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Rezension:Meilensteine - Wie große Ideen die Kunst veränderten (Gebundene Ausgabe)

Florian Heine erläutert anhand von über 100 Werken von der Antike bis hin zur zeitgenössischen Malerei, wie aufgrund der besonderen Kreativität Einzelner die Geschichte der Kunst immer wieder neue Wege ging.

In diesem Buch findet man einerseits weltbekannte Gemälde, aber auch solche, die weniger bekannt sind. Nicht selten allerdings sind es die zuletzt genannten, die zu Meilensteinen in der Malerei wurden, weil sich in diesen Gemälden zum ersten Mal etwas ereignet hat, was es es zuvor in der Kunst noch nicht gegeben hatte. So liest man Wissenswertes über das erste Porträt der Neuzeit, das erste Stillleben und das erste Bild, das den Traum eines Malers zeigt. Einige der Bilder haben ein neues Genre begründet oder wiederbelebt, andere stehen für ein neues Stillleben oder das erste Bild, lässt uns Heine wissen.

Thematisiert werden in den einzelnen Kapiteln hierzu die Schwerpunkte: Von der Höhlenmalerei zum Mittelalter, Giotto, Porträt, Nacht, Tiere, Druckgrafik, Schatten, Zentralperspektive, Akt, Selbstporträt, Landschaft, Illusionistische Deckenmalerei, Stillleben, Traum, Barock, Geschwindigkeit, Lithografie, Fotografie, Impressionismus, Abstrakt, Kubismus, Futurismus, Action-Painting, Pop-Art als auch Kunst und Markenzeichen.

Man liest Wissenswertes über den florentinischen Maler Giotto di Bondone (um 1266-1337), der mit der Ausmalung der Hauptkirche der Franziskaner in Assisi die Kunst zu einer Geschichte der Künstler werden ließ, die mit ihren Werken die Meilensteine schufen, die die Kunst zu dem machen, was sie heute darstellt. Giotto gilt als Künstler mit neuen, umwälzenden Ideen. Er war es, der den Schritt von der flächigen, starr wirkenden Malerei des Mittelalters hin zur naturalistischen, illusionistischen Malerei schuf, indem er versuchte, seine Beobachtungen der Natur malerisch ins Bild umzusetzen. Wie er das bewerkstelligte, wird ausführlich erläutert.

So liest man auch über das erste Porträt, das nach Jahrhunderten eine individuelle Person allein zeigt. Dabei handelt es sich um Johann den Guten, der 1350 zum französischen König gekrönt wurde. Man erfährt, welche Aufgabe ein Porträt hat und wieso es dazu kam, dass nach langer Zeit der "Entindividualisierung" während der vergangenen Jahrhunderte die Malerei das Individuum wiederentdeckte.

Es führt zu weit im Rahmen eine Rezension alle Meilenstein im Vorfeld schon einmal zu skizzieren. Besonders interessant finde ich die Entdeckung der zentralperspektivischen Darstellung seitens des Bildhauers und Architekten Filippo Brunelleschi (1377-1446), die sich sehr schnell durchsetzte. Dabei entstanden viele Traktate, die sich mit den geometrischen Grundlagen und den vielen Möglichkeiten der Perspektive als auch mit ihrer konkreten Anwendung befassten. Hier soll die Anwendung auf den Körper am schwierigsten gewesen sein. Bei Deckenmalereien spielt die Zentralperspektive auch eine wichtige Rolle, weil dadurch ein Raum illusionistisch nach oben erweitert werden kann. Wissenswertes erfährt man in diesem Zusammenhang über die Arbeitsweise von Michelangelo.

Ein gelungenes Buch, das sich kurzweilig liest.

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Dieser Prachtband im Einschuber wurde von Johannes Grave auf den Weg gebracht. Er thematisiert die Werke Caspar David Friedrichs (1774-1840), der als der bedeutendste Künstler der Frühromantik gilt.

Man hat Gelegenheit zweihundert Abbildungen und Detailansichten von Werken aus allen Schaffensperioden des Künstlers kennenzulernen und Wissenswertes über den persönlichen, religiösen und politischen Hintergrund des Malers zu erfahren

Zunächst habe ich mich ausgiebig in die Bilderwelten vertieft, bevor ich mich dem umfangreichen Textmaterial gewidmet habe. Die Bilder lösen mir bei Emotionen aus, die klanglich wohl am ehesten in Kompositionen von Robert Schumann ihren Ausdruck finden.

Wichtige Aspekte von Friedrichs Bildauffassung werden in diesem Buch erörtert, Seine Bilder sollen nicht einen bestimmten Gedanken illustrieren, sondern vielmehr in eine genuin bildliche Form des Denkens überführen. Grave unterstreicht, dass es eines Sehens bedarf, das sich auf die spezifischen Qualitäten und Erfordernisse des Bildes einlässt, um den Werken dieses Künstlers gerecht zu werden.

Zunächst liest man zu Friedrichs Anfängen in Greifswald und hat die Chance die Bilder jener Zeit auch kennenzulernen. Seine ersten ganz auf figürliche Darstellung konzentrierten Zeichenübungen weisen offenbar noch keinen Weg zur Landschaftsmalerei und sein Zeichenunterricht bei dem Universitätszeichenlehrer Johann Gottfried Quistrop diente wohl eher als erste Annäherung an das Historienbild. Grave vermutet, dass Friedrich auf Anraten Quistrops 1794 in die Kopenhagener Akademie eintrat und ihm seine Lehrzeit dort nicht nur die ernüchternde Einsichten in die Schwierigkeiten, die mit einem Erzählen in Bilder eingehen, einbrachte, sondern ihm auch eine erste Annäherung an jene Gattung schenkte, die dann im Zentrum seines Schaffens stand: die Landschaftsmalerei.

In der Folge dann liest man über Friedrich und die Tradition der Dresdner Landschaftsmalerei. Zu jener Zeit war Dresden das Zentrum der Frühromantik. Man erfährt, dass Friedrich eine enge Verbindung zum Kreis um Heinrich von Kleist hatte und nachdem er drei Jahre in Dresden verbracht hatte, 1801 zu einer längeren Reise nach Greifswald und zur Insel Rügen aufbrach. Man liest von seinem zutiefst melancholischen Charakter. Vielleicht befand der Künstler sich in einer Krise und wollte in seiner Heimat neue Kraft schöpfen. Fragen dieser Art wirft der Autor jedenfalls auf.

In Greifswald und Rügen knüpfe Friedrich neue Bekanntschaften und erneuerte alte Freundschaften. Ab 1892 dann konzentriert es sich zunehmend auf die Gattung der Landschaft. Wie man erfährt, verlor die religiöse Funktion des Bildes hierdurch keineswegs an Bedeutung und Dringlichkeit.

Man liest in der Folge von seinen Dresdner Freunden und seinen Weimarer Kontakten u.a. dass er 1811 nicht weniger als neun Gemälde in Weimar ausstellen lies. Der Autor berichtet ausführlich über die Nähe und Distanz zu Weimar und von den Erwerbungen des Weimarer Hofes, die übrigens im Buch visualisiert sind.

Das Bilderpaar "Der Mönch und das Meer" und "Die Abtei im Eichwald" wurden 1810 von Kronprinz Wilhelm auf der Berliner Akademieausstellung gekauft. Über das Bildpaar wird man ausführlich in Kenntnis gesetzt, weil es von einem lange etablierten Verständnis abwich.

Man liest von seinen Auftraggebern, zu denen auch der spätere Großfürst Nikolaus I. Von Russland zählte und von Friedrich Naturstudien, die man auch durch Bilder kennenlernt. Man lernt den Künstler als Kritiker der zeitgenössischen Ästhetik kennen. Es wird danach gefragt, ob er der Maler des Erhabenen gewesen sei. Bei ihm wirken Dinge und Menschen silhouettenhaft und die Motive der Bilder sind sehr spannungsgeladen. Das gilt auch für "Zwei Männer in Betrachtung des Mondes", für " Abendlandschaft mit zwei Männern" aber auch für das "Segelschiff", das seit ewigen Zeiten mein Lieblingsgemälde von Friedrich verkörpert.

Wer sich ein Überblick über das Werk dieses Künstlers verschaffen möchte, ist mit diesem Prachtband gut beraten. Das Buch ist für Kunstfreunde eine wirkliche Bereicherung. Einfach schön.

Empfehlenswert.

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Rezension: Gerhard Richter- Panorama

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Gerhard Richter- Panorama", die vom 12.Februar bis zum 13. Mai 2012 in Berlin in der Neuen Nationalgalerie gezeigt wurde.

Diese Retrospektive stellt Werke eines der wichtigsten Maler der Gegenwart vor, die zwischen 1957 und 2011 geschaffen worden sind. Obgleich die Bilder Gerhard Richters (geb. 1932 in Dresden) weder dokumentarisch noch fiktional sind, schildern sie das menschliche Leben, bzw. die Notwendigkeit des Zweifels als Voraussetzung, um richtig sehen zu können. Dieses Phänomen soll den Effekt von Richters Werken von seinen Anfängen bis heute unterscheiden, (vgl.: S.6).

Die Ausstellung feierte übrigens nicht nur die künstlerische Produktion aus über einem halben Jahrhundert, sondern auch Richters 80. Geburtstag.

Die Retrospektive ist eine Zusammenarbeit von Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Tate Modern London und Centre Pompidou, Paris. Das Buch zur Ausstellung enthält nicht nur über 300 Abbildungen, sondern auch Texte führender, internationaler Kunsthistoriker und ein Interview mit dem Künstler.

Udo Kittelmann und Dorothèe Brill erläutern zunächst den Begriff "Panorama", um sich dann mit dem Ausstellungsprojekt gedanklich auseinanderzusetzen. Richters über fünf Jahrzehnte vorangetriebene Befragung des Mediums der Malerei erweist sich weder als Anfangs- noch als Zielpunkt, sondern als die kontinuierliche, konzeptionelle Grundlage seines Schaffens. Das wird in der Ausstellung vielgestaltig dargelegt. Gezeigt wird aber auch, wie die Reflexion über Malerei in der Konsequenz zu deren Übertretung führt, (vgl. S. 13).

Das eingangs erwähnte Interview fand im Frühling 2011 zwischen Gerhard Richter und Nicholas Serota statt. Es hilft dem Leser die gezeigten Bilder besser zu verstehen, obschon dieser Prozess des Verstehens generell keinem Spaziergang gleicht, da bei den meisten Bildern der gedankliche Hintergrund nur schwer zu entschlüsseln ist.

Das bekannteste Bild entstand im Jahre 1988. Es handelt sich dabei um das Ölgemälde "Betty", das ein Mädchen in rotweißer Jacke mit Blumenmuster zeigt. Das Mädchen ist übrigens seine älteste Tochter. Offenbar gibt es drei Bilder dieser Art von ihr, die in unterschiedlichen Jahren gemalt worden sind, obschon sie stets gleich alt erscheint. Dargestellt wird, wie die Protagonistin in den früheren Moment zurückkehrt. Der wesentliche Aspekt des Gemäldes ist demnach also die Zeit und ihr Verstreichen.

Sechs Essays erläutern die gezeigten Werke des Künstlers und eine Chronologie zum Schluss bringt dem Leser das Leben Richters ein wenig näher. Da die Direktoren der oben genannten Museen den Betrachter auffordern, Richters Gemälde nicht nur anzuschauen, sondern auch zu denken, ist der spontane Kunstgenuss natürlich so einfach nicht mehr möglich. Intellektuelles Bemühen ist angesagt.

Richters Gemälde mit dem Titel "Aladin 2010" gefallen mir der schönen Farben und Formen wegen. Es sind Gemälde, die zum Philosophieren anregen und aufgrund ihres harmonischen Zusammenspiels den Betrachter gefangen nehmen.

Empfehlenswert. 

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Rezension: Lucian Freud


Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, die derzeit und noch bis zum 27.5.2012 in der National Portrait Gallery in London gezeigt wird. Leider konnte der Künstler an dem Ereignis, das seit 2006 geplant ist, nicht mehr teilnehmen, denn er verstarb am 20. Juli 2011 im Alter von 88 Jahren. Sein Tod allerdings hatte keinen keinen Einfluss auf die Ausstellung. Die Auswahl der Exponate wurde noch mit dem Künstler und seinem Assistenten im Dialog mit Michael Auping, dem Chefkurator des Modern Art Museum of Fort Worth getroffen. Dabei hat die Realisierung der Ausstellung viele Jahre in Anspruch genommen und wurde nur durch die großzügige Unterstützung von Museen und Sammlern realisierbar.

Neben dem Katalogteil, der Gemälde, Zeichnungen und Radierungen beinhaltet, hat der Leser die Chance mehr über den Künstler und dessen Werk aufgrund eines der Einleitung vorangestellten Essays von John Richardson mit dem Titel „In Memoriam Lucian Freud“, den dann einleitenden Worten von Sarah Hogate sowie ihrem Essay „Menschen in Räumen“ als auch Michael Aupings Essay „Freud aus amerikanischer Sicht und nicht zuletzt durch das im Buch abgedruckte Gesprächs zwischen Freud und Auping in Erfahrung zu bringen.

Die Werke Freuds waren von Anfang an vom Porträt bestimmt. Mitte der 1960er Jahre begann sich der Künstler mit der Darstellung des gesamten Körpers auseinanderzusetzen, anstelle sich nur auf den Kopf zu konzentrieren. Mit dem Porträt seiner Mutter Lucie steht Freud in langer Tradition von Söhnen, die ihre Mütter auf die Leinwand bannten, wie die Beispiele von Rembrandt bis Whistler verdeutlichen, (vgl.: S.26).

Freud schuf sehr viele Selbstporträts, weil er begreifen wollte, welche Anstrengungen die Modelle auf sich nehmen mussten. Zu Beginn der 1990er Jahre dann war sein Ruf als ein moderner Meister der Figuration auch international unangefochten. 

Wie man erfährt, spielte der Künstler Interpretationen stets herunter, die auf die Geschichte hinter einem Porträt abzielten. Auffallend ist, dass in der Welt dieses Malers niemand idealisiert dargestellt wird und er offensichtlich unerschrocken in der Politik der Geschlechter war.

Lesenswert ist die Biografie Rosie Broadleys über den Künstler im letzten Teil des Buches. Auf diesen insgesamt 17 Seiten hat man Gelegenheit auch viele Privatfotos von ihm kennenzulernen, u.a. eines, das ihn gemeinsam mit seinem Großvater Sigmund Freud zeigt.

Lucian Freud war in der Beurteilung Sarah Howgates ein hochintelligenter und disziplinierter Maler, der stets über betont eigenwillige Vorstellungen verfügte und sich mit ganz grundverschiedenen Malern auseinandersetzte. Auf vielfältige Weise sind seine Gemälde, selbst jene von Tieren, alle Porträts, was damit zusammenhängt, dass Freud Hunde und Pferde als Seelenverwandte begriff.

Die meisten seiner Poträts, die im Katalog gezeigt werden, sind beeindruckende Charakterstudien, wobei seine  Aktbilder für mich gewöhnungsbedürftig sind, weil sie meinem Ästhetikempfinden nicht gerade entgegenkommen. Michael Auping schreibt in seinem Essay “Beim Blick auf einige von Freuds Akten fällt es schwer, nicht zu überlegen, wie sein Großvater gedacht hätte." (Zitat S. 51). Stimmt genau. Auf dessen Analyse wäre ich sehr neugierig. Schade, dass er sie nicht mehr für uns alle zu Papier bringen kann.

Ein gelungener Katalog. Empfehlenswert.

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Rezension: Das Augsburger Geschlechterbuch- Wappenpracht und Figurenkunst


Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung „Das Augsburger Geschlechterbuch- Wappenpracht und Figurenkunst“, die vom 3. März bis 24. Juni 2012 in der Graphischen Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart gezeigt wird.

Wie man bereits im Vorwort erfährt, handelt es sich bei dem "Augsburger Geschlechterbuch" von 1545/47 um einen Band mit 44 Zeichnungen und 43 Radierungen für ein Buchprojekt, das die Wappen der Augsburger Patrizierfamilien mit phantasievoll gestalteten Wappenhalter-Figuren präsentiert. Dieses Buch wurde im April 1945 gestohlen und nach einem langwierigen Rechtsstreit dem Land Baden Württemberg zugesprochen. In dem vorliegenden Werk wird besagter Band 2010 erstmals vollständig veröffentlicht.

Das Buch enthält neben dem beeindruckenden Bildteil eine Einführung von Helmut Zäh, die sich mit dem Geschlechterbuch von Hans Burgmair d. J. und Heinrich Vogtherr d. J. im Kontext der Augsburger Familien- und Ehrenbücher befasst, des Weiteren einen Aufsatz von Edith Seidl, der sich mit den Künstlern des Augsburger Geschlechterbuches Hans Burgmaier d. J. und Heinrich Vogtherr d. J. auseinandersetzt und  schließlich einen Essay von Steffen Egle mit dem Titel: „Wappenkunst und Schildhalterfiguren: Zur Geschichte einer Noblen Kunstaufgabe.“

Egle erläutert in seinem Essay wie die Künstler  die vormals streng definierte Gestaltungsaufgabe des Wappenbildes mit der Zeit als Experimentierfeld ihrer Erfindungsgabe entdeckten. Als Kunstaufgabe wird das Wappen interessant bei der Erweiterung zu sogenannten Prunk- und Prachtstücken. Die Schilderhalterfiguren unterlagen  keinen festen Konventionen. Sowohl der Schildmantel als auch die Helmzier schenkte dem Künstler gestalterische Freiheiten, so dass sich eine stilistische Entwicklung der Wappenform am ehesten hier ablesen lässt, (vgl.: S.33). Der Reiz der Kunstaufgabe „Wappenbild“ für die Künstler und ihre potentiellen Auftraggeber bestand nicht zuletzt darin, innerhalb eines eng gesteckten Rahmens einen künstlerischen Variationsreichtum an den Tag zu legen. Hierin lag der besondere Herausforderung der Wappenkunst, aber auch die komplexe Struktur des Wappenbildes stellte einen Anreiz stellte  für jene Künstler dar, die nicht nur kunsthandwerklich agierten, (vgl.: S.34). 

In der Folge wird man über die historischen Ursprünge der Schilderhalterfiguren, über die Wappen und Wappenhalterfiguren in der frühen Druckgraphik von Meister E.S. bis Dürer, über Wappenbilder als Gebrauchskunst im 16. Jahrhundert, über Wappenbilder und Schilderhalter in den Genealogien und Geschlechterbüchern des 16. Jahrhunderts und den Wappenhalterfiguren nach 1600 umfangreich informiert. Dann folgt der Bildteil, den zu studieren eine wahre Freude bedeutet. Gezeigt werden „Das Augsburger Geschlechterbuch“ - Der Stuttgarter Band (S) und „Das Augsburger Geschlechterbuch- Der Augsburger Band (A).

Auf Seite 63 entdeckte ich im Geschlechterbuch das Wappenbild der Fugger. Der Schilderhalter stützt sich mit der linken Hand auf das mit Lilien dekorierte Wappen, und hält den Zeigefinger der rechten Hand mahnend nach oben, so als wolle er nachfolgenden Generationen aus dem Hause Fugger eine Botschaft mit auf den Weg geben. Der m.E. schönste Schilderhalter ist auf dem Wappenbild des Hauses Haller (S. 69) zu sehen. Er wirkt durch seinen Turban fast ein wenig orientalisch. Auf seiner rechten Hand sitzt ein Falke, der ihm zugewandt ist. Eine elegante Erscheinung, dominant und weltläufig zugleich, vermutlich ein Kaufmann. Es ist unmöglich die vielen Wappenbilder im Rahmen einer Rezension zu beschreiben. Manchen Schilderhalter wirken fast martialisch in ihren Ritterrüstungen mit gezücktem Schwert. Da ist mir der Schilderhalter des Hauses „Eggerberger“ (S. 174) weitaus sympathischer, ein Patrizier , der anstelle des Wappens einen Blumenstrauß in der Hand hält und dabei lächelt.

Im Anschluss an den Bildteil hat man Gelegenheit sich u.a. mit der Geschichte des Stuttgarter Bandes 1944-2010, des Weiteren mit der Beschreibung der Frühdruck- Exemplare des Augsburger Geschlechterbuches und dem Gesamtverzeichnis der Radierungen des Augsburger Geschlechterbuches zu befassen.

Dieses Buch macht sehr neugierig auf die Ausstellung, aber es ist  auch ein Kleinod  in einer Bibliothek, dem ein besonderer Platz gebührt.

Empfehlenswert.

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Rezension: Damien Hirst

"Kunst, das ist nur der Mensch, der sich nicht mit dem Tod abfinden und dem Ganzen noch einen anderen Sinn abgewinnen will. Es geht darum, die Höhle auszuschmücken. Aber wenn man sich entschieden hat, sie auszuschmücken, lautet die Frage "Womit?". Darum geht es in der Kunst." (Zitat: Damien Hirst, S. 97)

Dies ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung "Damien Hirst", die bis zum September 2012 in London in der "Tate Modern" gezeigt wird.

Die Sponsorin Sheika al Mayassa bint Hamad bin Khalifa Al- Thani sagt in im Vorwort, dass die Tatsache, dass ein britischer Künstler von einer arabischen Institution gesponsert, in einem von einem Schweizer Architekten umgebauten Kraftwerk gezeigt wird, ein Ausdruck der wahrhaft globalisierten Welt sei, ein Beweis letztlich dafür, dass die Vielfalt uns alle stärken wird.


Ann Gallagher schreibt in ihrer Einleitung, dass Damien Hirst, geb. 1965 in Bristol, wie kein anderer seiner Generation das kulturelle Bewusstsein seiner Zeit durchdrungen habe. Für sein Werk seien dessen Direktheit und hohen Ansprüche kennzeichnend. Es sei der trockene Humor der gleichermaßen Ehrfurcht und Wut hervorrufe. Die Ausstellung enthält Arbeiten aus 24 Jahren und schenkt dem Betrachter den ersten umfassenden Überblick über das Werk Hirsts.

Gezeigt werden die Werke aus seiner Studienzeit am Goldsmith College, dann die Werke, in denen er sein künstlerisches Vokabular herausgebildet hat, sowie die Entwicklung unterschiedlicher Werkgruppen in den anschließenden Jahren. Der Künstler erkunde in seinem Schaffen kompromisslos die Zerbrechlichkeit der Existenz und verwende hierfür eine Sprache, die, so Gallagher, der jüngeren Kunstgeschichte in gleicher Weise ihre Referenz erweise wie der westlichen Ästhetik der Objektpräsentation.

Anklänge an eine wissenschaftliche Bilderwelt gab es in Hirsts Werk erstmals als er zwischen 1987-88 am Goldsmith College weiße Schaukästen mit Glasfronten baute, welche Arzneipackungen, Fläschchen und andere Gegenstände aus dem medizinischen Bereich enthielten. Später dann kamen Schaukästen in anderen Größen und Formen hinzu. Die Gynäkologie ist u.a. Gegenstand mehrerer seiner Werke. Verschiedene Schaukästen tragen Titel, die sich auf Religion und Wissenschaft gleichermaßen beziehen.

Seine Bilderserien veränderte Hirst ähnlich wie die Schaukästen mehrfach in Form, Größe und Komplexität und kombiniert sie zum Teil mit Elementen seines übrigen Werks. Wie in Ausstellungskatalogen üblich, hat man Gelegenheit im Rahmen mehrere Essays sich einen intellektuellen Überblick über den Künstler und sein Werk zu verschaffen.


Neben diesen aufschlussreichen Essays hat man die Chance ein Interview mit Damien Hirst zu lesen, das Nicholas Serota am 14.7.2011 mit dem Künstler führte. Hier auch erläutert Hirst, woher sein Bedürfnis kam, mit seinem Werk in Richtung Minimalismus zu gehen. Die erste Arbeit, mit der er tatsächlich zufrieden war, war ein Arzneischrank. Hirst begründet dies und erzählt auch weshalb ihm der Künstler Bacon so viel bedeutet. Wie er über den Tod denkt, erfährt man in dem Interview auch.


 Besonders beeindruckt bin ich von der Skulptur "The Anatomy of an Angel 2008". Spott sehe ich in der Darstellung nicht, sondern wohl eher den Wunsch diesem Wesen Leben einzuhauchen. Hirsts Kunst ist m.E. eine Ode an das Leben in all seinen Facetten. Wunderbar. Mich begeistern die Farben, auch seine Formen, so etwa die Schmetterlinge und die Titel unter den Werken, wie etwa "Doorways of the Kingdom of Heaven". Um das Bild zu verstehen, lohnt es sich das Zitat Hirst zu lesen, das ich mir erlaubt habe, oben in die Kopfzeile zu schreiben. Empfehlenswert.

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Rezension:Römische Kunst von Augustus bis Constantin

Der Autor dieses reich bebilderten Prachtbandes ist Prof. Dr. Bernhard Andreae, der nach Professuren in Bochum und Marburg von 1984 bis 1995 Erster Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom war.

Man lernt in diesem umfangreichen Werk die zentralen kulturhistorischen Begriffe und ausgesuchte Komplexe der römischen Architektur, Bildhauerei, Malerei und des Kunstgewerbes aus der Zeit von Augustus bis Constantin kennen.

Thematisiert werden in insgesamt 48 Kapiteln: Muße und Geschäft; Zentrum; Entwicklung; Persönlichkeiten; Frauen; Frauenfrisuren; Verfassung; Augustus; Religion; Zivilisation; Struktur; Eigenständigkeit; Kopie; Musterbuch; Bildhauerei; Malerei; Architektur; Römische Marmore; Kunstgewerbe; Legitimation; Dynastie; Jupiter auf Erden; Mythos: Aeneas und Odysseus; Familienbild; Natur und Kunst; Land in der Stadt; Autokrator; Brot und Spiele; Triumph; Reliefsäulen; Markt; Modelle; Adoptivkaiser; Bilderreichtum; Mosaike; Reitstatue; Stilwandel; Genealogie; Die weibliche Linie; Soldatenkaiser; Schlacht; Militär und Zivil; Aurealische Mauer; Tetrachie; Palatium und Castrum; Ein neues Rom; In diesem Zeichen; Schönheit der Kunst

Den einzelnen Kapitel ist stets eine Sentenz vorangestellt, die mit dem jeweiligen Kapitel korrespondiert.

Eine Fülle von Skulpturen und Kunstwerken aller Art aus den fokussierten 350 Jahren warten auf den Betrachter und ein Textreichtum, der noch nicht einmal im Ansatz in die Rezension einfließen kann.

Alle genannten Begrifflichkeiten muss man sich inhaltlich vergegenwärtigen, wenn man die Kunst dieser 350 Jahre begreifen möchte. Man muss sich beispielsweise klar machen, wie grundlegend sich griechische von römischer Struktur unterscheidet und auch wie eigenständig die römische Kunst war, obschon sie im Gegensatz zur griechischen stets namenlos gewesen ist. Kunst und Schönheit, so erfährt man, waren für die Römer eigentlich griechische Phänomene, obschon auch die Römer für Schönheit empfänglich waren.

Die Abbildungen im Buch zeigen mir, dass die Römer mit Ihren diesbezüglichen Betrachtungen nicht unbedingt ins Schwarze trafen. Kunst und Schönheit haben viele Gesichter. In der hier betrachteten Epoche hatte es ein "einheitliches Gefüge", um es mit einem Wort Plotins zu formulieren. Die Kunst war vom der römischen Denken geprägt. Vielleicht fehlte ihr die Seele, die man in der griechichen Kunst sofort erfühlen kann.

Ein gelungenes Werk, das man nicht nur vor einer Romreise lesen sollte.

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Rezension:George Condo: Mental States: Seelenzustände (Gebundene Ausgabe)


Dies ist der Katalog zur Ausstellung "George Condor: Mental States", die von 22.2.- 28.5.2012 in der Schirn Kunsthalle am Römerberg in Frankfurt gezeigt wird.

Die Herausgeber des Kunstbandes sind Ralph Rugoff, der Direktor der Haward Gallery, London und Max Hollein, der Direktor der Schirn Kunsthalle in Frankfurt.

Nach einem knappen Vorwort hat man Gelegenheit aufgrund von vier Essays mehr über das Werk und den Künstler zu erfahren. Bei den Essays handelt es sich um folgende:

-Der Seelenzustand Amerikas- Ralph Rugoff
-Abstraktion als Geisteshaltung- Laura Hoptmann
-An die Kuh glauben: George Condos "Psychopathologische Anathema"- Will Self
-Die Klage der Butlers - David Means

Bevor ich mich in diese Essays vertieft habe, verschaffte ich mir zunächst einen spontanen Eindruck über die Werke, die man dem Katalogteil entnehmen kann und las in der Chronologie Wissenswertes über den 1957 in den USA geborenen Künstler, dessen Lebenslauf mir bislang nicht bekannt war. Die Werke haben mich nicht selten erheitert, weil sie viel Hintersinn beinhalten.

Ralph Rugoff, der in seinem Essay eingangs Näheres zu dem 2002 entstandenen Gemälde "Jesus" schreibt, lässt den Leser wissen, dass Condo in Gemälden, die solch bedrückende und vielschichtige emotionale Belastungen zum Ausdruck bringen im Laufe der dreißig Jahre die Randbezirke des Annehmbaren und Erträglichen erforscht habe. Der Künstler dokumentiere mit den Werken, dass Malerei zeitgleich intellektuell herausfordernd und komisch sein könne. Eine Vielzahl von Condors Bildern zerstöre bewusst die Erwartungen und Annahmen des Betrachters, wie sie zu lesen wären. Rugoff nennt dafür auch ein Beispiel und zwar eine Serie von Clowns, die Condo 1982 malte und die an einen Cartoonstrip erinnern und deren "dümmliche Mienen" sogleich klar machen, dass diese Werke nicht als "ernsthafte" Gemälde gelesen werden können.

Es sei verführerisch, viele von Condors Werken aus den letzten 10 Jahren als soziale Allegorie zu lesen, als Reflektion über eine durch wechselnde Strömungen irrationaler Überschwänglichkeit und niederschmetternder Verzweiflung, Melancholie und manischen Exzess zerstörten Kultur. Nicht selten deuteten diese Gemälde eine Landschaft verfallener Glaubensvorstellungen und versagender Mythologien an. Als heruntergekommene Archetypen, an die wir nicht länger glauben können, seien sie die Opfer eines beschleunigten kulturellen Niedergangs, (vgl.: S.19). Condors Malerei vermeide es, eine Haltung der kritischen Distanz anzunehmen. Seine Kunst ergötze sich, so Rugoff, an unlösbaren piktoralen Verflechtungen, die unsere gewöhnlichen Annahmen über die Beziehung von Form und Gehalt ins Wanken bringen.

Ich finde Condos Werke in erster Linie ganz ungemein skurril, komisch, witzig und ziemlich respektlos, ohne dabei verletzend zu sein. Er hält den Menschen den Spiegel vor, zeigt, dass sie sich nicht so wichtig nehmen und bei allem nicht als die intellektuelle Krone der Schöpfung betrachten sollen. Der Mensch, ein Wesen mit kleinem Kopf, staunenden Augen, verdutztem Blick und viel zu großen Ohren... wie soll er all das, was er sieht und hört, verarbeiten?

Ein gelungene Katalog, empfehlenswert. 


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Rezension:: Marilyn by Magnum: Marilyn Monroe bei Magnum (Gebundene Ausgabe)


Dieser Fotobildband enthält insgesamt 80 Aufnahmen des Männertraums Marilyn Monroe, realisiert von Fotokünstlern der Fotoagentur Magnum. Bei den Fotografen handelt es sich um Eve Arnold, Cornell Capa, Henri Catier Bresson, Bruce Davidson, Elliot Erwitt, Philipp Halsman, Erich Hartmann, Bob Henriques, Inge Morath und Dennis Stock. Auf den letzten Seiten des Buches hat man Gelegenheit im Rahmen von Kurzbiografien etwas über die Künstler in Erfahrung zu bringen, sofern man sie zuvor nicht schon kannte.

Herausgeber des Buches ist der Fotograf und Fotokritiker Gerry Badger. Er auch hat den lesenswerten Essay auf den ersten Seiten verfasst. Ich möchte davon absehen, den Text verkürzt hier wiederzugeben aber nicht unerwähnt lassen, dass ich Badger in all seinen Betrachtungen zustimme, vor allem wenn er schreibt, dass man auf dem Bildern nicht die übliche krude Erotik sieht, sondern "warme Sinnlichkeit, Verletzlichkeit, Lachen, strahlende, interessante Schönheit. Das dumme Weibchen weicht einer komplexen, klugen Frau."

Ich mag das schöne Gesicht Marylins, mochte es schon als ich noch ein Kind war. Diese Frau hatte viel Seele und dies wird auf den meisten der gezeigten Bilder deutlich. Auf einem Gruppenbild von Philippe Halsman, das sie mit anderen jungen Schauspielrinnen im Jahr 1949 zeigt, wird erkennbar, dass sie gemessen an den anderen Frauen eine geradezu überirdische Ausstrahlung besaß. Diese Frau leuchtete von innen.

Halsmann zeigt sie 1952 in ihrem Ein-Zimmer-Appartment in einer Bilderserie beim Musikhören und beim Lesen. Ich habe mich beim Betrachten ihres Bücherregals ein wenig nach den Titeln umgesehen. Sie schätzte die Maler Goya und Botticelli, las u.a. Dostojewski. Vielleicht wäre aus ihr eine Intellektuelle geworden, wenn sie noch länger gelebt hätte. Vorstellen kann ich es mir. Sie hatte viele Facetten,war intelligent, vielleicht auch analytisch, war mehr als das, was die Männer zu ihren Lebzeiten in ihr sehen wollten.

Man schminkte ihrem Mund oft viel zu rot. Ein hellerer Lippenstift hätte die Weichheit dieser schönen Lippen viel mehr betont. Nicht nur Marilyns Lippen waren weich. Sie waren ein Ausdruck ihrer selbst. Monoroe war zart und ein wenig hilfsbedürftig in jungen Jahren. Eve Arnold hat sie 1955 auf dem Weg nach Bement in Illinos aufgenommen. Auf dem Foto wirkt sie sehr geheimnisvoll, introvertiert, ein wenig verträumt, aber auch nachdenklich. Das war die eine Facette von Marilyn, die andere war die lachende, strahlende, flirtende. Monroe wurde am 1. Juni geboren. Sie war ein typischer Zwilling.

Es gibt Bilder von ihr, die auf einer privaten Dinnerparty entstanden sind. Auf einem Foto strahlt sie Simone Signoret an. Zu einem solch freundlichen, offenen Lächeln wären Schauspielerinnen wie Sophia Loren anderen Frauen gegenüber niemals in der Lage gewesen. Marilyn war frei von Neid. Wie ungemein sympathisch.

Das Buch enthält viele bekannte, aber auch einige bemerkenswerte, kaum bekannte Bilder. Auf den Fotos, die 1960 von ihr entstanden sind, strahlten ihre Augen nicht mehr. Man spürt die schleichende Depression. Eve Arnold hat Marilyn in diesem Jahr während der Dreharbeiten zu "Misfits" auf einem Bett liegend aufgenommen. Man kann in Monroes Handfläche sehen. Ihre Lebenslinie zeigt an, dass sie wenig Chancen auf ein langes Leben hatte. Im August 1962 war es dann schon zu Ende. Die Handlinien lügen eben nie.
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