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Rezension: Mannsbilder Gabrielle Thuller

"Mannsbilder- Faszinierende Männer" von Gabrielle Thuller hat mich vom Titel her bereits aufhorchen lassen. Ich schlug das Buch auf und durfte sofort den schönsten Mann des letzten Jahrtausends bewundern. Gezeigt wird ein Abbild von Michelangelos "David". Schon vor Jahrzehnten habe ich bedauert, dass gerade dieser Mann aus Marmor ist, doch anders hätte der Schöne von Florenz sicher seine Jugend im Laufe der Jahrhunderte nicht bewahren können.

Die Autorin thematisiert anhand von berühmten Gemälden den erotischen Mann, jenen der küsst, tanzt und verführt, den Kavalier alter Schule, den Ehemann, Vater, den arbeitenden Mann und berühmte Männer etc.

Ihre Bildinterpretationen habe ich mit großem Interesse studiert, sei es nun Albrecht Dürers "Selbstporträt im Pelzrock", Jacques-Louis Davids "Hektor", der nach Ansicht der Autorin sehr maskulin wirkt aufgrund seiner Muskelpartien, die den Eindruck von Virilität und Stärke vermitteln oder Théodore Géricaults "Homme nu renversé". Der französische Schriftsteller Denis Diderot (1713-1784), sagte im Hinblick auf einen nackt dargestellten Körper zu Malern: "Wenn man malt, muss man alles malen? Habt Erbarmen und lasst eine Lücke, die meine Fantasie ausfüllen kann." Recht hatte er.



Man lernt ein Gemälde eines schönen schlanken Mannes von David Hockney und die Rückeansicht eines nackten Mannes von Lucian Freud kennen. Besonders gut gefallen haben mir die Bilder und Texte in den Rubriken "Verführung und Galanterie - mit und ohne Wein" und "Tanz in der Stadt und Tanz auf dem Land." Die Gemälde von Renoir interpretiert Thuller hervorragend, ebensogut die Gemälde Klimts zum Thema "Glückseligkeit der Liebe und doch ganz nah am Abgrund". Mit Vergnügen las ich die Interpretation zu "Klimts"(Allegorie der) Liebe": "Mann und Frau bemerken nicht, was um sie herum vorgeht. Zusehr sind sie miteinander beschäftigt. Der Mann ist in Gedanken ganz intensiv bei der Frau. Er blickt ernst und konzentiert auf ihre Lippen, ihre geschlossenen Augen, in ihr Anlitz. Versucht er darin zu lesen? Oder will er sich ihrer ewigen Liebe und Treue versichern?" Was ist vollkommene Hingabe? Kann sich ein Mann einer Frau vollkommen hingeben? Klimt dokumentiert in seinen Gemälden, dass ein Mann dazu in der Lage ist. Klimt musste es wissen, die Damenwelt seiner Zeit liebte ihn nicht grundlos.

Gelungen sind die Interpretationen der auf Bildern dargestellten Bohemiens und Dandys. Man liest, dass in Zeiten Oscar Wildes, dem Schönen, Bizarren, Außergewöhnlichen gefrönt und Verachtung für alles Niedere gepflegt wurde. Eine Gemälde von Boldini, "Robert de Montesquieu" und eine Porträtaufnahme Oscar Wildes zeigen, wie ein Dandy sich kleidete und welchen Habitus er an den Tag legte.

Vor geraumer Zeit habe ich eine DVD-Dokumentation zu Hogarths Werken rezensiert und muss lobend feststellen, dass Thuller einige dessen Werken ganz hervorragend interpretiert hat.

Vermeers Gelehrtenbilder liebe ich und habe mich gefreut, dass diese zur Sprache kommen. Abgebildet sind "Der Astronom" und "Der Geograph".

Zu Spitzwegs "Bücherwurm" habe ich gestern eine Abhandlung in einem Buch aus dem Jahre 1967 gelesen und mit der von Thuller verglichen. Thullers Betrachtungen gehen mehr in die Tiefe. "Man bekommt den Eindruck, er (Spitzweg) habe den Bücherwurm mit heimlichem Vergnügen gemalt, als eine Art Rache an den Intellektuellen, den Wichtigtuern, den Besserwissern seiner Zeit. Der Künstler mit dem Blick für skurille Situationen nimmt hier auf hintergründige Weise die Wissenschaftler aufs Korn", (Zitat: Seite 99). So sehe ich das auch.

Holbeins "Die Gesandten" habe ich vor vielen Jahren im Original bewundert. Damals befand sich das Bild in der Gemäldegalerie des prächtigen Schlosses von Arundel. Heute hängt es, wie ich lese, in der National Gallery in London. Die Bildinterpretation ist wirklich gelungen. Bravo.

Es ist unmöglich über all die Betrachtung hier etwas zu Papier zu bringen. Gabrielle Thuller ist es mit ihrem Buch gelungen anhand berühmter Kunstwerke das Kunstobjekt "Mann" dem Leser näher zu bringen. Mein erklärter Liebling bleibt Dürer. Vor seinem "Selbstporträt im Pelzrock" stand ich in der Pinakothek in München schon oft sehr lange und habe es angelächelt, in der Hoffnung dass Dürer zurücklächelt und mitunter meine ich, er hat es für einen Augenblick tatsächlich getan:-))



Ein sehr gutes, sehr eloquentes Buch, mit vielen hochwertigen Gemäldedarstellungen.




Das besprochene Produkt ist überall im Handel erhältlich.




Mannsbilder: ©2010 belser verlag, AKG-images S. 102




Rezension: Berlin AAD - Art, Architecture, Design (Taschenbuch)

Dieser kleine Kunstreiseführer durch Berlin (er passt in jede Westentasche) gefällt mir sehr, weil sich hier Dinge finden, die ein normaler Reiseführer nicht beinhaltet. Themen sind Art, Architektur und Design. Es werden Bauten und Museen beschrieben, sowie Galerien und deren Interieur visualisiert. Zudem erhält man jeweils die genaue Anschrift des fokussierten Ortes. In Augenschein genommen werden ferner Hotels, Restaurants und Shops, deren Design auffallend schön ist.

Besonders aufschlussreich finde ich die Kapitel für Art und Architektur. Hier wird deutlich, dass eine Wochenendreise nach Berlin nicht genügt, um sich ein Bild von der Kunstszene dort zu machen.

Nicht nur die Sammlung Boros, die Berlinische Galerie oder die Philologische Bibliothek, nein alle fokusierten Orte sind kurz und prägnat beschrieben und laden zum Besuch ein.

Ein Stadtplan von Berlin, auf dem alle beschriebenen Orte eingezeichnet sind, sowie in der Folge erhellende Touristeninformationen findet man übrigens auf den letzten Seiten des handlichen Büchleins.


Beispiel für eine Kurzbeschreibung (jeweils in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch): "Helmut Newton Stiftung im Museum für Fotografie: Mehr als nur ein Museum über die Lebenswerke von Helmut und June Newton, finden hier regelmäßig Ausstellungen zu Arbeiten anderer Fotokünstler statt, deren Arbeiten in einen Dialog mit den bisweilen provokativen Werken Helmut Newtons gebracht werden. Nicht nur die Sammlung selbst, sondern auch das Gebäude hinter dem Bahnhof Zoo ist geschichtsträchtig: Früher befand sich darin das preußische Offizierskasino: Im restaurierten Kaisersaal im zweiten Stock präsentiert sich die Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek" (siehe Art 49).


Sehr brauchbar, von daher empfehlenswert.



Rezension:New York AAD - Art, Architecture, Design (Taschenbuch)

Dieser kleine Kunstreiseführer durch New York (er passt in jede Westentasche) gefällt mir sehr, weil sich hier Dinge finden, die ein normaler Reiseführer nicht beinhaltet. Themen sind Art, Architektur und Design. Es werden Bauten und Museen beschrieben, sowie Galerien und deren Interieur visualisiert. Zudem erhält man jeweils die genaue Anschrift des fokussierten Ortes. In Augenschein genommen werden ferner Hotels, Restaurants und Shops, deren Design auffallend schön ist.
Besonders aufschlussreich finde ich die Kapitel für Art und Architektur. Hier wird deutlich, dass eine Wochenendreise nach New York nicht genügt, um sich ein Bild von der Kunstszene dort zu machen.


Nicht nur Die neue Galerie New York, das Metropolitan Museum of Art, das Cryslerbuilding und "The High Line", nein Orte sind kurz und prägnat beschrieben und laden zum Besuch ein.


Ein Stadtplan von New York, auf dem alle beschriebenen Orte eingezeichnet sind sowie in der Folge erhellende Touristeninformationen findet man übrigens auf den letzten Seiten des handlichen Büchleins.


Beispiel für eine Kurzbeschreibung: "Museum of Modern Art: Seit dem bescheidenen Anfang im Jahr 1929 mit gerade mal neun Werken hat das MoMA seine Sammlung auf über 150 000 Kunstwerke und 22 000 Filme erweitert. Auch das Museum selbst ist ein architektonisches Meisterwerk. Seit der Umgestaltung durch Yoshio Taniguchi beeindruckt das Gebäude mit modernen Räumen, einem Labyrinth aus Glasgängen und einem 34 m hohen Atrium. Das preisgekrönte Restaurant The Mordern Art lädt zum Diniren ein und der MoMa Store bietet sorgfältig ausgewählte Bücher und Designobjekte"(siehe ART 33).


Sehr brauchbar, von daher empfehlenswert.


Rezension: AAD- Vienna

Dieser kleine Kunstreiseführer durch Wien (er passt in jede Westentasche) gefällt mir sehr, weil sich hier Dinge finden, die ein normaler Reiseführer nicht beinhaltet. Themen sind Art, Architektur und Design. Es werden Bauten und Museen beschrieben, sowie Galerien und deren Interieur visualisiert. Zudem erhält man jeweils die genaue Anschrift des fokussierten Ortes. In Augenschein genommen werden ferner Hotels, Restaurants und Shops, deren Design auffallend schön ist.

Besonders aufschlussreich finde ich die Kapitel für Art und Architektur. Hier wird deutlich, dass eine Wochenendreise in Wien nicht genügt, um sich ein Bild von der Kunstszene dort zu machen.

Nicht nur MAK, die Albertina, das Museumsquartier Secession, der Wohnbau Spittelau oder Naschmarkt, nein, alle Orte sind kurz und prägnat beschrieben und laden zum Besuch ein.

Ein Stadtplan von Wien, auf dem alle beschriebenen Orte eingezeichnet sind sowie in der Folge erhellende Touristeninformationen findet man übrigens auf den letzten Seiten des handlichen Büchleins.
Sehr brauchbar, von daher empfehlenswert.


Rezenzion Schwäbische Alb

Dieser sehr schöne Kunstband enthält hochwertige Ablichtungen von 40 Aquarellen und einigen Bleistiftzeichungen des 1935 auf der Schwäbischen Alb geborenen Künstlers Andreas Felger. Wie man dem kurzen Lebenslauf, den man im Buch nachlesen kann, entnimmt, hielt sich Felger im Rahmen von Studienreisen mehrfach in südlichen Ländern auf und kann auf diverse Arbeitsaufenthalte in Israel zurückblicken. Dies ist wohl auch der Grund, weshalb Felger mediterrane Farben so sehr schätzt.
Sein Werk umfasst Farbholzschnitte, Aquarelle, Ölmalerei und Skulpturen. Die Motive der Bilder hier im Buch zeigen blaue Berge, viel Grün, abstrahierte blühende Bäume, eine doppelseitige Farbexplosion, aber auch eine weiß-blaue Schnelllandschaft. Die Schwäbische Alb scheint eine geheimnisvolle Landschaft zu sein, die aufgrund der unterschiedlichen Blautöne, in der Felger sie präsentiert, auf mich beinahe surreal wirkt.


Der in Chemnitz geborene Schriftsteller Peter Härtling steuert sehr eindruckvolle Prosatexte und Gedichte zu dem Bildband bei. Härtling lebte als Kind in Nürtingen (Schwäbische Alb) und versteht es der Landschaft mit Worten ein Denkmal zu setzen.


Empfehlenswert.


Rezension: #Kunst_ und_Psyche von #Tilmann_Moser

Der Psychoanalytiker Tilmann Moser hat ein bemerkenswertes Buch auf den Weg gebracht. Er analysiert 20 Kunstwerke und zeigt auf, dass die Bilder ein Spiegel der Seele sind.

In seiner Einführung schreibt er, dass es kein besseres Kriterium für die seelischen Reaktionen auf ein Werk gibt, als den formulierbaren Nachhall im eigenen Inneren, wobei dieser im Lauf der Zeit durchaus schwanken kann und zwar nach den dominanten Grundthemen der Bilderfahrung.

Moser erwähnt in seiner Einführung natürlich Sigmund Freud und dessen Überlegungen zu "Der Wahn und die Träume in W. Jensens "Gradiva". Diese Überlegungen entstammen nicht zuletzt seiner Theorieentwicklung.

An anderer Stelle macht er klar, dass der geübte "Schauende" bei einer Bildbetrachtung die Schwankungen zwischen primärer affektiver Reaktion und analytischer Betrachtung selbst aufarbeiten muss und sich durchaus ein Dialog zwischen den so genannten "Spiegelneuronen", sprich zwischen den "Partnern" Kunstwerk und Betrachter entwickeln kann, der eine wechselseitige Einfühlung zur Folge hat. Das sehe ich auch so.

Moser interpretiert folgende Kunstwerke: Max Ernst, "Ohne Titel" (Die Riesenschlange), Edvard Munch, "Straße in Asgardstrand", Eduard Manet, "Frühstück im Atelier", René Magritte, "Die Träumerin eines einsamen Spaziergängers", Antje Stocker, "Kopf", Edgar Ende, "Die Begegnung", Paul Delvaux "Der Tunnel", Edvard Munch "Mädchen und drei Männerköpfe", Johann Friedrich Overbeck, "Vittoria Caldoni aus Albana", Pablo Picasso "Familie au bord de la mer", Fernand Khnopff "Ich schließe mich selbst ein", Francis Picabia, "La Mariée", René Magaritte "Die Übungen der Akrobatin, "Pablo Picasso, "Sitzender Mann mit Gewehr", Max Ernst "Oedipus rex", Walter Stallwitz "Gebundene Figuren", Max Ernst "Der keusche Joseph", Victor Brauner "Blutblume", Karin Wiesmann "Frühstück mit dem Panther" und René Magritte "Der bedrohte Mörder".

Als Fan von Magritte habe ich mir natürlich zuallererst Mosers Bildinterpretationen zu diesem Maler vorgenommen und war speziell von seiner Interpretation des Gemäldes "Die Übungen einer Akrobatin" überaus angetan. Er sagt an einer Stelle, dass Magritte, möglicherweise unwissentlich, ein Grundgefühl einer Epoche, einen kollektiven Alptraum gestaltete, der allerdings auch seine "ganz subjektiven, individuellen Korrespondenzen und Krankheitszeichen" besaß, wie sie in eigener Form auch von Otto Dix, George Grosz, Max Beckmann, Käthe Kollwitz und vielen anderen damals in ihren Bildern zum Ausdruck gebracht wurden. Moser erinnert daran, dass vor dem Hintergrund der zerfetzten Körper durch den 1. Weltkrieg die sich verrenkenden Glieder der Akrobaten in Revuen und im Zirkus eine besonders starke Wirkung auf die Menschen hatten. Das erklärt der Psychoanalytiker gut nachvollziehbar und geht psychologisch in seinen Ausführungen in die Tiefe. Moser sieht in Magrittes Gemälde letztlich eine Pionierleistung im Hinblick darauf, körperliche und seelische Zerrissenheit bildlich darzustellen.

Natürlich ist es unmöglich im Rahmen der Rezension auf alle Bilder einzugehen, aber ich denke, der Leser wird aufgrund der Kurzdarstellung zu Magritte in etwa verstehen, worum es Moser geht. Der psychologisch geschulte Blick auf Kunstwerke eröffnet m.E. ganz neue Dimensionen und zwar solche, die sich hinter der Farb- und Formbetrachtung auftun und die Farb- und Formbetrachtung möglicherweise erst zu einem tatsächlich aufschlussreichen Erlebnis machen.

Moser thematisiert im Rahmen der Bildinterpretationen u.a. die Pubertät und Ablösung, die ewige Jungfräulichkeit, die erotische Versuchung, Angst vor Missbrauch und dergleichen psychologische Phänomene mehr. Die besprochenen Bilder sind im Buch alle abgebildet, so dass man die gedanklichen Schritte Mosers gut nachvollziehen kann.

Ein aufschlussreiches Buch, das ich kunstinteressierten Lesern gerne empfehle.

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Rezension:Paul Gauguin: Durchbruch zur Moderne (Gebundene Ausgabe)

Paul Gauguin (1848-1903) organisierte anlässlich der Pariser Weltausstellung im Jahr 1889 mit seinen Anhängern im Café Volpini die unabhängige "L`Exposition de Peintures du Groupe Impressionniste et Synthésiste". Der Künstler zeigte erstmals eine außergewöhnliche Grafikfolge, die so genannte "Suite Volpini": ein Ensemble von elf, auf leuchtend gelbes Papier gedruckten Lithografien.
Die Publikation nahm das Jahr 1889 als einen entscheidenden Moment der künstlerischen Entwicklung Gauguins in den Blick, in dem sich unverkennbar seine eingeständige, revolutionär neue Malweise und zentrale Motive seines Werkes ausbildeten. Die Suite Volpini, für Gauguin ein visuelles Resümee, welches für seine Kunst und seine Rolle als Begründer einer neuen Stilrichtung werben sollte, wird ausführlich beschrieben und im Kontext verwandter Gemälde, Holzschnitte, Keramik, grafischen Arbeiten und Zeichnungen des Künstlers betrachtet.


Die Ausstellungen zur Ausstellung wurde vom 4.10.2009-17.1.2010 in "The Cleveland Museum of Art" und vom 19.2.-6.6.2010 im "Van Gogh Museum, Amsterdam" gezeigt. Das vorliegende Buch ist der Katalog zur Ausstellung.


Im Buch werden gleich zu Beginn die besagten Litographien gezeigt. Es folgen Aufsätze, die dem Leser Gauguin näher bringen. Besonders interessant ist der Text von Heaether Lemondes über Gaugin und die Druckgraphik sowie die intellektuellen Betrachtungen von Moyna Stanton über die Zinkographie .


Gaugin zeichnete auf gekörnte Zinkplatten, skizzierte andeutungsweise die groben Umrisse seiner Komposition. Er verwendete Lithokreide oder einen Lithostift, ein schwarzes fetthaltiges, speziell für die Lithographie entwickeltes Malmittel, das eine ähnliche Zusammensetzung wie Lithotusche hat. Der Künstler arbeitete bei den Volpini -Zinkographien primär mit der Technik der Tuschpinsellavierung.


Man wird auch ausführlich über die Beschaffenheit von Gauguins gelbem Papier informiert, erfährt Essentielles über die Ikonographie der Suite Volpini und erhält schließlich einen sehr guten visuellen Eindruck von allen ausgestellten Kunstwerken.


Im Katalog werden die Hintergründe der offiziellen Ausstellung beleuchtet und auch die Auftritte den Künstlers und seiner Mitstreiter im Café des Arts nachgezeichnet. Werke des Künstlers, wie etwa "Bretonische Mädchen beim Tanz" und "Bretonische Eva", "Menschliches Elend" aber auch Gemälde von Émile Bernard, Émile Schufenhecker u.a. beeindrucken den Betrachter des Katalogs auf überaus differnzierte Art und Weise.


Wer sich mit dem Leben des Meisters näher befassen möchte, dem empfehle ich: Das Paradies ist anderswo

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Rezension:Corrida (Gebundene Ausgabe)

Die Journalistin und Fotografin Anya Bartels -Suermondt lebt seit 1995 in Spanien. Sie ist begeistert von der Welt des Stierkampfs. Diesem huldigt sie fotografisch im vorliegenden Buch durch eine Fülle wunderschöner Bilder.

Die eigentümliche Magie, die von der Ästhetik des in der Arena zelebrierteten Todeskampfes ausgeht, lässt den Betrachter der Fotos für eine Weile vergessen, dass der Stierkampf unter tierschützerischen Aspekten natürlich mehr als nur bedenklich zu bewerten ist.


In einem Vorwort berichtet die Fotografin von der " Tauromagie" und verdeutlicht, dass der Tod zwar der integrale Bestandteil der traditionellen "corrida" ist, aber mitnichten ihr zentrales Motiv.


Für sie verschmilzt in der Arena, während sie das Geschehen erlebt und erfühlt durch gemeinsame Ästhetik Stier und Mensch. Dadurch entsteht in ihren Augen Kunst.


Die Fotografin fragt sich u.a was selbst Nicht-Spanier so fasziniert an der "corrida"? Sind "corridas" Kunst, Tradition oder archaisches Ritual? Sind sie inszeniertes Theater oder gar sakrale Stille?


Besitzt ein Stierkämpfer Mut? Spürt er zuvor Angst? Wohnt der "corrida" Poesie inne? Weshalb befasst man sich innerhalb philosophischer Abhandlungen und in Gedichtsbänden sowie Gemäldezyklen mit dieser Kunstform, die von ihren Gegnern allerdings wohl eher als mörderisches Spektakel betrachtet wird?


Fünfzehn internationale Autoren versuchen auf diese Fragen im Buch Antworten zu finden. Unter ihnen Diego "El Cigala", ein Flamencosänger (mehrfacher Grammygewinner), der den Leser wissen lässt, dass "Toreo" Musik sei, weil die Stierkampfkunst einer Melodie folge. Diese Melodie sei untrennbar mit dem Flamenco verbunden. Beide Künste verursachten tiefe Leidenschaft.


Sowohl der Flamencosänger als auch der Torero müssen jede Sekunde bereit sein sich auszuliefern - mit ganzer Seele und mit ganzem Herzen-.


Nur so erhebe sich die Seele, nur so entstünde der Zauber, die Kunst, die schließlich das mystische "duende" hervorbringe.


Bemerkenswert auch der Beitrag von Prof. Peter Englund, dem jüngsten Mitglied der schwedischen Nobel-Preis-Akademie.


Er verdeutlicht die soziologischen Hintergründe, weshalb arme aber zugleich schöne Jünglinge durch das Schwert und die "Capa" einst den einzigen Weg sahen sich aus der Armut und den Slums zu befreien.


So verdiente der Torero Lagartijo im Jahr 1882 ingesamt 150 000 Pesetas, das war fünfmal soviel , wie der Präsident des obersten spanischen Gerichts nach Hause brachte.


Englund reflektiert, weshalb gerade heute, in einer Zeit, wo man den Tod in aller Abgeschiedenheit vollzieht und ihn geradezu zu verleugnen sucht, sich andererseits eine Bessenheit gegenüber dem Tod entwickelt hat.


Alle weiteren Autoren unter ihnen Noel J. Chandler, Reinhold Beckmann, auch Prof. Heinz Berggruen, der ein enger Freund Pablo Picassos war, äußern sich ebenfalls facettenreich zur "corrida".


Picasso liebte den Stierkampf und hielt ihn in zahlreichen Kunstwerken fest. Es entstanden, so Kulturjournalistin Anne Linsel, ganze Zyklen, die die Tauromaquia dem Betrachter kunstvoll nahebringen.


Bevor ich mich jetzt den Bildern beschreibend zuwende, möchte ich die im Buch veröffentlichte lyrische Betrachtung Campinos zum Thema wiedergeben.


Blutrot


Wenn ich dem Land Spanien
eine Farbe zuordnen würde,
dann wäre es rot.

Rot für den Stolz und die
Leidenschaft der Menschen


Und rot für die Sonne
und das Blut in der Arena.


Die Fotografin zeigt auf den unzähligen Fotos ihre Eindrücke von Stierkämpfen. Die Menschenmassen in den Arenen, die kolossalen Stiere vor dem Kampf, die schönen, sehr schlanken Toreros, zunächst beim Ankleiden ihrer bunten, golddurchwirkten, reich besticktem Trachten, zudem die hübsch gekleideten "cuadrillas", mit ihren pinkfarbenen Strümpfen, die "picadores" auf ihren gepolsterten Pferden und die Arbeiter in der Arena.


Beeindruckend sind die ästhetischen Aufnahmen, die den Matador, das pinkfarbene Tuch und den Stier anfangs in beinahe harmonischer Bewegung zueinander zeigen. Von Aufnahme zu Aufnahme steigert sich der Kampf, der unverkennbar erotische Komponenten beinhaltet.


In den Gesichtern älterer, einst gewiss attraktiver Toreros entlarvt ein harter, lauernder Zug ihr jahrelanges Tun, das immer einer Aufforderung zum Tanz mit dem Tode gleichkommt.


Hinreissend schön jedoch sind die jungen Toreros, bei denen sich ausschließlich Feuer und Kühnheit in ihren Anlitzen spiegelt.


Auf einem zweiseitigen Foto kniet ein blonder Stierkämpfer, in seiner rechten Hand hält er das rote Tuch. Er hat dem Betrachter den Rücken seines Adoniskörpers zugewandt und blickt mit weichem, zugleich kämpferischem Profil in die Richtung, wo man den Stier vermutet, der aber auf dem Foto nicht zu sehen ist.


So schön muss Archill einst ausgesehen haben, der nicht mit einem Stier, sondern stattdessen mit der Amazonenkönigin Penthesilea im Kampf lag!


Natürlich strömt auch Blut, nicht nur aus den Körpern der Stiere, sondern auch aus den Gliedmaßen der Stierkämpfer, deren Augen im Kampf eine Wildheit erkennen lassen, die jener der Stiere in nichts nachsteht.


Ja, hier findet ein ein Sakraldienst statt. Hier werden Todesmut, Ästhetik, Angst, Triumph, Leichtsinn, Magie, Meditation, Besessenheit, Kapitulation, Konzentration und unendliche Einsamkeit dem geneigten Zuschauer entgegengebracht.


Ich bin fasziniert von der Erotik , die diesem Kampf innewohnt.


Wirklich beeindruckend!

Empfehlenswert!


Rezension:Das Gesamtwerk. Der offizielle Katalog zur Ausstellung in der Scuderia des Quirinale in Rom (Gebundene Ausgabe)

Dieses Buch befasst sich mit dem Leben und Werk des italienischen Malers der Frührenaissance Antonello da Messina (1430- 1479).

Sein Werk ist u.a. gekennzeichnet durch die von niederländischen Vorbildern angeregte Übernahme der Harzölmalerei. Besagte Technik wirkte durch ihn wiederum auf die venezianische Malerei ein.

Antonello war der Sohn eines Steinmetzes. Ein Brief des Humanisten Pietro Summonte von 1524 überliefert, dass Antonello seine künstlerische Ausbildung in Neapel bei Niccolò Colatonio erhielt. Er kehrte 1456 nach Messina zurück, wo er bis 1465 zu wiederholten Malen urkundlich erwähnt wurde. Zwischen 1465 und 1473 haben die von Vasari genannten Reisen stattgefunden.


Sein für die Kunst der Lagunenstadt und Oberitaliens folgenreicher Aufenthalt in Venedig fiel in die Jahre 1475-76.


Entscheidend für Antonellos Schaffen ist seine künstlerische Ausbildung im neapolitanischen Milieu, das durch niederländische, französische und iberische Einflüsse gekennzeichnet war und ihm die Möglichkeit bot, niederländische Gemälde im Original kennenzulernen.


Während der Anteil des Lehrers Colantonio an Antonellos Stilbildung unklar bleibt, zeigt das Frühwerk deutlich, wie viel er den epochalen Neuerungen der niederländischen Malerei verdankt, so z.B. die" Kreuzigung", die in Landschaft, Figurenbildung und der glanzvollen, in der italienischen Malerei völlig neuartigen Farbigkeit von einem Van Eyckschen Vorbild abhängig zu sein scheint. Ebenso niederländisch im Formcharakter sind die "Drei Engel" und der "Büßende Hieronymus".


Einen gewandelten Stil lässt der "Heilige Hieronymus im Gehäus" erkennen, der sich gleichfalls von einem Van Eyckschen Gemälde herleitet.


Die niederländischen Erfahrungen sind hier jedoch einer strengen, die Symmetrie betonenden Formsprache eingeordnet, in der alle realistischen Bildmotive auf geometrische Grundmotive zurückgeführt sind.


Das Gemälde "Ecco Homo" zeigt eine Vereinfachung der Form. Sie steigert sich zu lapidarer Verknappung und Monumentalisierung bei größter farbiger Intensität in dem Gemälde gleichen Themas von 1473 , den Fragmenten des "Heiligen Hieronymus" und eines "Heiligen Gregorius".


"Die Verkündigung" zeigt die mit der Ölfarbentechnik zusammenhängende leuchtende Farbigkeit, die Antonello wenig später den Venezianern vermittelte und die eine neue Periode der venezianischen Malerei einleiten sollte.

Wie sehr Antonellos Kunst in Venedig neue Impulse erhielt, erweist sich am Gemälde des "Heiligen Sebastian", das man in Dresden bewundern kann. Das Gemälde bildet unbestritten einen Höhepunkt des Künstlers.


Antonello ist zugleich einer der bedeutendsten Portätisten des damaligen Jahrhunderts, der Meister eines streng realistischen Männerbildes, deren frühestes das noch in der frankoflämischen Tradition stehende "Bildnis eines Mannes" ist.


Im Anschluss an die bestens beschriebenen und sehr gut visualisierten Gemälde Antonellos da Messinas wird ein Verzeichnis der Vergleichswerke präsentiert. Hier kann man sich u.a. in bestimmte Gemäldeablichtungen von Jan Van Eyck, Giovanni Bellini , Bartolomeo Montagna sowie Giovanni Battista Cime da Congliano vertiefen. Der zuletzt genannte Künstler hat ebenfalls den " Heiligen Sebastian" auf der Leinwand verewigt.


Mein Lieblingsbild von Antonello hängt im Louvre. Dort sah ich es mir im vergangenen Jahr sehr lange an. Es handelt sich hierbei um das Gemälde "Christus an der Geißelsäule". Als beeindruckend empfinde ich den Ausdruck unendlichen Gottvertrauens im Antlitz des geschunden Christus.


Die Gemälde im Buch sind alle sehr gut wiedergegeben. Man sieht sogar die feinen Risse und andere Spuren, die die Zeit hinterlassen haben.




Rezension: Im weissen Tanz der Wellen

In diesem sehr schönen Buch werden Aquarelle des Künstlers Oskar Koller sowie Gedichte und Prosatexte bedeutender Lyriker und Schriftsteller aus unterschiedlichen Epochen vorgestellt.

Der Maler Oskar Koller (1925-2004) studierte einst an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Dort war er später auch als Gastprofessor tätig. Kollers Werk wurde vielfach ausgezeichnet.

Herausgeber des vorliegenden Buches ist Ulrich Mattejiet. Im Vorwort hält er fest, dass es Oskar Koller geglückt ist, in seinen Bildern vom Meer zu einem ganz persönlichen Ausdruck zu finden und einen Malstil zu entwickeln, der Elemente des Abstrakten wie des Gegenständlichen zu einer überzeugenden Einheit zusammenführt. Auf diese Weise ist es dem Künstler gelungen, eindrucksvolle Bilder von transparenter Farbigkeit und großer atmosphärischer Dichte zu schaffen.


Im vorliegenden Buch werden Kollers Meerinpressionen von Gedichten und Prostexten begleitet, die sich mit Wasser und Gewässern unterschiedlicher Art befassen. Kollers abstrakte Bilder in diversen Blautönen sprechen mich sehr an, auch die meisten Texte haben mir gefallen.


Zu Beginn kann man u.a. einen Auszug aus dem "Gilgamesch-Epos" und einen weiteren aus dem "Alten Testament" (Die Sintflut) lesen, Homers "12. Gesang" aus der Odysee und Alexander von Humboldts bemerkenswerter Text "An den Gestaden des Orinoco" wurden auch nicht vergessen.


Zwei Prosatexte von Heinrich Heine habe ich mit großer Neugierde verschlungen: "Norderney" (1826. Geschrieben auf der Insel Norderney) und "Ich liebe das Meer wie meine Seele". Beide Texte kannte ich bislang nicht. Besonders der zweite Beitrag offenbart die große Phantasie des Dichters.


Gefallen haben mir auch ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht "Sindbad der Seefahrer- in einer Stadt mit unheimlichen Bräuchen" und die schönen Gedichte von Goethe "Gesang der Geister über den Wasser", von Höldern "Andenken", von Storm "Die Stadt", von Morgenstern "Portofino", von Rilke "Lied vom Meer", von Heine "Die Nacht am Strande" und Tucholskys "Der Priem", auch "Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu" und andere Verse mehr. Lobenswert, dass man die Volksballade "Störtebecker und Gödeke Michael" auch abgedruckt hat, denn was wären die Meere ohne Piraten?

Am meisten hat mir ein kleines Gedicht von Ingeborg Bachmann zugesagt, das gedanklich mit vielen von Kollers Aquarellen korrespondiert.


Nach dieser Sintflut


Nach dieser Sintflut
möchte ich die Taube
und nichts als die Taube
noch einmal gerettet sehn.


Ich ginge ja unter in diesem Meer!
flöge sie nicht aus,
brächte sie nicht
in letzter Stunde das Blatt.


Durch die Gedichte und Prosatexte beginnen sich die Aquarelle mit Leben zu füllen und man glaubt, die Nixe Binsefuß und die schöne Agnete in Kollers Impressionen im satten Blau schwimmen zu sehen.


Ein gelungenes Buch, das viel Freude bereitet.