Mädchen mit Reif" von 1919, seine "Frau mit blauem Schal" von 1923 und der "Musizierende Harlekin" von 1924.

Michael FitzGerald: Nach 1932: Von den Retrospektiven in Paris und Zürich bis "Guernica".

Hier liest man von der Veränderung Picassos, denn nur fünf Jahre nach den Ausstellungen in Zürich und Paris schuf er mit "Guernica" die erste Arbeit seiner Serie bedeutender politischer Werke. FitzGerald ist der Meinung, dass, sofern man die Gemälde von 1931-32 genauer betrachtet, man durchaus Ähnlichkeiten mit den Gemälden der späten 1930er Jahren feststellen kann, (vgl.S.136) und insofern die Veränderung nicht nur auf den Einfluss von Dora Maar zurückzuführen sei, wie oft behauptet wird.

In der Folge lernt man Werke aus den Jahre 1927-1932 kennen. Beeindruckend finde ich das Ölgemälde "Akt am Strand", das viele Deutungsmuster zulässt. Ungeheuer ironisch wirkt auf mich "Der gelbe Gürtel: Marie-Thérèse Walter" von 1932. Sein Gemälde "Die Ruhende" von 1932 zeigt eine betont laszive Frau, die durch die Farbgebung Harmonie in ihrer reinsten Form verkörpert.

Der alte Ausstellungskatalog des Kunsthauses Zürich zur Picassoausstellung von 1932 ist auf den dann folgenden Seiten abgedruckt. Anschließend kann man sich mit dem Werksverzeichnis und einer lobenswerten vierseitigen Zeittafel mit biografischen Daten von Picasso befassen.

Ein gelungener Ausstellungskatalog, der deutlich macht, welch großer Künstler Picasso bereits in jungen Jahren war.

Empfehlenswert.


Bilder: Mit freundlicher Genehmigung des Prestel Verlages

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Rezension: Best of NATIONAL GEOGRAPHIC: Die Fotografien- Leah Bendavid-Val

Im vorliegenden Bildband hat man Gelegenheit die berühmtesten Fotos des NATIONAL GEOGRAPHIC - Magazins kennenzulernen. Man erfährt jeweils, wer die einzelnen Bilder realisiert hat, wo und wann sie entstanden sind und erhält zu jedem Fotos zusätzlich erhellende Infos, die das Gesehene näher erläutern.

Nach einen Vorwort, dem bereits eine Reihe sehr beeindruckender Farbfotos vorrangegangen sind, lernt man die einzelnen Kapitel, die neben einer Fülle von Fotos auch hochinteressante Textbeiträge beinhalten, kennen. Diese Kapitel tragen die Titel:

-Einst und Jetzt
-Rund umd den Globus

-In der Wildnis

-Unter Wasser

-Die Naturwissenschaften

-In den USA

Bei den Fotos, die der Einleitung von Gilbert M. Grosvenor, dem Präsidenten und Vorsitzenden der National Geographic Society vorangestellt sind, hat mich ein doppelseitiges Bild besonders fasziniert. Steve McCurry hat es 1983 in Rajasthan in Indien aufgenommen. Frauen in wundervollen, weinroten Gewändern suchen Schutz vor einem der Sandstürme, die nicht selten vor Beginn des Monsuns über die Ebenen von Rajasthan wehen. An ihren Fußgelenken tragen die schönen Inderinnen goldene Reifen. Dicht zusammengedrängt verstecken sie sich hinter einem schief stehende Baumstamm. Nur eine einzelne Frau setzt sich völlig dem Sturm aus. Beinahe hat man den Eindruck als genieße sie die heftigen Berührungen des Sturms, fast meint man sie mache ihn zu ihrem Geliebten.

Auch das Flüchtlingsmädchen auf dem Buchdeckel ist auf den Eingangsseiten abermals zu sehen. Fotografiert wurde auch sie von Steve McCurry und zwar 1984 in Pakistan an der Grenze nach Afghanistan. Ihre Augen sind voller Angst und deuten, wie man liest, auf schreckliche Kriegserlebnisse hin.

Das erste Kapitel beginnt mit einen Foto, dass Gilbert H. Grosvenor 1920 auf Hawaii aufgenommen hat. Die Aufnahme von Reitern, die in den 49 Quadratkilometer großen Haleakala-Krater vordringen, ist handkoloriert. Man hat Gelegenheit Einiges über diese Anfangszeiten zu erfahren. Vor hundert Jahren begann National Geographic Society, die Fotografie einzusetzen und zwar zum Zwecke, die geografischen Kenntnisse zu mehren und zu verbreiten. Der fotografische Stil der Zeitschrift National Geografic erlangte einen Höhepunkt, als die Fotografie das Medium für Reportagen über Weltereignisse wurde, (vgl.: S. 34).

Nachdem Gilbert H. Grosvenor 1899 der erste Redakteur dieses Magazins wurde, begann man bereits Schwarzweißfotos einzusetzen. Man erfährt in der Folge Erhellendes über dessen Redakteurtätigkeit in den ersten Jahrzehnten und darüber, dass die Fotografie sich zu einem so wichtigen Aspekt für die Zeitschrift entwickelte, dass Grosvenor ein eigenes Schwarzweißlabor einrichtete, dem kurz darauf schon ein Farblabor folgte. Es war das erste im amerikanischen Verlagswesen. Nach dem ersten Weltkrieg soll die Farbfotografie dann schließlich in das amerikanische Zeitschriftenwesen vorgedrungen sein. Geographic veröffentlichte zwischen 1921-1930 mehr als 1500 Autochrombilder und wurde zum namhaftesten Organ für die Reproduktion von Farbaufnahmen.

Man liest alsdann, wie es mit der Farbgeschichte weiterging und darf sich immer wieder beeindruckender Aufnahmen erfreuen, wie etwa einem Foto, das Franz Lanting 1989 in Okawango in Botswana gemacht hat. Ihm ist es mittels einer automatischen Kamera gelungen, ausgelöst durch einen Infrarotstrahl, die Schritte eines Leoparden einzufangen, den er selbst nie gesehen hatte.

James L. Stanfield realsiert eine Fotoreportage im Vatikan. Er beabsichtigte auch die menschliche und private Seite dieser uralten Institution einzufangen und zeigt deshalb auch, wie der Papst sich darauf vorbereitet, die Menschenmenge auf dem Petersplatz zu segnen. Diese Szene ist so ganz anders als jene, welche die Ordinationsmesse im Petersdom thematisiert, bei der zukünftige Priester geweiht werden. Sehr schön ist das Foto von Papst Johannes Paul II., das ihn sehr nachdenklich durch die Gärten seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo bei Rom wandernd zeigt. Wie man erfährt, hat der Fotograf das Gefühl, den Pontifex in neuem Licht zeigen zu können, nicht als öffentliche Figur, sondern vielmehr als privaten, heiteren und betfreudigen Mann, (vgl.S. 70). Dies zu vermitteln ist Stanfield m.E. gelungen.

Es folgen Bilder, die rund um den Globus entstanden sind. Die Aufnahmen berichten vom Wandel in der Welt und werden textlich sehr gut begleitet. Kunstvoll ist das Foto von Sam Abell, dass dieser 1983 in Moskau aufnahm. Hier scheint schlichte Schönheit die Spannungen des kalten Krieges zu mindern, wenn der Blick durch die Spitzengardinen des Hotelfensters über sonnenbeschienene Birnen hinweg zum Kremel und anderen Gebäuden am Roten Platz wandert,(vgl: S.74/75).

Beeindruckend auch ist eine Aufnahme von Malcom S. Kirk, die am Sepik-Fluss in Papua- Neuguinea entstanden ist. Hier schlummert ein Kind in einem Hängenetz. So friedlich kann die Welt fernab von der Zivilisation sein,(vgl.: S. 95). Es ist schade, dass man im Rahmen einer Rezension nicht alle Bilder zur Sprache bringen kann, denn jedes einzelne hätte ein paar Worte verdient. Berührt bin von dem Foto, das Tomasz Tomaszweski 1992 in Mariefried in Schweden aufgenommen hat. Auf diese Weise wird alljährlich am 13. Dezember die Ankunft der heiligen Lucia gefeiert.

David Alan Harvey skizziert mit seinen Fotos Spanien. Das Bild, das einen Torero-Lehrling zeigt, ist inhaltlich fast schon Vergangenheit geworden, ähnlich wie die Männer in mittelalterlichen Bußgewändern, die an der Karfreitags-Prozession einer religiösen Bruderschaft teilnehmen.

Man lernt auf weiteren Bildern die Wildnis, das Reich der Tiere kennen. Bei diesen Fotos geht es um mehr als nur Schönheit. Die Bilder sollen informatives Material für die Reportage liefern und zeitgleich dem persönlichen Stil des Fotografen gerecht werden. Alle Fotos im Buch genügen diesem Anspruch. Fast ein wenig bedrohlich wirken die weißen Wölfe von Jim Brandenburg und einfach nur traumhaft all die Aufnahmen unter Wasser. Hier hat es mir der Schwarm violetter Farnbarsche angetan, der an einer gelben Demoiselle und einer Kelchkoralle vorbeigleitet.

Mit großem Interesse habe ich den kurzen Bericht zu den Titanic-Aufnahmen gelesen. Emory Kristof fotografierte das Schiff, das am 14. April 1912 nach einer Kollision mit einem Eisberg gesunken war, mit einer streubaren Kamera. Die Kabinen der ersten Klasse sollen nach 80 Jahren unter Wasser noch völlig unbeschädigt angemutet haben.

Das vorletzte Kapitel im Buch bilden Fotos, die unter dem Oberbegriff Naturwissenschaften zusammengefasst worden sind. Hier haben mich die Bilder zweier Kunstwerke am meisten fasziniert. Einerseits eine Aufnahme von David Brill, die dieser 1975 in der Türkei machte. Sie zeigt das Marmorgesicht der Aphrodite, die man ins Wasser gelegt hat, um die Verunreinigungen von fast zwei Jahrtausenden herauszulaugen, andererseits ein Foto von Vic Boswll, Jr., realisiert in Mailand, Italien 1983, dass Leonardo da Vincis berühmtes Abendmahl nach einer gründlichen Restauration zeigt. Die hellen Stellen sind schon fertig. Das Gerät auf der linken Seite zeigt die Luftfeuchtigkeit im Raum an.

Die Impressionen mit dem Titel das "Portät eines Volkes", zeigen Menschen in den USA. Hier hat mich das Foto von Bill Hess angezogen, dass dieser 1976 in Arizona im Indianerreservat Fort Apache aufnahm. Nach einer alten Tradition begeht ein Apachenmädchen den Eintritt ins Erwachsenenalter mit einem viertätigen Sonnenaufgangs-Tanz. Dieser alten Tradition Folge zu leisten, ist sicher ein guter Weg, weil er die Tänzer erheitert, aber zeitgleich der Natur ihren gebührenden Respekt zollt.

Ein empfehlenswertes Buch.


Bilder: © National- Geographic- Verlag


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Rezension:GEO Epoche EDITION 2/2010 Impressionismus

Dieses wunderbare, reich bebilderte Geo Magazin befasst sich ausgiebig mit dem Impressionismus. Der Stil wurde in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts in Frankreich entwickelt. In seiner Kulminationationszeit (von 1870 bis zu Beginn der achziger Jahre) und in der dann folgenden Richtung des Pointillismus postulierte er eine neue, in erster Linie optische Beziehung zur Malerei.

Das Magazin ist untergliedert in:


1) Die ersten Impressionisten: Eine neue Sicht der Welt

2) Anfänge: Aufbruch in die Moderne

3) Industrielle Revolution: Die Chronisten des Wandels

4) Claude Monet: Eine Welt aus Farben

5) Ausland: Jenseits von Frankreich

6) Paris: Metropole der Maler

7) Postimpressionisten: Die Revolution der Revolution

8) Vincents van Gogh: Der Zerrissene

Im ersten Beitrag werden Kurzbiografien der Maler Gustave Caillebotte (1848-1894), Alfred Sisley (1839-1899), Edgar Degas (1834-1917), Auguste Renoir (1841-1919), Édourd Manet (1832-1883), Paul Cézanne (1839-1906), Camille Pissarro (1830-1903), Berthe Morisot (1841-1895) und Claude Monet (1840-1926) vorgestellt. Von diesen Malern lernt man sehr gut abgelichtete impressionistische Werke kennen, die jeweils textlich kurz skizziert werden.


Man lernt in der Folge auch eine Reihe von Bildern der Gegner der Impressionisten kennen. Es handelt sich hierbei um Werke wie jene von Ernest Meissonier und André Rixens. Diese Maler waren von der Schule der schönen Künste geprägt. Nach den Regeln dieser Akademie schufen diese Künstler sorgfältig ausgeführte Gemälde mit historischen und mythischen Themen. Es ging ihnen darum, jedes Detail in der Kleidung und Mimik der Porträtierten wieder zu geben, (vgl.: S. 30-31). Ganz anders sind die Werke der Maler der Moderne, die bewusst nur den Moment, das Alltägliche und die Oberfläche zeigen. Die Modernität ist, wie der Dichter Baudelaire festhält "das Vorübergehende, das Entschwindende, das Zufällige." Bildlich umgesetzt wird das sehr gut von Claude Monet im Gemälde "Impression, Sonnenaufgang", (vgl.: S.29).


Zudem werden Vorbilder der impressionistischen Maler thematisiert. Es handelt sich um Künstler der Romantik, die sich Anfang des 19. Jahrhunderts schon den Normen der akademischen Malerei verweigerten. Bei diesen Malern handelt es sich um Jean -Francois Millet, John Constable, William Turner und Théodore Rousseau.

Die Impressionisten sind keine Freilicht-Künstler- auch wenn sie ab und an damit kokettieren. Monet verbringt viel Zeit im Studio. Dort vollendete er die Werke, die er im Freien begonnen hatte, (vgl:S. 38).

Neben den Naturansichten, mit denen sich zahlreiche Impressionisten einen Namen machen, sind die Künstler der Moderne an Motiven, der industriellen Revolution und an denen der gesellschaftlichen Veränderung interessiert. Die Bilder berichteten von Pioniergeist, Amüsement, Rastlosigkeit, Mühsal und von der Einsamkeit, (vgl.: S.43).
Gustave Caillebotte thematisiert die negativen Seiten der Gesellschaft auf eindringliche Art, wie seine Bilder deutlich machen. Gezeigt werden aber auch Freizeitvergnügungen armer Gesellschaftsschichten. Fast jeder kennt diesbezügliche Gemälde von Auguste Renoir.


Man lernt die Bilder Monets kennen, die kaum noch Gegenstände zeigen, sondern nur noch Farben, Licht und Formen aufweisen und liest im Rahmen eines sehr gut geschriebenen Beitrags von Markus Wolff Wissenswertes über Monets Werk und Leben.
Über die Impressionisten in Russland, den USA, Skandinavien, Deutschland und England wird man auch in Kenntnis gesetzt und lernt zahlreiche Werke kennen, die stets kurz kommentiert werden. Mich beeindruckt das intensive Licht, das einige der Bilder durchflutet, so etwa Peder Severin Kroyers "Sommerabend am Südstrand von Skagen" oder auch Liebermanns "Terrasse des Restaurants Jakob".
Ganz hervorragend wird das künstlerische Wirken der Impressionisten in Paris, der Metropole der Bewegung geschildert. Dort malte Degas beispielsweise Prostituierte, Fürstinnen und Tänzerinnen, aber auch Bügelfrauen. Degas soll geradezu besessen auf diese Mädchen gewesen sein. Bereits seit seinen ersten Ausstellungen kannte man ihn als den "Maler der Tänzerinnen", (vgl.: S. 86).


Die jungen Künstler fanden sich im "Nouvelle Athénes", einem Café an der Place Pigalle, nicht nur ein, um zu essen und zu trinken, sondern um bekannte Maler zu treffen, von ihnen zu lernen und Mentoren zu finden, (vgl.: S. 86). Es ist überaus spannend zu erfahren, was sich damals in Künstlerkreisen im Einzelnen zugetragen hat.

In der Folge lernt man eine Fülle von Bildern der Postimpressionisten kennen. In den neuen Malstilen sollen Farbe und Form zumeist nur noch Gedanken und Empfindungen übersetzen. Gezeigt werden Werke von Georges Seurat, Paul Gauguin, Pierre Bonnard, Paul Signac, Mauice Denis, Henri Matisse, Edourad Vuillard und André Derain.


Bücher über Vincent van Goghs Werke habe ich einige rezensiert und halte den Beitrag von Cay Rademacher über diesen großen Künstler für außerordentlich gelungen. Lobend erwähnen möchte ich die Auswahl an Gemälden van Goghs, die seinen Beitrag begleiten. Es gefällt mir, dass Rademacher Gemälde wie "Blühende Mandelbaumzweige", Saint-Rémy, 1890, oder auch "Bäume und Unterholz", Paris 1887 und schließlich "Trauernder Alter Mann", Saint- Rémy 1890, neben anderen hervorhebt, da diese Bilder seltener in den Fokus geraten als andere, aber m.E. sehr viel über den Künstler aussagen.

Auf den letzten Seiten kann man sich einen guten Überblick über Daten und Fakten zum Thema "Die Impressionisten und ihre Zeit" verschaffen.

Wer sich über den Impressionismus informieren möchte, wird in diesem Magazin mehr finden als in manchem gebundenen Buch. Das Preis-Leistungsverhältnis ist einmalig. Die Texte sind auf hohem Niveau angesiedelt und die bildliche Wiedergabe der Kunstwerke entspricht dem Niveau von Abbildungen sehr teurer Kunstbände.


Sehr empfehlenswert.



Rezensionen:Inszenierte Welten. Der Gestalter Peter Schmidt (Gebundene Ausgabe)

Dieses reich bebilderte Buch mit Textbeiträgen von Inga Griese, Niklas Maak, Gerrit Gley, Lilli Holm, Gerd Mietusch, Hannes Heer, Uly Foerster, Jürgen Kaffer, Jürgen Kesting sowie Isabella Vertes-Schütter und einem Vorwort von Kent Nagano thematisiert das Leben und Schaffen des hochbegabten Designers Peter Schmidt.

Als ich die Einleitung las, wurde ich sofort neugierig und wollte mehr über diesen beeindruckend kreativen Menschen erfahren. Nagano schreibt u.a., dass alles an Schmidt Kreativität und Enthusiasmus ausstrahle und bei ihm nichts ohne Leidenschaft und Passion geschehe.

Inga Griese berichtet in dem Beitrag "Bayreuth, Kassel, Hamburg" von der Kindheit und Jugend des 1937 in Bayreuth geborenen Gärtnersohnes, der in Kassel ein Grafikstudium absolvierte. Bei der Abschlussprüfung, die ihm leicht viel, verlangte man ihm den Entwurf eines Parfumflakons ab.

Nach seinem Studium arbeitete Schmidt u.a. als Grafiker bei der Zeitschrift "Geo" und wurde 1967 Artdirector der Werbeagentur Verclas und Böltz. Diese Firma hatte Reemtsma als Kunden. Damals wurde Peter Schmidt mit der Entwicklung von neuen Verpackungen und Kampagnen für Zigaretten bekannt. Er gestaltete die Markenbilder und Parfumflacons für Joop, Jil Sander, Laura Biagiotti, auch die Apolinarisflasche und eine Vielzahl von Firmenlogos, die man im Buch näher kennen lernt.

In einem Gespräch, das Niklas Maak mit dem Designer führt, beantwortet er die Frage, wie man eine gute Form erfindet. Gleich zu Beginn des Gesprächs erfährt man, dass der Flakon, der Peter Schmidt für Jil Sander entwarf, in die Sammlung des Museums der Modern Art in New York aufgenommen wurde. Offenbar muss man sich in die Gerüche, Atmosphären und Stimmungen einer bestimmten Zeit hineinspüren und Atmosphären und Stimmungen auffangen, wenn man eine wirklich gute Form entwickeln möchte. Der Designer erklärt u.a. wie er Identitäten erfindet und worauf es ihm bei einem Entwurf ankommt und unterstreicht, dass sein Entwurf im Kopf gestaltet wird, er also nicht traditionellen Schulen verhaftet sei.

Seit 1994 entwirft Peter Schmidt auch Bühnenbilder. Diese sind offenbar das Gegengewicht zur Welt der kleinen Formen, zu den Signets, den Buchstaben, den Flakons, die letztlich Architekturminiaturen verkörpern, (vgl.: S.: 95).

Man liest von zwei Formen der Schönheit, der klassischen und der aparten. Die aparte Schönheit erhält, nach Schmidts Meinung, ihren Reiz dadurch, dass dieser sich durch eine Besonderheit, eine Überzeichnung oder auch einen Bruch auszeichnet.
Der Designer hat eine Fülle von Verpackungen gestaltet, auch für Damenhygieneartikel. Bei Damenbinden geht es ihm allerdings nicht nur um den schönen Schein, sondern auch um die perfekte Passform, die er in Zusammenarbeit mit Medizinern, Technikern und Chemikern entwickelt hat.

Ich bin beeindruckt von all dem, was Schmidt gestaltet hat. Sehr schön sind die vielen Logos, aber auch die Pralinenverpackung für japanische Schokolade und seine architektonischen Meisterwerke, wie etwa das Foyer der Hamburger Staatsoper, die Konzerthalle in Bamberg und das Restaurant Juchheim in Japan.

Je intensiver ich mich in die Texte und Bilder vertiefe, umso mehr staune ich über die Fähigkeit dieses Mannes, der seine überbordende Fantasie vielfältig umzusetzen weiß.

Gerrit Gley wartet mit 13 hübschen Anekdoten über Peter Schmidt auf. Mittels dieser Anekdoten entsteht ein persönliches Bild von diesem vielseitig interessierten Grafiker, der es versteht Zeitgeist gestalterisch subtil umzusetzen.




Ein tolles Buchüber eines hochbegabten Zeitgenossen.


copyright Fotos: "Peter Schmidt / Collection Rolf Heyne"


Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.

Rezension:Matthias Grünewald. Zeichnungen und Gemälde (Gebundene Ausgabe)

Das vorliegende Kunstbuch befasst sich mit dem Maler, Baumeister und Steinmetz Matthias Grünewald (1470/80- 1528).

In seinem Werk kommt die spätgotische Malerei in ihrer ureigenen Bildform (im großen Flügelaltar), den adäquaten Gestaltungsmitteln - expressiver Form - und Farbgebung - sowie in Ikonologie, Symbolik und Gehalt zur Vollendung. Zugleich fand bereits das neue Menschenbild der Renaissance Eingang in sein Schaffen.


Es sind besonders seine Zeichnungen, die in diesem Buch in ihrem herausragenden Wert gewürdigt werden. Grünewalds graphische Arbeiten werden als außergewöhnliche Dokumente einer Zeichenkunst präsentiert, die das Studienblatt als künstlerisches Medium neu entdeckt.


Im Text von Antje - Fee Köllermann erfährt man Einiges zum Leben und Werk des Künstlers, dessen Hauptwerk der "Isenheimer Altar", eines der bedeutendsten Werke der deutschen Malerei ist. Diesen findet man im Buch abgelichtet.


Identität und Lebenslauf des Künstlers können bislang noch nicht vollständig rekonstruiert werden. Stilkritisch gesichert ist die Begegnung mit Albrecht Dürer, der italienischen Renaissance und der niederländischen Kunst.


Sein Werk zeigt aber auch eine tiefe Verwurzelung in der mittelalterlichen Welt.


Der Bildraum ist von visionärem Licht erfüllt, mit dem sich eine leuchtende Farbigkeit verbindet. Die Gestalten sind in ihrer vollen Plastizität erfasst. Darstellungen des Leidens sind bis zum Naturalismus geführt.


Man liest vom Ruhm und Nachruhm des Künstlers, von der Funktion und dem Nutzen seiner Zeichnungen und wird detailliert über seine Zeichentechnik aufgeklärt


Anschließend werden Zeichnungen vorgestellt und erläutert.


Interessant sind die "Studie zur Maria der Verkündigung", die "Arm- und Handstudie", sowie die "Oberkörperstudie zum heiligen Sebastian" des Isenheimer Altars, weil alle Studien vom gedanklichen Weg zum eigentlichen Bild Zeugnis ablegen.


Die textlichen Betrachtungen zu den Studien lassen sich leider wegen ihrer Detailfülle nicht wiedergeben, da dies den Rahmen der Rezension sprengen würde.


Grünewald konzentriert sich in seinen Zeichnungen auf die Empfindungen der Menschen, denen er zeichnerisch Ausdruck verleiht. Besonders deutlich wird dies beim "Kopf eines schreienden Kindes", der "Bildstudie einer Frau" und der "Studie zu einer betend aufschauenden Frau". Kein Gefühl der Personen bleibt dem Betrachter verborgen, die Seele spiegelt sich im jeweiligen Gesichtsausdruck wieder.


Empfehlenswert!




Rezension: Isenheimer Altar-Max Seidel

Dieses reich bebilderte Buch mit Texten von Heinrich Geissler, Bernhard Saran, Josoph Harnest und Adalbert Mischlewksi und einem erhellenden Vorwort von Oto Bihalji-Merin befasst sich mit dem berühmtesten Werk von Mathis Grünewald (1470-1528). Es handelt sich hierbei um den Hochaltar für das Antoniterkloster in Isenheim, bei Colmar im Elsaß. Den Auftrag hierfür erhielt Grünewald von Guedo Guersi, dem Präzeptor des Klosters.

Grünewald hielt sich zwischen 1513-1515 in Isenheim auf. Dieser Aufenthalt ist dokumentarisch belegt. Man nimmt an, dass der Altar an dem Ort selbst entstanden ist. Bei diesem Altar handelt es sich um einen spätgotischen Flügelaltar, bestehend aus einem Altartisch, Predella, Altarschrein und Gesprenge, das leider verloren gegangen ist. Erhalten ist das Schnitzwerk für den Altarschrein und die Predella. Sie stammen von dem elsässischen Bildhauer Nikolaus Hagenauer. Diese Teile hat Grünewald schon vorgefunden, als er den Auftrag erhielt, die schwenkbaren Flügel hierzu zu malen, welche eine zweimalige Verwandlung der Bilderwand, also drei Ansichten ermöglichten.

Einerseits ist das ikonologische Programm der Altartafeln den einschlägigen Bildtraditionen der spätgotischen Malerei verpflichtet, anderseits enthält es Umgestaltungen dieser Bildertypen, welche auf den Einfluss theologischer und mystischer Schriften von Hildgard von Bingen und Predigtsammlungen, aber auch von Texten der Kirchenväter des lateinischen Mittelalters schließen lassen. Dem enzyklopädischen theologischen Bildprogramm entspricht eine beeindruckende Vielfalt und Expressivität sinnlich-anschaulicher Bilder.

Im geschlossenen Zustand zeigt der Altar am Mittelbild (S. 10-11) die Kreuzigung mit Maria Magdalena, Johannes d.E. und Johannes d.T.. Die Darstellung wird flankiert von den Standflügeln mit dem heiligen Antonius und dem heiligen Sebastian. Die Kreuzigung erweitert durch die zeitgleiche Anwesenheit Johannes des Täufers den Typus eines Golgatha-Bildes zum Hinweis auf die Erlösung durch den Opfertod Christi.

Heinrich Geissler beschreibt in seinem Aufsatz "Der Altar- Daten und Fakten im Überblick" diesen sehr gut und erklärt einzelne Bildteile, wie etwa "Das Haupt des Gekreuzigten"(S.12), "Das Anlitz der Muttergottes" (S. 14), "Die Hände der hl. Maria" (S.16). Das Salbgefäß der hl. Magdalena" (S.18), "Maria und Johannes unter dem Kreuz" (S.20), "Johannes der Täufer" (S. 21), "Die Füße des Gekreuzigten" (S.22), "Das Opferlamm" (S. 23), "Der hl. Antonius"(S. 25), "Zwei Engel mit der Märtyrerkrone" (S.27), "Der hl. Sebastian" (S.29), "Die Beweinung Christi" (S.30/31).

Die erste Wandlung (nach dem Aufklappen der in der Mitte geteilten Kreuzigungstafel) zeigt von links nach rechts (siehe Seite 34-35) "Verkündigung, ein Weihnachtsbild und die Auferstehung Christi". Geissler erläutert hier die Bildausschnitte "Der Mantel des Verkündigungsengels" (S.37), "Anlitz und Gebärde" (S.38-39), "Gestalt und Raum" (S.41), "Weisagende Propheten" (S.42), "Engel mit Marienkrone" (S.45), "Anbetetende Engel" (S.46), "Engelkonzert" und "Geburt Christi" (S.48-49), "Das Christkind" (S.51), "Feigenast vor dem verschlossenen Tor" (S.52), "Die Marienrose" (S. 53), Marie aeterna" (S. 54), "Die Gottesmutter (S.55), "Gottvater in der Glorie" (S.56), "Der Auferstehende" (S.58), "Das Grabtuch des Auferstehenden (S .61), "Wächter am Grab" (S. 63).

Die zweite Wandlung zeigt den offenen Schrein mit den geschnitzten Figuren (S. 66-67) der Heiligen "Augustinus, Antonius und Hieronymus", sowie die offene Predella mit den Büstenfiguren "Christus und die zwölf Apostel". Die Rückseiten der inneren Flügel zeigen in dieser Stellung die "Disputation der heiligen Antonius und Paulus und die Versuchung des heiligen Antonius". Auch hier werden einzelne Bildteile gut erklärt, so etwa "Der Raabe bringt das Brot" (S. 69) oder auch "Der hl. Antonius und der hl. Paulus im Zwiegespäch" (S.70-71).

Im Isenheimer Altarwerk verwandelte Grünewald den spätgotischen Flügelaltar in eine Abfolge von geschlossenen Schauwänden. Bei stärksten Helldunkelgegensätzen (etwa in der Kreuzigung) behält die Farbe ihre volle Intensität und wird nicht selten zum eigentlichen Ausdrucksträger. Die Gestaltungsmittel des Künstlers machen es möglich, dass in seiner Bilderwelt die äußersten Gegensätze des Daseins dargestellt werden können.

Besonders beeindruckt hat mich neben den vielen Bildern und Bildausschnitten des Altars sowie den ausführlichen Erläuterungen der Beitrag von Bernard Saran "Von der Macht des Wortes im Bild" und Harnests Betrachtungen zum Altar und dessen Raumproblematik.

Ein sehr gutes Kunstbuch, in das es sich zu vertiefen lohnt.
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Rezension: Illusions of Reality: Naturalismus 1875 - 1918 (Gebundene Ausgabe)

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Illusions of Reality"- Naturalismus 1875-1918, die vom 6. Oktober 2010 bis 16. Januar 2011 im Van-Gogh-Museum in Amsterdam gezeigt wird.

Mit naturalistischen Malern habe ich mich bislang nur wenig befasst. Um so neugieriger war ich auf das vorliegende Buch, das aufgrund vieler Farbabbildungen und Farbtafeln die thematische Bandbreite der künstlerischen Auseinandersetzung illustriert und eindrucksvoll belegt, wie Naturalismus über nationale Grenzen hinaus in verschiedenen Ländern unterschiedliche Schwerpunkte entwickelte.


Nach einem Vorwort von Axel Rüger und Maija Tanninen-Mattila hat man Gelegenheit sich im Rahmen der Einführung von Edwin Becker und Gabriel P. Weisberg theoretisch in den Naturalismus zu vertiefen. Dieser ist im Allgemeinen die epochenübergreifende Bezeichnung für eine kunsttheoretische und künstlerische Grundeinstellung, die davon ausgeht, dass das Ziel der Kunst in der möglichst getreuen Wiedergabe der sichtbaren Natur- bzw. Wirklichkeit unter größtmöglichem Verzicht auf Stilisierung, Symbolisierung und Abstrahierung etc. besteht. Charakteristisch für die Darstellung ist die Detailgenauigkeit bis hin zum Häßlichen, (vgl.: S. 13 ff).

Als Richtung der Kunst- und Kunstgeschichte bildete sich der Naturalismus vor allem im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts heraus. Emile Zola fixierte den Begriff theoretisch, indem er die scharfe Beobachtung und schonungslos exakte Beschreibung des Künstlers mit der Tätigkeit eines Naturwissenschaftlers verglich, (vgl. S. 25-26).

Die Bewegung des Naturalismus kann sowohl als Negativreaktion auf die vorangegangene Epoche der romantischen und idealisitisch geprägten Kunst als auch als kritische Antwort auf gesellschaftliche Umwälzungen der industriellen Revolution verstanden werden. Aus diesem Grund auch wurden für den Naturalismus sozialphilosophische Theorien, etwa jener von Hippolyte Taines (vgl.: S. 24), nach der der Mensch als natürliches Produkt von Milieu, Erbe und historischem Zeitalter gesehen wird, herangezogen.

Im Buch werden thematisiert:
-Neubestimmung des Naturalismus

-Fotografie als Hilfsmittel der Illusion- Die Konstruktion der Realität

-Naturalistische Themen in Zeiten des Umbruchs

-Interpretation des modernen Lebens- Die kritische Rezeption

-Der natürliche Norden- Russland und die nordischen Länder

-Naturalismus auf der Bühne

-Der frühe naturalistische Film- Massenmedium und Malttradition

-Die niederländlische Malerei und der Naturalismus.

Man lernt u.a. Gemälde von Thomas Anhutz kennen. Seine "Eisenarbeiter bei der Mittagspause", 1880 werden näher erläutert. Thematisiert auch wird die melancholische Stimmung des Land- und Stadtlebens. Hier haben mir die Gemälde Jules Bastien-Lepage "Heuernte", 1878 und István Csók "Heumacher", 1890 am besten gefallen. Bildgegenstand im Naturalismus sind auch Fabrikszenen und Gewerbe, wie etwa Jean-André Rixens "Die Walzen des Stahls", 1887, die Welt der zeitgenössischen Politik, auch die Darstellung des Glaubens, sehr schön gezeigt in Gari Melchers "Die Predigt", 1886. Es werden eine Vielzahl von Malern näher vorgestellt, darunter Èmile Friant, Lèon Lhermitte und Albert Bettanier, aber auch Künstler aus dem Norden, wie etwa Eero Järnefelt.

Zolas "Germinal" kommt zur Sprache und auch die Neuverortung des Naturalismus. Beeindruckend ist der Katalogteil ab Seite 162- 212. Die präsentierten Gemälde zeigen zumeist arme, erschöpfte, schwer arbeitende Menschen, thematisieren die Ausbeutung der Bevölkerung in der Gründerzeit und die Flucht in den Glauben, in das Gebet, dass es irgendwann besser werden möge. Das Leid der Menschen entsteht, das machen die Bilder deutlich, fast immer aus der Gier Einzelner. Daran hat sich seit den Zeiten des Naturalismus nichts geändert. Zola bringt es auf den Punkt: "Die Menschen sollen Menschen bilden, in dem sie sie als Menschen behandeln." Wie Recht er doch hat.

Empfehlenswert.


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Rezension: Hans Holbein D.Ä. -Die Graue Passion in ihrer Zeit

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Hans Holbein d.Ä .- Die Graue Passion in ihrer Zeit-", die derzeit in der Staatsgalerie Stuttgart präsentiert wird. Es handelt sich hierbei um die große Landesausstellung von Baden-Württemberg, die vom 27. November 2010 - bis zum 20. März 2011 gezeigt wird.
Im Mittelpunkt der Austellung steht Holbeins zwölf Tafeln umfassende "Graue Passion" (entstanden zwischen 1494 und 1500). Das Hauptwerk des Künstlers wird im Kontext themengleicher Tafelbilder und Graphikreihen bedeutender Vorläufer und Zeitgenossen wie Jan van Eyck, Hans Memling, Martin Schongauer, Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien, Matthias Grünewald etc. im Rahmen umfangreicher Texte und eines wundervollen Katalogteils im Buch dargeboten.

Dem Katalogteil vorangestellt sind eine Einführung in das Leben und Werk Hans Holbeins d.Ä. von Bernd Konrad und 7 Essays mit den Titeln:

Elsbeth Wiemann: Die Graue Passion von Hans Hollbein d. Ä. - Ein Resümee

Kurt Löcher: Die Graue Passion von Hans Holbein d.Ä. - Der Knecht Malchus bei Holbein und im Spiegel mittelalterlicher Passionsspiele

Kurt Löchner: Die Graue Passion von Hans Holbein d.Ä.- Kleider, Waffen und Gerät

Henning Autzen, Karolina Soppa, Stephanie Dietz: Die Restaurierung der Grauen Passion von Hans Holbein d. Ä.- Ein Arbeitsbericht

Stephanie Dietz, Henning Autzen, Ursula Baumer, Patrick Dietemann, Irene Fiedler, Christoph Krekel, Anna Schönemann, Amelie Stange: Die Graue Passion von Hans Holbein d.Älteren - Material und Technik

Elsbeth Wiemann: Zur monochromen Bildgestaltung

Katharina Krause: An der Grenze der Bilder- Inschriften, Kerzen, Blumen.

Der deutsche Maler und Zeichner Hans Holbein d. Ä. (um 1465-1424) überwandt in der Farbbehandlung die mittelalterlich übliche Lokalfarbe. Dies ist ihm dadurch geglückt, dass er das Kolorit der Licht- und Raumsituationen anpasste und mit dem Bildinhalt abstimmte. Durch sein pysiognomisches Interesse und seine Art der Charakterisierung nahm er den Übergang der deutschen Bildnismalerei zur Renaissance vor.

Seine Lehrzeit absolvierte Holbein vermutlich in einer Augsburger Werkstatt (vgl.: S.427) und unternahm wahrscheinlich in jungen Jahren eine Reise in die Niederlande oder an den Niederrhein. 1493 wird er als Bürger der Freien Reichsstadt Ulm erwähnt und 1494 ist sein Name im Steuerbuch der Stadt Augsburg verzeichnet. In Augsburg hat der Künstler einen Werkstattbetrieb mit mehreren Gehilfen unterhalten, wo er mit Arbeiten für die Kirche betraut wurde, bevor er 1516 an den Oberrhein zog. Im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts reiste er u.a. in die Niederlande und ins Elsass. Die Stifterbildnisse des "Oberrieder Altars" für das Münster in Freiburg malte er 1521.

Das künstlerische Schaffen Hans Holbeins d. Ä. besteht aus Altargemälden, Bildnissen, einzelnen Tafelbildern, Feder- und Silberstiftzeichnungen, aber auch aus Entwürfen für Glasgemälde. Holbein wählte die Farbe nach der Bildbestimmung und verzichtete in der Grauen Passion völlig auf die Buntfarbe.

Auf den Seiten 52-53 kann man sich einen ersten visuellen Eindruck von der Grauen Passion im geschlossenen und offenen Zustand verschaffen, deren Tafeln als Einzelbilder konzipiert sind und zur Meditation und Versenkung in die Stationen des Erlösungswerks Christi anhalten sollen, (vgl.: S.61). Der Bildaufbau und die szenische Ausstattung werden sehr gut erklärt und man wird in Kenntnis gesetzt, welche Vorbilder Holbein für dieses Werk hatte. Die Farbwirkung der Grauen Passion wird durch den Hintergrund der Tafeln wesentlich beeinflusst. Darüber kann man auf den Seiten 67-68 Näheres erfahren und sich anschließend in die Farbgebung vertiefen.

Sehr spannend zu lesen ist das Essay, das die Restaurierung der Grauen Passion thematisiert. Zur Sprache kommen die Restaurierungsgeschichte, der Erhaltungszustand, die Figuren, der Vordergrund, die Firnis aber auch die Restaurierung selbst.



Am meisten begeistert hat mich im Katalogteil die bildliche Darstellung der Grünen Passion von Dürer und die Erläuterung dazu, aber mehr noch die Visualisierung der Grauen Passion - Die zwölf Darstellungen nach dem Leiden Christi von Holbein- mit den entsprechenden Erläuterungen.

413 Abbildungen, davon 411 farbige warten auf den interessierten Betrachter, dazu noch eine Fülle von Informationen, nach deren Lektüre man zum Ergebnis gelangt, dass sich der Besuch der Ausstellung lohnt.

Empfehlenswert.
Bilder: ©Staatsgalerie Stuttgart

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