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Rezension: Odilon Redon (Gebundene Ausgabe)

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Odilon Redon", die noch bis zum 18. Mai 2014 in der Fondation Beyeler in Riehen/Basel gezeigt wird. Wer sich zunächst mittels einer Kurzbiografie über die Vita des Künstlers kundig machen möchte, kann dies auf den letzten Seiten des Buches tun.

Der französische Maler und Grafiker Odilon Redon (1840- 1916) gilt als Hauptvertreter des französischen Symbolismus. Unterrichtet wurde er in Paris von dem Historienmaler Jean Léon Gêrome und in Bordeaux von Rudolph Bredsin, der ihm das Wissen im Hinblick auf Radierung und Lithografie nahe brachte. 1872 ließ sich Redon dauerhaft in Paris nieder, lernte dort den Künstler Henri Fantin-Latour kennen. Dieser wiederum brachte ihm die Autografie nahe. Dabei handelt es sich um eine Sonderform der Lithografie.

Redon reiste nach Belgien und Holland und war von den Werken Rembrandts besonders beeindruckt. 1879 veröffentlicht er die Lithografiefolge "Dans le réve". In den 1990ern entstanden weitere Folgen. Inhalt seiner Werke war eine phantasmagorische Welt von Traumgesichten und Visionen, in denen Monstren und Twitterwesen, aber auch erotische Motive und Todesallegorien vorkamen. Kohlezeichnungen stellte der Künstler erstmals 1881 aus. Diese Werke nannte er "Noirs", die er auf einen reinen Helldunkelkontrast aufbaute. Dabei wurde das Geschehen im Raum nur unter dem Aspekt der flächigen Arabeske behandelt.

Wie man erfährt, nahm der Künstler 1886 an der letzten Ausstellung der Impressionisten teil und befasste sich ab 1890 intensiver mit Farbe und ab 1902 mit Ölmalerei. Man hat Gelegenheit sich aufgrund eines imposanten Fotos einen optischen Eindruck von Redon zu verschaffen, der 1916 in Paris verstarb und zahlreiche Blumenbilder, primär jedoch Werke von mythischem und phantastischem Inhalt, bei denen er Farbe nur verhalten einsetzte, hinterließ. Dazu kamen noch Porträts und Wandmalereien.

Raphael Bouvier wartet eingangs mit einer aufschlussreichen Einführung in die Ausstellung auf. Hier werden u.a. seine Farbemanzipation und seine Impulse auf die Fauves, Matisse Yves Klein thematisiert. Man erfährt aber auch Wissenswertes über seinen Weg zur Abstraktion und seinen Einfluss auf Duchamp und den Surrealismus.

Im Rahmen von sehr guten Textbeiträgen werden dem Leser der Künstler und sein Werk nahe gebracht. Anhand der abgebildeten Werke schließlich erhält man eine Idee von dem, was der Odilon Redon mittels seiner Werke vermitteln möchte.

Sehr empfehlenswert. 

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Rezension:Da Vinci bei den Simpsons - Wie aus Kunst Kult wird (Broschiert)

"Eine Ikone soll das Bewusstsein in die Welt des Spirituellen erheben und geheimnisvolle, übernatürliche Dinge vor Augen führen.", Zitat: Pavel Florenskij

Die Autoren dieses bemerkenswerten Buches befassen sich damit, wie aus Kunst Kult wird. Bei den beiden Verfassern handelt es sich um Francesca Bonazzoli, einer italienischen Journalistin und Kunsthistorikerin und dem Kunstkritiker Michele Robecchi. Das Vorwort stammt von Maurizio Cattalan, einem italienischen Künstler, der für seine provokanten, nicht selten satirischen Werke bekannt ist.

Wie Cattalan bereits in besagtem Vorwort schreibt, hat sich die Massengesellschaft die großen Werke der Kunst angeeignet, um sie zu Werbezwecken und für Merchandising einzusetzen. Was macht ein Kunstwerk zum Kultbild fragt in der Folge Bonazzoli und fragt weiter, weshalb ein Kunstwerk zur Ikone der Popkultur wird und schließlich, was Menschen dazu veranlasst, in Museen zu pilgern, dort stundenlang Schlange zu stehen und anschließend andächtig vor einem Gemälde zu verharren, als handele es sich um ein wundertätiges Wallfahrtsbild.

Vier Faktoren scheinen nötig zu sein, damit aus einem Kunstwerk ein Kunstklassiker wird. Über diese Faktoren wird man in Kenntnis gesetzt. Offenbar spielt der Aufstellungsort eine nicht unwichtige Rolle, aber auch der Namen des Künstlers und die Legenden um seine Person. Nicht wenige Klassiker erlangten ihren Kultstatus in den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts. Es waren spezielle Werbeplakate, das Fernsehen, das Kino etc., die dazu beitrugen, aus Kunstwerken spezielle Kultbilder zu machen. Wie sich zeigte, behielt Walter Benjamin nicht Recht, als er prophezeite, dass das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit etwas von seiner Aura verlöre. Das Gegenteil war der Fall, denn die quasireligiöse Anziehungskraft war stärker als vorher.

Aufgrund der Allgegenwart der Bilder in den Medien und in der Werbung wird den Bildern eine Wirkmacht verliehen, die jenseits aller kulturellen und geografischen Grenzen zu finden ist. Verschiedene Kunstklassiker wurden besonders gerne in Anspruch genommen. Damit aus einem Bild eine moderne Ikone wird, sind diverse Schritte nötig, genannt werden u.a. Kopien, Zitate, Missverständnisse, Umformungen, Aktualisierung und Auslöschung.

Vorgestellt werden 30 Meisterwerke. Gezeigt wird, was mit den einzelnen Bildern geschah bis sie im kollektiven Bildgedächtnis verankert und auf höchst bemerkenswerten Wegen zu zeitlosen Ikonen umgeformt wurden.

Neben den Texten und Bildern haben mir die vielen Zitate von Künstlern sehr gut gefallen, die in Bezug zu den Bildern stehen. Ich möchte nun nicht auf einzelne Kultobjekte eingehen, obschon Raffaels Engelchen als Bildteil der "Sixtinischen Madonna" mich dazu motivieren, ebenso auch "Die Beständigkeit der Erinnerung" von Dali und Klimts "Der Kuss", um nur einige zu nennen.

Dies ist ein Buch, das den Leser in vieler Hinsicht bereichert und begreifbar macht, wie ein Werk es schafft, in das kollektive Bildgedächtnis zu gelangen. Nach meiner Ansicht ist dies bei Andy Warhols "Gold Marilyn Monroe" am überzeugendsten gelungen. Doch mit dieser Meinung scheine ich nicht allein dazustehen. Die Rede ist von einer "Ikone post-byzantinischer Zeit": "Gold Marilyn Monroe das Bild einer Gottheit unserer Tage, genauso entrückt und allgegenwärtig wie jahrhundertelang das Bild der Jungfrau Maria."... und weiter..." Heiliges braucht Wiederholbarkeit, auch in einer Gesellschaft wie der unseren, die dem Kult der Medien und des Konsums huldigt."

Nachdenklich stimmende Sätze wie diese gibt es viele in diesem Buch, das sich wirklich zu lesen lohnt.

Sehr empfehlenswert.

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Rezension:Hermann Hesse. Mit Feder und Farbe: Werke aus dem Nachlass Heiner Hesse (Gebundene Ausgabe) oder nicht. (Hermann Hesse)

"Wenn wir einen Menschen glücklicher und heiterer machen können, so sollten wir es in jedem Fall tun, mag er uns darum bitten oder nicht. (Hermann Hesse)

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Hermann Hesse -Mit Feder und Farbe- Werke aus dem Nachlass Heiner Hesse", die vom 2. Februar bis 11. Mai 2014 im Kunsthaus Stade gezeigt wird.

Weltruhm erlangte Hermann Hesse durch sein literarisches Schaffen. 1946 erhielt er den Literaturnobelpreis. Doch Hesse war auch ein sehr begabter Maler. Wie man im vorliegenden Buch erfährt, sind seine Zeichnungen, Aquarellen und Illustrationen, die er zu zahlreichen seiner Verse und Gedichten anfertigte, von bedeutender Qualität

Hesse malte in erster Linie im Tessin, wo er sich zurückzog und inspirieren ließ von den visuellen Eindrücken. Seine Malerei war für ihn Befreiung und offenbar häufig Mittel zum Zweck.

Seinem Sohn Heiner Hesse ist es zu verdanken, dass das Andenken an seinen Vater im Hinblick auf dessen Malerei bewahrt wurde, weil er stets dessen Doppelbegabung betonte und ihn auch als bildenden Künstler etablierte.

Den Katalogseiten ist ein Essay von Ina Hildenburg mit dem Titel "Hermann Hesse und die Zeichnung. Im ‚Eifer des Festhaltenwollens‘." vorgeschaltet. Hier erfährt man, dass zu Beginn und am Ende von Hesses bildnerischem Schaffen die Zeichnung steht. Er begann 1918 seine Gedichte zu illustrieren und führte seinen beiden Begabungen auf diese Weise zusammen. Seine Tätigkeit als Aquarellmaler intensivierte er 1921. In dieser Zeit fiel ihm das Schreiben schwer. Damals begann er eine Psychoanalyse bei C.G. Jung.

Hildenburg gelingt es in ihrem Essay den Werdegang des Künstlers sehr gut zu porträtieren. Sie vergisst dabei nicht zu betonen, dass Hermann Hesse vorrangig ein außergewöhnlicher Schriftsteller war, wie man seinen Erzählungen, Gedichten und 40 000 Briefen entnehmen kann, doch dazu kommen noch 2500 Bilder, ein reicher Schatz, der in dieser Form bei keinem anderen Künstler zu finden sei, so die Essayistin.

Der Leser hat auf einer Doppelseite die Chance eine Kurzbiografie über Hermann Hesse zu lesen und kann sich dann ich die Bilderwelt vertiefen, wobei es mir seine Aquarelle angetan haben, die mir der schönen Farben wegen viel von ihm erzählen und bestätigen, was ich aus seinen Gedichten und Erzählungen vor langer Zeit schon herausgelesen habe und weshalb mich dieser Mensch so ungemein fasziniert.

Im Anschluss an den Katalogteil gibt Regina Bucher in einem Essay bemerkenswerte Einblicke in die Beziehung von Hermann Hesse und dessen Sohn Heiner. Daran an schließt sich ein Essay von Silver Hesse, der sich hier an seinen Vater Heine und seinen Großvater Hermann erinnert.

Volker Michels, der Herausgeber der ersten Gesamtausgabe von Werken Hermann Hesses in 20 Bänden sowie zahlreichen Themenbänden hat zu Ende des Buches einen sehr berührenden Nachruf auf Heiner Hesse verfasst, dem die Hesse- Liebhaber so viel zu verdanken haben.

Ein schöner Katalog zu einer Ausstellung, die ich gerne besuchen würde.

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Rezension:James Ensor: Aus dem Königlichen Museum für Schöne Künste Antwerpen und Schweizer Sammlungen

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Die überraschten Masken: James Ensor- Aus dem Königlichen Museum für Schöne Künste Antwerpen und Schweizer Sammlungen", die noch bis zum 18.Mai 2014 im Kunstmuseum Basel- Museum für Gegenwartskunst gezeigt wird.

Im Rahmen einer zweiseitigen tabellarischen Kurzbiografie kann man sich einen Überblick über das Leben und künstlerische Schaffen dieses 1860 geborenen belgischen Künstlers besorgen. Ensor hat bereits 1883 immer häufiger das Motiv der Maske aufgegriffen und mit seinen Maskenbildern seine wohl bekannteste Leistung vollbracht. Der Künstler entlarvte das "große Welttheater" in der Darstellung der Masken als selbstzerstörerischen, makaberen Tanz. In seiner Bilderwelt kommen ferner gespenstische Skelette, Monster und Ungeheuer mit verzerrten Posen vor. Dabei ist das zentrale Thema Ensors, der geprägt von Naturalismus und Realismus des 19. Jahrhunderts mit einer gewissen Affinität zum Fantastischen, neben der Fragwürdigkeit menschlichen Seins überhaupt der ungelöste Konflikt zwischen Individuum und der Welt. Das Publikum lehnte Ensors Werk übrigens zu seinen Lebzeiten ab, vielleicht weil neben dem Licht der Tod in seinem egozentrischen und selbstironischen Werk eine wichtige Rolle spielte.

Im vorliegenden Buch werden rund 60 Gemälde und viele zum Teil erstmals veröffentlichte Zeichnungen präsentiert. Dies geschieht nach einem Vorwort von Bernhard Mendes Bürgi, dem Direktor des Kunstmuseums Basel, der gleich zu Beginn auf die Gegensätze im Werk Ensor eingeht und hervorhebt, dass es vor allem die Ausdruckskraft und die außergewöhnliche Farbpalette der in der Ausstellung versammelten Gemälde sind, die den Blick auf sich ziehen.

Nachdem man sich einen ersten Eindruck anhand von diversen Bildern verschafft hat, kann man mittels Herwig Todts Einführung in Ensors Werk sich bewusst machen, dass der Wiedererkennungswert von Ensors Gemälden aufgrund der Vielfalt des Dargestellten weitaus geringer ist als bei seinen belgischen Künstlerkollegen Magritte oder Delvaux. Man lernt sehr bemerkenswerte Zeichnungen kennen und kann sich textlich intensiv mit Ensors Themen befassen, die in den Zeichnungen bereits sehr gut begreifbar werden. Über diese Zeichnungen und auch seine Gemälde wird man bestens aufgeklärt und findet auf Seite 115 seine Version des Gartens der Liebe, (nicht zu verwechseln mit dem Garten der Lüste). Aufgeklärt wird man aber auch über den Japonismus der Groteske. Etwa ab 1887/87 vollzog sich in Ensors Werk eine bemerkenswerte Wende hin zum Skurrilen, Makaberen und Grotesken, darüber liest ebenfalls Wissenswertes und kann sich in Bilder wie "Die Intrige", "Skelette im Streit um den Gehenkten" und "Die heruntergerissene Maske" vertiefen, die meines Erachtens die interessanten Gemälde dieses Künstlers sind.

Wer Masken trägt, zerstört sich am Ende immer selbst. James Ensors Erkenntnis ist heute noch so aktuell wie zu seinen Lebzeiten.

Empfehlenswert. 

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Rezension:Das Egozoikum: Aphorismensammlung von Ludwig Drahosch und Nina C. Gabriel (Taschenbuch)

"Freiheit kann nur dort beginnen, wo der Ursprung unserer Motive erkannt wird." (Ludwig Drahosch)

Das Künstlerpaar Ludwig Drahosch und Nina C. Gabriel lernte ich vor einem Jahr auf Facebook kennen. Die beiden leiten derzeit das Ateliertheater in Wien. Mit dem 1969 geborenen Künstler Ludwig Drahosch konnte ich im vergangenen Jahr ein Interview realisieren, dem eine intensive Beschäftigung mit seinen Werken vorausging. Schon im Alter von 9 Jahren hat Drahosch über 200 anatomische Zeichnungen angefertigt. Ihre Qualität erinnert an die alter Meister der Renaissance. Der hochbegabte Künstler, der Philosophie studiert hat, gewann 1997 die Goldene Fügermedaille in Wien. Die Aphorismen, die die Werke im Buch begleiten, sind übrigens nicht selten die Conclusio eines ganzen Buches.

Die um drei Jahre jüngere Nina C. Gabriel ist in Bulgarien aufgewachsenen und flüchtete mit ihrer Mutter 1989 nach Österreich. Dort wurde sie im Franz-Schubert-Konservatorium in der Musicalklasse aufgenommen. 1995 absolvierte sie dann die staatliche Prüfung für Schauspiel und kann seither über 30 Hauptrollen im In- und Ausland zurückblicken. Die attraktive Schauspielerin wurde für den Bronzenen Pinter (Wiener Theaterpreis) nominiert.

Das Egozoikum stellt den ersten Band einer tiefsinnigen und sinnlichen Trilogie des österreichischen Künstlers Ludwig Drahosch dar. Begriffen werden sollte es als ein philosophisches Kaleidoskop sich kontrovers-schmeichelnden Wort-Bild-Liaisonen. Dieses beeindruckende Werk wird ergänzt von bewegenden Gedanken der Autorin, Schauspielerin und Theater-Regisseurin Nina C. Gabriel.

Ludwig Drahosch schreibt in seiner Einleitung eine "Kollektiv-Reflektion im zeitgemäßen Massenwahn". Er möchte nämlich mit dem Buch Intuitives ins Kollektiv ziehen, aber keineswegs in die Reflektion der Leere oder in die Erniedrigung des Seins. Für ihn ist Kunst ihrem Wesen nach etwas, "das sich dadurch auszeichnet, im Idealfall eine objektive Anschauung zu einer subjektiven Empfindung herzustellen."

Bevor ich die Texte las, habe ich zunächst mehrfach die Werke Drahoschs im Buch bewundert, die für alle, die Ästhetik aber auch subtile Erotik lieben, ein Fest für die Augen darstellt. Bildbeschreibungen möchte ich an dieser Stelle nicht vornehmen. Ich finde es interessant, wenn der Künstler durch seine beigefügten Texte, Denkhilfen, die allerdings keine Denkanleitungen sind, gibt.

Ich blicke auf ein Bild, das einen Baum zeigt, der anstatt Laub Engelsgefieder aufweist und ich lese "Das ist mein Psychogramm: Zum einen fest verwurzelt, zum anderen fast unbändiger Freiheitsdrang." (S.22). Solche bildbegleitenden Texte mag ich, denn sie führen auf fast poetische Art in Drahoschs Bilderwelt ein.

Der Künstler hat einen bemerkenswerten Essay über die Kunst der Zeichung verfasst, den man im Buch nachlesen kann. Zu Beginn und zum Ende des Essay stehen die Worte "Jeder Zufall sucht sein Schicksal". Diesen Satz fand ich spontan so gut und zutreffend, dass ich ihn noch heute Nachmittag in die Welt hinaus twitterte. Für Drahosch verhält es sich so, dass der Schlüssel zu einer geistreichen, seelisch gehaltvollen Zeichnung darin liegt, den Zufall zuzulassen, jedoch ihn nicht als Zufall zu akzeptieren, sondern in ihm seine Bestimmung finden, (vgl.S.24).

Während ich auf die wundervollen Körper blicke, die Drahosch geschaffen hat, lese ich keineswegs beiläufig seinen Satz "Nichts ist belastender für die Phantasie als die Logik in der Kunst". Drahosch gestattet seiner Phantasie alles und deshalb auch entsteht das Außergewöhnliche, entsteht all das, was ihn ausmacht und von anderen Künstlern erkennbar unterscheidet.

Ganz wundervoll sind seine erotischen Bilder, die stets mehr sind als das. Es sind Bilder, die körperliche Liebe in ihrer Innigkeit zum Ausdruck bringen, wie sie nur stattfinden kann, wenn die Seelen gemeinsam zu schwingen beginnen. Gleichklang.

Auf Seite 48 studiere ich einen Gemäldeabdruck, auf dem der Künstler zu sehen ist, wie er Gummibärchen festnagelt. Das Bild trägt den Namen "Kindheitsversessenheit". Das Werk macht deutlich, wie absurd diese Tätigkeit ist, ein unnötiger Zeitaufwand für ein aberwitziges Tun... Doch so sind die Menschen, wenn sie rückwärtsgewandt agieren. Dabei ist es gleichgültig, ob man Gummibärchen oder längst nicht mehr gültige Gefühle festzunageln sucht. Wir alle wissen das und handeln nicht selten gegen unser Wissen.

Ich mag die Bilder nicht deuten, sondern möchte sie auf mich wirken lassen und erfühlen, was geschieht, wenn ich dies tue. Man spürt Erfüllung bei den Gemälden, weil man die Lichtwesen in all den Figuren erkennt, die in Liebe verschlungen, eins werden.

Nina C. Gabriel sagt zutreffend "Seele ist gleichsam ein Magnet, sie zieht an." Genau das wird durch viele der Bilder klar und man liest an anderer Stelle, dass der intuitive Mensch, also derjenige, der seiner Seele vertraut, seine Fähigkeiten im ethischen und ästhetischen Sinne unterscheidet und dass die Welt, die er gestaltet, die schönere sei. All überall, wo große Kunst entstanden ist, sei Intuition im Spiel gewesen. Dem kann ich nichts entgegnen. Ich nicke stattdessen.

Das Buch hat so viel zu bieten, poetische Texte, philosophische Betrachtungen und immer wieder Bilder. Mein Blick verharrt sehr lange auf einer sehr schönen Zeichnung, die eine Umarmung zeigt. Der Titel lautet "Zufall sucht Schicksal". Genau darum geht es in irgendeiner Form ja immer.

 Ein gelungenes, sehr schönes Buch mit viel Tiefgang.

Empfehlenswert.

Rezension:Hieronymus Bosch. Das vollständige Werk (Gebundene Ausgabe)

"Bosch gehört zu den sehr wenigen Malern, die einen magischen Blick hatten- er war in Wirklichkeit mehr als ein Maler! Er sah durch die Welt der Erscheinungen, machte sie transparent und zeigte sie uns so wie sie ursprünglich war." (Henry Miller, S.98)

Gemälde des Renaissancemalers Hieronymus Bosch (geb. um 1450- gest. 1516) sah ich erstmals als Studentin in einem Kunstbuch und war sogleich sehr angetan von dessen unglaublich fantasievollen Bildern. Originale konnte ich erst später bewundern, zunächst in Paris, dann in Brügge. Neben Dürer, Raffael, Botticelli und Leonardo da Vinci zählte Bosch fortan zu meinen Lieblingsmalern. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Ein Buch mit seinen Gemälden, zudem einen Roman, der seiner Person gewidmet ist, habe ich auf Amazon vor langer Zeit rezensiert, es aber nicht zu hoffen gewagt, dass in diesem Jahr ein Prachtband mit dem vollständigen Werk dieses begnadeten Künstlers gewissermaßen zu Weihnachten auf dem Buchmarkt präsentiert wird. Der TASCHEN-Verlag sorgt im Bereich solcher Großprojekte immer mal wieder für wirkliche Überraschungen.

Ich sage es gleich vorab, obschon ich eine nicht geringe Anzahl sehr guter Kunstbände in meiner Bibliothek beherberge, zählt dieser Neuzugang zu den fünf besten Kunstbüchern, die ich besitze.

Nachdem ich das sehr bemerkenswerte Buch des Autors Stefan Fischer einem geschmackvoll gestalteten Schutzbehältnis entnommen hatte und zunächst einmal die darin enthaltene Bilderfülle studierte, war ich hingerissen und bin es noch immer. Dieser Prachtband ist hochwertig verarbeitet, die Bilder und Bildteilausschnitte bringen die Welt des Hieronymus Bosch dem Leser und Betrachter sehr, sehr nahe. Dabei sind die Texte, die die Bilderwelt begleiten, intellektuell auf hohem Niveau und anschaulich zugleich geschrieben. Jedes Kapitel beginnt mit einer Sentenz, die dem Leser in wenigen Worten den fantasiebegabten Maler näher bringen.

Ein Beispiel: "Wovon träumte Bosch? Von der Passion Christi, von der Bosheit, der Stupidität der Schergen, von der Eitelkeit und Vergänglichkeit des Irdischen, von der Hölle mit ihren Folterinstrumenten, von der Versuchung, der die heiligen Männer nur wenig Widerstand entgegenzusetzen vermögen." (Max Jakob Friedländer, 1941)

Das Buch ist in folgende Kapitel untergliedert: 
Bosch Perspektiven 
I. Familiäre Anfänge und erste Werke 1474-1487 
II. Sozialer und künstlerischer Aufstieg 1488-1501 
II. Im Labyrinth der Bilder. Die Versuchung des heiligen Antonius um 1502 
IV. Hochzeitskunst: Der Garten der Lüste um 1503 
V. Kunst für den König: Das Jüngste Gericht um 1506 
VI. Exemplum docet. Späte Werke 1504-1516 
Epilog: Rätsel als Vermächtnis 
Katalog der Gemälde 
Katalog der Zeichnungen 
Quellen zum Leben und Werk
Literaturverzeichnis Register 

Zunächst erwähnt Fischer die Fehlinterpretationen im Hinblick auf diesen Künstler, der für viele noch heute als der Maler der Träume, auch der Alpträume, ja als Fantast gilt. Will man das Besondere von Boschs Kunst begreifen, macht es Sinn innerhalb der Bildtradition und Kunstkonzepte des Spätmittelalters die Begriffe des Grotesken und der Drolerie zu bemühen. Wie Fischer darlegt, hat Bosch die Tradition der Drolerien aufgegriffen und von der marginalen Bildkunst der Handschriften, Bauplastik sowie Schnitzerei in die Tafelmalerei überführt. Dabei machte Bosch das moralsatirisch Groteske zu seinem Markenzeichen und nicht nur das, er trug zudem dazu bei, dass es sich als dauerhafte Kunstgattung zu etablieren vermochte. Unabhängig davon, wird auch Boschs Bedeutung für die Entwicklung der Landschafts- Genremalerei nicht unerwähnt gelassen. Dieser grandiose Prachtband möchte neben der Lebenswirklichkeit Boschs und der Interpretation seiner Werke speziell einen Einblick in die Werksarbeit, konkret in den materiellen und geistigen Schaffensprozess geben. Aus diesem Grunde auch werden Bildvergleiche nicht bloß innerhalb des Mediums der Tafelmalerei realisiert.

Ich möchte die Lebensgeschichte von Hieronymus Bosch an dieser Stelle nicht nachzeichnen, Kurzinformationen kann sich jeder im Internet beschaffen. Aus der Fülle von Informationen im Buch zu Boschs Leben einige wenige zu vermitteln, würde dem komplexen Buchinhalt nicht gerecht.

Interessanterweise sind erste Werke oder künstlerische Aktivitäten erst aus einer Zeit nachweisbar als Bosch über 30 Jahre alt war. Eines der Frühwerke ist "Der heilige Hieronymus", das man im Buch sehr genau studieren kann. Es wird wie alle weiteren Werke sehr gut erklärt. Weshalb Bosch in den elitären und klerikalen inneren Kreis der sogenannten geschworenen Brüder der Liebfrauenbruderschaft von `s –Hertogenbusch aufgenommen wurde, wird näher erläutert. Dann lernt man seinen " Johannes auf Patmos" kennen. Es handelt sich dabei um ein Flügelgemälde, das den Heiligen bei der Niederschrift der Offenbarung (Apokalypse) während seiner Verbannung auf der Insel Patmos in der Ägäis zeigt. Auch hier wird man sehr gut mit dem Bild vertraut gemacht und taucht allmählich in die Welt des Malers ein, dessen Physiognomien in einer gleichermaßen durch physiognomischen Traktate als auch durch die Bildkunst breit gestützten spätmittelalterlichen Tradition stehen.

Es führt zu weit alle Werke im Rahmen der Rezension zu streifen. Nennen allerdings möchte ich Boschs Triptychon "Die Versuchung des Heiligen Antonius", ein Werk, das ganz ausgezeichnet erläutert und vielfach abgebildet wird. Es zeigt den heiligen Antonius auf den drei Innentafeln von links nach rechts in seinen drei wichtigsten Lebensstadien. Die vielen Figuren auf dem Triptychon finde ich faszinierend. Man kann sich in diesem Werk, wie in vielen anderen von Bosch Stunden lang verlieren. In diesen Bildern zu lesen, ist spannender als in so manchem durchaus guten Buch. Selbst in den kühnsten Träumen entstehen solche Szenen nicht, von denen es ungezählte auf einer im Verhältnis kleinen Fläche in Boschs Werken zu bestaunen gibt.

Sein berühmtestes Werk "Der Garten der Lüste" ist großformatig aufklappbar zu bewundern. Die Bilderwelt wird ausführlich über viele Seiten hinweg erläutert. Zudem werden Details aus dem Werk in Teilausschnitten gezeigt. Das Paradies mit den Sinnen wahrzunehmen, ermöglicht Boschs "Garten der Lüste" durch die Pracht der Buntfarben, so Fischer, die bemerkenswert hell und frisch sind.

Geradezu erschreckend sind die Details aus dem Werk "Das jüngste Gericht". Dabei ist die Höllendarstellung auf der Mitteltafel in bestimmte Bereiche gegliedert. Alles ziemlich erschreckend. Doch das Werk schlägt den Betrachter in Bann und läutert ihn möglicherweise.

Auch die Spätwerke faszinieren. Was bleibt, ist sich in die Texte zu vertiefen, speziell auch im Katalog der Gemälde. Besagter Katalog gliedert sich in zwei Teile: Er nimmt seinen Anfang mit dem von Fischer als eigenhändige Werke eingestuften Werke, gefolgt von Gemälden der Werkstatt, sowie der Nachfolge, wenn deren Zuschreibung in der Forschung noch umstritten ist, (239). Alle Werke sind abgebildet und werden genau erklärt, auch der "Gaukler", den ich bislang für ein Werk Bosch hielt, der jedoch von einem Werkstattmitarbeiter oder Nachfolger stammt.

Ein wunderbares Buch, das ich nicht mehr missen möchte. Mit diesen Bilderwelten werde ich gewiss noch Jahre befasst sein.

Überaus empfehlenswert.

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Rezension: Eine himmelstürmende Liebe: August Macke malt seine Frau Elisabeth (Gebundene Ausgabe)

"Ich male, male, male und freue mich von ganzem Herzen, wenn mein Blick mit dem Licht hineintaucht in das Dunkel des Waldes oder über die Wiesen zittert und schließlich den Wolken nachträumt in der Ferne." (August Macke)

Birgit Poppe lässt den Leser Anteil nehmen an der innigen Liebe zwischen dem rheinischen Expressionisten August Macke (1887-1914) und seiner Frau Elisabeth(1888-1978), die übrigens auch sein Lieblingsmodell war.

Die beiden haben sich kennen gelernt als sie 15 und 16 Jahre alt waren und wie berichtet wird, waren sie vom ersten Moment an voneinander fasziniert. Die schöne Elisabeth war eine Seelenverwandte des Malers. Beide liebten die Kunst, die Musik, die Literatur und die Natur und hatten sich viel zu sagen. Macke teilte mit Elisabeth, seiner Muse, Gefährtin und Freundin nicht nur sein Leben, sondern auch seine Gedanken. Er nannte sie nicht grundlos sein "zweites Ich". Aus der Liebesbeziehung, die in einer glücklichen Ehe mündete, gingen zwei Söhne hervor. Leider waren August und Elisabeth nur 11 Jahre Gemeinsamkeit vergönnt, denn Macke fiel im 1. Weltkrieg.

Im Buch werden zahlreiche Bilder gezeigt, die Macke von Elisabeth und ihren gemeinsamen Kindern anfertigte, Fotos, Landschaftsbilder und andere Gemälde runden den Gesamteindruck im Hinblick auf den Maler und seine beeindruckende Beziehung zu Elisabeth ab.

Die vielschichtige Verbindung zwischen den Liebenden breitet Poppe in mehreren Kapitel aus. Dabei liest man zunächst wie die beiden sich kennen gelernt haben und man noch nicht ahnen konnte, dass die schöne Rheinländerin zur wohl am häufigsten dargestellten Künstlergattin überhaupt avancieren würde. Etwa 200 Gemälde, Aquarelle, Skizzen und Zeichnungen in Kohle und Pastell sind erhalten, auf denen Macke sie in unterschiedlicher Weise abgebildet hat und zwar von insgesamt 600 Gemälden sowie 10 000 Skizzen und Zeichnungen, die man in seinem Nachlass zählte. Mal liest vom Wesen des jungen, gut aussehenden August Macke, von seiner Lebenslust und seinem Tatendrang, der offenbar ansteckend war und versteht, weshalb sich die Fabrikantentochter sofort in ihn verliebte.

Man liest weiter vom malerischen Werdegang Mackes, seiner Liebe zur Natur, die er in seiner Freilichtmalerei breitgefächert einfing, erfährt auch, dass der Künstler stets nach neuen Impulsen suchte und entdeckte neben der bildenden die darstellende Kunst, das Theater, das seine Zukunft stark beeinflussen sollte. Mackes frühe Reisen nach Italien, London und Paris sind ein Thema und auch, dass er Elisabeth auf Reisen mitnahm. Seine künstlerischen Eindrücke in Paris schlugen sich in seinen Gemälden nieder. Dazu liest man im Buch Wissenswertes und kann sich einen visuellen Eindruck verschaffen.

Nach seinem Militärdienst 1909 heiratete Macke Elisabeth. Das Paar lebte zunächst am Tegernsee. Wohl eines der ersten Bilder, das dort entstand, war sein Werk "Elisabeth am Schreibtisch". Es handelt sich dabei um ein kleines Ölgemälde im impressionistischen Charakter. Landschaftsbilder aus jener Zeit lernt man kennen, liest auch von Elisabeths erster Schwangerschaft und dass es im Hause Macke am Tegernsee sehr munter zuging , d.h. dass man gerne Gäste empfangen hat.

Familienglück und Künstlerdasein bildeten keinen Widerspruch, auch nicht, nachdem die beiden zurück nach Bonn gingen. Macke malte hier u.a. Gartenbilder, die immer wieder Elisabeth und die Kinder im irdischen Paradies zeigen

Nicht unerwähnt bleiben Mackes Beziehungen zu anderen Malern, vor allem zu Franz Marc, aber auch zu den "Rheinischen Expressionisten", die gemeinsame Reise mit Elisabeth an den Thuner See und Mackes große Reise mit seinen Künstlerfreunden Paul Klee und Moilliet nach Tunis.

Alles endet mit dem Tod August Mackes am 26.September 1914 in der Champagne. Der hochbegabte Künstler wurde nur 27 Jahre alt. Offenbar lassen die Götter eine bestimmte Form von allumfassender Liebe zwischen Mann und Frau immer nur für eine kurze Weile zu. Das lässt sich an vielen Beispielen belegen.

Empfehlenswert. 

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Rezension:Argentum (Gebundene Ausgabe)

Dieser Bildband mit äußerst ästhetischen Fotografien stammt von dem in Florenz geborenen Starfotografen Guido Argentini. Der ehemalige Medizinstudent befasst sich in seinen Arbeiten hauptsächlich mit Mode und Schönheit. Seit 1990 lebt der Fotokünstler in Los Angeles. Seine Arbeiten wurden in einigen der renommiertesten Zeitschriften der Welt, darunter Marie Claire, Amica, Moda, MAX, Vogue, Men’s Health und Playboy veröffentlicht.

Im vorliegenden Buch präsentiert der Meisterfotograf eine innovative und gewagte Studie des menschlichen Körpers und seiner Bewegungen. Auf der Suche nach dem Neuen entschied sich Argentini während einer Fotosession in Miami dahingehend, ein Model am ganzen Körper silberfarben zu schminken. Die Bilder, die er realisierte, faszinierten ihn so sehr, dass er nun eine ganze Fotoserie mit silbernen Models geschaffen hat und damit der Aktfotografie vollkommen neue Perspektiven eröffnet. Wie man sich kundig machen kann, erinnern seine Bilder an Brancusis hochglänzende Objekte und an den Schwung der Ballettzeichnungen eines Degas. Durch diese Aufnahmen wird dem menschlichen Körper die Festigkeit von Skulpturen und die lebhafte Energie des Tanzes geschenkt.

Den wunderschönen Fotos sind poetische Texte (Gospels und andere Texte in englischer Sprache) beigegeben. Die Figuren bewegen nach meiner Beobachtung fast wie im Kunstkraftsport. Durch die angemalte, nackte Haut wirken die Körper wie Plastiken. Die Frauenkörper erscheinen hocherotisch, aber entfremdet, unberührbar.

Irgendwo fand ich einen Text im Buch von Guillaume Apollinaire, der zu dem ein oder anderen Bild vortrefflich passt. Ich gebe den Text in deutscher Sprache wieder.

"Kommt an den Rand der Tiefe."
"Wir können nicht. Wir fürchten uns."
"Kommt an den Rand der Tiefe."
"Wir können nicht. Wir werden fallen!"
"Kommt an den Rand der Tiefe."
Und sie kamen.
Und er stieß sie
Und sie flogen Zitat:
Guillaume Apollinaire.

Der Mensch ist zu mehr in der Lage als er glaubt, sobald er sich seiner Angst entledigt. Man muss seine Angst besiegen, damit man nicht von ihr am Leben gehindert wird. Auch das wird durch diese Bilderserie deutlich.

Sehr empfehlenswert.

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Rezension: Revue - Eugenio Recuenco

Dieser traumhafte Bildband enthält geradezu sagenhafte Fotos des international bekannten Werbe- und Modefotografen Eugenio Recuenco. Es ist wohl wahr, die abgelichteten Motive wirken wie aus einer anderen Welt. Die mittels Handarbeit inszenierten Kulissen und subtilen Verweise auf die Kunst- und Filmgeschichte sind wahrlich beeindruckend. Wie Dr. M. Harder zu Beginn der imposanten Bilderschau bekundet, sind die Werke dieses begnadeten Foto-Künstlers multifunktional. Dies bedeutet, man glaubt mehrere Ansichten gleichzeitig zu haben. Es entsteht das Phänomen, dass wir unseren Augen nicht wirklich zu trauen glauben können und unser Geist nur sehr schwierig die Realitätsschnippsel und illusionistischen Größenverschiebungen sinnvoll zu einem Gesamtbild zusammensetzen kann.

Dieser Künstler inszeniert die Situationen, die Kleidung und die Menschen wie ein Märchen, schreibt Dr. Harder und zwar auf mehreren Ebenen, sowohl räumlich als auch zeitlich. Man begegnet einer Fülle von paradoxen Stimmungsbildern. Offenbar hat der Künstler die Absicht, Parallelwirklichkeiten entstehen zu lassen. Dies auch gelingt ihm immer wieder spielerisch. Die Bilder funktionieren diesseits und jenseits der Mode- und Produktwelt. Dabei bleiben sie voller Anspielungen und Symbolik.

Ich stimme Dr. Harder zu, dass der Künstler Eleganz, Kreativität und Bildwitz vereint, gepaart mit der Fähigkeit, seine Modelle von diesem tagtraumhaften Spiel zu überzeugen und sie schlussendlich perfekt zu inszenieren. Im Buch zusammengefasst sind exzentrische Visionen, die viele Filme im Kopf in Gang setzen.

Die Bilderwelten sind bestimmten Themen zugeordnet. Wunderschön, aber wie schon gesagt andersweltig. Nicht selten wie in einem Traum und von daher kaum schilderbar. Irgendwann erblickt man eine halbnackte Frau, aus deren Körper blühende rote Rosen wachsen. Man kann dies natürlich aus anders interpretieren und sagen, die Schöne sei von Rosen durchbohrt. Einige Seiten danach nimmt man ein sich duellierendes Paar wahr. Es schneit. Die Szene scheint schon Jahrhunderte zurück zu liegen, wie die Kleidung vermuten lässt. Was stelle ich mir vor? Der Mann unterstellt seiner Ehefrau, einen Liebhaber gehabt zu haben. Die beiden streiten und es endet im Duell. Man braucht die Geschichte nicht zu Ende denken, weil immer andere Bilder etwas Neues berichten. Befremdliche Assoziationsketten. Man erinnert sich bei einem der Bilder zugleich an ein Motiv Magritte und von Chagall, lässt stets aufs Neue bizarre Motive auf sich einwirken, erlaubt sich das Gesehene in Geschichten weiterzuspinnen und fragt sich, wieso plötzlich ein Dritter sich im Badezimmer von Marat zu schaffen macht, während Charlotte Corday ihn gerade unbeobachtet erdolchen möchte. Es ist der Geschichtsschreiber, der durch die Jahrhunderte geistert, seit die Menschen des Schreibens mächtig sind. Der Chronist, der meint, die Realität zu sehen, nicht ahnend wie vielschichtig sie tatsächlich ist.

Für diese prachtvolle, bizarre Bilderwelt von Eugenio Recuenco bin ich dankbar. Sie inspiriert meine Fantasie und zwingt mich Geschichten vor und zurückzudenken und im Moment zu verharren. Was hier gezeigt wird, ist Schönheit in ihrer reinsten Form und vielleicht deshalb auch nur als Traum wahrnehmbar. Schönheit braucht diesen Schleier, um sich besonders attraktiv und geheimnisvoll zu präsentieren.

 Überaus empfehlenswert.

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Rezension:Kunst & Textil. Stoff als Idee und Material in der Moderne von Klimt bis heute (Gebundene Ausgabe)

"Die Trennung von Kopf und Hand schadet letztlich dem Kopf." (Richard Sennett, 2008)

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Kunst& Textil", die  noch bis zum 2. März 2014 in Bielefeld im Kunstmuseum gezeigt wird. Der Untertitel lautet "Stoff als Material und Idee in der Moderne von Klimt bis heute". Damit wird das breit angelegte Thema etwas eingegrenzt.

Das reich bebilderte Buch enthält eine Fülle von Texten, darunter auch zahlreiche eloquente Essays unterschiedlicher Autoren, die die Ausstellungsgegenstände dem Leser näher bringen.

Rund 170 Exponate von über 80 Künstlern umfasst Ausstellung. Dort sind Werke folgender Künstler zu sehen: Magdalena Abakanowicz • Nevin Aladag • Anni Albers • Ghada Amer • El Anatsui • Burak Arikan • Gertrud Arndt • Joseph Beuys • Pierrette Bloch • Alighiero e Boetti • Pierre Bonnard • Louise Bourgeois • Louis Cane • Philippe de Champaigne • Edgar Degas • Sonia Delaunay-Terk • Birgit Dieker • Frauke Eigen • Noa Eshkol • Friederike Feldmann • Lucio Fontana • Mariano Fortuny • Imi Giese • Domenico Gnoli • Vincent van Gogh • Sonia Gomes • Sebastian Hammwöhner • Mona Hatoum • Olaf Holzapfel • Pieter Hugo • Johannes Itte • Sergej Jensen • Mike Kelley • Bharti Kher • Anselm Kiefer • Kimsooja • Paul Klee • Gustav Klimt • Imi Knoebel • Peter Kogler • Yayoi Kusama • Liz Larner • Max Liebermann • Man Ray • Piero Manzoni • Brice Marden • Agnes Martin • Henri Matisse • Claude Mellan • Mario Merz • Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich • Piet Mondrian • François Morellet • Robert Morris • William Morris • Koloman Moser • Blinky Palermo • Janet Passehl • Michelangelo Pistoletto • Sigmar Polke • Jackson Pollock • Jessica Rankin • Robert Rauschenberg • Gerhard Richter • Jens Risch • Christian Rohlfs • Reiner Ruthenbeck • Robert Ryman • Fred Sandback • Viviane Sassen • Chiharu Shiota • Yinka Shonibare • Katharina Sieverding • Pierre Soulages • Sophie Taeuber-Arp • Dorothea Tanning • Lenore Tawney • Joaquín Torres-García • Rosemarie Trockel • Heinrich Wilhelm Trübner • Félix Vallotton • Henry van de Velde • Édouard Vuillard • Andy Warhol • Pae White • Wol

Nach Vorstellung des Architekten Gottfried Semper sind alle künstlerischen Formen und Symbole zurückzuführen auf die Anfänge textiler Kunst. Das bedeutet, im Dekorieren von Fassaden spiegelt sich beispielsweise das Bekleiden des Körpers wieder. Semper meinte also, dass in der Aneignung textiler Techniken die "Urverwandtschaft der Kunstformen" begründet sei. Mittels dieser habe sich der Mensch vom Urzustand in die Zivilisation erhoben.

Das Besondere an der Ausstellung ist neben der historischen Reichweite vom mittelalterlichen Gobelin bis hin zur Gegenwartskunst ihre Multimedialität, ihre Transkulturalität und ihre Interdisziplinarität. Man begegnet nicht nur Kunstwerken, die aus dem Material "Stoff" gearbeitet sind, sondern gleichwohl Gemälden, die Stoffe abbilden. Auch Videoarbeiten befassen sich mit Stoffen oder zeigen Netze, die sich fortwährend wandeln. Vorgestellt werden Kunstwerke, die aus Wolle und Seide kreiert worden sind, allerdings etwas anderes abbilden, gezeigt wird auch abstrakte Ölmalerei, die in ihrer Oberflächenstruktur auf feine Faltenwürfe Antworten gibt und es wird noch viel mehr präsentiert. Unmöglich dies alles hier zu erwähnen.

Die Ausstellung muss man als komplexes Gespinst mit tausend Fäden begreifen, das nach dem Prinzip des vernetzten Sehens und Denkens funktioniert, (S.45).

Man hat Gelegenheit sich ausgiebig mit der Mythologie und Ästhetik des Textilen zu befassen und liest Wissenswertes zur sozialen und spirituellen Bedeutung von Textilen. Es folgen eine Reihe bemerkenswerter Aufsätze, nicht zuletzt ein erhellender Aufsatz über textile Bildräume in der Antike und Neuzeit, bevor man mit den Exponaten der Ausstellung vertraut gemacht wird.

Das Buch hat mich enorm sensibilisiert im Hinblick auf die künstlerische Bedeutung von Textilien. Interessant übrigens auch das Glossar, in dem alte Textil-Techniken definiert werden. Dadurch begreift man handwerklich besser, was man in der Ausstellung nahe gebracht bekommt.

 Ein gelungener Katalog. Empfehlenswert.

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