Dieses Blog durchsuchen

Rezension:Architecture Now! 09 (Gebundene Ausgabe)

«Ich glaube daran, dass sich in der Architektur etwas ausdrücken lässt, von dem wir noch nicht ahnen,, 3. November 2013 dass es möglich ist – eine neue Ordnung der Dinge, ein anderer Blick auf die Welt.» (Zaha Hadid)

Philip Jodidio ist der Autor dieses schönen Bildbandes mit dem Titel "Architectur Now!" Jodido studierte übrigens Kunstgeschichte und Wirtschaftswissenschaften in Harvard. Zu seinen Veröffentlichungen zählt seine Reihe "Architecture Now!"

Diese Reihe versteht sich als unverzichtbares Referenzwerk für den Zeitgeist und das Design des 21. Jahrhunderts, wobei der 9. Band Entwürfe aus aller Welt veranschaulicht und die Stars der Branche, doch auch weniger bekannte Architekten und Architektinnen präsentiert. Die Beiträge sind alphabetisch geordnet und die Texte werden in deutscher, französischer und englischer Sprache dargeboten.

Offenbar werden derzeit China und andere fernöstliche Länder, aber auch Brasilien zunehmend zum Motor zeitgenössischer Architektur. Grund hierfür ist eine höhere Dichte an modernen Bauwerken bei uns in Europa und in den USA und insofern ein geringerer Bedarf an neuen Bauerschließungen. Renommierbauwerke werden heute eher in Ländern errichtet, in denen Zugzwang herrscht.

Man lernt eine Vielzahl interessanter architektonischer Objekte mittels sehr guter Fotos von den Objekten kennen. Über die Architekten erfährt man jeweils dreisprachig im Rahmen von Kurzbiografien Wissenswertes. Auch Grundrisse werden teilweise gezeigt, sodass man erahnen kann, welches Können die Architekten haben müssen, um solche Projekte überhaupt erfolgreich abschließen zu vermögen.

Besonders interessant finde ich das "Department of Islamic Art" im Louvre Museum in Paris, das auf dem bislang ungenutzten Cour Visconti des Louvre realisiert wurde, unweit der Seine. Dort sind neue Ausstellungsräume für eine umfangreiche Sammlung islamischer Kunst entstanden. Man hat Gelegenheit den raffiniert konstruierten Neubau zu sehen und erhält dazu auch aufschlussreiche Erläuterungen.

Mich faszinieren schöne Hochhäuser, wie etwa den London Bridge Tower, den Renzo Piano geschaffen hat. Am meisten fasziniert mich das Können, das ein solches Projekt möglich macht, so etwa auch das von Serge Salat beschriebene hochkomplexe, architektonische, unendliche 4 D-Labyrinth. Dessen Raumerlebnis der Architekt als dramatisch und dessen Komposition er als kinematografisch beschreibt.

Ein gelungenes Buch, das sich vor dem Können exzellenter Architekten und Architektinnen verneigt.

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Dürer: Kunst - Künstler - Kontext -: Seine Kunst im Kontext ihrer Zeit (Gebundene Ausgabe)

"Dürers Melencolia I scheint innezuhalten und zu erkennen, dass man in der wissenschaftlichen und künstlerischen Arbeit an Grenzen stößt, dass nicht alles rational erfassbar ist." (S.262)

Die Ausstellung "Dürer- Kunst-Künstler-Kontext" habe ich in der letzten Woche bereits besichtigt und war dort in Frankfurt im Städel-Museum bei der Ausstellungseröffnung zugegen. Das, was es dort zu sehen gibt, hat mich überwältigt. 

280 Werke sind zu besichtigen, darunter 200 von Dürer selbst und 80 von seinen Vorläufern, Zeitgenossen und Schülern. Selbst wenn man sich lange in den Ausstellungsräumen aufhält, bleiben nicht alle Eindrücke im Gedächtnis haften. Deshalb ist es notwendig, mittels des Ausstellungskatalogs zuhause das Gesehene abermals zu studieren. Für Kunstinteressierte, die keine Möglichkeit haben, nach Frankfurt zu reisen, eröffnet der Katalog aufgrund der hervorragenden Abbildungen und der Texte eine sehr gute Chance, sich über das Frankfurter Herbst- und Winterereignis kundig zu machen. Vom 23. Oktober 2013 bis zum 2. Februar 2014 hat man übrigens Gelegenheit die Ausstellung in Frankfurt zu bewundern.

Das Vorwort zum Katalog hat der Direktor des Museums Max Hollein verfasst. Professor Dr. Jochen Sander, der Kurator der Ausstellung, hat einen einleitenden Essay mit dem Titel "Dürer in Frankfurt" geschrieben, der die tatsächliche Nähe des Nürnberger Renaissancekünstlers zu Frankfurt im Fokus hat.

Gezeigt und erläutert werden im Buch Tafel- und Leinwandbilder, Handzeichnungen, Blätter in unterschiedlichen druckgrafischen Techniken, aber auch von Dürer verfasste und illustrierte Bücher. Zudem lernt man, wie schon erwähnt, Werke von Vorläufern, Zeitgenossen und Schülern kennen. So etwa Martin Schongauer, Hans Baldung Grien, Hans von Kulmbach, Giovanni Bellini, Joos van Cleve und Lucas Leyden.

Prof. Dr. Jochen Sander schreibt Wissenswertes zum "Heller-Altar", einem Werk Dürers, dass dieser für den Frankfurter Patrizier Jakob Heller schuf und berichtet auch von den Messeaktivitäten Agnes Dürers, der Ehefrau des Künstlers.

Mehr erfährt man in Aufsätzen über Dürers Goldschmiedelehre als Grundlage für seine Druckgrafik, seine Lehr- und Wanderjahre und über seine Bildnisse und Selbstbildnisse. Besonders beeindruckt hat mich übrigens das "Bildnis der Elsbeth Tucher geb. Push" auf der Ausstellung, das im Katalog sehr gut abgebildet ist.

Die Werke werden alle exzellent erläutert. Über Dürers Vorstellungen des menschlichen Körpers liest man und hat die Chance, sich in seine Körperwelten zu vertiefen, bevor man sich mit der Rezeption seiner Kunst im Venedig der Renaissance befassen kann. Sehr gut sind auch die Informationen zu den Motiven in Dürers Kunst des Kupferstichs und interessant ist der Beitrag Karoline Feulners mit dem Titel "Verkaufsstrategíen, Plagíate und Copyríght". Dürers Druckgrafiken wurden auf dem Wege eines ausgeklügelten Vertriebsnetzes europaweit erfolgreich verkauft. Seine Frau war sehr aktiv auf Messen und Märkten. Auf diese Weise wurden Grafiken zu der Haupteinnahme des Familienunternehmens Dürer, das darauf achtete, dass sich nicht andere an den Früchten von Dürers Arbeit bereicherten.

Man erfährt Näheres zu Dürers Flugblättern und von seinen Aufträgen vom Kaiser und den Fürsten. Seine Reise in die Niederlande bleibt nicht unerwähnt und man hat sogar die Möglichkeit, sich mit Kunsttheorien um 1500 und ihre Vermittlungswege nördlich und südlich der Alpen zu befassen.

Alles in allem ein sehr aufschlussreicher Katalog zur Ausstellung, die ich gewiss noch mehrmals besuchen werde, um mich dieser wunderbaren Werke zu erfreuen. 

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension-Venedig im Winter - Eckhard Waasmann

Bildbände über Venedig gibt es wie Sand am Meer. Einige besonders schöne Exemplare habe ich im Laufe der letzten Jahre rezensiert. Das vorliegende Buch zählt zu den drei besten Fotobänden über die alte Stadt an der Lagune, die ich kenne.

Der besondere Reiz der Farbaufnahmen besteht darin, dass es Bilder voller Poesie sind, dass man zudem auf Hochglanz verzichtet hat und dass die Fotos im Winter entstanden sind, in einer Zeit also, wo das diffuse Licht alles ein wenig geheimnisvoll und unwirklich erscheinen lässt und man den Eindruck hat, man blicke für Momente in eine Vergangenheit, in der nur Dichter, Maler, Musiker und andere Menschen mit viel Fantasie lebten.

Das Vorwort zu diesem künstlerisch wertvollen Fotoband von Eckhard Waasmann hat Johannes Thiele verfasst, der gleich zu Beginn erwähnt, dass dieses Venedig des Nebels und der Pfützen, der Schirme und der leeren Gassen und Gondeln im Regen eine der raffiniertesten Vergnügungen für Kenner sei. Geisterhaft still soll die Stadt dann sein und spätestens um zehn Uhr scheine alles wie ausgestorben. Thiele schreibt aber nicht nur über jene trüben Wochen, sondern auch über den Carnevale, den er als Fest mit tausend Gesichtern bezeichnet.

Auch Joseph Brodsky erwähnt er, den Exilrussen aus New York und Nobelpreisträger für Literatur, der das Venedig des Winters wie kein anderer mit "so hartnäckig in stiller Liebe besungen" hat und der auf die Frage "Wie ist dort der Winter?" antwortete: "Es ist wie Greta Garbo, wenn sie schwimmt."

Die Fotos im Buch, die dem einleitenden Text folgen, sind in die Abschnitte: Im Licht des Morgens; Nebel über den Wassern; Rhythmen des Meeres; Zeit für Begegnungen; Tun und Lassen; Fest der Farben; Zwischen Tag und Traum.

Diesen Fotos, die alle eine kleine Geschichte erzählen, sind Texte von Schriftstellern und Lyrikern beigegeben, die die Stimmung der Bilder spiegeln. Es handelt sich in erster Linie um Sehnsuchtsbilder voller Melancholie, die zum Träumen anregen.

Lord Gordon Byron sagte: "Ich habe die Absicht, den Winter über in Venedig zu bleiben, wahrscheinlich, weil es immer (neben die grünste Insel meiner Phantasie gewesen ist." (S.124).

Die Fantasie wird nicht nur im wirklichen Venedig, sondern auch durch die Bilder über die Stadt im Winter beflügelt und so blickt man auf eine fliegende Taube und möchte einen kleinen Text über den Frieden schreiben, von dem wir alle seit Gandhi wissen, dass er der Weg ist. Für weise, aber auch für nur kluge Menschen, der einzig gangbare..

Sehr empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Ein Tag auf der Welt: 1000 Fotos, 165 Länder (Gebundene Ausgabe)

Dieser Bildband von National Geografic enthält 1000 Fotos, die einen Querschnitt durch das Alltagsleben der Weltbevölkerung zeigen.- Dem Buch vorangegangen war ein Tag (15. Mai 2012) an dem Zehntausende Menschen überall auf unserer Erde ihre Kameras auf den Alltag mit all seinen Freuden und Sorgen gerichtet haben. An dem Projekt, aus dem ein Buch entstehen sollte, beteiligten sich Profi- und Amateurfotografen. Sie alle sollten mittels ihrer Bilder eine Botschaft an die Gegenwart als auch an die Zukunft senden.

1000 Bilder aus der Fülle der Einsendungen wurden ausgewählt und werden im Buch mit kleinen Begleittexten vorgestellt. Die Bilder haben nicht selten eine fast poetische Ausdruckskraft und sagen oft mehr als viele Worte.

Auf Seite 466 verweilte mein Blick lange auf einer Fotoimpression, die in Indien entstanden ist. Dem Begleittext kann man folgendes entnehmen: "Srinagar, Indien 18.49. Am Dal-See von Kaschmir zünden Schüler Kerzen an- ein stummer Protest gegen die weit verbreitete Korruption in Indien. Schätzungsweise fließen mehr als 18 Milliarden Euro jährlich in die Taschen von bestechlichen Beamten und Politikern. Die landesweite Aktion soll Druck auf das indische Parlament ausüben, damit endlich ein wirksames Antikorruptionsgesetz verabschiedet wird. Foto: Farooq Khan."

Bei jedem einzelnen Bild im Buch erfährt man übrigens, wann genau an diesem Tag und wo es entstanden ist. Die Bilder sind ganz ungemein eindrucksvoll und zeigen äußerst facettenreich, dass überall auf der Welt der Mensch sich nach Zuneigung sehnt und diese auch dringend benötigt. Dort wo er sie hat, ist er glücklich, auch dies dokumentieren die Bilder. Glücklich auch ist der Mensch, wenn er sich durch eine Tätigkeit, die ihm Freude bereitet, verwirklichen kann.

Der Mensch soll des anderen Menschen Licht sein und ihm den Tag erhellen. Das ist nach meiner Ansicht die Kernaussage des Buches.

63294 Personen aus 190 Ländern haben am 15. Mai 2012 Millionen von Bildern gemacht. 100 000 Fotos wurden hochgeladen und 1000 davon in diesem Buch verewigt. Gespiegelt wird das Leben aller Einsender. 20% der Bilder wurden übrigens bereits mit Smartphone aufgenommen.. 

 Die Nachricht der Fotografen, die an dem Projekt mitgearbeitet haben, lautet: "Das sind wir. Das war unsere Welt am 15. Mai 2012."

Ein gelungenes Buch. Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension: Skandalkunst

Dieser textreiche Bildband stellt Kunstwerke aus unterschiedlichen Jahrhunderten vor, die aus mannigfaltigen Gründen zensiert, verboten und geächtet wurden. Untergliedert ist das Buch in vier große Abschnitte:

Sakrileg
Politisch
Inkorrekt 
Sexuelle Skandale 
Künstlerische Grenzüberschreitungen

Im Vorfeld zum Abschnitt "Sakrileg" erfährt man, dass es die Feindschaft der beiden Glaubensrichtungen war, die im 16. Jahrhundert dazu führte, dass es nicht nur zu Massakern der beiden Glaubensrichtungen und anderen gewalttätigen Übergriffen kam, sondern auch zu einem moralischen Diskurs, der die Päpste dazu veranlasste, die Kunst aus der Nähe zu beleuchten.

Im Rahmen des Konzils von Trient wurden Dekrete zur Stärkung der Gegenreformation getroffen. Hier auch sprach man sich für einen bestimmten Moment in der Kunst aus, der besagte, dass christliche Kunst nichts Profanes enthalten dürfe. Nur wenige Künstler widersetzten sich, erst in der Renaissance wurden die Künstler wieder freier.

Gemälde, die den Vorstellungen der Kirche widersprachen, werden im ersten Kapitel gezeigt. Den Anfang nimmt eine Freske von Masaccio, "Die Vertreibung aus dem Paradies", die sehr gut erläutert wird, wie übrigens alle nachfolgenden Gemälde auch. Das Werk, das die entblößten, verzweifelten Menschen Adam und Eva zeigt, wurde 200 Jahre später zensiert und die Nacktheit mittels Feigenblätter übermalt. Erst in den 1980er Jahren wurde die Nacktheit bei der Restauration der Freske wiederhergestellt. Man hat im Buch Gelegenheit, beide Fresken zu sehen und sich ein Urteil zu bilden.

Natürlich ist es nicht möglich, alle Bilder im Rahmen der Rezension zu benennen. Mich hat zunächst mal interessiert, welche Bildinhalte ich anstößig finde. Eines dieser Bilder zeigt den homosexuellen Robert Mapplethorpe bei obzönem Tun, aber es gibt im Buch noch weitaus widerwärtigere Bildinhalte im Abschnitt der sexuellen Skandale-Bilder, doch auch sie bilden Realitäten ab. Mit ihnen zwingt uns die Kunst, sich intellektuell auseinanderzusetzen.

Im Abschnitt "Politisch inkorrekt" werden einige Radierungen von Goya gezeigt, der in seinen Grafiken die Laster seiner Zeit und seines Landes darstellt. Gezeigt wird eine politisch aussagekräftige Karikatur mit dem Titel "Gargantua" und es folgen noch weitaus beeindruckender Gemälde, die aus Sicht der jeweilig Herrschenden inkorrekt waren. Darunter u.a. zwei Gemälde des von mir hochgeschätzten Malers Otto Dix, ein Gemälde von Chagall, den die Nazis hassten aufgrund der jüdischen Szenen, die er malte... Dass ich die Ausstellung "Körperwelten" nicht gesehen habe, bedaure ich, denn ich hätte mir gerne vor Ort ein Urteil gebildet. Der im Buch abgebildete Mensch wirkt vor allem ästhetisch ansprechend.

Ein sehr interessanter Kunstband, der nicht nur Wissenswertes über Skandalkunst zu berichten weiß, sondern, der uns auch viel über uns als Betrachter nahe bringt. Wann geraten wir in intellektuelle Konflikte aufgrund unserer möglicherweise sogar, ungewollten moralischen Wertung eines Kunstgegenstandes? Ist es überhaupt möglich moralische Wertungen völlig auszuschalten und nur das gestalterische Werk zu sehen?

Fragen, die ich für mich nicht vollständig beantworten kann. Otto Dix sagt: "Der Maler ist das Auge der Welt" und damit hat er Recht. Nicht alle abgebildeten Realitäten mögen uns gefallen, aber kann man ihnen deshalb den künstlerischen Wert absprechen?

Sehr empfehlenswert. 

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension: Arcadia- Gerhard Almbauer

Dieser Bildband stellt Werke des Malers Gerhard Almbauer vor. Seine Ölbilder, Aquarelle, Acrylbilder und Zeichnungen wurden in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Almbauer ist Dozent an der Kunstakademie Bad Reichenhall und Mitbegründer der KUNSTFABRIK Wien/A und der Akademie Klosterneustift Brixen/l.

Dr. Heinz Kellner charakterisiert diesen Künstler als weitgereisten, weltoffenen, großzügigen, belesenen Menschen, der überaus kreativ sei. Als Ziel für Almbauers Schaffen nennt er Harmonie in der gemalten Darstellung.

Folgt man den Ausführungen dieses Almbauer-Kennerns, dann weiß man, dass die im Buch gezeigten Werke den Versuch darstellen, eine Brücke zwischen den Kulturen zu schlagen.

Das Buch enthält neben den Bildern, die nicht selten durch antike Themen gekennzeichnet sind, auch Texte, die in Beziehung zu den Bildmotiven stehen.

Arcadia nennt Almbauer den Titel des Buches. In der griechischen Geschichte war der Ort bekannt als der Ort der Glückseligkeit. Für den Maler ist Arcadia "der Ausgangspunkt für seinen Versuch, eine malerische Darstellung zu schaffen, die grenzüberschreitend und zeitlos alle Kulturen aufruft, sich miteinander zum Gespräch und zum gegenseitigen Verstehen zu verbinden."

Die Bilder sind zumeist in Braun- und Rottönen, einige auch in auch in Blau gehalten, Motive aus der antiken Sagenwelt und entsprechend inspirierende Texte, auch Schriftzeichen auf den Bildern und surreale Motive aus der längst vergangenen Zeiten begeistern nicht nur jene, die solchen Themen etwas abgewinnen können, sondern auch die, die das Geheimnisvolle zu schätzen wissen.

Ich liebe derartige Spaziergänge in andere Zeiten, aber auch in Sagenwelten und bin mehr als nur angetan von dem, was ich hier sehe, auch der Technik wegen.

Zu meinen Lieblingscollagen zählt "Die blinde Venus", die vermutlich in den Augen des Betrachters deshalb so schön erscheint, weil sie von der Eitelkeit nicht geplagt ist. Eitelkeit verleiht Schönheit einen kalten Zug.

Lange verweilt mein Blick bei "Orpheus in Arcadia", der auf mich weder frei noch glücklich wirkt. Eurydike fehlt ihm auch hier. So mein Eindruck.

"Das maurische Tuch" schaue ich mir an, während ich Paco de Lucías "Concierto Aranjuez – Adagio" höre. Auf diese Weise versuche ich mich in das Bild einzufühlen und verstehe plötzlich, den Sehnsuchtsblick der beiden Damen und das Geheimnis des maurischen Tuchs.

Ich blättere weiter zur Hochzeit der Engel und erkenne, noch immer die Musik hörend, den Zusammenhang und die Botschaft von allen Motiven. Arcadia, den Sehnsuchtsort, findet man nur in den Träumen, hier nur gibt es Frieden zwischen den Kulturen und Religionen und unter allen Menschen auf dieser Welt.

Arcadia ist ein frommer Wunsch, der unsere Träume verzaubern lässt und in Bildern wie jenen von Almbauer zumindest zur visuellen Wirklichkeit wird. 

 Sehr empfehlenswert.

Rezension:Hartmann Schedel. Weltchronik - 1493. Kolorierte Gesamtausgabe (Gebundene Ausgabe)

Dieses hochwertige, reich bebilderte Werk mit Begleitbuch ist ein Nachdruck der berühmten, kolorierten Gesamtausgabe der "Weltchronik 1493" von Hartman Schedel.

Es handelt sich um eine wahre Schatzgrube für bibliophile Menschen, die ihr gewiss einen Sonderplatz unter ihren Büchern einräumen werden. Dies habe ich übrigens auch getan.

Die Weltchronik plus Begleitbuch befindet sich in einem schön gestalteten Schuber. Die vielen Illustrationen im Buch lohnt es, ausgiebig zu bestaunen und wer sich mit Mittelhochdeutsch beschäftigt hat, kann die Texte auch ohne Probleme lesen.

Das Original dieses wunderschönen Nachdrucks ist im Besitz der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Herausgegeben wurde dieser Nachdruck von Stephan Füssel.

Dem Begleitbuch kann man zunächst viele Informationen zum Buch entnehmen. Redakteur der Chronik war einst Hartmann Schedel aus Nürnberg. Dort hat sich die handschriftliche Druckvorlage in der Stadtbibliothek erhalten.

Die Chronik gliedert sich nach dem Stoff der Bibel in diverse Abschnitte. Das Erzählmuster folgt dabei lateinischen Universalchroniken des Mittelalters, aber auch der volkssprachigen Chronistik. Bei den 1804 Illustrationen von 652 Holzstöcken weisen Städtebilder eine deutliche Dominanz auf. Begreifen muss man diese Chronik als historisches Nachschlagewerk und Bestandsaufnahme der Städtekultur um 1490.

Aufgeklärt wird man über den Arzt und Humanist Hartmann Schedel, der sein Studium in Leipzig absolviert hatte und in Padua seinen Doktorgrad in Medizin erwarb. Nachdem er zunächst in Nördlingen und Amberg als Mediziner tätig war, lebte er anschließend als Stadtphysicus in Nürnberg, wo er als Patrizier mit der wirtschaftlichen, geistigen und kirchlichen Elite Nürnbergs Kontakt pflegte.

Man erfährt, wer alles an der Weltchronik beteiligt war. Es handelte sich nämlich um eine Nürnberger Gemeinschaftsleistung. Möglicherweise arbeite sogar der junge Dürer an Holzschnittarbeiten mit. Dies hier näher auszuführen, führt allerdings zu weit.

Man erfährt in der Folge Näheres zur Produktion, zu handschriftlichen Druckvorlagen, auch zum Buchvertrieb und zur Schlussabrechnung, liest über den Augsburger Nachdruck und das Fortwirken der Chronik, bevor man sich ausgiebig in die Komposition und den Inhalt der Schedelschen Weltchronik vertiefen kann. Hier wird man mit den entsprechenden Weltaltern vertraut gemacht und hat Gelegenheit mehr über die Städte zu erfahren, die man im Rahmen der Illustrationen zu sehen bekommt. Es geht u.a. um Rom, Genua, Paris, Venedig, Neapel, auch um Mainz, Nürnberg Wien, Prag Straßburg etc.

Über Heilige, Literaten, Kaiser und Kurfürsten etc, die man ebenfalls unter den Illustrationen findet, wird man auch aufgeklärt und begreift mit diesem Hintergrundwissen, die Chronik besser.

Für mich ist das Lesen und Betrachten des Buches ein Eintauchen in eine längst vergangene Welt, die ich in erster Linie mit Albrecht Dürer assoziiere, dessen Werke im Herbst im Städel Museum in Frankfurt gezeigt werden.

Die TASCHEN- Ausgabe der Schedelschen Weltchronik 1493 ist ein Highlight in diesem beginnenden Buchherbst.

Dieses Glanzstück zu empfehlen, bereitet mir viel Freude.

Bitte klicken Sie auf den Button,  dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension: Meret Oppenheim: Retrospektive(Gebundene Ausgabe)

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Meret Oppenheim-Retrospektive", die vom 21. März bis zum 14. Juli 2013 im Kunstforum der Bank Austria in Wien gezeigt worden ist.

Der Leser und Betrachter dieses hochwertigen Kunstbuches lernt hier das Leben und Schaffen der deutsch-schweizerischen surrealistischen Malerin und Objektkünstlerin Meret Oppenheim (1913- 1985) kennen.

Herausgeber dieses Ausstellungskatalogs sind Heike Eipeldauer, Ingried Brugger und Gereon Sievernich.

Neben dem umfangreichen Katalog mit ausgewählten Texten sowie Gedichten von Meret Oppenheim und zahlreichen Beiträgen unterschiedlicher Autoren, die zum Kunstverständnis der gezeigten Werke beitragen, hat man nach dem Vorwort Gelegenheit, sich in fünf Essays, die von Kennern dieser Künstlerin verfasst wurden, zu vertiefen.

Viele Leser werden sicher wissen, dass die frühen Bilder der Schweizerin dem magischen Surrealismus zuzuordnen sind, die von hintergründigen Texten begleitet werden.

Seit 1936 befasste sich Oppenheim vorrangig mit Objektkunst, die man im Buch ausgiebig kennen lernen darf, dabei ist die Doppelsinnigkeit der Sprache nicht selten der Anreiz für die Bilder und Objekte von Meret Oppenheim.

Im Rahmen der Essays kann man sich über die Maskeraden der Künstlerin kundig machen, denn die Strategie der Maskerade ist ein durchgängiges Leitmotiv im OEvre dieser Künstlerin. Die mittels Maskierungen gebotenen Verwandlungsmöglichkeiten wurden von ihr durch eine zusätzliche Dimension erweitert und zwar durch den Überzug mit Pelz, der das Animalische unvermittelt in die Welt der Waren, der Gebrauchsgegenstände und Accessoires einbrechen lässt, (vgl.: Seite 17).

Man erfährt in den Essays zudem Wissenswertes zur Sprachmentalität im Werk Künstlerin und auch über ihr Verhältnis von Form und Nichts. Lesenswert fand ich nicht zuletzt die Betrachtungen zur frühen Meret Oppenheim und hier speziell zum Prinzip der Gleichzeitigkeit. Stets wieder radikal neu beginnen- dazu gehöre auch die Weiterführung von Ideen nach Jahrzehnte langen Unterbrechungen, (vgl.: S.59), darum geht es bei ihrer Gleichzeitigkeit.

Es führt zu weit, auf all die Texte, die die Werke dann im Katalogteil begleiten, näher einzugehen. Dennoch will ich auf den Beitrag mit dem Titel "Vom Kribbeln in der erogenen Zone" von Kathleen Bühler hinweisen. Hier wird eingangs erwähnt, dass Oppenheims Werke einen "furcht- und hemmungslosen" Umgang mit dem Erotischen auszeichnen und es wird auch erläutert, wieso sie den Widerspruch zwischen dem ungezähmt Wilden und seiner "Indienstnahme für die dekorative Inszenierung der Weiblichkeit" kultiviert hat.

Ein sehr empfehlenswerter Kunstband.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Weltenschöpfer: Richard Wagner, Max Klinger, Karl May (Gebundene Ausgabe)

Dies ist der Katalog zur Ausstellung "Weltenschöpfer. Richard Wagner, Max Klinger, Karl May. Mit Räumen von Rosalie", die vom 15.Mai- 13.September 2013 in Leipzig im Museum der bildenden Künste gezeigt wird.

Die wohl wichtigste künstlerische Gemeinsamkeit, die zwischen dem Schriftsteller Karl May und dem Komponisten Richard Wagner besteht, ist die Meinung, dass die oberste Aufgabe der modernen Kunst die Aussöhnung des Menschen mit der Religion und der Wissenschaft sei, (vgl.S.51). Das möchte ich vorwegschicken, um Irritationen zu vermeiden.

Hans Werner Schmidt führt mittels eines eloquenten Textes in die Ausstellung ein und erläutert den Plan der Ausstellungsmacher, wieso man den Maler Max Klinger mit dem Musiker Richard Wagner und dem Schriftsteller Karl May in einer Ausstellung vereinen wollte. Alle drei Herren waren unterwegs zwischen den mythologischen Welterklärungen und Glaubensbekenntnissen, die Kulturgut definieren und Werke formieren (vgl.S.12). Es führt zu weit, auf die schöpferischen Akte der Künstler hier näher einzugehen. Deshalb empfiehlt es sich, die einzelnen Kurzbiografien im Buch aufmerksam zu lesen, um die Himmelsstürmer aus Sachsen in ihrem Tun zu verstehen, die alle am großen Rad zu drehen versuchten, nachdem sie in die "Abgründe des Erhabenen" blickten.

Die gezeigten Werke im Katalog, nicht nur solche von Max Klinger, Carl Morgenstern, Claus Bergen, Carl Blechen und Peter von Cornelius sind möglicherweise nicht jedermanns Geschmack. Über den ideologischen Überbau von Bildern wie etwa "Hagen versenkt den Nibelungenhort" will ich mich nicht auslassen an dieser Stelle, auch nicht wohin dieser führte. Kritische Geister wissen es ohnehin.

Sehr gut fand ich die sechs Fragen zu Richard Wagner an David Timm, die Doris Mundus stellt. Darunter auch die Frage "Was bedeutet es für Sie, dass Wagner bekennender Antisemit war und seine Werke später von den Nationalsozialisten "instrumentalisiert" wurden?“

Alles in allem ein bemerkenswerter, gut gemachter Katalog zu einer Ausstellung, die viel über das Kunstverständnis des deutschen Bürgertums einer bestimmten Epoche aussagt.

 Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon können das Buch bestellen.

Rezension: Peter Behrens. Architektur - Architecture (Gebundene Ausgabe)

"Eines der sprechendsten Ausdrucksmittel jeder Stilepoche ist die Schrift. Sie gibt, nächst der Architektur, wohl das am meisten charakteristische Bild einer Zeit und das strenge Zeugnis für die geistige Entwicklungsstufe eines Volkes. Wie sich in der Architektur ein voller Schein des ganzen Wogens einer Zeit und äußeren Lebens eines Volkes widerspiegelt, so deutet die Schrift Zeichen inneren Wollens, sie verrät von Stolz und Demut, von Zuversicht und Zweifel des Geschlechtes." (Peter Behrens) 

Der Architekt und Fotograf Dr. Carsten Krohn stellt in diesem reich bebilderten Buch erstmals alle architektonischen Werke des Malers, Designers, Typographen und Architekten Peter Behrend (1868-1940) vor.

Wissen muss man, dass Behrens ein Gesamtkunstwerke schuf, bei denen Gebäude und Möblierung als Einheit konzipiert waren. Er entwickelte sogar eigene Schrifttypen, entwarf Ornamente und verfasste als Autor Texte, in denen er sich über unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen wie Theater, Buchgestaltung und Stadtplanung Gedanken machte. Bei allem Tun aber räumte er der Architektur einen besonderen Stellenwert ein. Sein Haus in der Darmstädter Künstlerkolonie Mathildenhöhe gestaltete er komplett selbst, d.h. sogar die Möbel, Textilien, das Geschirr und Besteck etc

Im Atelier dieses berühmten Gestalters arbeiten übrigens Walter Gropius, Le Corbusier und Mies van der Rohe.

Peter Behrens hat eine Architektur der Beziehungen und Verweise entwickelt. Diese wird durch die Bewegung im Raum erfahrbar. Das vorliegende Buch möchte das System der Verweise und Beziehungen dem Leser nahe bringen. Dieser Anspruch wurde meines Erachtens bestens in die Tat umgesetzt.

Viele Fotos zeigen die Vernarbungen der Zeit an den abgelichteten Gebäuden, die durch bauliche Veränderungen und unsachgemäße Sanierung auftreten. Ich muss gestehen, dass ich noch nicht einmal ahnte, wie umfangreich das Werk dieses Architekten tatsächlich ist.

Gleich zu Beginn hat man Gelegenheit, sich mit dem Haus von Behrens auf der Mathildenhöhe zu befassen. Dieses Haus habe ich schon als Kind von außen bewundert, wenn ich mich in Darmstadt in dieser Gegend aufhielt. Ich wusste nicht, dass die Innenräume im Krieg zerstört wurden. Ein Foto zeigt einen Innenraum vor der Zerstörung. Man begreift sofort wie schön er gewesen sein muss.

Alle gezeigten Gebäude werden sehr gut erläutert und zwar in deutscher und englischer Sprache. Ein Leckerbissen für alle Architektur-Interessierte.

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.