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Rezension: Picasso- Die erste Museumsausstellung 1932

Im Kunsthaus Zürich findet noch bis zum 30. Januar 2011 die Ausstellung "Picasso- Die erste Museumsausstellung 1932" statt. Der vorliegende Bildband ist der Katalog zu dieser Ausstellung.

Der spanische Maler, Grafiker, Bildhauer, Keramiker und Objektkünstler Pablo Picasso (1881-1973) ist der Wegbereiter und zeitgleich hervorragendste Repräsentant der Malerei des 20. Jahrhunderts. Die erste Museumsrespektive des Künstlers fand im Jahre 1932 in Zürich statt. Das Buch berichtet von der Entstehungsgeschichte der Ausstellung und verdeutlicht ihren Einfluss auf die Geschichte des Künstlers, sowie ihre exemplarische Bedeutung hinsichtlich der Beziehung zwischen Künstler, Kunsthändlern sowie Museen und anderen ähnlichen Institutionen im 20. Jahrhundert. Zudem enthält es die vollständige Rekonstruktion der epochalen Ausstellung. Dies wird dem Leser bereits im Klappentext vermittelt.

Nach einem Grußwort des Sponsors, es handelt sich dabei um die Credit Suisse und einem erhellenden Vorwort von Christoph Becker folgen Essays von:

Tobia Bezzola: "Retrospektive Retrospektiv- Zur Ausstellung."
Dieses Essay korrespondiert mit den Ansichten der Picassoausstellung im Kunsthaus Zürich 1932, die im Anschluss daran folgen. Es handelt sich bei den Ansichten um Fotos der Installationsansichten der damaligen Ausstellung.

Christian Geelhaar: Picasso. "Die erste Züricher Ausstellung".

Pablo Picasso
Der gelbe Gürtel: Marie-Thérèse, 1932
Courtesy Nahmad Collection
© 2010 ProLitteris, Zürich
In diesem Essay erfährt man u.a., dass einzelne Gemälde, wie etwa "Das Menschenpaar" aus der Sammlung Bernhard Mayer, Zürich und vier Skulpturen erst zehn Tage nach der Eröffnung in die vom Tessiner Maler Sigismund Righini (1870-1937)eingerichtete und gestaltete Ausstellung eingegliedert wurden. Auch die vier Säle im Erdgeschoss, in denen rund 100 Zeichnungen und ebenso viele Radierungen und Lithografien ausgestellt waren, wurden dem Publikum erst viel später zugänglich gemacht, (vgl.: S.36).

Sehr interessant finde ich die Schilderungen Geelhaars im Hinblick auf eine spezielle Kontroverse, die durch die Ausstellung aufgrund eines Aufsatzes des Psychologen und Psychotherapeuten Carl Gustav Jung (1875-1961), der am Schlusstag der Austellung in der Neuen Züricher Zeitung erschien, entstand. Jung ordnet Picasso der Gruppe der Schizophrenen zu, "die Bilder produziert, welche sofort ihre Gefühlsfremdheit offenbaren. Sie vermitteln auf alle Fälle kein einheitliches, harmonisches Gefühl, sondern Gefühlswidersprüche oder gar völlige Gefühllosigkeit. Rein formal herrscht der Charakter der Zerissenheit vor, der sich in den so genannten Bruchlinien ausdrückt, d.h. eine Art psychischer Verwerfungsspalten, die sich durch das Bild ziehen." (Zitat Jung.: S.38). Man erfährt in der Folge wie einzelne Persönlichkeiten in jenen Tagen auf die Ausführungen Jungs reagiert haben. Dies zu lesen, ist überaus spannend.

Im Anschluss werden Werke von 1899-1912 vorgestellt. Zu den ausgestellten und im Buch abgedruckten Werken von 1899-1912 zählt u.a. das in Blautönen gehaltene Ölbild "Melancholie". Bei diesem und allen weiteren dargestellten Gemälden erfährt man jeweils, wann sie entstanden sind, welche Größe sie im Original haben und wo sie normalerweise hängen. Aus seiner "Blauen Periode" lernt man das Gemälde "Frau im Hemd" aus dem Jahre 1905 kennen, auch kubistische Gemälde, wie etwa "Der Dichter" von 1912.

Simonetta Fraquelli: "Picasso Retrospektive in den Galeries George Petit, Paris 1932. Eine Antwort auf Matisse."

Die Austellung wird sehr gut interpretiert. Das Interpretationsergebnis entnimmt man der Kopfzeile des Essays. Im Übrigen hat Picasso von Dezember 1931 bis April 1932 30 neue Gemälde geschaffen, 22 davon eigens für die Austellung, (vgl.S.82). Die Ausstellung soll einen großen Eindruck hinterlassen haben. Picassos primäres Ziel war es, seine neueren Werke als eine Fortsetzung seiner künstlerischen Errungenschaften der Vergangenheit zu präsentieren. Dies ist ihm gelungen, wie Fraquelli hervorhebt.

Es folgen fotografische Ansichten der Picasso-Ausstellung in den "Galeries Georges Petit", 1932 und Werke aus den Jahren 1912-1926, darunter das wundervolle Bild "Mädchen mit Reif" von 1919, seine "Frau mit blauem Schal" von 1923 und der "Musizierende Harlekin" von 1924.

Michael FitzGerald: Nach 1932: Von den Retrospektiven in Paris und Zürich bis "Guernica".

Hier liest man von der Veränderung Picassos, denn nur fünf Jahre nach den Ausstellungen in Zürich und Paris schuf er mit "Guernica" die erste Arbeit seiner Serie bedeutender politischer Werke. FitzGerald ist der Meinung, dass, sofern man die Gemälde von 1931-32 genauer betrachtet, man durchaus Ähnlichkeiten mit den Gemälden der späten 1930er Jahren feststellen kann, (vgl.S.136) und insofern die Veränderung nicht nur auf den Einfluss von Dora Maar zurückzuführen sei, wie oft behauptet wird.

In der Folge lernt man Werke aus den Jahre 1927-1932 kennen. Beeindruckend finde ich das Ölgemälde "Akt am Strand", das viele Deutungsmuster zulässt. Ungeheuer ironisch wirkt auf mich "Der gelbe Gürtel: Marie-Thérèse Walter" von 1932. Sein Gemälde "Die Ruhende" von 1932 zeigt eine betont laszive Frau, die durch die Farbgebung Harmonie in ihrer reinsten Form verkörpert.

Der alte Ausstellungskatalog des Kunsthauses Zürich zur Picassoausstellung von 1932 ist auf den dann folgenden Seiten abgedruckt. Anschließend kann man sich mit dem Werksverzeichnis und einer lobenswerten vierseitigen Zeittafel mit biografischen Daten von Picasso befassen.

Ein gelungener Ausstellungskatalog, der deutlich macht, welch großer Künstler Picasso bereits in jungen Jahren war.

Empfehlenswert.


Bilder: Mit freundlicher Genehmigung des Prestel Verlages

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Rezension: Best of NATIONAL GEOGRAPHIC: Die Fotografien- Leah Bendavid-Val

Im vorliegenden Bildband hat man Gelegenheit die berühmtesten Fotos des NATIONAL GEOGRAPHIC - Magazins kennenzulernen. Man erfährt jeweils, wer die einzelnen Bilder realisiert hat, wo und wann sie entstanden sind und erhält zu jedem Fotos zusätzlich erhellende Infos, die das Gesehene näher erläutern.

Nach einen Vorwort, dem bereits eine Reihe sehr beeindruckender Farbfotos vorrangegangen sind, lernt man die einzelnen Kapitel, die neben einer Fülle von Fotos auch hochinteressante Textbeiträge beinhalten, kennen. Diese Kapitel tragen die Titel:

-Einst und Jetzt
-Rund umd den Globus

-In der Wildnis

-Unter Wasser

-Die Naturwissenschaften

-In den USA

Bei den Fotos, die der Einleitung von Gilbert M. Grosvenor, dem Präsidenten und Vorsitzenden der National Geographic Society vorangestellt sind, hat mich ein doppelseitiges Bild besonders fasziniert. Steve McCurry hat es 1983 in Rajasthan in Indien aufgenommen. Frauen in wundervollen, weinroten Gewändern suchen Schutz vor einem der Sandstürme, die nicht selten vor Beginn des Monsuns über die Ebenen von Rajasthan wehen. An ihren Fußgelenken tragen die schönen Inderinnen goldene Reifen. Dicht zusammengedrängt verstecken sie sich hinter einem schief stehende Baumstamm. Nur eine einzelne Frau setzt sich völlig dem Sturm aus. Beinahe hat man den Eindruck als genieße sie die heftigen Berührungen des Sturms, fast meint man sie mache ihn zu ihrem Geliebten.

Auch das Flüchtlingsmädchen auf dem Buchdeckel ist auf den Eingangsseiten abermals zu sehen. Fotografiert wurde auch sie von Steve McCurry und zwar 1984 in Pakistan an der Grenze nach Afghanistan. Ihre Augen sind voller Angst und deuten, wie man liest, auf schreckliche Kriegserlebnisse hin.

Das erste Kapitel beginnt mit einen Foto, dass Gilbert H. Grosvenor 1920 auf Hawaii aufgenommen hat. Die Aufnahme von Reitern, die in den 49 Quadratkilometer großen Haleakala-Krater vordringen, ist handkoloriert. Man hat Gelegenheit Einiges über diese Anfangszeiten zu erfahren. Vor hundert Jahren begann National Geographic Society, die Fotografie einzusetzen und zwar zum Zwecke, die geografischen Kenntnisse zu mehren und zu verbreiten. Der fotografische Stil der Zeitschrift National Geografic erlangte einen Höhepunkt, als die Fotografie das Medium für Reportagen über Weltereignisse wurde, (vgl.: S. 34).

Nachdem Gilbert H. Grosvenor 1899 der erste Redakteur dieses Magazins wurde, begann man bereits Schwarzweißfotos einzusetzen. Man erfährt in der Folge Erhellendes über dessen Redakteurtätigkeit in den ersten Jahrzehnten und darüber, dass die Fotografie sich zu einem so wichtigen Aspekt für die Zeitschrift entwickelte, dass Grosvenor ein eigenes Schwarzweißlabor einrichtete, dem kurz darauf schon ein Farblabor folgte. Es war das erste im amerikanischen Verlagswesen. Nach dem ersten Weltkrieg soll die Farbfotografie dann schließlich in das amerikanische Zeitschriftenwesen vorgedrungen sein. Geographic veröffentlichte zwischen 1921-1930 mehr als 1500 Autochrombilder und wurde zum namhaftesten Organ für die Reproduktion von Farbaufnahmen.

Man liest alsdann, wie es mit der Farbgeschichte weiterging und darf sich immer wieder beeindruckender Aufnahmen erfreuen, wie etwa einem Foto, das Franz Lanting 1989 in Okawango in Botswana gemacht hat. Ihm ist es mittels einer automatischen Kamera gelungen, ausgelöst durch einen Infrarotstrahl, die Schritte eines Leoparden einzufangen, den er selbst nie gesehen hatte.

James L. Stanfield realsiert eine Fotoreportage im Vatikan. Er beabsichtigte auch die menschliche und private Seite dieser uralten Institution einzufangen und zeigt deshalb auch, wie der Papst sich darauf vorbereitet, die Menschenmenge auf dem Petersplatz zu segnen. Diese Szene ist so ganz anders als jene, welche die Ordinationsmesse im Petersdom thematisiert, bei der zukünftige Priester geweiht werden. Sehr schön ist das Foto von Papst Johannes Paul II., das ihn sehr nachdenklich durch die Gärten seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo bei Rom wandernd zeigt. Wie man erfährt, hat der Fotograf das Gefühl, den Pontifex in neuem Licht zeigen zu können, nicht als öffentliche Figur, sondern vielmehr als privaten, heiteren und betfreudigen Mann, (vgl.S. 70). Dies zu vermitteln ist Stanfield m.E. gelungen.

Es folgen Bilder, die rund um den Globus entstanden sind. Die Aufnahmen berichten vom Wandel in der Welt und werden textlich sehr gut begleitet. Kunstvoll ist das Foto von Sam Abell, dass dieser 1983 in Moskau aufnahm. Hier scheint schlichte Schönheit die Spannungen des kalten Krieges zu mindern, wenn der Blick durch die Spitzengardinen des Hotelfensters über sonnenbeschienene Birnen hinweg zum Kremel und anderen Gebäuden am Roten Platz wandert,(vgl: S.74/75).

Beeindruckend auch ist eine Aufnahme von Malcom S. Kirk, die am Sepik-Fluss in Papua- Neuguinea entstanden ist. Hier schlummert ein Kind in einem Hängenetz. So friedlich kann die Welt fernab von der Zivilisation sein,(vgl.: S. 95). Es ist schade, dass man im Rahmen einer Rezension nicht alle Bilder zur Sprache bringen kann, denn jedes einzelne hätte ein paar Worte verdient. Berührt bin von dem Foto, das Tomasz Tomaszweski 1992 in Mariefried in Schweden aufgenommen hat. Auf diese Weise wird alljährlich am 13. Dezember die Ankunft der heiligen Lucia gefeiert.

David Alan Harvey skizziert mit seinen Fotos Spanien. Das Bild, das einen Torero-Lehrling zeigt, ist inhaltlich fast schon Vergangenheit geworden, ähnlich wie die Männer in mittelalterlichen Bußgewändern, die an der Karfreitags-Prozession einer religiösen Bruderschaft teilnehmen.

Man lernt auf weiteren Bildern die Wildnis, das Reich der Tiere kennen. Bei diesen Fotos geht es um mehr als nur Schönheit. Die Bilder sollen informatives Material für die Reportage liefern und zeitgleich dem persönlichen Stil des Fotografen gerecht werden. Alle Fotos im Buch genügen diesem Anspruch. Fast ein wenig bedrohlich wirken die weißen Wölfe von Jim Brandenburg und einfach nur traumhaft all die Aufnahmen unter Wasser. Hier hat es mir der Schwarm violetter Farnbarsche angetan, der an einer gelben Demoiselle und einer Kelchkoralle vorbeigleitet.

Mit großem Interesse habe ich den kurzen Bericht zu den Titanic-Aufnahmen gelesen. Emory Kristof fotografierte das Schiff, das am 14. April 1912 nach einer Kollision mit einem Eisberg gesunken war, mit einer streubaren Kamera. Die Kabinen der ersten Klasse sollen nach 80 Jahren unter Wasser noch völlig unbeschädigt angemutet haben.

Das vorletzte Kapitel im Buch bilden Fotos, die unter dem Oberbegriff Naturwissenschaften zusammengefasst worden sind. Hier haben mich die Bilder zweier Kunstwerke am meisten fasziniert. Einerseits eine Aufnahme von David Brill, die dieser 1975 in der Türkei machte. Sie zeigt das Marmorgesicht der Aphrodite, die man ins Wasser gelegt hat, um die Verunreinigungen von fast zwei Jahrtausenden herauszulaugen, andererseits ein Foto von Vic Boswll, Jr., realisiert in Mailand, Italien 1983, dass Leonardo da Vincis berühmtes Abendmahl nach einer gründlichen Restauration zeigt. Die hellen Stellen sind schon fertig. Das Gerät auf der linken Seite zeigt die Luftfeuchtigkeit im Raum an.

Die Impressionen mit dem Titel das "Portät eines Volkes", zeigen Menschen in den USA. Hier hat mich das Foto von Bill Hess angezogen, dass dieser 1976 in Arizona im Indianerreservat Fort Apache aufnahm. Nach einer alten Tradition begeht ein Apachenmädchen den Eintritt ins Erwachsenenalter mit einem viertätigen Sonnenaufgangs-Tanz. Dieser alten Tradition Folge zu leisten, ist sicher ein guter Weg, weil er die Tänzer erheitert, aber zeitgleich der Natur ihren gebührenden Respekt zollt.

Ein empfehlenswertes Buch.


Bilder: © National- Geographic- Verlag


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Rezension:GEO Epoche EDITION 2/2010 Impressionismus

Dieses wunderbare, reich bebilderte Geo Magazin befasst sich ausgiebig mit dem Impressionismus. Der Stil wurde in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts in Frankreich entwickelt. In seiner Kulminationationszeit (von 1870 bis zu Beginn der achziger Jahre) und in der dann folgenden Richtung des Pointillismus postulierte er eine neue, in erster Linie optische Beziehung zur Malerei.

Das Magazin ist untergliedert in:


1) Die ersten Impressionisten: Eine neue Sicht der Welt

2) Anfänge: Aufbruch in die Moderne

3) Industrielle Revolution: Die Chronisten des Wandels

4) Claude Monet: Eine Welt aus Farben

5) Ausland: Jenseits von Frankreich

6) Paris: Metropole der Maler

7) Postimpressionisten: Die Revolution der Revolution

8) Vincents van Gogh: Der Zerrissene

Im ersten Beitrag werden Kurzbiografien der Maler Gustave Caillebotte (1848-1894), Alfred Sisley (1839-1899), Edgar Degas (1834-1917), Auguste Renoir (1841-1919), Édourd Manet (1832-1883), Paul Cézanne (1839-1906), Camille Pissarro (1830-1903), Berthe Morisot (1841-1895) und Claude Monet (1840-1926) vorgestellt. Von diesen Malern lernt man sehr gut abgelichtete impressionistische Werke kennen, die jeweils textlich kurz skizziert werden.


Man lernt in der Folge auch eine Reihe von Bildern der Gegner der Impressionisten kennen. Es handelt sich hierbei um Werke wie jene von Ernest Meissonier und André Rixens. Diese Maler waren von der Schule der schönen Künste geprägt. Nach den Regeln dieser Akademie schufen diese Künstler sorgfältig ausgeführte Gemälde mit historischen und mythischen Themen. Es ging ihnen darum, jedes Detail in der Kleidung und Mimik der Porträtierten wieder zu geben, (vgl.: S. 30-31). Ganz anders sind die Werke der Maler der Moderne, die bewusst nur den Moment, das Alltägliche und die Oberfläche zeigen. Die Modernität ist, wie der Dichter Baudelaire festhält "das Vorübergehende, das Entschwindende, das Zufällige." Bildlich umgesetzt wird das sehr gut von Claude Monet im Gemälde "Impression, Sonnenaufgang", (vgl.: S.29).


Zudem werden Vorbilder der impressionistischen Maler thematisiert. Es handelt sich um Künstler der Romantik, die sich Anfang des 19. Jahrhunderts schon den Normen der akademischen Malerei verweigerten. Bei diesen Malern handelt es sich um Jean -Francois Millet, John Constable, William Turner und Théodore Rousseau.

Die Impressionisten sind keine Freilicht-Künstler- auch wenn sie ab und an damit kokettieren. Monet verbringt viel Zeit im Studio. Dort vollendete er die Werke, die er im Freien begonnen hatte, (vgl:S. 38).

Neben den Naturansichten, mit denen sich zahlreiche Impressionisten einen Namen machen, sind die Künstler der Moderne an Motiven, der industriellen Revolution und an denen der gesellschaftlichen Veränderung interessiert. Die Bilder berichteten von Pioniergeist, Amüsement, Rastlosigkeit, Mühsal und von der Einsamkeit, (vgl.: S.43).
Gustave Caillebotte thematisiert die negativen Seiten der Gesellschaft auf eindringliche Art, wie seine Bilder deutlich machen. Gezeigt werden aber auch Freizeitvergnügungen armer Gesellschaftsschichten. Fast jeder kennt diesbezügliche Gemälde von Auguste Renoir.


Man lernt die Bilder Monets kennen, die kaum noch Gegenstände zeigen, sondern nur noch Farben, Licht und Formen aufweisen und liest im Rahmen eines sehr gut geschriebenen Beitrags von Markus Wolff Wissenswertes über Monets Werk und Leben.
Über die Impressionisten in Russland, den USA, Skandinavien, Deutschland und England wird man auch in Kenntnis gesetzt und lernt zahlreiche Werke kennen, die stets kurz kommentiert werden. Mich beeindruckt das intensive Licht, das einige der Bilder durchflutet, so etwa Peder Severin Kroyers "Sommerabend am Südstrand von Skagen" oder auch Liebermanns "Terrasse des Restaurants Jakob".
Ganz hervorragend wird das künstlerische Wirken der Impressionisten in Paris, der Metropole der Bewegung geschildert. Dort malte Degas beispielsweise Prostituierte, Fürstinnen und Tänzerinnen, aber auch Bügelfrauen. Degas soll geradezu besessen auf diese Mädchen gewesen sein. Bereits seit seinen ersten Ausstellungen kannte man ihn als den "Maler der Tänzerinnen", (vgl.: S. 86).


Die jungen Künstler fanden sich im "Nouvelle Athénes", einem Café an der Place Pigalle, nicht nur ein, um zu essen und zu trinken, sondern um bekannte Maler zu treffen, von ihnen zu lernen und Mentoren zu finden, (vgl.: S. 86). Es ist überaus spannend zu erfahren, was sich damals in Künstlerkreisen im Einzelnen zugetragen hat.

In der Folge lernt man eine Fülle von Bildern der Postimpressionisten kennen. In den neuen Malstilen sollen Farbe und Form zumeist nur noch Gedanken und Empfindungen übersetzen. Gezeigt werden Werke von Georges Seurat, Paul Gauguin, Pierre Bonnard, Paul Signac, Mauice Denis, Henri Matisse, Edourad Vuillard und André Derain.


Bücher über Vincent van Goghs Werke habe ich einige rezensiert und halte den Beitrag von Cay Rademacher über diesen großen Künstler für außerordentlich gelungen. Lobend erwähnen möchte ich die Auswahl an Gemälden van Goghs, die seinen Beitrag begleiten. Es gefällt mir, dass Rademacher Gemälde wie "Blühende Mandelbaumzweige", Saint-Rémy, 1890, oder auch "Bäume und Unterholz", Paris 1887 und schließlich "Trauernder Alter Mann", Saint- Rémy 1890, neben anderen hervorhebt, da diese Bilder seltener in den Fokus geraten als andere, aber m.E. sehr viel über den Künstler aussagen.

Auf den letzten Seiten kann man sich einen guten Überblick über Daten und Fakten zum Thema "Die Impressionisten und ihre Zeit" verschaffen.

Wer sich über den Impressionismus informieren möchte, wird in diesem Magazin mehr finden als in manchem gebundenen Buch. Das Preis-Leistungsverhältnis ist einmalig. Die Texte sind auf hohem Niveau angesiedelt und die bildliche Wiedergabe der Kunstwerke entspricht dem Niveau von Abbildungen sehr teurer Kunstbände.


Sehr empfehlenswert.



Rezensionen:Inszenierte Welten. Der Gestalter Peter Schmidt (Gebundene Ausgabe)

Dieses reich bebilderte Buch mit Textbeiträgen von Inga Griese, Niklas Maak, Gerrit Gley, Lilli Holm, Gerd Mietusch, Hannes Heer, Uly Foerster, Jürgen Kaffer, Jürgen Kesting sowie Isabella Vertes-Schütter und einem Vorwort von Kent Nagano thematisiert das Leben und Schaffen des hochbegabten Designers Peter Schmidt.

Als ich die Einleitung las, wurde ich sofort neugierig und wollte mehr über diesen beeindruckend kreativen Menschen erfahren. Nagano schreibt u.a., dass alles an Schmidt Kreativität und Enthusiasmus ausstrahle und bei ihm nichts ohne Leidenschaft und Passion geschehe.

Inga Griese berichtet in dem Beitrag "Bayreuth, Kassel, Hamburg" von der Kindheit und Jugend des 1937 in Bayreuth geborenen Gärtnersohnes, der in Kassel ein Grafikstudium absolvierte. Bei der Abschlussprüfung, die ihm leicht viel, verlangte man ihm den Entwurf eines Parfumflakons ab.

Nach seinem Studium arbeitete Schmidt u.a. als Grafiker bei der Zeitschrift "Geo" und wurde 1967 Artdirector der Werbeagentur Verclas und Böltz. Diese Firma hatte Reemtsma als Kunden. Damals wurde Peter Schmidt mit der Entwicklung von neuen Verpackungen und Kampagnen für Zigaretten bekannt. Er gestaltete die Markenbilder und Parfumflacons für Joop, Jil Sander, Laura Biagiotti, auch die Apolinarisflasche und eine Vielzahl von Firmenlogos, die man im Buch näher kennen lernt.

In einem Gespräch, das Niklas Maak mit dem Designer führt, beantwortet er die Frage, wie man eine gute Form erfindet. Gleich zu Beginn des Gesprächs erfährt man, dass der Flakon, der Peter Schmidt für Jil Sander entwarf, in die Sammlung des Museums der Modern Art in New York aufgenommen wurde. Offenbar muss man sich in die Gerüche, Atmosphären und Stimmungen einer bestimmten Zeit hineinspüren und Atmosphären und Stimmungen auffangen, wenn man eine wirklich gute Form entwickeln möchte. Der Designer erklärt u.a. wie er Identitäten erfindet und worauf es ihm bei einem Entwurf ankommt und unterstreicht, dass sein Entwurf im Kopf gestaltet wird, er also nicht traditionellen Schulen verhaftet sei.

Seit 1994 entwirft Peter Schmidt auch Bühnenbilder. Diese sind offenbar das Gegengewicht zur Welt der kleinen Formen, zu den Signets, den Buchstaben, den Flakons, die letztlich Architekturminiaturen verkörpern, (vgl.: S.: 95).

Man liest von zwei Formen der Schönheit, der klassischen und der aparten. Die aparte Schönheit erhält, nach Schmidts Meinung, ihren Reiz dadurch, dass dieser sich durch eine Besonderheit, eine Überzeichnung oder auch einen Bruch auszeichnet.
Der Designer hat eine Fülle von Verpackungen gestaltet, auch für Damenhygieneartikel. Bei Damenbinden geht es ihm allerdings nicht nur um den schönen Schein, sondern auch um die perfekte Passform, die er in Zusammenarbeit mit Medizinern, Technikern und Chemikern entwickelt hat.

Ich bin beeindruckt von all dem, was Schmidt gestaltet hat. Sehr schön sind die vielen Logos, aber auch die Pralinenverpackung für japanische Schokolade und seine architektonischen Meisterwerke, wie etwa das Foyer der Hamburger Staatsoper, die Konzerthalle in Bamberg und das Restaurant Juchheim in Japan.

Je intensiver ich mich in die Texte und Bilder vertiefe, umso mehr staune ich über die Fähigkeit dieses Mannes, der seine überbordende Fantasie vielfältig umzusetzen weiß.

Gerrit Gley wartet mit 13 hübschen Anekdoten über Peter Schmidt auf. Mittels dieser Anekdoten entsteht ein persönliches Bild von diesem vielseitig interessierten Grafiker, der es versteht Zeitgeist gestalterisch subtil umzusetzen.




Ein tolles Buchüber eines hochbegabten Zeitgenossen.


copyright Fotos: "Peter Schmidt / Collection Rolf Heyne"


Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.

Rezension:Matthias Grünewald. Zeichnungen und Gemälde (Gebundene Ausgabe)

Das vorliegende Kunstbuch befasst sich mit dem Maler, Baumeister und Steinmetz Matthias Grünewald (1470/80- 1528).

In seinem Werk kommt die spätgotische Malerei in ihrer ureigenen Bildform (im großen Flügelaltar), den adäquaten Gestaltungsmitteln - expressiver Form - und Farbgebung - sowie in Ikonologie, Symbolik und Gehalt zur Vollendung. Zugleich fand bereits das neue Menschenbild der Renaissance Eingang in sein Schaffen.


Es sind besonders seine Zeichnungen, die in diesem Buch in ihrem herausragenden Wert gewürdigt werden. Grünewalds graphische Arbeiten werden als außergewöhnliche Dokumente einer Zeichenkunst präsentiert, die das Studienblatt als künstlerisches Medium neu entdeckt.


Im Text von Antje - Fee Köllermann erfährt man Einiges zum Leben und Werk des Künstlers, dessen Hauptwerk der "Isenheimer Altar", eines der bedeutendsten Werke der deutschen Malerei ist. Diesen findet man im Buch abgelichtet.


Identität und Lebenslauf des Künstlers können bislang noch nicht vollständig rekonstruiert werden. Stilkritisch gesichert ist die Begegnung mit Albrecht Dürer, der italienischen Renaissance und der niederländischen Kunst.


Sein Werk zeigt aber auch eine tiefe Verwurzelung in der mittelalterlichen Welt.


Der Bildraum ist von visionärem Licht erfüllt, mit dem sich eine leuchtende Farbigkeit verbindet. Die Gestalten sind in ihrer vollen Plastizität erfasst. Darstellungen des Leidens sind bis zum Naturalismus geführt.


Man liest vom Ruhm und Nachruhm des Künstlers, von der Funktion und dem Nutzen seiner Zeichnungen und wird detailliert über seine Zeichentechnik aufgeklärt


Anschließend werden Zeichnungen vorgestellt und erläutert.


Interessant sind die "Studie zur Maria der Verkündigung", die "Arm- und Handstudie", sowie die "Oberkörperstudie zum heiligen Sebastian" des Isenheimer Altars, weil alle Studien vom gedanklichen Weg zum eigentlichen Bild Zeugnis ablegen.


Die textlichen Betrachtungen zu den Studien lassen sich leider wegen ihrer Detailfülle nicht wiedergeben, da dies den Rahmen der Rezension sprengen würde.


Grünewald konzentriert sich in seinen Zeichnungen auf die Empfindungen der Menschen, denen er zeichnerisch Ausdruck verleiht. Besonders deutlich wird dies beim "Kopf eines schreienden Kindes", der "Bildstudie einer Frau" und der "Studie zu einer betend aufschauenden Frau". Kein Gefühl der Personen bleibt dem Betrachter verborgen, die Seele spiegelt sich im jeweiligen Gesichtsausdruck wieder.


Empfehlenswert!




Rezension: Isenheimer Altar-Max Seidel

Dieses reich bebilderte Buch mit Texten von Heinrich Geissler, Bernhard Saran, Josoph Harnest und Adalbert Mischlewksi und einem erhellenden Vorwort von Oto Bihalji-Merin befasst sich mit dem berühmtesten Werk von Mathis Grünewald (1470-1528). Es handelt sich hierbei um den Hochaltar für das Antoniterkloster in Isenheim, bei Colmar im Elsaß. Den Auftrag hierfür erhielt Grünewald von Guedo Guersi, dem Präzeptor des Klosters.

Grünewald hielt sich zwischen 1513-1515 in Isenheim auf. Dieser Aufenthalt ist dokumentarisch belegt. Man nimmt an, dass der Altar an dem Ort selbst entstanden ist. Bei diesem Altar handelt es sich um einen spätgotischen Flügelaltar, bestehend aus einem Altartisch, Predella, Altarschrein und Gesprenge, das leider verloren gegangen ist. Erhalten ist das Schnitzwerk für den Altarschrein und die Predella. Sie stammen von dem elsässischen Bildhauer Nikolaus Hagenauer. Diese Teile hat Grünewald schon vorgefunden, als er den Auftrag erhielt, die schwenkbaren Flügel hierzu zu malen, welche eine zweimalige Verwandlung der Bilderwand, also drei Ansichten ermöglichten.

Einerseits ist das ikonologische Programm der Altartafeln den einschlägigen Bildtraditionen der spätgotischen Malerei verpflichtet, anderseits enthält es Umgestaltungen dieser Bildertypen, welche auf den Einfluss theologischer und mystischer Schriften von Hildgard von Bingen und Predigtsammlungen, aber auch von Texten der Kirchenväter des lateinischen Mittelalters schließen lassen. Dem enzyklopädischen theologischen Bildprogramm entspricht eine beeindruckende Vielfalt und Expressivität sinnlich-anschaulicher Bilder.

Im geschlossenen Zustand zeigt der Altar am Mittelbild (S. 10-11) die Kreuzigung mit Maria Magdalena, Johannes d.E. und Johannes d.T.. Die Darstellung wird flankiert von den Standflügeln mit dem heiligen Antonius und dem heiligen Sebastian. Die Kreuzigung erweitert durch die zeitgleiche Anwesenheit Johannes des Täufers den Typus eines Golgatha-Bildes zum Hinweis auf die Erlösung durch den Opfertod Christi.

Heinrich Geissler beschreibt in seinem Aufsatz "Der Altar- Daten und Fakten im Überblick" diesen sehr gut und erklärt einzelne Bildteile, wie etwa "Das Haupt des Gekreuzigten"(S.12), "Das Anlitz der Muttergottes" (S. 14), "Die Hände der hl. Maria" (S.16). Das Salbgefäß der hl. Magdalena" (S.18), "Maria und Johannes unter dem Kreuz" (S.20), "Johannes der Täufer" (S. 21), "Die Füße des Gekreuzigten" (S.22), "Das Opferlamm" (S. 23), "Der hl. Antonius"(S. 25), "Zwei Engel mit der Märtyrerkrone" (S.27), "Der hl. Sebastian" (S.29), "Die Beweinung Christi" (S.30/31).

Die erste Wandlung (nach dem Aufklappen der in der Mitte geteilten Kreuzigungstafel) zeigt von links nach rechts (siehe Seite 34-35) "Verkündigung, ein Weihnachtsbild und die Auferstehung Christi". Geissler erläutert hier die Bildausschnitte "Der Mantel des Verkündigungsengels" (S.37), "Anlitz und Gebärde" (S.38-39), "Gestalt und Raum" (S.41), "Weisagende Propheten" (S.42), "Engel mit Marienkrone" (S.45), "Anbetetende Engel" (S.46), "Engelkonzert" und "Geburt Christi" (S.48-49), "Das Christkind" (S.51), "Feigenast vor dem verschlossenen Tor" (S.52), "Die Marienrose" (S. 53), Marie aeterna" (S. 54), "Die Gottesmutter (S.55), "Gottvater in der Glorie" (S.56), "Der Auferstehende" (S.58), "Das Grabtuch des Auferstehenden (S .61), "Wächter am Grab" (S. 63).

Die zweite Wandlung zeigt den offenen Schrein mit den geschnitzten Figuren (S. 66-67) der Heiligen "Augustinus, Antonius und Hieronymus", sowie die offene Predella mit den Büstenfiguren "Christus und die zwölf Apostel". Die Rückseiten der inneren Flügel zeigen in dieser Stellung die "Disputation der heiligen Antonius und Paulus und die Versuchung des heiligen Antonius". Auch hier werden einzelne Bildteile gut erklärt, so etwa "Der Raabe bringt das Brot" (S. 69) oder auch "Der hl. Antonius und der hl. Paulus im Zwiegespäch" (S.70-71).

Im Isenheimer Altarwerk verwandelte Grünewald den spätgotischen Flügelaltar in eine Abfolge von geschlossenen Schauwänden. Bei stärksten Helldunkelgegensätzen (etwa in der Kreuzigung) behält die Farbe ihre volle Intensität und wird nicht selten zum eigentlichen Ausdrucksträger. Die Gestaltungsmittel des Künstlers machen es möglich, dass in seiner Bilderwelt die äußersten Gegensätze des Daseins dargestellt werden können.

Besonders beeindruckt hat mich neben den vielen Bildern und Bildausschnitten des Altars sowie den ausführlichen Erläuterungen der Beitrag von Bernard Saran "Von der Macht des Wortes im Bild" und Harnests Betrachtungen zum Altar und dessen Raumproblematik.

Ein sehr gutes Kunstbuch, in das es sich zu vertiefen lohnt.
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Rezension: Illusions of Reality: Naturalismus 1875 - 1918 (Gebundene Ausgabe)

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Illusions of Reality"- Naturalismus 1875-1918, die vom 6. Oktober 2010 bis 16. Januar 2011 im Van-Gogh-Museum in Amsterdam gezeigt wird.

Mit naturalistischen Malern habe ich mich bislang nur wenig befasst. Um so neugieriger war ich auf das vorliegende Buch, das aufgrund vieler Farbabbildungen und Farbtafeln die thematische Bandbreite der künstlerischen Auseinandersetzung illustriert und eindrucksvoll belegt, wie Naturalismus über nationale Grenzen hinaus in verschiedenen Ländern unterschiedliche Schwerpunkte entwickelte.


Nach einem Vorwort von Axel Rüger und Maija Tanninen-Mattila hat man Gelegenheit sich im Rahmen der Einführung von Edwin Becker und Gabriel P. Weisberg theoretisch in den Naturalismus zu vertiefen. Dieser ist im Allgemeinen die epochenübergreifende Bezeichnung für eine kunsttheoretische und künstlerische Grundeinstellung, die davon ausgeht, dass das Ziel der Kunst in der möglichst getreuen Wiedergabe der sichtbaren Natur- bzw. Wirklichkeit unter größtmöglichem Verzicht auf Stilisierung, Symbolisierung und Abstrahierung etc. besteht. Charakteristisch für die Darstellung ist die Detailgenauigkeit bis hin zum Häßlichen, (vgl.: S. 13 ff).

Als Richtung der Kunst- und Kunstgeschichte bildete sich der Naturalismus vor allem im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts heraus. Emile Zola fixierte den Begriff theoretisch, indem er die scharfe Beobachtung und schonungslos exakte Beschreibung des Künstlers mit der Tätigkeit eines Naturwissenschaftlers verglich, (vgl. S. 25-26).

Die Bewegung des Naturalismus kann sowohl als Negativreaktion auf die vorangegangene Epoche der romantischen und idealisitisch geprägten Kunst als auch als kritische Antwort auf gesellschaftliche Umwälzungen der industriellen Revolution verstanden werden. Aus diesem Grund auch wurden für den Naturalismus sozialphilosophische Theorien, etwa jener von Hippolyte Taines (vgl.: S. 24), nach der der Mensch als natürliches Produkt von Milieu, Erbe und historischem Zeitalter gesehen wird, herangezogen.

Im Buch werden thematisiert:
-Neubestimmung des Naturalismus

-Fotografie als Hilfsmittel der Illusion- Die Konstruktion der Realität

-Naturalistische Themen in Zeiten des Umbruchs

-Interpretation des modernen Lebens- Die kritische Rezeption

-Der natürliche Norden- Russland und die nordischen Länder

-Naturalismus auf der Bühne

-Der frühe naturalistische Film- Massenmedium und Malttradition

-Die niederländlische Malerei und der Naturalismus.

Man lernt u.a. Gemälde von Thomas Anhutz kennen. Seine "Eisenarbeiter bei der Mittagspause", 1880 werden näher erläutert. Thematisiert auch wird die melancholische Stimmung des Land- und Stadtlebens. Hier haben mir die Gemälde Jules Bastien-Lepage "Heuernte", 1878 und István Csók "Heumacher", 1890 am besten gefallen. Bildgegenstand im Naturalismus sind auch Fabrikszenen und Gewerbe, wie etwa Jean-André Rixens "Die Walzen des Stahls", 1887, die Welt der zeitgenössischen Politik, auch die Darstellung des Glaubens, sehr schön gezeigt in Gari Melchers "Die Predigt", 1886. Es werden eine Vielzahl von Malern näher vorgestellt, darunter Èmile Friant, Lèon Lhermitte und Albert Bettanier, aber auch Künstler aus dem Norden, wie etwa Eero Järnefelt.

Zolas "Germinal" kommt zur Sprache und auch die Neuverortung des Naturalismus. Beeindruckend ist der Katalogteil ab Seite 162- 212. Die präsentierten Gemälde zeigen zumeist arme, erschöpfte, schwer arbeitende Menschen, thematisieren die Ausbeutung der Bevölkerung in der Gründerzeit und die Flucht in den Glauben, in das Gebet, dass es irgendwann besser werden möge. Das Leid der Menschen entsteht, das machen die Bilder deutlich, fast immer aus der Gier Einzelner. Daran hat sich seit den Zeiten des Naturalismus nichts geändert. Zola bringt es auf den Punkt: "Die Menschen sollen Menschen bilden, in dem sie sie als Menschen behandeln." Wie Recht er doch hat.

Empfehlenswert.


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Rezension: Hans Holbein D.Ä. -Die Graue Passion in ihrer Zeit

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Hans Holbein d.Ä .- Die Graue Passion in ihrer Zeit-", die derzeit in der Staatsgalerie Stuttgart präsentiert wird. Es handelt sich hierbei um die große Landesausstellung von Baden-Württemberg, die vom 27. November 2010 - bis zum 20. März 2011 gezeigt wird.
Im Mittelpunkt der Austellung steht Holbeins zwölf Tafeln umfassende "Graue Passion" (entstanden zwischen 1494 und 1500). Das Hauptwerk des Künstlers wird im Kontext themengleicher Tafelbilder und Graphikreihen bedeutender Vorläufer und Zeitgenossen wie Jan van Eyck, Hans Memling, Martin Schongauer, Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien, Matthias Grünewald etc. im Rahmen umfangreicher Texte und eines wundervollen Katalogteils im Buch dargeboten.

Dem Katalogteil vorangestellt sind eine Einführung in das Leben und Werk Hans Holbeins d.Ä. von Bernd Konrad und 7 Essays mit den Titeln:

Elsbeth Wiemann: Die Graue Passion von Hans Hollbein d. Ä. - Ein Resümee

Kurt Löcher: Die Graue Passion von Hans Holbein d.Ä. - Der Knecht Malchus bei Holbein und im Spiegel mittelalterlicher Passionsspiele

Kurt Löchner: Die Graue Passion von Hans Holbein d.Ä.- Kleider, Waffen und Gerät

Henning Autzen, Karolina Soppa, Stephanie Dietz: Die Restaurierung der Grauen Passion von Hans Holbein d. Ä.- Ein Arbeitsbericht

Stephanie Dietz, Henning Autzen, Ursula Baumer, Patrick Dietemann, Irene Fiedler, Christoph Krekel, Anna Schönemann, Amelie Stange: Die Graue Passion von Hans Holbein d.Älteren - Material und Technik

Elsbeth Wiemann: Zur monochromen Bildgestaltung

Katharina Krause: An der Grenze der Bilder- Inschriften, Kerzen, Blumen.

Der deutsche Maler und Zeichner Hans Holbein d. Ä. (um 1465-1424) überwandt in der Farbbehandlung die mittelalterlich übliche Lokalfarbe. Dies ist ihm dadurch geglückt, dass er das Kolorit der Licht- und Raumsituationen anpasste und mit dem Bildinhalt abstimmte. Durch sein pysiognomisches Interesse und seine Art der Charakterisierung nahm er den Übergang der deutschen Bildnismalerei zur Renaissance vor.

Seine Lehrzeit absolvierte Holbein vermutlich in einer Augsburger Werkstatt (vgl.: S.427) und unternahm wahrscheinlich in jungen Jahren eine Reise in die Niederlande oder an den Niederrhein. 1493 wird er als Bürger der Freien Reichsstadt Ulm erwähnt und 1494 ist sein Name im Steuerbuch der Stadt Augsburg verzeichnet. In Augsburg hat der Künstler einen Werkstattbetrieb mit mehreren Gehilfen unterhalten, wo er mit Arbeiten für die Kirche betraut wurde, bevor er 1516 an den Oberrhein zog. Im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts reiste er u.a. in die Niederlande und ins Elsass. Die Stifterbildnisse des "Oberrieder Altars" für das Münster in Freiburg malte er 1521.

Das künstlerische Schaffen Hans Holbeins d. Ä. besteht aus Altargemälden, Bildnissen, einzelnen Tafelbildern, Feder- und Silberstiftzeichnungen, aber auch aus Entwürfen für Glasgemälde. Holbein wählte die Farbe nach der Bildbestimmung und verzichtete in der Grauen Passion völlig auf die Buntfarbe.

Auf den Seiten 52-53 kann man sich einen ersten visuellen Eindruck von der Grauen Passion im geschlossenen und offenen Zustand verschaffen, deren Tafeln als Einzelbilder konzipiert sind und zur Meditation und Versenkung in die Stationen des Erlösungswerks Christi anhalten sollen, (vgl.: S.61). Der Bildaufbau und die szenische Ausstattung werden sehr gut erklärt und man wird in Kenntnis gesetzt, welche Vorbilder Holbein für dieses Werk hatte. Die Farbwirkung der Grauen Passion wird durch den Hintergrund der Tafeln wesentlich beeinflusst. Darüber kann man auf den Seiten 67-68 Näheres erfahren und sich anschließend in die Farbgebung vertiefen.

Sehr spannend zu lesen ist das Essay, das die Restaurierung der Grauen Passion thematisiert. Zur Sprache kommen die Restaurierungsgeschichte, der Erhaltungszustand, die Figuren, der Vordergrund, die Firnis aber auch die Restaurierung selbst.



Am meisten begeistert hat mich im Katalogteil die bildliche Darstellung der Grünen Passion von Dürer und die Erläuterung dazu, aber mehr noch die Visualisierung der Grauen Passion - Die zwölf Darstellungen nach dem Leiden Christi von Holbein- mit den entsprechenden Erläuterungen.

413 Abbildungen, davon 411 farbige warten auf den interessierten Betrachter, dazu noch eine Fülle von Informationen, nach deren Lektüre man zum Ergebnis gelangt, dass sich der Besuch der Ausstellung lohnt.

Empfehlenswert.
Bilder: ©Staatsgalerie Stuttgart

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Rezension: Michelangelo- Georgia Illetschko

Dieses Kunstbuch von Georgia Illetschko befasst sich mit dem italienischen Bildhauer, Maler, Architekten und Dichter Michelangelo Buonarroti (6. 3. 1475-18.2.1475). Das reich bebilderte Buch ist nicht als kunstwissenschaftliche Rezeption des Renaissancekünstlers gedacht, sondern der Autorin geht es darum, den Menschen und dessen individuellen Blick auf sein Werk, sein Umfeld und seine Zeit in den Vordergrund ihrer Betrachtungen zu rücken.


Bevor man zum Inhaltsverzeichnis gelangt, kann man sich über viele Seiten hinweg zunächst in Sentenzen und auch zwei Gedichte des großen Meisters vertiefen und sich verschiedener Abbildungen einzelner Werke erfreuen. Unter diesen Abbildungen finden sich auch zwei Detailansichten seiner Mamorstatue des David von 1501/1504, die ich in meine Rezension eingebunden habe und dabei völlig fasziniert von dem formvollendeten Gesäß Davids bin. Das ist Erotik pur.

Von den Sentenzen, die ich zu Beginn des Buches gelesen habe, berührte mich nachstehende am meisten: "Die Schönheit hängt vom Endzweck ab. In den Elementen, die sich ihrem Zweck oder ihrer Bestimmung am besten anpassen, sieht man die Schönheit am stärksten hervorleuchten"(Michelangelo). Lange habe ich über diesen Satz nachgedacht und bin zu dem Ergebnis gelangt, dass diese Sentenz es genau auf den Punkt bringt und dies nicht nur für den Stein, aus dem eine Skulptur entstehen soll, gilt.
Das Buch ist untergliedert in:

Einführung:-Io, Michelangniolo Buonarreto

Skulptur: Die Kunst des Wegnehmens-Michelangelo und der Stein

Malerei und Graphik: "Ich bin hier nicht amPlatz, noch bin ich Maler."

Architektur: Im Dienst des Schöpfers- Michelangelo als Architekt

-Biographie und Werksübersicht

-Standort wichtiger Werke

-Literatur

-Register.

Die umfangreiche Einführung beginnt mit dem letzten Brief, den der 89jährige Michelangelo verfasste. Trotz seiner schwindenen Kräfte ist der Greis noch bei klarem Bewusstsein und erfreut sich des guten Marzolino-Käses. Man erfährt in der Folge, dass für den Künstler

dynastisches Denken von Bedeutung war. Das zeigt sich u.a. bei den brieflichen Anweisungen, mit denen er über die Jahre hinweg die für den Weiterbestand der Familie entscheidende Brautsuche seines Neffen Lionardo lenkte, (vgl.: S. 38).

Michelangelo wirkt vordergründig ein wenig pfennigfuchserisch, wie man Aufzeichnungen entnehmen kann. Illetschko allerdings meint, dass es eigentlich eine rührende Achtung von kleinen Dingen sei "Eine Liebe zum Leben in profaner Form", die schließlich doch noch die Freude am Irdischen spüren lassen, als der hohe Stil der "offiziellen" Gedichte und Briefe bereits beinahe nur noch Seelenpein, Weltverdruss und die Sehnsucht nach dem Jenseits besang, (vgl: S. 39).

Man erfährt weiter, dass es kaum Selbstzeugnisse gibt, die den Künstler glücklich oder gar zufrieden zeigen. Zu seiner Natur soll ein lebenslanges Jammern, Nörgeln, sich selbst und seine Sache schlecht reden, gehört haben. Die Ursache dessen sei ein zutiefst abergläubischer Zweckpessimismus gewesen, mittels dem er Neid und das Unheil bannen wollte, in dem er es ständig benannt habe, (vgl.: S. 40).

Man erfährt, dass er ab 1506 einen Großteil seiner Honorare in Immobilien, die ihm als sichere und profitable Anlage erschienen sind, investierte, die er mit straffer Hand verwaltete. Obgleich es in seiner Familie eine Menge Zwistigkeiten gab, liebte er diese, allerdings mehr als Idee, wie man auf Seite 40 liest. Seinen Angehörigen gegenüber legte er die standesbewusste Distanziertheit einer Respektperson an den Tag, während er sich in den 1530er und 1540er Jahren in der Kumpanei der Männerfreundschaften mit Künstlerkollegen, Dichtern und Intellektuellen, die philosophischen Tiefgang ebenso zuließen, wie das platte Witzereißen, sehr wohl gefühlt hat, (vgl. S. 41).
Die Autorin unterstreicht, dass der sauertöpfische Sonderling, der von den zeitgenössischen Biographen Ascanio, Condiv und Vasari gezeichnet wurde, nur eine von Michelangelos Identitäten aufgriff. Es war, wie schon erwähnt, eine Art Schutzschild gegenüber seinen Konkurrenten. Als er ab 1520 zum absoluten Fürsten der Kunst mutierte, erfüllt er keine Aufträge mehr, sondern erwies von da an die Gnade seiner Kunst nach Gutdünken.

Im Kapitel, das sich mit Bildhauerei befasst, erfährt man gleich zu Beginn, dass Michelangelo darunter verstanden hat, was Kraft Hinwegnahme geschieht und das jenes, das durch

Hinzugabe geschehe, der Malerei gleiche. Es werden in diesem Kapitel einzelne Skulpturen gezeigt und besprochen, darunter auch sein "David", der geprägt ist von Ehrgeiz, Größe und Siegesgewissheit, (vgl.: S. 73). Für Michelangelo ist das eigentliche Kunstwerk bereits im Stein enthalten und büßt möglicherweise nichts ein, wenn es nicht vollständig freigelegt wird. Der Künstler arbeitet sich in Unerbitterlichkeit des individuellen Steins hinein und arbeitet die Figur aus einem Stück heraus.


Man liest von seinem Können als Maler. Dabei kann man sein berühmtes Deckenfresko der Sixtinischen Kapelle bildlich in seiner Gesamtheit bewundern. Auf einem Einzelbild (siehe Buchdeckel) schwebt Gottvater, von Engeln getragen und von dem vom windgeblähten Weltmantel hinterfangen, heran und erweckt Adam zum Leben.

Über seine Fähigkeiten als Architekt wird man auch sehr gut aufgeklärt. Den erste größere architektonische Auftrag Michelangelos stellte 1515 die Gestaltung der Fassade von S. Lorenzo in Florenz dar. 1546 übernahm er die Bauleitung von St. Peter in Rom, die erst nach seinem Tod vollendet wurden.

Beeindruckt hat mich die doppelseitige Abbildung des Innenraums der Medicikapelle, an der Michelangelo von 1520 bis 1534 arbeitete, aber noch mehr die Kuppel des Petersdoms, deren Tambourzone den Originalplänen Michelangelos folgte.

Die Bibliographie und Werksübersicht ist sehr anschaulich und verdient ein Lob.

Dieses Buch empfehle ich all jenen gerne, die nicht nur etwas über das Werk Michelangelos, sondern auch über den Menschen erfahren möchten.


Bilder: Mit freundlicher Genehmigung des Prestel Verlages-

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Rezension: Albrecht Dürer -Norbert Wolf



"Was aber die Schönheit sei, daß weiß ich nit." (Dürer)


Von den vielen Kunstbüchern, die ich gelesen habe, ist mir dieser Prachtband von Norbert Wolf am wichtigsten. Dies hängt damit zusammen, dass Albrecht Dürer mein Lieblingsmaler ist und ich von der Schönheit und Qualität des Buches einfach überwältigt bin. Das Buch wird durch einen edlen Schuber geschützt. Der Einband zeigt Albrecht Dürers "Selbstbildnis im Pelzrock", das ich Gelegenheit hatte, schon vielmals in München in der Alten Pinakothek zu bewundern. Albrecht Dürer (21.5.1471- 6.4.1528) war ein schöner Mann mit großen künstlerischen Fähigkeiten. Der begnadete deutsche Maler aus Nürnberg war auch Zeichner, Holzschneider und Kunsttheoretiker, er war also demnach ein intellektueller Maler und das wird an vielen seiner Kunstwerke deutlich.

Auf den ersten Seiten hat man die Möglichkeit, sich doppelseitig in Abbildungungen des Holzschnittes "Die apokalyptischen Reiter", um 1497/98, des Aquarells "Blaurackenflügel", um 1500 oder 1512, sowie in das "Bildnis einer Venezianerin", 1506, zu vertiefen und sich Dürers berühmtem Aquarell "Feldhase" zu erfreuen. Dürers "Selbstbildnis als Akt" (1500-1505), das ich im Original im Schloßmuseum in Weimar bewundert habe, beschließt den ersten Eindruck im Hinblick auf seine künstlerischen Fähigkeiten, bevor man das Inhaltsverzeichnis lesen kann.

Das Buch ist untergliedert in:

-Vorwort
-Einführung
-Lehr- und Wanderjahre
-Die Signatur des Genies
-"...wie wird mich nach der Sonne frieren"
-Zwischen Pflicht und Kür
-Meisterwerke der späten Jahre
-Der Theoretiker
-"Von seiner herrlichen Kunst sind alle Lande erfüllt"
-Katalog der erhaltenen Gemälde
-Literatur.

Es ist mir unmöglich, alle Kunstwerke, die im Buch abgelichtet sind, an dieser Stelle zu erwähnen. Im Kapitel "Lehr- und Wanderjahre" sind u.a. seine Eltern Albrecht und Barbara Dürer zu sehen. Sein Vater war Goldschmied. Dürer trat 1485 in die Goldschmiedewerkstatt seines Vaters ein. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin gab er ihn 1486-68 zu Michael Wohlgemut in die Lehre, den er 1516 porträtierte. Das Bildnis ist auf Seite 35 zu sehen. Dürer wurde bei Wohlgemut technisch sehr vielseitig ausgebildet, nicht zuletzt eignete er sich die Kenntnis des spätgotischen Formgutes an. Der junger Nürnberger wurde auch mit der niederländischen Kunst vertraut gemacht und lernte die Arbeiten des zu seiner Zeit bedeutensten deutschen Kupferstechers, Martin Schongauer, kennen.

Ostern 1490 begab sich der angehende Maler und Grafiker auf Wanderschaft. Ziel seiner Reise war zunächst Colmar, wo Schongauer lebte. Über seinen Reiseweg gibt es keine genaueren Informationen, allerdings weiß man, dass Basel eine wichtige Station seiner Reise war. 1493 verließ Dürer Basel. In Straßburg hat er sich anschließend aufgehalten. Hier auch ist ein Selbstbildnis (S.51) entstanden, das ich sehr mag.

In Nürnberg heiratete er 1494 Agnes Frey, die Tochter des Kupferschmiedes und Musikers Hans Frey. Dies hinderte ihn allerdings nicht daran, im Herbst des gleichen Jahres nach Italien zu gehen. Der Ausbruch der Pest in Nürnberg soll das Motiv gewesen sein, (vgl.: S.53). Aufgrund seiner topographischen Aquarelle ist es möglich, die Reiseroute sehr gut zu verfolgen. Im Buch hat man diesbezüglich Gelegenheit, zwei Ansichten von Innsbruck kennen zu lernen.

Dürer lernte in Venedig die Brüder Bellini kennen, die für ihn in der Folge zu Vorbildern wurden. Als er schließlich wieder in Nürnberg war, eröffnete er seine eigene Werkstatt. Begeistert bin ich, dass man Dürers "Das große Rasenstück" gleich mehrfach im Buch zeigt. Auf einer Doppelseite kann man dieses wunderbare Aquarell sogar nah sehen und beobachten, wie akribisch der Künstler beim Malen der Gräser vorgegangen ist. All die Grüntöne der Blätter und die zarten Wurzeln bilden ein Stück Ewigkeit ab.

Der Holzschnitt "Rhinocerus"aus dem Jahr 1515 ist übrigens auch doppelseitig abgelichtet. Sehr fantasievoll gemalt.

Man liest in der Folge der Apokalypse. Es ist das früheste bebilderte Buch, das ein Künstler auf eigenes Risiko entwarf. Dürer wählte den Holzschnitt als Medium für biblische Zyklen und für Einzelblätter mit religiösen, mythologischen und allegorischen Themen, (vgl.: S.81ff). Bildlich nachzuvollziehen an: "Die Heilige Familie mit der Libelle"(S.82), "Die Marter des Evangelisten Johannes"(S.85), " Johannes erblickt die sieben Leuchter"(S.87), " Johannes vor Gottvater und den Ältesten" (S.89), "Die apokalyptischen Reiter" (S.91), "Die Eröffnung des fünften und sechsten Siegels"( S.93), "Vier Engel, die Winde aufhaltend/Die Versiegelung des Auserwählten" (S.95), "Die sieben Posaunenengel" (S.97), "Der Engelkampf" (S.99), "Johannes, das Buch verschlingend/ Der starke Engel" (S.101), "Das Sonnenweib und der siebenköpfige Drache" (S.103), Michaels Kampf mit dem Drachen" (S.105), "Das Tier mit den Lammhörnern"(S.107), "Lobgesang des Auserwählten im Himmel"/Anbetung des Lammes (S.109), "Das babylonische Weib" (S.111) und "Der Engel mit dem Schlüssel zum Abgrund"( S.113).

Interessant auch ist der Kupferstich "Vier nackte Frauen"(S.121), den ich als Dürers eindeutiges Ja zur körperlichen Liebe werte. Der kleine Kupferstich "Die Hexe"(S.123) soll die antike Venus in eine "deutsche" Wetterfurie verwandeln, (vgl:S. 121).

Dessen ungeachtet wurden Madonnen zum Thema einer großen Anzahl von Dürers Gemälden. Das individuelle Porträt gewann am Anfang und Ende von Dürers Schaffenszeit Bedeutung. Der Maler suchte die ideale Schönheit seit 1500 immer tiefer zu ergründen. Er wurde zu einem Hauptverfechter einer von "göttlichen" Harmonien und Porportionen bestimmten Ästhetik. Dabei soll er allerdings die künstlerisch-praktische Anwendbarkeit nie aus den Augen verloren haben, (vgl.:S 137).

Im Spätsommer 1505 wütete in Nürnberg erneut die Pest, auch dieses Mal brach Dürer nach Italien auf und kehrte im Januar 1507 zurück. Seine Erlebnisse schildert er in zehn (erhaltenen) Briefen, über deren Inhalt man im Buch (S.138) kurz informiert wird. In Nürnberg erwarb er - bereits anerkannt und wohlhabend - das Eigenrecht am Haus seines 1502 verstorbenen Vaters und 1509 das Erbrecht am späteren "Dürerhaus".

Dürer gehörte der "Humanistischen Tafelrunde" an und schuf Werke in enger Zusammenarbeit mit den Humanisten für diese.

Man liest u.a. von der Darstellung des menschlichen Körpers. Bei seinem "Weiblichen Rückenakt", (S. 158/ 159) geht von diesem noch eine sexuelle Wirkung aus, das ändert sich etwa ab 1500. Von da an wird der Sexus bei ihm domnestiziert, (vgl.: S. 161).

Ein Thema im Buch sind Dürers Kaiserbilder. Das Bildnis Maximilians I., das ich bei einer Ausstellung in Wetzlar im Original sah, ist im Buch doppelseitig abgelichtet. Die Kupferstiche "Der Reiter (Ritter, Tod und Teufel" (S.175) und seine "Melencolia I" (S.178) werden näher erörtert und man erfährt, dass Vasari in seinen Viten Dürer als einen"universellen Mann" bezeichnet hat.

Über seine große Begabung Porträts anzufertigen, liest man ab S. 192 und kann sich u.a. in das "Männliche Bildnis vor grünem Grund", 1497/98 vertiefen.

Man erfährt im Rahmen des Kapitels "Theoretiker" Näheres zu seinen Betrachtungen im Hinblick auf Schönheit. Er soll hartnäckig nach der idealen Schönheit gesucht haben, meinte allerdings, dass man eine mathematische Formel nicht als Norm einziger und höchster Schönheit begreifen dürfe, sondern als ein Kriterium einer relativen, bedingten Schönheit, (vgl: S 221). Zum Schluss artikulierte sich diese Relativität in 26 Proportionstypen. Dürer schrieb ein Lehrbuch der Malerei die "Vier Bücher von menschlicher Proportion", das 1527 auf den Markt kam. Dazu Näheres auf den Seiten 211 ff. Ein Jahr später verstarb er.

Im Katalog der erhaltenen Gemälde (ab S. 224) kann man sich nicht nur der Abbildungen von Dürers Kunstwerken, wie "Das Bildnis einer jungen Venezianerin", 1505 (S. 251), erfreuen, sondern erfährt zudem auch auch Wissenswertes über diese Werke. Interessant finde ich die Erklärungen zum "Jabach-Altar", den ich im Buch das erste Mal in seiner Gesamtheit sehe, obschon mir die einzelnen Flügel aus unterschiedlichen Museen bekannt sind und ich die "Zwei Musikanten"(Außenseite eines Flügels), die man in Köln im Wallraf-Richards-Museum bewundern kann, am liebsten mag.

Ich bedauere, dass ich nicht intensiver auf die vielen Kunstwerke im Buch eingehen kann. Alle haben es verdient, näher beleuchtet zu werden. Dürer ist und bleibt für mich der bedeutendste Maler Deutschlands. Das Buch ist eine Quelle von Schönheit, die Dürer gewiss gefallen hätte.

Sehr empfehlenswert.

http://www.randomhouse.de/Buch/Albrecht-Duerer-Werkverzeichnis-der-Gemaelde/Norbert-Wolf/e318337.rhd